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Biographie von Dieter Kittlauß im Noel-Verlag: Grenzgänge. Aus dem Leben eines Wanderpriesters

Nach dem 90. Psalm zähle ich mit meinen mehr als 81 Jahren zu den Hochbetagten. In den letzten vier Jahren habe ich deshalb in mein Leben zurückgeschaut und nun wurde bei der Leipziger Buchmesse meine Biographie durch den oberbayerischen Noel-Verlag vorgestellt.

Mein Lebensweg ging von Breslau, dem Venedig des Ostens, über Weimar und Erfurt bis an den schönen Mittelrhein, und bietet damit eine kleine Kulturgeschichte Nachkriegsdeutschlands aus ostdeutscher Sicht. Dazu gehört auch die Darstellung der DDR aus der Lebenserfahrung eines ostdeutschen Diasporakatholiken; in der Literatur sicherlich eine Besonderheit. Geschildert wird mein langer Weg der Integration und die schrittweise Abgrenzung sowohl vom katholischen Klerus wie vom sozialistischen Teilstaat, wodurch ich als katholischer Priester und Theologe zwangsläufig in die Front zwischen DDR-Staat und katholischer Kirche geraten musste.  Dieser Kampf zwischen David und Goliath endete mit der Übersiedlung in den Westen; und damit begann die Integration in die lange bekannte und doch so fremde westliche Welt. Diese neue Geschichte ist nicht weniger rasant und abenteuerlich, schließt sie doch meine neue Beheimatung in der kleinen Stadt Bendorf am schönen Mittelrhein und auch in der katholischen Kirche von Trier ein; allerdings nun ökumenisch, weltoffen und mit einer tiefgehenden eigenen Neuorientierung.

Meine Biographie „Grenzgänge – Aus dem Leben eines Wanderpriesters“ kann innerhalb Deutschlands portofrei beim Noel-Verlag sowie auch im Buchhandel und im Versandbuchhandel zum Preis von 16,90 € bestellt werden: info@noel-verlag.de

 Das Wort „Grenzgänge“ beschreibt sowohl meinen realen Lebensweg wie meine menschliche und theologische Entwicklung. Das Bildwort des Wanderpriesters knüpft an Abraham an, den wandernden Hebräer; ebenso an Joshua von Nazareth, den Gottesssohn mit seinen Jüngerinnen und Jünger. Aber auch „Aus dem Leben eines Taugenichts“, die Erzählung von Eichendorff, die wir in der sozialistischen Schule gelesen haben, klingt mit. In unserer Zeit war es Roy Black, der mit seiner unvergessenen Stimme die Ballade vom Wanderpriester besang.

Einen herzlichen Gruß an alle.

Dieter Kittlauß

Die Rückkkehr der russischen Wittgenstein nach Deutschland

 

ter Sohn des kaiserlich russischen Feldmarschalls Fürst Ludwig Adolph Peter aus einem jüngeren Zweig der Berleburger Linie, kehrte 1848 mit seiner Gemahlin Leonilla Barjatinsky (1816–1918) aus Russland zurück, erhielt vom preußischen König Friedrich Wilhelm IV. die Burg Sayn geschenkt und erwarb 1848 auch das am Fuß des Burgberges gelegene, im Kern mittelalterliche und später barock umgestaltete Herrenhaus, das zuletzt der Familie Boos von Waldeck gehört hatte. Noch im selben Jahr beauftragte der Fürst gemeinsam mit seiner russischen Frau Leonilla den französischen Architekten François Joseph Girard, den späteren Generalintendanten des Louvre in Paris, das Herrenhaus gemäß dem Zeitgeschmack im Stil der Neugotik zu einem Schloss umzubauen und zu erweitern. An seinem Ostende wurde durch Hermann Nebel von 1860 bis 1862 eine Doppel-Kapelle nach dem Vorbild der Sainte-Chapelle errichtet. Das Schloss wurde im Zweiten Weltkrieg kurz vor Kriegsende stark beschädigt. Es verfiel zur Ruine, nur die Außenmauern blieben erhalten, die Kapelle bleib weitgehend unbeschädigt. Erst in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde der Wiederaufbau geplant und unter Wiederherstellung der alten Bausubstanz durchgeführt. Im Jahr 2000 wurden die Arbeiten abgeschlossen. Heutiger Eigentümer ist Alexander Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Sayn.

Schloss Sayn, (Sammlung Duncker Wikimedia).  Fürst Ludwig Adolph Friedrich zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (1799–1866), ältester Sohn des kaiserlich russischen Feldmarschalls Fürst Ludwig Adolph Peter, kehrte 1848 mit seiner Gemahlin, der russischen Fürstin Leonilla Barjatinsky (1816–1918) aus Russland nach Deutschland zurück. Er erhielt vom preußischen König Friedrich Wilhelm IV. die verfallene Burg Sayn, den Stammsitz seiner Vorfahren, geschenkt und kaufte von der Familie Boos von Waldeck das Herrenhaus am Fuß des Burgberges. Dieses ließ er durch den französischen Architekten François Joseph Girard im Stil der Neugotik umbauen. 1860 wurde nach dem Vorbild der Chapelle Saint Etienne eine Doppelkapelle angebaut. Das Schloss wurde im Zweiten Weltkrieg kurz vor Kriegsende stark beschädigt. In den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts erfolgte mit staatlicher Förderung der Wiederaufbau.

 

 

Hintergrund

Die Aussiedlung der Seitenlinie Sayn-Wittgenstein-Berleburg-Ludwigsburg nach Russland und deren (teilweiser) Rückkehr nach Deutschland ist ein Teil  deutscher Geschichte und auch für die Heimatgeschichte bedeutsam. Mit dieser kleinen Studie wurde ein lesbarer Gesamtüberblick erstellt. Wichtige historische Ereignisse wie die Befreiungsbewegung gegen Napoleon, die Restauration durch den Wiener Kongress und die schrittweise Abschaffung von Adelsprivilegien sind der zeitgeschichtliche Hintergrund. Weiterlesen »

Posted by Kittlauss on Dez 2nd 2015 | Filed in Bendorfer Heimatgeschichte,Heimatgeschichte | Comments (0)

Der Schoß ist fruchtbar. Wurzeln und Formen des Antisemitismus als bleibende Aufgabe der Heimatforschung

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Am Beispiel des Artikels „Juden in Bendorf“ des Bendorfer Schulrektors Heuser, abgedruckt in der Beilage der Bendorfer Zeitung am 3.6.1939, soll die Verwurzelung des Antisemitismus in Deutschland bewusst gemacht und als bleibende Aufgabe der Heimatforschung erläutert werden.

Judenhass und Judenfurcht gab es bereits in der Antike. Es war die Andersartigkeit des jüdischen Lebens, die die Entstehung ständig neuer Zerrbilder vom „Ewigen und hässlichen Juden“ begünstigte. Durch die christliche Kirche erhielten die Juden das Kainsmal der Gottesmörder. Der Text aus dem Matthäusevangelium „Da rief das ganze Volk: Sein Blut komme über uns und seine Kinder!“ diente als Beleg. Die Theologie entwickelt das etwas vornehmere Bild von der Synagoge und der Ekklesia. In dem Lehrbuch „Hortus Deliciarum“ (>Garten der Köstlichkeiten) der Äbtissin Herad von Landsberg im 12 Jahrhundert sind Kirche und Synagoge als zwei reitende Frauengestalten dargestellt. Links vom Kreuz die triumphierende Kirche, rechts die Synagoge. Der Vergleich der beiden Frauen zeigt die tiefe Verachtung des Judentums. Die verschleierte und mit einem blutroten Gewand bekleidete Synagoge reitet auf einem kraftlosen Esel, der entsetzt auf ein Skelett in einem offenen Sarg schaut. Im Arm hält sie ein Messer (Beschneidung), ein Opfertier (>Opferkult) und ein Buch (> Thora). Ganz im Gegensatz dazu die triumphierende Ecclesia. Weiterlesen »

Posted by Kittlauss on Okt 1st 2015 | Filed in Heimatgeschichte | Comments (0)