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Grenzgänge: Aus dem Leben eines Wanderpriesters

Es ist ja wie ein Werk des Heiligen Geistes, dass meine Biographie „Grenzgänge. Aus dem Leben eines wandernden Priesters“ durch den Noel – Verlag bei der Leipziger Buchmesse vorgestellt wurde.Wer dieses Buch liest, versteht die Krise der katholischen Kirche besser und erhält auch noch eine ganz neue Sicht des DDR-Staates aus der Lebenserfahrung eines ostdeutschen Diasporakatholiken. Genauso deutlich werden aber auch die verpassten Chancen, weil eine ganze Armee von begeisterten jungen Theologen auf dem Altar des unseligen Priesterzölibates geopfert wurde.Ein Buch der Leidenschaft für Kirche in der Welt; ein Zeugnis des Leidens der „aussortierten“ Priester; eine Vision für Kirche, wie sie sein sollte. Das Wort „Grenzgänge“ beschreibt sowohl meinen realen Lebensweg von Ost nach West wie meine menschliche und theologische Entwicklung. Das Bildwort vom „Wanderpriester“ knüpft an Abraham, den wandernden Aramäer an; ebenso an Joshua von Nazareth, den Gottessohn mit seinen Jüngerinnen und Jüngern; aber auch „Aus dem Leben eines Taugenichts“, die Erzählung von Eichhendorff, die wir in der sozialistischen Schule gelesen haben, klingt mit. In unserer Zeit war es Roy Black, der mit seiner unvergessenen Stimme die Ballade3 vom Wanderpriester besang. Diese Nacherzählung eines priesterlichen Lebens dürfte in der deutschen Literatur einmalig sein.

Kurz und knapp zum Pflichtzölibat der katholischen Priester

 

Kurz und knapp zum Pflichtzölibat der katholischen Priester

In der römischen Armee durften die höheren Offizieren nicht heiraten;
diese Vorschrift hat die römische Kirche im zweiten Jahrtausend für ihre
Priester übernommen. Allerdings durften sich die römischen Offiziere
eine Maitresse halten, den Priestern der römischen Kirche ist dagegen
jegliche Sexualpraxis verboten. Obwohl es beim II. Vatikanischen Konzil
eine offene Diskussion gab, diesen Pflichtzölibat für Priester (und
Bischöfe natürlich auch) zu verändern, da es mittlerweile gewichtige
Gründe gegen diese Praxis gab, hat Papst Paul VI. diese Diskussion
abgewürgt und verboten. Seitdem ist der Priesterzölibat wie eine
schwärende Wunde. Nicht nur, weil inzwischen Hunderttausende von
(meist jüngeren) Priestern demissioniert wurden, sondern auch weil es
in der katholischen Kirche viele Ausnahmeregelungen gibt; für Priester
der anglikanischen Kirche, die zur katholischen Kirche konvertieren,
wurde sogar ein eigenes kirchliches Gesetz wie für die orthodoxen
Kirchen geschaffen. Vor allem aber hat der Zölibat für die in der Welt
(und nicht in einem Orden) lebenden Priester keinerlei
Zeugnischarakter, denn das Leben als Single hat keinen
herausgehobenen Wert. Die zölibatären Singles sind auch durch den
Pflichtzölibat weder leistungsfähiger oder verfügungsfähiger als
Menschen, die in einer Beziehung leben. Und dann gibt es noch ein ganz
ernstes Argument gegen die Beibehaltung dieses Eheverbotes: Es
handelt sich um einen eklatanten Verstoß gegen die Menschenrechte
und durch den weltweiten Mangel an ehelosen Priestern verstoßen
Papst und Bischöfe außerdem gegen ihre Treuepflicht, ihre
Leitungsaufgabe nach bestem Wissen und Können zu erfüllen. Denn das
priesterliche Heiratsverbot ist wie die Sklaverei oder die Leibeigenschaft
eine geschichtlich gewachsene Praxis, die vom Wesen des katholischen
Glaubens nicht gefordert ist. Wie die Propheten des Judentums setzt
Papst Franziskus dauernd Zeichen. Ein solches ist der Besuch eines
verheirateten Priesters in Rom. Einen solchen Schritt hat noch kein
Bischof gewagt.

Posted by Kittlauss on Apr 16th 2018 | Filed in Katholische Kirche kontrovers,Was das Leben angeht | Comments (0)

Meine Biographie : „Grenzgänge. Aus dem Leben eines Wanderpriesters“

 

Dieter Kittlauß

 

Theologe (kath.) * Seelsorger (ökum.) * Trauerbegleiter (IGSL)

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 Bendorf. 06. April 2018

Liebe Freundinnen und Freunde, sehr geehrte Damen und Herren,

nach dem 90. Psalm zähle ich mit meinen mehr als 81 Jahren zu den Hochbetagten. In den letzten vier Jahren habe ich deshalb in mein Leben zurückgeschaut und nun wurde bei der Leipziger Buchmesse meine Biographie durch den oberbayerischen Noel-Verlag vorgestellt.

Mein Lebensweg ging von Breslau, dem Venedig des Ostens, über Weimar und Erfurt bis an den schönen Mittelrhein, und bietet damit eine kleine Kulturgeschichte Nachkriegsdeutschlands aus ostdeutscher Sicht. Dazu gehört auch die Darstellung der DDR aus der Lebenserfahrung eines ostdeutschen Diasporakatholiken; in der Literatur sicherlich eine Besonderheit. Geschildert wird mein langer Weg der Integration und die schrittweise Abgrenzung sowohl vom katholischen Klerus wie vom sozialistischen Teilstaat, wodurch ich als katholischer Priester und Theologe zwangsläufig in die Front zwischen DDR-Staat und katholischer Kirche geraten musste.  Dieser Kampf zwischen David und Goliath endete mit der Übersiedlung in den Westen; und damit begann die Integration in die lange bekannte und doch so fremde westliche Welt. Diese neue Geschichte ist nicht weniger rasant und abenteuerlich, schließt sie doch meine neue Beheimatung in der kleinen Stadt Bendorf am schönen Mittelrhein und auch in der katholischen Kirche von Trier ein; allerdings nun ökumenisch, weltoffen und mit einer tiefgehenden eigenen Neuorientierung.

Meine Biographie „Grenzgänge – Aus dem Leben eines Wanderpriesters“ kann innerhalb Deutschlands portofrei beim Noel-Verlag und auch im Buchhandel zum Preis von 16,90 € bestellt werden: info@noel-verlag.de

 Das Wort „Grenzgänge“ beschreibt sowohl meinen realen Lebensweg wie meine menschliche und theologische Entwicklung. Das Bildwort des Wanderpriesters knüpft an Abraham an, den wandernden Hebräer; ebenso an Joshua von Nazareth, den Gottesssohn mit seinen Jüngerinnen und Jünger. Aber auch „Aus dem Leben eines Taugenichts“, die Erzählung von Eichendorff, die wir in der sozialistischen Schule gelesen haben, klingt mit. In unserer Zeit war es Roy Black, der mit seiner unvergessenen Stimme die Ballade vom Wanderpriester besang.

Einen herzlichen Gruß an alle. Dieter Kittlauß

 

 

 

Kleine Studie zur Gottessuche

Wir alle sind Suchende

Dieter Kittlauß

 

Mit den riesigen Teleskopen auf Hawai wurde am 19. Oktober 2017 eine schwarzrote, um sich selbst rotierende kosmische Zigarre entdeckt, die aus den Weiten der Milchstraße diagonal in unser Sonnensystem eindrang; sie war ca. 500 Meter lang und 80 Meter breit. Die Schwerkraft der Sonne reichte nicht aus, um ihre Geschwindigkeit von 160.000 Stundenkilometer abzubremsen, so dass der blaue Planet Erde Gott sei Dank verschont blieb. Deshalb fliegen wir, die Kinder dieser Erde, weiter in elliptischer Bahn und wahnwitziger Geschwindigkeit um unsere Sonne. Die Philosophen und Theologen der Generationen vor uns haben erstaunlich präzise Modelle und Theorien des Sternenhimmels erstellt, wir aber können die Laufbahnen unserer Raketen, die wir zum Mond und zu den anderen Planeten schießen, über Jahre hinweg programmieren; können sogar bis an den Rand unserer Galaxis Himmelsstraße schauen und entfernteste kosmische Prozesse im Computer simulieren. Wir durchschauen die wechselseitige Bedingtheit von Raum und Zeit. Aber das gehört auch zu unserer Wirklichkeit: Selbst den von der Sonne am nächsten Stern Alpha Centauri sehen wir nur so, wie er vor 4,3 Jahren war; ganz zu schweigen von der Herrlichkeit des Sternenhimmels, die uns wegen der räumlichen Dimension verschlossen und verborgen bleibt. Was wir sehen, sind die Bilder aus der Vergangenheit.  Genauso verborgen ist uns der Blick in die Tiefe der Materie. Je genauer wir deren Strukturen erkennen und analysieren, umso weiter verschiebt sich die Erkennbarkeit und umso unschärfer wird das, was wir erkennen. Es geht uns wie der Zecke, die sich zwar am Grashalm mühsam hocharbeitet, und doch umso weniger von der Welt um sie herum versteht, je weiter sie klettert. Aber im Unterschied zur Zecke ist für uns Menschen die Deutung unserer Welt und unseres eigenen Lebens in ihr existentiell bedeutsam. Davon zeugen die Religionen und Weltanschauungen von der fernen Vergangenheit bis in die Gegenwart. Die frühjüdischen Priester im babylonischen Exil erkannten nur, was sie mit ihren biologischen Augen gesehen haben; aber ihre theologische Deutung vom Ursprung unserer Welt aus einer Mitte, ist beeindruckend bis heute; ihre bildhafte und abstrakt personalisierte Sprache genial. Um die Einmaligkeit der Weltentstehung für alle Generationen verbindlich festzulegen, begannen sie ihre Kosmologie (der priesterliche Schöpfungsbericht) mit dem Wort Bereschit  (> Am Anfang schuf), ohne dass dieses noch einmal wiederholt wurde. Ob diese Deutung noch gilt, ist eine Frage, die sich heute – vielleicht sogar dringlicher als früher – allen Menschen stellt. Denn weder mit unseren biologischen Augen noch mit unseren Teleskopen und Elektronenmikroskopen finden wir diese Mitte egal wie wir sie nennen mögen. Selbst wenn sich auf anderen Sternen oder Galaxien Leben gebildet hat, das mit uns kommunizieren könnte, wird es nach heutigen Erkenntnissen nie unser Nachbar. Die Gottesfrage entscheidet, ob wir allein sind oder „unter dem Schutz Seiner Flügel“. Aber die Deutungen, die eine Antwort ohne Gott finden, dürfen in ihrer Ernsthaftigkeit nicht grundsätzlich hinterfragt werden, denn auch alle religiösen Antworten bewegen sich in einem Raum des undurchschaubaren Geheimnisses (Paulus) und der existentiellen Unsicherheit (Mk 15,34). Was uns alle eint, ist die Abwesenheit Gottes in unserer Welterfahrung. Egal wo wir hingehen oder hinschauen, nirgendwo finden wir diese Mitte, der das Frühjudentum den Namen „der immer bei uns ist“ gaben. Das Psalmenwort „Stiege ich zum Himmel empor, so bist du dort, und machte ich die Unterwelt zu meinem Lager, du bist da!“ (Psalm 139,8), gilt für uns nicht mehr. Das ist die Situation für den heutigen Menschen.

Aber da gibt es ein Paradoxon. Viele Menschen – und es sind nicht nur wir Christen – haben dennoch die tiefe Überzeugung, dass es eine Kraft gibt, die uns alle verbindet und eint. Der deutsche ZEN -Meister Willigis Jaeger hat dafür das Bild vom Meer „gemalt“, das die Welle ausschickt und wieder zurückholt. Wir sind die Welle, aber nicht das Meer. Die mittelalterliche Scholastik hat das Bild vom SEIN gebraucht, das alles verbindet und durchdringt. Viel wichtiger aber ist die Sehnsucht, die uns in unserem oft mehr als beschwerlichen Leben ein Ziel gibt, das „Prinzip Hoffnung“ des Ohne–Gott– Philosophen Ernst Bloch, das Erahnen von Gerechtigkeit und Vollendung in aussichtsloser Extremsituation. Gott ist nicht da in dieser mal arktisch kalten und mal siedend heißen kosmischen Welt; er hat sich nicht versteckt in den Tiefen der Erde und auch nicht im Mikrokosmos des Materiellen; und doch gab es und gibt es Milliarden Menschen, die zutiefst überzeugt sind, zu einer Mitte zu gehören, aus der sie kommen und zu der sie zurückkehren werden. In der Neurologie gibt es gewichtige Stimmen, die von einem einheitlichen Bewusstsein sprechen, an dem jeder Mensch partizipiert. Die christliche Theologie hat dafür das uns heute fremde und doch so tiefsinnige Wort Gnade geprägt. Die Bibel gebraucht eine metaphorisch-bildhafte Sprache für dieses Gott-mit-uns-Wissen, so als ob da neben uns einer steht, der uns begleitet, uns stützt und uns hält. Und da gibt es noch ein auf den ersten Blick seltsames Faktum: Diese religiöse Erfahrung wird stärker, wenn wir uns darauf einlassen. Wer die Wahrheit tut, kommt ans Licht, drückt es die neutestamentliche Sprache aus.  Gotteserfahrung gibt es nicht ohne dass sich das Herz öffnet, wieder eines dieser unfassbaren Bilder unserer christlichen Tradition. Wir stehen in einer bis in weite Vergangenheit zurückreichende Kette von Menschen, die – jeder auf seine Art – diese religiöse Erfahrung haben, dass das Leben tiefer wird, wenn wir uns für die uns verborgene Mitte dieser unserer Welt öffnen. Wo Euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein, sagt es die biblische Sprache. „Wenn ihr mich sucht, werdet ihr mich finden. Ja, wenn ihr mich von ganzem Herzen sucht, will ich mich von euch finden lassen. Das verspreche ich euch.“ Diese Erfahrung wird uns von Jeremias überliefert; vor fast 3000 Jahren lebte dieser frühjüdische Prophet (Jeremia 29,13-14). Mit Gott scheint es wie mit der Liebe zu sein, die uns nur geschenkt wird, wenn wir sie vorher geschenkt haben.  Der französische Mathematiker und Theologe Blaise Pascal meinte sogar, dass der Gottesglaube rational die vernünftigere Lebensvariante sei. Es gäbe nur die Alternativen, sagte er, dass es Gott gibt oder ihn nicht gibt, und dazwischen gäbe es keinen Mittelweg. Wie bei einer Wette müsse sich jeder Mensch auf eine dieser Varianten einlassen. Und dann sieht Pascal die Gottesbejahung auf der Gewinnseite; denn „wenn Sie gewinnen, gewinnen Sie alles, wenn Sie verlieren, verlieren Sie nichts. Setzen Sie also ohne zu zögern darauf, daß es ihn gibt.“ Rein logisch hat Pascal recht. Wer ohne Gott leben will, weil er diesen nicht für eine Wirklichkeit, sondern für ein Phantom sieht, wird nicht ohne weiteres glücklicher und zufriedener, denn wir müssen mit der oft tödlichen Kälte und Grausamkeit dieser Welt ganz alleine fertig werden und zwar immer im Angesicht unseres eigenen Endes. Viele religiöse Menschen aber erleben zwar auch dieses Leben voller Rätsel und Unsagbarkeit, aber sie fühlen sich getragen und sogar geliebt. Zur Zeiten des Propheten Jeremias gab es einen solchen religiösen Menschen; sein Gebet ist uns durch die Jahrtausende erhalten geblieben: „Denn der Herr ist deine Zuflucht, du hast den Höchsten als Schutz erwählt. Dir begegnet kein Unheil, kein Unglück naht deinem Zelt. Denn er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf allen deinen Wegen. Sie tragen dich auf ihren Händen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt; du schreitest über Löwen und Nattern, trittst auf Löwen und Drachen.“ (Psalm 90, 9-13). Pascal hat insofern recht, dass sich jeder Mensch in seinem Leben wie bei einer Wette entscheiden muss, ohne eine Garantie zu haben. Aber richtig ist auch, dass ein Leben mit Gott keinesfalls die schlechtere Variante ist. Die neutestamentliche Tradition spricht deshalb von dem Schatz, den man suchen muss.

 

 

 

 

 

 

Posted by Kittlauss on Apr 16th 2018 | Filed in Aktuell,Spiritualität und,Theologie,Was das Leben angeht | Comments (0)