DIE PRESSE: Papst-Vertraute: Franziskus möchte den Zölibat abschaffen

Heute erscheint in der österreichischen Tageszeitung DIE PRESSE der Beitrag  „Papst-Vertraute: Franziskus möchte Zölibat abschaffen“. Die Überschrift lässt den üblichen Sensations-Journalismus vermuten. Doch je länger man den Artikel liest, umso mehr kann man den Eindruck haben, dass hier eine wahre Geschichte erzählt wird. Deshalb will ich diese Geschichte nacherzählen, denn im Internet ist sie ziemlich lang.

Clelia Luro kam aus großbürgerlichem, katholischen Haus, war aber schon frühzeitig  von ihrem Mann verlassen worden. Mit ihren sechs Töchtern lebte sie in der brasilianischen Provinz Salta, wo sie die entsetzliche Armut vieler Menschen erlebte und sich ehrenamtlich in den Sozialinitiativen engagierte.  In der Hoffnung, eine Anstellung zu finden, zog sie nach Buenos Aires. Sie hatte Glück! Jerónimo Podestá, der Bischof des Industrievorortes Aveillaneda stellte sie als seine Sekretärin ein. Weil sich beide für die Befreiungstheologie und für soziale Reformen einsetzen, kam der Bischof in Konflikt mit der argentinischen Hierarchie und den Generälen.

Bischof Jerónimo Podesta

Bischof Jerónimo Podesta

Clelia Luro

Clelia Luro

Auf Druck der putschenden argentinischen Generäle und wegen der Beziehung zu einer geschiedenen Frau, erklärte Bischof Podestá 1967 seinen Rücktritt. Nun vertiefte sich seine Beziehung zu Clelia Luro und sie bekannten sich in der Öffentlichkeit als Paar.  Erzbischof Helder Camara traute sie. Dies führte 1972 zur Exkommunikation durch den Papst. 1974 wurden die Morddrohungen so massiv, dass sie Argentinien fluchtartig verlassen mussten und in verschiedenen Ländern Lateinamerikas im Exil und in großer Armut lebten. Als 1983 in Argentinien die demokratische Ordnung wieder hergestellt wurde, durften sie nach Argentinien zurückkehren. Aber es kam zu keiner Versöhnung mit der Hierarchie. Weder Papst Johannes Paul II. noch Kardinal Joseph Ratzinger beantworteten einen der vielen Bittbriefe. Doch der Erzbischof von Buenos Aires, Jorge Mario Bergoglio durchbrach die Isolation. Zum 80. Geburtstag von Jerónimo Podesta empfing er diesen zu einer längeren Audienz; und als dieser 15 Tage später ins Koma fiel, saß er an dessen Bett , hielt dessen Hand und drückte sie. Dann setzte sich der Erzbischof für die Witwe ein, die das frühere Bischofshaus, das allerdings in sehr schlechtem Zustand war, beziehen durfte und per Gerichtsbeschluss die Bischofspension erhielt. Nun wuchs zwischen dem Erzbischof und Clelia Lura eine tiefe Freundschaft. Sie telefonierten regelmäßig und dies auch nach der Papstwahl. Clelia Luro schrieb ihre Autobiographie und veröffentlichte den Großteil ihrer Briefe, darunter auch zwei an Bergoglio. Ihr Lebenstraum, die Abschaffung des Pflichtzölibates für Priester und Bischöfe sprach sie auch weiterhin aus, nachdem Bergoglio Papst geworden war. Aus Angst vor Attentaten und Unruhen hat sie aber den Papst gebeten, die Auflösung des Priesterzölibates nur langsam voranzutreiben. Auf die Bitte Bergoglios hat sie auf den Verband der 100.000 verheirateten Priester Lateinamerika eingewirkt, dass kämpferische Aktionen in der Öffentlichkeit für ein Jahr unterbleiben  

Kittlauss Jul 22nd 2013 12:49 am Katholische Kirche kontrovers,Spiritualität und Keine Kommentare bisher Facebook Kommentare Trackback URI Comments RSS

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