Andere Bilder des Glaubens – Theologische Studie zum Jahr des Glaubens

 

 

Benedikt XVI. hat zum Jahr des Glaubens aufgerufen. Die Initiative des Römischen Papstes ist zu begrüßen, obwohl die propagierten Ablässe einen peinlichen Begleitton erzeugen. Auf der Webseite des Erzbistums München ist obiges Bild zum Glaubensjahr zu sehen. Es macht betroffen, wie stark auch Kirche dem allgemeinen Jugendwahn und der Actions-Kultur  verfallen ist. Aber die Botschaft weist auf  den Wagemut hin, den gläubiges Leben verlangt. Ob es um die vielen Sprünge über die Klippen unseres Lebens geht oder um den Sprung vom Leben in den Tod – immer geht beim Glauben um das  Gelingen unseres Lebens.

Diese Studie will auf dem Hintergrund der christlichen Tradition und in kritischer Auseinandersetzung Verstehenshorizonte des gläubigen Lebens öffnen. Durch die persönliche Subjektivität kann sich der Blick auf die katholische Lebenswirklichkeit verengen. Aber bei aller persönlichen Betroffenheit sind Wahrhaftigkeit und Genauigkeit immer im Blick. Auch ist kein systematisches Lehrstück beabsichtigt; die Auswahl der einzelnen Themen hat sich zufällig oder aber aufgrund von Aktualität ergeben.

 

Inhalt

 

Den Weg Jesu gehen

Übergang

Strukturelle Sünde

Wenn das Gottesbild verblasst

Evolution der Moral

Glauben im Zwielicht

Revision

Am Ende das Meer

Winter in Wien

Sehnsucht

Warum der Glaube neu zu erzählen ist

Der Weg, den wir gehen

Gebet

„Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht“ (Jesaja 7,9)

Den Weg Jesu gehen

Auf diesem Bild hat die Eisenacher Malerin Käthe Volbers (verstorben) die Geschichte von den Emmausjüngern in unsere Zeit versetzt. Bild und Foto sind Eigentum von Dieter Kittlauß.

Die junge Jesusgemeinde um Simon Petrus wartete auf die Wiederkunft des gekreuzigten Herrn. Noch im Brief an die Korinthergemeinde endete Paulus mit dem aramäischen Gebetsruf Maran atha (unser Herr komm 1 Kor, 16,22). In der Geschichte von den zehn klugen Jungfrauen beschrieb  Matthäus die Stimmung in der frühen Kirche (Mt. 25,1ff).  Doch der Herr kommt nicht! Als sich mit der Ostervision verdichtet, dass der Herr trotz Leiden und Kreuz lebt, weil ihn die Macht Jahves nicht im Totenreich gelassen hat, wird die Angst zur Erwartung. Doch langsam verbreitet sich die Ahnung, dass es noch lange dauern wird, bis er kommt. Die Frage wird lauter, wie wir uns in dieser Welt einrichten können? Die Geschichte von der Verklärung lässt uns die Spannung erahnen: Am liebsten Hütten bauen, vorübergehende Wohnstätten, wie in der Wüste damals. Aber diese Zeit ist vorüber. Lukas hat für seine Apostelgeschichte Einzeltraditionen gesammelt. Die Schilderung von der Urgemeinde, die alles teilt, lässt sehr gut die angespannte Situation nachempfinden. Aus den Paulusbriefen wissen wir, wie sich auch später Gemeinden bilden, die sehr endzeitlich und charismatisch leben. Paulus selbst will sich zunächst wegen der nahenden Endzeit nicht einmal an eine Frau binden, aber etwas später muss er seine Gemeinden anmahnen, auch in der Wartezeit ein normales Leben zu führen, um nicht in asoziale Situationen abzurutschen. Weil der Herr nicht kommt, setzt auch bei den Jesusgemeinden die übliche Organisationsentwicklung ein. Wer hat das Sagen? Wer schlichtet den Streit? Wer gibt im Zweifel die Richtung an? Wichtig wird die Abgrenzung zur hellenistischen Welt, aber besonders zu der jüdischen Mehrheit, die Jesus nicht als Messias anerkennen kann. Das Apostelkonzil stellt Weichen für die Abgrenzung zum jüdischen Leben – aber auch zur nichtjüdischen Welt. Doch es dauert nicht lange und die Römische Armee schafft Fakten. Das Tempeljudentum wird Vergangenheit. Damit verschwindet auch die Jerusalemer Urgemeinde. Nun wächst das Christentum durch Abnabelung von der jüdischen Wurzel, die Paulus noch im Römerbrief vehement verteidigte. Die Perspektive verändert sich: Nicht mehr der Jude Jesus mit seiner Thora sondern der erhöhte Herr, der Kyrios, der Retter der Welt und unser aller Erlöser wird zur Mitte und lässt so die Catholica, die christliche Kirche entstehen, die nicht mehr aramäisch-hebräisch sondern Griechisch spricht und – was wichtiger ist – griechisch-hellenistisch denkt. Aber entgegen Paulus, der nur den Blick auf den kommenden Kyrios gerichtet hat, wächst das Bedürfnis nach Rückerinnerung: „Wenn wir den Weg Jesu gehen wollen – und das wollen wir -, müssen wir wissen, was geschah.“ Der Apostelschüler Markus ist wohl der Erste, der den Weg Jesus nachzeichnet und dafür aus gesammelten mündlichen und schriftlichen Traditionen „sein“ Evangelium vom Sohn Gottes, wie er Jesus nennt, gestaltet. Die Nachfolge, die so schwer ist und alles abverlangt, ist nicht unmöglich, trotz Rückfällen, Irrwegen und auch äußerer Bedrängnis. Markus erzählt von den Vorbildern, dem Hauptmann, der armen Witwe und vor allem von den Frauen, aber auch von den Männern um Jesus, die so oft versagt haben – wie Petrus mit seinem Ehrgeiz, in der Jesusgruppe die Rolle eines „Alphatieres“ zu spielen.

In dem obigen Bild hat die Eisenacher Künstlerin Käthe Volbers (†) die Emmausgeschichte in unsere Zeit zeitlich versetzt. Die Blickrichtungen sind nicht mehr direkt zueinander. Jesus lebte in seiner Zeit, mit seinem Weltbild, in einem zersplitterten und unterdrückten Volk, wir leben heute in einer offenen und globalen Medien- und Industriegesellschaft. Die beiden jungen Leute, schauen noch einmal zurück:  „Was hast du uns zu sagen?“ Das Bild lässt offen, ob Jesus eine Antwort weiß. „Bleibe bei uns Herr, denn es ist Abend geworden“ heißt es in der Emmausgeschichte des Lukas. Ein sehr zeitgemäßes Gebet auch für heute.

 

Übergang   

Papyrus Hunefer (19. Dynastie). Bild (Kopie) und Foto sind Eigentum von Dieter Kittlauß.

1842 erfolgte die erste deutschsprachige Herausgabe ägyptischer Totenbücher durch Karl Richard Lepsius. Unter dem Titel „Heraustreten in das Licht des Tages“ wurden  aus dem alten Ägypten Beschwörungsformeln, liturgische Anweisungen und bildhafte Darstellungen für den Übergang in das Leben nach dem Tod gesammelt und übersetzt. Nach der altägyptischen Mythologie musste die Seele des Verstorbenen (BA) in die Unterwelt eintreten und hier  zunächst zahlreiche Prüfungen bestehen. 42 Totenrichter unterziehen unerbittlich eine Prüfung und verlangen  Bekenntnis: „Nicht habe ich bewirkt das Leiden der Menschen, Noch meinen Verwandten Zwang und Gewalt angetan. Nicht habe ich das Unrecht an die Stelle des Rechtes gesetzt, Noch Verkehr gepflegt mit dem Bösen“ (Kapitel 124). Weil die Totenrichter in der Halle der vollständigen Wahrheit richten, kann sich niemand herausreden. Wenn die Seele diese Prüfungen besteht, erhält sie die Schlüssel für die Tore der Unterwelt. Nun kann der Verstorbene um Einlass in das Reich des Osiris bitten. Dem Toten  werden Sprüche und Gebete mitgegeben, auf die Binden der Mumien oder an die Wände der Grabkammer geschrieben. Mit dem Spruch „Rein bin ich und kenne die Namen der Tore“, kann der Tote seine Unschuld bezeugen. Mit einem Gebet kann er um die Hilfe der Gottheiten bitten:  „O Amon, Amon! Vom Himmelsgewölbe schaust du zur Erde herab. Wende dein strahlendes Antlitz zur starren, leblosen Hülle Deines Sohnes, des vielgeliebten! Mache ihn kräftig und siegesbewusst In den Unteren Welten!“  Auf dem hier gezeigten  Papyrus Hunefer (19. Dynastie), dessen Original  sich im Britischen Museum befindet,  wird das letzte Totengericht, das der Verstorbene zu absolvieren hat, dargestellt. Der Tote wird von Todt zur Waage der Maat, der Göttin der Gerechtigkeit,  geleitet. Hier wird von Anubis das Herz des Verstorbenen gewogen und damit geprüft, ob sein irdisches Leben zwischen gut und böse im Gleichgewicht stand. Der Höllenhund Ammit steht wachsam bereit, um den Verstorbenen in die Unterwelt des Vergessens (den Feuersee der Unterwelt)  zurückzuführen, wenn die bösen Taten überwiegen. Thot protokolliert, damit das Prüfergebnis unauslöschlich wird. Wenn die Wage nicht ausschlägt und im  Gleichstand bleibt,  wird der Verstorbene in das Reich des Osiris geführt, in die ewige Glückseligkeit.

Die ägyptische Vorstellung vom Gericht nach dem Tod, das über die Qualität des irdischen Lebens ein endgültiges Urteil fällt, hat die Nachwelt entscheidend geprägt. Während sich der jüdische Glaube über lange Zeit auf dieses irdische Leben konzentrierte und dafür um den Segen Gottes bittet, wächst durch den Einfluss des ägyptisch – griechischen Denkens (> Hellenismus) die Gewissheit, dass es ein Weiterleben nach dem Tod gibt, für dessen Qualität das irdische Leben den entscheidenden Maßstab gibt. So ist es auch ganz normal, dass Jesus von Nazareth als gläubiger Jude in den Vorstellungen und Bildern seines Volkes lebt. Doch in der christlichen Kirchenbewegung gewinnt die Gerichtsbotschaft an Übergewicht und verdrängt sogar oft das Evangelium. In Dante`s Göttlicher Komödie werden die Wege in die Tiefen der Hölle und in die Höhen des Lichtes anschaulich beschrieben, und für Luther war die entscheidende Frage „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“  Durch die Instrumentalisierung der Gerichtsbedrohung wurden Macht und Einfluss der christlichen Kirchen systematisch ausgebaut. Heute ist in unserem Denken das mythische Bild vom Gericht nach dem Tod merklich verblasst. Gewachsen ist aber das innere Wissen um die Wichtigkeit unseres Lebens. Weil das Leben für uns zu einem einmaligen Geschenk, zu einer Chance und Herausforderung wird, hat es seine Bedeutung in sich selbst. Wir nähern uns damit dem altjüdischen Glauben. Tragend für unseren Glauben ist nicht eine zu erwartende Belohnung im Jenseits, sondern die hoffende Gewissheit, dass wir jetzt und bis zur Stunde unseres Todes getragen sind in Gott. Ob wir leben oder sterben, nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes; das war übrigens auch die Botschaft des  Völkerapostels Paulus. Christlicher Glaube bezeugt: wir sind geborgen in einer schützenden Hand – jetzt und in alle Ewigkeit.

 

Strukturelle Sünde  

Beim Ökumenischen Kirchentag in Berlin 2003 gab es in der evangelischen Gethsemaniekirche zwei Gottesdienste besonderer Art. Den einen Gottesdienst feierte mit 3000 Teilnehmern in der Kirche und mehreren Tausenden außerhalb der (körperlich) kleine Theologieprofessor Gotthold Hasenhüttl als katholische Eucharistiefeier, bei der eine evangelische Pastorin die Predigt hielt. Ganz im Sinne der biblischen Erinnerung lud Hasenhüttl alle, die sich würdig fühlten und es mit bereitem Herzen ersehnten, zum Tisch des Herrn ein: „Nehmt und esset alle davon. Das ist mein Leib, der Euch gegeben wird….Nehmt und trinket alle davon.“ Mit dieser Einladung an alle bewegte sich Hasenhüttl im Rahmen der offiziellen Liturgie, in vielen katholischen Gemeinden nichts Außergewöhnliches, zumal im Rahmen eines Ökumenischen Kirchentages. Die Gottesdienstbesucher waren zutiefst berührt und spürten die prophetische Botschaft dieser Feier. Doch schon wenig später packten die Mächtigen in der Katholischen Kirche ihre Folterwerkzeuge aus und machten aus dem bescheidenen Professor einen Ketzer und Sünder; wie die Geier hackten sie  solange auf ihm herum, bis er selbst resigniert das Weite suchte. Auch viele Initiativen aus dem Gottesvolk  halfen nichts  Der Leipziger Theologe und Mystiker, der katholische Pfarrer und Dozent Karl Herbst (†),  arbeitete im Krankenhaus als Hilfspfleger, weil er das angepasste System Katholische Kirche  in der DDR zur Bekehrung anmahnte. Der Berliner Kardinal Alfred Bengsch war nicht zimperlich gegenüber allen innerkatholischen Querdenkern und spannte auch gegen Herbst den antikirchlichen Staat für seine Ziele ein. Karl Herbst wurde seine Kopiermaschine für die Ökumenischen Rundbriefe beschlagnahmt.

Strukturelle Lüge lebt immer dann, wenn eine Funktion Macht verleiht. Dies gilt bei vielen Vätern, die für Kinder doch nur das Beste wollen, sie aber in Wirklichkeit krank machen oder gar zu menschlichen Krüppeln, weil sie in Wirklichkeit nur ihre eigenen Wünsche durchsetzen wollen. Papst Benedikt XVI. sprach bei seiner ersten Ansprache auf der päpstlichen Loggia vom einfachen Priester, den nun Gott erwählt hat. Doch er hat schnell gelernt. Mit Prunk und Pracht hat er sich umgeben, und ist im Gebrauch seiner Macht nicht zögerlich. Den Bischöfen in der Katholischen Kirche geht es wie den Generälen unter Hitler, die nur aus Gehorsamspflicht bis zur Selbstaufgabe lebten, ohne Rücksicht auf die eigenen Soldaten, die Zivilgefangenen oder die Zivilisten.

Strukturelle Sünden geschehen qua Amt: als Eltern, als ältere Brüder, als Kirchenleute, als Politiker, als Hausbesitzer, als Spekulanten, als Vorgesetze, auch als Priester und Bischöfe.  Immer geht es darum, die eigene Macht für seine Interessen (das können auch Ängste sein) einzusetzen und zu rechtfertigen. Die letzten Worte von Erich Mielke in der DDR-Volkskammer waren: „Ich liebe euch doch alle“. Jesus von Nazareth ist gegen solche Verlogenheit hart ins Gericht gegangen.

 

 

Wenn das Gottesbild verblasst 

Auf dem Mars geht unsere Sonne auf. Freigegebenes Foto.

Kein Mensch hat den Mars jeweils betreten, aber durch die Augen eines Roboters, der mittels einer riesigen Rakete bis zum Mars transportiert wurde und dort mit unvorstellbarer Präzision landete, sehen wir hier auf der Erde, wie  unsere Sonne über dem Horizont des Planeten Mars aufgeht. Durch das Hubble-Teleskop sehen wir sogar über unser Sonnen-Planeten-System hinaus weiter hinein in den unendlich erscheinenden Kosmos, dessen Teil wir sind. Die heutige Wissenschaft ist von der Zusammengehörigkeit dieses Kosmos überzeugt, spricht von einem Urknall und vor einer Entropie (Verflüchtigung) in der  Zukunft. Für die atheistische DDR-Propaganda war es einmal ein  wichtiges Argument, dass die Kosmonauten Gott nicht begegnet seien. Heute wir wissen mehr als vor 50 Jahren sowohl  um die Komplexität unserer Welt wie auch um die Begrenztheit unserer Erkenntnisfähigkeit. Das Wissen wächst täglich, aber wir müssen bescheiden bleiben angesichts der Relativität (>Abhängigkeit) von Raum und Zeit, von schwarzen Löchern, die Galaxien auffressen,  und kosmischen Wurmsträngen, durch die die Zeit nach beiden Richtungen läuft. Und alles, was uns heute von der Größe des Kosmos erschaudern lässt, gilt genauso für den Blick in den Mikrobereich, wo die Strukturen immer kleiner und blasser werden, je tiefer wir in ihn eindringen.

Für die gläubigen Menschen bleibt ein anderes Problem: Auch in den Verstehensmodellen der modernen Physik kommt Gott nicht vor. Können unsere Sinne Gott nicht finden, so wie  wir die Radiowellen auf unserer Haut nicht spüren und die Unzahl Bakterien in unseren Kopfhaaren nicht bemerken?  Ist vielleicht Gott eine Illusion? Gibt es ihn vielleicht gar nicht? Hier stoßen wir auf eine wichtige Erklärung der heutigen Gotteskrise. Papst Benedikt XVI. macht es sich zu einfach, wenn er sagt: „Wer glaubt ist nie allein“.  Als ob wir nur zu glauben haben? Wenn wir Gott nicht mehr wahrnehmen in unserer Welt, dann droht Gott zu einem Phantom zu werden, das immer mehr an Gestalt verliert. Was dann noch bleibt, sind die Gottesbilder der Kindheit, an die wir uns nur noch – vielleicht sogar traurig – erinnern.

Gläubigen Menschen kann es helfen, sich zu erinnern, dass Kritik am traditionellen Gottesglauben kein neuzeitliches Phänomen ist, sondern bereits seit gut 500 Jahren ernsthaft geführt wird. Am 17. Februar 1600 wurde Giordano Bruno, ein frommer italienischer Priester, Dichter und Astronom auf dem römischen Campo di Fiori als Ketzer verbrannt, weil er eine neue Gotteslehre vortrug. Giordano Bruno konnte einen extraterristischen Schöpfergott (der von außen die Welt erschafft und erhält) nicht erkennen. Für Ihr war das Göttliche eher so etwas wie eine Seele der Welt, deren innerste Mitte und Kraftzentrum. Die Kirchenmänner lehnten das als pantheistische Ketzerei ab. Im 18. Jahrhundert waren es die schottischen Aufklärer um David Hume, die der Überzeugung waren, dass Religion in Angst und Furcht vor Strafe ihre Wurzeln habe und nur die Überwindung menschlicher Unmündigkeit die Triebkraft für eine humane Gesellschaft sei. Die schottischen (calvinischen und hochkirchlichen) Kirchenmänner bekämpften diese Gedanken der Aufklärer, wo sie nur konnten. In ihrer Machtausübung unterschieden sich die Konfessionen zu allen Zeiten nur wenig.  Der damalige Vorwurf der Aufklärung, die Kirchen seien in ihrem Wesen nicht reformfähig, klingt heute nach 300 Jahren sehr aktuell. Der laute Schrei „Gott ist tot und wir haben ihn getötet“, den Friedrich Nietzsche einen tollen Menschen rufen und am hellerlichten Tage die Lampen anzünden ließ, klingt bis heute in unseren Ohren. Die großen Kriege und die gesellschaftlichen Umwälzungen im Ost-West-Konflikt haben die Gotteskritik zwar zurückdrängen können, doch in der globalen Medienwelt sind auf einmal alle Fragen wieder da, ob die Vorstellung eines Schöpfergottes nicht eine große Illusion sei. Auch die gläubigen Menschen stehen vor dieser Frage. Nicht die lauthalse Frage Martin Luthers „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“ oder die „Sehnsucht des Reformkatholizismus nach einer katholischen Kirche mit menschlichem Antlitz“  begleiten die modernen Menschen, sondern die Frage nach der Wahrheit unserer christlichen Religion. Das mag für viele gläubige Ohren hart klingen. Aber könnte es nicht sein, dass wir uns in der Gottesexistenz so wie beim Sonnenaufgang irren? Jahrtausende Jahre lang haben die Menschen mit ihren eigenen Augen gesehen, wie jeden Tag die Sonne auf und unter geht. Dennoch ist dem nicht so. Wem die Frage nach der Wirklichkeit Gottes  nicht unter die Haut geht, der macht sich verdächtig.

 

Evolution der Moral

"Das verlorene Paradies" nannte Emil Nolde sein Bild. Mit großen Augen schauen uns Adam und Eva an.  © Nolde Stiftung Seebüll

„Das verlorene Paradies“ nannte Emil Nolde sein Bild. Mit großen Augen schauen uns Adam und Eva an.
© Nolde Stiftung Seebüll

Dieses Bild malte Emil Nolde, der ostfriesische Freigeist und menschenfreundliche Maler. Er gab ihm die Überschrift „Das verlorene Paradies“. Jetzt haben wir den Salat, könnte man platt sagen, wie nach einer Insolvenz, oder kurz vor der Scheidung, oder nach der Infektion mi HIV. Aber vielleicht auch wie die 800.000 Menschen in Deutschland, denen der Strom abgeschaltet wurde. Beim Betrachten des Bildes erinnert uns Emil Nolde an unsere alltägliche Gefährdung. Schutzlos sitzen vor uns Adam und Eva als Prototypen aller Menschen. Die zischende Schlange im Nacken, die wilde Bestie im Rücken, nackt inmitten der wuchernden Natur. Mann und Frau als zwei verschiedene Wesen. Was wird aus uns? Emil Nolde stößt uns auf die Frage nach der Sinnhaftigkeit unseres Lebens. Wer gibt uns Licht, wenn es dunkel wird? Damit stoßen wir auch auf die Frage, ob unser christlicher Glauben noch  tatsächlich unser konkretes Leben trägt und prägt? Anders gesagt: Was vereint uns Menschen in der pluralen und offenen Gesellschaft, damit wir zusammen leben können? Ist es noch so, dass das christliche Lebensverständnis maßgeblich ist, auch wenn die gläubigen Christen mittlerweile Minderheit sind? Oder müssen wir als christliche Minderheit leben, weil Öffentlichkeit und Mehrheit bereits aus anderen Quellen trinken?

Charles Darwin (1809-1882)  hat uns aufgezeigt, dass sich alles Leben auf unserer Erde entwickelt: in langen Zeiträumen, je nach äußerer Bedingung, aufgrund von Auseinandersetzungen, auch durch individuelle oder globale Katastrophen. Für viele war dies erschreckend, hatten sie doch im Religionsunterricht etwas anderes gehört, nämlich dass der Schöpfer liebevoll jede einzelne Art (also diejenigen, die zusammengehören) eigens erschafft. Noch schlimmer war die Erkenntnis, dass die Lebewesen von einander abhängen, abstammen – also letztlich eine große Familie sind, also auch die Affen und wir Menschen. Doch es kam noch schlimmer, als Friedrich Nietzsche (1844-1900) mit seiner direkten Sprache, den Evolutionsgedanken auf das geistige Leben der Menschen übertrug, dass auch Kultur, Zivilisation, Ethik und Moral Kinder der Evolution sind, dass es auch hier Wachsen und Entstehen, Welken und Vergehen, auch völliges Verschwinden gibt, da kam er zu dem Schluss, nur starke Menschen können Niveau halten und Untergang verhindern. Was Nietzsche nicht wusste, waren  die Pforten der Hölle, die sich durch den starken Menschen auftaten. Zwei Weltkriege wurden im Namen Gottes geführt. Die menschenfressende Schimäre der Shoa wurde genährt an christlicher Brust. Papst Benedikt XVI. täuscht sich, wenn er meint, wir müssten nur wieder fester und treuer und aufopferungsvoller  glauben. Das Christentum muss sich bekehren. Und weil „der Fisch vom Kopf stinkt“ muss die Bekehrung bei allen, die in der katholischen Kirche Führungsmacht haben, anfangen und beispielhaft in die Kirche hineinwirken.

Die Katholische Kirche werden diese, von vielen Katholiken geforderten Reformen, bis an den Rand ihrer Existenz bringen. Aber ohne diese Reformen wird die Katholische Kirche das Schicksal der afrikanischen und kleinasiatischen Kirchen, die einmal Mitte der Catholica waren, erleiden.

Glauben im Zwielicht  

Muslimische Frauen in Ganzkörperverschleierung. Das Bild ist im Internet veröffentlicht. Ein Rechtsvorbehalt wurde nicht gefunden.

Auf dem Bild sehen wir muslimische Frauen in Ganzkörperverschleierung. Für uns westliche Augen ist dieses Bild kaum erträglich, obwohl viele katholische Nonnen vor dem II. Vatikanischen Konzil eine ähnliche Verschleierung trugen und unsere Großmütter ab 50 nur schwarz gekleidet waren. Der deutsche Philosoph Peter Sloterdijk hat darauf hingewiesen, dass die jüdisch – christliche Tradition nicht nur in ihren positiven Einflüssen gesehen werden kann. Nicht selten pervertierte christlicher Glaube durch Fanatismus, Machtstreben, Gier und verirrtes Denken in sein Gegenteil. Wenn wir die Büchse der Pandorra noch weiter aufmachen, zeigen sich auch bei den anderen Religionen schreckliche Todesboten. Glaube im Zwielicht ist nicht nur ein christliches Problem. 1555 wurde Kardinal Gian Pietro Carafa, der Leiter der Römischen Inquisition, zum Papst gewählt. Er nahm den Namen Paul IV. an. Eine seiner ersten Handlungen war die Bulle „Cum nimis absurdum“ (Da es völlig absurd ist), in der die Juden im Kirchenstaat als Gottesmörder zahlreichen Beschränkungen unterworfen werden. Dazu gehörte die Einrichtung eines Ghettos, ständige Kennzeichnungsplicht (die Männer einen gelben Hut und die Frauen ein gelbes angenähtes Tuch), Berufsverbote, Handelsbeschränkungen und Dienstleistungsverbot in christlichen Haushalten, Verbot der hebräischen Sprache in der Öffentlichkeit und zahlreiche Wohn- und Lebensbeschränkungen. Die Bekämpfung der Protestanten betrachtete Paul IV. als weiteren Schwerpunkt seines (vierjährigen) Pontifikates. Er versuchte den Augsburger Frieden zu unterlaufen und verhinderte eine neue Sitzungsperiode des Trienter Konzils,  da er die Erneuerung der Kirche als alleinige Aufgabe der päpstlichen Kurie betrachtete. Zur Stärkung der katholischen Kirche erweiterte Paul IV. die Befugnisse der „Heiligen Inquisition“. Von ihm ist der Satz überliefert: „Selbst wenn mein eigener Vater Häretiker wäre, würde ich das Holz zusammentragen, um ihn verbrennen zu lassen.“ (Wikipedia)  Im Bündnis mit Frankreich führte er Krieg gegen das katholische Spanien. Eine seiner letzten Handlungen war die Einführung des Index librorum, die Liste verbotener Bücher. Als Paul IV.  am 18. August 1559 plötzlich starb,  feierten die Bürger Roms Freudenfeste, befreiten die Gefangenen aus den päpstlichen Gefängnissen und steckten den Palast der Inquisition in Brand. Heute ist die Katholische Kirche wieder für viele ein Stein des Anstoßes. Papst Benedikt XVI. mit all seiner höfischen Pracht und seinem absolutistischen Anspruch, das Leben der Menschen und Völker in seinem Sinne zu regulieren, wird von vielen keineswegs als Bote der Liebe empfunden.

Religiöser Glaube kann das Leben reich machen, aber er kann auch lebensfeindlich sein. Wenn sich in vielen Ländern aufgeputschte und von Fanatismus erfüllte Menschenmassen auf Gottes Willen berufen, dann erinnern  uns das in Europa an den Dreißigjährigen Krieg, an die vielen frommen Frauen, die als Hexen verbannt wurden und an die Koppelschlösser (Gott mit uns) der Soldaten in den Weltkriegen. Es sind nicht nur die braunen Glatzköpfe in Springerstiefeln, die gegen Emigranten, Flüchtlinge und Juden zum Hass aufrufen, denn 30 % der Menschen bei uns in Deutschland denken wieder antisemitisch.  Vielleicht liegt es an unserer evolutionären Herkunft aus dem Tierreich, dass wir trotz aller (christlichen) Rufe zu Nächsten- und Feindesliebe, und trotz aller (humanistisch-aufklärerischen) Bekenntnisse zu den Menschenrechten so hautnah an der Gewalt leben, humane Kultur und freiheitliche Gesellschaft wie eine dünne Decke wirken und der Rechtsstaat, auf den wir oft so stolz sind, manchmal wie eine Chimäre wirkt.

 

Der getreue Zeuge

Der Christos. Gefunden im Internet. Rechtsanspruch nicht bekannt.

Vor 3800 Jahren hatte im Nordreich Israel der Prophet Jesaja eine Vision: „Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären und sie wird ihm den Namen Immanuel (Gott mit uns) geben…..Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter; man nennt ihn: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens. Seine Herrschaft ist groß und der Friede hat kein Ende.“  Diese messianische Sehnsucht war in den Jahren der Zeitenwende bei vielen Völkern. Aus dem alten Ägypten gab es den Mythos vom göttlichen Kind Horus, das durch den Sonnengott RE (auch: Osiris) gezeugt und durch die große Mutter ISIS geboren wurde. Der römische Dichter Vergil prophezeit das göttliche Kind, das von der Jungfrau geboren wird, und das neue Zeitalter herbeibringt. Der römische Kaiser Augustus, der sich als Sohn des Sonnengottes verstand,  ließ den Jahresbeginn auf seinen Geburtstag legen. Was wundert es, dass die Theologen der frühen Kirche Stück für Stück diese alten Mythen auf Jesus von Nazareth übertrugen, bis dieser schließlich Gott selber wurde. Aus dem jüdischen Mystiker, Propheten, Meister und guten Hirten, wurde so der Erlöser der seit Adam verlorenen Menschheit, der Kyrios, der ewige Logos, der Weltenrichter.  In den Ikonen der orthodoxen Kirchen wurde dieses Gottesbild sichtbar. Der Quantensprung vom monotheistischen Gottesbild des Frühjudentums zur trinitarischen und kirchlichen Glaubenslehre prägt bis heute die Christenheit. Wahrscheinlich ist es für uns gar nicht mehr möglich, so richtig  nachzuempfinden, wie die Christologie bis ins Hohe Mittelalter die Herzen der Menschen bewegte. Doch im zweiten Jahrtausend kam es zu einer gravierenden Veränderung. Das Kruzifix, der Sterbende am Kreuz, wurde nun das beherrschende Christusbild. Die Hoffnung auf Erlösung aus dem Jammertal und die Bewahrung von der ewigen Verdammnis passten zu der kalten Wildnis der germanischen Sumpfwälder und zu den großen Seuchen, den Geißeln der Menschheit. Dies war die Stunde der Kirche, die sich wie ein romanischer Dom als Schutz und Orientierung im Gewitter anbot. Die Frage Martin Luthers  ´“Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“war ein Aufschrei aus tiefster Seelennot.  Weil dies die Römische Papstkirche nicht verstand und nur mit Erhaltung ihrer Macht und ihren Prachtbauten (die wir heute bewundern)  beschäftigt war, kam es in einer gegenläufigen Bewegung  zur Kirchenspaltung. Wie auf der Waage der altägyptischen Maat , die das Gleichgewicht prüfte, entstand als Antwort  unter dem Einfluss der warmen Sonne des Südens die himmlische Welt des Barock, wo Frömmigkeit und Lebenshoffnung eine neue Inkarnation (Fleichwerdung) erleben ließen. Die neuen Christusbilder bekamen neue Facetten:  Maria, die Apostel, die Engel und die vielen Heiligen (Nothelfer) gehören zu seinem himmlischen Hofstaat. Das Gebet zu Maria und den Aposteln und Nothelfern kam aus der Sehnsucht des Glaubens nach Geborgenheit. Wer im wahren Christentum war, konnte hoffen. Die Aufklärung als Aufschrei des unmündigen Menschen zur Erdhaftung begünstigte neue Varianten des Christusbildes: der Heiland, der Lehrer, der Freund, der Geliebte (Herz Jesu).

Heute in unserer säkularen Welt scheint sich diese Fülle an Christusbildern zu verflüchtigen. Wie in der frühen Kirche, damals ganz am Anfang, als Sein Bild noch lebendig war, bestimmt eine niedrige Christologie unsere Erinnerung und Sehnsucht. Auf einmal steht da ein Mensch wie wir[1], der Gottessohn mit seiner Frohen Botschaft[2],  der gute Zeuge[3]. Und auch nach  Auschwitz und Stalingrad  können wir uns an ihn erinnern:  Er war einer von uns. Er wollte Hoffnung und Zuversicht geben.  Weg, Wahrheit und Leben.  Auch heute, auch für uns. ER ist ganz vorn in der Allee der Gerechten. 

 

Am Ende das Meer

Trinität. Französische Buchmalerei. Wikimedia.

Im Gegensatz zu der orientalischen Idee der Wüstenmönche wurde in der abendländischen Aszese die Gemeinschaft zum grundlegenden Existential. Selbst wer besonders intensiv ein Leben mit Gott anstrebte, suchte die brüderliche (schwesterliche) Gemeinschaft, die an einem abgeschirmten Ort (claustrum=Kloster) gemeinsam ein tugendhaftes Leben führte. Dazu passte auch das trinitarische Gottesbild, das sich besonders in den Glaubensbekenntnissen[4] und in der Kunst im so genannten Gnadenstuhl und in anderen Trinitätsbildern wiederspiegelte. Obwohl die Trinitätslehre ihre Quellen auch in der Mystik des Frühjudentums hatte (Weisheit, Logos, Wirkkräfte Gottes) und die Theologie durch spekulative Deutungen jeglichen Polytheismus zu vermeiden suchte, wurde mit ihr dann doch die endgültige Trennung vom jüdischen Glauben vollzogen. Die Übertragung des griechischen Persona – Begriffes auf Gott, gestattete die figürliche Darstellung der Trinität. Nur für den Heiligen Geist wurde die Taube als Symbol beibehalten, wahrscheinlich mit Rücksicht auf die Taufe Jesu im Markusevangelium. In der Volksfrömmigkeit wurde Gott weniger in seiner trinitarischen Gestalt als in seinen Heiligen (Maria, Nothelfer, Apostel) zugänglich. Die pantheistische Deutung Gottes, die auf den Persona-Begriff verzichtete, und Gott mit seiner Schöpfung eng verband, wurde zwar von allen Kirchen kompromisslos bekämpft, aber prägte seit dem Ausgang des Mittelalters das Leben der meisten Wissenschaftler und Künstler[5]. In unserer Zeit gibt es in Anlehnung an Aristoteles, Pantheimus und Buddhismus erneute Versuche, ein apersonales Gottesbild einzubringen. Der evangelische Theologe Paul Tillich (†1965) führte in Anlehnung an Psalm 92,6 das Bild von der Tiefe ein. Der katholische Dogmatiker Walter Simonis bezeichnet die Trinitätslehre als Irrweg und weist darauf hin, dass wir Gott nur in der Gestalt Jesu sehen können. Der katholische (exkommunizierte) Theologe Willigis Jäger vergleicht in Anlehnung an den Buddhismus Gott mit der Weite des Meeres, das die Menschen wie Wellen erzeugt und wieder in sich aufnimmt.  Der Esoteriker Theodor Frey findet Gott als Mitte des Seins. Offensichtlich trifft die enge Verbindung von Monotheismus, personalem Du und Bilderverbot, die im Judentum bis heute gilt, das heutige Denken. Die Frage ist, wie ein gegenstandsloses Gottesbild eine persönliche Beziehung zulässt? Der Rückgriff auf die mystischen Traditionen der Religionen gewinnt von hier aus  zunehmend an Bedeutung.[6]

 

 Winter in Wien 

Der rote Mond von Lesbos. Rechte bei Anne Egbert.

„Nicht müde werden,  sondern dem Wunder  leise  wie einem Vogel  die Hand hinhalten“, beschreibt Hilde Domin die Situation des spirituellen Menschen. Glauben ist nicht Festhalten an Sätzen, wie es die traditionellen Glaubensbekenntnisse einfordern, sondern Offenbleiben für die Innenseite der Welt. Glauben bedeutet Sehnsucht, Fragen nach dem Wesentlichen im eigenen Leben. Es gibt auch das tiefe Gefühl von Geborgenheit, weil wir wissen, was wir nicht beweisen können, dass Gott seinen Engeln befiehlt, uns zu behüten. (Psalm 19). Für die meisten Menschen ist der Kinderglaube die das ganze Leben tragende Form. Deshalb gibt es Katholiken und Lutheraner, Muslime und Buddhisten. Doch es gibt noch ein Phänomen, über das in den christlichen Kirchen weniger gern geredet wird: Die Nacht der Gottesverdunklung für den älteren  Menschen. Reinhold Schneider (1903-1958) gab davon Zeugnis in seinem autobiographischen Buch „Winter in Wien“. Bekannt wurde Reinhold Schneider durch ein Sonett, das er 1938 schrieb, als Adolf Hitler auf dem Höhepunkt seiner Macht war. „Allein den Betern kann es noch gelingen, das Schwert ob unsern Häuptern aufzuhalten und diese Welt den richtenden Gewalten durch ein geheiligt Leben abzuringen. Denn Täter werden nie den Himmel zwingen: Was sie vereinen wird sich wieder spalten, was sie erneuern über Nacht veralten, und was sie stiften Not und Unheil bringen. Jetzt ist die Zeit, da sich das Heil verbirgt, und Menschenhochmut auf dem Markte feiert, indes im Dom die Beter sich verhüllen. Bis Gott aus unsern Opfern Segen wirkt und in den Tiefen, die kein Aug‘ entschleiert, die trocknen Brunnen sich mit Leben füllen. Bis Gott aus unsern Opfern Segen wirkt und in den Tiefen, die kein Aug’ entschleiert, die trockenen Brunnen sich mit Leben füllen.“ Für viele wurde dieses Sonett Anweisung zum Überleben. Als es für den Dichter und Schriftsteller am Ende seines Lebens einsam wurde, schrieb er sich seine ganze Sinnentleerung von der Seele. Auch der christliche Glaube war ihm fremd geworden. Die Veröffentlichung „Winter in Wien“ erfolgte nach seinem Tode.  Von einem jahrelangen Leben der Gottesverfinsterung schrieb auch Theresia von Lisieux in ihren Tagebüchern. Ihren Ordensschwestern war dies peinlich, so dass sie die anstößigen Erinnerungen redigierten. Heute scheint die Gottesferne das alte Europa geradezu zu überfallen. Eifernde Kirchenmänner wie der Kölner Kardinal Meisner beklagen den wachsenden Unglauben und zetern über die gottlose Welt. Aber allein den Betern kann es noch gelingen, das Schwert ob unsern Häuptern aufzuhalten und diese Welt den richtenden Gewalten durch ein geheiligt Leben abzuringen, das ist die Botschaft von Reinhold Schneider. Vielleicht hat die abendländische Christenheit  zu viel Unmenschlichkeit auf ihrem Konto, um ungeschoren davon zu kommen.

Das beigefügte Bild zeigt den roten Mond von Lesbos[7], Symbol für die Veränderung unserer Wahrnehmungen. Obwohl der Erdtrabant immer von gleicher Gestalt ist, sehen wir ihn in unterschiedlichen Silhouetten. Manchmal ist er rund und ganz hell, manchmal eine schmale Silbersichel, andermal ist er nicht da. Hier erscheint er als unwirklicher, schemenhafter, roter Fleck. Auch Gott ist manchmal nicht da, obwohl er da ist. „Winter in Wien“ ist auch eine Chiffre für den  Unglauben des Glaubenden. In einer anderen Geschichte wird erzählt, wie einem frommen Juden alles genommen wird. Zum Schluss ist er als Schiffbrüchiger auf einer kleinen Insel der stürmischen See ausgesetzt. Dann fällt er auf die Knie und beginnt zu beten: Du Gott unserer Väter und Mütter, alles kannst Du mir nehmen, aber nicht mein Vertrauen zu Dir. Alle Religionen erzählen solche Geschichten. Die tiefste Versuchung für den Glaubenden ist die Angst, das ganze Leben einem Irrtum verfallen zu sein und mit dem Tod ins Nichts zu fallen. Es lohnt sich, darüber nachzudenken, was die jüdischen Frauen, Männer und Kinder wohl für einen Gottesglauben hatten, als sich hinter ihnen die Eisentüren der Gaskammern schlossen. Vielleicht waren sie die Märtyrer unserer Zeit?

 

Sehnsucht 

Fritz von Wille. Die blaue Blume. Wikimedia.

Der Dichter Novalis (Georg Philipp Friedrich Freiherr von Hardenberg (1772 – 1801) schildert in seinem Roman „Heinrich von Ofterdingen“ einen Jüngling, der voller Sehnsucht im Traum durch fremde Gegenden reist und schließlich am Fuß eines Berges auf eine Höhle stößt, in der sich ein kleiner See befindet. Am anderen Ufer ist eine wundersame blaue Blume, die ihn anzieht und mit Zärtlichkeit berührt und dann sich in ein wunderschönes Mädchengesicht verwandelt. Für die deutsche Romantik wird die blaue Blume Ausdruck der Sehnsucht, die im Herzen eines jedes Menschen lebt. Es ist die Sehnsucht nach der inneren Harmonie und  nach Schönheit der Natur, nach der Erfahrung der Liebe (auch der erotisch-sexuellen) und nach der emotionalen Erfüllung von der Unendlichkeit. Alles ist beseelt und miteinander verbunden. Diese Sehnsucht springt auch auf die Philosophie, die Musik und die Malerei über. Einer von den vielen Malern der deutschen Romantik ist Fritz von Wille mit seinem Bild „Die Blaue Blume“[8]. Zu den Themen der Romantik (nicht nur in Deutschland) gehört das Suchen nach der vergangenen Welt, der „Kindheit des Menschen“. Märchen und Sagen sind die Weisheit des Volkes. In Volkstänzen und Volksliedern wurde die ursprüngliche Lebenskraft aufgehoben. Aber das Leben ist ständig bedroht. Wahnsinn, Schuld und Tod gehören zum Leben.

Dem Lebensgefühl der Romantik entsprach die Katholische Kirche mit ihrer Symbolik (die Liturgie als Operntheater), ihren Heiligen und Wundern, aber auch wegen ihrer Ablehnung der Aufklärung und des naturwissenschaftlich- rationalen Denken. Die Romantik begleitet deshalb die Renaissance des Katholizismus als volksnahe Religion. Besonders der Marienkult wird zum Auffangbecken romantischer Sehnsucht: „Geleite durch die Welle das Schifflein treu und mild zur heiligen Kapelle zu deinem Gnadenbild und hilf ihm in den Stürmen wenn sich die Wogen türmen. Maria, Maria, o Maria, hilf“.   Nazarenerschule, Neugotik und liebliche Gipsfiguren mit roten Lippen und rosa Wangen  (Fatimamadonnen und Herz-Jesu-Figuren) geben  den Kirchenräumen ein mystisch – einheitliches Gepräge. Ihre Fortschrittsfeindlichkeit (Index, Ablehnung von Demokratie, Menschenrechten und Gewissensfreiheit, Verfolgung von so genannten Irrlehren) versteht die Katholische Kirche zu kaschieren, indem sie ihren institutionellen Einrichtungen einen wissenschaftlichen Rahmen gibt (Theologie als Wissenschaft, Päpstliche Hochschulen, Priester als Gelehrte mit großen Bibliotheken) und die Nichtkleriker (Laien) deutlich als „nicht zuständig“ ausgrenzt. Demgegenüber bleiben die Kirchen der Reformation eigenartig farblos und blutleer.

Dass auch die Menschen unserer Zeit voller Sehnsucht sind, zeigen die vielen Filme mit Liebes- und Beziehungsdramatik. Das Fernsehen gestaltet in diesen Tagen eine thematische Woche zu Sterben und Tod. Die Frage „Wie will und werde ich sterben“ wird in aller Öffentlichkeit diskutiert. Auch die vielen Ehescheidungen (auch von frommen Katholiken) zweigen, wie groß die Sehnsucht nach einer glücklichen Beziehung ist. Alle Kochsendungen wollen Freude am Leben begünstigen. Die Zeitungen sind bunt  und die Stoffe in leuchtenden Farben. Die Oratorien sind gut besucht – ebenso wie die „Missae Solemnes“. Wandern und gesunde Essen  sollen uns vor körperlichem Abbau bewahren und uns in Einheit mit der Natur halten. Auffallend ist, dass (zunächst in unserer westlichen Welt) die christlichen Kirchen dem heutigen Menschen für sein Leben immer weniger zu sagen haben. „Die Botschaft hören wir wohl, aber es fehlt der Glaube“. Als Christen stehen wir vor einem ungeheuren Problem: Glaube als Botschaft (fides qua) wird nicht mehr verstanden, Glaube als Lebenshilfe (fides qua) ist nicht mehr gefragt. Der katholische Theologe Hubertus Halbfas schrieb ein kleines (aber überaus bedeutsames) Buch: „Glaubensverlust – Warum sich das Christentum neu erfinden muss“.  Der Papstbesuch in Deutschland war für eine winzige Minderheit bedeutsam, jedoch für die Mehrheit nicht mehr als ein Spektakel; nebenbei gesagt, kostete er ein Stange Geld. Und auch die Heilig-Rock-Wallfahrt, die der Trierer Bischof in höchsten Tönen als spirituelles Ereignis pries, ist beim genauen Hinsehen nur ein organisatorischer  Erfolg der Institution Kirche und eines neben vielen anderen Events. Vielleicht bringt die Vorbereitung auf das Reformationsjubiläum so etwas wie eine konzertierte Aktion auf die geistige und geistliche Erneuerung der christlichen Kirchen. Dabei hätten die Kirchen der Reformation die Chance, der Versuchung zu entgehen, sich bloß auf die Strukturen der Institution zu konzentrieren. Der Reformator Martin Luther wäre nicht in seiner Bedeutung für die damalige Zeit, sondern als Beispiel für uns heute und die kommenden Generationen nahezubringen, also für unsere Frömmigkeit (Spiritualität) und Wahrhaftigkeit (wissenschaftliche Genauigkeit). Dass Martin Luther die Kirchenspaltung begünstigte, lag im tiefsten an der damaligen Unfähigkeit von Politik und Kirche, denn er hat lange Zeit an eine neue Kirche nicht einmal gedacht.  Aber dass Martin Luther in genialer Weise gläubiger Christ, Theologe, Wissenschaftler und ein menschlicher Mensch war, das könnte ihn zu einem „König der Herzen“ machen.

 

Warum der Glaube neu zu erzählen ist 

Thronende Gottesmutter. Quelle: Internet. Rechtsvorbehalte nicht bekannt.

Die Symbola (Glaubensbekenntnisse), die wir im Gottesdienst sprechen, stammen aus der Frühen Kirche und spiegeln wichtige Glaubensbekenntnisse früherer Generationen wieder. Für viele sind sie das Band der unterschiedlichen christlichen Kirchen, deshalb unantastbar. Allerdings gibt es auch Ausnahmen dieser Regel, etwa das de-facto Verschwinden des Athanasiums (6. Jahrhundert)  oder die Veränderung „katholisch“ in „christlich“  in den evangelischen Kirchen. Wahrscheinlich ist es aber die Angst vor dem totalen Zusammenbruch christlicher Lehre, die bisher die Formulierung neuer zentraler Symbola verhindert. Die vielen Versuche in den westlichen Kirchen konnten sich jedenfalls nicht durchsetzen. Dennoch ist die Neudeutung / Umdeutung der alten Symbola unumgänglich. Am Beispiel des Apostolischen Glaubensbekenntnisses kann dies verdeutlicht werden. Nur in einem Satz wird an die jüdische Wurzel erinnert – sie wird total verschwiegen und der ganze Reichtum jüdischen Glaubens, von dem wir in den Gottesdiensten Gott sei Dank noch vieles bewahrt haben, wird im Apostolikum einfach übergangen. Dann kommt eine Kurzbiografie Jesu, in der Pontius Pilatus erwähnt wird , nicht aber das ganze Wirken Jesu. Die Inhalte (also das, worum es geht) fehlen völlig. Die vierfache Aussage „geboren, gekreuzigt, gestorben und begraben“ ist gegen gnostische Richtungen gerichtet, die den Tod Jesu als Täuschung hinstlellten.Das Wort „eingeboren“ verstehen nur noch Theologen und hinter den vier Wörtern „geboren aus der Jungfrau Maria“ verbirgt sich die erbitterte Auseinandersetzung um die Theotokos (Gottesmutter) auf dem Konzil von Ephesus (451). Die Jesusbiografie wird mit einem fünffachen Mythos abgeschlossen: Unterwelt (dahinter stehen die Mythen von Osiris, Orpheus, Apollo), Auferstehung am dritten Tag (aus dem Grab wie Lazarus), Himmelfahrt (wie Elias), Gottesthron (in vielen Religionen) und Letztes Gericht (Buch Daniel). Der letzte Teil ist eine Kurzfomel über die Catholica, die einzig wahre Kirche. Sie allein verbürgt Rettung und Erlösung. Die Gemeinde in Rom bekennt sich zu ihr. Weil wir diese mythische Sprache nicht mehr verstehen, deshalb kommt das Apostolikum im Alltag nicht mehr vor. Auch beim Gottesdienst geht es ähnlich wie bei einer Missa Solemnis nicht um den Inhalt. Der katholische Theologe Hubertus Halbfas hat darauf hingewiesen, dass die meisten Glaubensinhalte des Christentums eine fundamentale Neudeutung verlangen. Auf dem beigefügten Bild ist Maria Königin dargestellt, eines der vielen Marienbilder, die aus der Volksfrömmigkeit entstanden sind. Hier gibt es keinen Bezug mehr zu Jesus von Nazareth. Stattdessen ist der Muttermythos (Isis, Athene, Astarte, Artemis) zurückgekommen. Wie so oft in seiner zweitausendjährigen Geschichte muss sich der christliche Glaube neu buchstabieren. Das ist schwierig, macht Angst – wir sind ABC-Schützen des Glaubens.

Der Weg, den wir gehen 

In einem allgemeinen Dekret mussten sich jüngst die katholischen Bischöfe in Deutschland grundlegend korrigieren: Katholiken, die sich auf dem Standesamt (o.ä) ihre Mitgliedschaft bei ihrer  Religionsgemeinschaft als Institution des öffentlichen Rechts austragen lassen, sind nicht aus der Kirche ausgeschlossen (exkommuniziert). Damit wurden Millionen Katholiken (auch die verstorbenen), die diesen Weg gegangen sind rehabilitiert. Statt einer ehrlichen Entschuldigung hielten es aber die Bischöfe für angebracht, einen Strafkatalog zu verkünden. Nach der Absichtserklärung auf dem Standesamt erfolgt (wenn in Diensten der Katholischen Kirche) die fristlose Entlassung und bei allen die Verweigerung der Sakramente, auch der Sterbebeihilfe und der kirchlichen Bestattung. Was das bedeutet, steht im katholischen Katechismus (Grundriss des Glaubens) schwarz auf weiß: „ Was die Kirche als ganze ist, das vermitteln die Sakramente im besonderen: Gemeinschaft mit Gott.“ Also: wer die vorgeschriebene Form der  Kirchensteuer nicht zahlt, der wird von den Bischöfen aus der Gemeinschaft mit Gott gestrichen – so wie bei den Ehen übrigens, die nicht nach dem katholischen Eherecht geschlossen werden. Die deutschen katholischen Bischöfe wären gut beraten gewesen, wenn sie ihre unkirchliche Strafandrohung durch ein wohl anfragendes, aber dennoch einfühlendes Wort ersetzt hätten.[9] Weil sich unsere nichtchristlichen Mitbürger aber um solche Dinge nicht (mehr) kümmern und sich mittlerweile auch viele Katholiken von der Abhängigkeit von Kirche befreit haben, hat es keinen großen Aufstand gegeben.

Aber es lohnt sich darüber nachzudenken, worin sich Glauben und Kirchenmitgliedschaft unterscheiden. Aus der Philosophie kennen wir die  Unterscheidung zwischen dem „was ist oder nicht ist“ und dem „was sein muss“. Die Kirchenmitgliedschaft ist etwas, was (in der Regel) durch die Entscheidung unserer Eltern (Opa, Oma, Tante ….) ist, aber nicht sein muss, denn wären diese Freidenker oder Chinesen gewesen, wären wir nicht christlich getauft worden.  Der Glaube aber ist etwas, was nicht (von vornherein) ist, was aber sein muss.  Glauben wird hier in seinem urmenschlichen Sinn verstanden: als tief im Herzen verankerte Sehnsucht nach einem gelungenen Leben. Eine andere Übersetzung für „Glauben“: den eigenen Weg gehen, nicht vom Weg abkommen, den richtigen Weg finden, den Weg nicht verlieren, das Ziel im Auge behalten. Aber auch das bedeutet „Glauben“; Suchet nach Gott und euer Herz wird erstarken.

In der Apostelgeschichte beschreibt Lukas die Begegnung zwischen dem Statthalter Felix und dem gefangenen Paulus. Paulus spricht von dem Weg, den er geht und den die Mehrheit seiner jüdischen Glaubensgenossen eine Sekte nennt (Apg. Kap. 24). Wie Paulus gehen wir Christen heute unseren Weg – in der Nachfolge Jesu Christi und der Generationen vor uns. Gott sei Dank hat sich seit dem II. Vatikanum das Denken in der Katholischen Kirche (nicht unbedingt in allen ihren institutionellen Vertretern) geändert. Niemand darf abgeurteilt werden, wenn er (aufrichtig und niemanden schadend) seinen Weg geht. Nur Gott allein ist der Richter unseres Herzens. Mitglied einer oder gar dieser christlichen Kirche zu sein, muss nicht sein, wohl aber den eigenen – gläubigen – Weg gehen, das ist nun durch und durch katholisch. Das Jahr des Glaubens ist auch ein Aufruf, unser Gewissen zu überprüfen, ob und wo wir als Christenmenschen intolerant, selbstherrlich, fanatisch und hochmütig sind, wo wir andere beschädigen, unterdrücken und ihnen Lasten auftragen. Vor allem aber kann Dankbarkeit unser Herz erfüllen. „Lobe den Herrn meine Seele. Ich will den Herrn loben, solange ich lebe, meinem Gott singen und spielen, solange ich da bin.“ (Psalm 146,1) Der jüdische Psalmist, der dieses Lied vor 3000 Jahren gesungen hat, wusste um das Geschenk des Glaubens. Auch die Frau, die Maria Wolff malte[10], schaut uns mit wissenden Augen an: “Denn Er befiehlt Seinen Engeln, dich zu behüten auf allen deinen Wegen. Sie tragen dich auf ihren Händen, damit dein Fuß nicht stoße an einen Stein“ (Psalm der Komplet, Ps. 91, 11f).[11]      

 

Dieter Kittlauß, Selbstbildnis.

Gebet 

Gott, WER und WAS DU auch bist,

Ursprung und Ziel meines Lebens.

Mutter, Vater, Quelle, Wurzel.

Du hast mich in Deine Welt gerufen,

Dir verdanke ich mein Leben, meine Begabungen und Talente.

Du hast mich geführt und Deine Engel haben mich behütet

auch vor den eigenen Torheiten.

Du hast mir Deine Welt erschlossen: Die Farben und Töne,

Pflanzen, Bäume, Tiere, den blauen Himmel, die Sonne,  den silbernen Mond

und Deinen ganzen unermesslichen  Kosmos

mit den Sternen über mir.

Du hast mich als  Menschen gewollt,

mir Menschen geschenkt, die mich ins Leben einführten und reich machten.

Du hast mir schon in meinen jungen Jahren Chancen erschlossen,

Aufgabenfelder aufgetan, Erfolg und Anerkennung gegeben,

Freude an meinem Leben und an Deiner Welt. Auch hinreichend Gesundheit.

Ich weiß: Es ist alles geschenkt. Allerdings

manchmal habe ich auch geschrien, geweint, meine Fäuste geballt,

wenn ich meine Grenzen erkannt habe oder mich die anderen verlacht haben.

Doch ich habe verstanden, dass dies mein Weg ist,

so wie die Anderen den ihrigen haben.

Bleibe bei uns  und bei allen Menschen die Deiner Hilfe besonders bedürfen,

bleibe bei uns mit Deinem Geist, mit Deiner Kraft und Deiner Nähe,

bleibe auch bei mir

jetzt und in der Stunde meines Todes,

wenn ich mein Leben in DEINE Hände zurückgebe.  Amen


[1] Lukas 23,47

[2] Markus 1,1; 14

[3] Offenbarung 1,5: 3,14)

[4] Besonders ausführlich beschreibt das Athanasische Glaubensbekenntnis das innertrinitarische Leben. Es entstand nach dem Konzil von Chalcedon (451) in Europa und wurde von der Katholischen Kirche im 13. Jahrhundert als Glaubensbekenntnis anerkannt. Auch die Reformatoren zählten das Athanasium zu den drei grundlegenden Glaubensbekenntnissen. Die orthodoxen Kirchen akzeptierten das Atanasium erst ab 17. Jahrhundert. Heute ist das Athanasium bei allen christlichen Kirchen außer Gebrauch gekommen.

[5] Dies gilt auch für die Mystik mit ihrer Theologia negativa.

[6] z.B. Meister Ekkehard, jüdischer Chadismus, muslimische Mystik, Buddhismus.

[7] Rechte bei Anne Egbert

[8] Wikimedia

[9] Jes.10,10:“Weh denen, die unheilvolle Gesetze erlassen und unerträgliche Vorschriften machen“.

[10]  Maria Wolff, Lizenz zu unkommerziellen Verwendung über Augensound.

[11]Autor: Dieter Kittlauß, Koblenz-Olper-Straße 115, 56170 Bendorf / Rhein, Tel. 02622 / 13551;

Mail dieter.kittlauss@online.de. Auf meiner Webseite www.bendorfer-lehrhaus.de sind die ersten Folgen von „Andere Bilder“ und weitere theologische und heimatgeschichtliche Studien.

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Kittlauss Nov 18th 2012 06:39 pm Spiritualität und,Was das Leben angeht Keine Kommentare bisher Facebook Kommentare Trackback URI Comments RSS

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