{"id":738,"date":"2012-07-07T13:17:29","date_gmt":"2012-07-07T11:17:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/?p=738"},"modified":"2019-03-05T04:29:37","modified_gmt":"2019-03-05T03:29:37","slug":"70-jahre-hedwig-dransfeld-haus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/70-jahre-hedwig-dransfeld-haus\/","title":{"rendered":"&#8222;Alles wirkliche Leben ist Begegnung&#8220; &#8211; 70 Jahre Bendorfer Hedwig-Dransfeld-Haus"},"content":{"rendered":"<p>(Erstver\u00f6ffentlichung auf der Webseite der Gesellschaft f\u00fcr Geschichte und Heimatkunde von Bendorf und Umgebung)<\/p>\n<p>Inhalt<\/p>\n<p>1.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Anneliese Debray verl\u00e4sst die Br\u00fccke des HDH:<\/p>\n<p>2.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Dieter Kittlau\u00df wird neuer HDH &#8211; Leiter<\/p>\n<p>3.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Mehr als ein Wunder &#8211; die Sanierung des Altbaubestandes<\/p>\n<p>4.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das Ringen um die \u00d6kumene<\/p>\n<p>5.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das Kuratorium als Impulsorgan und Scharnier zur Welt<\/p>\n<p>6.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Friedensarbeit im Spannungsfeld<\/p>\n<p>7.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Innerdeutsche Arbeit als Verm\u00e4chtnis der &#8222;Gro\u00dfm\u00fctter&#8220;<\/p>\n<p>8.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Internationale Begegnungsarbeit in einer sich \u00e4ndernden Welt<\/p>\n<p>9.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Offen f\u00fcr die Schwachen &#8211; Sozialarbeit im HdH<\/p>\n<p>10.\u00a0\u00a0 Profilierung der M\u00fcttergenesung und Sanierung des Gussie &#8211; Adenauer &#8211; Hauses<\/p>\n<p>11.\u00a0\u00a0 Bildungsarbeit mit Sp\u00e4taussiedlern<\/p>\n<p>12.\u00a0\u00a0 Die Sanierung des Martinshauses<\/p>\n<p>13.\u00a0\u00a0 Den Konkurs im Auge: KVP &#8211; Kostenverbesserungsprozess<\/p>\n<p>14.\u00a0\u00a0 70 Jahre HDH &#8211; 70 Jahre Bendorfer Geschichte<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1. Anneliese Debray verl\u00e4sst die Br\u00fccke des HDH: <\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_743\" style=\"width: 232px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/?attachment_id=743\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-743\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-743\" title=\"AD schreibend. JPG\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/AD-schreibend.-JPG-222x300.jpg\" alt=\"\" width=\"222\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/AD-schreibend.-JPG-222x300.jpg 222w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/AD-schreibend.-JPG-758x1024.jpg 758w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/AD-schreibend.-JPG.jpg 1108w\" sizes=\"(max-width: 222px) 100vw, 222px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-743\" class=\"wp-caption-text\">Anneliese Debray an ihrem 70. Gebuirtstag.<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der ehrenamtliche Vorstand des HDH schrieb am 26. Januar 1981 an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hedwig &#8211; Dransfeld &#8211; Hauses:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8220; Sehr geehrte, liebe Mitarbeiter, Frau Debray hat dem Vorstand mitgeteilt, dass sie der Bitte des Herrn Bischof Dr. Stein, ihre Amtszeit bis zur Einstellung einer neuen Leiterin zu verl\u00e4ngern, nicht entsprechen kann. Sie hat nach bereits erfolgter Verl\u00e4ngerung ihr Amt zum 31.01.1981 niedergelegt. Der Vorstand hat diese Entscheidung akzeptiert. Auf Frau Debrays ausdr\u00fccklichen Wunsch hin wird die Verabschiedung nicht w\u00e4hrend der E. V. &#8211; Vollversammlung, sondern zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt erfolgen. Es besteht die begr\u00fcndete Aussicht, die Stelle der Leiterin zum 1. Mai 1981 zu besetzen. Bis zum Amtsantritt der neuen Leiterin wird Herrn Kittlau\u00df in seiner Eigenschaft als Stellvertreter die Gesamtverantwortung im Haus \u00fcbertragen. Die Repr\u00e4sentanz nimmt der Vorstand war. Wir bitten Sie, die Zeit des \u00dcbergangs durch Ihre qualifizierte Mitarbeit &#8211; wie bisher auch &#8211; zu erm\u00f6glichen&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eigentlich war es ein ganz normaler Vorgang, dass jemand nach mehr als 30 Jahren die Leitungsverantwortung abgibt, und doch verbarg sich hinter diesen kurzen S\u00e4tzen des Vorstandsschreibens eine enorme Dramatik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den Jahren nach 1970 war das HDH in eine zunehmende Krise geraten, die sich sowohl in enormen wirtschaftlichen Schwierigkeiten wie auch in st\u00e4ndigen internen Auseinandersetzungen \u00e4u\u00dferte. Anneliese Debray setzte all ihr K\u00f6nnen ein, um auch diese Krise zu meistern. Sie verzichtete als Rentnerin auf ihr eigenes Gehalt, stellte dringende Reparaturen und Ersatzinvestitionen zur\u00fcck und strich f\u00e4llige Tarifanpassungen; sie schickte Bettelbriefe rund um die Welt und f\u00fchrte viele Gespr\u00e4che, um f\u00fcr das HDH finanzstarke Partner zu finden bzw. eine neue Tr\u00e4gerstruktur aufzubauen. Aber alle Versuche scheiterten. &#8222;Was soll ich denn noch alles tun?&#8220;, mit dieser von ihr oft ge\u00e4u\u00dferten Frage offenbarte Anneliese Debray ihre ganze Not. Mit heutigem Abstand wird man sagen m\u00fcssen: Anneliese Debray konnte die Krise nicht mehr auffangen und teilte das Schicksal vieler gro\u00dfer Pers\u00f6nlichkeiten, die sich irgendwann selbst \u00fcberleben und den Zeitpunkt ihres Zur\u00fccktretens nicht mehr bestimmen k\u00f6nnen. Deshalb musste es zu einem grunds\u00e4tzlichen Konflikt kommen. Frau Dr. Charlotte Schiffler, Ehrenvorsitzende des Vorstands, berichtete sp\u00e4ter:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Anneliese (Debray) war nach Trier zur Bistumsverwaltung gefahren, um neue L\u00f6sungen zu besprechen. Stattdessen erfuhr sie eine Abfuhr. Dies hat sie so deprimiert, dass sie sich nach R\u00fcckkehr sogleich hinsetzte und ihren R\u00fccktritt einreichte. Der Vorstand hatte keine andere Wahl, als ihren R\u00fccktritt anzunehmen.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Frau Debray f\u00fchlte sich verletzt und verbittert. Durch Reisen in die DDR, nach Russland, Polen, \u00c4gypten, Frankreich und vor allem nach Israel versuchte sie in der Folgezeit ihren Lebenssinn zu bewahren. F\u00fcr viele Freunde und Freundinnen des HDH entstand eine komplizierte Situation: sie f\u00fchlten sich mit dem HDH verbunden und wollten doch auch Anneliese Debray die Freundschaft bewahren. F\u00fcr Anneliese Debray wurde die Situation noch schwieriger, als sich durch die Haupthaussanierung das HDH in seiner baulichen Altsubstanz so ver\u00e4nderte, dass sogar &#8222;ihr geliebtes B\u00fcro&#8220; verschwand. Aber in dem HDH &#8211; Gedenkheft von 1987 konnte Dieter Kittlau\u00df schreiben:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Als Anneliese Debray 1981 die Leitungsverantwortung abgab, fehlte ihr zun\u00e4chst die Kraft, diese Entscheidung innerlich nachzuvollziehen. Es spricht f\u00fcr Anneliese Debray, dass sie sich zu der \u201aGeschichte des HDH nach ihr&#8216; zu einem unbedingten Ja durchrang und ihren Segen sprach. So war sie vorbereitet auf den lebendigen Gott&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit einer gro\u00dfen symbolischen Geste schenkte Anneliese Debray Dieter Kittlau\u00df bei der Mitgliederversammlung des HDH &#8211; Vereins 1984 eine Engelkeramik von Eugen Keller, ihres K\u00fcnstlerfreundes aus H\u00f6hr &#8211; Grenzhausen. Als Anneliese Debray 1985 pl\u00f6tzlich in Hamburg starb, beendete sie ihr Leben in beispielhafter Vers\u00f6hnung. In seinem Nachruf schrieb Peter Lindemann in der Bendorfer Zeitung:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Bezeichnend f\u00fcr den Menschen Debray mag auch dieses sein: noch im vergangenen Jahr steuerte die \u00fcber 70j\u00e4hrige einen bis \u201azum Rand&#8216; mit Hilfsg\u00fctern beladenen Personenwagen eigenh\u00e4ndig und allein nach Polen. Die Grenzbeamten konnten es kaum begreifen &#8211; wie \u00fcberhaupt so manches im Leben der gro\u00dfen Frau unbegreiflich, weil so gro\u00dfartig war.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Nachfolgefrage in der Gesamtverantwortung war ein gro\u00dfes Problem. Formal gesehen war der Rechtstr\u00e4ger des HDH ein gemeinn\u00fctziger eingeschriebener Verein und dessen gew\u00e4hlter Vorstand hatte nach der Satzung die Verantwortung. De facto aber war in der Vergangenheit immer Anneliese Debray Motor und Mitte des HDH gewesen. Es wirkte sich auch erschwerend aus, dass der Tr\u00e4gerverein mit seinen ganz normalen Vereinsstrukturen (wie ein Kegelverein oder ein Tanzclub) im Laufe der Jahre zum Tr\u00e4ger eines mittelst\u00e4ndischen Betriebes geworden war. Dieter Kittlau\u00df, der 1976 auf Dr\u00e4ngen des Freundeskreises als Direktionsassistent an die Seite von Anneliese Debray gestellt worden war, kam zur damaligen Zeit als Nachfolger von Anneliese Debray nicht infrage, denn er war ein Mann und dazu noch verheirateter katholischer Priester. Das Erstere war f\u00fcr das HDH wegen der Frauentradition nicht denkbar &#8211; das Letztere aus kircheninternen Gr\u00fcnden f\u00fcr das Bistum Trier nicht akzeptabel. Das HDH war zwar keine kirchliche Institution, aber stand auf Grund seiner Geschichte und seines Anspruches als katholisches Haus im kirchennahen Raum, au\u00dferdem war der Bischof von Trier Mitglied des Vereins und entsandte satzungsgem\u00e4\u00df einen Vertreter in den Vorstand. Mit dem Trierer Dompropst und Finanzchef des Generalvikariates, Domkapitular Peter Faber, war diese Vertretung sogar sehr hochrangig besetzt. Der Vorstand musste nun durch den pl\u00f6tzlichen R\u00fccktritt von Anneliese Debray schnell reagieren und die Leitungsverantwortung vor Ort neu ordnen. So wurde ein Provisorium geschaffen: Dieter Kittlau\u00df wurde die kommissarische Leitung \u00fcbertragen, die Au\u00dfenvertretung und alle wichtigen Entscheidungen behielt sich jedoch der Vorstand vor. Eine neue Leiterin, die noch gar nicht in Sicht war, wurde gewisserma\u00dfen &#8222;aus dem Hut gezaubert&#8220;, um dem ganzen Vorgang den Eindruck einer kurzfristigen L\u00f6sung zu geben und Zeit zu gewinnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. Dieter Kittlau\u00df wird neuer HDH &#8211; Leiter<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_744\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/?attachment_id=744\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-744\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-744\" title=\"D.K. 1995 am Schreibtisch im HDH\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/D.K.-1995-am-Schreibtisch-im-HDH--300x204.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"204\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/D.K.-1995-am-Schreibtisch-im-HDH--300x204.jpg 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/D.K.-1995-am-Schreibtisch-im-HDH-.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-744\" class=\"wp-caption-text\">Dieter Kittlau\u00df an seinem Schreibtisch im Gartenhaus.<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Dieter Kittlau\u00df am 1.2.1981 die kommissarische Leitung des HDH \u00fcbernahm, standen f\u00fcr das HDH die Zeichen der Zeit mehr als schlecht. Die traditionelle M\u00fcttergenesung hatte an Bedeutung verloren, denn die \u00f6ffentliche Wertsch\u00e4tzung galt der berufst\u00e4tigen Frau und nicht der Familienmutter. In der offenen Bildungsarbeit war es schwieriger geworden, Teilnehmer zu gewinnen, auch flossen die \u00f6ffentlichen Zusch\u00fcsse sp\u00e4rlicher. Wichtige Mitarbeitende hatten das HDH verlassen bzw. standen kurz davor, so die beiden franz\u00f6sischen Sozialarbeiterinnen Marie &#8211; Therese Fachon und Brigitte Devaud, der katholische Theologe Georg Evers, der evangelische Pfarrer Horst Adams, der franz\u00f6sische Benediktiner Gerard Daguzan, die Masseurin Maria Brozy und der Politologe, Dr. Rolf Niemann. Auch gab es bei dem Tr\u00e4gerverein altersgem\u00e4\u00df erhebliche Mitgliederver\u00e4nderungen. Aufgrund \u00f6ffentlicher Auflagen drohte die Schlie\u00dfung mehrerer Betriebsteile. R\u00fcckzahlungsforderungen von Darlehen standen an und die Verbindlichkeiten f\u00fcr verlorene Baupl\u00e4ne von Anneliese Debray waren finanziell einzul\u00f6sen. Schlimmer aber war es, dass f\u00fcr viele eine Geschichte des HDH nach Anneliese Debray und ohne sie nicht vorstellbar war. Sowohl von den Vereinsmitgliedern wie auch vom Bistum Trier gedr\u00e4ngt, suchte deshalb der Vorstand gleichsam verzweifelt eine qualifizierte Frau f\u00fcr die Nachfolge von Anneliese Debray. Dass sich mit Dieter Kittlau\u00df jemand fand, der seine langj\u00e4hrige Berufserfahrung zur Rettung des traditionsreichen HDH ohne rechtliche Absicherung der eigenen berufliche Perspektive einsetzte, war wohl &#8211; bene dictum &#8211; ein Gl\u00fccksfall, so sah es jedenfalls die Ehrenvorsitzende, Frau Dr. Charlotte Schiffler. Aber dass die Leitung in den H\u00e4nden einer Frau liegen sollte, war damals f\u00fcr alle eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit diese ganze Geschichte f\u00fcr die Leser verst\u00e4ndlich bleibt, muss das Umfeld des HDH n\u00e4her beleuchtet werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Generation des Jugendbundes war in die Jahre gekommen, aber sie bildete mit ihren Familien immer noch eine bundesweite stabile Tr\u00e4gerstruktur des HDH. Viele f\u00fchlten sich mit dem Bendorfer HDH verbunden und sahen hier eine wichtige spirituelle Kraftquelle f\u00fcr sich selbst und f\u00fcr Kinder und Enkel. Trotz aller wirtschaftlichen, finanziellen und baulichen Probleme blieb diese ideell &#8211; spirituelle Tr\u00e4gerbasis intakt und erm\u00f6glichte so eine Renaissance des HDH. Ohne Zweifel spielte auch der damalige Vorstand eine wichtige Rolle. Renate Irskens, Schulrektorin aus Duisburg, hatte als Vorstandsvorsitzende in dem Trierer Dompropst Peter Faber einen engagierten und dem HDH sehr wohlwollenden Mitstreiter. Klaus Messing, leitender Ingenieur bei den Gerresheimer Glaswerken, Loni B\u00f6hm, Frauenreferentin im Bistum Trier und Josef Lang, Architekt beim Stadtkirchenverband Essen, wuchsen \u00fcber sich hinaus und stellten sich der Vorstandsverantwortung. Um diese Gruppe herum gab es eine Vielzahl von Frauen und M\u00e4nnern, die sich daf\u00fcr einsetzten, das HDH mit seiner reichen Vergangenheit vor der Aufl\u00f6sung zu bewahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Zusammenspiel verschiedener Faktoren lag der Schl\u00fcssel, warum es 1981 nicht zur Aufl\u00f6sung des HDH kam und eine weitere Epoche eingeleitet werden konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 21.5.1984 schrieb Frau Roswitha Verh\u00fclsdonk, Koblenzer Bundestagsabgeordnete, an Dieter Kittlau\u00df: &#8220; \u00dcbrigens hatte ich inzwischen ein Gespr\u00e4ch mit Bischof Dr. Spital wegen der Schwierigkeit, eine geeignete Leiterin zu finden. Loni B\u00f6hm hatte mich \u00fcber den Stand der Dinge informiert. Ich habe unseren Bischof sehr nachdr\u00fccklich gebeten, die Suche nach einer geeigneten Frau aufzugeben und Ihnen die Verantwortung zu \u00fcbertragen. Es schien mir, als h\u00e4tte er sich \u00fcber diesen Vorschlag gefreut.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1981 &#8211; 1984: Mehr als ein Wunder &#8211; die Sanierung des Altbaubestandes bei laufendem Betrieb<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im HDH war der traditionelle Altbaubestand zum Alptraum geworden. Viele Zimmer waren kaum noch zu belegen, die Treppenh\u00e4user entsprachen nicht den gesetzlichen Vorschriften des Brandschutzes, die hygienischen Anlagen waren v\u00f6llig unzureichend, die technischen Anlagen f\u00fcr Heizung, Wasser und Strom veraltet und st\u00f6ranf\u00e4llig. Das alte Schweizerhaus (Gartenhaus) der Familie Remy zeigte Einsturzerscheinungen. Dementsprechend gab es viele beh\u00f6rdliche Auflagen, die st\u00e4ndig nur mit dem Hinweis auf die bevorstehende Sanierung hinausgeschoben wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber f\u00fcr ein Sanierungsprogramm war die Problemliste lang:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2022\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Welche Planungsvorgaben sind an eine Sanierung anzulegen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2022\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wie ist die Finanzierung von mehreren Millionen DM denkbar?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2022\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wie kann trotz einer mehrj\u00e4hrigen Bauzeit die laufende Arbeit gesichert werden?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2022\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Kann das Gartenhaus \u00fcberhaupt erhalten werden?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2022\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wie sollen die Bauabschnitte geplant werden?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2022\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wie k\u00f6nnen die verlorenen Baukosten aus den vergangenen Jahren aufgefangen werden?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2022\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Welche Konsequenzen f\u00fcr das Baugeschehen ergeben sich aufgrund der ungekl\u00e4rten Leitungsfrage<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2022\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ist eine Altbausanierung \u00fcberhaupt sinnvoll?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sollte nicht alles abgerissen werden? oder das HDH aufgel\u00f6st werden?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2022\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wie ist die normalerweise bei 20% liegende Bauplanungskosten\u00fcberschreitung aufzufangen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gl\u00fccklicherweise konnte mit Klaus Richter aus Neuwied ein Architekt gewonnen werden, der sich sehr einf\u00fchlsam in die ungekl\u00e4rte Situation einbrachte. Es war sicherlich eine historische Situation als sich Architekt, kommissarischer Leiter und Vorstand in dem klapprigen HDH &#8211; VW &#8211; Minibus nach Trier auf den Weg machten und dann infolge Motorschadens die letzte Strecke trampend zur\u00fccklegen mussten, um in der Bauabteilung des Generalvikariats Trier gr\u00fcnes Licht f\u00fcr das abgesteckte Sanierungskonzept zu erhalten: Neubau von K\u00fcche und Speisesaal auf der &#8222;gr\u00fcnen Wiese&#8220; gegen\u00fcber dem alten Haupthaus, behindertenfreundliche Sanierung von Haupthaus und Annenhaus, Erweiterung der Wohnung f\u00fcr den HDH &#8211; Leiter und seine Familie, Sanierung des Gartenhauses. Das Parkplatzproblem war gl\u00fccklicherweise schon 1979 durch die Erweiterung des vorhandenen Parkplatzes gel\u00f6st. Die Haupthaussanierung stellte f\u00fcr den laufenden Betrieb viele logistische Probleme. B\u00fcros und Akten mussten st\u00e4ndig verlagert werden. Zur Sicherung der internationalen Sommerseminare wurde auf der Apfelwiese (neben dem j\u00fcdischen Friedhof) ein provisorischer Zeltplatz eingerichtet. Die bei der &#8222;Petersberg &#8211; Auktion&#8220; ersteigerten M\u00f6bel mussten St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck deponiert, bearbeitet oder beseitigt werden. Die Entsorgung der Altm\u00f6bel auf den Dachb\u00f6den und in den Zimmern machte besondere Probleme. Der Zugang zur Kapelle musste sechsmal ver\u00e4ndert werden. F\u00fcr den pensionierten Hausmeister des HDH, Hermann Wolkenhaar, war es sicherlich ein besonders herber Schmerz, dass das von ihm in seiner Freizeit erst k\u00fcrzlich geschaffene Schachbrett vor dem Haupthaus beseitigt werden musste.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0Am schwierigsten war die Finanzierung: 4,8 Millionen DM waren voraussichtlich aufzubringen &#8211; dazu die Verluste durch Belegungsausfall. Das HDH als freier Tr\u00e4ger hatte weder gegen\u00fcber der \u00f6ffentlichen Hand noch gegen\u00fcber dem Bistum Trier irgendwelche Rechtsanspr\u00fcche auf finanzielle St\u00fctzung der Baukosten ganz zu schweigen von einer Kosten\u00fcbernahme. In<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">m\u00fchsamsten Verhandlungen arrangierte Dieter Kittlau\u00df eine Mischfinanzierung aus freiwilligen Leistungen, Krediten und Eigenmitteln. Wie schwierig dies war, l\u00e4sst sich am Beispiel der Landeszuwendung erl\u00e4utern. Bei den ersten Abstimmungen hatte das Land Rheinland &#8211; Pfalz eine Subvention von 750.000 DM in Aussicht gestellt. Bei der Erstellung des Doppelhaushaltes wurde diese Mittelzusage zur\u00fcckgezogen und dies per einfachen Brief mit dem Ausdruck des Bedauerns dem HDH mitgeteilt. Es bedurfte vieler und z\u00e4her Verhandlungen, dass es dann doch gelang, 300.000 DM aus anderen Haushaltsmitteln bereit zu stellen, allerdings auf zwei Doppelhaushalte gestreckt, so dass eine Zwischenfinanzierung unumg\u00e4nglich war. Unkompliziert waren die Verhandlungen mit der (damaligen) Aktion Sorgenkind. Hier stie\u00dfen die Pl\u00e4ne einer behindertenfreundlichen Sanierung eines Altbaus in Berg &#8211; Hang &#8211; Lage auf gro\u00dfes Interesse und wurden mit der Maximalf\u00f6rderung von 750.000 DM belohnt. Relativ unkompliziert war auch die Bezuschussung durch den Bundesjugendplan in H\u00f6he von 400.000 DM. Die Restmittel wurden durch Bankkredite, Grundst\u00fccksverkauf und Spendenaktionen aufgebracht. Das Bistum Trier beteiligte sich letztlich doch mit 782.000 DM und sicherte die Liquidit\u00e4t durch zinsg\u00fcnstige Darlehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deprimierend waren die durch die Finanzierungsl\u00fccken erforderlichen Kompromisse. So konnten die Dachrinnen des Haupthauses und der Kapelle nicht erneuert werden, es musste auf Nasszellen und sogar in Einzelf\u00e4llen auf Waschbecken verzichtet werden und die Neum\u00f6bilierung konnte nur teilweise geschehen. Der neue Aufzug im Haupthaus wurde nur bis zum zweiten Stock gef\u00fchrt und die gesamte Au\u00dfengestaltung erfolgte in Eigenleistungen. F\u00fcr Kunst am Bau, Zimmerschmuck und Bilder waren sowie so keinerlei Mittel vorgesehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gro\u00dfe Schwierigkeiten gab es bei der Fundamentierung des neuen Speisesaales auf der bergseitig linken Stra\u00dfenseite. Die Bendorfer Tiefbaufirma Neutzling ramponierte sich sogar an dem massiven Felsen einen Baggerkopf. Aufgrund der schlechten Finanzausstattung mussten die Fundamentstelzen zur Stabilisierung des Schwemmsandstreifens mit Schippe und Kreuzhacke per Hand erstellt werden. Probleme gab es auch bei der Erstellung der Leiterwohnung. Um die wundersch\u00f6ne nordische Kr\u00fcppelbirke neben der Kapelle (leider 1997 abgeholzt) zu erhalten, wurde diese mit einer Winde vorsichtig zur Seite gezogen. Um den Baukran durch den Park zu f\u00fchren, musste eine eigene Rampe aus vielen Lastwagenladungen Betonschutt geschaffen werden. Sorgenkind in besonderer Weise war das Gartenhaus auf der linken Stra\u00dfenseite. Eigentlich sollte es durch die Abrissbirne entsorgt werden. Es ist &#8222;der List&#8220; von Dieter Kittlau\u00df zu verdanken, dass dies nicht geschah, indem in der Planung die voraussichtlichen Baukosten von 450.000 DM nur mit 80.000 DM angesetzt wurden. Um das Gartenhaus von au\u00dfen zu stabilisieren, entwarf der Architekt, Klaus Richter, den Plan, das alte Haus in ein neues Haus &#8222;einzupacken&#8220;. Bendorf kann stolz sein, dass es gelang, damit ein St\u00fcck seiner baulichen Geschichte zu erhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Errichtung eines neuen Treppenhauses im Haupthaus brachte unvorhergesehene Probleme. Durch die Hanglage wurde auf einmal der Zugang f\u00fcr Rollstuhlfahrer unzug\u00e4nglich. Deshalb musste nachtr\u00e4glich eine kleine Serpentine eingeplant werden. Nach mehr als drei Jahren war es geschafft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der hauseigenen Schrift hei\u00dft es: &#8222;Mit gro\u00dfz\u00fcgiger Unterst\u00fctzung mehrerer \u00f6ffentlicher und kirchlicher Stellen ist es gelungen, wesentliche Geb\u00e4ude des Hedwig &#8211; Dransfeld &#8211; Hauses den beh\u00f6rdlichen Auflagen entsprechend zu sanieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An dieser Stelle sei f\u00fcr Annemarie Wuttke (|) ein ehrendes Wort gestattet. Annemarie Wuttke, geb. Knabl, war 1980 erneut zum HDH gesto\u00dfen, von der Idee dieses Hauses fasziniert. Ihr Gatte war Gro\u00dfh\u00e4ndler f\u00fcr exquisite M\u00f6bel in Belgien und in seiner Freizeit begeisterter Seefahrer. Annemarie Wuttke wollte ihren Beitrag zum Erhalt des HDH einbringen und investierte<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">viel Zeit, Kraft und Geld. Als sie sich nach langem Z\u00f6gern um die Stelle der Leiterin bewarb, musste dieses Vorhaben aber scheitern, da die Chemie zwischen ihr und der damaligen Vorstandsvorsitzenden, Renate Irskens, nicht stimmte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4. Das Ringen um die \u00d6kumene<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/alles-wirkliche-leben-ist-begegnung-70-jahre-bendorfer-hedwig-dransfeld-haus\/einfuhrung-von-pfarrer-adams-im-hdh-kompr-2\/\" rel=\"attachment wp-att-752\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-medium wp-image-752\" title=\"Einf\u00fchrung von Pfarrer Adams im HDH kompr\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Einf\u00fchrung-von-Pfarrer-Adams-im-HDH-kompr1-300x220.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"220\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Einf\u00fchrung-von-Pfarrer-Adams-im-HDH-kompr1-300x220.jpg 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Einf\u00fchrung-von-Pfarrer-Adams-im-HDH-kompr1.jpg 448w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Am 4. Mai 1984 um 15,00 Uhr gab es im HDH und damit auch f\u00fcr ganz Bendorf einen H\u00f6hepunkt. Mit dem Trierer Bischof, Dr. Hermann Josef Spital, wurden die sanierten und neuen Geb\u00e4ude des Hedwig &#8211; Dransfeld &#8211; Hauses eingeweiht. Es passierte die Panne, dass der Bischof aufgrund eines Missverst\u00e4ndnisses zwei Stunden sp\u00e4ter eintraf. Deshalb musste die Festversammlung, die sich bereits in der Kapelle versammelt hatte, \u00fcber die Stra\u00dfe in das neu gebaute Hildegardhaus zur\u00fcckbeordert werden, um den Kaffee vorzuziehen. Doch es gab keinen Verdruss. Eher schon beim Gottesdienst. Als der langj\u00e4hrige Freund des HDH, der evangelische Pfarrer Ortgies Stakemann, bei der katholischen Messfeier zur Kommunion ging, erregte dies die Verwunderung des Bischofs. Bei dem grunds\u00e4tzlichen Abkl\u00e4rungs- Gespr\u00e4ch nach dem Gottesdienst machte aber nach dem H\u00f6rensagen Ortgies Stakemann keine schlechte Figur. F\u00fcr den katholischen Bischof wurde dieses Gespr\u00e4ch vielleicht sogar zu einer &#8222;Lehrstunde \u00fcber \u00d6kumene &#8222;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit es f\u00fcr die Leser dieses Berichtes nicht zu kompliziert wird, werden lediglich die wichtigsten Entwicklungslinien dargestellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1980 verlie\u00df der evangelische Pfarrer, Horst Adams, der mit Willen der Evangelischen Kirchenleitung in voller Stelle dem Hedwig &#8211; Dransfeld &#8211; Haus beigeordnet war, aus pers\u00f6nlichen Gr\u00fcnden das HDH. Nach einer wenig gegl\u00fcckten Zwischenl\u00f6sung, trat dann 1981 Pastor Horst Eisel die Nachfolge an. Die Anstellung war jedoch durch die Evangelische Landeskirche im Rheinland sehr abgeschw\u00e4cht worden. Deshalb erfolgte auch die Einf\u00fchrung von Horst Eisel nicht in der HDH &#8211; Kapelle. Dieter Kittlau\u00df erinnert sich: &#8222;Eines Tages kam jemand in mein B\u00fcro und stellte sich als der neue evangelische Pfarrer vor&#8220;. Es war damals bereits die Zeit der Abk\u00fchlung zwischen den christlichen Kirchen. Jede Seite wollte ihre Position festigen. So war auch das Hedwig &#8211; Dransfeld &#8211; Haus f\u00fcr die Evangelische Kirche aus einem Ort des Zueinandergeh\u00f6rens zu einem Ort der Pr\u00e4sens geworden. Das hie\u00df konkret: Horst Eisel war nicht wie seine Vorg\u00e4nger evangelischer Pfarrer im HDH sondern kreiskirchlicher Pfarrer, der im Rahmen seines Dienstvertrages auch T\u00e4tigkeiten im HDH verrichten solle. Aber dann passierte ein kleines Wunder. Bei aller politischen und lebensm\u00e4\u00dfigen Unterschiedlichkeit zwischen Dieter Kittlau\u00df und Horst Eisel setzte sich der Wille zur \u00f6kumenischen Gemeinsamkeit durch. So wurde die vom \u00d6kumenischen Weltrat formulierte &#8222;Vers\u00f6hnte Verschiedenheit&#8220; durch die Zusammenarbeit von zwei sehr unterschiedlichen Theologen im Bendorfer Wenigerbachtal f\u00fcr 15 Jahre zur Realit\u00e4t. Ohne \u00dcbertreibung kann gesagt werden, dass das Bendorfer HDH zum dritten Mal ein \u00f6kumenischer Kulminationspunkt von betr\u00e4chtlicher Bedeutung wurde. Ganz im Sinne des Wortes &#8222;Wach im Gewissen und Mut zum vorauseilenden Gehorsam&#8220; wurden mit Verantwortung und Augenma\u00df neue Wege beschritten und neue Formen erprobt. Viele Gottesdienste werden unvergessen bleiben. Dazu geh\u00f6rten zu gegebenem Anlass die gemeinsame Feier der Eucharistie und schlie\u00dflich auch der liturgische Dienst von Frauen am Altar. In vielen Seminaren wurden aktuelle Themen aufgearbeitet. Die \u00d6kumenischen Wochenenden fanden lange Zeit ein gutes Echo. Dabei ging es nie nur um die sogenannten kontroversen Themen sondern immer um &#8222;das, was Christen heute angeht&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon in den 60er Jahren wurde die evangelisch &#8211; christliche \u00d6kumene durch den j\u00fcdisch &#8211; christlichen Dialog erweitert. In dem Beitrag &#8222;Von der Villa Sayn zum Hedwig &#8211; Dransfeld &#8211; Haus&#8220; sind die Anf\u00e4nge dieses so enorm wichtigen Zweiges der HDH &#8211; Aktivit\u00e4ten ausf\u00fchrlich dargestellt. In den 70er Jahren wurde der Dialog zwischen Juden und Christen durch die Einbeziehung der Muslime zum TRIALOG erweitert. In den 80er Jahren wurde Pfingsten zum Ort des christlich &#8211; muslimischen Dialoges. Es w\u00fcrde hier den Rahmen sprengen, das Werden dieser<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Arbeit im Detail aufzuzeigen, deshalb soll dies zu sp\u00e4terer Zeit in einem eigenen Beitrag geschehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wichtig war es, diesen \u00f6kumenischen Dialog in die &#8222;normale&#8220; Bildungsarbeit einzubringen, gleich ob bei Sch\u00fclerseminaren, M\u00fctterkuren, Freizeiten oder Familienseminaren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erw\u00e4hnenswert sind die \u00f6kumenischen Seminare, die in Zusammenarbeit mit der Frankfurter Gruppe &#8220; Weltgebetstag der Frauen&#8220; durchgef\u00fchrt wurden. Zielgruppe waren Frauen und (sp\u00e4ter auch) M\u00e4nner aus den unterschiedlichen christlichen Traditionen, wozu auch die Qu\u00e4ker und die Heilsarmee geh\u00f6rten. Die Themen bezogen sich auf gemeinsame spirituelle Aufgaben wie Seelsorge als Funktion der Gemeinde, Bedeutung der Marienfr\u00f6mmigkeit und der Heiligenverehrung oder der Zugang zur biblischen Tradition .Zu diesen Seminaren geh\u00f6rte immer die Feier der Eucharistie. Dieter Kittlau\u00df erinnert sich: &#8222;Es war schon bewegend, Gerlind Schw\u00f6bel, erste Pastorin der evangelischen Landeskirche Hessen &#8211; Nassau, in ihrem schwarzen Talar zu erleben. Und unvergesslich wird es bleiben, wie wir Pfingsten mit Christen aus afrikanischen Gemeinden in London und Birmingham feierten. Damals fehlte uns ein katholischer Liturge. Der liebe Gott schickte uns daf\u00fcr einen Bischof, von dem wir sp\u00e4ter erfuhren, dass er in London als Taxifahrer sein Brot verdient. Die deutsche Gruppe musste am Freitag abends zwei Stunden warten, da die englischen G\u00e4ste auf der Anfahrt von Frankfurt im Stau stecken geblieben waren. Aber kaum str\u00f6mten sie in die Gymnastikhalle, da rissen sie uns durch ihr Tanzen und Singen aus allem Frust. Und es hat uns alle ergriffen, als am Pfingstsonntag der afrikanische Bischof im feierlichen Pontifikalornat auf einem roten Samtsessel sa\u00df und uns allen die H\u00e4nde auflegte.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein besonders bemerkenswertes Kapitel \u00f6kumenischer Aktivit\u00e4t war die Theologische Sommerwoche 1993 zu dem Thema &#8222;Von Jesus, dem Juden erz\u00e4hlen&#8220;. In der sp\u00e4ter gedruckten und viel beachteten Dokumentation schrieb Dieter Kittlau\u00df: &#8222;Das Christentum hat nicht nur durch die Einverleibung unterschiedlicher religi\u00f6ser Traditionen sondern immer auch durch die Enteignung des Judentums seine Identit\u00e4t aufgebaut. Nicht nur gegen\u00fcber den j\u00fcdischen Schwestern und Br\u00fcdern, sondern auch in den Raum der Kirchen hineinm\u00fcssen wir heute klar und unverk\u00fcrzt sagen, dass das Christus-Bild von dem Juden Jesus nicht nur eines von vielen Christusbildern ist, sondern eine ganz zentrale Bedeutung hat. Es bedurfte vieler Gespr\u00e4che und Auseinandersetzungen, bis wir es wagten, die Suche nach einer neuen Christologie in die Seminararbeit als ausdr\u00fcckliches Thema einzubringen.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht weniger bedeutsam war die n\u00e4chste Theologische Sommerwoche zu dem Thema &#8222;Trinit\u00e4t&#8220;. Leider musste diese Seminarreihe wieder abgesetzt werden, da es nicht gelang, die Finanzierung zu sichern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An dieser Stelle sei f\u00fcr die junge Theologin Edith Sauerbier eine kleine Laudatio ausgesprochen, die die Fragestellungen und Antworten der feministischen Theologie in die Arbeit des HDH einbrachte und sehr qualifiziert die Dokumentationen des HDH verantwortete. Hierzu geh\u00f6rte auch die Schrift \u00fcber die W\u00fcrdigung der Sionsschwester Charlotte Klein, die zu den Pionieren des j\u00fcdisch &#8211; christlichen Gespr\u00e4ches z\u00e4hlte und 1963 bei der 1. j\u00fcdisch &#8211; christlichen Bibelwoche im HDH dabei war. Leider gab es im Bildungsteam so starke Spannungen, dass Edith Sauerbier ihre Mitarbeit im HDH beenden musste. Dieter Kittlau\u00df tat es sehr leid, dass ihm eine L\u00f6sung dieses Konfliktes nicht gelang.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einige Namen m\u00fcssen hier eigens genannt werden: Prof. Dr. Paul<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eisenkopf f von der philosophisch &#8211; Theologischen Hochschule in Vallendar wurde zu einem kontinuierlichen Partner im \u00f6kumenischen Dialog. Dass er sich auch die Herzen der vielen jungen Leute eroberte, ist vielleicht noch wichtiger.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Pfarrer Wemmer von Troisdorf kam viele Jahre nach Bendorf, um seelsorglichen Dienst bei lebensbedrohten Frauen innerhalb der M\u00fcttergenesung zu leisten. Ute Stamm, Bildungsreferentin f\u00fcr Familienarbeit im HDH, \u00fcbernahm mit gro\u00dfem Engagement die Organisation der gro\u00dfen Interreligi\u00f6sen Tagungen. Dr. Jonathan Magonet, Direktor des j\u00fcdischen Leo &#8211; Baeck &#8211; College in London, garantierte die Weiterf\u00fchrung der j\u00fcdisch &#8211; christlichen Bibelwoche. Nicht zu vergessen werden d\u00fcrfen der schon erw\u00e4hnte evangelische Pfarrer Ortgies Stakemann und Dr. Lotte Schiffler, die Ehrenvorsitzende des HDH. Beide sorgten daf\u00fcr, dass im HDH &#8222;Gott weiterhin geliebt wurde&#8220; und &#8222;dass in Bendorf der Geist nicht ausstirbt&#8220;. Durch die die Freundschaft mit Scheich Bashir Dultz (Bonn &#8211; Bad Godesberg, Leiter der Deutschen Muslim-Liga, Scheich des Suffi &#8211; Ordens) wurde der Dialog mit den islamischen Gl\u00e4ubigen im HDH beheimatet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was viele Bendorfer oft nicht ahnten, war weltweit bekannt: Da gibt es am Rhein ein Zentrum, wo sich die Menschen aus unterschiedlicher religi\u00f6ser Tradition respektieren, sich gegenseitig zum Gottesdienst einladen und vielleicht sogar lieben. Hier feierten katholische und evangelische Christen Eucharistie, hier feierten Juden den Shabbat, hier beteten Muslime zu Allah und M\u00e4nner und Frauen aus der Suffi &#8211; Spiritualit\u00e4t mit dem DIKR ihren n\u00e4chtlichen Gottesdienst, hier zogen christliche Frauen als Diakoninnen und Priesterinnen feierlich ein, hier predigten Offizierinnen der Heilsarmee. Ganz bewusst sollten mehrere Bilder in der Kapelle diesen Geist der Vers\u00f6hnung aussagen. Dazu geh\u00f6rten das Relief mit den Symbolen der Religionen des Bildhauers Karl Franke aus Meerbusch bei D\u00fcsseldorf und einige Meter weiter das Bild von Peter Wei\u00dfkopff, international anerkannter K\u00fcnstler in M\u00f6nchengladbach, das auf den lebendigen Gott als die Mitte der drei abrahamitischen Religionen hinwies (heute entfernt). Das Bild &#8222;Mahl der V\u00f6lker&#8220;, von der franz\u00f6sischen Sozialarbeiterin Brigitte Devaud mit einer Kindergruppe gemalt, h\u00e4ngt heute noch \u00fcber dem Altar. Bemerkenswert waren auch das Schutzengelbild eines psychisch Kranken und die Komposition eines jungen Polen, entstanden auf dem j\u00fcdischen Friedhof in Sayn anl\u00e4sslich eines deutsch &#8211; j\u00fcdisch -arabischen Seminars zum Thema &#8222;Holocaust&#8220; (leider auch nicht mehr erhalten).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>5. Das Kuratorium als Impulsorgan und Scharnier zur Welt 15 Jahre Kuratorium des Hedwig &#8211; Dransfeld &#8211; Hauses<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_748\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/?attachment_id=748\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-748\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-748\" title=\"HDH Frau Dr. Schiffler komprimiert\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/HDH-Frau-Dr.-Schiffler-komprimiert-1-300x273.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"273\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/HDH-Frau-Dr.-Schiffler-komprimiert-1-300x273.jpg 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/HDH-Frau-Dr.-Schiffler-komprimiert-1.jpg 814w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-748\" class=\"wp-caption-text\">Frau Dr. Charlotte Schiffler und Kirstin Feber-Fahr &#8211; zwei frauen, die dem Hedwig-Dransfeld-Haus ihr Herz geschenkt hatten.<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf den Mitgliederversammlungen des HDH e.V. im Januar 1980 und 1981 wurde in der Vereinssatzung die Bildung und Arbeit eines Kuratoriums festgeschrieben. Organe des Vereins sind nunmehr die Mitgliederversammlung, der Vorstand und das Kuratorium. In \u00a7 10 der neuen Satzung hie\u00df es: &#8222;Aus einer Vorschlagsliste, die e.V. &#8211; Mitglieder und Mitarbeiterinnen des HDH erstellen, beruft der Vorstand das Kuratorium, das aus mindestens 6 Personen besteht, die so ausgew\u00e4hlt werden, dass die wichtigsten Arbeitsbereiche durch sie sachkundig vertreten sind. Das Kuratorium plant mit der Leitung und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Hauses Ziele und Inhalte der Arbeit des HDH. Die Mitwirkung an der Durchf\u00fchrung der Ma\u00dfnahmen und die Zusammenarbeit mit dem Vorstand regelt die Gesch\u00e4ftsordnung. Die Amtszeit der Mitglieder des Kuratoriums betr\u00e4gt vier Jahre. &#8220; Hinter der Idee des Kuratoriums stand nicht der Gedanke von Kontrolle und Reglementierung sondern die Vision einer m\u00f6glichst weitfl\u00e4chigen geistigen Verankerung. Das HDH sollte mitten in der Welt stehen und seine Arbeit im Sinne des biblischen Kairos (= zeitgem\u00e4\u00df) verrichten. Viele unterschiedliche Menschen sollten ihre Lebenserfahrung und Visionen einbringen. Dazu geh\u00f6rte der Gedanke der christlichen Erneuerung und des interreligi\u00f6sen Dialoges, der Einsatz f\u00fcr ein friedliches Zusammenleben der unterschiedlichen Nationen und Kulturen und die gro\u00dfen \u00dcberlebensfragen unserer Welt. Das HDH sollte vor Provinzialit\u00e4t und Engstirnigkeit bewahrt werden; mit einem Wort: aus christlichem Geist in unserer Zeit verwurzelt sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Entsprechend den Vorschl\u00e4gen aus dem HDH erfolgte die Berufung der Mitglieder und am 27. September 1981 die konstituierende Sitzung des Kuratoriums. Interessant ist die Zusammensetzung des Gremiums, generationenm\u00e4\u00dfig, konfessionell und beruflich erstaunlich plural. Bemerkenswert war es auch, dass die Bildung des Kuratoriums gelang, obwohl gerade das Jahr 1981 durch den Wechsel in der Leitung des HDH mit vielen internen Konflikten enorm belastet war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das neue Kuratorium verabschiedete zun\u00e4chst eine vorl\u00e4ufige Gesch\u00e4ftsordnung. Vorgesehen waren zwei Jahrestreffen im Sinne von Plenartagungen. Die einzelnen Mitglieder des Kuratoriums waren aufgerufen, zu den Mitarbeitern im HDH Kontakt aufzunehmen und sich in einzelne Sachgebiete konzentriert einzubringen. Eine der Plenartagungen sollte so terminiert sein, dass eine Beratung des kommenden Jahresplanes m\u00f6glich war. Entsprechend dieser Gesch\u00e4ftsordnung wurden die beiden Vorsitzenden gew\u00e4hlt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herbert Scheffler und Erika Ho\u00df als seine Stellvertreterin. Ohne Funktion aber immer mit seiner gro\u00dfen spirituellen Menschlichkeit im Hintergrund war Ortgies Stakemann (|), der leider viel zu fr\u00fch verstarb. Gro\u00dfe Verdienste erwarb sich auch von Anfang an Johannes Bortlisz, einer der wichtigsten Freunde und Impulsgeber des HDH.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Programmatisch formulierte Dieter Kittlau\u00df: &#8222;Ich sehe zwei Aufgaben f\u00fcr das Kuratorium: Die geistige Marschrichtung&#8216; im Sinne einer Gesamtorientierung und einzelne Schwerpunkte, die f\u00fcr die n\u00e4chste Zukunft des HDH wichtig sind; als Modell einer Gliederung k\u00f6nnte gelten: politisch, religi\u00f6s und sozial.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieter Kittlau\u00df war es von Anfang an wichtig, dem Kuratorium eine noch breitere personelle Basis zu geben. Bei dem damaligen Vorstand fand er f\u00fcr dieses Anliegen ein offenes Ohr und tatkr\u00e4ftige Unterst\u00fctzung. Deshalb erweiterte sich im Zeitraum von 1982 bis 1986 der Personenkreis des Kuratoriums betr\u00e4chtlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der personellen Erweiterung des Kuratorium spiegelten sich auch neue bzw. neu betonte Akzente wieder: politische Bildung und Erziehung zur Demokratie Umweltfragen, Soldatenwerkwochen, \u00d6kumenischer und Interreligi\u00f6ser Dialog, \u00d6ffnung der Internationalen Jugendarbeit nach Osteuropa.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In enger Abstimmung mit den Mitarbeiter -Innen brachte das Kuratorium regelm\u00e4\u00dfig inhaltliche Schwerpunktakzente ein und gestaltete vereinsinterne Weiterbildungen und Seminare. Immer ging es um die Frage, wie die reiche christliche Tradition hier und heute f\u00fcr unser Leben aufgeschlossen und verst\u00e4ndlich gemacht werden kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es konnten viele qualifizierte Referentinnen und Referenten gewonnen werden. Shalom Ben Chorin soll hier als Beispiel genannt werden. Dabei war neben der fachlichen Qualifizierung immer die &#8222;F\u00e4higkeit zur \u00dcbersetzung in den Verstehenshorizont des gebildeten Menschen &#8220; wichtiges Merkmal. Im R\u00fcckblick erf\u00fcllt es mit Erstaunen, wie neben der F\u00fclle von Aufgaben und Zielen (und dazu geh\u00f6rten neben der allt\u00e4glichen Arbeit auch die st\u00e4ndigen baulichen Sanierungen und die Sorge um das finanzielle \u00dcberleben) Konzentration und Weitsicht auf zentrale Zukunftsfragen aufgebracht wurden. Ein besonderes Problem war die Bezahlung der Referenten. Das HDH hatte nicht die finanzielle Ausstattung einer kirchlichen Akademie. Umso erfreulicher war es, wie viel Entgegenkommen auch bei Honorarforderungen erlebt wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1985 gab Herbert Scheffler den Vorsitz des Kuratoriums an Maria Abs aus D\u00fcsseldorf ab. In der Folgezeit entwickelten sich mehr und mehr kollektive Leitungsformen. Treibende Kraft war Johannes Bortlisz aus Hattingen. Ihm hat das HDH viele Impulse und Anregungen zu verdanken. Johannes Bortlisz beschreibt seine Motivation wie folgt: &#8222;Ich habe die Kuratoriumsarbeit immer auch als Ebene des Gedankenaustauschs nach den Fragen und Bed\u00fcrfnissen der Menschen unserer Tage und der Suche nach den M\u00f6glichkeiten des HDH, diese Fragen zu beantworten, verstanden; last not least auch eine kritisch &#8211; konstruktive Begleitung dieser Arbeit.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>6. Friedensarbeit im Spannungsfeld<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die junge Frauengeneration um Anna Vogt war von dem Trauma des 1. Weltkrieges tief getroffen. Deshalb wollten sie alle ihre Kr\u00e4fte f\u00fcr eine Welt einsetzen, in der es solchen Krieg nicht mehr geben konnte. rieden war die Mitte ihrer Vision. Das Programm: Abbau von Vorurteilen, die verbindende Kraft der Religion entdecken und lebendig machen, Netzwerke der Sympathie und Freundschaft schaffen, quer denken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war nicht der Weg der gro\u00dfen Politik, eher der Weg der kleinen Schritte. Aber das HDH in Bendorf wurde f\u00fcr so f\u00fcr viele Menschen in weiter Welt zu einem Symbol des Friedens. Das Wort Frieden war in Bendorf immer konkret:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2022\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Abbau der konfessionellen Streitigkeiten und \u00dcberheblichkeiten und Pflege der \u00f6kumenischen Gemeinsamkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2022\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Entdeckung des Judentums als Wurzel des Christentums und Begegnung mit der muslimischen Mystik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2022\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Relativierung der parteipolitischen Grenzen, Freundschaften zwischen Menschen unterschiedlicher Tradition, Abbau von Vorurteilen und Feindschaften.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2022\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Vorrang des gewaltfreien Handelns.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieter Kittlau\u00df erinnert sich: als er 1977 Werkwochen f\u00fcr Bundeswehrsoldaten im HDH einf\u00fchrte, gab es viele entsetzte Gesichter, als die ersten Uniformen im Empfangsb\u00fcro auftauchten. In der Tradition pazifistischer Gesinnung war f\u00fcr viele im HDH jegliche Uniform ein Sinnbild kriegerischer Gesinnung. Das Umdenken war m\u00fchsam. Aber das HDH war damals nur ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Auseinandersetzungen um Nachr\u00fcstung und Doppelbeschluss. Die gro\u00dfe Friedensdemonstration 1981 in Bonn auf der Wiese vor der Universit\u00e4t warf auch in das HDH ihre Schatten. Ein internationales Seminar musste unterbrochen werden, damit die H\u00e4lfte der Teilnehmenden zur Demo nach Bonn fahren konnten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schiller hat es bereits in klassischer Weise formuliert: &#8222;Es kann der Fr\u00f6mmste nicht im Frieden leben, wenn es dem b\u00f6sen Nachbarn nicht gef\u00e4llt&#8220;. Auch im HDH bedurfte es vieler schmerzlicher Lernprozesse, bis dieser Satz neu buchstabiert werden konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Zusammenhang soll die Rolle der zahlreichen Zivildienstleistenden reflektiert werden. In den 80iger Jahren waren Zivildienstleistende in der Regel hoch motiviert. Dies hie\u00df aber auch, dass sie eine Menge Unruhe brachten, wenn f\u00fcr sie das Umfeld nicht stimmte. Sie verstanden sich als Friedensarbeiter, Missionare und Aktivisten. Sie waren k\u00e4mpferisch und immer konsequent. Sie wussten genau, wie Gesellschaft funktioniert und internationale Beziehungen zu gestalten sind. Im Unterschied zu der 68iger Generation, waren sie \u00e4u\u00dferlich gepflegt und wenig auffallend. Dieter Kittlau\u00df berichtet: &#8222;Damals waren die ZDL &#8217;s aufgrund der langen Dienstzeit f\u00fcr lange Zeit im HDH. Es waren oft f\u00fcnfjunge M\u00e4nner. Sie waren Gewinn f\u00fcr uns alle, aber auch st\u00e4ndige Herausforderung. Sie haben uns st\u00e4ndig gezwungen, unsere eigenen Vorstellungen zu bedenken&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>7. Innerdeutsche Arbeit als Verm\u00e4chtnis der &#8222;Gro\u00dfm\u00fctter&#8220;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Die Gro\u00dfm\u00fctter&#8220; waren fr\u00fcher einmal die jungen Frauen des Jugendbundes. Aufgrund der politischen Entwicklung nach 1945 lebten sie nun &#8211; wesentlich \u00e4lter geworden -diesseits oder jenseits der innerdeutschen Grenze. Es war wahnsinnig aufregend, dass diese zwischenzeitlich alten Damen ihre &#8222;Enkel&#8220; motivierten, Kontakt \u00fcber die Grenzen hinweg zu halten. Bis zur politischen Wende 1989 war es immer eine Gruppe von 30 bis 40 Studenten und Jungakademikern, die unter dem organisatorischen Dach des HDH &#8222;Innerdeutsche Begegnungen&#8220; durchf\u00fchrten: in Ostberlin oder im Drittland &#8211; das waren die beiden M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Teilnehmenden aus der DDR. In Ostberlin waren es in der Regel Wochenendseminare. Treffpunkt und Tagungsort war die katholische Pfarrei St. Dreifaltigkeit, wobei der inhaltliche Austausch zu einem bestimmten Thema und meist mit einem Fremdreferenten bewusst gepflegt wurde. Im osteurop\u00e4ischen Drittland organisierten die jungen Leute aus der Bundesrepublik Freizeiten Zeltpl\u00e4tzen, manchmal unter abenteuerlichen Bedingungen. Dieses \u00fcberaus konspirative Kapitel deutscher Einheitsgeschichte muss noch geschrieben werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um die westdeutschen Teilnehmenden auf diese Treffen vorzubereiten und die Aktivit\u00e4ten zu reflektieren, wurden sie jedes Jahr zum Jahresbeginn nach Bendorf zu einem thematisch orientierten Wochenendseminar eingeladen, wo auch Sicherheitsfragen und Regeln f\u00fcr die Begegnung mit den Partnern &#8222;von dr\u00fcben&#8220; erarbeitet wurden. \u00dcber viele Jahre koordinierte Dieter Kittlau\u00df pers\u00f6nlich diese Arbeit, obwohl er selbst damals keine Einreisem\u00f6glichkeit in die DDR oder nach Ostberlin hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zivildienstleistender Benedikt Widmaier, Bildungsreferentin Dorothea Begger und Bildungsreferent Martin Kaiser waren sp\u00e4ter ma\u00dfgeblich an den guten Ergebnissen dieser Arbeit beteiligt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>8. \u00a0<\/strong><strong>Internationale Begegnungsarbeit in einer sich \u00e4ndernden Welt<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_750\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/?attachment_id=750\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-750\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-750\" title=\"HDH Weihnachten international\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/HDH-Weihnachten-international-300x201.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"201\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/HDH-Weihnachten-international-300x201.jpg 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/HDH-Weihnachten-international.jpg 884w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-750\" class=\"wp-caption-text\">Weihnachten International<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anneliese Debray hatte die Vision des Schulterschlusses: nach Westen &#8211; das hie\u00df Frankreich nach Osten &#8211; das hie\u00df Polen nach S\u00fcden &#8211; das hie\u00df Israel Der Weg: viele pers\u00f6nliche Beziehungen und Freundschaften, Begegnungen und Seminare.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die deutsch &#8211; franz\u00f6sischen Begegnungen gehen bis in die Zeit des Jugendbundes nach 1926 zur\u00fcck und wurden durch Anneliese Debray und ihre franz\u00f6sischen Freundinnen und Freunde nach dem Krieg neu aufgegriffen. So war es kein Wunder, dass das HDH eines der ersten Mitglieder des Deutsch &#8211; Franz\u00f6sischen Jugendwerkes wurde. Partner waren die Guides de France, die franz\u00f6sischen Pfadfinderinnen, die sich besonders um Behinderte k\u00fcmmerten. Hintergrund waren pers\u00f6nliche Beziehungen zwischen Anneliese Debray und der damaligen Leiterin der Guides de France. Durch den Generationswechsel in Frankreich geriet diese Arbeit in die Krise und durch den Weggang der drei franz\u00f6sischen Mitarbeiter im HDH 1976 kam es zum totalen Einbruch. Aber es gelang Dieter Kittlau\u00df, trotz fehlender franz\u00f6sischer Sprachkenntnisse die deutsch &#8211; franz\u00f6sischen Seminare durch ein Netzwerk von pers\u00f6nlichen Beziehungen und Freundschaften zwischen jungen Menschen neu aufzubauen. Als Dorothea Begger ain das HDH kam, \u00fcbernahm sie die deutsch &#8211; franz\u00f6sische Jugendarbeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gerade die Jugendarbeit ist ein Seismograf f\u00fcr die Beziehungen zwischen V\u00f6lkern, dies zeigt sich auch sehr deutlich in der Entwicklung der deutsch &#8211; franz\u00f6sischen Jugendarbeit. F\u00fcr junge Menschen in Frankreich und in Deutschland wurde die Welt gr\u00f6\u00dfer, der Frieden selbstverst\u00e4ndlicher, aber auch die Last der Vergangenheit blasser. Dies wirkte sich in j\u00fcngster Zeit auch auf die deutsch &#8211; franz\u00f6sische Jugendarbeit aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Besondere Bedeutung gewann der Aufbau der Beziehungen nach Polen. Hier bot sich bereits vor 1970 die polnische &#8222;Pax&#8220;, eine der vom kommunistischen Staat akzeptierten christlichen Organisationen zur Zusammenarbeit an. Zun\u00e4chst waren diese Kontakte f\u00fcr die Funktion\u00e4re der PAX &#8211; Organisation eine gute Gelegenheit f\u00fcr eine preiswerte Westreise mit der ganzen Familie und gesch\u00e4tzte &#8222;Westkontakte&#8220;. Mit der Einf\u00fchrung des Kriegsrechtes in Polen 1981\/82 kam es zur Unterbrechung. Nach Beendigung des Kriegsrechtes erhielt Dieter Kittlau\u00df aus Polen Informationen, dass die Kontakte zur PAX nicht mehr zu verantworten seien, da sich einige ihrer Funktion\u00e4re als Denunzianten diskriminiert h\u00e4tten. So musste ein Schnitt gezogen und die Arbeit neu aufgebaut werden. Im Katholischen Intelligenzclub (KIK) in Warschau fand sich schlie\u00dflich ein geeigneter neuer Partner. Im Sommer 1982 wurde das erste Seminar mit polnischen Studentinnen und Studenten im HDH durchgef\u00fchrt, eine Tradition, die sich dann kontinuierlich fortsetzte. Von polnischer Seite aus war es der Journalist Tadd\u00e4usz Mijalski ) aus Warschau, der trotz Partnerwechsel unerm\u00fcdlich die Kontinuit\u00e4t garantierte und bei mehreren Programmen in Deutschland und in Polen trotz seines hohen Alters den Dolmetscherpart \u00fcbernahm. In j\u00fcngster Zeit hat Bildungsreferent Martin Kaiser den deutsch &#8211; polnischen Jugendaustausch weitergef\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als tief religi\u00f6ser Mensch sahen Anneliese Debray und Charlotte Schiffler ein besonderes Defizit in der gegenseitigen Entfremdung zwischen Juden und Christen. So wurde die theologische Arbeit mit Juden und die Beziehungen nach Israel zu einer Mitte des HDH. Dieter Kittlau\u00df war es ein Verm\u00e4chtnis, diesen Br\u00fcckenbau fortzusetzen. F\u00fcr die Jugendarbeit mit Israel boten sich zwei gewachsene, aber ganz unterschiedliche Kontakte an: die Jugendorganisation der National &#8211; Religi\u00f6sen Partei (NRP &#8211; Young Generation) und verschiedene Community &#8211; Center in Nordisrael. Die Nationalreligi\u00f6se Partei geh\u00f6rte damals in Israel politisch zu der \u00e4u\u00dferen rechten Mitte und war durch religi\u00f6s &#8211; konservative Haltung gekennzeichnet. Der Kontakt zur NRP bot sich an, da sich eigentlich alle, die in der Bundesrepublik am deutsch &#8211; israelischen Jugendaustausch beteiligt waren, vor der Zusammenarbeit mit dieser Gruppe scheuten, obwohl die NRP durch ihre Regierungsbeteiligung in Israel gro\u00dfen Einfluss in dem Vergabeausschuss f\u00fcr Mittel aus dem Bundesjugendplan hatte. Zusammenarbeit mit der NRP aber hie\u00df: Garantierung aller Regeln des Shabbat, durchg\u00e4ngig koschere Verpflegung und genaue Beachtung des j\u00fcdischen Kalenders. Dies alles war m\u00fchsam und teuer. Aber die Liebe zum Staat und Volk Israel war im HDH ein ehernes Gesetz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Episode aus dieser Arbeit: Dieter Kittlau\u00df leitete das Programm f\u00fcr eine Gruppe der NRP. Die israelische Leiterin war eine P\u00e4dagogikprofessorin. Am Freitagabend sagte sie zu ihm: &#8222;Komm bitte nachher auf mein Zimmer&#8220;. Tiefes Erschrecken \u00fcber das vermutete One &#8211; Night &#8211; stand &#8211; Denken. Aber es kl\u00e4rte sich alles auf: Als religi\u00f6se J\u00fcdin wollte sie nicht den Lichtschalter bet\u00e4tigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Zusammenarbeit mit den galil\u00e4ischen Community &#8211; Center wurde \u00fcber den rum\u00e4nischen Israeli, Dr. Ruven Moskovisz, vermittelt. Dieser hat in Deutschland studiert und arbeitet in Israel als freier Journalist, Dolmetscher und Reiseleiter. Er z\u00e4hlt in Israel zu den leidenschaftlichen Verfechtern einer Auss\u00f6hnung zwischen dem Staat Israel und dem pal\u00e4stinensischen Volk. Das Besondere dieses Austausches war die Zusammensetzung der Gruppen aus Israel aus muslimischen Arabern, liberalen und orthodoxen Juden sowie melkitischen Christen. Damals der 80iger Jahre geh\u00f6rte diese Dialogarbeit zu den Pionierleistungen im deutsch &#8211; israelischen Dialog.<\/p>\n<div id=\"attachment_751\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/?attachment_id=751\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-751\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-751\" title=\"1996 Studenten und JUngakademiker aus Russland - meine letzte internationela Gruppe\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/1996-Studenten-und-JUngakademiker-aus-Russland-meine-letzte-internationela-Gruppe-300x201.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"201\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/1996-Studenten-und-JUngakademiker-aus-Russland-meine-letzte-internationela-Gruppe-300x201.jpg 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/1996-Studenten-und-JUngakademiker-aus-Russland-meine-letzte-internationela-Gruppe.jpg 589w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-751\" class=\"wp-caption-text\">Studienseminar mit Studierenden und Jungakadekikern aus Russland. In der Mitt im schwarzen Pullower Dieter Kittlau\u00df, der die Gruppe zwei Wochen lang begleitete und das Programm gestaltete. Bei seinem deutschen Sprachunterricht wurde viel gelernt und viel gelacht.<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es w\u00e4re \u00fcber die internationale Arbeit noch vieles zu berichten. Mehrere Jahre gab es Austauschprogramme mit Studentinnen und Studenten aus Tunesien und mit britischen Behindertenclubs.1990 entwickelte Dieter Kittlau\u00df die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt der Stadt Madrid und der italienischen Jugendorganisation AKLI (italienische Arbeiterjugend). Bildungsreferent Martin Kaiser gelang es, Beziehungen zur Universit\u00e4t in Vilnius (Vilna \/Litauen) zu kn\u00fcpfen und qualifizierte Programme zu arrangieren. Besonders wichtig wurde in den Jahren nach der politischen Wende der Austausch mit jungen K\u00fcnstlern, Studierenden und Professoren aus Moskau. Dieter Kittlau\u00df griff hier eine Vision von Anneliese Debray auf, sich an der Vers\u00f6hnung mit Russland engagiert zu beteiligen. Partner dieser Arbeit waren die Dekanin der englischen Fakult\u00e4t der Moskauer Universit\u00e4t und mehrere Moskauer K\u00fcnstlergruppen. Besondere H\u00f6hepunkte waren 1995 die Teilnahme eines Moskauer Chores an der Ostertagung im HDH und Spezialprogramme mit russischen Professoren 1995 und 1996.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht vergessen werden darf die Arbeit mit Asylbewerbern und Fl\u00fcchtlingen, die in Kooperation mit der Sozialarbeiterin, Irmgard Siemen, vom Caritasverband Boppard durchgef\u00fchrt wurden. Die 70er und 80er Jahre waren durch ein enormes Anwachsen der Fl\u00fcchtlingszahlen gekennzeichnet. Die gesellschaftliche Diskussion war kontrovers. Der Gesetzgeber versuchte durch ein Ma\u00dfnahmeb\u00fcndel von Einschr\u00e4nkungen abschreckend zu wirken. Dazu geh\u00f6rten Zwangszuweisung auf einen bestimmten Kreis und Aufenthaltsbeschr\u00e4nkung sowie Verweigerung der Arbeitserlaubnis und Verbot von Bildungsma\u00dfnahmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieter Kittlau\u00df berichtete: &#8222;Wir waren f\u00fcr die gesetzgeberischen Ma\u00dfnahmen nicht verantwortlich. Aber wir wollten uns daf\u00fcr einsetzen, dass die Fl\u00fcchtlinge, die wir in unser Land hereinlassen, in ihrer Menschenw\u00fcrde geachtet wurden. Deshalb haben wir bereits in den 80er Jahren Bildungswochen f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge durchgef\u00fchrt, obwohl dies damals weder erw\u00fcnscht noch offiziell erlaubt war. So war es verboten, mit Fl\u00fcchtlingen aus dem Kreis Mayen Koblenz nach Koblenz oder nach Bonn zu fahren. Wir haben dies dennoch getan. Auch die Verst\u00e4ndigungsprobleme waren gro\u00df. Wir mussten es m\u00fchsam lernen, dass die afrikanischen M\u00e4nner unter der sexuellen Enthaltsamkeit enorm litten und deshalb ihnen gegen\u00fcber alle Frauen \u00e4u\u00dferst vorsichtig und zur\u00fcckhaltend sein m\u00fcssen &#8222;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viele Episoden g\u00e4be es von den Fl\u00fcchtlingsfamilien zu erz\u00e4hlen, denen im HDH f\u00fcr kurze oder l\u00e4ngere Zeit Wohnung geboten wurde: in der ehemaligen Jugendherberge, im ausgebauten Bodentrakt des Annenhauses, in der Wohnung \u00fcber der Hausmeisterei, im Obergeschoss des Haupthauses. Es waren Familien aus Bosnien, Rum\u00e4nien und aus Afrika. In besonderer Erinnerung blieben die rum\u00e4nischen Zigeuner, denen zun\u00e4chst alle ziemlich misstrauisch begegneten, bis begriffen wurde, dass f\u00fcr Zigeuner das Gastrecht immer noch etwas Heiliges ist. Im Rahmen der eigenen begrenzten M\u00f6glichkeiten wurden p\u00e4dagogisch ausgebildete Fl\u00fcchtlinge als Helfer in der Bildungs- und Kurarbeit gewonnen, auch wenn es immer einen Kampf kostete, die erforderliche Erlaubnis zu bekommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>9. Offen f\u00fcr die Schwachen &#8211; Sozialarbeit im HDH<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit seiner Gr\u00fcndung gab es im HDH eine gro\u00dfe Sensibilit\u00e4t f\u00fcr &#8222;die Menschen auf der Schattenseite des Lebens&#8220;. Dies betraf Menschen mit Behinderung oder nach Schicksalsschl\u00e4gen, Fl\u00fcchtlinge, psychisch oder seelisch Kranke, aber auch Menschen, die in berufliche Schwierigkeiten geraten waren. Manchmal st\u00f6hnten die Mitarbeiterinnen \u00fcber die offenen T\u00fcren, f\u00fchlten sich hintangesetzt. Oft war es auch eine Gradwanderung, um die Gesamtwirtschaftlichkeit des Hauses nicht zu gef\u00e4hrden. Inneres Motiv aller sozialen Verantwortung war eine tiefe Spiritualit\u00e4t in der Nachfolge Jesu. Dieter Kittlau\u00df erz\u00e4hlt: Nachdem sich am 2. Oktober 1975 das Wunder der Ausreise aus der DDR ereignete, kam sehr schnell die bittere Erkenntnis, dass sich staatliche und kirchliche Stellen in der DDR bem\u00fchten, f\u00fcr mich einen erfolgreichen Start in der Bundesrepublik zu hintertreiben. Anneliese Debray und Charlotte Schiffler aber \u00f6ffneten weit die T\u00fcren des HDH. Sie vertrauten ihrem eigenen Urteil mehr als lancierten Nachrichten. Der damalige Generalvikar von Trier, Prof. Hoffmann, schrieb mir in einem pers\u00f6nlichen Brief:: &#8222;Weil Ihnen Frau Debray vertraut hat, will auch ich Ihnen vertrauen&#8220;. Diese Offenheit f\u00fcr Menschen in Problemlage hat mich sehr gepr\u00e4gt und hier liegt auch ein Hauptgrund, warum ich 1981 f\u00fcr den Erhalt des HDH meine berufliche Zukunft in die Waagschale warf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von den vielen sozialen Aktivit\u00e4ten sollen hier nur beispielhaft die therapeutische Freizeiten f\u00fcr psychisch Kranke und der psychosomatisch Kuransatz genannt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>10. Profilierung der M\u00fcttergenesung und Sanierung des Gussie &#8211; Adenauer &#8211; Hauses<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 25. Mai 1963 wurde Bendorf f\u00fcr einige Stunden zum Mittelpunkt der deutschen \u00d6ffentlichkeit. Anlass war die Einweihung des neu erbauten M\u00fcttererholungsheimes auf den Namen &#8222;Gussie &#8211; Adenauer &#8211; Haus&#8220;, der zweiten und bereits verstorbenen Frau von Konrad Adenauer. Neben dem Bundeskanzler waren der Ministerpr\u00e4sident von Rheinland &#8211; Pfalz, der Pr\u00e4sident der Bezirksregierung Koblenz, der Bischof von Trier und der Abt von Maria Laach erschienen, dazu hochrangige G\u00e4ste aus sozialen Einrichtungen, aus der Politik und dem gesellschaftlichen Leben aus der ganzen Bundesrepublik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das neue Haus mit Einzelzimmern und einer physiotherapeutischen Abteilung erm\u00f6glichte die zielstrebige Anpassung der traditionellen M\u00fcttererholung an die therapeutischen Grunds\u00e4tze des Kurwesens. Hier hatte Anneliese Debray einen erstaunlichen Weitblick. Dieter Kittlau\u00df \u00fcbernahm mit der kommissarischen Leitung dieses Erbe und fand in der Kurleiterin Maria Baldus, Sozialarbeiterin und Eheberaterin, eine \u00fcberaus qualifizierte und engagierte Partnerin. Das Kurheim wurde Mitglied im Verband Deutscher Badebetriebe und spielte in den Gremien des Deutschen M\u00fcttergenesungswerkes eine wichtige Rolle. Es wurde das Konzept einer kurzzeitigen Vierwochentherapie f\u00fcr Frauen mit psychosomatischen St\u00f6rungen und tiefgehenden Ersch\u00f6pfungszust\u00e4nden entwickelt. Psychotherapeutische Behandlung, psychologische Beratung und physiotherapeutische Anwendungen standen gleichwertig neben einer Ganzheitstherapie, die gesunde Ern\u00e4hrung, Naturerleben, k\u00fcnstlerisches Gestalten und Freizeitgestaltung umfasste. Das Gussie &#8211; Adenauer &#8211; Haus, der Name ,M\u00fcttererholungsheim&#8216; wurde schrittweise durch den Fachbegriff , M\u00fctterkurheim&#8216; ersetzt, bekam in den Kreisen der Kurvermittlung einen exzellenten Ruf. Mit R\u00fccksicht auf die ganz unterschiedlichen Sozialisationen der Frauen wurde mit der Vermittlung religi\u00f6ser Werte bewusst sehr behutsam umgegangen. Jeder Anschein von Missionierung oder kirchlich &#8211; religi\u00f6ser Beeinflussung sollte vermieden werden. Entwickelt wurde auch das Konzept von so genannten &#8222;Schwerpunktkuren&#8220; f\u00fcr M\u00fctter mit behinderten T\u00f6chtern und S\u00f6hnen. Die weitl\u00e4ufige Struktur des HDH gestattete die erforderliche Distanz von M\u00fcttern und Kindern, ohne dass das N\u00e4hegef\u00fchl verloren ging. Initiiert und entwickelt wurde die Fortbildung f\u00fcr Mitarbeiterinnen in der Kurvermittlung. Im Rahmen der vorhandenen Kr\u00e4fte erfolgte auch die Kurnacharbeit. Typisch f\u00fcr die Bendorfer Kurarbeit war das Nebeneinander von Generationen und die pers\u00f6nliche Ansprache der einzelnen Frauen, die famili\u00e4re Atmosph\u00e4re und die gew\u00e4hrten Freiheitsr\u00e4ume f\u00fcr j\u00fcngere Frauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dennoch kam die M\u00fcttergenesung, eine einmalige soziale Einrichtung in Europa, bereits in den 80er Jahren in die Krise. Hintergrund war die gesellschaftliche Ablehnung der hauptberuflichen Familienmutter und die exklusive Betonung von Berufst\u00e4tigkeit und beruflicher Weiterbildung. Dazu kamen die wirtschaftlichen Krisen, die sich naturgem\u00e4\u00df zun\u00e4chst im Sozialwesen niederschlugen. Belegungsr\u00fcckgang und Finanzierungsschwierigkeiten waren die zwangsl\u00e4ufigen Begleiterscheinungen. In dieser Situation wurden die Forderungen auf bessere Finanzierung der M\u00fctterkuren durch die Krankenkassen lautstarker. Diese neue Akzentuierung der traditionellen M\u00fcttererholungskuren erforderte ein qualifiziertes Team. Neben Maria Baldus (Sozialarbeiterin und Eheberaterin), Dr. Stefan Hoblea (Psychologe mit dem Schwerpunkt Depression und weibliche Sexualit\u00e4t), Edith M\u00fcngersdorf (Heilp\u00e4dagogin), Christa Schmitt &#8211; Meiser gab es einen gr\u00f6\u00dferen Kreis von haupt-, neben- und ehrenamtlichen Fachkr\u00e4ften.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine besondere Sorge und von den Krankenkassen st\u00e4ndig moniert, war die Ausstattung des Kurheims. Im Bettentrakt entsprachen die Gemeinschaftssanit\u00e4ranlagen nicht mehr den Anforderungen. Die physiotherapeutische Abteilung war zu klein. Es fehlten R\u00e4ume f\u00fcr Therapie, Beratung und Verwaltung. Das gesamte Haus war abgewohnt. Dass trotz der allgemeinen Kurkrise die bauliche Sanierung des Kurheimes mutig angegangen wurde und auch gelang, wirkt aus heutiger Sicht immer noch wie ein Wunder. Dieter Kittlau\u00df erinnert sich: &#8222;Seitens der Bundesarbeitsgemeinschaft der Katholischen M\u00fcttergenesung wurden 100.000 DM an Bundeszusch\u00fcssen f\u00fcr Toilettensanierung in Aussicht gestellt, sofern diese kurzfristig abgerufen werden k\u00f6nnten. Also nahm ich mit dem Dompropst Farber Kontakt auf, denn der war der einzige, der finanziell helfen konnte und bat um einen Termin Der Dompropst bestellte mich nach Andernach, wo er gerade einen Haushalt zugunsten des Trierer Doms aufl\u00f6ste. Als ich nach Andernach kam, stand Peter Faber mit seiner ganzen K\u00f6rperf\u00fclle vor einem riesigen M\u00f6belwagen und forderte mich auf, zun\u00e4chst einmal mich beim Herausholen der M\u00f6bel zu beteiligen. Anschlie\u00dfend musste ich mich neben ihn in sein Auto setzen (dem Fahrer hatte er frei gegeben) und mein Anliegen erz\u00e4hlen . Ohne Z\u00f6gern sagte der Dompropst Peter Faber zu, sich beim Bistum f\u00fcr 100.000 DM Zuschuss einzusetzen. &#8222;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daraus wurde dann innerhalb kurzer Zeit das Projekt einer Erweiterungssanierung. Es war ein gigantisches Vorhaben: Finanzierung, Bauplanung und logistische Aufgaben f\u00fcr die Baudurchf\u00fchrung, Qualit\u00e4tssicherung der laufenden Arbeit, Einhaltung der Bauzeit und Sicherung der Eigenleistungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Finanzierung der Baukosten wurde auf \u00fcber 5 Millionen DM veranschlagt. F\u00fcr die Finanzkraft des HDH eine astronomische Zahl. Zun\u00e4chst wurde \u00fcber die katholische Arbeitsgemeinschaft f\u00fcr M\u00fcttererholung und das Deutsche M\u00fcttergenesungswerk eine Planungszusage \u00fcber 1.5 Millionen DM erreicht, bei der Konkurrenzdichte innerhalb der M\u00fctterkurh\u00e4user der verschiedenen Tr\u00e4gergruppierungen bereits ein gro\u00dfer Erfolg. Aber da es sich um Bundesmittel handelte, war bis zur Bewilligung noch ein weiter Weg durch die Instanzen: Bundestag, Familienministerium in Bonn, Sozialministerium in Mainz, Bezirksregierung in Koblenz, Bundesbauministerium, Oberfinanzdirektion und das Landesbauamt Koblenz &#8211; S\u00fcd waren die Hauptstationen. Im Fr\u00fchjahr 1988 fand im B\u00fcro von Dieter Kittlau\u00df ein erstes Gespr\u00e4ch mit Vertretern der OFD und des Landesbauamtes statt. Dieter Kittlau\u00df erinnert sich: &#8222;Wir wollten im September 1988 mit dem Bau beginnen und hatten die erste Kur nach der Sanierung f\u00fcr den 16. Oktober 1989 terminiert. Reaktion des Herren von der OFD: Vor den Sommerferien l\u00e4uft bei uns \u00fcberhaupt nichts. Dem schloss sich der Herr vom Landesbauamt mit der Feststellung an, dass er f\u00fcr 6 Monate v\u00f6llig ausgebucht sei.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dennoch geschah das Wunder. Die staatlichen Stellen schlossen sich dem Tempo an, das seitens des HDH vorgelegt wurde. Die Bundesmittel wurden bewilligt und die Genehmigung zum vorzeitigen Baubeginn gegeben. Nicht ganz so schwierig war es mit den \u00fcbrigen Zuschussgebern. Die Aktion Sorgenkind bewilligte einen Zuschuss von 600. 000 DM und das Land Rheinland &#8211; Pfalz 300.000 DM. Beide Zusch\u00fcsse waren eine ausdr\u00fcckliche Anerkennung der so \u00fcberaus erfolgreichen Kurarbeit mit psychosomatisch belasteten Frauen. Unter gro\u00dfen Anstrengungen bewilligte das Bistum Trier schlie\u00dflich 1 Million DM. Die restlichen 2 Millionen DM wurden durch Darlehen, Spendenaktionen, Eigenarbeiten und Eigenleistungen erbracht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Bauplanung sah Entkernung, Totalsanierung und Erweiterung des Bettenhauses, Neuerstellung der physiotherapeutischen und medizinischen Abteilung, Neubau des Verwaltungstraktes mit B\u00fcros, Meditationsraum und Sprechzimmern f\u00fcr das psychotherapeutische Fachpersonal vor. In Eigenleistungen sollte der vorhandene Altbau modernisiert und neu m\u00f6bliert werden. Bei dem Konzept wurde die M\u00f6glichkeit eines zu sp\u00e4terer Zeit eventuellen Sanatoriums im Auge behalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die logistische Vorbereitung der Bauzeit erschien zun\u00e4chst als nicht l\u00f6sbar. Als freier und damit f\u00fcr seine Finanzen selbst verantwortlicher Tr\u00e4ger h\u00e4tte aber eine Schlie\u00dfung des Kurbetriebes f\u00fcr ein Jahr den finanziellen Kollaps bedeutet. Da Normalkuren f\u00fcr Frauen auf Grund der r\u00e4umlichen Bedingungen nicht infrage kamen, wurde als Ausweichkonzept die Durchf\u00fchrung von Mutter &#8211; Kind &#8211; Kuren im unteren Bereich parallel zum Bildungsbetrieb angegangen, Dies war leichter gesagt als getan. Das HDH war kein anerkanntes Mutter &#8211; Kind &#8211; Kurheim. Eigentlich fehlten im HDH alle Voraussetzungen, die bereits damals f\u00fcr Mutter &#8211; Kind &#8211; Kuren selbstverst\u00e4ndlich waren. Dazu kamen die schlechten klimatischen Verh\u00e4ltnisse in den Wintermonaten. Es mussten auch f\u00fcr diese Zeit ein eigenes Team f\u00fcr die qualifizierte Betreuung geschaffen und finanziert, die vorhandene Bar im Keller des Haupthauses zur provisorischen Badeabteilung umgebaut und R\u00e4ume f\u00fcr die Gespr\u00e4chstherapie erstellt werden. Die Mahlzeiten mussten so organisiert werden, dass im zentralen Speisesaal des Hildegardhauses in zwei Schichten gegessen werden konnte, um so f\u00fcr die Kurarbeit wenigstens beim Essen einen gesch\u00fctzten Raum zu schaffen. Es war ein abenteuerliches Unterfangen. Bei der geringsten Kontrolle w\u00e4re das HDH geschlossen worden und der Staatsanwalt im Haus erschienen. Dieter Kittlau\u00df berichtete: &#8222;Ich w\u00e4re ins Gef\u00e4ngnis gegangen w\u00e4re, wenn etwas schief gegangen w\u00e4re. Der Vorstand und die Mitarbeiter hielten nur so lange zu mir, wie ich Erfolg hatte, und es keine \u00e4u\u00dferen Probleme gab. Dies war mir sehr wohl bewusst. &#8222;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wesentlich schwieriger als vorhersehbar war die Aufgabe, M\u00fctter und Kinder zufrieden zu stellen, die in keiner Weise ausreichenden Bedingungen durch Betreuung und Gesamtatmosph\u00e4re aufzufangen und die L\u00e4rmbel\u00e4stigung des Kurbetriebes durch die Bildungsarbeit abzufedern. Auch die Anforderungen an die Bildungsarbeit waren betr\u00e4chtlich. Es war manchmal wie die Quadratur des Kreises, st\u00e4ndig R\u00fccksicht auf den Kurbetrieb nehmen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Jahr wurde \u00fcberstanden, allerdings nicht nur erfolgreich. Es gab auch viele Konflikte. So war einmal die HDH &#8211; Referentin Ute Stamm in eine solche Auseinandersetzung mit unzufriedenen M\u00fcttern gekommen, dass sie an der Abschiedsfeier der Kurgruppe nicht teilnehmen konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Insgesamt brachten alle MitarbeiterInnen eine enorme Leistung und beteiligten sich neben der allt\u00e4glichen Arbeit beim Schuttr\u00e4umen und Saubermachen auf der Baustelle. Die exakte Einhaltung der Bauzeit war eine st\u00e4ndige Zitterpartie. Dies begann mit der Bauaussprache und der Bauvergabe nach VOB. Dann zwang ein fr\u00fcherer Wintereinbruch zu einer l\u00e4ngeren Pause. Doch der Architekt, Dietrich Zillinger, und seine Mitarbeiterin blieben absolut in der Termineinhaltung. Planm\u00e4\u00dfig am 16 Oktober 1989 begr\u00fc\u00dfte Vorstandsmitglied Klaus Messing die angereisten Teilnehmerinnen zur ersten Kur im neuen Haus mit einer roten Rose.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun muss noch von einer mehr als abenteuerlichen Geschichte erz\u00e4hlt werden, gemeint ist die Sanierung der ehemaligen Jugendherberge. Dieses historische Haus, in das vor 1933 ganze Scharen junger M\u00e4dchen aus dem ganzen Deutschen Reich gekommen waren, hatte nach 1945 wieder als Schlafhaus f\u00fcr Jugendliche gedient. Nach dem Ausbau des Annenhauses war die Jugendherberge f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit Wohnung f\u00fcr die Familie K\u00fchn, sp\u00e4ter f\u00fcr Fl\u00fcchtlingsfamilien. Eigentlich war nun das Haus abrissreif. Durch die geplante Sanierung des M\u00fctterkurheims entstand aber neuer Bedarf, denn zur Erweiterung der Kapazit\u00e4t w\u00e4hrend der Bauzeit musste zun\u00e4chst die Jugendherberge saniert werden. Mit hausgemachten Pl\u00e4nen und weitgehend in Eigenleistung wurde das Haus 1985 bis 1988 ausger\u00e4umt und entkernt. Die gesamte HWL -Installation und die Fenster wurden erneuert, ein eigner Gruppenraum angebaut, die Zugangsstufen und die D\u00e4cher repariert. Um an die Baustelle das erforderliche Material heranfahren zu k\u00f6nnen, wurde ein eigener Fahrweg \u00fcber den Berg geschaffen. Zum Schluss wurden die ausgebauten M\u00f6bel aus dem Kurheim eingebaut. Fenster, Heizung und Au\u00dfenputz f\u00fchrten Firmen durch, alle anderen Arbeiten \u00fcbernahm ein Team aus<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mitarbeitern, ZDL&#8217;s, Asylbewerbern und Studenten aus Polen. Dem damaligen Hausmeister, Hans Faust, geb\u00fchrte besonderer Dank<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>11. Bildungsarbeit mit Sp\u00e4taussiedlern<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deutschland hat in seiner Geschichte viele Wanderungsbewegungen erlebt. Der Zustrom von Millionen Menschen in den 80er Jahren aus Osteuropa wird in diese Geschichte eingehen. Die Deutschst\u00e4mmigen aus Rum\u00e4nien, Polen und der Sowjetunion kamen zu Millionen in die bis zur deutschen Einheit noch kleine Bundesrepublik Deutschland. Im Laufe dieser Wanderungsbewegung verschoben sich die Akzente. Anfangs sprachen die Meisten Deutsch, in den sp\u00e4teren Jahren waren es nur noch die Gro\u00dfeltern, die in deutscher Sprache und Kultur beheimatet waren. Neben Rentenreglung, Wohnraum- und Arbeitsbeschaffung stand die gesellschaftliche Integration als besonders wichtige Aufgabe im Raum.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das HDH hat sich fr\u00fchzeitig dieser Integrationsaufgabe gestellt. Dabei ging es neben Kenntnissen \u00fcber das Leben in Deutschland immer auch um die Vermittlung menschlicher W\u00e4rme. F\u00fcr eine Woche sollten diese Menschen erfahren, dass sie in ihrem oft unvorstellbaren Lebensschicksal verstanden werden und ihnen Deutschland eine neue Heimat sein soll. Dieter Kittlau\u00df legte deshalb gr\u00f6\u00dften Wert darauf, dass bei jeder Bildungswoche f\u00fcr Sp\u00e4taussiedler immer zwei hauptamtliche Mitarbeiterinnen vollzeitig mitwirkten und um sich ein qualifiziertes Team bildeten. Dadurch erhielten auch die Einzelnen die Chance eines pers\u00f6nlichen Ansprechpartners. Ein wichtiger Nebenzweig dieser Arbeit waren die Seminare f\u00fcr Jugendliche, mit denen bereits in den 70ger Jahren in Zusammenarbeit mit Irmgard Siemen angefangen wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>12. Das Meisterst\u00fcck in 10 Monaten &#8211; die Sanierung des Martinshauses<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_749\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/?attachment_id=749\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-749\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-749\" title=\"HDH Sanierung MH\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/HDH-Sanierung-MH-300x221.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"221\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/HDH-Sanierung-MH-300x221.jpg 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/HDH-Sanierung-MH-1024x756.jpg 1024w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/HDH-Sanierung-MH.jpg 1506w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-749\" class=\"wp-caption-text\">Das Martinshaus im Rohbau.<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">1970 war das Martinshaus eingeweiht worden. Auf dem Stein vor dem Haus war das Wort &#8220; Frieden&#8220; in vielen Steinen eingehauen. Der Name des Hauses war ein Spiegelbild der \u00d6kumene: Martin von Tours, Martin Luther, Martin Niem\u00f6ller, Martin Luther King.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anneliese Debray hatte mit dem Bau dieses Hauses enorme Schwierigkeiten gehabt. Finanzierungsk\u00fcrzungen und dadurch erforderliche Planungs\u00e4nderungen wirkten sich ebenso belastend aus wie schlecht arbeitende Firmen. Dennoch war das &#8222;Haus mit Schwimmbad&#8220; damals f\u00fcr das ganze HDH und sein Umfeld eine enorme Best\u00e4tigung und Anerkennung der Arbeit. Nun aber im Jahre 1990 war das Haus zum Sorgenkind geworden. Die Heizung fiel oft aus, das Wasser tropfte durch das Flachdach, mit den nicht schlie\u00dfenden Fenstern wurde der Westerwald beheizt. Ungen\u00fcgend waren die sanit\u00e4ren Ausstattungen. Im Zustand der Ersch\u00f6pfung aufgrund der Sanierung des Kurheimes keimte der Gedanke einer Sanierungserweiterung. Denn da war noch ein Problem die Quelle des st\u00e4ndigen \u00c4rgernisses. Die Gymnastikhalle geh\u00f6rte zum M\u00fctterkurhaus. Aber da es im Bildungsbereich an einem gr\u00f6\u00dferen Tagungsraum fehlte, musste die Gymnastikhalle oft &#8222;fremdbelegt&#8220; werden. Deshalb brauchte es dringend eines neuen gr\u00f6\u00dferen Tagungsraumes und die Erweiterung des Martinshauses war schon lange ein Traum.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber es gab eine &#8222;knallharte Realit\u00e4t&#8220; und die hie\u00df: es fehlte die Finanzierung. Es gab eine Zusage von der Aktion Sorgenkind \u00fcber 600.000 DM. Das Land Rheinland &#8211; Pfalz konnte sich eventuell und bei sehr g\u00fcnstiger Haushaltslage einen Zuschuss \u00fcber 300.000 DM vorstellen. Die Stiftung &#8222;Deutsche Bundesjugendmarke&#8220; hatte alle Zusch\u00fcsse auf die neuen Bundesl\u00e4nder konzentriert, war aber bereit, ein zinsloses Darlehen \u00fcber 400. 000 DM zu gew\u00e4hren. Die voraussichtlichen Baukosten lagen aber mit Sicherheit bei \u00fcber 6 Millionen DM. Es war vielleicht ein einmaliger Gl\u00fccksfall, dass beim Bistum Bauma\u00dfnahmen zur\u00fcckgestellt und dadurch Mittel kurzfristig frei wurden. Jedenfalls war es wie ein Wunder, als seitens des Bistums eine Zuwendung von \u00fcber 3 Millionen DM signalisiert wurde. Damit war die Sanierung immer noch ein finanzielles Abenteuer, aber es konnte gewagt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mittlerweile gab es Bauerfahrungen genug: klare Planung ohne sp\u00e4tere \u00c4nderungsw\u00fcnsche, sorgf\u00e4ltige logistische Vorbereitung der Bauzeit, Spendenaktion und Eigenmittel, erhebliche Eigenarbeiten, genaue Termineinhaltung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ende August 1991 fand im Martinshaus das letzte Seminar statt und unverz\u00fcglich wurde in Eigenarbeiten das ganze Haus leer ger\u00e4umt. Die neue Belegung sollte im Oktober 1992 erfolgen, die Bildungsarbeit auch trotz eingeschr\u00e4nkter Raumkapazit\u00e4t unverk\u00fcrzt und auf hohem Niveau weitergef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gl\u00fccklicherweise stand Dieter Kittlau\u00df mit dem Koblenzer Architekten, Dietrich Zillinger, wieder ein hervorragender Partner zur Verf\u00fcgung. Das Motto war: alle Termine werden eingehalten und die Bezahlung erfolgt unverz\u00fcglich und ungek\u00fcrzt nach Vorlage der gepr\u00fcften Rechnung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sp\u00e4testens als die schweren Bohrger\u00e4te aus Frankfurt anrollten, die die Betonstelzen f\u00fcr den Anbau im Schwemmsand des Wenigerbachtales bohren und erstellen sollten, wurde allen klar, dass es schon wieder eine Gro\u00dfbaustelle gab. Es waren Zitterstunden als die Fassade abgeh\u00e4ngt war und der Wind durch das nackte Betonger\u00fcst blies. Und als w\u00e4hrend der Ostertagung 1992 die Jugendlichen aus dem nassen Rohbau ausziehen mussten, wo sie in Schlafs\u00e4cken der Bundeswehr versucht hatten zu \u00fcbernachten, und dann als einzige \u00dcberlebensm\u00f6glichkeit in der physiotherapeutischen Abteilung des<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">M\u00fctterkurhauses ihr &#8222;Feldlager&#8220; aufschlugen, da waren die Grenze des Normalen schon lange \u00fcberschritten. Ein distanziertes Beobachter sagte damals: &#8222;Ihr seid alle verr\u00fcckt&#8220;. Er hatte Recht, aber vielleicht l\u00e4sst sich dies auch vornehmer ausdr\u00fccken: es war ein von allen mit getragenes Abenteuer. Besondere Sorge bereitete das Schwimmbad. In der Beh\u00f6rdensprache hie\u00df es: &#8222;Anpassung an die aktuelle Rechtslage&#8220;. In der Praxis aber bedeutete dies: Aus dem gesamten Becken wurden die Flie\u00dfen abgehackt. Dann wurde das Becken so ver\u00e4ndert, dass der Abfluss rundherum und der Zufluss vom Boden erfolgte. Nach Erneuerung der gesamten technischen Ausr\u00fcstung, um die erh\u00f6hte Filterleistung zu gew\u00e4hren, musste das Becken &#8222;nur noch&#8220; (es war in Wirklichkeit ein Alptraum) abgedichtet und gefliest werden. Das dann in der Finanzierung 100.000 DM fehlten, sei am Rande vermerkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Interessant war sicherlich die architektonische Leistung von Dietrich Zillinger. An den L\u00e4ngsseiten des alten Hauses wurde eine neue Wand hochgezogen und mit den einzelnen Geschossen verbunden; das neue Steildach erhielt eine umweltfreundliche Warmwasser &#8211; Sonnenanlage; der Neubau f\u00fcgte \u00e4hnlich wie beim M\u00fctterkurheim sehr organisch an. Schluss der Geschichte: Alle Mitarbeiterinnen \u00fcbernahmen den Endputz und Mitte Oktober wurde mit der normalen Arbeit wieder begonnen. Allerdings gab es noch eine Nachgeschichte n\u00e4chsten Abschnitt erz\u00e4hlt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>13. Den Konkurs im Auge: KVP &#8211; Kostenverbesserungsprozess<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn es schwierig wird, werden wir Menschen in unserer Sprache erfinderisch. Aus bedingungsloser Kapitulation machen wir eine Befreiung, aus \u00f6konomischem Versagen machen wir ein Nullwachstum, aus der l\u00e4ngst f\u00e4lligen Einschr\u00e4nkung der Ausgaben machen wir einen Sparprozess. So war das auch im HDH nach der Sanierung des Martinshauses. Die Wahrheit wurde zun\u00e4chst mit Hoffnung auf bessere Zeiten verdr\u00e4ngt und hie\u00df dann doch schlicht: &#8222;Gefahr der Insolvenz &#8222;. Doch Not weckt manchmal neue Kr\u00e4fte. Es gab keinen Zweifel, dass Beratungshilfe von au\u00dfen gebraucht wurde, auch wenn diese zun\u00e4chst die Kosten erh\u00f6ht. So wurde nach einem Wirtschaftsberater Ausschau gehalten, der in das HDH passt. Aber nun begann ein sehr m\u00fchsamer Prozess. Zwar gab es auch hier die vornehme Umschreibung mit &#8220; KVP &#8211; Kostenverbesserungsprozess&#8220;, aber jedem wurde bald klar, was das bedeutete: mehr Einnahmen und weniger Ausgaben. Das hie\u00df auch: allt\u00e4gliche Kostenkontrolle aller Positionen, Abbau von liebgewordenen und selbstverst\u00e4ndlichen Gewohnheiten, mehr arbeiten, besser arbeiten, sich voneinander mehr verlangen und gegenseitig gr\u00f6\u00dfere Forderungen stellen, Aufbau einer Kostenstellenrechnung ( wo jede Ausgabe genau zugeordnet wird), in diesen Prozess alle Mitarbeiter -Innen einbeziehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gl\u00fccklicherweise reihte sich der Vorstand von vornherein in diese Phalance ein und erh\u00f6hte dadurch bei Leiter und Mitarbeitenden die Motivation. Jedenfalls war das HDH 1994 &#8222;\u00fcber dem Berg&#8220;. Die Vergangenheit bedr\u00e4ngte nicht l\u00e4nger die Zukunft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>14. 70 Jahre HDH &#8211; 70 Jahre Bendorfer Geschichte<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1995 war ein Jubil\u00e4umsjahr, denn das HDH konnte seinen 70sten Geburtstag feiern. Es war ein beeindruckendes Fest mit vielen G\u00e4sten aus dem In- und Ausland, auch wenn das Echo der Bendorfer auf das Angebot der offenen T\u00fcr nicht \u00fcberw\u00e4ltigend war. Doch so ist das Leben. Obwohl Dieter Kittlau\u00df mit seiner Frau Rosemarie(f) unerm\u00fcdlich waren, das HDH in Bendorf bekannt zu machen und sich selbst an vielen Stellen im Leben unserer Stadt Bendorf engagierten, fiel es vielen Bendorfern schwer, das HDH in seiner Bedeutung richtig einzuordnen. Vielleicht war es f\u00fcr die Einwurzelung des HDH in Bendorf nicht g\u00fcnstig, dass sowohl Vorstand wie die Mehrheit der tragenden Mitarbeiterinnen immer ortsfremd waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Himmel war am Festtag strahlend blau, in Vorbereitung hatte es jedoch intern manche Konflikte gegeben. Waren es Anzeichen, dass die Zeit nach Anneliese Debray, die durch das Engagement von Dieter Kittlau\u00df gepr\u00e4gt war, im Auslaufen war? Die Geschichte wird es wissen. Aber zun\u00e4chst gab es Grund zur Freude genug. Mit mehr als 40.000 \u00dcbernachtungen im Jahr war das HDH wirtschaftlich stabil. Die Geh\u00e4lter des qualifizierten Mitarbeiterteams konnten tariflich bezahlt, die Investitionskosten aus dem laufenden Haushalt getilgt und die erforderlichen R\u00fccklagen erarbeitet werden. Das Sanierungsprogramm mit einem Volumen von mehr als 30 Millionen DM hatte dem HDH auch \u00e4u\u00dferlich neuen Glanz gegeben. Wenn die Bendorfer durch das Wenigerbachtal fuhren, um im Bendorfer Stadtwald spazieren zu gehen, konnten sie sich \u00fcber die H\u00e4user im strahlenden Wei\u00df freuen. Der Tr\u00e4gerverein des HDH war stabil und hatte hinreichend prominente und engagierte Menschen, denen das HDH ein wichtiges Anliegen war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wichtiger aber war das pulsierende Leben, das sich \u00fcber das Jahr hin im Wenigerbachtal vollzog. Und hier w\u00e4re noch vieles zu erz\u00e4hlen. So hatte die Geschichte der Seniorentanzbewegung im HDH ihre Wurzeln wie die Idee der Integration von Behinderten in die Bildungsarbeit, die Konzeptentwicklung von Freizeiten f\u00fcr Patienten aus geschlossenen Einrichtungen oder die Ausbildung f\u00fcr ehrenamtliche Mitarbeiter -Innen in der Seniorenarbeit. Immer in Erinnerung werden die vielen Gottesdienste bleiben, die in prophetischer Freiheit und nie erstickt durch das Fragen nach Vorschriften wahre Feste des Lebens waren. Zu nennen sind die vielen Seminare mit Gruppen von amnesty international und die Gr\u00fcndung des Freundeskreises f\u00fcr das Friedensdorf &#8222;Neve Shalom&#8220; in Israel. Es war kein Zufall, dass die &#8222;Vereinigung katholischer Priester und ihrer Frauen&#8220; im HDH ebenso zu Hause war wie die Pfarrerkonferenz der altkatholischen Kirche oder die Deutsche Muslim &#8211; Liga. Unvergessen bleibt die Zusammenarbeit mit dem &#8220; Verein der kleinen Leute&#8220;, diesen bewundernswerten Menschen, die nicht \u00fcber die Tischkante schauen konnten, und den j\u00fcdischen Kontingentfl\u00fcchtlingen aus der Sowjetunion.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu erz\u00e4hlen w\u00e4ren jetzt die nicht gewollte abrupte Ver\u00e4nderung des Kurteams im Gussie &#8211; Adenauer &#8211; Haus, die ungl\u00fcckliche Ver\u00e4nderung der Leitungsstruktur und die unr\u00fchmlichen Machtk\u00e4mpfe mit dem 1995 neu gew\u00e4hlten Vereinsvorstand. Zu erz\u00e4hlen w\u00e4ren die vielen Supervisionen, um Spannungen im Miteinander abzubauen. Doch diese Konfliktgeschichten m\u00fcssen andere erz\u00e4hlen, die gr\u00f6\u00dferen Abstand haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jede Geschichte geht einmal zu Ende, das h\u00e4ngt mit der Kontingenz zusammen, der alles Gesch\u00f6pfliche unterworfen ist. Die Zukunft wird es zeigen, ob die reiche Tradition des HDH ausl\u00e4uft oder zu einer neuen Bl\u00fcte kommt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Dialogisch &#8211; \u00f6kumenisch &#8211; international &#8211; offen&#8220; wurde im Bendorfer Hedwig &#8211; Dransfeld &#8211; Haus versucht, das Wort des j\u00fcdischen Theologen und Philosophen Martin Buber &#8220; Alles wirkliche Leben ist Begegnung&#8220; zu leben. Das Christentum zeigte hier im Wenigerbachtal seine ganze Kraft, die katholische Kirche ihren innersten Wert. Viele Tausende von Menschen kamen nach Bendorf, um im Hedwig &#8211; Dransfeld &#8211; Haus Motivation und Orientierung zu gewinnen und Zuwendung zu erfahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es wird f\u00fcr die kommende Generation eine gro\u00dfe Herausforderung, dieses Erbe lebendig zu halten. Proficiat = es m\u00f6ge gelingen<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Erstver\u00f6ffentlichung auf der Webseite der Gesellschaft f\u00fcr Geschichte und Heimatkunde von Bendorf und Umgebung) Inhalt 1.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Anneliese Debray verl\u00e4sst die Br\u00fccke des HDH: 2.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Dieter Kittlau\u00df wird neuer HDH &#8211; Leiter 3.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Mehr als ein Wunder &#8211; die Sanierung des Altbaubestandes 4.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das Ringen um die \u00d6kumene 5.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das Kuratorium als Impulsorgan und Scharnier zur [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0},"categories":[26,24,3],"tags":[12,20,11,49,29,51,48],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/738"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=738"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/738\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2484,"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/738\/revisions\/2484"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=738"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=738"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=738"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}