{"id":706,"date":"2003-12-15T12:00:14","date_gmt":"2003-12-15T11:00:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/?p=706"},"modified":"2013-11-21T07:30:04","modified_gmt":"2013-11-21T06:30:04","slug":"mannertrauer","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/mannertrauer\/","title":{"rendered":"M\u00e4nnertrauer"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\" align=\"center\">\u00a0Abschlussarbeit eines mehrj\u00e4hrigen Weiterbildungsseminares der IGSL 2003<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"center\">&#8222;Weggef\u00e4hrte sein bei Abschied und Trauer\u00a0\u00bb<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"center\">mit Monika Schulte \u2013 Beckhausen (\u2191)\u00a0 und Dieter Steuer.<\/p>\n<p>\u00a0Wie gehen M\u00e4nner mit den gro\u00dfen existentiellen Verlusten um, die das Leben mit sich bringt? Haben M\u00e4nner und Frauen eine unterschiedliche Beziehung zu Tod und Trauer?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/mannertrauer\/img122-2\/\" rel=\"attachment wp-att-842\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-medium wp-image-842\" title=\"img122\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/img1221-213x300.jpg\" alt=\"\" width=\"213\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/img1221-213x300.jpg 213w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/img1221.jpg 729w\" sizes=\"(max-width: 213px) 100vw, 213px\" \/><\/a>Die Sargtr\u00e4ger sind in der Regel M\u00e4nner \u2013 meist \u00e4ltere. Die meisten Bestattungsunternehmen werden von M\u00e4nnern geleitet. In der Hospizarbeit sind M\u00e4nner selten, in den Trauergruppen eine Minderheit. In Bendorf ziehen sich die M\u00e4nner schwarze Anz\u00fcge an, wenn sie zur Beerdigung kommen. In der Bildzeitung v. 10.5.03. hie\u00df es \u201eDer gro\u00dfe Peter Alexander (76) ist gebrochen! Er regt sich nicht! Er starrt aufs Grab seiner Frau, als wolle er reinkriechen\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir wollen diesen Fragen nachgehen. Um deutlich zu machen, dass es hier viel Interpretation und wenig empirische Forschung gibt, benutzen wir einen mehr fragmentarischen Stil. Die biographischen Notizen sollen die pers\u00f6nliche Betroffenheit erkennbar machen und alle Typisierung relativieren.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Trauer :<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Ph\u00e4nomen \u201eTrauer\u201c:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf ihrem Vortrag beim Symposium \u201e Trauer\u201c der IGSL im November 1997 in Wien gibt die Sozialarbeiterin Maria Nestele acht Hinweise zu dem Ph\u00e4nomen Trauer:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Abschiede, Verluste und Trennungen l\u00f6sen Trauer aus, denn Trauer ist der emotionale Ausdruck von Verlust. Trauer darf nicht auf den Verlust eines nahe stehenden Menschen beschr\u00e4nkt werden. Auch der Verlust des Arbeitsplatzes oder der k\u00f6rperlichen Unversehrtheit, der Abschied von den Kindern oder von der Jugend l\u00f6sen Trauer aus.<\/li>\n<li>Trauer ist keine Krankheit, sondern \u201edie m\u00fchevolle und schmerzliche Auseinandersetzung mit der Endlichkeit alles Lebendigen\u201c.<\/li>\n<li>Bei der Trauer um einen anderen wird immer die eigene Sterblichkeit beweint. Dies gilt auch bei kollektiver Trauer z.B. beim Unfalltod von Prinzessin Diana.<\/li>\n<li>Trauer ist immer im kulturellen Kontext zu sehen, von den Wert-, Jenseits- und Todesvorstellungen der Gesellschaft.<\/li>\n<li>Trauer ist eine Zeit des emotionalen Chaos, ein langer Prozess und verl\u00e4uft phasenf\u00f6rmig.<\/li>\n<li>Trauer ist oft von irrationalen und sehr belastenden Schuldgef\u00fchlen begleitet, bedeutet auch oft Verdr\u00e4ngung und Verleugnung der Realit\u00e4t. Im Gegensatz zu Freud sind diese Ph\u00e4nomene als Schutzfunktion der Seele zu sehen.<\/li>\n<li>Frauen und M\u00e4nner trauern durchaus unterschiedlich. Ob der Mensch diese schweren seelischen Krisen \u00fcbersteht, Heilung findet und den Verlust in sein weiteres Leben integrieren kann, h\u00e4ngt von vielen Faktoren ab: \u201cVon der Person des Betroffenen, von der Art und den Umst\u00e4nden des Todes, der Beziehung zu dem Verstorbenen, von seinem Umfeld, dem Ausma\u00df der zuteil gewordenen Unterst\u00fctzung und vor allem davon, wie er sich dem Prozess der Trauer stellen kann.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">(<a href=\"http:\/\/www.ak-leben.de\/Regional\/Stuttgart\/Nach%20einem%20Suizid.htm\">www.ak-leben.de\/Regional\/Stuttgart\/Nach einem Suizid.htm<\/a>)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Verlust und Nichtsein sind die andere Seite des Lebens:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wolfgang M\u00fcller \u2013Commichau und Roland Schaefer machen in ihrem Buch \u201e Wenn M\u00e4nner trauern \u2013 \u00fcber den Umgang mit Abschied und Verlust\u201c auf unser \u201eLeben nach dem Mythos\u201c aufmerksam. In der weitgehenden Distanz zu einer entmystifizierten Natur werden Gesundheit und Krankheit nicht mehr als von Gott gegeben und letztlich wieder angenommen, sondern als ein Produkt des menschlichen Handelns angesehen. Die Medizin wird zum Reparaturbetrieb. Sterben hei\u00dft Versagen der Heilkunst. Jung sein, gesund und fit sind die Lebenskategorien. Deshalb ist der moderne Mensch so eigenartig hilflos geworden, wenn es um existentielle Probleme gibt. Er muss neu lernen, dass unser Leben durch Kontingenz bestimmt ist: alles, was ist, ist nicht notwendig, sondern nur m\u00f6glich. Verlust und Nicht \u2013 Sein sind die andere Seite des Seins und diese gilt es, im normalen Leben anzunehmen. Ich lebe und darf den trauerlosen Zustand genie\u00dfen, muss mir aber stets dessen bewusst sein, dass sich das Leben unversehens ver\u00e4ndern kann. Die Verlustsituation ist nicht das unerh\u00f6rte Ereignis schlechthin und er\u00f6ffnet einen neuen Aspekt des Lebens. \u201eVerlust und Trauer verm\u00f6gen im Innersten des Betroffenen Saiten zum Erklingen bringen, die bislang selten oder nie geh\u00f6rt wurden.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stichworte:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"center\">Nicht \u201eTrauer umgehen\u201c sondern \u201emit Trauer umgehen\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"center\">Verlust und Trauer rufen nach aktiver Bew\u00e4ltigung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"center\">Das bislang g\u00fcltige System tritt au\u00dfer Kraft<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"center\">Das ganze Szenario des Lebens muss neu geordnet werden<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"center\">Dem Jetzt in die Augen schauen, ohne dabei zu verzweifeln<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ist unser nat\u00fcrliches Trauerimmunsystem gest\u00f6rt?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die beiden o.g. Autoren fragen, ob die steigende Suizidzahl bei Kindern und Jugendlichen ein Indiz sind, dass \u201eetwas in unserem Trauerimmunsystem in Unordnung geraten\u201c ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Leben beginnt (die Geburt ist das Ende der paradiesischen Aufgehobenheit) und endet (der Tod ist das Ende aller Beziehungen) mit dramatischen Abschiedsituationen. Die Trauerf\u00e4higkeit bef\u00e4higt den Menschen, mit den Abschieden und Verlusten zwischen Geburt und Tod umzugehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ist vielleicht die \u201eUnf\u00e4higkeit zu trauern\u201c m\u00f6glicherweise ein Existential (=Lebensbedingung) des modernen Menschen: Aufl\u00f6sung der Traditionen, Verlust der Spiritualit\u00e4t, Anonymit\u00e4t, materielle Absicherung \u2026\u2026\u2026? Wird dieses allgemeine Defizit vielleicht bei M\u00e4nnern nur besonders deutlich?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr den religi\u00f6s \u2013 spirituellen Menschen ist der trauerlose Zustand Geschenk (Gottes, des Lebens, des Kosmos). F\u00fcr den nicht religi\u00f6s \u2013 spirituellen Menschen ist der Normalzustand Besitz \u2013 Selbstverst\u00e4ndlichkeit \u2013 Anspruch. Das Trauerereignis aber ist Verlust, Diebstahl, Zumutung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Biographische Notiz<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trennungen und Verluste hatten in meinem Leben eine unterschiedliche Wirkkraft. Die Flucht von Breslau, der Stadt meiner Kindheit bis ins 9. Lebensjahr, war f\u00fcr mich ein Abenteuer, w\u00e4hrend sie f\u00fcr meine Eltern eine lebenslange Entwurzelung bedeutete. Die Beheimatung in Weimar geschah trotz vieler Einschr\u00e4nkungen (Ein \u2013 Zimmer \u2013 Wohnung f\u00fcr die ganze Familie, mehrfacher Schulwechsel, Stromsperre, chronischer Geldmangel der Eltern, erstes Taschengeld mit 17 Jahren) ohne gro\u00dfe Probleme. Belastend war f\u00fcr mich das Verschwinden von Freunden (sie gingen nach dem Westen). Die Sozialisation durch die Jugendarbeit der katholischen Diasporagemeinde f\u00fchrte gradlinig in den Priesterberuf. Die schrittweise Verabschiedung aus dem Elternhaus war v\u00f6llig unproblematisch, der erste Berufswechsel von Jena nach Erfurt ebenfalls. 1971 revidierte ich meine Entscheidung zum ehelosen Leben (Z\u00f6libat) und heiratete. Dies bedeutete Aufgabe der gesicherten beruflichen Existenz mit 35 Jahren. F\u00fcr die Institution Kirche war ich abtr\u00fcnnig, f\u00fcr den atheistischen und antiklerikalen Staat blieb ich gef\u00e4hrlich. Ich selbst konnte keine g\u00fcltige berufliche Qualifikation nachweisen. Die meisten meiner Freunde und Bekannten mieden mich. Es begann eine Zeit gro\u00dfer Dem\u00fctigungen. Und dennoch war ich damals gl\u00fccklich, optimistisch und voller Elan. 1975 gab es keinerlei Perspektiven mehr, keine beruflichen Chancen trotz vieler Bem\u00fchungen. Statt Bautzen (Zuchthaus) gl\u00fcckte die \u00dcbersiedlung nach dem Westen mit der ganzen Familie. Doch der Preis war hoch. Zum ersten Mal sp\u00fcrte ich, was Entwurzlung bedeutet. Meine Biographie konnte ich nicht mitnehmen, auch nicht meine Freunde, Eltern und Geschwister. Fast ein Jahr Isolation, Arbeitslosigkeit und schwindende Hoffnung in Essen. Meine Mutter starb. Hatte ich ihr das Herz gebrochen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann erhielt ich 1976 in Bendorf die Chance einer beruflichen Aufgabe, die mir geradezu auf den Leib geschnitten war. Bendorf wurde f\u00fcr die ganze Familie ein St\u00fcck Heimat. Auch die Legasthenieprobleme und Verhaltenst\u00f6rungen bei unserem Sohn lie\u00dfen sich heilen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1981 drei Operationen. CA \u2013 Verdacht. Ich hatte Angst, aber nur f\u00fcr kurze Zeit. Der Wille zum Leben blieb ungebrochen. Anders 1994, als ich mir nach einer Hochgebirgswanderung eine Gonarthrose zuzog. Es bestand die Gefahr der fr\u00fchzeitigen Invalidisierung. Schock. Doch ich entwickelte enorme Selbstheilungskr\u00e4fte. 1997 tief greifender Berufskonflikt, Depression, Zwangsk\u00fcndigung der Wohnung, vorzeitige Verrentung, endg\u00fcltige Verabschiedung unseres Sohnes. Ich wei\u00df: Ich habe viel geweint. Nur langsam neue Sicht des nachberuflichen Lebensabschnittes: Nun habe ich Zeit; nun haben wir Zeit. Ende 1998 begann die Erkrankung von Rosemarie. In der Nacht nach meinem Geburtstag, am 6. 10. 1999, ist sie in meinen Armen gestorben. Doch heute lebe ich wieder \u2013 und nicht allein. Es ist wie ein zweites Leben, das mir geschenkt wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob der Mensch schwere seelische Krisen \u00fcbersteht, Heilung findet und den Verlust in sein weiteres Leben integrieren kann, h\u00e4ngt von vielen Faktoren ab: Von der Person des Betroffenen, von der Art und den Umst\u00e4nden des Todes, der Beziehung zu dem Verstorbenen, von seinem Umfeld, dem Ausma\u00df der zuteil gewordenen Unterst\u00fctzung und vor allem davon, wie er sich dem Prozess der Trauer stellen kann., diese o.a. Aussage von Maria Nestele kann ich best\u00e4tigen. Verlust ist nicht gleich Verlust. Die Trauer hat viele Dimensionen und Gesichter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>M\u00e4nner:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>M\u00e4nner k\u00f6nnen sprachlos sein, wenn es um ihr Leben geht.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dietrich Schwanitz berichtet von einem Klassentreffen viele Jahre nach dem Abitur und wie sich sp\u00e4t abends M\u00e4nner und Frauen auf einmal trennten. Die M\u00e4nner wurden wieder zu Jungen, die sie einst gewesen waren. Sie erz\u00e4hlten sich Witze und Heldentaten von gestern. Von ihrem Leben nach der Schulzeit berichteten sie h\u00f6chstens nur \u00fcber Erfolge, \u00fcber ihr Leben eigentlich gar nichts.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Frauen aber begegneten sich als nun reife Frauen. Sie konnten sich \u00fcber ihr Leben erz\u00e4hlen. Es waren oft Geschichten \u00fcber verlorene Illusionen, denn in der Regel betrafen ihre Entt\u00e4uschungen M\u00e4nner. Schwanitz reflektiert: Mir ging auf, dass sie (=die M\u00e4nner) ihre puerilen Scherze machten, um nichts Pers\u00f6nliches berichten zu m\u00fcssen. Und dass sie auf diese Weise ihre Trauer \u00fcber die verpassten Chancen und eigenen Fehlerverbergen konnten. Sie verbargen sich hinter der idiotischen Maske der Unreife, sie waren einsam und sprachlos.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(www. Lyrikwelt.de\/Gedichte\/schwanitzg1.htm)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Mythos M\u00e4nnermacht<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der \u00d6sterreichische Psychotherapeut Martin Mitterndorfer spricht vom \u201eMythos M\u00e4nnermacht\u201c. Die Aussagen \u201eM\u00e4nner haben mehr Geld\u201c oder \u201e Frauen sind gef\u00e4hrdeter als M\u00e4nner\u201c seien empirisch nicht zu belegen (<a href=\"http:\/\/www.ifs.at\/aktuell\/Gespraech,htm\">www.ifs.at\/aktuell\/Gespraech,htm<\/a>).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Richtig ist (f\u00fcr die Industriegesellschaft), dass M\u00e4nner ein gef\u00e4hrliches und kr\u00e4fteraubendes Leben f\u00fchren. Die Schweizer Homepage \u201eM\u00e4nnerdepression\u201c f\u00fchrt als Beispiele an:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">M\u00e4nner leben im Durchschnitt 8 Jahre k\u00fcrzer als Frauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2\/3 aller Notfallpatienten sind M\u00e4nner<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3\/ 4 aller Mordopfer und aller Suizide sind M\u00e4nner.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">70 % aller Obdachlosen sind M\u00e4nner.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2\/3 aller Schulwiederholungen sind M\u00e4nner<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Spitalaufenthalte der M\u00e4nner sind wesentlich l\u00e4nger als diejenigen der Frauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Risikoberufe sind weitgehend durch M\u00e4nner besetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mitterndorfer gibt auf die provokatorische Frage \u201e Sind M\u00e4nner immer st\u00e4rker?\u201c folgende Antworten:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>M\u00e4nner sind in der Regel in ihrem K\u00f6rperbau \u2013 also physiologisch \u2013 kr\u00e4ftiger und st\u00e4rker als Frauen. Dies gilt aber nicht f\u00fcr die emotionale, soziale, wirtschaftliche Ebene. Wenn M\u00e4nner aufgrund der historischen Entwicklung in unserer Gesellschaft (noch) mehr Macht haben als Frauen, ist das keineswegs ein Beweis f\u00fcr ihre St\u00e4rke als Individuum.<\/li>\n<li>M\u00e4nner stehen im allgemeinen st\u00e4rker als Frauen unter wirtschaftlich \u2013 beruflichem Druck. Sie nehmen sich weniger Zeit, Probleme mit sich selbst aktiv anzugehen. M\u00e4nner m\u00fcssen oft fr\u00fchzeitig ihre Kindheitsentwicklung abbrechen, um unter ihresgleichen leistungsf\u00e4hig, hart, angstfrei und extrem belastbar zu werden. M\u00e4nner wachsen unter dem Rollendruck auf, keine Schw\u00e4che und keine Angst haben zu d\u00fcrfen.<\/li>\n<li>Leid, Schmerz, Trauer, Wut und Angst haben alle Menschen. Unterschiede gibt es nicht von Frau zu Mann sondern von Mensch zu Mensch. Aber M\u00e4nner haben Nachholebedarf, ihre gesellschaftliche Rollenver\u00e4nderung (gegen\u00fcber den \u201ePowerfrauen\u201c) zu bedenken. Weibliche und m\u00e4nnliche Rollen haben Licht- und Schattenseiten.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eM\u00e4nner sind furchtbar stark, M\u00e4nner weinen heimlich\u201c (Herbert Gr\u00f6nemeyer)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Aspekte der m\u00e4nnlichen Sozialisation:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ulrich Keller, Pastoralreferent in der Hospizarbeit, nennt in seinem Internetbericht \u201e M\u00e4nner und Trauer\u201c f\u00fcnf Aspekte f\u00fcr die m\u00e4nnliche Sozialisation:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Externalisierung (Au\u00dfenorientierung) und Rationalit\u00e4t: Besch\u00e4ftigung mit eigenen Bed\u00fcrfnissen und Gef\u00fchlen gilt als unm\u00e4nnlich<\/li>\n<li>Stummheit: Sprachlosigkeit \u00fcber sich selbst.<\/li>\n<li>Alleinsein: Der Mann ist zum Helden berufen. Der einsame K\u00e4mpfer.<\/li>\n<li>K\u00f6rperferne: Vernachl\u00e4ssigung des eigenen K\u00f6rpers und seiner Warnsignale.<\/li>\n<li>Kontrolle der eigenen Gef\u00fchle und Emotionen (Beherrschung).<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">(<a href=\"http:\/\/www.veid.de\/Themenseiten\/Maennertrauer\/body_maennertrauer.html\">www.veid.de\/Themenseiten\/Maennertrauer\/body_maennertrauer.html<\/a>)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Biologische und soziale Faktoren f\u00fcr die geschlechtsspezifischen Unterschiede:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In seinen \u00dcberlegungen zum Tod und Sterben macht der Soziologe Klaus Feldmann darauf aufmerksam, dass die geschlechtsspezifischen Mortalit\u00e4tsunterschiede (Frauen leben l\u00e4nger als M\u00e4nner) sowohl auf biologische als auch auf soziale Faktoren zur\u00fcckzuf\u00fchren sind. Die m\u00e4nnlichen Geschlechtsrollenstereotype wie Aggressivit\u00e4t, Dominanz, Konkurrenzhaltung und Unabh\u00e4ngigkeit erh\u00f6hen f\u00fcr M\u00e4nner das Todesrisiko. Aber in vielen Entwicklungsl\u00e4ndern sind Frauen sozial so stark benachteiligt, dass ihre Sterblichkeit die der M\u00e4nner \u00fcbersteigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(<a href=\"http:\/\/www.altenpflege-tod-undsterben.de\/\">www.altenpflege-tod-und-sterben.de<\/a>)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Sicherheit und Besitz als Lebenskategorien vieler M\u00e4nner:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">M\u00fcller \/ Schaefer weisen daraufhin, dass M\u00e4nner relativ stabile Strukturen und Rahmenbedingungen brauchen. Bereits bevorstehende Trennungen verursachen existentielle \u00c4ngste und provozieren wiederum Aggressionen als Antwort. \u201eWenn sie, die M\u00e4nner, erst einmal ein bejahendes Verh\u00e4ltnis zu Personen, Dingen oder Gewohnheiten verf\u00fcgen (oft genug \u2013 man gestatte uns dieses unm\u00e4nnliche Bild \u2013 unter Wehen und Kr\u00e4mpfen geboren), f\u00e4llt ihnen die Trennung \u2013 egal ob zeitlich befristet oder dauerhaft umso schwerer\u201c. Bei vielen M\u00e4nnern besteht ein ausgesprochenes Bed\u00fcrfnis, verloren gegangenen Besitz durch das Gewinnen von neuem zu kompensieren. Weil die Umwelt \u201eden aufrechten Gang\u201c erwartet und berechtigte Trauerreaktionen als Schw\u00e4che (unm\u00e4nnlich, weibisch) abwertet, sind M\u00e4nner\u00a0 in solchen Situationen auch immer in Gefahr, in \u201eMechanismen der Verdr\u00e4ngung\u201c zu fallen\u00a0 (Verleugnung, Aktivismus, Hedonismus, k\u00f6rperfeindliche Exzesse, sexuelle Haltlosigkeit).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Biographische Notiz:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe meinen Beruf als Priester geliebt. Er war mein Traumberuf. Doch der geforderte Preis eines ehelosen Lebens und des Verzichtes auf eine eigene Familie war zu hoch. Da alle Ersatzl\u00f6sungen (z.B. geheime Beziehung) als unbrauchbar und lebensfeindlich empfunden wurden (auch von meiner Partnerin) und die Katholische Kirche alle T\u00fcren verschloss, blieb nur der steinige Weg einer neuen Berufssuche. Dies war schwer, denn f\u00fcr die Gesellschaft der DDR war ich persona ingrata absoluta ( Feind, unn\u00fctz, Gefahr). Nach einem Jahr perspektivlosen Nichtstuns ohne jegliche finanzielle Absicherung landete ich im Zoo \u2013 \u00fcber den stinkenden Eisf\u00fcchsen, bei drei neurotischen Frauen, denen es einen Spa\u00df machte, dass ihnen ein Priester die \u00d6fen heizte und die Br\u00f6tchen besorgte. Aber langsam ging es aufw\u00e4rts. Nicht immer gefahrlos und durchaus anstrengend. Ich wurde gezwungen, st\u00e4ndig Neues zu lernen, mich anzupassen, Chancen zu ergreifen, Entscheidungen zu riskieren. Es hat mich fit gehalten und ist zu meiner Lebensform geworden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"center\"><strong>M\u00e4nnertrauer:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Im Widerspruch zu dem \u201am\u00e4nnlichen Programm\u2019<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hans Stapelfeld und J\u00f6rg Reiner Hoppe weisen darauf hin, dass die heutigen M\u00e4nner ma\u00dfgeblich von einem \u201em\u00e4nnlichen Programm\u201c her denken: die Welt mit Hilfe von Forschung, Wissenschaft, Technik und eines st\u00e4ndig wachsenden Wirtschaftssystems zu beherrschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Verlust, Krankheit und Tod sind zu diesem Programm diametral. M\u00e4nnern verschl\u00e4gt es die Sprache, wenn das Programm nicht greift (auch in Wirtschaft und Politik)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(<a href=\"http:\/\/www.die-bonn.de\/zeitschrift\/42000\/traditionen.htm\">www.die-bonn.de\/zeitschrift\/42000\/traditionen.htm<\/a>)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Emotionales Abschotten: <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Gestalttherapeut Erhard Donbrawa verweist auf das emotionale Abschotten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viele Menschen, besonders M\u00e4nner, isolieren sich emotional und halten diese Isolation f\u00e4lschlich f\u00fcr Freiheit. Sie sublimieren ihre Gef\u00fchle und versperren sich emotionalen Bed\u00fcrfnissen bis sie schlie\u00dflich an Herzinfarkten, Schlaganf\u00e4llen oder anderen Krankheiten sterben\u201c. M\u00e4nner sind durch ihre Sozialisation eher \u201eWeltgestalter\u201c als \u201eInnenarchitekten\u201c. Sie meiden oft die Auseinandersetzung mit auftretenden Problemen, \u00c4ngsten und Sorgen, weil sie den Verlust ihrer Leistungsf\u00e4higkeit (k\u00f6rperlich, beruflich, sexuell) bef\u00fcrchten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(<a href=\"http:\/\/www.gestalt.de\/doubrawa.html\">www.gestalt.de\/doubrawa.html<\/a>)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ver\u00e4nderungsbereitschaft unter Leidensdruck<\/strong>:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Luzerner Psychotherapeut Othmar Loser \u2013 Kalbermatten leitet schon l\u00e4ngerer Zeit ein \u201eM\u00e4nnerprojekt\u201c. In einem Interwiev nennt er drei Beobachtungen:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>M\u00e4nner sind nur unter Leidensdruck bereit, etwas zu ver\u00e4ndern &#8211; nur bei gro\u00dfen Existenzproblemen (Schwierigkeiten in pers\u00f6nlichen Beziehungen, berufliches Scheitern, Konflikte mit Hierarchien oder bei der Teamarbeit, gesundheitlicher Einbruch).<\/li>\n<li>M\u00e4nner m\u00fcssen es lernen, sich selbst, ihren K\u00f6rper, ihre Gef\u00fchle wahrzunehmen, \u00fcber sich zu sprechen.<\/li>\n<li>M\u00e4nner m\u00fcssen sich aus ihrer Erstarrung l\u00f6sen und ver\u00e4ndern. Das zwei Millionen alte Entwicklungsmuster vom Mann als tapferem J\u00e4ger und aggressivem K\u00e4mpfer ist heute \u00fcberholt.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">(<a href=\"http:\/\/www.loser-kalbermatten.ch\/\">www.loser-kalbermatten.ch<\/a>)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>M\u00e4nner trauern anders?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Ihrem Buch \u201eM\u00e4nner trauern anders\u201c (Spektrum 5225 Herder) l\u00e4sst Elisabeth Levang 11 M\u00e4nner zu Wort kommen. Sie erz\u00e4hlen von ihrer Trauer nach einem Todesfall, nach dem Verlust des Arbeitsplatzes oder nach einer schweren Erkrankung. Ihre Berichte machen deutlich, dass M\u00e4nner und Frauen in ihrer Trauer vieles gemeinsam haben, was die Gef\u00fchle angeht, die mit ihr einhergehen. Sie zeigen aber auch, dass M\u00e4nner mit diesen Gef\u00fchlen anders umgehen als Frauen. M\u00e4nner trauern <em>anders<\/em>, aber <em>nicht weniger<\/em> intensiv als Frauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(<a href=\"http:\/\/www.maennerb%C3%BCro-trier.de\/\">www.maennerb\u00fcro-trier.de<\/a>)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das <em>andere<\/em> Trauern des Mannes hat viele Facetten. M\u00fcller \/ Schaefer bieten hier viel Material. Weil M\u00e4nner sich oft als Einzelfall sehen, neigen sie zum Verschweigen und Verdr\u00e4ngen: \u201eNur ich bin betroffen. Niemand sonst. Zeige es nicht. Sei keine Memme\u201c F\u00fcr M\u00e4nner haben Leistung, Anerkennung, Erfolg und Status einen hohen Stellenwert. Kommt es hier zum Einbruch (Krankheit, Nachlassen der Kr\u00e4fte, Weggang der Partnerin, Arbeitslosigkeit, Abbruch der beruflichen Karriere), wird der ganze Mensch gel\u00e4hmt. Oftmals gelingt es M\u00e4nnern \u00fcberhaupt nicht, neue Priorit\u00e4ten als Bereicherung zu erkennen, z.B. Zeit haben oder Langsamkeit als Gewinn. In unserer global beeinflussten Hochleistungsgesellschaft ist jeder Arbeitende ein potenzieller Arbeitsloser. M\u00e4nner sind besonders gef\u00e4hrdet, wenn die Arbeit ihre entscheidende Identit\u00e4tsquelle ist (so wie es die Gesellschaft vorgibt) und f\u00fcr sie die Gleichsetzung gilt: Verlust der Arbeit = Verlust des Lebens. M\u00e4nner m\u00fcssen und k\u00f6nnen lernen, dass die Gleichung Arbeitsplatz = Arbeit = Leben nicht stimmig ist. Die ganze Breite der m\u00f6glichen Lebensaktivit\u00e4ten (politisches\/ soziales Engagement, religi\u00f6s\/spirituelle Bildung, sportlich\/k\u00fcnstlerische Aktivit\u00e4ten, Kontakte, Reisen, Sprachen, Weiterbildung \u2026.) hat ihre eigene Dignit\u00e4t und darf nicht verzweckt werden. Au\u00dferberufliche Professionalit\u00e4t kann schon im Beruf erstrebt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ab Lebensmitte bef\u00e4llt viele M\u00e4nner \u201edie Angst vor dem Verlust von Attraktivit\u00e4t oder gar vor dem Versagen im Bett\u201c. Der Gedanke an den Verlust der Errektionsf\u00e4higkeit erh\u00e4lt sehr schnell traumatischen Charakter. Vielen M\u00e4nnern f\u00e4llt es sehr schwer zu akzeptieren, dass m\u00e4nnliche Attraktivit\u00e4t aus einer Summe unterschiedlicher Elemente besteht (Pers\u00f6nlichkeit, Reife, Ruhe, Kraft, Sicherheit, Lebens- und Liebeserfahrung, Z\u00e4rtlichkeit, Einf\u00fchlsamkeit, Treue) und das Genitale nur <em><span style=\"text-decoration: underline;\">ein<\/span><\/em> Segment zwischenmenschlicher Sexualit\u00e4t ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Witwerrisiko:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einem FU \u2013 Report von N. Knoll \/Selim Erkan wird darauf hingewiesen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211;Bei jungen Witwern steigt die Mortalit\u00e4tsrate;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211;Bei \u00e4lteren Witwern steigt die Suizidrate.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann wird resumiert:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">M\u00e4nner verlieren meist ihren Lebenssinn und Willen, wenn der Partner verstirbt. Der Verlust des Ehepartners ist f\u00fcr M\u00e4nner belastender als f\u00fcr Frauen. Verwitwete M\u00e4nner verbringen mehr Zeit f\u00fcr die Hausarbeit und neigen zur Depression. Verwitwete Frauen gewinnen eine Verst\u00e4rkung ihres Selbstvertrauens, w\u00e4hrend dies bei verwitweten M\u00e4nnern nicht auftritt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(<a href=\"http:\/\/www.home.t-online.de\/humanist.aktion\/trauer.htm\">www.home.t-online.de\/humanist.aktion\/trauer.htm<\/a>)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einem Report des Infodienstes \u201ebeziehungsweise\u201c, wird dargestellt, dass bei M\u00e4nnern nach Partnerverlust das Risiko erheblich steigt, psychisch oder k\u00f6rperlich zu erkranken. Nach einer finnischen Studie steigen bei Witwern das Sterberisiko um 21% und die Selbstmordrate um ein Dreifaches. \u201eM\u00e4nner scheinen demnach mit dem Verlust weniger gut zurecht zu kommen als Frauen. Ein Grund, warum Frauen besser mit diesem einschneidenden Ereignis fertig werden, sind ihre ausgepr\u00e4gten Sozialkontakte. Zudem haben Frauen eine gr\u00f6\u00dfere Bereitschaft, Trauerarbeit zu leisten. Es f\u00e4llt ihnen leichter, ihre Gef\u00fchle auszudr\u00fccken und \u00fcber die Trauer zu sprechen. Verlieren M\u00e4nner ihre Partnerin, so geht damit auch die in verschiedenen Untersuchungen nachgewiesene \u201agesundheitsf\u00f6rdernde Wirkung\u2019 der Frau verloren. M\u00e4nner sind auch weniger auf den Verlust vorbereitet, da es wahrscheinlicher ist, dass auf Grund der h\u00f6heren Lebenserwartung der Frau der Tod des Mannes vorausgeht.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(<a href=\"http:\/\/www.oif.ac.at\/presse\/bzw\/artikel.asp?Rubrik-3&amp;BZW\">www.oif.ac.at\/presse\/bzw\/artikel.asp?Rubrik-3&amp;BZW<\/a> )<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In dem Report von Hans Stapelfeld und J\u00f6rg Reiner Hoppe wird im Hinblick auf M\u00e4nner, die von ihrer Partnerin verlassen werden, darauf hingewiesen: \u201e Frauen machen sich durch eigene Berufst\u00e4tigkeit unabh\u00e4ngig vom m\u00e4nnlichen Ern\u00e4hrer. M\u00e4nner werden h\u00e4ufig von der Trennung \u00fcberrascht und erleben es als besonders kr\u00e4nkend, wenn sie von Frauen verlassen werden. Sie haben sich vielfach mit den Umst\u00e4nden abgefunden und scheinen f\u00fcr die Leere in ihrer Beziehung und fier Frustration der Frau unempfindlich zu sein. Nach der Trennung bricht f\u00fcr sie eine ausweglose Situation auf, wenn sie feststellen m\u00fcssen, dass sie emotional weder mit noch ohne Frau leben k\u00f6nnen.\u201c Dies alles gilt auch f\u00fcr den Witwer. Mit dem Tod seiner Ehepartnerin ist der \u201eSUPER \u2013 GAU\u201c eingetreten. Er wird emotional oft zu einem Kleinkind ohne seine Mutter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(<a href=\"http:\/\/www.die-bonn.de\/zeitschrift\/42000\/traditionen.htm\">www.die-bonn.de\/zeitschrift\/42000\/traditionen.htm<\/a>)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>M\u00e4nner und ihr behindertes Kind<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">M\u00fcller \/ Schaefer widmen diesem Aspekt der M\u00e4nnertrauer besondere Aufmerksamkeit, weil sich hier Trauer als lebensbegleitender Prozess ereignet und f\u00fcr M\u00e4nner eine besonders belastende Herausforderung darstellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gesellschaftlich wird es toleriert, keine Kinder zu haben, oft sogar als besonderes Verantwortungsbewusstsein anerkannt. Anders ist das bei einem behinderten Kind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">M\u00fcller \/ Schaefer verweisen auf die h\u00e4ufige Phasenabfolge: Sprachlosigkeit (Gespr\u00e4chsverweigerung gegen\u00fcber Partnerin und Freunden) \u2013 Relativierung (moderne Medizin, doctor \u2013 Shopping, es wird nicht so schlimm)\u00a0 &#8211; Aktivismus ( Sicherung der \u00e4u\u00dferen Versorgung) \u2013 oft lebenslange tendenziell heroische Krisen- und Trauerbew\u00e4ltigung. Die Akzeptanz eines behinderten Kindes ist durchaus vergleichbar mit der Trauerarbeit beim Sterben eines Kindes und kann sogar schwerer sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das erste \u00f6ffentliche Auftreten mit dem behinderten Kind kann zum Spie\u00dfrutenlauf werden. Besonders schon vorher bei der Frage \u201e Wie geht es deinem Stammhalter?\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eMitleid signalisierende Blicke bei den ersten Ausfahrten hingegen werden von den V\u00e4tern oft genug als Reaktion auf pers\u00f6nliche Schmach und m\u00e4nnliches Versagen interpretiert\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Folgen der unterschiedlichen Lebenserwartung<\/strong>:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Prof. Gerhard Deimling von der FHS Wuppertal weist auf die historische Demographie hin: Bis ins 19. \/ 20. Jahrhundert hatten die M\u00e4nner trotz der Kriegsverluste eine geringere Mortalit\u00e4tsrate als Frauen, weil diese durch die hohe M\u00fcttersterblichkeit der damaligen Zeit stark belastet waren. In der modernen Industriegesellschaft haben sich diese Verh\u00e4ltnisse umgekehrt. Frauen haben von der technisch \u2013 industriellen und der medizinischen Entwicklung st\u00e4rker profitiert als M\u00e4nner. Besonders deutlich wird dies in Pflegeheimen. Die zahlenm\u00e4\u00dfig wenigen M\u00e4nner begegnen meist nur Frauen. Wenn sie sich zur\u00fcckziehen, werden sie depressiv. Wenn sie sich anpassen, neutralisieren sie ihre Geschlechtsrolle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(<a href=\"http:\/\/www.isogam.uni-wuppertal.de\/vt\/deim.htm\">www.isogam.uni-wuppertal.de\/vt\/deim.htm<\/a>)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>M\u00e4nnertrauergruppen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gerhard M\u00fchlbauer berichtet, dass die von ihm 2001 gegr\u00fcndete Trauergruppe f\u00fcr M\u00e4nner die einzige dieser Art in Bayern sei. An Gr\u00fcnden nennt er: Die zahlenm\u00e4\u00dfige \u00dcbermacht der Frauen wird als unangenehm empfunden. Lieber vollziehen M\u00e4nner ihre Trauerarbeit in bestehenden M\u00e4nnerkreisen (Sport, Freizeit, Bierrund, Kartenspiel, Chor \u2026). Das gesellschaftlich eingeforderte Rollenspiel des Starken und Beherrschten macht es dem Mann schwer, seine Trauergef\u00fchle zu zeigen und dar\u00fcber zu reden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(<a href=\"http:\/\/www.gerhardmuehlbauer.de\/trauerbegleitung.htm\">www.gerhardmuehlbauer.de\/trauerbegleitung.htm<\/a>)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ulrich Keller weist darauf hin, dass in den Trauergruppen bis zu 80 % Frauen sind, dies aber auch biologisch bedingt sei (Mortalit\u00e4tsverh\u00e4ltnis 5:1).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Robert Bly weist darauf hin, dass der Mann in der westlichen Gesellschaft den \u201eInneren Krieger\u201c verloren hat = die Kraft in uns, eine Aufgabe bis zum Ende durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen. Einen wesentlichen Grund sieht er in dem Verlust der Initiationsriten. Fr\u00fcher in den Stammeskulturen waren die Initiationsriten eine \u00dcberleitung f\u00fcr die schwierige Phase des Mann \u2013 Werdens. In der Standesgesellschaft \u00fcbernahmen diese Aufgabe die V\u00e4ter, Meister und Gro\u00dfv\u00e4ter. In der anonymen Gesellschaft ging dieser personale Bezug verloren. Daraus ergibt sich bei bestimmten Voraussetzungen eine gewisse Lebensunt\u00fcchtigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Summarisches Nachwort:<\/strong><\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>In der modernen Gesellschaft wird das traditionelle Rollenverst\u00e4ndnis von M\u00e4nnern und Frauen ver\u00e4ndert. Frauen erobern sich die \u00d6ffentlichkeit (z.B. Frauen in M\u00e4nnerberufen) und M\u00e4nner verlieren ihre funktionale Exklusivit\u00e4t (z.B. Hausm\u00e4nner). Aber sowohl bei Frauen wie bei M\u00e4nnern hingt das Bewusstsein nach, es gibt sogar eine Renaissance des traditionellen Rollenverst\u00e4ndnisses (die frauliche Frau und der m\u00e4nnliche Mann)<\/li>\n<li>Existentiellen Verlusten sind Frauen und M\u00e4nner in gleicher Weise ausgesetzt, auch wenn Mortalit\u00e4tsrate und Arbeitslosigkeit \u00fcberproportional M\u00e4nner betreffen. Geschlechtsspezifisch sind allerdings Unterschiede bei der Verlustverarbeitung festzustellen. Durch die Sozialisation ist der Mann auf Gewinnen und Durchhalten programmiert worden und ist in seiner sprachlichen Qualifikation in Bezug auf das Leben unterentwickelt. In Lebenskrisen wird er lebensunt\u00fcchtig, wenn er nicht von seiner Umwelt und\/oder durch seine eigene biographische Entwicklung eine Stabilisierung erf\u00e4hrt.<\/li>\n<li>M\u00e4nner, die ein bejahendes Sterben oder die gegl\u00fcckte Verarbeitung eines Verlustes bei einem anderen erleben, die spirituell verankert sind und dem Leben in seiner ganzen Weite positiv gegen\u00fcber stehen, sind f\u00e4hig, eigene Verluste in Lebensgewinn umzuwandeln und dem eigenen Ende mit innerem Frieden entgegenzugehen.<\/li>\n<li>M\u00e4nner sind m\u00f6glicherweise durch die Reproduktionsform des Menschen (als S\u00e4ugetier) weniger stark f\u00fcr Lebenskrisen ausgestattet. Frauen haben einen urspr\u00fcnglicheren Bezug zu Leben, Schmerz und Sterben. Aber alle Typisierung kann individuell relativiert werden. M\u00e4nner k\u00f6nnen weinen und Frauen versteinern.<\/li>\n<li>Besonders f\u00fcr Jungen ist es wichtig, dass sie von Krankheit, Alter, Sterben und Tod nicht ferngehalten werden. Die Fragen nach den Grenzsituationen des Lebens (und dazu geh\u00f6rt auch die M\u00f6glichkeit von Schuld, Versagen und Schicksalsschl\u00e4gen) bed\u00fcrfen einer altersgem\u00e4\u00dfen Antwort, um so die Chance zu wachsenden Lebenserfahrungen zu geben.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0Abschlussarbeit eines mehrj\u00e4hrigen Weiterbildungsseminares der IGSL 2003 &#8222;Weggef\u00e4hrte sein bei Abschied und Trauer\u00a0\u00bb mit Monika Schulte \u2013 Beckhausen (\u2191)\u00a0 und Dieter Steuer. \u00a0Wie gehen M\u00e4nner mit den gro\u00dfen existentiellen Verlusten um, die das Leben mit sich bringt? Haben M\u00e4nner und Frauen eine unterschiedliche Beziehung zu Tod und Trauer? Die Sargtr\u00e4ger sind in der Regel M\u00e4nner [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0},"categories":[14],"tags":[41],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/706"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=706"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/706\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=706"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=706"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=706"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}