{"id":675,"date":"2012-07-06T13:03:03","date_gmt":"2012-07-06T11:03:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/?p=675"},"modified":"2012-07-09T13:26:22","modified_gmt":"2012-07-09T11:26:22","slug":"konflikt-um-gotthold-hasenhuttl","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/konflikt-um-gotthold-hasenhuttl\/","title":{"rendered":"\u201eDer Scho\u00df ist fruchtbar&#8220;  &#8211; Dokumentation zum Konflikt um Prof. Gotthold Hasenh\u00fcttl"},"content":{"rendered":"<div>(Erstver\u00f6ffentlichung: 25. Mai 2009)<\/p>\n<div><\/div>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1) Widerspruch<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-medium wp-image-679\" title=\"image002\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/image002-300x219.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"219\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/image002-300x219.jpg 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/image002.jpg 342w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Es war wie eine Hexenjagd auf Gotthold Hasenh\u00fcttl, die von der katholischen Hierarchie nach den beiden Gottesdiensten beim \u00d6kumenischen Kirchentag 2003 in Berlin in der Gethsemanie-Kirche inszeniert wurde.\u00a0 Ich war best\u00fcrzt \u00fcber die Art und Weise, wie Verantwortliche meiner Kirche den als sehr bescheiden erlebten Theologieprofessor aus Saarbr\u00fccken, Gotthold Hasenh\u00fcttl, behandelten. Deshalb und auch weil mein Di\u00f6zesanbischof Marx sich offensichtlich zum Hauptankl\u00e4ger avancierte, empfand ich es als Verpflichtung, mich an der \u00f6ffentlichen Auseinandersetzung zu beteiligen, ohne allerdings &#8211; wie viele andere auch &#8211; etwas bewirken zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Bischof Marx im November 2005, also gut zwei Jahre sp\u00e4ter, in der Koblenzer Rhein &#8211; Zeitung seinen Aufruf zu Bu\u00dfe und Vergebung mit dem Satz beendete, &#8222;F\u00fcr Jesus war die Vergebung der S\u00fcnden und die Befreiung von Schuld eine ganz zentrale Aufgabe&#8220;, schrieb ich dem Bischof einen vertrauensvollen Adventsbrief und bat ihn darum, den ersten Schritt zu tun, um die gest\u00f6rte Beziehung zu Prof. Hasenh\u00fcttl zu heilen. Ich schrieb damals:&#8220; Ich bin mir sicher, dass ein Foto, wo Sie und Prof. Hasenh\u00fcttl sich die Hand reichen, wie ein Weihnachtsgeschenk w\u00e4re &#8211; f\u00fcr Prof. Hasenh\u00fcttl, f\u00fcr uns alle wie auch f\u00fcr Sie selbst.&#8220; Aber keine Antwort! Keine Reaktion! Nichts! Nur Verh\u00e4rtung der Herzen und Finsternis des Geistes!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch von meinem lange verstorbenen Vater, einem eigentlich unpolitischen Menschen, hatte ich gelernt, dass wir dem B\u00f6sen widerstehen m\u00fcssen und zwar jeder ganz pers\u00f6nlich. So machte ich drei Jahre sp\u00e4ter einen neuen Versuch, als ich in der Trierer Vakanz ein neues Zeitfenster f\u00fcr die L\u00f6sung des h\u00e4sslichen Konfliktes entdeckte. Am 15. Dezember 2008 schrieb ich einen offenen Brief an alle Herren des Trierer Domkapitels &#8211; bewusst auch an die Emeriti, von denen ich einige pers\u00f6nlich kenne &#8211; und bat um ihre Initiative, den Konflikt mit Prof. Hasenh\u00fcttl aus der Welt und damit auch aus dem Bistum Trier zu schaffen.. Ich erinnerte an den alten Brauch der \u201eWahlkapitulationen&#8220; in den Geistlichen Kurf\u00fcrstent\u00fcmern und bat die Domkapitulare, vor der Wahl des neuen Bischofs von den Kandidaten die Vers\u00f6hnungspflicht mit Prof. Hasenh\u00fcttl einzufordern. Wieder keine Antwort! Keine Reaktion! Nichts! Nur Verh\u00e4rtung der Herzen und Finsternis des Geistes! Als ich am Jahresbeginn zuf\u00e4llig erfuhr, dass dem Di\u00f6zesanadministrator nach einem Jahr Vakanz umfassendere Vollmachten durch das Kirchenrecht zustanden, wagte ich am 8. M\u00e4rz 2009 einen neuen Versuch und schrieb an Bischof Robert Brahm: \u201eIn Ihrem Wort zur Fastenzeit z\u00e4hlen Sie Umkehr und Kehrtwendung zu den wesentlichen Dingen, um die Botschaft Jesu Christi neu in den Blick nehmen zu k\u00f6nnen. Da Sie jetzt nach Ablauf der einj\u00e4hrigen Vakanz des Trierer Bischofsstuhles nach dem Katholischen Kirchenrecht als Di\u00f6zesanadministrator wesentlich mehr Vollmachten haben, m\u00f6chte ich Sie herzlich und eindringlich ermahnen, selbst eine solche \u201eKehrtwendung&#8220; vorzunehmen und zu Prof. Dr. Gottlieb Hasenh\u00fcttl eine Br\u00fccke zu schlagen.&#8220; Eigentlich verlangte ich nicht viel: \u201eVers\u00f6hnung, Br\u00fcckenbau, Deeskalation, gemeinsames Suchen nach einer Basis, Kompromiss, Versachlichung des Konfliktes, Aufeinander zu gehen, den ersten Schritt wagen, den anderen zum Entgegenkommen motivieren, sich zumindest wie aufgekl\u00e4rte Menschen und Nachbarn begegnen.&#8220;, alles leistbar, wenn wir \u201ewie neue Menschen leben&#8220;. Schlie\u00dflich war Gotthold Hasenh\u00fcttl mehr als hinreichend bestraft worden. Und in Analogie zum Verkehrsrecht waren die Vorw\u00fcrfe gegen ihn h\u00f6chstens als Ordnungswidrigkeit zu werten. Diesmal bekam ich eine Antwort, allerdings nicht von Bischof Brahm. Mit dem Hinweis auf den Ungehorsam von Gotthold Hasenh\u00fcttl antwortete die Bisch\u00f6fliche Pressestelle, es w\u00e4re \u201enotwendig, dass Prof. Hasenh\u00fcttl einlenkt und deutlich macht, dass er die kirchliche Ordnung anerkennt und befolgt. Davon kann aber bis heute keine Rede sein&#8220;. Zur Unterst\u00fctzung der Argumentation wurde die Pressemitteilung von Bischof Marx vom 17. Juli 2003 beigef\u00fcgt. Von der von mir mehrmals und eindringlich angemahnten Vers\u00f6hnungspflicht \u201evon oben nach unten&#8220; war nichts zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Tatvorgang<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was war eigentlich damals in Berlin geschehen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-medium wp-image-685\" title=\"hasenhuettl-brotkorb\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/hasenhuettl-brotkorb-300x191.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"191\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/hasenhuettl-brotkorb-300x191.jpg 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/hasenhuettl-brotkorb.jpg 401w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Au\u00dferhalb des offiziellen Programms des \u00d6kumenischen Kirchentages in Berlin 2003 fanden in der evangelischen Gethsemaniekirche zwei \u00f6kumenische Gottesdienste statt. Eingeladen hatten das \u00d6kumenische Netzwerk \u201eInitiative Kirche von unten&#8220; (IKvu), die KirchenVolksBewegung, &#8222;Wir sind Kirche&#8220; und die Evangelische Kirchengemeinde Prenzlauer Berg-Nord. Tausende waren an beiden Tagen der Einladung gefolgt, etwa 2000 Personen waren jeweils in der Kirche. Am Fest Christi Himmelfahrt fand der katholische Gottesdienst statt, den der katholische Priester, Prof. Dr. Gotthold Hasenh\u00fcttl aus Saarbr\u00fccken, als Liturge leitete; der evangelische Gottesdienst erfolgte am Freitag. Beide Gottesdienste wurden als Abendmahlsfeier korrekt nach den liturgischen Regeln der eigenen Kirche durchgef\u00fchrt. Die Predigt hielt jeweils ein Vertreter der anderen Kirche, was im gewachsenen \u00f6kumenischen Verst\u00e4ndnis &#8211; zumindest in Deutschland &#8211; durchaus nicht un\u00fcblich war. Eine Stunde vor Beginn wurden die T\u00fcren geschlossen, alle, die nun noch kamen, mussten dem Gottesdienst mittels der Lautsprecher\u00fcbertragung folgen. Ich selbst war mit meinem Freund Ernst Sillmann (f) bei beiden Gottesdiensten in der Kirche dabei. Bemerkenswert war die sehr emotionale Zustimmung nach beiden Gottesdiensten. In meinem Pressebericht, den ich im Zug bei der R\u00fcckfahrt nach Koblenz schrieb, formulierte ich: \u201eAls die gro\u00dfe Gemeinde am Samstag zum Schluss den Choral ,Nun danket alle Gott&#8216; sang, kamen manchem die Tr\u00e4nen.&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Indizien<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um den ganzen Konflikt gerecht beurteilen zu k\u00f6nnen, ist es wichtig, einige Details pr\u00e4zise zu beschreiben:<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>Es handelte sich in Berlin 2003 um einen \u201e\u00d6kumenischen Kirchentag&#8220;. Die beiden \u201egro\u00dfkirchlichen Lager&#8220; zeigten damit in aller \u00d6ffentlichkeit ihre Bereitschaft, aufeinander zu zu gehen. Die Christen in Deutschland \u00fcbernahmen wieder Verantwortung f\u00fcr die Zukunft christlicher Kirche, so wie das in der Vergangenheit so oft geschehen war.<\/li>\n<li>Damit war aber auch eine Art Laborsituation gegeben. Dass einige wenig geliebte Reformgruppen, die sonst von den deutschen Bisch\u00f6fen nur Schweigen und Nichtbeachtung erleben, f\u00fcr Stand und Gottesdienst im offiziellen Programm ihren Platz bekamen, war ein Symptom f\u00fcr den Willen der kirchlichen Verantwortlichen, bestehende Grenzen zu \u00fcberschreiten und Br\u00fccken in die Zukunft zu bauen.<\/li>\n<li>Die gro\u00dfe Teilnehmerzahl bei beiden Gottesdiensten gab diesen nachtr\u00e4glich eine besondere Bedeutung, da so die gro\u00dfe Sehnsucht des gespaltenen Gottesvolkes deutlich wurde.<\/li>\n<li>In der R\u00fcckschau erscheint es nicht so sehr ein Mangel sondern als eine weise Entscheidung der Kirchentagsveranstalter, diese beiden \u00f6kumenischen Gottesdienste au\u00dferhalb des offiziellen Programms zu lassen. Dadurch wurde ihr Modellcharakter noch deutlicher.<\/li>\n<li>Festzustellen ist es, dass es im Vorfeld von katholischer Seite aus keinerlei Strafandrohungen f\u00fcr die Teilnahme an diesen Gottesdiensten gab.<\/li>\n<li>Beide Gottesdienste wurden in gro\u00dfem Respekt zu der jeweiligen liturgischen Tradition gestaltet und durchgef\u00fchrt.<\/li>\n<li>Prof. Hasenh\u00fcttl lud alle zur Kommunion ein, machte allerdings auch den Vorbehalt, dass sich jeder pr\u00fcfen m\u00fcsse. Diese Praxis hat in vielen Gemeinden und auch im Bistum Trier bis heute langj\u00e4hrige Tradition: \u201eAlle sind eingeladen, ausgeschlossen ist nur, wer sich selbst ausschlie\u00dfen m\u00f6chte&#8220;, mit diesem Satz laden Koblenzer katholische Pfarrer bis heute alle Besucher der Messfeier zur Kommunion ein.<\/li>\n<li>Zu bemerken ist auch, dass Prof. Hasenh\u00fcttl sehr bescheiden agierte und keinerlei Triumphalismus ausstrahlte. Die Stimmung in der gef\u00fcllten Kirche war bei beiden Gottesdiensten eher verhalten. Deutlich war aber wohl, dass viele Gottesdienstteilnehmer das Gef\u00fchl hatten, eine historisch bedeutsame Situation zu erleben.<\/li>\n<li>Jeder r\u00f6mische Bischof tr\u00e4gt f\u00fcr die Priester seines Bistums pers\u00f6nliche Verantwortung. Er verf\u00fcgt \u00fcber ein breites Spektrum an Untersuchungsmethoden und hat eine gro\u00dfe Breite, tats\u00e4chliches bzw. vermeintliches Fehlverhalten zu korrigieren und zu ahnden. Gerade deshalb ist es besonders abzulehnen, wenn ein Bischof Augenma\u00df, M\u00e4\u00dfigung, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Sorgfalt aus dem Auge verliert.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">10. Die deutsche \u00d6ffentlichkeit hat das Gewicht dieser beiden Gottesdienste sehr wohl wahrgenommen. So war im Tagespiegel in der Sonntagsausgabe zu lesen: \u201e Der Kirchentag ist ein gro\u00dfes Fest, aber Feste geben vom Leben immer einen unrealistischen Eindruck. Wie geht es den Kirchen? Wenn man sich die Zahlen anschaut: nicht besonders, Die Erosion geht weiter. Sie hat sich lediglich ein bisschen verlangsamt.&#8220; In einem anderen Pressebericht und zwar auf der ersten Seite hie\u00df es: \u201eDie gewundenen Vorbehalte der katholischen Hierarchie gegen jede Form eines gemeinsamen Abendmahles versteht niemand mehr. Der Umgang mit Hans K\u00fcng, dem weltweit beachteten Vordenker von \u00d6kumene, offenbart konfessionellen Kleingeist. So wenig von einer konfessionellen Kirchenspaltung auf dem Kirchentag zu sp\u00fcren war, so deutlich zeigten sich die innerkatholischen Differenzen zwischen Lehramt und Gl\u00e4ubigen. Wir sind das Gottesvolk &#8211; das denken und praktizieren immer mehr Katholiken. Und lassen sich \u00f6kumenisch inspirieren von Martin Luthers , Freiheit eines Christenmenschen&#8216;.&#8220; Zu dieser Einsch\u00e4tzung in der \u00d6ffentlichkeit schrieb ich damals in meinem Pressebericht: \u201e Ja, das ist richtig. Wir werden die Erfahrungen der fr\u00fcheren Generationen brauchen, etwa das \u201eNada te turbe&#8220; (F\u00fcrchte dich nicht) der gro\u00dfen Teresia oder das Wort Martin Luthers vom Apfelb\u00e4umchen, das er heute pflanzen w\u00fcrde, auch wenn morgen die Geschichte zu Ende ginge&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4) Der Scho\u00df ist fruchtbar<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im katholischen Binnenraum gab es aufgrund des Medienechos Aufregung, aber es war auch deutlich Zur\u00fcckhaltung zu sp\u00fcren. Der Grazer Bischof, der Heimatbischof von Hasenh\u00fcttl, hielt sich elegant heraus, beim Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz war ebenfalls M\u00e4\u00dfigung zu sp\u00fcren. Auch der Berliner Kardinal hielt sich zur\u00fcck, vielleicht weil dieser gen\u00fcgend Probleme mit seiner finanziellen Misswirtschaft hatte. Doch dann instrumentalisierte der Trierer Bischof Reinhard Marx den entstandenen Konflikt. Sah der taktisch kluge Marx in seinem forschen Einschreiten f\u00fcr sich eine Chance, weil er genau wusste, wie sehr der m\u00e4chtige Joseph Ratzinger den deutschen Theologieprofessor aus Saarbr\u00fccken schon lange im Visier hatte? Oder war er lediglich ein Eiferer zum eigenen Vorteil? Vielleicht? Aber halten wir uns an die Tatsachen. Am 17. Juli 2003 suspendierte Bischof Marx Prof. Hasenh\u00fcttl vom Priesteramt und drohte diesem mit dem Entzug der kirchlichen Lehrerlaubnis, falls er nicht einlenke. Wie Martin Luther in Worms blieb sich allerdings Gotthold Hasenh\u00fcttl treu und widerstand. Auch die Sch\u00fctzenhilfe des Bundespr\u00e4sidenten, der &#8222;als evangelischer Christ&#8220; die Haltung der katholischen Kirche zum Abendmahlsstreit kritisierte, half nicht. Doch dann wurde es ganz schnell deutlich, worum es bei der ganzen Sache eigentlich ging. Wenige Tage sp\u00e4ter gab Kardinal Ratzinger der Koblenzer Rheinzeitung ein Interwiev. Originalton Ratzinger: \u201e\u00dcbrigens darf man nicht vergessen, dass Hasenh\u00fcttl eine Dogmatik geschrieben hat, in der er uns sagt, dass es Gott als eine in sich seiende Wirklichkeit gar nicht gibt, sondern lediglich ein Beziehungsereignis sei. Insofern ist das, was er auf dem \u00d6kumenischen Kirchentag angestellt hat, noch relativ gering im Vergleich zu dem, was er im Ganzen von sich gegeben hat. Und Hasenh\u00fcttl wei\u00df selber, dass das nicht der katholische Glaube ist. Man muss also einfach sagen: Das ist alles eine Frage der Ehrlichkeit.&#8220; Auf die Frage des interwievenden katholischen Chefredakteurs Martin Lohmann &#8222;W\u00fcrden Sie also sagen: Hasenh\u00fcttl ist nicht mehr katholisch?&#8220;, antworte Ratzinger klar und deutlich: \u201eWas im Innersten seines Herzens ist und vorgeht, das \u00fcberlassen wir dem lieben Gott. Aber was er geschrieben hat, ist nicht katholisch.&#8220; Jetzt war alles gesagt. Ratzinger als Vertreter der R\u00f6mischen Kirche lie\u00df eine Alternative zu seiner Theologie nicht zu. Statt theologischem Disput gebrauchte die R\u00f6mische Kirche ihre Macht. Statt Diskussion &#8211; Inquisition, statt Vers\u00f6hnung &#8211; Verurteilung, statt Barmherzigkeit &#8211; klerikale Justiz. Vielleicht war Hasenh\u00fcttl zu katholisch, dass er diese Glatteisstrecke \u00fcbersah. Jedenfalls war er sehr katholisch, als er den Weg nach Rom ging. Obwohl er wissen musste, dass es in der Katholischen Kirche keine Rechtsstaatlichkeit gibt und er nach einer so \u00f6ffentlichen Verurteilung keine Chance hatte, ging er den Weg durch die katholische B\u00fcrokratie und legte bei der P\u00e4pstlichen Glaubenskongregation Widerspruch ein. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Glaubenskongregation als letzte p\u00e4pstliche Instanz seinen Rekurs zur\u00fcckwies und dar\u00fcber hinaus &#8222;einige unhaltbare Lehrmeinungen&#8220; auff\u00fchrte, die Hasenh\u00fcttl belasten w\u00fcrden. Nun war der eigentliche Hintergrund der ganzen Aff\u00e4re ganz deutlich: Die Berliner Aktion war eine g\u00fcnstige Gelegenheit gewesen, um Hasenh\u00fcttl endlich wegen seiner vermeintlichen theologischen Irrlehren aus dem Verkehr zu ziehen. Diese inquisitorische Praxis hat in der R\u00f6mischen Kirche Tradition. Der Scho\u00df ist bis heute fruchtbar. Zur Geschichte katholischer Kirche, auch wenn dies nicht gern von den Frommen geh\u00f6rt wird, geh\u00f6rt die Vernichtung der Abweichler und die Belohnung der Inquisiteure. Diese Praxis war auch Bischof Marx bekannt. Anstatt sich zun\u00e4chst wie ein guter Verteidiger sch\u00fctzend vor Gotthold Hasenh\u00fcttl zu stellen, das Geschehen sorgf\u00e4ltig mittels Zeugen diachron und synchron zu untersuchen, schl\u00fcpfte er sofort in die Rolle eines p\u00e4pstlichen Vollzugsbeamten; sicherlich nicht zum eigenen Schaden. Mit Dekret vom 2. Januar 2006 entzog Bischof Marx dem emeritierten katholischen Theologieprofessor, DDr. Gottlieb Hasenh\u00fcttl, die kirchliche Lehrerlaubnis. Bis heute ist dieser als Priester suspendiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>5) Epilog<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mein Vorwurf gegen\u00fcber Bischof Marx, er sei schwer schuldig geworden, als er sich weigerte, Gotthold Hasenh\u00fcttl zu sch\u00fctzen, und statt dessen diesen unter Missachtung aller Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit suspendierte, und meine Interaktionen an die Verantwortlichen in Trier, die Vakanz zu n\u00fctzen, um die Aff\u00e4re mit Prof. Hasenh\u00fcttl zu beseitigen, haben auch historische Hintergr\u00fcnde. 1817 wurde Josef von Hommer, ein gem\u00e4\u00dfigter Anh\u00e4nger der Aufkl\u00e4rung, auf Verlangen des Preu\u00dfischen K\u00f6nigs durch den R\u00f6mischen Papst zum Generalvikar und Apostolischen Visitator f\u00fcr das deutsche Restbistum Trier ernannt. In einer Studie ist dargelegt, wie sich der Generalvikar von Hommer f\u00fcr Martin Boos, einem frommen und jahrelang verfolgten bayerischen Priester des Bistums Augsburg einsetzte, und diesem in der ehemaligen Abtei Sayn Aufgabe und eine letzte Heimat gab.<a title=\"\" href=\"#_ftn1\"><sup><sup>[1]<\/sup><\/sup><\/a> Um diese liberale, menschenfreundliche und damit auch christliche Bistumsleitung, die im Bistum Trier Tradition hat und die ich selbst bei Bischof Bernhard Stein erfahren habe, geht es hier. Dass auch meine christliche Mitverantwortung f\u00fcr Gotthold Hasenh\u00fcttl und meine innere Entr\u00fcstung eine Rolle spielt, will ich nicht verschweigen. Jedenfalls ist es bedauerlich und schlimm, dass kein einziger der Trierer Bistumsleitung und des Domkapitels die Vakanz genutzt hat, um diesen h\u00e4sslichen Flecken auf dem \u201eGewand der katholischen Kirche von Trier&#8220; zu beseitigen. Das Evangelium blieb auf der Strecke, \u201eDer neue Mensch&#8220; kam nicht zum Tragen.<\/p>\n<div><br clear=\"all\" \/><\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref1\"><sup><sup>[1]<\/sup><\/sup><\/a> <a href=\"http:\/\/www.bendorf-geschichte.de\/bdf-0177.htm\">www.bendorf-geschichte.de\/bdf-0177.htm<\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Erstver\u00f6ffentlichung: 25. 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