{"id":67,"date":"2012-01-02T00:00:16","date_gmt":"2012-01-01T23:00:16","guid":{"rendered":"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/?p=67"},"modified":"2012-07-19T12:16:50","modified_gmt":"2012-07-19T10:16:50","slug":"wie-der-kemperhof-nach-bendorf-kam","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wie-der-kemperhof-nach-bendorf-kam\/","title":{"rendered":"Wie der Kemperhof nach Bendorf kam"},"content":{"rendered":"<p>(Erstver\u00f6ffentlichung www.bendorf-geschichte.de; gek\u00fcrzte Fassung Heimatbuch des Landkreises Mayen-Koblenz)<\/p>\n<p><strong>Das Weingut &#8222;Kemperhof&#8220; des niederrheinischen Klosters Altencamp<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 23. Januar 1123 unterzeichnete der K\u00f6lner Erzbischof Friedrich die Stiftungsurkunde f\u00fcr ein Zisterzienserkloster am Niederrhein und beauftragte seinen Bruder Arnulf aus dem franz\u00f6sischen Kloster Morimond in Frankreich) mit der Klostergr\u00fcndung. 12 M\u00f6nche machten sich auf den Weg und nahmen eine Sch\u00e4delreliquie der Heiligen Agatha mit, einer fr\u00fchchristlichen Heiligen in Sizilien. Doch das neue Kloster musste erst gebaut werden, denn die ganze Gegend um den heutigen Landkreis Mors war Sumpflandschaft. Landwirtschaftliche Betriebe mussten entwickelt werden, um die Versorgung der M\u00f6nche zu sichern. Um 1150 wurde mit dem Bau der Klosteranlage auf einem ganz in der N\u00e4he liegenden H\u00fcgel, dem Kamper Berg, begonnen. <!--more--> Das Kloster Altenkamp wurde bereits in den n\u00e4chsten Jahrzehnten zur Zelle f\u00fcr viele T\u00f6chterkl\u00f6ster und vermehrte seinen wirtschaftlichen Besitz. Zur Sicherung der Selbstversorgung wurden auch Weinberge angelegt und erworben. Dazu geh\u00f6rten mehrere Weinberge an der Untermosel, darunter auch ein Weingut in Wissa, dem heutigen Moselwei\u00df.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das Weingut &#8222;Kemperhof&#8220; unter den Koblenzer Karth\u00e4usern bis zu S\u00e4kularisierung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da die Trierer Kurf\u00fcrsten ihre Wirtschaftspolitik \u00e4nderten, ber\u00fchrte dies auch die Besitzungen des Klosters Altencamp im Bereich des Kurf\u00fcrstentums. Bereits der Trierer Kurf\u00fcrst Balduin (1307-1357) annullierte einen p\u00e4pstlichen Freibrief aus dem Jahre 1213 und verlangte von den &#8222;ausl\u00e4ndischen&#8220; Einrichtungen Abgaben, Z\u00f6lle und Frondienste. Die Belastungen wurden schlie\u00dflich f\u00fcr das Kloster so gravierend, dass 1355 das Kempergut in Moselweiss verkauft werden musste. K\u00e4ufer waren die Karth\u00e4user auf dem Koblenzer Beatusberg. 450 Jahre florierte der Koblenzer Weinbau unter den Karth\u00e4usern. Dies \u00e4nderte sich durch die S\u00e4kularisierung. 1805 wurde das Karth\u00e4userkloster aufgel\u00f6st und durchden franz\u00f6sischen Staat verkauft. Dies betraf auch das Weingut Kemperhof. Die H\u00e4user wurden zur Fabrikproduktion f\u00fcr eiserne T\u00f6pfe und Stoffgerberei umgewidmet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das katholische Waisenhaus &#8222;Kemperhof&#8220;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft  wp-image-77\" style=\"margin: 0px 10px 5px 0px;\" title=\"kemperfhof 1\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/kemperfhof-1-300x185.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"185\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/kemperfhof-1-300x185.png 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/kemperfhof-1.png 495w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Im 19. Jahrhunderts kam es in Koblenz unter Clemens Brentano und Joseph von G\u00f6rres zu einer Rekatholisierung. Aus sozialer Verantwortung spielten Initiativen f\u00fcr Hilfsbed\u00fcrftige eine besondere Rolle. 1819 errichtete der neugegr\u00fcndete &#8222;Katholische Frauenverein&#8220; eine freie Schule zur Ausbildung von Hausm\u00e4dchen und 1833 ein Waisenhaus im ehemaligen St. Barbara-Kloster. Die Gr\u00fcndung eines Waisenhauses f\u00fcr Knaben erwies sich als wesentlich schwieriger, gelang aber durch Gr\u00fcndung eines &#8222;Katholischen M\u00e4nnervereins f\u00fcr arme Knaben&#8220;. Zu den Spendern geh\u00f6rte auch ein italienischer Industrieller Crachi aus dem Piemont. Der M\u00e4nnerverein kaufte 1850 den Kemperhof mit all seinen Geb\u00e4uden und L\u00e4ndereien, um hier ein Waisenhaus mit Schule unter der Leitung von franz\u00f6sischen Schulbr\u00fcdern, die deutsch sprachen, zu errichten. Der schlechte Bauzustand der Geb\u00e4ude legte Abriss und Neubau nahe. Am 3. Juni 1850 erfolgte die Grundsteinlegung f\u00fcr das neue Waisenhaus &#8222;Kemperhof&#8220;. Prinzessin Augusta von Preu\u00dfen, die Ehefrau von Kronprinz Wilhelm, der als Gouverneur von Rheinland und Westfalen in Koblenz seinen Sitz hatte, \u00fcbernahm das Patronat. Am 15. Oktober 1851 wurde das neue Waisenhaus mit 52 Z\u00f6glingen er\u00f6ffnet. Bereits 1855 betreute das Waisenhaus 100 Z\u00f6glinge.1861 wurde dem Waisenhaus eine Schule angegliedert. Bedingt durch den Kulturkampf des Preu\u00dfischen Staates mit der R\u00f6mischen Kirche wurden 1879 die p\u00e4dagogischen Ordensleute (deutsch sprechende franz\u00f6sische Schulbr\u00fcder) durch weltliche Lehrkr\u00e4fte ersetzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Kemperhof als st\u00e4dtisches Krankenhaus<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Wirtschaftskrise (Inflationszeit nach dem 1. Weltkrieg) traf auch die sozialen Einrichtungen. 1921 musste die Stiftung, die den Kemperhof mitgetragen hatte, aufgel\u00f6st werden. Am 28. Februar 1921 beschloss der Koblenzer Stadtrat, den Aufkauf des Knabenheimes Kemperhof und seine Umwandlung in ein St\u00e4dtisches Krankenhaus. Abriss und Neubau des Krankenhauses Kemperhof gaben dem ehemaligen Waisenhaus noch eine Gnadenfrist. Erst 1987 erfolgte der Abriss des verfallenen Hauses.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Kemperhof zieht nach Bendorf um<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-78\" style=\"margin: 0px 10px 5px 0px;\" title=\"kemperfhof 2\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/kemperfhof-2-300x213.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"213\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/kemperfhof-2-300x213.png 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/kemperfhof-2.png 509w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Um die Z\u00f6glinge des Kemperhofs unterzubringen, kaufte der &#8222;Koblenzer Katholische M\u00e4nnerverein f\u00fcr Arme Knaben&#8220; die Villa Flora der fr\u00fcheren Klinik Dr. Colmant in Bendorf. Diese war nach der Schlie\u00dfung der Klinik von der Ordensgenossenschaft der Herz-Jesu-Priester (Dehonianer SCJ) erworben und f\u00fcr die Ordensnovizen als Johanneskolleg eingerichtet worden. Mit den Knaben und P\u00e4dagogen des Koblenzer Waisenhauses kam der Name &#8222;Knabenheim Kemperhof&#8220; nach Bendorf (Anm.: 1) Die Jungen besuchten die Bendorfer katholische Jungenschule auf dem Kirchplatz. Wie bei den Bisch\u00f6flichen Konvikten beauftragte das Bistum Trier einen Di\u00f6zesanpriester mit der Leitung des neuen Kemperhofs. Wie viele kirchliche und kirchennahe Einrichtungen (Anm.: 2) musste auch der Bendorfer Kemperhof unter dem nationalsozialistischen Regime seine Arbeit stark einschr\u00e4nken bzw. sogar ganz einstellen. Hier bedarf es noch historischer Aufarbeitung. Unklar ist auch, wie und in welchem Umfang die Arbeit nach dem Krieg wieder aufgenommen wurde. Fest steht jedenfalls, dass nach dem Krieg schlesische Hedwigsschwestern Hauswirtschaft und Leitung des Knabenheim kurzzeitig \u00fcbernommen haben, bis 1949 die Leitung an die Salesianer Don Boscos der Deutschen Ordensprovinz \u00fcbergeben wurde. Hier spielte wohl auch eine Rolle, dass sich die Salesianer-Patres in der Bendorfer Seelsorge (Sayn und M\u00fclhofen) engagieren und so in Bendorf eine Kommunit\u00e4t bilden konnten. Bereits 1951 erfolgte \u00fcber eine Bistumsstiftung der Ankauf der ehemaligen j\u00fcdischen &#8222;Jakoby&#8217;schen Anstalten&#8220;, um die Arbeit mit sozialgef\u00e4hrdeten Jungen aufzubauen. Das Knabenheim Kemperhof wurde deshalb 1952 so nach Sayn in die Koblenz-Olper-Stra\u00dfe verlegt. Die Villa Flora nutzte die Stadt Koblenz vor\u00fcbergehend als Altersheim. 1967 \u00fcbereignete der Koblenzer Katholische M\u00e4nnerverein f\u00fcr Arme Knaben das Anwesen &#8222;Villa Flora&#8220; an die Salesianer, um deren Arbeit im neuen Knabenheim Kemperhof zu w\u00fcrdigen und zu unterst\u00fctzen. Diese verkauften das Anwesen 1968 an die benachbarten Bendorfer Didier-Werke, die darin ein Heim f\u00fcr Gastarbeiter einrichteten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Aus f\u00fcr den Bendorfer Kemperhof<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/kemperfhof.png\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft  wp-image-68\" style=\"margin: 0px 10px 10px 0px;\" title=\"kemperfhof\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/kemperfhof-300x195.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"195\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/kemperfhof-300x195.png 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/kemperfhof.png 492w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Die Arbeit der Salesianer im Sayner Knabenheim Kemperhof muss an anderer Stelle beschrieben werden, sowohl die Erfolge wie die Probleme und Konflikte. 1986 gab es unter der Leitung der Patres Bzdock, Lindemann und Federhenn neue Ideen und Initiativen, um die Zukunft des Kemperhofs zu sichern: Kinderhort, Jugendzentrum f\u00fcr offene Jugendarbeit, Schlie\u00dfung der Schule und Reduzierung auf das Internat, Erweiterung der Zielgruppe in Richtung Jungen aus problematischen Familienverh\u00e4ltnissen und Aussiedlerfamilien, Jugendherberge und Jugendg\u00e4stehaus. Die Sporthalle wurde f\u00fcr die Allgemeinheit ge\u00f6ffnet. Doch alle Anstrengungen erreichten lediglich einen Zeitgewinn. Bereits 1987 wurden Internat und Heimschule geschlossen. Am 10. Oktober 1998 verk\u00fcndete die K\u00f6lner Ordensleitung der Salesianer in der Rheinzeitung die Schlie\u00dfung des Bendorfer Kemperhofs. Wirtschaftliche Probleme, fehlende Auslastung und die geringe Zahl von Ordensmitgliedern wurden als Gr\u00fcnde benannt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Anmerkungen:<br \/>\n1) Die Villa Flora wurde im Zusammenhang mit dem Abbau der Didier-Werke abgerissen.<br \/>\n2) In Bendorf betraf das auch das traditionsreiche Hedwig-Dransfeld-Haus.<\/p>\n<address>\u00a0<\/address>\n<address>Hinweis zu Quellen und Literatur:<\/address>\n<ul>\n<li>Christian Bruno von Klobuczynski, Aspirantat bei den Salesianern, GRIN-Verlag 1994<\/li>\n<li>Alexander Markus Homes, Gestohlene Kindheit, Ullstein Verlag Berlin 1998<\/li>\n<li>Alexander Markus Homes, Vorwort zu dem Buch &#8222;Gestohlene Kindheit&#8220;; Webseite = www.heimkinder-ueberlebende.org\/GESTOHLENE_KINDHEIT_bei_Alexander_Markus_Homes.html<\/li>\n<li>Webseite = www.salesianer.de<\/li>\n<li>Bendorfer Zeitung 1969-08-13, Interwiev mit P. Ziegler<\/li>\n<li>Schaffranek Hans, Korrekturnotiz, Rhein-Zeitung<\/li>\n<li>1982-03-02 Bericht in der Rhein-Zeitung\/ Bendorfer Zeitung 1997-07-09 \u00fcber den neuen Kinderhort<\/li>\n<li>Bericht in der Rhein-Zeitung 1998-10-06 \u00fcber die Schlie\u00dfung des Kemperhofs<\/li>\n<li>1999-01-27 Kleeblatt: Michael Syr\u00e9, Von der Villa Flora zum &#8218;Geisterhaus&#8216;,<\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Erstver\u00f6ffentlichung www.bendorf-geschichte.de; gek\u00fcrzte Fassung Heimatbuch des Landkreises Mayen-Koblenz) Das Weingut &#8222;Kemperhof&#8220; des niederrheinischen Klosters Altencamp Am 23. 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