{"id":634,"date":"1999-06-05T12:00:25","date_gmt":"1999-06-05T10:00:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/?p=634"},"modified":"2012-07-17T23:19:16","modified_gmt":"2012-07-17T21:19:16","slug":"shalom-ben-chorin-in-bendorf","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/shalom-ben-chorin-in-bendorf\/","title":{"rendered":"Shalom Ben Chorin 1992 in Bendorf"},"content":{"rendered":"<p>(Dieser Nachruf wurde im Juni 1999 zum ersten Mal ver\u00f6ffentlicht)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_639\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-639\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-639 \" title=\"HDH Shalom Ben Chorin am 12.6.89. mit seiner jungen Frau im HDH\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/HDH-Shalom-Ben-Chorin-am-12.6.89.-mit-seiner-jungen-Frau-im-HDH-300x251.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"251\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/HDH-Shalom-Ben-Chorin-am-12.6.89.-mit-seiner-jungen-Frau-im-HDH-300x251.jpg 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/HDH-Shalom-Ben-Chorin-am-12.6.89.-mit-seiner-jungen-Frau-im-HDH-1024x856.jpg 1024w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/HDH-Shalom-Ben-Chorin-am-12.6.89.-mit-seiner-jungen-Frau-im-HDH.jpg 1189w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-639\" class=\"wp-caption-text\">Shalom-Ben-Chorin am12.6.89.mit-seiner jungen-Frau im Bendorfer Hedwig-Dransfeld-Haus.<\/p><\/div>\n<p>Shalom Ben Chorin geh\u00f6rte zu den Freunden des Hedwig &#8211; Dransfeld &#8211; Hauses. F\u00fcr Gruppen des HDH, die nach Israel kamen, hatte er immer Zeit. Es war zweifellos f\u00fcr Bendorf ein geschichtlicher H\u00f6hepunkt, dass Shalom Ben Chorin anl\u00e4sslich einer Deutschlandreise mit seiner jungen Frau 13. \u2013 15. 1..1992 in Bendorf Halt machte und im Hedwig \u2013 Dransfeld \u2013 Haus ein Wochenende gestaltete. <!--more--><\/p>\n<p>Wer war dieser Mann?<\/p>\n<p>Shalom Ben Chorin wurde 1913 als Fritz Rosenthal in M\u00fcnchen geboren. Mit 15 Jahren verlie\u00df er seine liberal \u2013 j\u00fcdischen Eltern und band sich an das religi\u00f6se Judentum. Von gro\u00dfer Bedeutung f\u00fcr ihn wurde die Begegnung mit den Werken von Thomas Mann, Ernst Wiechert und Stefan George. Er studiert er vergleichende Religionswissenschaft und Germanistik. 1935 floh er nach seiner Heirat vor der Verfolgung durch den nationalsozialistischen Terror nach Pal\u00e4stina. Jerusalem wurde seine neue Heimat, der Staat Israel sp\u00e4ter sein Vaterland. Dass er dennoch ein &#8222;br\u00fcderlicher Freund des guten Deutschlands&#8220; geblieben ist, der sogleich nach dem Krieg bewusst die Rolle des<\/p>\n<p>Br\u00fcckenbauers zwischen Juden und Deutschen \u00fcbernahm, kann nicht hoch genug eingesch\u00e4tzt werden<\/p>\n<p>Als Journalist, Synagogenleiter, Schriftsteller, Forscher und Gastprofessor wirkte Ben Shalom Chorin unerm\u00fcdlich f\u00fcr ein neues Miteinander von Christen und Juden. Er entdeckte den &#8222;Bruder Jesus&#8220; f\u00fcr die Juden und den &#8222;Juden Christus&#8220; f\u00fcr die Christen. Die Liste der<\/p>\n<p>deutschen Ehrungen ist lang. 1959 Leo-Baeck-Preis des Zentralrates der Juden in Deutschland. 1969 Verleihung des Bundesverdienstkreuzes. 1982 Auszeichnung mit der<\/p>\n<p>Buber-Rosenzweig-Medaille des Deutschen Koordinierungsrates f\u00fcr Christlich-J\u00fcdische Zusammenarbeit. 1985 Verleihung des Professorentitels durch die Landesregierung Baden-W\u00fcrttemberg. Anfang Juli 1988 wird Ben Chorin die Ehrendoktorw\u00fcrde der Universit\u00e4t M\u00fcnchen verliehen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die mehr als 80 Teilnehmer war es faszinierend, den sehbehinderten 75 J\u00e4hrigen stundenlang frei sprechen zu h\u00f6ren &#8222;Bendorf ist eine weite Reise wert, weil es hier<\/p>\n<p>das HDH gibt&#8220;, begr\u00fcsste &#8222;SBC&#8220; seine christlichen Zuh\u00f6rer. Die Themen seiner Referate entsprachen seinem Lebenswerk: &#8222;Die Bedeutung der Thora im j\u00fcdischen Glauben&#8220; und &#8222;Jesus und die Thora&#8220;. Ben-Chorin war es ein Anliegen, den christlichen Zuh\u00f6rern begreiflich zu machen, dass die Thora (=die ersten 5 B\u00fccher Moses) nicht einseitig als Gesetz, sondern als Anweisung zum Leben mit Gott verstanden werden muss. Jede Generation sei aufgerufen, sich die Thora und ihre Deutungen anzueignen und dar\u00fcber auch mit Leidenschaft zu streiten. Auch Jesus f\u00fchlte sich ganz in die Thora eingebunden, denn er war bis zur Stunde seines Todes ein gl\u00e4ubiger Jude. Seine Auseinandersetzungen mit anderen j\u00fcdischen Richtungen<\/p>\n<p>m\u00fcssten, so Ben-Chorin, in ihrem Zeithorizont gesehen werden. Im Unterschied zu vielen seiner Zeitgenossen kam es Jesus darauf an, die Mitte der Thora bewusst zu machen und zur Einheit von Glauben und Leben aufzurufen.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend stellte sich Shalom Ben-Chorin der offenen Diskussion. Jede Frage war erlaubt. Der &#8222;Weise Mann aus Jerusalem&#8220; mit seinem ph\u00e4nomenalen Ged\u00e4chtnis, seinem<\/p>\n<p>umfassenden Wissen und seinem Humor wurde f\u00fcr alle Seminarteilnehmenden ein unvergessliches Erlebnis. Seine vollt\u00f6nende Stimme blieb lange im Ohr. Es war ein bewegender Augenblick, als Shalom Ben-Chorin zum Abschluss des Gottesdienstes das J\u00fcdische Totengebet f\u00fcr Professor Dr. Heinz Kremers sprach, der zu den<\/p>\n<p>Wegbereitern des j\u00fcdisch-christlichen Dialogs geh\u00f6rte.<\/p>\n<p>Mit gro\u00dfem Genuss trank Ben Chorin jeden Tag eine Flasche guten Rotweins von der Ahr und sagte zum Abschied: \u201e Diese Stadt und dieses Haus bleiben in meiner guten Erinnerung\u201c.<\/p>\n<p>1999 ist Shalom Ben Chorin in der Nacht vom 6. auf den 7.Mai in Jerusalem verstorben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Dieser Nachruf wurde im Juni 1999 zum ersten Mal ver\u00f6ffentlicht) &nbsp; Shalom Ben Chorin geh\u00f6rte zu den Freunden des Hedwig &#8211; Dransfeld &#8211; Hauses. F\u00fcr Gruppen des HDH, die nach Israel kamen, hatte er immer Zeit. 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