{"id":581,"date":"2012-07-04T01:09:33","date_gmt":"2012-07-03T23:09:33","guid":{"rendered":"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/?p=581"},"modified":"2012-07-09T23:47:27","modified_gmt":"2012-07-09T21:47:27","slug":"impressionen-vom-okumenischen-kirchentag-im-juni-2003-in-berlin","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/impressionen-vom-okumenischen-kirchentag-im-juni-2003-in-berlin\/","title":{"rendered":"Impressionen vom \u00f6kumenischen Kirchentag im Juni 2003 in Berlin"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_584\" style=\"width: 254px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/index.php\/impressionen-vom-okumenischen-kirchentag-berlin-2003\/01-okumenischer-kirchentag-2003-berlin-plakat\/\" rel=\"attachment wp-att-584\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-584\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-584\" title=\"\u00d6kumenischer Kirchentag 2003 Berlin -  Plakat\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/01-\u00d6kumenischer-Kirchentag-2003-Berlin-Plakat.jpg\" alt=\"\" width=\"244\" height=\"198\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-584\" class=\"wp-caption-text\">Der \u00f6kumenische Kirchentag in Berlin lie\u00df eine junge Generation erleben, die der christlichen Tradition etwas hilflos gegen\u00fcbersteht und f\u00fcr die \u00d6kumene (zumindest in Deutschland) ziemlich selbstverst\u00e4ndlich ist. Das Bild zeigt das offizielle und ver\u00f6ffentlichte Plakat des Kirchentages.<\/p><\/div>\n<p>Schon lange Zeit habe ich ein gebrochenes Verh\u00e4ltnis zu Massenveranstaltungen, dass ich dennoch zum Kirchentag gefahren bin, lag an meinem Gef\u00fchl, dass in Berlin etwas Wichtiges passieren k\u00f6nne. Ich hatte mich nicht get\u00e4uscht, denn das Wort \u201e\u00f6kumenisch\u201c bekam eine neue Qualit\u00e4t. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung pr\u00e4gte etwas sp\u00f6ttisch das Wort \u201ekathogelisch\u201c, traf aber damit den Nagel auf den Kopf. Katholiken und Protestanten waren beim Kirchentag nur noch m\u00fchsam zu unterscheiden, eigentlich nur bei den Pfadfindern mit ihren grauen und gr\u00fcnen Klufthemden, auch die 3200 St\u00e4nde und Veranstaltungen waren sich sehr \u00e4hnlich. <!--more-->Zwei Nonnen, die ich am Stand der VkPF ansprach, entpuppten sich als evangelische Diakonissinnen. Selbst in der liturgischen Kleidung gab es betr\u00e4chtliche Konvergenzen. Bei einem meiner Rundg\u00e4nge durch die Messehallen entdeckte ich den gemeinsamen Stand des Deutschen Evangelischen und des Katholischen Deutschen Frauenbundes unter dem Motto \u201eMit Lydia auf dem Weg der \u00d6kumene\u201c. Freundlich wurde ich angesprochen und eingeladen einen Knopf anzun\u00e4hen. Auf dem Tisch war ein gro\u00dfes Tuch ausgebreitet (ich dachte sofort an den nicht zerteilten Rock Christi) und aus einer Schachtel mit vielen unterschiedlichen Kn\u00f6pfen konnte ich mir einen Knopf aussuchen und ann\u00e4hen. Hier war keine Predigt n\u00f6tig. Wie die gesamte Sch\u00f6pfung ist auch die christliche Bewegung dem Gesetz der sich entfaltenden F\u00fclle unterworfen. Wenn nicht Machtstreben, Stolz, Selbstherrlichkeit oder Fanatismus die \u00dcberhand gewinnen, sind die vielen Facetten christlichen Lebens und Glaubens eine Widerspieglung der g\u00f6ttlichen Sch\u00f6pfung. Die Vielfalt der christlichen Traditionen ist unser Reichtum. Dies war vielleicht die wichtigste Erfahrung f\u00fcr alle.<\/p>\n<p>Am Himmelfahrtstag fuhr ich mit Ernst Sillmann, dem Vorsitzenden der <em>Vereinigung<\/em> <em>Katholischer Priester und ihrer Frauen<\/em>, zum \u00f6kumenischen Gottesdienst in die evangelische Gethsemane \u2013 Kirche an der S-Bahn-Station Sch\u00f6nhauser Allee, mitten im fr\u00fcheren Ostberlin. Als ob wir es geahnt h\u00e4tten, waren wir schon mehr als eine Stunde vorher da, so dass wir gerade noch Einlass und Sitzplatz fanden. Die Einladenden, die <em>Initiative Kirche von unten<\/em>, <em>die Kirchenvolksbewegung<\/em> Wir<em> sind Kirche<\/em> und die <em>Evangelische Kirchengemeinde Prenzlauer Berg \u2013 Nord hatten<\/em> eingeladen; mehr als 2000 waren dieser gefolgt. Die Veranstaltung fand au\u00dferhalb des offiziellen Kirchentagsprogramms statt, nachtr\u00e4glich gesehen sogar eine weise Entscheidung. Eigentlich geschah nichts Spektakul\u00e4res. Es wurde die Eucharistie nach r\u00f6mischem Ritus gefeiert, bei der Wiederholung am Samstag dann als evangelische Abendmahlsfeier, wobei jeweils die Predigt von einem anderen Part \u00fcbernommen wurde. Nein, das war wahrlich nichts Neues, seit mehr als 20 Jahren gibt es in Deutschland Eucharistie- und Abendmahlsfeiern, die wesentlich deutlicher die konfessionelle Grenze durchbrechen. Das Neue aber lag in der \u00f6ffentlich angek\u00fcndigten Einladung zum gemeinsamen Mahl und in der Selbstverst\u00e4ndlichkeit, mit der Christinnen und Christen aus beiden Kirchen die Gastfreundschaft lebten und in gro\u00dfer Souver\u00e4nit\u00e4t f\u00fcr jeweils zwei Stunden den Auftrag \u201e Esst alle davon\u201c verwirklichten. Ich werde mich noch lange an diese beiden Gottesdienste erinnern. Als die gro\u00dfe Gemeinde am Samstag zum Schluss den Choral \u201eNun danket alle Gott\u201c sang, kamen manchem die Tr\u00e4nen. \u00dcberhaupt konnte man \u00fcberall beim Kirchentag erleben, wie die alten und neuen Lieder zum gemeinsamen Besitz von Katholiken und Protestanten geworden sind, wobei die Taize \u2013 Tradition offensichtlich gerade f\u00fcr junge Leute einen besonderen Stellenwert bekommen hat. Bei der Kommunion (ich w\u00e4hle die katholische Sprache) wurde bei beiden Gottesdiensten spontan gesungen. Es lag etwas von Pfingsten in der Luft. Eine alte Dame, die vor mir sa\u00df, sagte mir beim Friedensgru\u00df: \u201e Wie sch\u00f6n, dass ich das erlebe\u201c<\/p>\n<p>Nun aber noch \u00fcber einige meiner Erfahrungen beim Stand D22 in der Messehalle 1\/1. Hier hatten sich die Vereinigung katholischer Priester und ihrer Frauen sowie die <em>Initiative vom Z\u00f6libat betroffener Frauen <\/em>im Rahmen des offiziellen Kirchentagsprogramms positioniert. Es war ein guter Platz und viele Menschen blieben stehen, manche verwundert, die meisten aber zeigten deutlich ihre Anerkennung. 1455 Unterschriften f\u00fcr die ethischen Grundsatzforderungen\u00a0 der Vereinigung und die vielen Einzelgespr\u00e4che sprechen davon. Nur einmal kam ein Franziskaner in tadellos sitzendem Habit: er sah uns, verzog keine Miene und ging vor\u00fcber. Aber er war der einzige, den ich so erlebte. Der Vorstand der Vereinigung war \u00fcbrigens gut beraten, dass er in der Petition nicht die Abschaffung des Zwangsz\u00f6libates forderte, sondern sehr konkrete Schritte, die die deutschen Bisch\u00f6fe schon morgen im\u00a0 Hinblick auf die verheirateten Priester realisieren k\u00f6nnen. Kein Bischof kann sich so entschuldigen, ihm seien die H\u00e4nde gebunden.<\/p>\n<p>Einige Gespr\u00e4che machten mich sehr nachdenklich. Als ich einen jungen Mann ansprach und um Unterst\u00fctzung unserer Petition bat, entschuldigte er sich, dass er sich die Unterschrift nicht leisten k\u00f6nne, da er vor der Priesterweihe st\u00e4nde. Dann sagte er \u2013 etwas leiser &#8211; :\u201eMein Problem ist ein anderes, ich bin schwul\u201c. Ich f\u00fchlte mit ihm. Eine Frau sagte: \u201eHoffentlich kommt keiner meiner drei S\u00f6hne auf die Idee, Priester als Beruf zu w\u00e4hlen, denn dieser Weg ist eine berufliche Sackgasse\u201c.Ich musste ihr Recht geben. Es gab aber auch lustige Begegnungen. Ein Mann sagte zu mir: \u201eIch schlage ein neues Missionsprogramm vor. Jeder Pfarrer muss vier Kinder haben oder welche aus der dritten Welt adoptieren\u201c. Einmal juckte mich der Hafer. Ich fragte einen vor\u00fcbergehenden Mann in mittlerer Lebenslage: \u201e Was w\u00fcrden Sie sagen, wenn der Bischof von Trier eine Freundin h\u00e4tte?\u201c. Der Mann \u00fcberlegte kurz und sagte: \u201e Warum nicht?\u201c Wir stimmten beide ein lautes Gel\u00e4chter an.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend ich diese Impressionen aufschreibe, bin ich im ICE auf der R\u00fcckfahrt. Im Tagespiegel habe ich eben gelesen: <em>\u201eDer Kirchentag ist ein gro\u00dfes Fest, aber Feste geben vom Leben immer einen unrealistischen Eindruck. Wie geht es den Kirchen? Wenn man sich die Zahlen anschaut: nicht besonders, Die Erosion geht weiter. Sie hat sich lediglich ein bisschen verlangsamt.\u201c<\/em> Ja, das ist richtig. Wir werden die Erfahrungen der fr\u00fcheren Generationen brauchen, etwa das \u201eNada te turbe\u201c (F\u00fcrchte dich nicht) der gro\u00dfen Teresia oder das Wort Martin Luthers vom Apfelb\u00e4umchen, das er heute pflanzen w\u00fcrde, auch wenn morgen die Geschichte zu Ende ginge. Dann lese ich auf der ersten Seite<em>: \u201eDie gewundenen Vorbehalte der katholischen Hierarchie gegen jede Form eines gemeinsamen Abendmahles versteht niemand mehr. Der Umgang mit Hans K\u00fcng, dem weltweit beachteten Vordenker von \u00d6kumene, offenbart konfessionellen Kleingeist. So wenig von einer konfessionellen Kirchenspaltung auf dem Kirchentag zu sp\u00fcren war, so deutlich zeigten sich die innerkatholischen Differenzen zwischen Lehramt und Gl\u00e4ubigen. Wir sind das Gottesvolk \u2013 das denken und praktizieren immer mehr Katholiken. Und lassen sich \u00f6kumenisch inspirieren von Martin Luthers \u201a Freiheit eines Christenmenschen\u2019.\u201c <\/em>Dies ist die Einsch\u00e4tzung der nichtchristlichen Welt. Wir sollten sie uns zu Herzen nehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; Schon lange Zeit habe ich ein gebrochenes Verh\u00e4ltnis zu Massenveranstaltungen, dass ich dennoch zum Kirchentag gefahren bin, lag an meinem Gef\u00fchl, dass in Berlin etwas Wichtiges passieren k\u00f6nne. Ich hatte mich nicht get\u00e4uscht, denn das Wort \u201e\u00f6kumenisch\u201c bekam eine neue Qualit\u00e4t. 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