{"id":451,"date":"2012-06-30T19:37:10","date_gmt":"2012-06-30T17:37:10","guid":{"rendered":"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/?p=451"},"modified":"2012-07-09T23:51:00","modified_gmt":"2012-07-09T21:51:00","slug":"pladoyier-fur-eine-freie-katholische-theologie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/pladoyier-fur-eine-freie-katholische-theologie\/","title":{"rendered":"Pl\u00e4doyier f\u00fcr eine freie katholische Theologie"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_548\" style=\"width: 235px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-548\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-548 \" title=\"Allegorische Darstellung der Theologie am Karlsdenkmal in Prag\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Allegorische-Darstellung-der-Theologie-am-Karlsdenkmal-in-Prag-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Allegorische-Darstellung-der-Theologie-am-Karlsdenkmal-in-Prag-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Allegorische-Darstellung-der-Theologie-am-Karlsdenkmal-in-Prag-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Allegorische-Darstellung-der-Theologie-am-Karlsdenkmal-in-Prag.jpg 960w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><p id=\"caption-attachment-548\" class=\"wp-caption-text\">Allegorische Darstellung der Theologie am Karlsdenkmal in Prag. Quelle: Wikipedia.<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der sp\u00e4tmittelalterliche Professor an den europ\u00e4ischen Universit\u00e4ten hatte die Studenten zu seinen F\u00fc\u00dfen sitzend. Gelernt wurde durch wechselseitige Diskussion.<!--more-->Der altr\u00f6mische Satz \u201eQuod erat demonstrandum\u201c\u00a0 (Was zu beweisen w\u00e4re) stand \u00fcber allem. Gelernt wurde schnell, umfassend und leidenschaftlich. Sp\u00e4ter wurde daraus mit der Neuscholastik ein erstarrtes System. Typisch war die Frage, wie viele Engel auf die Spitze einer Nadel passen. Aus der Abwehrhaltung der Gegenreformation verst\u00e4rkte die Katholische Kirche ihren autorit\u00e4ren Einfluss auf alle Wissenschaften. Der Index (B\u00fccherverbot) und die p\u00e4pstlichen Verurteilungen \u201emodernistischer\u201c Lehren zwangen katholische Theologen und Geisteswissenschaftler zum Schweigen bzw. zum vorsichtigen Taktieren, so dass im au\u00dferkatholischen Raum der Satz galt, \u201eCatholica non leguntur\u201c (&gt; katholische B\u00fccher muss man nicht lesen). Durch die P\u00e4pste Leo VIII., Pius XII., Johanes XXIII und das II. Vatikanische Konzil kam es zur \u00d6ffnung der Katholischen Kirche f\u00fcr die moderne Welt. Katholische Theologen und andere Geisteswissenschaftlern bekamen nun die Freiheit zum freien Forschen, Lehren und Publizieren. Man sprach von einem neuen \u201ekatholischen Fr\u00fchling\u201c. Die katholischen Theologen bekamen Anschluss an den Stand der Wissenschaft und viele standen an der Spitze ihres Fachbereiches. Doch bereits w\u00e4hrend des II. Vatikanums sammelten sich die restaurativen Kr\u00e4fte. Bereits heute, also 50 Jahre nach dem Konzil, ist die offizielle Katholische Kirche durchweg restaurativ. Die meisten Schl\u00fcsselpositionen sind durch die \u201eNeuen Geistlichen Bewegungen\u201c (Movimenti) besetzt \u2013 vom Vatikan bis herunter auf die Bist\u00fcmer. Das kirchliche Recht ist auf die traditionelle katholische Dogmatik ausgerichtet. Wer von dieser Linie abweicht, hat keine Chance auf einen verantwortlichen Posten. Auch die wissenschaftliche Theologie steht ganz unter vatikanischer und episkopaler Kontrolle. In Deutschland hat die Restauration insofern eine Eigendynamik, da alle, die in einem Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnis zur Katholischen Kirche stehen, mit negativen beruflichen Konsequenzen rechnen m\u00fcssen, wenn sie sich entgegen der offiziellen p\u00e4pstlichen Dogmatik und Moral \u00e4u\u00dfern. Diese Macht der Katholischen Kirche in Deutschland ist durch Konkordate und Gesetzgebung abgesichert. Es gibt allerdings auch innerhalb dieser im Untertanengeist erstarrten Katholischen Kirche Freir\u00e4ume, die Hoffnung geben. Um einige Beispiele zu nennen: Die M\u00f6glichkeit, sich im nichtkatholischen oder europ\u00e4ischen Raum eine berufliche Aufgabe zu suchen; Meinungsfreiheit bei staatlich abgesicherter Altersversorgung; die unabh\u00e4ngigen Medien und das Internet mit eigenen Webseiten und Chattr\u00e4umen. Eine Nische ist auch der Kirchenaustritt, seit die Vatikanischen Beh\u00f6rden einen solchen nur vor einer staatlichen Beh\u00f6rde als nicht g\u00fcltig erkl\u00e4rt haben. Ob die zunehmende Minderheitenposition der Christen Restauration und Ghettomentalit\u00e4t f\u00f6rdert, ist durchaus nicht auszuschlie\u00dfend. Gerade f\u00fcr die Katholische Kirche ist eine wachsende Sektenmentalit\u00e4t nicht von der Hand zu weisen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als katholischer Theologe sehe ich mich in der Tradition der konziliaren Theologie: fragend, offen f\u00fcr alles Wissen der Menschheit, konsequent ablehnend alle autorit\u00e4re und dogmatische Erstarrung und bescheiden im Wahrheitsanspruch. Die Einbindung in die Katholische Kirche\u00a0 pr\u00e4gte mein Leben, ohne dass ich ihr heute mit Haut und Haaren ausgeliefert bin. Humanistisches und \u00f6kumenisches Denken ist mir selbstverst\u00e4ndlich. Die auf dieser Webseite gesammelten Studien und Beitr\u00e4ge spiegeln meinen Weg als Theologe. Es ist befreiend zu erleben, wie jeder rational denkende und lebende Mensch immer nur Teilidentifkationen eingehen muss. So bestimmen neben\u00a0 der katholischen Pr\u00e4gung viele andere Einfl\u00fcsse mein Denken, F\u00fchlen, Suchen und Fragen: das Judentum, der Islam, die deutsche Klassik, der Sophismus, der Buddhismus, der au\u00dferchristliche Humanismus und der naturwissenschaftliche Skeptizismus w\u00e4ren hier\u00a0 ohne zu z\u00f6gern zu nennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr das Verst\u00e4ndnis der biblischen Tradition gilt f\u00fcr mich der Grundsatz, dass das Verst\u00e4ndnis des \u00fcberlieferten Textes zun\u00e4chst und immer aus der Sicht seiner Autorenschaft (also der urspr\u00fcnglich gemeinte Sinn) zu erlangen ist. Dann erst schlie\u00dft sich die Geschichte der Auslegung bis in unsere Zeit an. Die traditionell katholische Identifizierung von Schrift und \u00dcberlieferung lehne ich grunds\u00e4tzlich ab. Die klassische Exegese (Textauslegung) steht heute im Kontext mi allen anderen Wissenschaften, deshalb ist es auch f\u00fcr den fachlich ausgebildeten Theologen nicht m\u00f6glich, bei Einzelproblemen alle Aspekte zu \u00fcberschauen. Dies macht aber auch die Theologie wieder spannend. Gerade in der katholischen Theologie (wenn man von der im Vatikan gelehrten r\u00f6mischen Schultheologie absieht) gibt es heute einen sehr lebendigen Diskurs. Dies gilt auch f\u00fcr Philosophie, Kirchengeschichte und Ethik \/ Moral. Noch gilt der Satz: Catholica leguntur (&gt; katholische B\u00fccher kann man lesen).<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 Der sp\u00e4tmittelalterliche Professor an den europ\u00e4ischen Universit\u00e4ten hatte die Studenten zu seinen F\u00fc\u00dfen sitzend. Gelernt wurde durch wechselseitige Diskussion.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0},"categories":[25,4],"tags":[29,55,130],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/451"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=451"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/451\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=451"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=451"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=451"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}