{"id":2473,"date":"2019-03-09T15:04:16","date_gmt":"2019-03-09T14:04:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/?p=2473"},"modified":"2019-03-09T15:05:40","modified_gmt":"2019-03-09T14:05:40","slug":"als-der-hedwig-dransfeld-haus-verein-in-essen-am-20-mai-1951-gegruendet-wurde","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/als-der-hedwig-dransfeld-haus-verein-in-essen-am-20-mai-1951-gegruendet-wurde\/","title":{"rendered":"Als der Hedwig-Dransfeld-Haus-Verein in Essen am 20. Mai 1951 gegr\u00fcndet wurde"},"content":{"rendered":"<h2><\/h2>\n<h3>Von Dieter Kittlau\u00df<\/h3>\n<h3><img decoding=\"async\" class=\"thumbnail aligncenter\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/01-Anneliese-Debray-Am-Schreibtisch.jpg\" alt=\"\" \/>Am 20. Mai 1951 gr\u00fcndeten die jungen Frauen um Anneliese Debray einen gemeinn\u00fctzigen Verein, um das traditionsreiche Hedwig-Dransfeld-Haus des Katholischen Deutschen Frauenbundes in Bendorf zu \u00fcbernehmen. Ohne \u00dcbertreibung kann man sagen, dass sie mit unwahrscheinlichem Elan und vision\u00e4rer Kraft ein neues Kapitel deutscher Geschichte begonnen haben.<\/h3>\n<div id=\"attachment_2480\" style=\"width: 225px\" class=\"wp-caption alignright\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2480\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2480 size-full\" title=\"Hedwig Dransfeld\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/001-Hedwig-Dransfeld.jpg\" alt=\"\" width=\"215\" height=\"240\" \/><p id=\"caption-attachment-2480\" class=\"wp-caption-text\">Hedwig Dransfeld<\/p><\/div>\n<p>Wenn man in Bendorf Richtung H\u00f6hr-Grenzhausen f\u00e4hrt und dann in die M\u00fchlenstra\u00dfe abbiegt, kommt man in das Wenigerbachtal mit einem Ensemble von ganz unterschiedlichen Geb\u00e4uden, die heute von der hotel friends group als Hotel angeboten werden. Hier baute\u00a0 vor 140 Jahren Dr. Caspar Max Brosius, einer der renommierten Vertreter der neu orientierten (&gt;sanften) Nervenheilkunde, eine neue Klinik. \u00a0Fast 50 Jahre sp\u00e4ter kaufte der Katholische Deutsche Frauenbund das inzwischen verlotterte Anwesen, um in landschaftlich sch\u00f6ner Lage zwischen Rhein und Westerwald ausgelaugten Arbeiterfrauen eine M\u00f6glichkeit zu Ferien und Erholung zu bieten.<\/p>\n<div id=\"attachment_1000\" style=\"width: 261px\" class=\"wp-caption alignright\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1000\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1000\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/JuB-030a-251x300.jpg\" alt=\"\" width=\"251\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/JuB-030a-251x300.jpg 251w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/JuB-030a.jpg 502w\" sizes=\"(max-width: 251px) 100vw, 251px\" \/><p id=\"caption-attachment-1000\" class=\"wp-caption-text\">Haupteingang des Hedwig-Dransfeld-Hauses. Rechts die Freianlage. die Aufnahme ist vor 1933 entstanden.<\/p><\/div>\n<p>Die \u201eFrauen mit Hut\u201c, wie man die Damen des Frauenbundes nannte, die in der Regel \u00fcber ein Studium und qualifizierten Beruf verf\u00fcgten, entsprachen gar nicht den drei K`s (K\u00fcche, Kinder, Kirche), deshalb kam zu dem Ferienzweck wie selbstverst\u00e4ndlich auch der Bildungsgedanke. Mit der ganzheitlichen Sicht der Einheit von Seele, Geist und Leib wurde an die gro\u00dfen Bendorfer Sanatorien erfolgreich angekn\u00fcpft. Der Name der neuen Einrichtung war schnell gefunden, denn 1925 war Hedwig Dransfeld gestorben, die langj\u00e4hrige Pr\u00e4sidentin des Frauenbundes und eine der sechs katholischen Reichstagsabgeordnetinnen.\u00a0 Entsprechend der allgemeinen Jugend- und Wanderbewegung hatte auch der Katholische Frauenbund eine b\u00fcndische M\u00e4dchenbewegung, den Jugendbund, der die Gelegenheit ergriff, und in dem neuen Hedwig-Dransfeld-Haus seine Zentrale einrichtete. Das kleine Industriest\u00e4dtchen Bendorf am Mittelrhein erhielt auf einmal Rang und Namen im ganzen Deutschen Reich, denn der Einzugsbereich f\u00fcr katholische Frauen und M\u00e4dchen reichte bis nach Schlesien und Ostpreu\u00dfen. Im Dritten Reich war durch die Gleichschaltung auch dem Katholischen Frauenbund jegliche Bildungs- und Sozialarbeit verboten. Das Haus spiegelte mit seinen unterschiedlichen Verwendungszwecken als Lazarett, Entbindungsheim, Fl\u00fcchtlingsst\u00e4tte und Notunterkunft die damaligen Wirren wieder. Da die alliierten Besatzungsm\u00e4chte nach Kriegsende das Hedwig-Dransfeld-Haus nicht f\u00fcr ihre Zwecke beschlagnahmten, wuchs auch hier in Bendorf \u2013 wie \u00fcberall im zerst\u00f6rten Nachkriegsdeutschland &#8211; neues Leben.<strong>\u00a0 <\/strong>\u00a0Diese neue Geschichte ist auf das engste mit Anneliese Debray verbunden, eine der vielen Frauen, denen Deutschland seine \u201eAuferstehung\u201c zu verdanken hatte. \u00a0Anneliese Debray wurde am 30. Mai 1911 in L\u00fcnen in Westfalen geboren. Der Vater, ein k\u00fcnstlerisch begabter Mensch, war Kaufmann. Die Mutter starb schon 1918 und lie\u00df drei kleine Kinder als Waisen zur\u00fcck. Fr\u00fchzeitig lernte Anneliese Debray die H\u00e4rten des Lebens kennen und musste f\u00fcr die beiden j\u00fcngeren Geschwister Fritz und Monika Verantwortung \u00fcbernehmen. Um der Familie aus wirtschaftlicher Not zu helfen, brach Anneliese Debray ihre Schulbildung am Gymnasium ab und lie\u00df sich zur Sekret\u00e4rin mit Fremdsprachenkenntnissen ausbilden. In Bonn, dem sp\u00e4teren Wohnsitz der Familie, lernte Anneliese Debray den Jugendbund des katholischen Deutschen Frauenbundes kennen und identifizierte sich schon bald mit dessen Zielen und Idealen. Durch Vermittlung ihrer fr\u00fcheren Schuldirektorin, einer Ursulinin, erhielt sie in Hamburg in der \u00d6lwirtschaft eine Stelle als Chefsekret\u00e4rin. 1945 verzichtete Anneliese Debray auf ihre berufliche Karriere und konzentrierte sich ganz auf die Neuformierung des Jugendbundes, indem sie die Leitung des Bendorfer Sekretariats \u00fcbernahm. Innerhalb kurzer Zeit gab es 200 Gruppen, die Anneliese Debray durch viele Reisen und Rundbriefe inspirierte. Doch Anneliese Debray erkannte, dass die Zukunft nach anderen Strukturen verlangt. Sie gab deshalb 1950 die Leitung des Jugendsekretariates an Martha Griebel ab und \u00fcbernahm daf\u00fcr die Leitung des Hedwig\u2014Dransfeld-Hauses. Doch nun entwickelte sich ein Generationenkonflikt. Die F\u00fchrungsriege der &#8222;alten Damen&#8220; in der K\u00f6lner Zentrale des Frauenbundes sind \u00fcber die vielen Alleing\u00e4nge der jungen Damen in Bendorf schon lange ver\u00e4rgert und emp\u00f6rt. Da ergreift Anneliese Debray mit ihrem Kreis junger Frauen die Initiative, um das Hedwig-Dransfeld-Haus dem Frauenbund abzukaufen und ihm eine neue Tr\u00e4gerschaft zu geben. Am 20. Mai 1951 kommt es in Essen zur Gr\u00fcndungsversammlung eines Vereins, des Hedwig &#8211; Dransfeld &#8211; Haus e.V. Dieser will in alleiniger Verantwortung das Hedwig &#8211; Dransfeld -Haus in Bendorf \u00fcbernehmen. Unter der Leitung von Frl. Dr. Krabbel sprechen 12 junge Frauen Anneliese Debray mehrheitlich das volle Vertrauen aus. Lediglich die bereits erfahrene Politikerin, Helene Weber &#8222;sagt, da\u00df man nicht so viel von Vertrauen sprechen sollte, sondern nach einem Jahr das Fazit ziehen sollte&#8220;. <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2481 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/001-Helene-Weber-213x300.jpg\" alt=\"\" width=\"186\" height=\"262\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/001-Helene-Weber-213x300.jpg 213w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/001-Helene-Weber.jpg 426w\" sizes=\"(max-width: 186px) 100vw, 186px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Helene Weber<\/p>\n<p>Es geht um Umbaupl\u00e4ne in Bendorf, um die Annahme von Hilfsgeldern aus dem Mc- Cloy- Fonds, um die Trennung vom Frauenbund und um die \u00dcbernahme des Hedwig &#8211; Dransfeld &#8211; Hauses. Im Protokoll hei\u00dft es: &#8222;Zentrale und Hedwig &#8211; Dransfeld &#8211; Haus m\u00fc\u00dften auf verschiedenen Wegen f\u00fcr die Ziele des kath. Deutschen Frauenbundes und der katholischen Frauenbewegung arbeiten&#8220;. Damit war alles gesagt. In weiser Voraussicht der Realit\u00e4ten war auf der vorangegangenen Mitgliederversammlung des Frauenbundes am 19.5.1951 bereits beschlossen worden, &#8222;dem neu zu bildenden E. V. Hedwig &#8211; Dransfeld &#8211; Haus das Heim f\u00fcr einen Kaufpreis von 51.000 DM anzubieten&#8220;. Der neue Verein ist nicht zimperlich. Das Kaufangebot wird angenommen und in der Vereinssatzung wird der kath. Deutsche Frauenbund nicht mehr genannt. F\u00fcr die einzuleitenden Bauma\u00dfnahmen wird die Priorit\u00e4t festgelegt: Fl\u00fcchtlingswohnungen, Jugendherberge, Verlegen der K\u00fcche, neue Kapelle, Erweiterung des M\u00fctterhauses. Eine Woche sp\u00e4ter, n\u00e4mlich am 28. Mai 1951 erfolgt in K\u00f6ln die notarielle Beglaubigung und die erste Mitgliederversammlung des Hedwig-Dransfeld-Haus e.V. Die 10 Vereinsmitglieder w\u00e4hlen in den Vorstand: Renate Fuisting als Vorsitzende, Dr. Gerta Krabbel als ihre Stellvertreterin, au\u00dferdem Anna Heidermanns und Gerda Wintzen. Von den f\u00fcnf Mitgliedern des Beirates werden drei vom Zentralvorstand des Frauenbundes benannt. Und dann geht es gleich zur Sache. Verm\u00f6gensbestandsaufnahme, Stand der Bauplanung und -finanzierung (der Architekt Leitl hatte bereits die Pl\u00e4ne fertig und verlangte nach seinem Honorar). Auch ein Bauleiter muss besoldet werden. Die k\u00fcnftigen Reisekosten f\u00fcr Vorstand und Beirat tr\u00e4gt der neue Verein. Die Finanzierung der Transaktion wird genau beschrieben: \u00dcbernahme einer eingeschriebenen Hypothek der Sparkasse Koblenz in H\u00f6he von 26.000,-DM durch den neuen Verein, Gew\u00e4hrung einer neuen Hypothek von 25.000,- DM zugunsten des Frauenbundes. Dass die \u00dcbergabe der Liegenschaft so relativ reibungslos ablief, ist wohl vor allem Helene Weber, der Lebens- und Kampfgef\u00e4hrtin von Hedwig Dransfeld zu verdanken. Helene Weber kam aus einer katholischen Lehrerfamilie in Wupperfeld-Barmen und war eine der ersten deutschen Studentinnen der Geschichte, Romanistik und Sozialpolitik. Sie gab 1916 ihren Beruf als Oberlehrerin auf und wurde in K\u00f6ln Leiterin der neu gegr\u00fcndeten sozialen Frauenschule des Katholischen Deutschen Frauenbundes. 1919 zog Helene Weber mit der damaligen Frauenbund-Pr\u00e4sidentin Hedwig Dransfeld in die verfassunggebende Nationalversammlung ein. Nach dem Krieg wurde sie zu einer der M\u00fctter des Grundgesetzes und war von 1949 bis 1962 Mitglied des Deutschen Bundestages, wo sie als anerkannte Sozialpolitikerin wirkte. Helene Weber erkennt in Anneliese Debray ihre religi\u00f6sen, sozialen und politischen Visionen und versteht sich als Br\u00fccke zur n\u00e4chsten Generation. Deshalb beteiligt sie sich aktiv an der Gr\u00fcndung des neuen Tr\u00e4gervereins f\u00fcr das Hedwig-Dransfeld-Haus.\u00a0\u00a0 \u00a0Dass die Hauptakteurin, Anneliese Debray, meist im Hintergrund bleibt und nur bei der Er\u00f6rterung von Aktivit\u00e4ten und Geld auftritt, geh\u00f6rt offensichtlich zur Methode, um die Damen von der Frauenbundzentrale nicht zu reizen.\u00a0 Bereits einen Monat sp\u00e4ter, am 29.6.1951, kommt es in Bendorf zur n\u00e4chsten Mitgliederversammlung. Neun Damen sind anwesend. Es geht um Geld, Baupl\u00e4ne und Anstellungen. In einem atemberaubenden Tempo ver\u00e4ndert sich nun das Hedwig &#8211; Dransfeld &#8211; Haus. Mit ihren Verlobten bringen die jungen Frauen die ersten M\u00e4nner ins Haus. Die G\u00e4ste werden internationaler, denn Vers\u00f6hnung und Frieden werden zentrale Themen. Die zaghaften Ans\u00e4tze der kirchlichen Erneuerung aus der Jugendbundzeit werden von Anneliese Debray zielstrebig vorangetrieben. Viele junge Theologen und Ordensleute kommen in das HDH (wie es jetzt genannt wird) nach Bendorf, um ihre Visionen und Ideen zu verbreiten. \u00d6kumene und Una Sancta &#8211; (die geeinte Kirche) &#8211; sind die neuen Zauberworte, f\u00fcr die sich im Bendorfer HDH Frauen verantwortlich f\u00fchlen. Wichtig ist f\u00fcr sie alle vor allem die Unabh\u00e4ngigkeit. Die jungen Frauen um Anneliese Debray wollen ihre eigenen Visionen verwirklichen. Das neu gegr\u00fcndete Hedwig-Dransfeld \u2013 Haus wird so zum Spiegelbild des Gestaltungswillens der deutschen Nachkriegszeit.<\/p>\n<p>Die nachstehende Postkarte hat den Poststempel Luftkurort Sayn vom 28.1.53. Die neue Kapelle ist schon gebaut. Die gro\u00dfe Fichte vor der Kapelle ist noch das. Die Anbauten mit dem Blauen Saal sind non nicht gebaut. Statt dessen geht die Treppe zum Berghaus.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-2495 alignleft\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/img20190309_14493386-2-300x165.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"165\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/img20190309_14493386-2-300x165.jpg 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/img20190309_14493386-2-768x423.jpg 768w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/img20190309_14493386-2-1024x564.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>(Erstver\u00f6ffentlichung im Jahrbuch 2019 des Landkreises Mayen-Koblenz<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Dieter Kittlau\u00df Am 20. 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