{"id":244,"date":"2012-06-28T12:32:55","date_gmt":"2012-06-28T10:32:55","guid":{"rendered":"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/?p=244"},"modified":"2012-07-11T11:47:55","modified_gmt":"2012-07-11T09:47:55","slug":"in-erinnerung-an-anneliese-debray-ein-lebensbild","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/in-erinnerung-an-anneliese-debray-ein-lebensbild\/","title":{"rendered":"In Erinnerung an Anneliese Debray &#8211; ein Lebensbild"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aufgrund einer Herzattacke verstarb Anneliese Debray am 18. Februar 1985 auf einem Hamburger Bahnhof ganz pl\u00f6tzlich im Alter von 74 Jahren. Nach der \u00dcberf\u00fchrung erfolgte die \u00f6ffentliche Aufbahrung in der Kapelle des Hedwig-Dransfeld-Hauses in Bendorf. Viele Freundinnen und Freunde aus aller Welt hielten die Totenwache. Bei dem Requiem in der Bendorfer St.-Medardus-Kirche sprach der rum\u00e4nische Jude Ruven Moscowisz aus Jerusalem das j\u00fcdische Totengebet. Das war vor 10 Jahren, ein Anla\u00df zur Erinnerung an diese Frau, von der damals gesagt wurde, da\u00df sie zu den gro\u00dfen Frauen der deutschen Nachkriegsgeschichte geh\u00f6re, ohne jemals nach Amt und W\u00fcrde zu streben.<!--more--><\/p>\n<div id=\"attachment_245\" style=\"width: 370px\" class=\"wp-caption alignright\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-245\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-245\" title=\"Anneliese Debray\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Anneliese-Debray-01.png\" alt=\"\" width=\"360\" height=\"403\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Anneliese-Debray-01.png 360w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Anneliese-Debray-01-267x300.png 267w\" sizes=\"(max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><p id=\"caption-attachment-245\" class=\"wp-caption-text\">Anneliese Debray<br \/>*30. Mai 1911 +18. Februar 1985<\/p><\/div>\n<p>Anneliese Debray, am 30. Mai 1911 in L\u00fcnen (Westf.) geboren, mu\u00dfte nach dem fr\u00fchen Tod der Mutter die Sorge f\u00fcr die j\u00fcngeren Geschwister \u00fcbernehmen und deshalb das Gymnasium abbrechen. Als Autodidaktin eignete sie sich aber eine breite Bildung an, lernte mehrere Sprachen und fand dann sp\u00e4ter eine Stelle als Chefsekre-t\u00e4rin in Hamburg bei einem Gro\u00dfkonzern. In ihrer Freizeit war Anneliese Debray in der katholischen M\u00e4dchenarbeit t\u00e4tig und geriet deshalb in Auseinandersetzungen mit der Gestapo. 1945 verzichtete sie auf eine weitere berufliche Karriere und \u00fcbernahm in Bendorf die Leitung des Sekretariats des Jugendbundes, des Katholischen Deutschen Frauenbundes. In vielen Werkwochen und Tagungen setzte sie sich f\u00fcr eine religi\u00f6se und geistige Neuorientierung ein. 1950 \u00fcbernahm Anneliese Debray die Leitung des Hedwig-Dransfeld-Hauses. Ihre besondere Sorge galt zun\u00e4chst der Weiterentwicklung der M\u00fcttergenesung, die bereits 1925 durch katholische Frauen aufgebaut worden war, der beruflichen Weiterbildung der M\u00e4dchen aus sozial schwachen Familien und der Integration von Behinderten. Dazu kam aber als neues Anliegen der Gedanke der Vers\u00f6hnung der V\u00f6lker.<\/p>\n<p><em><span style=\"color: #0000ff;\">&#8222;Nur wenn sich die Menschen kennenlernen, Vorurteile abbauen und Freundschaften entstehen, kann Frieden zwischen den Erbfeinden werden; die Politik mu\u00df von innen heraus mit Leben erf\u00fcllt werden, der Frieden mu\u00df in den Herzen der Menschen verwurzelt werden&#8220;. <\/span><\/em><\/p>\n<p>Mit diesen Zielen lud Anneliese Debray Franzosen, Polen, Niederl\u00e4nder, Engl\u00e4nder, Israelis und Belgier nach Bendorf ein, organisierte Begegnungen, Freizeiten und Seminare. Der Satz des j\u00fcdischen Theologen Martin Buber \u201eAlles wirkliche Leben ist Begegnung&#8220; wurde zum Motto dieser Arbeit. Als tief religi\u00f6ser Mensch sah Anneliese Debray ein besonderes Defizit in der gegenseitigen Entfremdung der Christen untereinander und zwischen Juden und Christen. So wurde das Hedwig-Dransfeld-Haus auch zum Zentrum der Verst\u00e4ndigung zwischen Menschen unterschiedlicher religi\u00f6ser Tradition. Der Glaube an den lebendigen Gott gibt uns nicht das Recht zu Diskriminierung und Verwerfung, Was die religi\u00f6sen Menschen eint, ist viel st\u00e4rker als das Trennende. So dachte und lebte Anneliese Debray.<\/p>\n<p>1968 fand in Bendorf die erste j\u00fcdisch-christliche Bibelwoche statt, bei der junge Theologen aus dem Judentum und den christlichen Kirchen trotz fast 2000 Jahre Entfremdung, Feindschaft und Verfolgung einen Neuanfang wagten. Da\u00df dann sp\u00e4ter die Muslime in diesen Dialog einbezogen wurden, war eine Konsequenz dieses Denkens. Anneliese Debray hatte ein sehr waches Gesp\u00fcr daf\u00fcr, da\u00df wir Deutschen nach Auschwitz eine dienende Rolle in der V\u00f6lkergemeinschaft einnehmen m\u00fcssen. Das politische Schicksal, das wir uns durch die faschistische Barbarei eingehandelt haben, verlangte nach Wiedergutmachung durch Offenheit, Dienst, Bescheidenheit, Verzicht, Ertragen von Vorw\u00fcrfen und Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Sorgen und N\u00f6te der anderen. Europa, die eine Welt, Mutter Erde und die Menschheitsfamilie waren damals bereits f\u00fcr Anneliese Debray vertraute Worte, ebenso wie ihr Satz von den \u201ekleinen Schritten zum Frieden&#8220;. F\u00fcr sie war auch die Teilung Deutschlands immer ein Greuel, deshalb geh\u00f6rten zahlreiche Reisen in die DDR zu ihrem Programm, um Freundschaften zu gr\u00fcnden und zu pflegen.<\/p>\n<p>Nach ihrer Pensionierung lebte Anneliese Debray eine Zeitlang in Israel, damit ging ein langgehegter Wunsch in Erf\u00fcllung. H\u00f6hepunkt ihres Lebens war die Teilnahme an einer Friedensreise von Pax Christi nach Moskau. Anneliese Debray hat den Namen der Stadt Bendorf in vielen L\u00e4ndern bekanntgemacht. So ist es angebracht ihr Bild; da\u00df einer starken Pers\u00f6nlichkeit und liebenswerten Frau, im Bewu\u00dftsein ihrer Bendorfer Mitb\u00fcrger, in Erinnerung zu rufen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Aufgrund einer Herzattacke verstarb Anneliese Debray am 18. Februar 1985 auf einem Hamburger Bahnhof ganz pl\u00f6tzlich im Alter von 74 Jahren. Nach der \u00dcberf\u00fchrung erfolgte die \u00f6ffentliche Aufbahrung in der Kapelle des Hedwig-Dransfeld-Hauses in Bendorf. Viele Freundinnen und Freunde aus aller Welt hielten die Totenwache. 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