{"id":2431,"date":"2018-04-16T17:52:09","date_gmt":"2018-04-16T15:52:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/?p=2431"},"modified":"2018-04-16T17:52:09","modified_gmt":"2018-04-16T15:52:09","slug":"kleine-studie-zur-gottessuche","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/kleine-studie-zur-gottessuche\/","title":{"rendered":"Kleine Studie zur Gottessuche"},"content":{"rendered":"<p>Wir alle sind Suchende<\/p>\n<p>Dieter Kittlau\u00df<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter  wp-image-2435\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Universum--300x205.jpg\" alt=\"\" width=\"411\" height=\"281\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Universum--300x205.jpg 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Universum-.jpg 585w\" sizes=\"(max-width: 411px) 100vw, 411px\" \/><\/p>\n<p>Mit den riesigen Teleskopen auf Hawai wurde am 19. Oktober 2017 eine schwarzrote, um sich selbst rotierende kosmische Zigarre entdeckt, die aus den Weiten der Milchstra\u00dfe diagonal in unser Sonnensystem eindrang; sie war ca. 500 Meter lang und 80 Meter breit. Die Schwerkraft der Sonne reichte nicht aus, um ihre Geschwindigkeit von 160.000 Stundenkilometer abzubremsen, so dass der blaue Planet Erde Gott sei Dank verschont blieb. Deshalb fliegen wir, die Kinder dieser Erde, weiter in elliptischer Bahn und wahnwitziger Geschwindigkeit um unsere Sonne. Die Philosophen und Theologen der Generationen vor uns haben erstaunlich pr\u00e4zise Modelle und Theorien des Sternenhimmels erstellt, wir aber k\u00f6nnen die Laufbahnen unserer Raketen, die wir zum Mond und zu den anderen Planeten schie\u00dfen, \u00fcber Jahre hinweg programmieren; k\u00f6nnen sogar bis an den Rand unserer Galaxis Himmelsstra\u00dfe schauen und entfernteste kosmische Prozesse im Computer simulieren. Wir durchschauen die wechselseitige Bedingtheit von Raum und Zeit. Aber das geh\u00f6rt auch zu unserer Wirklichkeit: Selbst den von der Sonne am n\u00e4chsten Stern Alpha Centauri sehen wir nur so, wie er vor 4,3 Jahren war; ganz zu schweigen von der Herrlichkeit des Sternenhimmels, die uns wegen der r\u00e4umlichen Dimension verschlossen und verborgen bleibt. Was wir sehen, sind die Bilder aus der Vergangenheit.\u00a0 Genauso verborgen ist uns der Blick in die Tiefe der Materie. Je genauer wir deren Strukturen erkennen und analysieren, umso weiter verschiebt sich die Erkennbarkeit und umso unsch\u00e4rfer wird das, was wir erkennen. Es geht uns wie der Zecke, die sich zwar am Grashalm m\u00fchsam hocharbeitet, und doch umso weniger von der Welt um sie herum versteht, je weiter sie klettert. Aber im Unterschied zur Zecke ist f\u00fcr uns Menschen die Deutung unserer Welt und unseres eigenen Lebens in ihr existentiell bedeutsam. Davon zeugen die Religionen und Weltanschauungen von der fernen Vergangenheit bis in die Gegenwart. Die fr\u00fchj\u00fcdischen Priester im babylonischen Exil erkannten nur, was sie mit ihren biologischen Augen gesehen haben; aber ihre theologische Deutung vom Ursprung unserer Welt aus einer Mitte, ist beeindruckend bis heute; ihre bildhafte und abstrakt personalisierte Sprache genial. Um die Einmaligkeit der Weltentstehung f\u00fcr alle Generationen verbindlich festzulegen, begannen sie ihre Kosmologie (der priesterliche Sch\u00f6pfungsbericht) mit dem Wort Bereschit \u00a0(&gt; Am Anfang schuf), ohne dass dieses noch einmal wiederholt wurde. Ob diese Deutung noch gilt, ist eine Frage, die sich heute \u2013 vielleicht sogar dringlicher als fr\u00fcher &#8211; allen Menschen stellt. Denn weder mit unseren biologischen Augen noch mit unseren Teleskopen und Elektronenmikroskopen finden wir diese Mitte egal wie wir sie nennen m\u00f6gen. Selbst wenn sich auf anderen Sternen oder Galaxien Leben gebildet hat, das mit uns kommunizieren k\u00f6nnte, wird es nach heutigen Erkenntnissen nie unser Nachbar. Die Gottesfrage entscheidet, ob wir allein sind oder \u201eunter dem Schutz Seiner Fl\u00fcgel&#8220;. Aber die Deutungen, die eine Antwort ohne Gott finden, d\u00fcrfen in ihrer Ernsthaftigkeit nicht grunds\u00e4tzlich hinterfragt werden, denn auch alle religi\u00f6sen Antworten bewegen sich in einem Raum des undurchschaubaren Geheimnisses (Paulus) und der existentiellen Unsicherheit (Mk 15,34). Was uns alle eint, ist die Abwesenheit Gottes in unserer Welterfahrung. Egal wo wir hingehen oder hinschauen, nirgendwo finden wir diese Mitte, der das Fr\u00fchjudentum den Namen \u201eder immer bei uns ist\u201c gaben. Das Psalmenwort \u201eStiege ich zum Himmel empor, so bist du dort, und machte ich die Unterwelt zu meinem Lager, du bist da!\u201c (Psalm 139,8), gilt f\u00fcr uns nicht mehr. Das ist die Situation f\u00fcr den heutigen Menschen.<img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-2434\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Universum-3-300x288.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"288\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Universum-3-300x288.jpg 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Universum-3.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Aber da gibt es ein Paradoxon. Viele Menschen \u2013 und es sind nicht nur wir Christen \u2013 haben dennoch die tiefe \u00dcberzeugung, dass es eine Kraft gibt, die uns alle verbindet und eint. Der deutsche ZEN -Meister Willigis Jaeger hat daf\u00fcr das Bild vom Meer \u201egemalt\u201c, das die Welle ausschickt und wieder zur\u00fcckholt. Wir sind die Welle, aber nicht das Meer. Die mittelalterliche Scholastik hat das Bild vom SEIN gebraucht, das alles verbindet und durchdringt. Viel wichtiger aber ist die Sehnsucht, die uns in unserem oft mehr als beschwerlichen Leben ein Ziel gibt, das \u201ePrinzip Hoffnung\u201c des Ohne\u2013Gott\u2013 Philosophen Ernst Bloch, das Erahnen von Gerechtigkeit und Vollendung in aussichtsloser Extremsituation. Gott ist nicht da in dieser mal arktisch kalten und mal siedend hei\u00dfen kosmischen Welt; er hat sich nicht versteckt in den Tiefen der Erde und auch nicht im Mikrokosmos des Materiellen; und doch gab es und gibt es Milliarden Menschen, die zutiefst \u00fcberzeugt sind, zu einer Mitte zu geh\u00f6ren, aus der sie kommen und zu der sie zur\u00fcckkehren werden. In der Neurologie gibt es gewichtige Stimmen, die von einem einheitlichen Bewusstsein sprechen, an dem jeder Mensch partizipiert. Die christliche Theologie hat daf\u00fcr das uns heute fremde und doch so tiefsinnige Wort Gnade gepr\u00e4gt. Die Bibel gebraucht eine metaphorisch-bildhafte Sprache f\u00fcr dieses Gott-mit-uns-Wissen, so als ob da neben uns einer steht, der uns begleitet, uns st\u00fctzt und uns h\u00e4lt. Und da gibt es noch ein auf den ersten Blick seltsames Faktum: Diese religi\u00f6se Erfahrung wird st\u00e4rker, wenn wir uns darauf einlassen. Wer die Wahrheit tut, kommt ans Licht, dr\u00fcckt es die neutestamentliche Sprache aus.\u00a0 Gotteserfahrung gibt es nicht ohne dass sich das Herz \u00f6ffnet, wieder eines dieser unfassbaren Bilder unserer christlichen Tradition. Wir stehen in einer bis in weite Vergangenheit zur\u00fcckreichende Kette von Menschen, die \u2013 jeder auf seine Art \u2013 diese religi\u00f6se Erfahrung haben, dass das Leben tiefer wird, wenn wir uns f\u00fcr die uns verborgene Mitte dieser unserer Welt \u00f6ffnen. Wo Euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein, sagt es die biblische Sprache. \u201eWenn ihr mich sucht, werdet ihr mich finden. Ja, wenn ihr mich von ganzem Herzen sucht, will ich mich von euch finden lassen. Das verspreche ich euch.\u201c Diese Erfahrung wird uns von Jeremias \u00fcberliefert; vor fast 3000 Jahren lebte dieser fr\u00fchj\u00fcdische Prophet (Jeremia 29,13-14). Mit Gott scheint es wie mit der Liebe zu sein, die uns nur geschenkt wird, wenn wir sie vorher geschenkt haben. \u00a0Der franz\u00f6sische Mathematiker und Theologe Blaise Pascal meinte sogar, dass der Gottesglaube rational die vern\u00fcnftigere Lebensvariante sei. Es g\u00e4be nur die Alternativen, sagte er, dass es Gott gibt oder ihn nicht gibt, und dazwischen g\u00e4be es keinen Mittelweg. Wie bei einer Wette m\u00fcsse sich jeder Mensch auf eine dieser Varianten einlassen. Und dann sieht Pascal die Gottesbejahung auf der Gewinnseite; denn \u201ewenn Sie gewinnen, gewinnen Sie alles, wenn Sie verlieren, verlieren Sie nichts. Setzen Sie also ohne zu z\u00f6gern darauf, da\u00df es ihn gibt.\u201c Rein logisch hat Pascal recht. Wer ohne Gott leben will, weil er diesen nicht f\u00fcr eine Wirklichkeit, sondern f\u00fcr ein Phantom sieht, wird nicht ohne weiteres gl\u00fccklicher und zufriedener, denn wir m\u00fcssen mit der oft t\u00f6dlichen K\u00e4lte und Grausamkeit dieser Welt ganz alleine fertig werden und zwar immer im Angesicht unseres eigenen Endes. Viele religi\u00f6se Menschen aber erleben zwar auch dieses Leben voller R\u00e4tsel und Unsagbarkeit, aber sie f\u00fchlen sich getragen und sogar geliebt. Zur Zeiten des Propheten Jeremias gab es einen solchen religi\u00f6sen Menschen; sein Gebet ist uns durch die Jahrtausende erhalten geblieben: \u201eDenn der Herr ist deine Zuflucht, du hast den H\u00f6chsten als Schutz erw\u00e4hlt. Dir begegnet kein Unheil, kein Ungl\u00fcck naht deinem Zelt. Denn er befiehlt seinen Engeln, dich zu beh\u00fcten auf allen deinen Wegen. Sie tragen dich auf ihren H\u00e4nden, damit dein Fu\u00df nicht an einen Stein st\u00f6\u00dft; du schreitest \u00fcber L\u00f6wen und Nattern, trittst auf L\u00f6wen und Drachen.\u201c (Psalm 90, 9-13). Pascal hat insofern recht, dass sich jeder Mensch in seinem Leben wie bei einer Wette entscheiden muss, ohne eine Garantie zu haben. Aber richtig ist auch, dass ein Leben mit Gott keinesfalls die schlechtere Variante ist. Die neutestamentliche Tradition spricht deshalb von dem Schatz, den man suchen muss.<img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-2371\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/00001-auferstehung-diptychon-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/00001-auferstehung-diptychon-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/00001-auferstehung-diptychon-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/00001-auferstehung-diptychon.jpg 343w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir alle sind Suchende Dieter Kittlau\u00df &nbsp; Mit den riesigen Teleskopen auf Hawai wurde am 19. 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