{"id":2301,"date":"2015-12-02T16:19:21","date_gmt":"2015-12-02T15:19:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/?p=2301"},"modified":"2016-01-18T17:35:53","modified_gmt":"2016-01-18T16:35:53","slug":"die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/","title":{"rendered":"Die R\u00fcckkkehr der russischen Wittgenstein nach Deutschland"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_2274\" style=\"width: 504px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Schloss-Sayn-1860-Sammlung-Duncker-Wikimedia-20151104.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2274\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2274 \" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Schloss-Sayn-1860-Sammlung-Duncker-Wikimedia-20151104-300x231.jpg\" alt=\"ter Sohn des kaiserlich russischen Feldmarschalls F\u00fcrst Ludwig Adolph Peter aus einem j\u00fcngeren Zweig der Berleburger Linie, kehrte 1848 mit seiner Gemahlin Leonilla Barjatinsky (1816\u20131918) aus Russland zur\u00fcck, erhielt vom preu\u00dfischen K\u00f6nig Friedrich Wilhelm IV. die Burg Sayn geschenkt und erwarb 1848 auch das am Fu\u00df des Burgberges gelegene, im Kern mittelalterliche und sp\u00e4ter barock umgestaltete Herrenhaus, das zuletzt der Familie Boos von Waldeck geh\u00f6rt hatte. Noch im selben Jahr beauftragte der F\u00fcrst gemeinsam mit seiner russischen Frau Leonilla den franz\u00f6sischen Architekten Fran\u00e7ois Joseph Girard, den sp\u00e4teren Generalintendanten des Louvre in Paris, das Herrenhaus gem\u00e4\u00df dem Zeitgeschmack im Stil der Neugotik zu einem Schloss umzubauen und zu erweitern. An seinem Ostende wurde durch Hermann Nebel von 1860 bis 1862 eine Doppel-Kapelle nach dem Vorbild der Sainte-Chapelle errichtet. Das Schloss wurde im Zweiten Weltkrieg kurz vor Kriegsende stark besch\u00e4digt. Es verfiel zur Ruine, nur die Au\u00dfenmauern blieben erhalten, die Kapelle bleib weitgehend unbesch\u00e4digt. Erst in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde der Wiederaufbau geplant und unter Wiederherstellung der alten Bausubstanz durchgef\u00fchrt. Im Jahr 2000 wurden die Arbeiten abgeschlossen. Heutiger Eigent\u00fcmer ist Alexander F\u00fcrst zu Sayn-Wittgenstein-Sayn.\" width=\"494\" height=\"381\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Schloss-Sayn-1860-Sammlung-Duncker-Wikimedia-20151104-300x231.jpg 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Schloss-Sayn-1860-Sammlung-Duncker-Wikimedia-20151104-1024x790.jpg 1024w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Schloss-Sayn-1860-Sammlung-Duncker-Wikimedia-20151104.jpg 1089w\" sizes=\"(max-width: 494px) 100vw, 494px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2274\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"color: #000000;\">Schloss Sayn, (Sammlung Duncker Wikimedia).\u00a0 F\u00fcrst Ludwig Adolph Friedrich zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (1799\u20131866), \u00e4ltester Sohn des kaiserlich russischen Feldmarschalls F\u00fcrst Ludwig Adolph Peter, kehrte 1848 mit seiner Gemahlin, der russischen F\u00fcrstin Leonilla Barjatinsky (1816\u20131918) aus Russland nach Deutschland zur\u00fcck. Er erhielt vom preu\u00dfischen K\u00f6nig Friedrich Wilhelm IV. die verfallene Burg Sayn, den Stammsitz seiner Vorfahren, geschenkt und kaufte von der Familie Boos von Waldeck das Herrenhaus am Fu\u00df des Burgberges. Dieses lie\u00df er durch den franz\u00f6sischen Architekten Fran\u00e7ois Joseph Girard im Stil der Neugotik umbauen. 1860 wurde nach dem Vorbild der Chapelle Saint Etienne eine Doppelkapelle angebaut. Das Schloss wurde im Zweiten Weltkrieg kurz vor Kriegsende stark besch\u00e4digt. In den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts erfolgte mit staatlicher F\u00f6rderung der Wiederaufbau.<\/span><\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2><strong> Hintergrund<\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Aussiedlung der Seitenlinie Sayn-Wittgenstein-Berleburg-Ludwigsburg nach Russland und deren (teilweiser) R\u00fcckkehr nach Deutschland ist ein Teil\u00a0 deutscher Geschichte und auch f\u00fcr die Heimatgeschichte bedeutsam. Mit dieser kleinen Studie wurde ein lesbarer Gesamt\u00fcberblick erstellt. Wichtige historische Ereignisse wie die Befreiungsbewegung gegen Napoleon, die Restauration durch den Wiener Kongress und die schrittweise Abschaffung von Adelsprivilegien sind der zeitgeschichtliche Hintergrund.<\/span><!--more--><\/p>\n<h2><strong>1. Von Berleburg nach Russland<\/strong><\/h2>\n<div id=\"attachment_2302\" style=\"width: 195px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Casimir_von_Sayn-Wittgenstein-Berleburg-wikipedia-..jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2302\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2302 size-medium\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Casimir_von_Sayn-Wittgenstein-Berleburg-wikipedia-.-185x300.jpg\" alt=\"Casimir zu Sayn-Wittgenstein 1741; Wikimedia\" width=\"185\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Casimir_von_Sayn-Wittgenstein-Berleburg-wikipedia-.-185x300.jpg 185w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Casimir_von_Sayn-Wittgenstein-Berleburg-wikipedia-..jpg 372w\" sizes=\"(max-width: 185px) 100vw, 185px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2302\" class=\"wp-caption-text\">Casimir Graf zu Sayn-Wittgenstein 1741; Wikimedia<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Nachdem 1712 <strong>Casimir Graf zu Sayn-Wittgenstein<\/strong> im Alter von 24 Jahren die Leitung der kleinen deutschen Grafschaft Berleburg \u00fcbernommen hatte, pflegte er wie alle Landesherren der Barockzeit einen aufwendigen Lebensstil und entfaltete eine rege Baut\u00e4tigkeit. Es entsprach aber ganz seiner pietistisch-philanthropischen \u00dcberzeugung, sich um seine beiden Br\u00fcder Carl-Ludwig und Ludwig-Franz zu k\u00fcmmern. Deshalb baute er f\u00fcr diese eigene Herrensitze, die Carlsburg und die Ludwigsburg, und stattete sie mit dem erforderlichen Einkommen aus. Damit entstanden zwei nichtregierende Seitenlinien der Grafschaft Sayn-Wittgenstein-Berleburg, die Carlsburger und die Ludwigsburger.<sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-1' id='fnref-2301-1' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>1<\/a><\/sup> Mit dem Krisenjahr 1740 wurden Hungersn\u00f6te in ganz Europa zu periodisch wiederkehrenden Massenerscheinungen.<sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-2' id='fnref-2301-2' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>2<\/a><\/sup>Nicht nur das einfache Volk sondern auch der Adel musste um sein \u00dcberleben k\u00e4mpfen. Viele suchten einen Ausweg in der Auswanderung.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><strong> Graf Christian (1725-1797) zu Sayn und Wittgenstein<\/strong>, ein Nachk\u00f6mmling der Ludwigsburger Linie, der unter Friedrich II. in der preu\u00dfischen Armee Karriere gemacht hatte und im Siebenj\u00e4hrigen Krieg sogar zum General avancierte, folgte 1752 dem Ruf der deutschst\u00e4mmigen Zarin Elisabeth zum Dienst in der russischen Armee, wo er bis zum Generalleutnant aufstieg. Um sich an den K\u00e4mpfen gegen die franz\u00f6sische Revolutionsarmee zu beteiligen, kehrte Graf Christian 1790 nach Deutschland zur\u00fcck, lie\u00df aber seinen (dritten) Sohn Peter Christianowitsch Wittgenstein in Russland zur\u00fcck.<sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-3' id='fnref-2301-3' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>3<\/a><\/sup><\/span><!--more--><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_2304\" style=\"width: 340px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/800px-Pjotr-christianowitsch-wittgenstein.-Dawe.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2304\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-2304\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/800px-Pjotr-christianowitsch-wittgenstein.-Dawe-255x300.jpg\" alt=\"General Pjotr Christianowitsch Wittgenstein (russisch). Graf Ludwig-Adolph-Peter zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (deutsch). Gemalt 1820 von George Dawe. \" width=\"330\" height=\"388\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/800px-Pjotr-christianowitsch-wittgenstein.-Dawe-255x300.jpg 255w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/800px-Pjotr-christianowitsch-wittgenstein.-Dawe.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 330px) 100vw, 330px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2304\" class=\"wp-caption-text\">General Pjotr Christianowitsch Wittgenstein (russisch).<br \/>Ludwig Adolph Peter Graf\u00a0 zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (deutsch).<br \/>Gemalt 1820 von George Dawe.Wikimedia.<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><strong>Pjotr Christianowitsch Wittgenstein (Graf Peter)<\/strong> wurde am 5. Januar 1769 in Nezin bei Kiew geboren und nach dem Tod der Mutter (1771) im Haus des F\u00fcrsten Saltykov erzogen, bis er in das Pagenkorps des Zaren aufgenommen wurde.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\"> Mit 12 Jahren wurde Graf Peter Unteroffizier in der russischen Armee. Als russischer Berufsoffizier machte er in den Kriegen in Polen und im Kaukasus schnelle Karriere und wurde 1799 Kommandeur eines Husarenregimentes. Den Gipfel seiner milit\u00e4rischen Karriere erreichte Graf Peter w\u00e4hrend der Feldz\u00fcge gegen die Napoleonische Invasion (1812-1814) und wurde schlie\u00dflich zum General der russischen Armee bef\u00f6rdert.<sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-4' id='fnref-2301-4' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>4<\/a><\/sup> Mit seinen schnellen Husarenregimentern verhinderte er die Einnahme von Sankt Petersburg und erh\u00f6hte den Druck auf die franz\u00f6sische Kontinentalarmee bei deren R\u00fcckzug. W\u00e4hrend die Hauptarmee von Napoleon bei Studenka die Beresina \u2013 unter gro\u00dfen Verlusten \u2013 \u00fcberquerten, gelang es den Wittgensteinschen Truppen ein ganzes franz\u00f6sisches Korps zur Kapitulation zu zwingen. Der Zar verlieh dem erfolgreichen General den Wladimir-Orden und schenkte ihm 50.000 Rubel.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\"> Wittgenstein unterst\u00fctzte die Verhandlungen mit den preu\u00dfischen Truppen unter General von Yorck, die schlie\u00dflich am 30.12.1812 zurKonvention von Tauroggen und im Februar 1813 zum B\u00fcndnis zwischen Preu\u00dfen und Russland f\u00fchrten.<sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-5' id='fnref-2301-5' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>5<\/a><\/sup><br \/>\n<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_2276\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Konvention-Tauroggen.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2276\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-2276\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Konvention-Tauroggen-300x153.jpg\" alt=\"Konvention von Tauroggen 30. Dezember 1812; Unterschriften von General Yorck (f\u00fcr Preu\u00dfen) und General Diebitsch (f\u00fcr Russland) ; Wikimedia 20151104.\" width=\"300\" height=\"153\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Konvention-Tauroggen-300x153.jpg 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Konvention-Tauroggen-1024x522.jpg 1024w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Konvention-Tauroggen.jpg 1171w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2276\" class=\"wp-caption-text\">Konvention von Tauroggen 30. Dezember 1812; Unterschriften von General Yorck (f\u00fcr Preu\u00dfen) und General Diebitsch (f\u00fcr Russland) ; Wikimedia 20151104.<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Am 7. M\u00e4rz 1813 zog General Peter an der Spitze der preu\u00dfisch-russischen Truppen in Berlin ein und wurde zeitweilig sogar zum Oberbefehlshaber der Vereinigten Armeen berufen. Am 19. Oktober 1813 eroberte er zusammen mit dem preu\u00dfischen General von Kleist das Windm\u00fchlentor in Leipzig und gab damit der Leipziger V\u00f6lkerschacht die entscheidende Wende. Im Februar 1814 wurde er leicht verwundet.<\/span><sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-6' id='fnref-2301-6' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>6<\/a><\/sup><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\"> 1818 wurde General Peter in den russischen Reichsrat berufen und erhielt das Oberkommando \u00fcber die 2. Armee. Sein F\u00fchrungsstil und die menschliche Behandlung der Soldaten verschafften ihm und seiner Armee einen legend\u00e4ren Ruf in ganz Russland.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\"> In seiner selbstlobenden Familiengeschichte<sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-7' id='fnref-2301-7' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>7<\/a><\/sup> schreibt Franz Prinz zu Wittgenstein-Sayn eine Laudatio auf den (k\u00f6rperlich) kleinen General Peter, der fast jeden Tag seiner Frau Antonia C\u00e4cilie Snarska, die er 1798 geheiratet hatte, ein langen Brief in Franz\u00f6sisch<sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-8' id='fnref-2301-8' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>8<\/a><\/sup> schrieb. Als der neuernannte Generalleutnant 1806 mit seiner Familie im Petersburger Zarenhof ein gro\u00dfes Haus beziehen kann, sp\u00fcrt man seine Sorge, ob sich seine geliebte Frau auch in der neuen Umgebung wohl f\u00fchlen werde. Franz zu Wittgenstein erz\u00e4hlt, wie der preu\u00dfische Stabsarzt Roos durch General Peter nach dessen deutschen Verwandten in deutscher Sprache befragt wird. Offensichtlich hatte Peter als Russlanddeutscher auch Deutsch gelernt und gesprochen. Wegen seiner Verwundung kommt er erst mit Versp\u00e4tung nach Paris. Die franz\u00f6sische Metropole fasziniert ihn, so schreibt er in einem Brief; aber das Pariser Leben ist ihm zu teuer. Deshalb ist er nicht traurig, dass er mit seinen Husaren \u00fcber Deutschland nach Russland zur\u00fcckkehren muss. Der Durchzug der russischen Truppe wird zu einem Triumphzug. \u00dcber Trier, Koblenz und K\u00f6ln f\u00fchrt Graf Peter seine Truppe bis nach Berleburg, wo er am 12. Juni 1814 die Stammburg seiner deutschen Vorfahren erreicht. An seine Frau schreibt er: \u201cWenn ich schon auf der ganzen Reise von Paris, meine gute Freundin, in jeder erdenklichen, oft recht erm\u00fcdenden Weise geehrt worden bin, so r\u00fchrte mich doch die Begeisterung bei meinem Einzug in Berleburg am meisten. Du wei\u00dft, da\u00df ich eigentlich von hier stamme, und da\u00df jetzt mein Vetter Albrecht hier residiert. Ich wollte das Land, in dem meine Familie so lange angesessen ist, einmal kennenlernen, und machte deshalb den Umweg \u00fcber Berleburg. Es ist ein sauberes, kleines St\u00e4dtchen.\u201c<sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-9' id='fnref-2301-9' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>9<\/a><\/sup><\/span><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Schloss_Berleburg-Wikipedia.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-2306\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Schloss_Berleburg-Wikipedia-300x190.jpg\" alt=\"Schloss_Berleburg Wikipedia\" width=\"300\" height=\"190\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Schloss_Berleburg-Wikipedia-300x190.jpg 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Schloss_Berleburg-Wikipedia-1024x648.jpg 1024w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Schloss_Berleburg-Wikipedia.jpg 1503w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Schloss Berleburg, 1733 wurde das Hauptgeb\u00e4ude im Barockstil erbaut. Bild: Wikipedia.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">F\u00fcr die Befreiungsbewegung wurde der deutsche General zu einer Symbolfigur. Ernst Moritz Arndt widmete ihm eines seiner Lieder:<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\"><em>\u201eUraltes Haus vom deutschen Rhein,<\/em><br \/>\n<em> wie herrlich bl\u00fchst du Wittgenstein!<\/em><br \/>\n<em> In deiner Stammes Erben.<\/em><br \/>\n<em> Fand Frankreich sein Verderben\u2026..<\/em><br \/>\n<em> Der Rest des m\u00e4cht`gen Frankenheers<\/em><br \/>\n<em> Ward Opfer des Kosakenheers.<\/em><br \/>\n<em> Ward Opfer des Kosakenspeers;<\/em><br \/>\n<em> Setzt irgendwo sich einer,<\/em><br \/>\n<strong><em> ihn jagt der Wittgensteiner.\u201c<\/em><\/strong><\/h4>\n<blockquote>\n<h5><sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-10' id='fnref-2301-10' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>10<\/a><\/sup><\/h5>\n<\/blockquote>\n<p>Die Popularit\u00e4t von General Peter zeigt auch ein Volkslied, in dem der deutsche General als einziger Heerf\u00fchrer mit Namen genannt wird:<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><em>\u201eIhr Br\u00fcder singt Viktoria,<\/em><br \/>\n<em> denn die Preu\u00dfen sind jetzt da.<\/em><br \/>\n<em> Der tapfre Graf von Wittgenstein,<\/em><br \/>\n<em> der r\u00fccket ins Franz\u00f6sische ein.\u201c<sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-11' id='fnref-2301-11' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>11<\/a><\/sup><\/em><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Akademie der Wissenschaften in Erfurt ernennt den General als Befreier Deutschlands 1816 zum Ehrenmitglied.<sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-12' id='fnref-2301-12' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>12<\/a><\/sup> In Russland wird Graf Peter 1818 Mitglied des Staatrates und Oberbefehlshaber der 2. Armee. Zeitweilig leitet er die Truppen im Krieg gegen die T\u00fcrken. 1825 verstarb pl\u00f6tzlich Zar Alexander. Bereits bei den Feierlichkeiten zur Thronbesteigung war es zu erheblichen Spannungen mit dem neuen Zaren gekommen, da sich Graf Peter offen und kritisch zu den Missst\u00e4nden in Russland ge\u00e4u\u00dfert hatte. Da Zar Nikolaus seine Abneigung gegen den \u201edeutschen\u201c General nicht abbauen konnte, schied der zwischenzeitlich zum Generalfeldmarschall ernannte Graf Peter am 28. Februar 1829 aus dem russischen Milit\u00e4rdienst aus und zog sich auf sein Gut Kamenka zur\u00fcck. Durch seine zahlreichen Siegespr\u00e4mien war er sehr verm\u00f6gend geworden, so dass er nach 1814 umfangreichen Grundbesitz erwerben konnte und diesen auch sehr erfolgreich verwaltete.<sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-13' id='fnref-2301-13' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>13<\/a><\/sup><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\"> Mit seiner Frau Antonia C\u00e4cilie bekam Graf Peter 11 Kinder.<sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-14' id='fnref-2301-14' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>14<\/a><\/sup> einer der S\u00f6hne, Nikolaus, heiratete Carolina Iwanowska, die sp\u00e4tere \u201eMuse\u201c von Franz Liszt.<sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-15' id='fnref-2301-15' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>15<\/a><\/sup> Da Peter in der deutsch\u2013lutherischen Kirche St. Katharinen in Kiew getauft worden war, lie\u00df er auch seine Kinder \u201ein der Religion seiner Vorfahren\u201c taufen.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_2316\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Sankt-Katharinen-Kiew_Holzbau-1812_.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2316\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-2316\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Sankt-Katharinen-Kiew_Holzbau-1812_-300x207.jpg\" alt=\"Sanct Katharinen Holzbau 11812, Festschrift der lutherischen Gemeinde, alle recht dort. Wikipedia.\" width=\"300\" height=\"207\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Sankt-Katharinen-Kiew_Holzbau-1812_-300x207.jpg 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Sankt-Katharinen-Kiew_Holzbau-1812_.jpg 636w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2316\" class=\"wp-caption-text\">Sanct Katharinen Holzbau 11812, Festschrift der lutherischen Gemeinde, alle Rechte dort. Wikipedia.<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Graf Peter im Herbst 1833 seine Schwester Amalie Louise in Berlin besuchte, kam es zu zahlreichen Begegnungen mit dem gleichaltrigen <span style=\"color: #000000;\">K\u00f6nig Friedrich Wilhelm III. Die Beziehung zwischen den beiden M\u00e4nnern war voller Respekt und sogar freundschaftlicher Zuneigung. Am 1. Mai 1834 verlieh der preu\u00dfische K\u00f6nig Friedrich Wilhelm III. dem russischen Generalfeldmarschall Peter Graf zu Sayn-Wittgenstein in Anerkennung seiner Verdienste um die Wiederherstellung Preu\u00dfens den F\u00fcrstentitel. Einen Monat sp\u00e4ter wurde diese Ehrung durch Zar Nikolaus als russischer Titel anerkannt.<sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-16' id='fnref-2301-16' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>16<\/a><\/sup> Der russische Titel wurde in der Regel nicht primogen (f\u00fcr den Kronprinzen) verliehen, so dass ihn alle Nachkommen f\u00fchren konnten.\u00a0 Als beim Wiener Kongress (1814 \u2013 1815) durch die f\u00fcnf Gro\u00dfm\u00e4chte \u00d6sterreich, Russland, Preu\u00dfen, Gro\u00dfbritannien und Frankreich die alte politische Ordnung in Europa wieder hergestellt worden war, verloren gleichzeitig die deutschen F\u00fcrstent\u00fcmer durch die so genannte Mediation ihre landesherrliche Funktion, so dass der F\u00fcrstentitel nun zum Instrument der Auszeichnung werden konnte (Titularf\u00fcrst). S.o. Der so hoch geehrte F\u00fcrst Ludwig Adolf Peter, starb am 11. Juni 1843 in Lemberg. Unter den zahlreichen Portr\u00e4ts d\u00fcrfte am besten 1820 der englische Maler Georg Dawe, von Zar Alexander zum Hofmaler ernannt, die Gestalt von General Peter (1820) wiedergegeben haben.<sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-17' id='fnref-2301-17' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>17<\/a><\/sup><\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_2308\" style=\"width: 233px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a style=\"color: #000000;\" href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Ludwig-Adolf-Friedrich-zu-Sayn-Wittgenstein-Sayn-Wikipedia-01.11.2015-Sepia-eingef\u00e4rbt1.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2308\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2308 size-medium\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Ludwig-Adolf-Friedrich-zu-Sayn-Wittgenstein-Sayn-Wikipedia-01.11.2015-Sepia-eingef\u00e4rbt1-223x300.jpg\" alt=\"Ludwig Adolf Friedrich zu Sayn-Wittgenstein-Sayn; Wikipedia\" width=\"223\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Ludwig-Adolf-Friedrich-zu-Sayn-Wittgenstein-Sayn-Wikipedia-01.11.2015-Sepia-eingef\u00e4rbt1-223x300.jpg 223w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Ludwig-Adolf-Friedrich-zu-Sayn-Wittgenstein-Sayn-Wikipedia-01.11.2015-Sepia-eingef\u00e4rbt1-763x1024.jpg 763w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Ludwig-Adolf-Friedrich-zu-Sayn-Wittgenstein-Sayn-Wikipedia-01.11.2015-Sepia-eingef\u00e4rbt1.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 223px) 100vw, 223px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2308\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"color: #000000;\">Ludwig Adolf Friedrich zu Sayn-Wittgenstein-Sayn; Wikipedia<\/span><\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Nach dem Tod seines Vaters wurde der \u00e4lteste Sohn <strong>Ludwig Adolf Friedrich F\u00fcrst zu Sayn -Wittgenstein\u00a0<\/strong> (als Primogenitus geboren am 8. Juni 1799 in Kowno) Haupterbe der russischen Wittgensteins.<sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-18' id='fnref-2301-18' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>18<\/a><\/sup> Wie sein Vater begann er schon im Kindesalter mit der milit\u00e4rischen Karriere, die aber 1826 abrupt beendet wurde, da er in den Verdacht kam, mit den Dekabristen<sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-19' id='fnref-2301-19' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>19<\/a><\/sup> zu sympathisieren. \u201eDie einflussreiche Position und die gro\u00dfen Verdienste seines Vaters verschonten ihn vor Strafe.\u201c<sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-20' id='fnref-2301-20' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>20<\/a><\/sup><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\"> 1828 heiratete er in Sankt Petersburg <strong>Caroline Stefanie Radziwill<\/strong> aus einem der \u00e4ltesten litauischen F\u00fcrstengeschlechter. In den vier Jahren ihrer Ehe wurden dem Paar zwei Kinder geboren: Peter und Marie. Am 26. Juli 1832 starb Caroline Stefanie im Alter von 23 Jahren. Durch die Ehe mit ihr war F\u00fcrst Ludwig Friedrich schon vor dem Tode seines Vaters ein reicher Mann. Spies nennt die Zahl von 50.000 leibeigenen Bauern, die mit seinen litauischen-polnischen und russischen G\u00fctern verbunden waren.<sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-21' id='fnref-2301-21' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>21<\/a><\/sup> In den geschichtlichen Darstellungen wird oft verschwiegen, dass sich gerade im zaristischen Russland Besitz und Einfluss des Hochadels auf einer gnadenlosen Ausbeutung der leibeigenen Bauern speiste.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">1834 heiratete F\u00fcrst Ludwig Adolph Friedrich auf Schloss Marino (N\u00e4he Kursk) die 18j\u00e4hrige <strong>Prinzessin Leonilla Barjatinska<\/strong>, eine Tochter des russischen Feldmarschalls F\u00fcrst Ivan Barjatinsky. Dass Leonilla eine sch\u00f6ne Frau war, l\u00e4sst sich aus den beiden Portr\u00e4ts des europ\u00e4ischen Hofmalers Franz Xaver Winterhalter erkennen.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\"> Das ovale Portr\u00e4t wurde wahrscheinlich 1936 gemalt, als Winterhalter das Paar auf seiner Hochzeitsreise in Rom traf. Leonilla tr\u00e4gt ein weites Oberteil, einen Spitzenschal, Ohrringe und Halskette. Das sp\u00e4tere Bild ist mit 1843 datiert und wurde in Paris gemalt.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_2309\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Franz_Xaver_Winterhalter_Leonilla_Princess_of_Sayn_Wittgenstein-Sayn.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2309\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-2309\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Franz_Xaver_Winterhalter_Leonilla_Princess_of_Sayn_Wittgenstein-Sayn-300x201.jpg\" alt=\"F\u00fcrstin Leonilla gemalt 1843 vom deutschen Hofmaler Franz Xaver Winterhalter; Wikipedia\" width=\"300\" height=\"201\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Franz_Xaver_Winterhalter_Leonilla_Princess_of_Sayn_Wittgenstein-Sayn-300x201.jpg 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Franz_Xaver_Winterhalter_Leonilla_Princess_of_Sayn_Wittgenstein-Sayn-1024x685.jpg 1024w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Franz_Xaver_Winterhalter_Leonilla_Princess_of_Sayn_Wittgenstein-Sayn.jpg 1280w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2309\" class=\"wp-caption-text\">F\u00fcrstin Leonilla gemalt 1843 vom deutschen Hofmaler Franz Xaver Winterhalter; Wikipedia<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Hier sitzt Leonilla auf einem niedrigen t\u00fcrkischen Sofa auf einer Veranda mit Blick auf eine s\u00fcdliche Landschaft. Sie tr\u00e4gt ein elegantes Kleid aus elfenbeinfarbener Seide mit einer rosa Sch\u00e4rpe um ihre Taille. Ein Purpurmantel umschlie\u00dft den R\u00fccken und f\u00e4llt \u00fcber ihre Arme. Sie schaut sinnlich auf den Betrachter und spielt mit einer Perlenkette. Leonilla wuchs in der luxuri\u00f6sen Welt des Zarenhofes auf. Sp\u00e4ter schreibt sie: \u201e Ich erlebte damals, was man in Petersburg die tollen Tage des Karnevals nannte. Schlittenpartien, Diners und B\u00e4lle folgten einander wochenlang unaufh\u00f6rlich. Mehr als einmal mu\u00dften meine Freundinnen und ich unsere durchgetanzten Satinschuhe durch neue ersetzen, mit denen wir uns in Voraussicht dieser M\u00f6glichkeit versehen hatten.\u201c<sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-22' id='fnref-2301-22' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>22<\/a><\/sup> Friedrich und Leonilla bekamen vier Kinder, Friedrich, Ludwig, Antoinette und Alexander. Wie allgemein der europ\u00e4ische Hochadel unternahmen Friedrich und Leonilla viele Reisen und besuchten die europ\u00e4ischen F\u00fcrstenh\u00f6fe. Das Erleben der revolution\u00e4ren Unruhen 1848 in Paris hatte sie allerdings tief ersch\u00fcttert, so dass Leonilla schrieb:\u201cIch sah die Pl\u00fcnderung der Tulerien, sah die w\u00fctenden Meg\u00e4ren schreiend \u00fcber die D\u00e4cher laufen, M\u00f6bel und Gegenst\u00e4nde herabwerfen, Papiere schwenken\u2026\u201c[Ebd. S. 147f] In Berlin verst\u00e4rkten die politischen Aueinandersetzungen und in Frankfurt die Er\u00f6ffnung des Parlaments in der Paulskirche ihre Abneigung gegen die demokratischen Bewegungen, so dass sie sich nach einem ruhigen Leben irgendwo in der Provinz sehnte. Besonderen Einfluss auf Leonilla machte Rom, wo sie durch den Gatten ihrer Tochter Atoinette (geb. 1839), Chigi Albani aus der Familie der Rovere, enge Kontakte zur P\u00e4pstlichen Kurie bekam. Der Kirchenstaat und die Katholische Kirche erschienen ihr als letzter Hort des \u201eAncien Regime\u201c.<sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-23' id='fnref-2301-23' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>23<\/a><\/sup> Die Konversion zum Katholizismus war die Konsequenz dieser Entwicklung, der sp\u00e4ter auch ihr Gatte folgte. Es ehrt Leonilla, dass sie sich einen Blick f\u00fcr das Elend der kleinen Leute bewahrte. Hier bleibt das kleine Waisenhaus in Erinnerung, das sie stiftete, sowie ihr intensives Bem\u00fchen, katholische Ordensschwestern nach Sayn zu holen, was ihr auch gelang. Zu erw\u00e4hnen ist auch ihre Freundschaft zu dem italienischen Physiker-Theologen Don Luigi Cerebotani, der von 1880 sechs Jahre lang als Schlosskaplan wirkte und nebenbei eine Reihe bedeutsamer Erfindungen machte, (u..a. wird von den Chronisten die Erfindung der elektrischen Uhr genannt.)<sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-24' id='fnref-2301-24' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>24<\/a><\/sup> 50 Jahre hat Leonilla ihren Gatten \u00fcberlebt, mit dem sie eine gl\u00fcckliche Ehe f\u00fchrte. Ihre Liebe und Sorge galt ihren S\u00f6hnen und Enkeln, denen sie oft aus der Patsche half. Sie starb 1918 im Alter von 102 Jahren in der Schweiz.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Als der Thronwechsel in Russland 1825 zum Dekabristenaufstand f\u00fchrte, einer Revolte adliger Offiziere, die den Geist der europ\u00e4ischen Freiheitsbewegungen auch in Russland verwirklichen wollten, schlug der neue Zar Nikolaus diesen Aufstand mit Kanonen nieder, verurteilte die R\u00e4delsf\u00fchrer zum Tode und schickte Hunderte von Offizieren in die Verbannung. Die Beibehaltung der Leibeigenschaft der Bauern, strenge Zensur und drastische Reisebeschr\u00e4nkungen vergifteten nun die gesellschaftliche Atmosph\u00e4re in Russland. Am 11. September 1834 kam es bei der Einweihung eines Denkmals f\u00fcr den verstorbenen Zaren Alexander zu einem Eklat. General Peter, der auf Weisung von Zar Nikolaus nicht eingeladen worden war, hatte sein Kommen erzwungen und wurde \u00f6ffentlich durch den Zaren blo\u00dfgestellt. Deshalb entschloss sich sein Sohn Ludwig Adolf Friedrich, nach Deutschland zur\u00fcckzukehren. In seinem Tagebuch schrieb er sp\u00e4ter: \u201eEs gelang mir, meine Familie in ihre urspr\u00fcngliche Heimat nach Deutschland zur\u00fcckzuf\u00fchren, trotz der Hindernisse, die un\u00fcberwindbar schienen.\u201c<sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-25' id='fnref-2301-25' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>25<\/a><\/sup><\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_2310\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Europa-um1850.gif\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2310\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-2310\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Europa-um1850-300x255.gif\" alt=\"Die politische Gliederung Europas um 1850, Wikipedia\" width=\"300\" height=\"255\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2310\" class=\"wp-caption-text\">Die politische Gliederung Europas um 1850, Wikipedia<\/p><\/div>\n<h2><strong>2. Die Aufl\u00f6sung von Sayn-Wittgenstein-Sayn<\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Um unsere Geschichte zu verstehen, bedarf es eines kleinen geschichtlichen R\u00fcckblicks ins 16. bzw. 17. Jahrhundert. In der kleinen Grafschaft Sayn-Wittgenstein \u00fcbernahm 1558 <strong>Ludwig Graf von Sayn zu Wittgenstein<\/strong> (1532 geboren) mit 26 Jahren die Regentschaft. Ludwig (der \u00c4ltere) war hochgebildet, sein Tagebuch schrieb er meist in Latein. Er war aber auch ein strenger Calvinist, die Kirchen wurden in seinem Einflussbereich leer und kahl, weil er alle Bilder und die vielen Reliquienmemories herauswerfen lie\u00df.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_2311\" style=\"width: 271px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Graf-Ludwig-von-Sayn-zu-Wittgenstein.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2311\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-2311\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Graf-Ludwig-von-Sayn-zu-Wittgenstein-261x300.jpg\" alt=\"Ludwig Graf zu Sayn von Wittgenstein Ludwig der \u00c4ltere 1532-1605; Wikimedia \" width=\"261\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Graf-Ludwig-von-Sayn-zu-Wittgenstein-261x300.jpg 261w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Graf-Ludwig-von-Sayn-zu-Wittgenstein.jpg 506w\" sizes=\"(max-width: 261px) 100vw, 261px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2311\" class=\"wp-caption-text\">Ludwig Graf zu Sayn von Wittgenstein<br \/>Ludwig der \u00c4ltere 1532-1605; Wikimedia<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Pers\u00f6nlich neigte er zum Pietismus und war sehr tolerant gegen religi\u00f6s Verfolgte. Er lebte bescheiden, unterhielt aber einen kostspieligen Hof und war ein leidenschaftlicher Baumeister. Damit war er ein Kind seiner Zeit. Wie alle die damaligen Barockf\u00fcrsten\u00a0 lebte er in einer Art Schizophrenie. Pietistisch-Puritanisch-Calvinistisch in seiner ganz pers\u00f6nlichen Lebensf\u00fchrung, in Aus\u00fcbung seines Amtes aber immer ma\u00dflos und ohne R\u00fccksicht auf die Belastungen f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung. Als Nebenprodukte haben wir allerdings\u00a0 heute viele Sch\u00e4tze der Kunst und Architektur.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Mehrere Jahre ernannte ihn der Pf\u00e4lzer Kurf\u00fcrst zu seinem Gro\u00dfhofmeister (und damit auch zu seinem Stellvertreter). Graf Ludwig hatte von zwei Frauen neun S\u00f6hne, von denen aber nur drei die Kindheit \u00fcberlebten: Georg, Ludwig und Wilhelm. Mit Unterst\u00fctzung des Pf\u00e4lzer Kurf\u00fcrsten regelte Graf Ludwig noch vor seinem Tod (1605) seine Nachfolge f\u00fcr seine S\u00f6hne.<strong> <em>Georg wurde Berleburg als Stammsitz zugewiesen und wurde damit zum Haupt der gr\u00e4flichen Linie Sayn-Wittgenstein-Berleburg.<sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-26' id='fnref-2301-26' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>26<\/a><\/sup> Ludwig erhielt Hohenstein und begr\u00fcndete damit die gr\u00e4fliche Linie Sayn -Wittgenstein &#8211; Hohenstein. Wilhelm wurde Erbe des Sayner Grafen Heinrich IV., dessen Nichte Anna Elisabeth er heiratete und so die gr\u00e4fliche Linie Sayn-Wittgenstein-Sayn mit der Sayner Burg als Stammsitz gr\u00fcndete.<\/em><\/strong><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\"> Nach dem Wiener Kongress wurden die Berleburger und die Hohensteiner in die Liste des deutschen reichsunmittelbaren (nur dem Kaiser zugeordneten) Altadels eingetragen.<sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-27' id='fnref-2301-27' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>27<\/a><\/sup><br \/>\nDie Sayner jedoch hatten sich bereits aufgel\u00f6st.[ebd. Grafen und Herren, 64\/Sayn] Diese Geschichte begann nach dem Tod des letzten Sayner Grafen Heinrichs IV.<sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-28' id='fnref-2301-28' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>28<\/a><\/sup> Die Kurf\u00fcrsten von Trier, K\u00f6ln und der Pfalz nahmen den Tod des alten Grafen Heinrich (1606) zum Anlass, um ihre Territorialanspr\u00fcche auf die Grafschaft Sayn mit Gewalt und sp\u00e4ter auf juristischem Wege \u00fcber das Reichskammergericht durchzusetzen. Die Auseinandersetzungen und Machtanspr\u00fcche zogen sich \u00fcber f\u00fcnfzig Jahre hin und endeten schlie\u00dflich nach dem Frieden zu M\u00fcnster\u2013Osnabr\u00fcck, wo der Haupterbin, der Gr\u00e4fin Luisa Juliane,<sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-29' id='fnref-2301-29' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>29<\/a><\/sup> f\u00fcr ihre beiden T\u00f6chter Ernestina und Johannette das Erbe zugesprochen wurde. Aber \u00fcber deren Eheschlie\u00dfungen wurde die Grafschaft Sayn nicht nur geteilt, sondern l\u00f6ste sich schlie\u00dflich in den n\u00e4chsten hundert Jahren Schritt f\u00fcr Schritt in der deutschen Kleinstaaterei auf.<sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-30' id='fnref-2301-30' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>30<\/a><\/sup> Als es 1815 zum Gebietstausch zwischen Nassau und Preu\u00dfen kam <sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-31' id='fnref-2301-31' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>31<\/a><\/sup>,wurden Bendorf, Sayn und M\u00fclhofen endg\u00fcltig preu\u00dfisch.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">In Sayn hatten die Jahre ihre Spuren hinterlassen. Die Eigentumsverh\u00e4ltnisse wechselten mit den politischen Ver\u00e4nderungen. Die alte Burg, <sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-32' id='fnref-2301-32' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>32<\/a><\/sup> nun im Besitz der preu\u00dfischen Krone als Rechtsnachfolger des Trierer Kurstaates, zerfiel nach und nach. Das Anwesen am Fu\u00df des Burgberges, das lange Zeit der Trierer Beamtenfamilie von Reiffenberg geh\u00f6rt hatte, war 1753 durch Heirat an die Grafen Boos von Waldeck gelangt, die umfangreiche Umbauten durchf\u00fchrten.<\/span><\/p>\n<h2>3. <span style=\"color: #000000;\">Die R\u00fcckkehr nach Sayn<\/span><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Auf seinen Reisen hatten F\u00fcrst Ludwig Adolph Friedrich zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg und seine Gattin Leonilla Koblenz besucht, wobei zum preu\u00dfischen Statthalter Kronprinz Wilhelm und seiner Gemahlin Augusta freundschaftliche Beziehungen gewachsen waren. Dabei haben die Wittgensteins auch Sayn, den urspr\u00fcnglichen Stammsitz ihrer Familie besucht. Der Burgberg mit seiner weiten Aussicht auf den Rhein hat sie wohl sehr beeindruckt, so dass in ihnen der Gedanke reifte, sich in Sayn niederzulassen.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_2313\" style=\"width: 530px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Burgruine-Sayn-Atich-von-Tombleson-1832_-Wikipedia.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2313\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-2313\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Burgruine-Sayn-Atich-von-Tombleson-1832_-Wikipedia-300x207.jpg\" alt=\"Burgruine Sayn 1832, Stich von Tombleson; Wikimedia\" width=\"520\" height=\"359\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Burgruine-Sayn-Atich-von-Tombleson-1832_-Wikipedia-300x207.jpg 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Burgruine-Sayn-Atich-von-Tombleson-1832_-Wikipedia-1024x706.jpg 1024w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Burgruine-Sayn-Atich-von-Tombleson-1832_-Wikipedia.jpg 1280w\" sizes=\"(max-width: 520px) 100vw, 520px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2313\" class=\"wp-caption-text\">Burgruine Sayn 1832, Stich von Tombleson; Wikimedia<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Als der Koblenzer Landrat, <strong>Graf Boos von Waldeck<\/strong>, die Absicht zeigte, sein Sayner Anwesen zu verkaufen, ergriff F\u00fcrst Ludwig Friedrich die Gelegenheit, das Waldecksche Rittergut, mit allen L\u00e4ndereien, Rechten und benachbarten Liegenschaften zu kaufen. Am 20. Juli 1848 wurde in Koblenz der Kaufvertrag f\u00fcr 125.000 Taler unterzeichnet. Ganz im Sinne der Rheinischen Burgenromantik und in der Hoffnung in Sayn die \u201eAuferstehung\u201c einer weiteren Burg zu erm\u00f6glichen, schenkte der preu\u00dfische K\u00f6nig Friedrich Wilhelm IV. am 30. September 1848 Ludwig Adolph Friedrich F\u00fcrst zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg die alte Burgruine.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\"> Eigentlich hatte Wilhelm IV. diese Schenkung bereits an General Peter vorgesehen, war aber durch dessen Tod daran gehindert worden.<sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-33' id='fnref-2301-33' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>33<\/a><\/sup> Nun konnte er die Schenkung gegen\u00fcber dessen \u00e4ltesten Sohn vornehmen. Die ersten Planungen, die alte Burgruine zu einem gro\u00dfen Schloss umzubauen, mussten aus Kostengr\u00fcnden aufgegeben werden. Stattdessen wurde der franz\u00f6sische Architekt Girard, den der F\u00fcrst bei seinen Pariser Aufenthalten kennengelernt hatte, mit dem Umbau des Waldeckschen Herrenhauses zu einem repr\u00e4sentativen Schloss beauftragt.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\"> Ludwig Adolph Friedrich und Leonilla \u201eschwammen in Kapital\u201c, aber dieses Geld befand sich bis auf kleinere Grundst\u00fccke in Russland und zwar meist gebunden in Liegenschaften, Wertpapieren und Einkommensrechten. Um sich nicht durch eine Kapitalausfuhrsperre des Zaren zu blockieren, \u00fcbertrug Friedrich seinen russischen Besitz an seinen in Russland bleibenden Sohn Peter aus erster Ehe.<sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-34' id='fnref-2301-34' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>34<\/a><\/sup> An Peter wurde der gesamte v\u00e4terliche und m\u00fctterliche Besitz in Russland \u00fcbertragen. Nur das Gut Kamenka fiel erst nach dem Tod Friedrichs an die Erbmasse. Auch die weiteren Darstellungen beziehen sich weitgehend auf den Artikel von Spies. Nach dem Primogenit\u00e4tsrecht (Erbrecht des erstgeborenen Sohnes) konnte dadurch ein Einspruch des Zaren umgangen werden. Vertraglich wurde Peter verpflichtet, die K\u00e4ufe der Liegenschaften in Deutschland und den neuen Haushalt des F\u00fcrsten zu finanzieren. Aber f\u00fcr diesen Kapitaltransfair von Russland nach Preu\u00dfen gab es f\u00fcr Ludwig Adolph Friedrich mehr Schwierigkeiten als er voraussehen konnte.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><strong>Neben seiner Absicht, den vor 250 Jahren verloren gegangenen Stammsitz Sayn zur\u00fcckzugewinnen, wollte Friedrich seinen S\u00f6hnen (aus zweiter Ehe) durch Grundbesitz die standesm\u00e4\u00dfige Versorgung in Deutschland und die Standesrechte einer reichsst\u00e4ndischen Adelsfamilie sichern.<\/strong> Deshalb hatte er bereits 1855 mit den Berleburger und Wittgensteiner F\u00fcrstenh\u00e4usern einen Vertrag abgeschlossen, durch den er als Chef der ausgestorbenen Familienlinie Sayn-Wittgenstein-Sayn anerkannt werden sollte. Hilfsweise war in einem zweiten Vertrag vorgesehen, durch die \u00dcbertragung der Herrschaft Homburg, die zur alten Grafschaft Sayn geh\u00f6rt hatte, die Anspr\u00fcche zu untermauern. Zur Realisierung dieses Vorhabens geh\u00f6rte die Vereinbarung von 1859 mit dem letzten Carlsburger<sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-35' id='fnref-2301-35' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>35<\/a><\/sup> Christian Ludwig Carl Wilhelm Friedrich, Graf zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg-Carlsburg, wodurch dieser an F\u00fcrst Ludwig Friedrich alle Rechte eines Oberhauptes der Speziallinie Sayn-Wittgenstein-Berleburg-Carlsburg \u00fcbertrug. Alle diese Vertr\u00e4ge waren mit detaillierten Zahlungsverpflichtungen abgesichert.<sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-36' id='fnref-2301-36' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>36<\/a><\/sup><\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_2314\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Russischer-Rubel-1723-Wikipedia.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2314\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-2314\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Russischer-Rubel-1723-Wikipedia-300x167.jpg\" alt=\"Russischer Rubel 1723; Wikipedia\" width=\"300\" height=\"167\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Russischer-Rubel-1723-Wikipedia-300x167.jpg 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Russischer-Rubel-1723-Wikipedia.jpg 886w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2314\" class=\"wp-caption-text\">Russischer Rubel 1723; Wikipedia<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Der \u201eErbverbr\u00fcderungsvertrag\u201c (so Spies) der Wittgensteiner verlangte aber nach der Rechtslage die<strong> Bildung eines Fideikommissvertrages<\/strong> f\u00fcr die erneuerte Familienlinie Sayn-Wittgenstein-Sayn, der den Familienbesitz (Geld, Liegenschaften, Rechte) f\u00fcr den jeweiligen Haupterben sch\u00fctzte und vor (der fr\u00fcher \u00fcblichen) Erbteilung sicherte. Nach dem Vertrag von 1855 zwischen den Wittgensteinern sollte das vorgesehene Fideikommisskapital f\u00fcr die erneuerte Grafschaft Sayn-Wittgenstein-Sayn folgende Posten umfassen:<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\"> Ausgel\u00f6ste Wittgensteiner Erbanspr\u00fcche in H\u00f6he von 200.000 fl.; die Besitzt\u00fcmer und Liegenschaften der Seitenlinien Carlsburg und Ludwigsburg, die damit aus der Hauptlinie Sayn \u2013 Wittgenstein-Berleburg ausschieden; die Liegenschaften in Sayn und 425.000 Taler bares Kapital zum Ankauf weiterer Liegenschaften.<\/span><\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">F\u00fcrst Ludwig Friedrich hatte aber noch h\u00f6here Ziele. Er wollte f\u00fcr die erneuerte Adelsfamilie Sayn \u2013 Wittgenstein &#8211; Sayn die Anerkennung als reichsunmittelbarer Adel im Sinne der alten \u201eReichsherrlichkeit\u201c und damit die Gleichwertigkeit mit den Grafschaften Sayn\u2013Wittgenstein-Berleburg und Sayn\u2013Wittgenstein\u2013Hohenstein. Gewisserma\u00dfen sollte so die dritte Hauptfamilie der Sayn-Wittgensteiner restauriert werden.<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Doch dazu bedurfte es in jedem Fall der Anerkennung durch den preu\u00dfischen K\u00f6nig, da hier Recht des Deutschen Bundes ber\u00fchrt wurde. Deshalb wurde der Vertrag von 1855 zu seiner Rechtsg\u00fcltigkeit an die Bedingung gekn\u00fcpft, \u201eda\u00df der K\u00f6nig von Preu\u00dfen ihn best\u00e4tigt und dem F\u00fcrsten Ludwig (Adolph Friedrich) als Chef der in seiner Person gestifteten dritten Hauptlinie des F\u00fcrstlichen Gesamthauses eine gleiche st\u00e4ndische Berechtigung, wie solche f\u00fcr die Hauptlinien Sayn-Wittgenstein-Hohenstein und Sayn-Wittgenstein-Berleburg anerkannt wurden und \u00fcberhaupt diejenigen Vorrechte, welche durch Art. XVI. der Deutschen Bundesacte vom 8ten Juni 1915 und \u00a723 und 43 der Wiener-Congress-Acte vom 9ten Juni 1815, so wie durch die sp\u00e4tere Bundesgesetzgebung den H\u00e4uptern der vormals reichsst\u00e4ndischen H\u00e4user zugesichert sind, mit dem Rechte der Vererbung auf seine m\u00e4nnliche Nachkommenschaft aus ebenb\u00fcrtigen Erben nach den Grunds\u00e4tzen der Primogenitur-Ordnung verleiht.\u201c <sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-37' id='fnref-2301-37' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>37<\/a><\/sup>. Mit anderen Worten, die erneuerte dritte Hauptlinie Sayn-Wittgenstein-Sayn sollte in die Rechtsnachfolge der aufgel\u00f6sten Grafschaft Sayn-Wittgenstein-Sayn treten.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Hier bedarf es einer Erl\u00e4uterung. Bereits Napoleon hatte durch das Instrument der Mediadisierung (Mittelbarkeit bzw. Unterstellung), den vielen kleinen Landesherrschaften ihre Reichsunmittelbarkeit genommen.(Rheinbundakte). Mit dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 wurden deshalb unter dem franz\u00f6sischen Einfluss nicht nur die geistlichen Herrschaften aufgel\u00f6st (S\u00e4kularisierung), sondern auch diese Mediadisierung legalisiert, um den vielen reichsunmittelbaren Landesherrschaften (deutsche Kleinstaaterei) ihre politische Autonomie zu nehmen. Auf dem Wiener Kongress 1815 wurde diese Mediadisierung in einer Bundesakte gesetzlich verankert. Der Deutsche Bund bestand nun aus den souver\u00e4nen K\u00f6nigreichen (sowie einigen gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten), w\u00e4hrend alle anderen bisherigen F\u00fcrsten und Grafen sowie die anderen reichsunmittelbaren St\u00e4dte unterstellt waren.\u00a0 In der Bundesakte wurden aber auch die Rechte der Mediadisierten festgeschrieben, wozu die Standesrechte (Titel, Namen und Erbrecht), Eigentumsrechte und eigenes Hausrecht geh\u00f6rten.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\"> F\u00fcrst Ludwig Adolph Friedrich wollte also wieder in die Gruppe der mediadisierten Landesherren aufgenommen werden. Deshalb beantragte er sofort nach dem Abschluss des Vertrages von 1855 beim preu\u00dfischen K\u00f6nig Wilhelm IV. die Genehmigung des Wittgensteiner Vertrages und die reichsst\u00e4ndige Anerkennung der neuen Hauptlinie Sayn \u2013 Wittgenstein \u2013 Sayn. <strong>Doch die Antwort des Preu\u00dfischen Staatsministeriums musste wie eine eiskalte Dusche gewirkt haben.<\/strong> Das Ministerium gab zwar am 8. Januar 1857 seine Genehmigung zum Abschluss eines Fideikommissvertrages, verwies aber die reichsst\u00e4ndische Anerkennung an die Zustimmung der deutschen Bundesversammlung. Vorsorglich wies das Preu\u00dfische Staatsministerium in demselben Schreiben mit ausf\u00fchrlicher Begr\u00fcndung darauf hin, dass die Anerkennung der \u201eReichsherrlichkeit\u201c (also als ehemals regierende Landesherrschaft) nach seiner Ansicht nicht zu erbringen sei. Das Ministerium bemerkte, dass der letzte Graf zu Sayn-Wittgenstein-Sayn sein reichsst\u00e4ndisches Gebiet und alle Anspr\u00fcche auf die Grafschaft Sayn gegen Rentenanspr\u00fcche an Baden und die H\u00e4user Nassau verkauft habe.<sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-38' id='fnref-2301-38' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>38<\/a><\/sup> <span style=\"color: #000000;\">Deshalb habe es bei der Reichsbildung 1802 nur die beiden Grafschaften Wittgenstein\u2013Berleburg und Wittgenstein-Hohenstein als reichsst\u00e4ndische H\u00e4user gegeben und nur diese seien in der Bundesakte als solche aufgef\u00fchrt. Eine neue Verleihung k\u00e4me aber nicht in Betracht. Diese Entscheidung des Preu\u00dfischen<\/span> <span style=\"color: #000000;\">Staatsministeriums beruhte auf der Unterscheidung zwischen \u00f6ffentlichem und privatem Recht. Privat kann F\u00fcrst Ludwig Adolph Friedrich sein Erbe ordnen und f\u00fcr seine Erben sichern, auch seinen Verdiensttitel \u201eF\u00fcrst\u201c[ 41.Im Unterschied zu den regierenden F\u00fcrsten und Grafen war der verliehene Titel \u201eF\u00fcrst\u201c lediglich eine Ehrung wie ein Orden, konnte aber vererbt werden. Deshalb fiel er nicht auf die Ausnahmeregel der Weimarer Verfassung sondern wurde wie alle anderen Adelstitel annulliert, wie sp\u00e4ter erl\u00e4utert wird.] kann er f\u00fchren und vererben (da dieser nicht aufgrund von alten Rechten sondern aufgrund von Verdiensten dem General Peter und seinen Nachkommen verliehen wurde); aber daraus k\u00f6nnen keine (neuen) \u00f6ffentlichen Anspr\u00fcche und Rechte entstehen \u2013 so argumentiert das Ministerium ohne Wenn und Aber.[Alles bei Spies, Gr\u00fcndung.] Gegen diese Einlassung des Preu\u00dfischen Staatministeriums hatte F\u00fcrst Ludwig Adolph Friedrich keine Argumente. <strong>Der R\u00fcckweg f\u00fcr die neue Hauptlinie Sayn-Wittgenstein-Sayn in die Gemeinschaft des verbrieften reichsunmittelbaren Adels war verschlossen.<\/strong> Deshalb verzichtete F\u00fcrst Ludwig auf einen Einspruch und konzentrierte sich nun auf den Abschluss eines einfachen Fideikommissvertrages f\u00fcr das Schloss Sayn und seine Liegenschaften. Zwar gaben die Chefs der beiden Wittgensteinschen Hauptlinien ihre Zustimmung zum Namen \u201ezu Sayn-Wittgenstein-Sayn\u201c, aber F\u00fcrst Ludwig Friedrich hatte Schwierigkeiten, die auf dem Saynschen Besitz liegenden Verbindlichkeiten zu tilgen, da der Kapitalzufluss aus Russland stockte. Die vorhandene Kapitalsubstanz war f\u00fcr drei Fideikommisse auch viel zu klein. Am 31. Oktober 1860 schrieb der Prinzregent Wilhelm als Statthalter der preu\u00dfischen Rheinprovinz, da\u00df \u201edie Best\u00e4tigung der Familienstiftungen erst dann erfolgen kann, wenn die Familien-Fideikommisse vollst\u00e4ndig errichtet, von dem kompetenten Fideikomi\u00dfgericht best\u00e4tigt, und die Provinzialbeh\u00f6rden \u00fcber die in denselben getroffenen autonomischen Bestimmungen geh\u00f6rt worden sind; da\u00df ich jedoch geneigt bin, nach Erledigung dieser Bedingungen die Best\u00e4tigung zu ertheilen.\u201c<sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-39' id='fnref-2301-39' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>39<\/a><\/sup> Dann macht der Statthalter noch eine bedeutsame Anmerkung: \u201eDie Beilegung (&gt; im Sinne von \u00dcbernahme) besonderer Familiennamen durch die Fideikommi\u00dfinhaber (&gt;also die Erben) wird nur unter der Voraussetzung best\u00e4tigt werden k\u00f6nnen, da\u00df \u00b4daraus f\u00fcr die zu gr\u00fcndenden Spezial-Linien und deren Chefs eine staatsrechtlich mehr bevorzugte Stellung, als die, welche Eurer Liebden f\u00fcr Ihre Peron und Besitzungen zusteht, nicht herzuleiten ist.\u201c<sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-40' id='fnref-2301-40' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>40<\/a><\/sup> In der preu\u00dfischen Kanzleisprache hie\u00df das: Die Erben tragen denselben Namen wie der Erblasser und haben auch denselben Rang.<strong> Nach der Standeshierarchie der neuen Zeit haben die Erben des Fideikommisses Sayn-Wittgenstein-Sayn keinen Anspruch auf Rang und Titel des ehemals reichsunmittelbaren Adels.<\/strong> F\u00fcrst Ludwig Friedrich wurde von seinen Juristen geraten, auch diese Pl\u00e4ne aufzugeben, und lediglich einen Fideikommiss f\u00fcr den \u00e4ltesten Sohn (und dessen Nachfolger) und auch nur auf den schuldenfreien Besitz des Rittergutes Sayn zu beantragen. Am 23. September 1861 traf die Urkunde ein, \u201eso da\u00df das Rittergut Sayn als unver\u00e4u\u00dferlicher Familienbesitz rechtlich abgesichert war; Ludwig F\u00fcrst zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg durfte sich von nun an \u201ezu Sayn-Wittgenstein-Sayn\u201c nennen. Er musste sich au\u00dferdem verpflichten, 1.575.000 Rubel aus Russland nach Preu\u00dfen zu transferieren, daf\u00fcr Liegenschaften zu kaufen und diese in das Fideikommisskapital einzubringen. <strong>Damit war die dritte Hauptlinie des Hauses Sayn \u2013 Wittgenstein erneuert, doch die standesrechtliche Anerkennung als (ehemals) reichsst\u00e4ndischer Adel blieb ihr verwehrt.<\/strong> K\u00f6nig Wilhelm von Preu\u00dfen blieb aber seinem Freund Ludwig Adolph Friedrich treu und verlieh ihm (gewisserma\u00dfen als Trost) das pers\u00f6nliche und erbliche Recht eines Mitgliedes im preu\u00dfischen Herrenhaus.<sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-41' id='fnref-2301-41' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>41<\/a><\/sup><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\"> F\u00fcrst Ludwig Adolph Friedrich zu Sayn-Wittgenstein-Sayn, einer der reichsten M\u00e4nner Europas,<sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-42' id='fnref-2301-42' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>42<\/a><\/sup> starb am 20. Juni 1866 in Cannes. Seine Nachkommen konnten noch lange von seinen Besitzt\u00fcmern in ganz Europa ganz gut leben.<\/span><\/p>\n<h2>4. Exkurs: Erbfolge<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Um Besitz und Namen f\u00fcr die n\u00e4chsten Generationen zu sichern, hatte der europ\u00e4ische Adel mehrere juristische Instrumente. Die <strong>Primogenitur<\/strong> (Erbrecht des Erstgeborenen) und der <strong>Fideikommiss<\/strong> (Bildung einer unteilbaren Erbmasse) wurden bereits erw\u00e4hnt. Ebenso wichtig war die <strong>Legitimit\u00e4t<\/strong>, wonach nur die Kinder aus legal geschlossener Ehe in die Erbfolge einbezogen wurden. Durch Hausgesetze konnten die Familien (Linien) Einzelheiten festlegen; z.B. die Einbeziehung von Frauen in die Erbfolge oder die Erbfolge bei Ausfall des Erstgeborenen. Besonders wichtig war auch das Prinzip der <strong>Ebenb\u00fcrtigkeit<\/strong>, also die (komplizierten und territorial unterschiedlichen) Regeln f\u00fcr eine standesgem\u00e4\u00dfe Heirat. Eine Ehe, die nicht den Regeln der Ebenb\u00fcrtigkeit entsprach, galt als \u201eMissehe\u201c (bzw. morganatische Ehe). Sie f\u00fchrte oft zum Verlust der Erbfolge und des Adelsnamens. Zu erw\u00e4hnen ist hier die Stiftung von <strong>interessenorientierten Ehen<\/strong>. In der K\u00f6niglich-Kaiserlichen Monarchie \u00d6sterreich-Ungarn galt der Grundsatz: \u201eAlii pugnant tu autem felix Austria nube\u201c (die anderen m\u00f6gen Kriege f\u00fchren, du aber gl\u00fcckliches \u00d6sterreich heirate). Durch die Heiratspolitik entstanden quer durch ganz Europa Verwandtschaftsbeziehungen, die aber keineswegs verhinderten, dass man bei entsprechender Interessenlage die V\u00f6lker in den Krieg trieb. Die so genannten Erbfolgekriege haben halb Europa nicht nur einmal verw\u00fcstet. Manchmal war auch die Stimmungslage des verwandtschaftlichen oder des allgemein politischen Umfeldes entscheidend, ob aus \u201eb\u00fcrgerlichem Blut blaues Blut\u201c entstehen konnte. Alexander Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Sayn erw\u00e4hnt in seinem Buch \u201eSayn \u2013 Ort und F\u00fcrstenhaus\u201c ein Beispiel solcher \u201eAdelsheilungen\u201c: Friedrich zu Sayn-Wittgenstein-Sayn war Rittmeister im 2. Preu\u00dfischen Garde-Dragonerregiment und galt als \u201eeiner der beliebtesten Kavaliere des Berliner Hofes. W\u00e4hrend des Krieges gegen Frankreich wurde durch irgendeinen Zufall bekannt, da\u00df er sich ohne Einwilligung des Chefs seines Hauses und seiner milit\u00e4rischen Vorgesetzten mit einer jungen Berlinerin Pauline Lilienthal, einer der sch\u00f6nen Schwestern Lilienthal` heimlich verheiratet hatte. Das Kammergericht erkl\u00e4rte die Ehe 1871 f\u00fcr ung\u00fcltig, und die beiden Kinder, die ihr entsprossen waren, bekamen vom alten Kaiser am 3. Juli 1876 den Adel unter dem Namen `v. Falkenberg`. Dem Prinzen wurden seine S\u00fcnden vergeben, er diente bis zum Major bei den Kasseler Husaren fort, aber dann verschenkte er (1876) sein Herz zum zweiten Male, diesmal allerdings wenigstens unter Wahrung der Gesetzesvorschriften, an ein b\u00fcrgerliches M\u00e4dchen, an die Schauspielerin Fr\u00e4ulein Wilhelmine Hagen: Jetzt wurde er in einen `Grafen von Altenkirchen`verzaubert, aber nachdem er gro\u00dfe G\u00fcter in Ru\u00dfland geerbt hatte und russischer Untertan geworden war, nahm ihn der Zar unter die F\u00fcrsten seines Reiches auf, und auf diesem Wege erhielt er seinen alten Namen und Titel wieder, freilich nicht mehr die Zugeh\u00f6rigkeit zum hohen deutschen Adel \u2013 was den munteren und witzigen alten Herrn durchaus nicht weiter schmerzte.\u201c<\/span><sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-43' id='fnref-2301-43' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>43<\/a><\/sup><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\"> Die franz\u00f6sische Sprache als Verkehrssprache erm\u00f6glichte Bindungen \u00fcber alle Staatsgrenzen hinweg. Die europ\u00e4ische Kultur und das einheitliche Bildungssystem (wozu eine intensive Spracherziehung geh\u00f6rte) waren allgemeine Grundlage f\u00fcr den reibungslosen Austausch \u00fcber alle Grenzen hinweg. \u00a0 Der letzte Trierer Kurf\u00fcrst Clemens Wenzeslaus lernte am S\u00e4chsischen Hof als Kind Franz\u00f6sisch, Latein, Griechisch und Italienisch. Um Polnisch zu lernen, bekam er zwei polnische Pagen als Spielgef\u00e4hrten. Von den Chronisten wird eigens erw\u00e4hnt, dass er sp\u00e4ter Briefe in Deutsch schreiben konnte. Vom preu\u00dfischen K\u00f6nig Friedrich II. ist bekannt, dass er Deutsch nur sporadisch sprach.\u00a0 Deshalb konnte die deutsche Prinzessin Katharina Gemahlin des russischen Thronfolgers werden und sich am russischen Hof auch mit allen unterhalten. Die so genannte Prinzenreise (Kavalierstour) geh\u00f6rte zum System der Erziehung des Hochadels, um Kontakte zu kn\u00fcpfen und Erfahrungen zu sammeln. <\/span><sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-44' id='fnref-2301-44' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>44<\/a><\/sup><br \/>\n.<br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Es gab au\u00dferdem viele Schlupfl\u00f6cher, um \u201enotorische Mi\u00dfheiraten\u201c zu heilen,<sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-45' id='fnref-2301-45' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>45<\/a><\/sup> wobei bei Frauen die \u201eHeilung\u201c leichter war als bei M\u00e4nnern. Nach dem Grundsatz \u201eRitters Weib hat Ritters Recht\u201c wurde eine nichtadlige Frau geadelt, wenn sie einen adligen Mann heiratete. Aus einer Frau Anneliese Meier konnte so eine Gr\u00e4fin werden. Umgekehrt verlor eine adlige Frau durch Heirat eines nichtadligen Mannes alle Recht aus ihrem adligen Stand. Dies galt jedenfalls generell f\u00fcr den ganzen niederen Adel.<sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-46' id='fnref-2301-46' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>46<\/a><\/sup>Nach dem Allgemeinen Landrecht von Preu\u00dfen 1794 bedurfte es auch der vorherigen Genehmigung des K\u00f6nigs, wenn ein Mitglied des H\u00f6heren und Hohen Adels eine Adoption vornehmen wollte, bei der die Ebenb\u00fcrtigkeit nicht gegeben war.<\/span><\/p>\n<h2>5. Niedergang einer Familie<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">F\u00fcrst Ludwig Adolph Friedrich hatte aus seiner ersten Ehe mit Comtesse Stefania Radziwill 2 Kinder: <strong>Peter und Marie.<\/strong> Aus der Ehe mit Leonilla kamen als lebende Kinder: <strong>Friedrich, Ludwig und Alexander<\/strong> sowie <strong>Antoinette<\/strong>. Nach dem Willen des Vaters, war Peter in Russland geblieben und sollte hier das Verm\u00f6gen (inklusive die Besitzrechte der ganzen Familie) verwalten. Marie heiratete in den deutschen und Antoinette in den italienischen Hochadel. Mit allen vier S\u00f6hnen aber gab es massive Probleme: Frauengeschichten, Mangel an sozialer Verantwortung, Verschwendung des Verm\u00f6gens, Pleiten und Prozesse. Der ererbte Reichtum <\/span><span style=\"color: #000000;\">verf\u00fchrte zu einem bequemen und verschwenderischen Leben. Je st\u00e4rker sich auch in der europ\u00e4ischen Adelsgesellschaft die \u201eromantische Ehe\u201c,<sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-47' id='fnref-2301-47' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>47<\/a><\/sup> also die Ehe aus beiderseitiger Liebe, durchsetzte, umso anf\u00e4lliger wurde das System der standesgem\u00e4\u00dfen Heirat. Die adlige Namensgebung t\u00e4uschte die fr\u00fcher den Titeln zugrundeliegende gesellschaftliche Aufgabe und soziale Verantwortung nur noch vor. In Wirklichkeit lebten die bedeutungslos gewordenen Adelsfamilien oft nur noch f\u00fcr ihren Besitz, ihre Familie, ihre Karriere, ihren Ruhm und ihre Hobbys \u2013 also so wie viele andere Menschen auch. Jedenfalls war dies ein unaufhaltsamer Trend. Dass nicht nur nach den Weltkriegen der Wiederaufbau der Familienburgen und \u2013schl\u00f6sser \u2013 also die Pflege und Restauration des eigenen Besitzes &#8211; zu einer Aufgabe im Rahmen der Denkmalpflege wurde, damit einen besonderen gesellschaftlichen und kulturellen Wert erhielt, war vielleicht sogar ein Gl\u00fccksfall. Es ist nicht Aufgabe dieser Studie Familieninterna im Stil der Regenbogenpresse darzustellen. Deshalb sollen, um die ganze Dramatik der Entwicklung besser zu verstehen, nur einige Beispiele wiedergegeben werden, die Alexander, Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Sayn, selbst erz\u00e4hlt.<sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-48' id='fnref-2301-48' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>48<\/a><\/sup> <strong>Peter<\/strong> <strong>F\u00fcrst zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg<\/strong>, verwaltete zun\u00e4chst sehr erfolgreich die riesigen G\u00fcter seines Vaters, die er in Russland \u00fcbernommen hatte. Wie sein Gro\u00dfvater wurde er Offizier im russischen Heer. Doch als ihn der Zar als Milit\u00e4rattach\u00e9 nach Paris schickte, verliebte er sich in Rosalie L\u00e9on, Schauspielerin und Model der Pariser Hautevolee. Er baute ihr ein Schloss in der Bretagne und ist verliebt bis in beiden Ohren. Als sie aus Lebensdruss Suizid begeht, trauert er bis zu seinem Tod 1887. Das zweite Beispiel ist <strong>Alexander F\u00fcrst zu Sayn-Wittenstein-Sayn.<\/strong> Dieser heiratete nach dem Tod seiner ersten Frau die Erzieherin seiner Kinder (Helene Kr\u00f2likowska) und musste deshalb auf Erbfolge und Namen verzichten.<sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-49' id='fnref-2301-49' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>49<\/a><\/sup> Als Graf von Hachenburg f\u00fchrte er dann ein abenteuerliches Leben. Mit 60 Jahren mel<\/span>dete er sich beim Ausbruch des ersten Weltkrieges bei einem J\u00e4gerregiment. Geld auszugeben, war einer seiner Lebensinhalte. Doch wie Ph\u00f6nix aus der Asche fand Alexander st\u00e4ndig neue Geldquellen und neue Aufgaben. Seine Leidenschaft war die Familiengeschichte, weshalb er Schloss Friedewald wieder aufbaute, das einst der letzte Sayner Graf Heinrich IV. f\u00fcr seine Geliebte gebaut hatte, die er allerdings sp\u00e4ter hier im Keller einsperrte. Alexander war volksverbunden und engagierte sich in vielen Vereinen. In Hachenburg liebt man ihn bis heute. Zum 75. Todestag des Grafen am 15. August 2015 lud der Hachenburger Geschichtsverein zu Gottesdienst und Festveranstaltung mit vier Vortr\u00e4gen ein. Das dritte Beispiel ist <strong>Friedrich Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Sayn<\/strong>, der wegen seiner hohen Verschuldung aus der Erbfolge gestrichen werden musste. Dazu musste nach der Rechtlage der preu\u00dfische K\u00f6nig zu Hilfe herangezogen worden, um die Ver\u00e4nderung der Erbfolge zu legalisieren. <sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-50' id='fnref-2301-50' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>50<\/a><\/sup> Der Autor erz\u00e4hlt auch die Geschichte von seinem Onkel <strong>Ludwig,<\/strong> wie dieser von seinem Bruder Friedrich die Leitung des Fideikommisses \u00fcbernahm, aber sich schon nach kurzer Zeit in die sch\u00f6ne Amalie Lilienthal verliebte. Doch Leonilla gefiel ihre neue Schwiegertochter. Das Paar wurde festlich empfangen und durfte in Sayn eine gl\u00fcckliche Ehe f\u00fchren. Sie machten viele Reisen, bis Ludwig ganz pl\u00f6tzlich 1876 in Rom starb. \u201eAls die Witwe mit dem Leichnam ihres Mannes wenige Tage sp\u00e4ter nach Sayn zur\u00fcckkehrte, waren die T\u00fcren des Schlosses bereits auf Veranlassung ihres Schwagers Friedrich versiegelt. Generalverwalter Strau\u00df hatte die strikte Anweisung, ihr das Betreten des Schlosses, auch ihrer Privatgem\u00e4cher, zu versagen. F\u00fcrstin Amalie musste im Hotel Ball \u00fcbernachten. Verbittert \u00fcber diesen Affront, beschlo\u00df sie kurzerhand, ihren verstorbenen Mann nicht in der Familiengruft unter der Schlo\u00dfkapelle, sondern auf dem Sayner Friedhof zu begraben. Die Bev\u00f6lkerung kam geschlossen zu Beerdigung am 9. M\u00e4rz 1876, um sich von ihrem F\u00fcrsten zu verabschieden. Kein einziges Mitglied der Familie war erschienen. <sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-51' id='fnref-2301-51' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>51<\/a><\/sup><br \/>\nAlle vier S\u00f6hne liebten und lebten in vollen Z\u00fcgen, hatten f\u00fcr ihre Liegenschaften Verwalter, so dass sie nicht gebunden waren und gro\u00dfe Reisen machen konnten; lie\u00dfen sich (wie es \u00fcblich war) gern in ihren Uniformen mit allen Orden und die Frauen in luxuri\u00f6sen Kleidern malen und fotografieren, reisten in der Welt herum und genossen es, sich als bedeutende Pers\u00f6nlichkeiten hofieren zu lassen. F\u00fcr das einfache Volk waren sie gerade deshalb Ikonen, die man verehrte, wurden oft zu Idolen eigener Sehns\u00fcchte.<\/p>\n<h2>6. Egalisierung der Standesgesellschaft<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">In Russland wurde der Adel seit der Machtergreifung durch die Bolschewiki vertrieben und umgebracht, nach der politischen Wende aber wieder restauriert. In Deutschland wurden durch die Sozialdemokraten die \u00f6ffentlich-rechtlichen Vorrechte des Standes zum 11. August 1919 abgeschafft: \u201eAdelsbezeichnungen gelten nur als Teil des Namens und d\u00fcrfen nicht mehr verliehen werden.\u201c (Artikel 109 der Weimarer Verfassung). Ehemaligen regierenden F\u00fcrsten wurde jedoch zugestanden, den Titel \u201eF\u00fcrst\u201c zu Lebzeiten (wie eine Leibrente) zu f\u00fchren, ohne dass dieser allerdings vererbt werden konnte. Bei dem von den Linksparteien in Deutschland geforderten Volksentscheid \u00fcber die \u201eAbschaffung des F\u00fcrstenverm\u00f6gens, der am 20. Juli 1920 durchgef\u00fchrt wurde, konnte die geforderte absolute Mehrheit nicht erreicht werden. Deshalb wurden die Eigentumsfragen administrativ geregelt. In der DDR wurde eine Entwicklung \u00e4hnlich wie in der Sowjetunion eingeleitet.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\"> In \u00d6sterreich (wie auch in den Nachfolgestaaten der k.k. Monarchie) war man durch das Adelsaufhebungsgesetz vom 3. April 1919 radikaler, indem die Adelsnamen g\u00e4nzlich abgeschafft und unter Strafe verboten wurden .<\/span> <sup class='footnote'><a href='http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/die-rueckkkehr-der-russischen-wittgenstein-nach-deutschland\/#fn-2301-52' id='fnref-2301-52' onclick='return fdfootnote_show(2301)'>52<\/a><\/sup><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\"> Durch die neue Gesetzgebung wurde auch die Familie zu Sayn-Wittgenstein-Sayn ber\u00fchrt. In Sayn war F\u00fcrst Stanislaus zu Sayn-Wittgenstein-Sayn von den Neuerungen 1919 betroffen. Da sein F\u00fcrstentitel, den die Familie von General Peter geerbt hatte, eine Ehrenauszeichnung war (kein Titel f\u00fcr fr\u00fchere Regierungsgewalt), fiel er nicht unter den Vorbehalt der Verfassung und entfiel auch f\u00fcr ihn. Die Familie zu Sayn-Wittgenstein-Sayn hatte nun lediglich einen besonderen Namen, gewisserma\u00dfen in Erinnerung an fr\u00fchere Zeiten \u00e4hnlich wie die M\u00fcller-Hohenstein oder Weber-Goldschmied; der Ehrentitel Prinz bzw. Prinzessin als Teil des Namens, konnte wie ein Trostpflaster bzw. Abschiedsgeschenk der deutschen Sozialdemokratie wirken. In der n\u00e4chsten Generation der Sayner Familie gab es allerdings eine bemerkenswerte Entwicklung. Ludwig Heinrich Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Sayn heiratete Marianne Mayr-Meinhof eine \u00d6sterreicherin, die nach \u00f6sterreichischem Recht ihren Adelstitel bereits verloren hatte. Durch die Heirat \u00fcbernahm aber nach reichsdeutschem Recht die Ehefrau den Namen ihres Mannes, und hie\u00df nun Marianne Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein-Sayn, den sie aber in \u00d6sterreich nicht f\u00fchren darf. In der Regenbogenpresse wurde breit gewalzt, dass Marianne Sayn-Wittgenstein-Sayn bei den Salzburger Festspielen Aufsehen erregte, als sie forderte, mit\u201c ihre Durchlaucht\u201c angeredet zu werden.\u00a0 Dennoch hat sich die Familie zu Sayn-Wittgenstein-Sayn neue, allgemein anerkannte Verdienste, mit der Restaurierung des Burgbergs, mit dem Schmetterlingspark und dem Wiederaufbau des Sayner Schlosses erworben. Neben g\u00fcnstigen Faktoren wie die erheblichen \u00f6ffentlichen Mittel, die Wandlungsm\u00f6glichkeit von Grundst\u00fccken in Bauland und die zeitweilige \u00dcbertragung von \u00f6ffentlichen Aufgaben, haben Engagement und ein erfolgreiches Gesch\u00e4ftsgebaren der ganzen Familie zum Erfolg beigetragen. Dies wei\u00df die \u00d6ffentlichkeit zu sch\u00e4tzen.<\/span><\/p>\n<h2>Ausblick<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">In Deutschland ist durch das neue Namens-, Kindes- und Adoptionsrecht einer breiten Liberalisierung T\u00fcr und Tor ge\u00f6ffnet. Auch der Titel \u201eF\u00fcrst\u201c ist nicht gesch\u00fctzt und wenn er von dem jeweiligen \u201eChef\u201c einer Adelsfamilie gebraucht wird, hat dies keinerlei \u00f6ffentlich-rechtliche Bedeutung, denn sp\u00e4testens beim n\u00e4chsten Gang zum Rathaus muss der F\u00fcrstentitel zu Hause bleiben. In Deutschland ist es niemandem verwehrt, sich einen vornehmen Namen an die Haust\u00fcr zu heften, sofern dieser nicht \u00f6ffentlich-rechtlich, also amtlich, gebraucht wird. Doch der Widerspruch zwischen gesetzlicher Wirklichkeit (nur Name) und gesellschaftlichem Anspruch (Rang) ist offensichtlich. Das rege Interesse an Adelsgeschichten im Volk (und deshalb auch in den regenbogenfarbigen Medien) und die wachsende Bedeutungslosigkeit der jahrhundertealten Standesgesellschaft sind zwei v\u00f6llig parallellaufende Entwicklungen. Die Globalisierung von \u00d6ffentlichkeit und Politik l\u00e4sst aber eher vermuten, dass die Einordnung der Adelswelt in den Unterhaltungssektor zunehmen wird. Je mehr Adelstitel zum Begehr von finanzkr\u00e4ftigen Menschen (also legale Handelsware) werden, umso bedeutungsloser werden sie im realen Leben.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_2273\" style=\"width: 480px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Wiederaufgebaures-Schloss-sayyn-Wikipedia.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2273\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-2273\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Wiederaufgebaures-Schloss-sayyn-Wikipedia-300x200.jpg\" alt=\"Wiederaufgebautes Schloss Sayn; Wikipedia 4.11.2015\" width=\"470\" height=\"313\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Wiederaufgebaures-Schloss-sayyn-Wikipedia-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Wiederaufgebaures-Schloss-sayyn-Wikipedia-1024x683.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 470px) 100vw, 470px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2273\" class=\"wp-caption-text\">Wiederaufgebautes Schloss Sayn; Wikipedia 4.11.2015<\/p><\/div>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<br \/>\nAlle Rechte dieser Studie bleiben beim Autor. Einer privat-unkommerziellen Verwendung wird zugestimmt.<br \/>\nDieter Kittlau\u00df, Koblenz-Olper-Stra\u00dfe 115, 56170 Bendorf \/Rhein;<br \/>\nTel. 0 \/ 2622 \/ 13551 ;Email: dieter.kittlauss@online.de<br \/>\nWebseiten: www.bendorfer-lehrhaus.de (privat); www.bendorf-geschichte.de (GGH)<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; Hintergrund Die Aussiedlung der Seitenlinie Sayn-Wittgenstein-Berleburg-Ludwigsburg nach Russland und deren (teilweiser) R\u00fcckkehr nach Deutschland ist ein Teil\u00a0 deutscher Geschichte und auch f\u00fcr die Heimatgeschichte bedeutsam. Mit dieser kleinen Studie wurde ein lesbarer Gesamt\u00fcberblick erstellt. 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