{"id":2236,"date":"2015-10-01T14:17:06","date_gmt":"2015-10-01T12:17:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/?p=2236"},"modified":"2015-12-14T16:50:12","modified_gmt":"2015-12-14T15:50:12","slug":"zehn-wegweisungen-fuer-die-roemische-synode-im-oktober-2015","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/zehn-wegweisungen-fuer-die-roemische-synode-im-oktober-2015\/","title":{"rendered":"Zehn Theologische Wegweisungen f\u00fcr die R\u00f6mische Synode im Oktober 2015"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Synode-10-67678035132644696605.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-2237\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Synode-10-67678035132644696605-300x226.jpg\" alt=\"Synode 10 67678035132644696605\" width=\"300\" height=\"226\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Synode-10-67678035132644696605-300x226.jpg 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Synode-10-67678035132644696605.jpg 615w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>1. <strong>Nicht den Splitter im Auge des anderen sondern den Balken im eigenen sollst du sehen<\/strong>, wird uns in einem Jesuswort gesagt. Der Prophet aus Nazareth wusste um das Geheimnis der Ver\u00e4nderung im individuellen und gesellschaftlichen Leben. Sie muss immer bei jedem einzelnen anfangen. Auch wenn ich mit Berechtigung den Zeigefinger auf den Gegen\u00fcber zeige, werden immer drei Finger auf mich selbst zur\u00fcckweisen. F\u00fcr die Synodalen in Rom hei\u00dft diese Mahnung, das eigene Leben zu sichten \u2013 individuell und gruppenbezogen. Also wie ist es mit dem Leben und Treiben der Kardin\u00e4le, Erzbisch\u00f6fe, Bisch\u00f6fe, Pr\u00e4laten und Monsignori \u2013 bis hin zu den Pastoren vor Ort? Wie ist es mit dieser M\u00e4nnerkaste in ihren wohl geschneiderten kostbaren Gew\u00e4ndern, geschm\u00fcckt mit Ringen und edlen Kreuzen, viele schon jenseits des m\u00e4nnlichen Klimakteriums? <!--more-->Ob sich diese Hirten und Oberhirten Gedanken machen \u00fcber sich selbst, \u00fcber die eigene Sexualit\u00e4t wie \u00fcber ihre Sehns\u00fcchte? Oder sind es nur die anderen, die im Blick sind? Denn auch hier gilt das Sana te ipsum, das Sich-selbst-Heilen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2.<strong> Das sp\u00e4tantike Judentum kannte sowohl die Ehe zwischen Mann und Frau wie deren Scheidung<\/strong>; beides war rechtlich und durch die Tradition geregelt. Auch die Frau konnte eine Ehescheidung erreichen, aber in der Praxis war der Mann bevorteilt, denn die Frau war danach rechtlich nicht mehr abgesichert. Gegen diese Praxis wandte sich Jesus von Nazareth und stellt sich auf die Seite der Frauen; dabei beruft er sich auf die biblisch tradierte Sch\u00f6pfungsordnung. Je mehr sich die christliche Kirche der gesellschaftlichen Umwelt anpasste, umso mehr entfernte sie sich von der Forderung Jesu. Die Frau wurde zum Objekt ihres Ehemannes. Hier kann die Synode heute ansetzen und sich f\u00fcr den jeweils Schw\u00e4cheren in der Beziehung von zwei Menschen einsetzen. Denn christliches Denken verlangt den Schutz des bzw. der Schw\u00e4cheren, gerade auch dann, wenn eine Beziehung zerbricht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3. <strong>Nach dem biblischen Menschenbild soll der Mensch nicht allein sein<\/strong>; deshalb sucht der Mann eine Frau und die Frau lebt mit einem Mann. Sie tragen f\u00fcr einander Verantwortung, werden durch die sexuelle Vereinigung wie zu einem Fleisch und geben an ihre Kinder ihr Leben weiter. Die j\u00fcdischen Theologen interpretierten die alten Texte sogar als Weg zum Menschsein, der f\u00fcr jeden gilt und dies ohne Ausnahme. Die christliche Kirche hat diesen Weg verlassen. Am Anfang war es die erwartete Erneuerung der Sch\u00f6pfung, die diesen Weg gewisserma\u00dfen au\u00dfer Kraft setzte; wie vor einem nahenden Krieg gab es Wichtigeres zu tun, um sich zu retten. Doch als die Sonne weiterhin ihre Bahn zog, wurde der Ausnahmezustand zur Normalit\u00e4t. Nun war der Idealtyp des Menschen der Single und dies zum Wohlgefallen Gottes. Hier kann die Synode eine Korrektur setzen, gewisserma\u00dfen den urspr\u00fcnglichen Weg des Menschseins wieder in Kraft setzen. Gott will nicht, dass du allein lebst. Du sollst Dir eine Partnerin oder einen Partner suchen, um die Liebe zu leben. Und wenn dir das nicht gelingt, dann suche dir andere Menschen. Was aber z\u00e4hlt, ist nur die Liebe. Deshalb will Gott nicht, dass du allein lebst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">4. <strong>Du sollst Gott lieben und die Menschen um dich auch<\/strong>, das ist die Grundbotschaft der j\u00fcdischen Tradition, der sich die christliche Kirche gleicherma\u00dfen verpflichtet wei\u00df. Das hei\u00dft nicht, dass es auf viele andere Dinge nicht ankommt, sehr wohl aber ist eine abgestufte Wertigkeit gemeint. Der reuige Beter am Kircheneingang und der barmherzige Samariter sind die biblischen Vorbilder. Auch muss wieder verstanden werden, dass von den kirchlichen Vorschriften, Geboten und Lehren zun\u00e4chst und \u00fcberhaupt nicht die Rede ist. Die Synodalen sind aufgerufen, die Dinge wieder vom Kopf auf die F\u00fc\u00dfe zu stellen, wenn sie \u00fcber Sexualit\u00e4t und Partnerschaft nachdenken. Am Wichtigsten ist bei allem die Liebe, dass sie nicht verloren geht oder aber zu neuem Leben erweckt wird. Die Synodalen sollen Herolde sein f\u00fcr die Verbindung von Sexualit\u00e4t und personaler W\u00fcrde. F\u00fcr das Wie der sexuellen Beziehung ist seine Bindung an personale Begegnung zu hinterfragen. Das blo\u00dfe Wie des sexuellen Vollzugs geht die Kirchenvorsteher nichts an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">5. D<strong>u sollst keine anderen G\u00f6tter neben mir haben<\/strong>, ist die Grundweisung der Thora. Die Rabbinen wussten, dass damit nicht mehr wie fr\u00fcher nur Marduch und Adonis gemeint waren. Das Goldene Kalb in der Nachw\u00fcstenzeit ist die Gier nach Macht, Besitz und Sex, wurden sie nicht m\u00fcde zu verk\u00fcnden. Die Synodalen sind in der gro\u00dfen Gefahr, in die s\u00fcndige Blindheit ihrer Vorg\u00e4nger im Bischofsamt zu fallen. Es ist nicht ihre Aufgabe, den Zugang zur Kommunionbank zu regeln, das ist allein Sache der Betroffenen und ihrer Gemeinden. Aber sehr wohl sollen die Synodalen aufrufen zu Barmherzigkeit und Gro\u00dfherzigkeit und daran erinnern, dass keiner sich auf Jesus von Nazareth berufen kann, wenn er den M\u00fcden und Beladenen schwere Lasten aufl\u00e4dt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">6. <strong>Die Patriarchen der biblischen Urgeschichte waren Urzeugen des Glaubens und lebten doch mit mehreren Frauen zusammen.<\/strong> Die romantische Ehe von einem Mann und einer Frau, die sich lieben und zwar ausschlie\u00dflich, kannten sie noch nicht. Der Apostel Petrus war verheiratet, nicht aber der hl. Paulus. Dessen Sch\u00fcler Timotheus wollte nur verheirateten M\u00e4nnern, die sich in Ehe und Erziehung bew\u00e4hrt hatten, ins Vorsteheramt seiner Gemeinden berufen. Weil der Mail\u00e4nder Bischof Ambrosius in seinen Predigten den jungen Frauen abriet zu heiraten, sperrten die M\u00fctter lieber ihre T\u00f6chter w\u00e4hrend dessen Gottesdienste ein. In der Feudalordnung des christlichen Mittelalters wurde dem Gutsherren das Recht des ersten Geschlechtsverkehrs mit den leibeigenen M\u00e4gden zugestanden, bevor er diese mit einem Knecht verheiratete. Bis heute ist in adligen Kreisen nicht selten die Ehe ein Zweckb\u00fcndnis zur Vermehrung von Besitz und Einfluss und im gegenw\u00e4rtigen Deutschland werden mehr als 50% der Ehen wieder geschieden. Die Synodalen sollten sich vor einer Phantomdiskussion h\u00fcten, als ob sie Patentrezepte f\u00fcr menschliche Beziehungen w\u00fcssten. Was von ihnen erwartet wird, sind Verst\u00e4ndnis, Realit\u00e4tssinn und Sensibilit\u00e4t f\u00fcr das oft so komplexe Leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">7. <strong>Unter euch soll es nicht so sein<\/strong>, hei\u00dft es in einem Jesuswort; gemeint sind Gewalt; Unterdr\u00fcckung, Unterwerfung; modern gesagt: Dialogische Strukturen und Kommunikation sollen in christlichen Gruppen das Miteinander bestimmen. Die Geschichte der Christenheit zeigt leider ein anderes Bild. Nicht immer, aber meistens. Auch der hintergr\u00fcndige Machtanspruch geh\u00f6rt dazu, das Urteilen, Anweisen und Verurteilen im Namen Gottes, der geistliche Machtanspruch, die Berufung auf eine fiktive Vollmacht. Dar\u00fcber sollten die Synodalen nachdenken und diskutieren, ob und wie eine Wende m\u00f6glich ist, wie es der freundliche Papst wohl will. Auch die Wiedergutmachung geh\u00f6rt dazu, Den Ver\u00e4ngstigten, Verjagten und Gesch\u00e4ndeten ins Gesicht schauen, an den Gr\u00e4bern der Toten trauern, zumindest den guten Willen zeigen. Falls das reicht. Denn auch wenn uns verziehen wird, bleiben die Folgen oft an unseren Fu\u00dfsohlen kleben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">8. <strong>Nicht den Splitter im Auge des anderen sondern den Balken im eigenen sollst du sehen<\/strong>, wird uns in einem Jesuswort gesagt. Der Prophet aus Nazareth wusste um das Geheimnis der Ver\u00e4nderung im individuellen und gesellschaftlichen Leben. Sie muss immer bei jedem einzelnen anfangen. Auch wenn ich den Zeigefinger mit Berechtigung auf den Gegen\u00fcber zeige, werden immer drei Finger auf mich selbst zur\u00fcckweisen. F\u00fcr die Synodalen in Rom hei\u00dft diese Mahnung, das eigene Leben zu sichten \u2013 individuell und gruppenbezogen. Also wie ist es mit dem Leben und Treiben der Kardin\u00e4le, Erzbisch\u00f6fe, Bisch\u00f6fe, Pr\u00e4laten und Monsignori \u2013 bis hin zu den Pastoren vor Ort? Wie ist es mit dieser M\u00e4nnerkaste in ihren wohl geschneiderten kostbaren Gew\u00e4ndern, geschm\u00fcckt mit Ringen und edlen Kreuzen, viele schon jenseits des m\u00e4nnlichen Klimakteriums? Ob sich diese Hirten und Oberhirten Gedanken machen \u00fcber sich selbst, \u00fcber die eigene Sexualit\u00e4t wie \u00fcber ihre Sehns\u00fcchte? Oder sind es nur die anderen, die im Blick sind? Denn auch hier gilt das Sana te ipsum, das Sich-selbst-Heilen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">9. <strong>\u00dcber zweihundert Jahre lang lie\u00dfen sich die Geistlichen Kurf\u00fcrsten von Trier nicht weihen, um dem Z\u00f6libat zu entgehen,<\/strong> und der letzte, Wenceslaus von Sachsen, lie\u00df sich weihen, weil er in der Kaiserlichen Armee keine Karriere machen konnte. Er war ein frommer Mann, aber hatte keinerlei Skrupel, sich mehrere Bischofs\u00e4mter zu erkaufen, obwohl bereits Papst Gregor VII. den \u00c4mterkauf verboten hatte und das Konzil von Trient dieses Verbot erneut eingesch\u00e4rft hatte. Dreihundert Jahre zuvor jagte die Kirchenversammlung von Konstanz unter dem Schutz des Deutschen K\u00f6nigs drei P\u00e4pste davon. Hundert Jahre sp\u00e4ter starb Papst Julius II., der drei T\u00f6chter zeugte und als Gr\u00fcnder des Kirchenstaates in die Geschichte einging; noch mehr aber wurde er unsterblich, weil Michelangelo den Kopf dieses Papstes, den das Volk den Schrecklichen nannte, als Vorbild f\u00fcr den Kopf seines Moses nahm. Noch schlimmer, dass im vorigen Jahrhundert Hunderttausende von jungen Priestern zum Teufel gejagt wurden, weil sie nicht als Single leben wollten. Ist es nicht mehr als angebracht, die Synodalen zur ernsthaften \u00dcberlegung zu ermahnen, welchen Weg sie der R\u00f6mischen Kirche weisen wollen? Alles und wirklich alles, ist auch in der christlichen Kirche geschichtlich geworden. Vielleicht sollten sich die Synodalen nach biblischer Sitte ein Band um die Stirn binden, auf dem das Pauluszitat geschrieben steht: Das Gute behaltet, das Schlechte aber werft weg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">10. <strong>Singt dem Herrn ein neues Lied<\/strong>, singen die jungen Leute in Taiz\u00e9. Es ist das uralte Lied des Neuen Weges, der Neuen Sch\u00f6pfung und des Neuen Sauerteigs. In all diesen Bildern klingt das Ja zu Vertrauen und Liebe. Es ist das Lied der Freiheit und der Aufruf zum Nicht-Stehen-Bleiben. Ob die Synodalen in dieses Lied mit einstimmen oder wieder die alte Leier lauthals singen? Die alte Leier von Kondomen und Verboten, von der selbst nicht bew\u00e4ltigten Sexualit\u00e4t? Die alte Melodie vom Neid auf Gl\u00fcck und nie gelebte Jugend? Dann w\u00e4re es besser, diese alten M\u00e4nner w\u00fcrden ihr Haupt verh\u00fcllen und vor sich hin das Kyrie Eleison murmeln. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt. Vielleicht wird es dieser R\u00f6mischen Kirche doch noch einmal geschenkt, dass die Fenster ge\u00f6ffnet werden, damit die Strahlen der Sonne Staub und Moder vertreiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/anfang-1024x682.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-2238\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/anfang-1024x682-300x200.jpg\" alt=\"anfang-1024x682\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/anfang-1024x682-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/anfang-1024x682.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Nicht den Splitter im Auge des anderen sondern den Balken im eigenen sollst du sehen, wird uns in einem Jesuswort gesagt. 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