{"id":2197,"date":"2014-11-18T16:49:13","date_gmt":"2014-11-18T15:49:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/?p=2197"},"modified":"2016-01-18T17:48:54","modified_gmt":"2016-01-18T16:48:54","slug":"hommage-auf-den-trierer-priester-heinrich-deborre","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/hommage-auf-den-trierer-priester-heinrich-deborre\/","title":{"rendered":"Hommage auf den Trierer Priester Heinrich Deborre"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_2198\" style=\"width: 225px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Heinrich-Passbild-1200aa-dpi.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2198\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-2198\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Heinrich-Passbild-1200aa-dpi-215x300.jpg\" alt=\"Heinrich Deborre *23.8.1924 + 30.7.2014. Katholischer Priester der Di\u00f6zese Trier. Religionslehrer am Gymnasium. Nach seiner Pensionierung ehrenamtlich als Seelsorger in unterschiedlichen Brennpunkten. Vielen jungen Menschen war er Lehrer und Wegbegleiter. Seine Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler haben ihm als Nachruf geschrieben: &quot;Wir danken dir und danken Gott, dass es dich gab!&quot;\" width=\"215\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Heinrich-Passbild-1200aa-dpi-215x300.jpg 215w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Heinrich-Passbild-1200aa-dpi.jpg 734w\" sizes=\"(max-width: 215px) 100vw, 215px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2198\" class=\"wp-caption-text\">Heinrich Deborre *23.8.1924 + 30.7.2014. Katholischer Priester der Di\u00f6zese Trier. Religionslehrer am Gymnasium. Nach seiner Pensionierung ehrenamtlich als Seelsorger in unterschiedlichen Brennpunkten. Vielen jungen Menschen war er Lehrer und Wegbegleiter. Seine Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler haben ihm als Nachruf geschrieben: &#8222;Wir danken dir und danken Gott, dass es dich gab!&#8220;<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eTue, was Du musst, sieg oder stirb, und \u00fcberlass Gott die Sache\u201c, diesen Spruch des deutschen Freiheitsdichters Ernst Moritz Arndt m\u00f6chte ich Heinrich Deborre zurufen, der am 30. Juli 2014 in Trier im Alter von 90 Jahren gestorben ist.<br \/>\nIch lernte Heinrich Deborre nach seiner Pensionierung als Religionslehrer an einem Trierer Gymnasium kennen. Ein Leben lang hatte er junge Menschen gef\u00fchrt. In einer eigenen Traueranzeige nennen ihn ehemalige Sch\u00fcler \u201eeinen wunderbaren Menschen und eine gro\u00dfe Pers\u00f6nlichkeit.\u201c Heinrich Deborre verstand sich als katholischer Priester, Lehrer und Seelsorger. Spiritualit\u00e4t, Theologie und F\u00fchrung junger Menschen waren ihm immer ein Anliegen. <!--more-->Als staatlicher Beamter musste er sich mit 65 Jahren pensionieren lassen, obwohl er noch voller Vitalit\u00e4t war. Deshalb suchte er eine Aufgabe, wo er als Seelsorger nahe bei den Menschen war. Auf keinen Fall wollte er sich von \u201eden Leuten in Trier\u201c, so und \u00e4hnlich pr\u00e4gnant nannte er den Trierer Bischof und seine Beh\u00f6rde, \u201everheizen\u201c zu lassen. Deshalb stand er eines Tages vor meiner T\u00fcr. Heinrich Deborre hatte von dem Bendorfer Hedwig-Dransfeld-Haus geh\u00f6rt, dass es im Geist des II. Vatikanums ein Anziehungspunkt f\u00fcr Tausende suchender Menschen geworden sei und sich besonders in der M\u00fcttergenesung um gestresste und ausgelaugte Frauen k\u00fcmmerte. \u201eHier w\u00e4re mein Platz\u201c, sagte er; \u201eer w\u00fcrde nichts kosten, denn er habe eine staatliche Pension; nur ein Zimmer brauche er\u201c. Nach mehreren Gespr\u00e4chen, auch mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, kam der Kontrakt zustande. Heinrich Deborre wurde Mitglied des Teams im M\u00fctterkurheim, dem Gussie-Adenauer-Haus. \u201cDas tun, wozu er gebraucht w\u00fcrde und sich in das Team eingliedern\u201c, hatte ich ihm als Goldene Regel auf den Weg gegeben. Keinesfalls wollten wir einen katholischen Pfarrer haben, der alles in der Hand hatte und alles nach seinem Willen regulierte. Es war ein Gl\u00fccksfall, dass Heinrich Deborre in der Heilp\u00e4dagogin Edith M\u00fcngersdorf, eine ehemalige Ordensschwester, eine Partnerin und Freundin fand. Sie erleichterte ihm den Einstand in die neue Rolle. Das Gussie-Adenauer\u2014Haus hatte als Schwerpunkt Frauen in einer akuten Krisensituation. Deshalb war ein qualifiziertes Team wichtig. Maria Baldus (\u2020), die Leiterin und Seele des Hauses, war Sozialarbeiterin und Ehebraterin mit internationaler Erfahrung; Dr. Stefan Hoblea, Rum\u00e4niendeutscher, war Psychologe mit dem Schwerpunkt f\u00fcr weibliche Sexualit\u00e4t; zwei Sozialarbeiterinnen und drei PhysiotherapeutInnen komplettierten das Team. F\u00fcr Spezialaufgaben wurden Fachkr\u00e4fte von au\u00dfen dazu geholt. In 10 Vierwochenkuren wurde versucht, jeweils 50 Frauen in einer so genannten Kurzeittherapie so zu stabilisieren, dass sich eine langfristige klinische Therapie er\u00fcbrigte und die Behandlung zu Hause ambulant fortgesetzt werden konnte. Innere Mitte des Therapieprozesses war die Gruppe. Wesentlich war es auch, dass Druck und Zwang entfielen. Die Frauen sollten es wieder lernen, eigene Entscheidungen zu suchen und Erfahrungen im Miteinander zu machen. F\u00fcr Heinrich Deborre war das alles nicht unbedingt neu, denn er brachte solide Kenntnisse in der Gespr\u00e4chsf\u00fchrung mit. Aber, um es ganz ehrlich zu sagen, es gab auch viele Konflikte mit ihm. Als Priester und Seelsorger nicht immer und \u00fcberall f\u00fcr das Religi\u00f6se zust\u00e4ndig zu sein, war wohl die schwerste Lernherausforderung. Ich kann mich erinnern, dass wir uns ab und zu in meinem B\u00fcro heftig gestritten haben. Aber langsam wurden die Konflikte weniger. Heinrich Deborre sp\u00fcrte bald, dass in dem pluralen Team jeder seine \u201eKlientinnen\u201c fand. Nach der politischen Wende wollte er wie ein Missionar in den \u201egottlosen Osten\u201c, beendete deshalb sein Engagement in Bendorf und fand eine Aufgabe in der katholischen Gemeinde in Weimar. Trotz der \u00e4u\u00dferen Trennung, haben wir uns beide immer mehr sch\u00e4tzen gelernt. Wir schrieben uns regelm\u00e4\u00dfig lange Briefe und tauschten uns \u00fcber theologische Fragen aus. Gro\u00dfe Probleme hatte er allerdings mit meinem Christusglauben, manchmal erweckte er den Eindruck, dass er um mein Seelenheil Sorge habe. Aber diese Auseinandersetzungen waren unserer Beziehung nicht abtr\u00e4glich. Als ich 1997 durch eine abscheuliche Mobbingaff\u00e4re zwangsverrentet und pers\u00f6nlich tief verletzt wurde, kam Heinrich Deborre schon nach einigen Tagen eigens nach Bendorf, um mit mir zu sprechen und mich aufzurichten. Ich denke: so war er, immer mitf\u00fchlend und bereit, im Rahmen seiner M\u00f6glichkeiten zu helfen. Als 1999 meine Frau Rosemarie (\u2020) t\u00f6dlich erkrankte, kam er zweimal von Trier zu Besuch und feierte mit uns in unserem Wohnzimmer die Eucharistie.<br \/>\nAls ich vor einigen Tagen zuf\u00e4llig von seinem Tod las, \u00fcberkam mich ein tiefes Gef\u00fchl der Dankbarkeit, dass er mir in meinem Leben begegnet war. Diese Hommage soll ein kleines Zeichen meiner Verehrung und meines Dankes sein. Er war ein Mensch, der eine \u201eunvergleichliche Art, Glauben zu leben und zu vermitteln\u201c, er \u201ehat unser aller Leben bereichert und nachhaltig gepr\u00e4gt\u201c, steht im Nachruf seiner Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler. Ich m\u00f6chte mich dieser wunderbaren Erinnerung anschlie\u00dfen.<br \/>\nDieter Kittlau\u00df<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; \u201eTue, was Du musst, sieg oder stirb, und \u00fcberlass Gott die Sache\u201c, diesen Spruch des deutschen Freiheitsdichters Ernst Moritz Arndt m\u00f6chte ich Heinrich Deborre zurufen, der am 30. Juli 2014 in Trier im Alter von 90 Jahren gestorben ist. Ich lernte Heinrich Deborre nach seiner Pensionierung als Religionslehrer an einem Trierer Gymnasium kennen. 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