{"id":218,"date":"2012-06-28T11:49:23","date_gmt":"2012-06-28T09:49:23","guid":{"rendered":"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/?p=218"},"modified":"2012-07-19T12:18:44","modified_gmt":"2012-07-19T10:18:44","slug":"von-der-villa-sayn-zum-hedwig-dransfeld-haus-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/von-der-villa-sayn-zum-hedwig-dransfeld-haus-2\/","title":{"rendered":"Von der Villa Sayn zum Hedwig-Dransfeld Haus"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"text-align: left;\" align=\"CENTER\"><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\" align=\"CENTER\">Ein Spaziergang durch 150 Jahre Bendorfer Geschichte<\/h3>\n<p>(Erstver\u00f6ffentlichung auf <a href=\"http:\/\/www.bendorf-geschichte.de\/bdf-0128.htm\">www.Bendorf-Geschichte.de<\/a>)<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"\/index.php\/von-der-villa-sayn-zum-hedwig-dransfeld-haus-2#1\">Die Bendorfer Nervenheilanstalten<\/a><\/li>\n<li><a href=\"\/index.php\/von-der-villa-sayn-zum-hedwig-dransfeld-haus-2#2\">Auf den Spuren von Dr. Brosius<\/a><\/li>\n<li><a href=\"\/index.php\/von-der-villa-sayn-zum-hedwig-dransfeld-haus-2#3\">Die &#8222;Frauen mit Hut&#8220; um Hedwig Dransfeld<\/a><\/li>\n<li><a href=\"\/index.php\/von-der-villa-sayn-zum-hedwig-dransfeld-haus-2#4\">Der Jugendbund &#8211; die 26er Generation des Frauenbundes<\/a><\/li>\n<li><a href=\"\/index.php\/von-der-villa-sayn-zum-hedwig-dransfeld-haus-2#5\">In den Wirren der Kriegsjahre<\/a><\/li>\n<li><a href=\"\/index.php\/von-der-villa-sayn-zum-hedwig-dransfeld-haus-2#6\">Der Neubeginn mit Anneliese Debray<\/a><\/li>\n<li><a href=\"\/index.php\/von-der-villa-sayn-zum-hedwig-dransfeld-haus-2#7\">Die Gr\u00fcndung des Hedwig-Dransfeld-Haus e.V.<\/a><\/li>\n<li><a href=\"\/index.php\/von-der-villa-sayn-zum-hedwig-dransfeld-haus-2#8\">Das neue Hedwig &#8211; Dransfeld &#8211; Haus<\/a><\/li>\n<li><a href=\"\/index.php\/von-der-villa-sayn-zum-hedwig-dransfeld-haus-2#9\">Das neue M\u00fcttergenesungsheim: Gussi &#8211; Adenauer &#8211; Haus<\/a><\/li>\n<li><a href=\"\/index.php\/von-der-villa-sayn-zum-hedwig-dransfeld-haus-2#10zweiter\">Offen f\u00fcr die Schwachen &#8211; Sozialarbeit im HDH<\/a><\/li>\n<li><a href=\"\/index.php\/von-der-villa-sayn-zum-hedwig-dransfeld-haus-2#11\">Bendorf &#8211; das offene Haus der \u00d6kumene<\/a><\/li>\n<li><a href=\"\/index.php\/von-der-villa-sayn-zum-hedwig-dransfeld-haus-2#12\">Der j\u00fcdisch-christliche Dialog im HDH<\/a><\/li>\n<li><a href=\"\/index.php\/von-der-villa-sayn-zum-hedwig-dransfeld-haus-2#13\">Das HDH als Kernzelle f\u00fcr Dialoge und Verst\u00e4ndigung<\/a><\/li>\n<li><a href=\"\/index.php\/von-der-villa-sayn-zum-hedwig-dransfeld-haus-2#14\">&#8222;Zu Anneliese Debray&#8220;<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><a name=\"1\"><\/a>Die Bendorfer Nervenheilanstalten<\/h3>\n<p>wir erinnern uns zun\u00e4chst an ein St\u00fcck vergessener Stadtgeschichte<\/p>\n<p>Im 18. Jahrhundert entwickelte sich Bendorf zu einer bedeutenden Industriestadt, gepr\u00e4gt vor allem durch Erzabbau, Bimsgewinnung, Eisenguss und Baustoffindustrie. Im 19. Jahrhundert setzte zus\u00e4tzlich eine ganz andere Entwicklung ein. Innerhalb weniger Jahrzehnte erwarb sich Bendorf durch seine vier Nervenheilanstalten europ\u00e4ischen Ruf. Diese Geschichte unserer Stadt ist heute weniger bekannt und stand wohl auch bisher nicht so sehr im Vordergrund des allgemeinen Interesses.<\/p>\n<p>Vier Namen begr\u00fcndeten den Ruf von Bendorf als Ort der Nervenheilkunde: Die Nerven\u00e4rzte Erlenmeyer, Brosius und Colmant und Meyer Jakoby, der Vorstand der j\u00fcdischen Synagogengemeinde.<\/p>\n<p>F\u00fcr alle Bendorfer Nervenheilanstalten gilt, dass sie auf dem Gebiet der Nervenheilkunde Pionierleistungen erbracht haben. Erinnern wir uns, da\u00df es damals \u00fcblich war, Behinderte und Geisteskranke vor der \u00d6ffentlichkeit zu verstecken. Sie galten als Gefahr und Schande, und die angewendeten Methoden waren nach unseren Ma\u00dfst\u00e4ben oft grausam und menschenunw\u00fcrdig. Die Bendorfer Nerven\u00e4rzte aber sahen in ihren Patienten Menschen, deren Leiden sie lindern und heilen wollten. Sie setzten Wasserbehandlung, Erleben der Natur, Luft- und Sonnenbehandlung, k\u00f6rperliche Bet\u00e4tigung, Ern\u00e4hrung, Gemeinschaft und Zuwendung als Therapie ein. Deshalb hatten auch alle vier Heilanstalten nicht zufallig ein gro\u00dfes Parkgel\u00e4nde. Es soll nicht verschwiegen werden, dass dieses Kurwesen damals exklusiv nur Menschen aus den verm\u00f6genden Bev\u00f6lkerungsschichten zur Verf\u00fcgung stand. Aber dies m\u00fcssen wir aus der damaligen Zeit heraus verstehen. Wir k\u00f6nnen stolz darauf sein, da\u00df gerade in Bendorf im vorigen Jahrhundert die Humanisierung der Nervenmedizin begann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><a name=\"2\"><\/a>Auf den Spuren von Dr. Brosius<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwischen Dr. Brosius und dem jetzigen Hedwig &#8211; Dransfeld &#8211; Haus (HDH) besteht ein gewisser Zusammenhang. Deshalb m\u00fcssen wir uns ihm zuwenden.<\/p>\n<div id=\"attachment_222\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-222\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-222         \" title=\"Villa Sayn\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Villa-Sayn-01-300x189.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"189\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Villa-Sayn-01-300x189.png 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Villa-Sayn-01.png 500w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-222\" class=\"wp-caption-text\">1863 kaufte Dr. Brosius die &#8222;Villa Sayn&#8220; an der Stra\u00dfe von Sayn nach dem Westerwald.(jetzt zum Hotel saniert). Wenige Jahre sp\u00e4ter erfolgte die Erweiterung durch ein Hintergeb\u00e4ude und ein Nachbarhaus (sp\u00e4ter als F\u00fcnftannenhaus bekannt)<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">1857 begr\u00fcndete der Nervenarzt Dr. Brosius die &#8222;Heilanstalt f\u00fcr Nerven- und Gem\u00fctskranke&#8220; in der Hauptstra\u00dfe (sp\u00e4ter Arztpraxis Renzel). Brosius erwarb sich schnell einen internationalen Ruf und die Nachfrage nach seinen Therapiepl\u00e4tzen war gro\u00df, soda\u00df die Klinik st\u00e4ndig erweitert werden mu\u00dfte. 1863 kaufte Dr. Brosius die &#8222;Villa Sayn&#8220; an der Stra\u00dfe von Sayn nach dem Westerwald.(jetzt zum Hotel saniert). Wenige Jahre sp\u00e4ter erfolgte die Erweiterung durch Hintergeb\u00e4ude und ein Nachbarhaus (sp\u00e4ter als F\u00fcnftannenhaus bekannt). Dr. Brosius hatte sich auf gem\u00fctskranke Frauen spezialisiert und deckte ein breites Feld \u00e4rztlicher Hilfe ab: Untersuchungen, Kurzzeittherapie, Kuren und Daueraufenthalte. In der urspr\u00fcnglichen Villa Sayn (vorderes Geb\u00e4ude) befanden sich Arztpraxis und Wohnung, im hinteren Geb\u00e4ude waren Pl\u00e4tze f\u00fcr Dauerpatientinnen, das Nachbarhaus diente f\u00fcr Kurg\u00e4ste als Badehaus und Pension. Der jetzt fast v\u00f6llig verbaute ehemalige Weinberg war damals ein weitl\u00e4ufiges Parkgel\u00e4nde mit Wegen und Ruhepl\u00e4tzen, vor allem aber mit einem sehr guten Fernblick auf das Rheintal und die Eifel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1878 begann Dr. Brosius mit dem Bau einer neuen Klinik am Stadtrand von Bendorf. M\u00f6glicherweise war die Verschmutzung von Brex und Saynbach der Hintergrund der Verlegung. Dr. Brosius kaufte am Ende des M\u00fchlentales von der Familie Remy einen betr\u00e4chtlichen Besitz und errichtete hier die Klinik &#8222;Waldesruh&#8220;. Zu dem Projekt geh\u00f6rten der auf der rechten Seite des Wenigerbaches (im Gegensatz zum Gro\u00dfbach der kleinere Bach) gelegene Ebhardsberg, der zu Beginn des 18. Jahrhunderts von dem Bendorfer Amtsverwalter Johann Arnold Ebhard sehr m\u00fchsam aufgeforstet worden war. Auf der anderen Seite geh\u00f6rte zur neuen Klinik das Berggel\u00e4nde zwischen Weniger- und Gro\u00dfbach unterhalb des J\u00fcdischen Friedhofs.<\/p>\n<div id=\"attachment_232\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-232\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-232\" title=\"Hedwig-Dransfeld Haus 01\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Hedwig-Dransfeld-Haus-01-300x189.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"189\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Hedwig-Dransfeld-Haus-01-300x189.png 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Hedwig-Dransfeld-Haus-01.png 500w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-232\" class=\"wp-caption-text\">Die Waldesruhe auf einer Postkarte. Die Aufnahme entstand um 1911. So ungef\u00e4hr sah das neue Sanatorium aus.<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dr. Brosius hatte hier, was er brauchte: Wald und unbelassene Natur, Wasser (durch die beiden B\u00e4che), Sonne (auf den Bergh\u00f6hen), Ruhe und vor allem auch Platz. Das neue Klinikum umfa\u00dfte ein Kurhaus ( Kern des jetzigen Haupthauses des HDH), ein neues Wohnhaus f\u00fcr Familie und Angestellte (jetziges Annenhaus des HDH) und auf der anderen Seite des Wenigerbaches das fr\u00fchere Remy&#8217;sche Wochenendhaus, das im Volksmund wegen des Baustils Schweizerhaus bzw. wegen der vielen Fr\u00f6sche auch Froschhaus genannt wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das neue Sanatorium erwarb zunehmend internationalen Ruf. Die Literatur berichtete von Patientinnen aus Holland, Ru\u00dfland und dem Baltikum.<\/p>\n<p>Bereits vor dem 1. Weltkrieg kaufte der Nervenarzt Dr. Zanke die Waldesruh und lie\u00df zahlreiche Umbauten durchf\u00fchren. Leider starb Dr. Zanke, der die Klinik ganz im Geist von Dr. Brosius gef\u00fchrt hatte, an den Folgen eines Unfalls, und sein Nachfolger, ein Dr. Z\u00f6llner, war den Aufgaben nicht gewachsen. Die Waldesruh wechselte nun mehrmals ihren Besitzer, bis sie schlie\u00dflich von einem Kaufmann Rezepka erworben wurde. Dieser pa\u00dfte sich dem damaligen Trend an und wollte das Anwesen zu einem Erholungsheim gestalten. Dazu arrangierte er zahlreiche Umbauten und auch eine bauliche Erweiterung. F\u00fcr seine Frau (angeblich als Vers\u00f6hnungsgeschenk nach einer Ehekrise) baute er im Hang ein Berghaus (jetziges &#8222;Haus am Berg des HDH&#8220;). Da er aber vom Kur- und Erholungswesen offensichtlich nicht viel verstand und wohl auch keine inneren Beziehungen hatte, konnte das Projekt keinen Erfolg haben. In der Folgezeit wechselte das Anwesen mehrmals den Besitzer, bis dann 1925 ein neues Geschichtskapitel begann..<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><a name=\"3\"><\/a>Die &#8222;Frauen mit Hut&#8220; um Hedwig Dransfeld<\/h3>\n<div id=\"attachment_234\" style=\"width: 244px\" class=\"wp-caption alignright\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-234\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-234\" title=\"Hedwig-Dransfeld\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Hedwig-Dransfeld-01-234x300.png\" alt=\"\" width=\"234\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Hedwig-Dransfeld-01-234x300.png 234w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Hedwig-Dransfeld-01.png 392w\" sizes=\"(max-width: 234px) 100vw, 234px\" \/><p id=\"caption-attachment-234\" class=\"wp-caption-text\">Hedwig Dransfeld wurde am 24. Februar 1871 in Hacheney bei H\u00f6rde\/Westfalen in der Oberf\u00f6rsterei ihres Vaters, Clemens Dransfeld, und dessen Frau Elise, geb. Fleischhauer, geboren.<\/p><\/div>\n<p>Im deutschen Katholizismus gab es in den zwanziger Jahren zwei zahlenm\u00e4\u00dfig gro\u00dfe Frauenverb\u00e4nde: den deutschen katholischen Frauenbund und die in den Pfarrgemeinden \u00f6rtlich organisierten M\u00fcttervereine. Der Frauenbund wurde von der Zentrale in K\u00f6ln geleitet und war im gesamten Deutschen Reich in sog. Zweigvereine gegliedert. Eine der prominentesten Gestalten des Frauenbundes mit seinen ca. 2 Millionen eingeschriebenen Frauen war die Lehrerin, Schriftstellerin und Politikerin Hedwig Dransfeld. Hedwig Dransfeld war vom Leben schwer gezeichnet Am 24. Februar 1871 geboren, wurde sie bereits mit acht Jahren Vollwaise. W\u00e4hrend ihres Studiums am K\u00f6niglichen Katholischen Lehrerinnenseminar in Paderborn erkrankte sie an Knochentuberkulose. Unter einer zweifachen Amputation (Ferse und Arm) leidet sie ihr ganzes Leben. Dennoch beendet sie das Studium erfolgreich. Sie arbeitet als Hilfslehrerin an der H\u00f6heren M\u00e4dchenschule der Ursulinen in Werl, bet\u00e4tigt sich als Journalistin, schreibt Gedichte und Geschichten f\u00fcr Kinder, legt 1897 die Schulleiterinnenpr\u00fcfung ab, \u00fcbernimmt die Redaktion der Zeitschrift ,,Die Christliche Frau&#8220;, bis sie schlie\u00dflich die F\u00fchrung des deutschen katholischen Frauenbundes \u00fcbernimmt.<\/p>\n<p>Aus eigener leidvoller Erfahrung sieht es Hedwig Dransfeld als ihr Lebenswerk an, sich f\u00fcr die Chancengleichheit der Frauen einzusetzen. Bildung und \u00f6ffentliche Verantwortung der Frauen sind Kernziele ihres Wirkens. Dass sie 1918 in die Politik geht, dann bis zu ihrem Tod 1925 als Zentrumsabgeordnete im Deutschen Reichstag wirkt, ist eine Konsequenz ihres Engagements. W\u00e4hrend ihre Weggef\u00e4hrtin, Helene Weber, die Politik als Nachholbedarf f\u00fcr Frauen betont, engagiert sich Hedwig Dransfeld mehr bildungs- und sozialpolitisch.<\/p>\n<p>Hedwig Dransfeld ist nie in Bendorf gewesen, und doch wurde ihr Name fest mit unserer Stadt verbunden. Das liegt an der Geschichte von den &#8222;Frauen mit Hut&#8220;.<\/p>\n<p>&#8222;Die Frauen mit Hut&#8220;, wie man die meist aus mittelst\u00e4ndischen Familien stammenden leitenden Damen des Frauenbundes nannte, passten gar nicht in das traditionelle Bild der &#8222;drei katholischen K: Kirche, Kinder, K\u00fcche&#8220;. Sie waren gebildet, erstaunlich offen gegen\u00fcber den Problemen ihrer Zeit, immer sozial engagiert. Besonders die Not der Frauen in Arbeiterfamilien, die am st\u00e4rksten unter den Nachkriegslasten litten, lag ihnen am Herzen. Deshalb wollten die &#8222;Frauen mit Hut&#8220; f\u00fcr die &#8222;Frauen mit Kopftuch&#8220; konkrete Hilfe leisten und gleichzeitig auch f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit ein Zeichen setzen. Bei der Generalversammlung des Frauenbundes im Jahre 1924 stellte Emma Horion im Namen der westdeutschen Zweigvereine den Antrag: &#8222;ein Heim zu gr\u00fcnden, das Erholungs- und Bildungszwecken dienen solle.&#8220;<\/p>\n<p>Die Zielgruppe waren Arbeiterfrauen aus den industriellen Ballungsgebieten. Die Idee: diesen oft ausgelaugten Frauen zwei Wochen k\u00f6rperliche und geistige Erholung, religi\u00f6se Impulse und vor allem neuen Lebensmut zu geben. Dem Antrag wurde mit gro\u00dfer Begeisterung stattgegeben. Eine Lotterie unter den katholischen Frauen Deutschlands ergab die betr\u00e4chtliche Summe von 40.000 Reichsmark. Mit diesem Geld und einem Bankdarlehen wurde am Stadtrand von Bendorf ein Anwesen gekauft: die &#8222;Waldesruhe&#8220;, die ehemalige Klinik von Dr. Brosius. Warum fiel die Wahl gerade auf Bendorf? Wir k\u00f6nnen es nur vermuten. Bendorf lag zum Ruhrgebiet verkehrsm\u00e4\u00dfig sehr g\u00fcnstig und doch zwischen Rhein und Westerwald landschaftlich sch\u00f6n. Der Stadtteil Sayn war anerkannter Luftkurort und durch das Sanatorium der Firma Krupp \u00fcberregional bekannt. Eine Rolle spielte sicherlich auch der niedrige Preis f\u00fcr das ziemlich verwahrloste Anwesen. Der Name war schnell gefunden: &#8222;Hedwig &#8211; Dransfeld &#8211; Haus&#8220; sollte das ganze Projekt hei\u00dfen, denn die gerade verstorbene Hedwig Dransfeld war mit ihrem langj\u00e4hrigen sozial &#8211; politischen Engagement aus christlicher Verantwortung Initiatorin und Vorbild f\u00fcr das gesamte Programm. Es begann sehr abenteuerlich. Die Chronisten berichten: &#8222;In das v\u00f6llig verwilderte Anwesen zogen ein: Maria Schr\u00e4der und Hedwig Scherz (mit den Schweinen Lis und Lene, dem Milchschaf Jeannette und Fridolin und Emmerentia, den Urahnen eines bald reich gefiederten H\u00fchnerhofes)&#8230;. Der Frauenbund gratulierte zum Einzug, die Bayern schenkten Porzellan, die Fuldaer Leinen, die Ostpreu\u00dfen die Bettfedern, die Oberammergauer den Zimmerschmuck und die Westfalen erste Schweine.&#8220; Die Schwerpunkte der inhaltlichen Arbeit waren vorgegeben: M\u00fcttererholung, religi\u00f6se und soziale Bildung f\u00fcr Frauen, sozialpolitische Fachtagungen des Frauenbundes und seiner Zweigvereine, liturgische Feiern, Gemeinschaft und internationaler Austausch.<\/p>\n<div id=\"attachment_235\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-235\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-235 \" title=\"Waldesruhe\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Waldesruhe-01-300x193.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"193\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Waldesruhe-01-300x193.png 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Waldesruhe-01.png 501w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-235\" class=\"wp-caption-text\">Die Waldesruhe auf einer Postkarte aus dem Jahre 1926.<br \/>So sah das Anwesen aus, als es vom Frauenbund \u00fcbernommen wurde. Rechts oben im Wald das ausgebaute Rezeptahaus. Ganz rechts unten das kleine Teehaus, das bis zum Bau der Schwarzkapelle als Gebetsraum diente. Das Hauptgeb\u00e4ude hat noch die Dachterasse und den Turm. Links am Bildrand das &#8222;Schweizer&#8220;- oder &#8222;Froschhaus&#8220;.<\/p><\/div>\n<p>Es ist deshalb sachgem\u00e4\u00df, von Bendorf als der Wiege des sp\u00e4teren Deutschen M\u00fcttergenesungswerkes zu sprechen. Mit der ganzheitlichen Sicht der Einheit von Seele, Geist und Leib wurde an die Tradition der gro\u00dfen Bendorfer Sanatorien erfolgreich angekn\u00fcpft.<\/p>\n<p>Bereits 1926 wurde das kleine Teehaus im Park durch den D\u00fcsseldorfer Architekten Rudolf Schwarz zu einer Kapelle ausgebaut. Von ihr sind vier Glasfenster, der Kreuzescorpus, der Innentabernakel, der Fu\u00df des Altars und einige Ger\u00e4tschaften in der heutigen Kapelle des Hedwig &#8211; Dransfeld &#8211; Hauses noch erhalten. Bei der gro\u00dfen Ausstellung \u00fcber Rudolf Schwarz im Sommer 1997 im K\u00f6lner Museum f\u00fcr angewandte Kunst wurde das Gesamtwerk von Rudolf Schwarz gew\u00fcrdigt. Dabei gab es auch Exponate aus der Kapelle des Hedwig -Dransfeld &#8211; Hauses zu sehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><a name=\"4\"><\/a>Der Jugendbund &#8211; die 1926 er Generation des Frauenbundes<\/h3>\n<p>Die Anspielung auf die 1968 ziger Generation l\u00e4\u00dft vielleicht am besten verstehen, was in den folgenden sieben Jahren im Bendorfer Hedwig &#8211; Dransfeld &#8211; Haus grundgelegt wurde. Der Frauenbund wurde von den &#8222;alten Damen&#8220; der Zentrale in K\u00f6ln straff gef\u00fchrt. Nach au\u00dfen fortschrittlich und sozial &#8211; politisch engagiert, doch nach innen ziemlich autorit\u00e4r wie die gesamte damalige Katholische Kirche. Wie alle Verb\u00e4nde hatte auch der Frauenbund einen Jugendverband. Er nannte sich, Jugendbund&#8220;, umfa\u00dfte naturgem\u00e4\u00df nur M\u00e4dchen und hatte seine Zentrale nicht in K\u00f6ln sondern weit weg und zwar in M\u00fcnchen. In der damaligen Zeit spielten Abzeichen und Fahnen eine gro\u00dfe Rolle. Der Jugendbund w\u00e4hlte sich das doppelte Kreuz als Abzeichen auf dem Kleid. Auf dem Banner gab es das schwarze Doppelkreuz auf wei\u00dfem Tuch. Es war die Zeit der Jugendbewegung. Natur erleben und Gemeinschaft pflegen, sich bilden und freimachen von den Zw\u00e4ngen der Erwachsenengesellschaft, neue Ideen und Visionen haben, solche Visionen beherrschten das Lebensgef\u00fchl einer ganzen Generation. F\u00fcr den Jugendbund als katholische M\u00e4dchenbewegung kam die religi\u00f6se Komponente dazu und diese hie\u00df vor allem: pers\u00f6nliche Spritualit\u00e4t, Leben in einer Gruppe, Verarbeitung moderner Theologie, Entwicklung von Gottesdiensten in erlebbarer Gemeinschaft, christliche Verantwortung in der Welt, Kirche mitgestalten und erleben.<br \/>\nDie f\u00fchrende Gestalt des Jugendbundes war \u00fcber viele Jahre Maria Buczkowska.<\/p>\n<div id=\"attachment_238\" style=\"width: 259px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-238\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-238\" title=\"Marie Buczkowska\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Marie-Buczkowska-01-249x300.png\" alt=\"\" width=\"249\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Marie-Buczkowska-01-249x300.png 249w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Marie-Buczkowska-01.png 375w\" sizes=\"(max-width: 249px) 100vw, 249px\" \/><p id=\"caption-attachment-238\" class=\"wp-caption-text\">Marie Buczkowska war die 1. Leiterin des Jugendbundes, und war u.a. im Frauenbund Bayern und im Bundesrundfunkrat t\u00e4tig; in Bendorf ist sie die geliebte &#8222;Urahne&#8220;. Ihre Nachfolgerin im Amt wurde Anna Vogt<\/p><\/div>\n<p>Sie war Dozentin an der &#8222;Sozialen Frauenschule&#8220; in M\u00fcnchen, einer Einrichtung, die auf Initiative des Frauenbundes entstanden war, und hatte gleichzeitig im Zentralvorstand des Frauenbundes das Referat Jugendbildung und Jugenderziehung inne. Eine ihrer Sch\u00fclerinnen war Anna Vogt, eine zierliche junge Frau aus T\u00fcbingen. Im Gegensatz zu Hedwig Dransfeld, Helene Weber, Albertine Brandenberg, Gerta Grabbel und den vielen prominenten Damen des Frauenbundes, die alle eine akademische Vorbildung erworben hatten, geh\u00f6rte Anna Vogt zu der Generation, die durch den 1. Weltkrieg entwurzelt wurde, Verm\u00f6gen, gesellschaftliche Stellung und meist auch ihre Partner verloren hatten. Als der Frauenbund die Idee von sozialen Frauenschulen in M\u00fcnchen, K\u00f6ln und Aachen verwirklichte, entschloss sich Anna Vogt zu der Ausbildung einer Sozialf\u00fcrsorgerin und kam so auch mit Maria Buczkowska in Kontakt. Zwischen beiden Frauen entstand eine intensive Beziehung. Als sich Maria Buczkowska auf Grund ihres Alters entschloss, die Leitung der Jugendarbeit in der Zentrale des Frauenbundes abzugeben, schlug sie Anna Vogt zu ihrer Nachfolgerin vor. Seitens der Frauenbundzentrale gab es zwar gegen\u00fcber Anna Vogt erhebliche Bedenken, da diese keine akademische Ausbildung hatte, aber schlie\u00dflich setzte sich Maria Buczkowska mit ihrem Vorschlag durch. Anna Vogt, so berichtete ihre Sekret\u00e4rin, Lotte Dichgans, war eine sehr sch\u00f6ne Frau; sie hatte blonde Locken und trug am liebsten blaue Kleider. Wichtiger aber war ihre F\u00e4higkeit, Orientierung zu geben und spirituelle Einsichten in konkretes Handeln zu \u00fcbersetzen. Dazu geh\u00f6rten die Erziehung in einer konkret erlebbaren Gemeinschaft (Gruppe) und die Selbsterziehung zu einem verantwortlichen Leben.<\/p>\n<div id=\"attachment_240\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-240\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-240\" title=\"Anna Vogt und Lotte Dichgans-Schiffler\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Anna-Vogt-und-Lotte-Dichgans-Schiffler-01-300x189.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"189\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Anna-Vogt-und-Lotte-Dichgans-Schiffler-01-300x189.png 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Anna-Vogt-und-Lotte-Dichgans-Schiffler-01.png 501w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-240\" class=\"wp-caption-text\">Im Jugendsekretariat 1926.<br \/>von links: Anna Vogt und Lotte Dichgans- Schiffler<\/p><\/div>\n<p>Als Anna Vogt erkannte, dass die Pl\u00e4ne zur Errichtung eines Frauenzentrums in Bendorf am Mittelrhein konkrete Gestalt annahmen, setzte sie durch, dass das Jugendsekretariat des Frauenbundes dorthin verlegt wurde. Dadurch wurde das Hedwig &#8211; Dransfeld &#8211; Haus im n\u00e4chsten Jahrzehnt zum religi\u00f6sen, geistigen und lebensm\u00e4\u00dfigen Mittelpunkt von ca. 200 M\u00e4dchengruppen aus dem ganzen Deutschen Reich. Anna Vogt hatte ihr Sekretariat in dem kleinen Gartenhaus und gestaltete das ehemalige Rezepkahaus zur Jugendherberge. Tausende von jungen M\u00e4dchen kamen damals nach Bendorf.<\/p>\n<p>Ostern 1933 organisierte Anna Vogt das Reichstreffen des Jugendbundes mit 900 Delegiertinnen in St. Hildegard, der Bendediktinerinnenabtei Eibingen. Ohne Gegenstimme wurde sie wieder zur Bundesf\u00fchrerin des Jugendbundes wiedergew\u00e4hlt. Damals rief Anna Vogt den M\u00e4dchen und jungen Frauen zu: &#8220; Ihr habt mich gerufen. Aber ihr wi\u00dft, dass ich es euch nicht leicht mache, dass ich unerbittlich bin. Dass ich fordere und nie von der Forderung abgehen werde. Wer h\u00f6ren wollte, hat hier, gestern und vorgestern h\u00f6ren und verstehen k\u00f6nnen, wie ich das meine. Das Entscheidende ist, dass wir verantwortlich vor dem Volk leben. Junge Frauenbewegung darf es sich niemals leisten, in sch\u00f6nen Kreisen ein selbstgen\u00fcgsames Leben zu fuhren&#8230;&#8230;&#8230;Wir m\u00fcssen Zeugnis geben, das ist das Entscheidende. Das ist die Frage an unsere Frauengeneration, ganz gleich, wie sich unser Leben auch morgen gestalten mag, da\u00df wir Zeugnis geben, wie die gro\u00dfen und starken Menschen, die in schweren Zeiten gelebt haben&#8220;.<\/p>\n<p>Anna Vogt war ma\u00dfgeblich an den Zielen des Jugendbundes beteiligt. Die Satzung tr\u00e4gt ihre Handschrift: &#8222;Wir wollen lebendige Glieder der katholischen Kirche sein. Wir wollen der Sendung dienen, zu der Gott die Frau ruft. Wir wollen die Anforderungen der Zeit erkennen in christlicher Weite und Verantwortung. Wir wollen als Deutsche arbeiten an der christlichen Gestalt unseres Volkes inmitten der V\u00f6lker.&#8220;<\/p>\n<p>Durch die nationalsozialistische Gleichschaltungspolitik und die Aufl\u00f6sung aller Verb\u00e4nde wurde die Arbeit des Jugendbundes beendet. Anna Vogt wurde schwer krank und lebte in den Folgejahren zur\u00fcckgezogen, bis sie am 26. M\u00e4rz 1943 im Alter von 46 Jahren nach langem Leiden verstarb.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><a name=\"5\"><\/a>In den Wirren der Kriegsjahre<\/h3>\n<div id=\"attachment_269\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-269\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-269 \" title=\"Anna Heidermanns\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Anna-Heidermanns-01-300x208.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"208\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Anna-Heidermanns-01-300x208.png 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Anna-Heidermanns-01.png 501w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-269\" class=\"wp-caption-text\">Anna Heidermanns (1887- 1969)<br \/>Anna Heidermanns hat ihre geistigen Kr\u00e4fte und ihr Engagement f\u00fcr die Frauenbildung im Katholischen Deutschen Frauenbund fast 50 Jahre eingesetzt. Anna Heidermanns war von Beruf Volkswirtin; sie leitete 1921 -1925 als Generalsekret\u00e4rin des Bundes die Zentrale in K\u00f6ln, in den Jahren 1926 -1940 baute sie als Dezernentin f\u00fcr Frauenfragen die Hausfrauenvereinigung des Bundes auf und machte sie zum Gespr\u00e4chspartner im politischen Raum. 1940 \u00fcbernahm sie die Leitung des HDH in Bendorf, das sie 1924 mit gegr\u00fcndet hatte. Obgleich 1948 pensioniert, verblieb sie weiterhin im HDH.<\/p><\/div>\n<p>Da Hedwig Dransfeld ihre ganze Kraft der Politik widmete, wurde 1921 Anna Heidermanns, eine diplomierte Volkswirtin, zur Generalsekret\u00e4rin des deutschen katholischen Frauenbundes gew\u00e4hlt. Als 1925 das Geld zur Besoldung fehlte, wurde Anna Heidermanns als Dozentin f\u00fcr Frauenfragen in der Hausfrauenvereinigung des Frauenbundes angestellt. Mit Helene Weber und Hedwig Dransfeld brachte sie in die deutsche Sozialpolitik die katholische Stimme ein und war eine wichtige Gespr\u00e4chspartnerin im gesamten politischen Deutschland. Mit der Beendigung aller Verbandst\u00e4tigkeit durch die nationalsozialistische Diktatur mu\u00dfte sich die Frauenarbeit in der Katholischen Kirche auf den innerkirchlichen und rein religi\u00f6sen Raum beschr\u00e4nken. Deshalb mu\u00dfte sich auch Anna Heidermanns ein anderes T\u00e4tigkeitsfeld suchen. 1940 \u00fcbernahm sie bis zu ihrer Pensionierung 1948 die Leitung des Hedwig &#8211; Dransfeld -Hauses in Bendorf, das sie mit gegr\u00fcndet hatte. W\u00e4hrend dieser Zeit war sie Mitglied des Stadtrates und des Vorstandes des Zweigvereins Bendorf des katholischen deutschen Frauenbundes.<\/p>\n<p>Die Leitung des Hedwig &#8211; Dransfeld &#8211; Hauses verlangte von Anna Heidermanns ihren ganzen Einsatz. Das Haus spiegelte mit seinen unterschiedlichen Verwendungszwecken die damaligen Wirren wieder: Lazarett, Entbindungsheim, Fl\u00fcchtlingsst\u00e4tte, Notunterkunft. Unz\u00e4hligen Menschen gab Anna Heidermanns Lebenshilfe. In der Festschrift zum 50. Jubil\u00e4um des Hedwig &#8211; Dransfeld &#8211; Hauses wird sie als &#8222;weise&#8220; Frau benannt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><a name=\"6\"><\/a>Der Neubeginn mit Anneliese Debray<\/h3>\n<div id=\"attachment_270\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-270\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-270\" title=\"Anneliese Debray\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Anneliese-Debray-02-300x208.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"208\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Anneliese-Debray-02-300x208.png 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Anneliese-Debray-02.png 501w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-270\" class=\"wp-caption-text\">Anneliese Debray (1911 &#8211; 1985) verk\u00f6rpert in besonderer Weise die neue Generation: attraktiv, belesen, eloquent, hochbegabt, F\u00fchrungsf\u00e4higkeit, spirituell, theologisch denkend, weltoffen.<\/p><\/div>\n<p>Wie \u00fcberall im Nachkriegsdeutschland begann man auch im Hedwig &#8211; Dransfeld &#8211; Haus mit dem Wiederaufbau. Diese Geschichte ist auf das engste mit Anneliese Debray verbunden. Anneliese Debray wurde am 30. Mai 1911 in L\u00fcnen in Westfalen geboren. Der Vater, ein k\u00fcnstlerisch begabter Mensch, war Kaufmann. Die Mutter starb schon 1918 und lie\u00df drei kleine Kinder als Waisen zur\u00fcck. Fr\u00fchzeitig lernte Anneliese Debray die H\u00e4rten des Lebens kennen und musste f\u00fcr die beiden j\u00fcngeren Geschwister Fritz und Monika Verantwortung \u00fcbernehmen. Um der Familie aus wirtschaftlicher Not zu helfen, brach Anneliese Debray ihre Schulbildung am Gymnasium ab und lie\u00df sich zur Sekret\u00e4rin mit Fremdsprachenkenntnissen ausbilden. In Bonn, dem sp\u00e4teren Wohnsitz der Familie, lernte Anneliese Debray den Jugendbund des katholischen deutschen Frauenbundes kennen und identifizierte sich schon bald mit dessen Zielen und Idealen. Besonders Anna Vogt beeinflusste das Denken und die Spiritualit\u00e4t von Anneliese Debray. Durch Vermittlung ihrer fr\u00fcheren Schuldirektorin, einer Ursulinin, erhielt sie in Hamburg in der \u00d6lwirtschaft eine Stelle als Chefsekret\u00e4rin. Wie ihre Freundin, Lotte Dichgans (sp\u00e4ter verheiratet unter dem Namen Schiffler), erz\u00e4hlte, war Anneliese Debray schon damals nicht nur eine enorm attraktive und sch\u00f6ne Frau sondern auch voller Elan. Deshalb war es kein Wunder, dass sie mit den Leiterinnen der Hamburger Jugendbundgruppe in Konflikt kam. Als sie erkannte, dass dieser Konflikt nicht zu l\u00f6sen war, zog sie sich von der bestehenden Gruppe zur\u00fcck und gr\u00fcndete zun\u00e4chst in Hamburg und dann auch au\u00dferhalb f\u00fcnf neue Gruppen. In dieser Zeit wuchsen viele Freundschaften, die den Grundstock f\u00fcr den sp\u00e4teren HDH e.V. bildeten.<\/p>\n<p>Als Anna Vogt 1939 erkrankte, \u00fcbernahm Ilse Sondermeier, Sozialarbeiterin in K\u00f6ln, die geheime F\u00fchrung der &#8222;Reste&#8220; des Jugendbundes. Anneliese Debray baute mittels des Bendorfer Sekretariates ein Netzwerk von Kontakten auf. Aber das HDH in Bendorf stand unter der st\u00e4ndigen \u00dcberwachung durch die Gestapo. Deshalb waren schlie\u00dflich nur noch Treffen in kleinen Gruppen an diversen Orten, getarnt als pers\u00f6nliche Ferien, m\u00f6glich.<\/p>\n<p>1945 verzichtete Anneliese Debray auf ihre berufliche Karriere und konzentrierte sich ganz auf die Neuformierung des Jugendbundes, indem sie die Leitung des Bendorfer Sekretariats \u00fcbernahm. Innerhalb kurzer Zeit gab es 200 Gruppen, die Anneliese Debray durch viele Reisen und Rundbriefe inspirierte. Die Jugendherberge wurde zum Zentrum intensiver Seminararbeit. Im Fr\u00fchjahr 1946 schrieb Anneliese Debray in einem Rundbrief: &#8220; Meine lieben Schwestern, Gr\u00fc\u00df Gott! Nun kommen meine herzlichen Gr\u00fc\u00dfe und W\u00fcnsche aus Bendorf zu Euch, wo ich im Sommer bis in den Herbst hinein wohne und Euch erwarte, da\u00df wir gemeinsam die Heimat wieder aufbauen, da\u00df Ihr euch f\u00fcr den Alltag daheim Freude und Kraft, neuen Mut und Anregungen holt. Am Palmsonntag haben wir bei strahlendem Fr\u00fchlingswetter die Herberge &#8211; (gemeint war die Jugendherberge)- und das Sekretariat neu eingeweiht, und zur Feier dieses Ereignisses hatte sich der Park in ein herrliches Festgewand aufbrechenden Gr\u00fcns und vieler, vieler Bl\u00fcten gekleidet&#8230;. Die Maiwerkwochen m\u00fcssen leider wegen Ern\u00e4hrungsschwierigkeiten ausfallen. Es hat sich erwiesen, da\u00df die Versorgung, wie wir sie Ostern durchf\u00fchrten, nicht ausreicht. Wir wollen es nun so einrichten: Wir wirtschaften selbst. Es sind keinerlei Vorr\u00e4te vorhanden. Die einzelnen Gruppen m\u00fcssen f\u00fcr ihre Verpflegung selbst aufkommen, indem sie die Dinge selbst mitbringen oder per Expre\u00df verschicken &#8230;Jede mu\u00df das ihre tun. Die Gaue &#8211; (so hie\u00dfen die Landesverb\u00e4nde)- untereinander werden austauschen, z.B. hat sich Hildesheim bereit erkl\u00e4rt, f\u00fcr die Industriewochen die Kartoffeln zu liefern.&#8220;<\/p>\n<p>Wie sehr sich Anneliese Debray mit dem HDH verbunden f\u00fchlte, soll ein Satz aus einem von ihr verfassten Beitrag im Gauheft &#8211; Heft 1954 belegen: &#8222;Bendorf! Das Wort hatte f\u00fcr mich einen Klang, lange bevor ich es kannte. Bendorf war ein Begriff, bei dem es einem warm ums Herz wurde, bei dem man beschwingt wurde zu k\u00fchnen Taten und Wagnissen&#8230;&#8230;..Als ich zum erstenmal dort ausstieg, war es einsam und bewegt &#8211; und wenn ich sp\u00e4ter vom Norden herunter fuhr zur Osterwerkwoche, konnte man ab K\u00f6ln nicht mehr stille sitzen, begr\u00fc\u00dfte jeden Baum und jeden Strauch unterwegs &#8211; sah endlich die hohen Pappeln auf der H\u00f6he, und dahinter lag Bendorf&#8220;! Die Synonymit\u00e4t von HDH und Bendorf sollte nicht \u00fcberh\u00f6rt werden. Doch die Renaissance der Verbandsarbeit dauert nicht lange. Anneliese Debray erkennt, dass die Zukunft nach anderen Strukturen verlangt. Sie gibt deshalb 1950 die Leitung des Jugendsekretariates an Martha Griebel ab und \u00fcbernimmt daf\u00fcr die Leitung des Hedwig -Dransfeld &#8211; Hauses. Doch da gibt es ein gro\u00dfes Problem: die F\u00fchrungsriege der &#8222;alten Damen&#8220; des Frauenbundes. Hier in K\u00f6ln in der Zentrale herrschte Unsicherheit, Angst und Ver\u00e4rgerung \u00fcber die vielen Alleing\u00e4nge der jungen Damen in Bendorf. Dieser Konflikt ist bisher nicht aufgearbeitet. \u00dcberschaubar ist lediglich das Ende dieses Konfliktes.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><a name=\"7\"><\/a>Der Beginn einer neuen Epoche: Die Gr\u00fcndung des Hedwig &#8211; Dransfeld &#8211; Haus e.V.<\/h3>\n<p>Am 20. Mai 1951 kommt es in Essen zur Gr\u00fcndungsversammlung eines Vereins, des Hedwig &#8211; Dransfeld &#8211; Haus e.V. Dieser will in alleiniger Verantwortung das Hedwig &#8211; Dransfeld -Haus in Bendorf \u00fcbernehmen. Unter der Leitung von Frl. Dr. Krabbel sprechen 12 junge Frauen Anneliese Debray mehrheitlich das volle Vertrauen aus. Lediglich die bereits erfahrene Politikerin, Helene Weber &#8222;sagt, da\u00df man nicht so viel von Vertrauen sprechen sollte, sondern nach einem Jahr das Fazit ziehen sollte&#8220;. Es geht um Umbaupl\u00e4ne in Bendorf, um die Annahme von Hilfsgeldern aus dem Mc- Cloy- Fonds, um die Trennung vom Frauenbund und um die \u00dcbernahme des Hedwig &#8211; Dransfeld &#8211; Hauses. Im Protokoll hei\u00dft es: &#8222;Zentrale und Hedwig &#8211; Dransfeld &#8211; Haus m\u00fc\u00dften auf verschiedenen Wegen f\u00fcr die Ziele des kath. Deutschen Frauenbundes und der katholischen Frauenbewegung arbeiten&#8220;. Damit war alles gesagt. In weiser Voraussicht der Realit\u00e4ten war auf der vorangegangenen Mitgliederversammlung des Frauenbundes am 19.5.1951, bereits beschlossen worden, &#8222;dem neu zu bildenden E. V. Hedwig &#8211; Dransfeld &#8211; Haus das Heim f\u00fcr einen Kaufpreis von 51.000 DM anzubieten&#8220;. Der neue Verein ist nicht zimperlich. Das Kaufangebot wird angenommen und in der Vereinssatzung wird der kath. Deutsche Frauenbund nicht mehr genannt. F\u00fcr die einzuleitenden Bauma\u00dfnahmen wird die Priorit\u00e4t festgelegt: Fl\u00fcchtlingswohnungen, Jugendherberge, Verlegen der K\u00fcche, neue Kapelle, Erweiterung des M\u00fctterhauses &#8211; (jetziges Haupthaus des HDH)-. Eine Woche sp\u00e4ter, n\u00e4mlich am 28. Mai 1951 erfolgt in K\u00f6ln die notarielle Beglaubigung und die erste Mitgliederversammlung des Hedwig &#8211; Dransfeld &#8211; Haus e.V. Die 10 Vereinsmitglieder w\u00e4hlen in den Vorstand: Renate Fuisting als Vorsitzende, Dr. Gerta Krabbel als ihre Stellvertreterin, au\u00dferdem Anna Heidermanns und Gerda Wintzen. Von den f\u00fcnf Mitgliedern des Beirates werden drei vom Zentralvorstand des Frauenbundes benannt. Und dann geht es gleich zur Sache. Verm\u00f6gensbestandsaufnahme, Stand der Bauplanung und -finanzierung (der Architekt Leitl hatte bereits die Pl\u00e4ne fertig und verlangte nach seinem Honorar). Auch ein Bauleiter muss besoldet werden. Die k\u00fcnftigen Reisekosten f\u00fcr Vorstand und Beirat tr\u00e4gt der neue Verein. Die Finanzierung der Transaktion wird genau beschrieben: \u00dcbernahme einer eingeschriebenen Hypothek der Sparkasse Koblenz in H\u00f6he von 26.000,-DM durch den neuen Verein, Gew\u00e4hrung einer neuen Hypothek von 25.000,- DM zugunsten des Frauenbundes. Frau H\u00f6lzgens signalisiert, dass sich der Frauenbund m\u00f6glicherweise gro\u00dfz\u00fcgig verhalten w\u00fcrde. Dass bei allem die Hauptakteurin, Anneliese Debray, v\u00f6llig im Hintergrund bleibt und nur bei der Er\u00f6rterung von Aktivit\u00e4ten und Geld auftritt, scheint niemanden zu st\u00f6ren.<\/p>\n<p>Bereits einen Monat sp\u00e4ter, am 29.6.1951, kommt es in Bendorf zur n\u00e4chsten Mitgliederversammlung. Neun Damen sind anwesend. Es geht um Geld, Baupl\u00e4ne und Anstellungen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><a name=\"8\"><\/a>Das neue Hedwig &#8211; Dransfeld &#8211; Haus<\/h3>\n<p>In einem atemberaubenden Tempo ver\u00e4ndert sich nun das Hedwig &#8211; Dransfeld &#8211; Haus. Mit ihren Verlobten bringen die jungen Frauen die ersten M\u00e4nner ins Haus. Die G\u00e4ste werden internationaler, denn Vers\u00f6hnung und Frieden werden zentrale Themen. Die zaghaften Ans\u00e4tze der kirchlichen Erneuerung aus der Jugendbundzeit werden von Anneliese Debray zielstrebig vorangetrieben. Viele junge Theologen und Ordensleute kommen in das HDH nach Bendorf, um ihre Visionen und Ideen zu verbreiten. \u00d6kumene und Una Sancta -(die geeinte Kirche) &#8211; sind die neuen Zauberworte, f\u00fcr die sich im Bendorfer HDH Frauen verantwortlich f\u00fchlen. Wichtig ist f\u00fcr sie alle vor allem die Unabh\u00e4ngigkeit. Die jungen (und junggebliebenen \u00e4lteren) Frauen um Anneliese Debray wollen ihre eigenen Visionen verwirklichen. Statt der traditionellen Jugendverbandsarbeit wird Jugendsozialarbeit besonders f\u00fcr M\u00e4dchen aus strukturschwachen Gebieten wichtig. Auch die traditionelle M\u00fcttererholung wird weiter gef\u00fchrt, allerdings wird immer deutlicher, dass sich die traditionellen M\u00fctterferien mit der Turbulenz des generationen- und nationen\u00fcbergreifenden Bildungsbetriebes nur schwer vertragen.<\/p>\n<div id=\"attachment_271\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-271\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-271\" title=\"Hedwig-Dransfeld Haus\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Hedwig-Dransfeld-Haus-02-300x173.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"173\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Hedwig-Dransfeld-Haus-02-300x173.png 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Hedwig-Dransfeld-Haus-02.png 502w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-271\" class=\"wp-caption-text\">Das neue Zentrum:<br \/>In der Mitte: die in den Jahren 1953\/54 neu erbaute Kapelle,<br \/>links: das &#8222;M\u00fctterhaus&#8220;<br \/>rechts: das ebenfalls neue &#8222;Annenhaus&#8220;.<\/p><\/div>\n<p>Gerade rasant ist der Bauboom. 1953 wird die alte &#8222;Schwarzkapelle&#8220; abgerissen. In neun Monaten wird die neue Kapelle gebaut. Der Slogan hei\u00dft: &#8220; Frauen bauen Kirche&#8220;. Bei der Einweihung am 25. Oktober 1953 spricht Dr. Maria Schl\u00fcter &#8211; Hermkes in ihrem Festvortrag den k\u00fchnen Satz:&#8220; Man darf sagen, da\u00df eine neue kirchengeschichtliche Epoche begonnen hat&#8220;; gemeint ist: &#8220; Wenn aber bedingungslose Hingabe an Gott fr\u00fcher meist hie\u00df: die Welt verlassen, so hei\u00dft das heute \u00f6fter und \u00f6fter, in der Situation bleiben, in die man hineingestellt ist&#8230; man wei\u00df sich zur Heiligkeit berufen, nicht trotz Ehe und Beruf, aber auch nicht nur in Ehe und Beruf, sondern durch Ehe und Familie, durch Berufsarbeit, durch politische, kulturelle, wirtschaftliche, soziale Arbeit. Als religi\u00f6se Menschen hat man die Heiligkeit des gro\u00dfen Sakramentes, die W\u00fcrde der Familie, den Adel des Leibes, die Sch\u00f6nheit der Erde wiederentdeckt. Man wendet sich der Natur, dem Beruf, der Weltarbeit in jedem Sinne zu als Material der Spiritualit\u00e4t. Man hat verstanden, da\u00df christliches Leben, heilige Gottesliebe ohne jede Einschr\u00e4nkung in jedem Milieu m\u00f6glich ist&#8220;. Die gro\u00dfe Ver\u00e4nderung der Katholischen Kirche, wie sie 10 Jahre sp\u00e4ter auf dem II. Vatikanischen Konzil zum Durchbruch kommt, hat in Bendorf eine ihrer Wurzeln.<\/p>\n<p>Beim Abri\u00df und Neubau der Kapelle sind viele junge Menschen engagiert, u.a. aus Frankreich, den Niederlanden und aus Belgien. Der Internationale Jugendaufbaudienst kommt mit einer gr\u00f6\u00dferen Gruppe. Nicht zuf\u00e4llig sind auch evangelische Theologiestudenten mit dabei. Die Kapelle erh\u00e4lt den Namen &#8222;Maria Frieden&#8220;. Noch w\u00e4hrend der Bauarbeiten beginnt die ehrw\u00fcrdige Anna Heidermanns t\u00e4glich den Mittagsangelus zu l\u00e4uten, Ausdruck der Kontinuit\u00e4t und des generationen\u00fcbergreifenden Miteinanders.<\/p>\n<p>Ein besonderes und sehr kostbares Geschenk f\u00fcr die neue Kapelle ist eine alte russische Ikone. Dr. Lotte Schiffler erz\u00e4hlte die Geschichte so: &#8222;In Stalingrad brannte die russisch orthodoxe Kirche hell. Der deutsche Leutnant ging mit Kameraden zu l\u00f6schen. Er war ein evangelischer Pfarrer, durch Zwang im Milit\u00e4r. Sie konnten l\u00f6schen. Der Pope brachte zum Dank dem Leutnant eine Rolle Papier. Die Ikone. Durch Gefangenschaft und R\u00fcckzug brachte der Pfarrer die Ikone heim, brachte sie seiner Frau mit. Die h\u00e4ngte sie auf, in der Mitte der Familienstube. Aber der Pfarrer, Freund von Manfred &#8211; (gemeint ist der Franziskaner Manfred H\u00f6rhammer) -: sie geh\u00f6rt nicht zu mir. Es ist soviel gebetet, gesungen, geweint, gepriesen worden vor ihren Augen. Manfred, wohin geh\u00f6rt sie? Manfred kam und wu\u00dfte den Platz. Es gibt ein Tal im Wald, still, ein Haus, kleine Kirche, Maria zum Frieden. Darf ich sie dahinbringen, schenken, neue Heimat finden? Sein Pfarrer &#8211; Freund verstand sofort. Du sagst: Jugend wird sie sehen und M\u00fctter, neue deutsche Menschen, neuer Anfang. So brachte uns Manfred die Ikone. Ich war dabei. Man fand einen Rahmen und einen Hintergrund. &#8230;. Eines Tages kam ein Benediktinerm\u00f6nch aus Belgien, aus seiner Abtei. War es Chevetogne? Anneliese Debray hielt ihn auf: Sie arbeiten mit der Ostkirche? K\u00f6nnen Sie kyrillisch? Ja, er begann zu entziffern. Jede Ikone hat ihren besonderen Namen. Dieser Name steht hier oben am Rand, rundum: Mutter der Weisungen &#8211; Geheimnis in Begegnung &#8211; Unsere liebe Frau vom Frieden&#8220;.<\/p>\n<p>Die Ikone h\u00e4ngt noch heute in der Kapelle des HDH. Eine weitere Kostbarkeit ist der von dem weltweit ber\u00fchmten K\u00fcnstler aus H\u00f6hr-Grenzhausen, Eugen Keller (\u2020), gestaltete Tabernakel. Die Au\u00dfent\u00fcren sind einer j\u00fcdischen Thorarolle nachempfunden. Nach deren \u00d6ffnung zeigen sich die goldenen Innent\u00fcren, die eher an einen Tresor als an einen sakralen Beh\u00e4lter erinnern. Dahinter steht die Sicht, dass Zugang zum Christentum nur \u00fcber das Judentum zu gewinnen ist und das Christentum in seinem Wesen keine neue Religion sein will. Der Tabernakel und der dazugeh\u00f6rige Leuchter sind aus bearbeiteter Bronze gefertigt.<\/p>\n<p>Anneliese Debray baut rastlos weiter, f\u00fcr den laufenden Betrieb eine hohe Belastung. Das Annenhaus wird f\u00fcr den sozialen Werkdienst ausgebaut. Mit dem &#8222;Blauen Saal&#8220; entsteht ein gr\u00f6\u00dferer Versammlungsraum, das M\u00fctterhaus wird erweitert, so dass ein gr\u00f6\u00dferer Speisesaal gewonnen wird. Der Park wird gestaltet. Aber das Bauen ist nie Selbstzweck. All die vielen Menschen und Gruppen, die nach Bendorf in das HDH kommen, werden in das Baugeschehen eingebunden, f\u00fchlen sich pers\u00f6nlich verantwortlich. Das HDH ist ihr Haus. Es gibt in dieser Zeit Versuche, dem HDH eine neue innere Struktur zu geben. Ein Beispiel ist die Michaelsgemeinschaft &#8211; eine Vision von gemeinsamem Leben, Arbeiten und Beten. Eine Art &#8222;Schwarzes Kloster&#8220; wie bei Martin Luther steckt als Idee dahinter. Aber diese Ans\u00e4tze kommen nicht zum Tragen. Vielleicht lag es auch daran, dass Anneliese Debray eine zu starke Pers\u00f6nlichkeit war, die sich letztlich nie v\u00f6llig einordnen konnte und mit ihren st\u00e4ndig neuen Ideen und Visionen die Umwelt faszinierte und doch auch \u00fcberforderte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><a name=\"9\"><\/a>Das neue M\u00fcttergenesungsheim: Gussie &#8211; Adenauer &#8211; Haus<\/h3>\n<div id=\"attachment_272\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-272\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-272\" title=\"Hedwig Dransfeld Haus\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Hedwig-Dransfeld-Haus-03-300x218.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"218\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Hedwig-Dransfeld-Haus-03-300x218.png 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Hedwig-Dransfeld-Haus-03.png 502w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-272\" class=\"wp-caption-text\">Panorama- Aufnahme des HDH, noch ohne &#8222;Martinshaus&#8220;.<br \/>ganz hinten; Das neue M\u00fcttergenesungsheim &#8222;Gussie &#8211; Adenauer &#8211; Haus&#8220;.<br \/>davor links; die ehem. Gastst\u00e4tte &#8222;Sch\u00fctzenhof&#8220;. Dieser wurde angekauft und zum &#8222;Sonnenhof&#8220; umgebaut.<br \/>Die ehemalige Sonnerterasse wurde \u00fcberbaut und dient heute als Speisesaal. Die anderen R\u00e4ume dienen f\u00fcr Aufenthalt, K\u00fcche und Vorrat. Im ersten Stock sind Zimmer und B\u00fcros.<br \/>Das neue Bettenhaus ist mit dem Sonnenhof durch einen Verbindungsgang und das Empfangsb\u00fcro verbunden. Im Bettenhaus ist im ersten Stock eine Badeabteilung mit Wannen, Massagetischen und Arztzimmer. Die Betten-Etagen haben jeweils an den Enden Sanit\u00e4reinheiten.<\/p><\/div>\n<p>Am 25. Mai 1963 kommt der Bundeskanzler Konrad Adenauer nach Bendorf zur Einweihung des neuen M\u00fcttergenesungsheims &#8222;Gussie &#8211; Adenauer &#8211; Haus&#8220;. Es gibt um diese Einweihungsweiher viele Geschichten, denn es war ziemlich ungew\u00f6hnlich, dass sich so viel politische und kirchliche Prominenz zur Einweihung eines M\u00fcttergenesungsheims in einer ziemlich unbedeutenden Stadt versammelte. Eine Version lautet so: Die Frauen um Anneliese Debray wollten durch die Einweihung die Idee der M\u00fcttergenesung mehr in die \u00d6ffentlichkeit bringen. Zun\u00e4chst w\u00e4hlten sie den Namen von Gussie Adenauer, der zweiten Frau von Konrad Adenauer, bewu\u00dft aus, um ein Zeichen zu setzen. Konrad Adenauer konnte nur so viel leisten, weil ihm seine Frau Gussie w\u00e4hrend der Rh\u00f6ndorfer Zeit eine Heimat bot und insgesamt den R\u00fccken frei hielt. &#8222;Gussie Adenauer, Gef\u00e4hrtin und Helferin in Notzeiten und Verfolgung, als Bild der Ermutigung f\u00fcr viele M\u00fctter, die t\u00e4glich mit neuem Leide aus den Gro\u00dfst\u00e4dten zu uns kommen&#8220;, schrieb Anneliese Debray. Aus der Namenswahl ergab sich als Konsequenz, den Bundeskanzler zur Einweihung einzuladen. Nat\u00fcrlich kam eine freundliche Absage, aber der Bundeskanzler wollte zwei seiner S\u00f6hne schicken. Doch so leicht lie\u00dfen sich die Bendorfer Frauen nicht abspeisen. Die Methode war genial. Sie baten den Ministerpr\u00e4sidenten, Dr. Peter Altmeier in Vertretung des Bundeskanzlers zu kommen. Dieser sah in der Einladung eine g\u00fcnstige Gelegenheit, sich gegen\u00fcber Konrad Adenauer zu profilieren. Mit der Zusage des Ministerpr\u00e4sidenten f\u00fchlte sich Konrad Adenauer zur\u00fcckgesetzt und gab \u00fcberraschend seine Zusage. Dann war es nicht schwer, die anderen nach Bendorf zu holen: den Regierungspr\u00e4sidenten von Koblenz, den Bischof von Trier, den Abt von Maria Laach, den Landrat, den Vorsitzenden des Di\u00f6zesancaritasverbandes, den Dompropst von Trier sowie den Generalvikar wie auch den Superintendenten des Kirchenkreises Koblenz und den \u00d6kumenreferenten der Rheinischen Landeskirche. Am Stadtrand von Bendorf war f\u00fcr einen Tag gewisserma\u00dfen die Welt zu Hause.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich abenteuerlich wie die Einweihung war die Baugeschichte. Am Ende des Wenigerbachtals gab es eine kleine Gastst\u00e4tte mit dem Namen &#8222;Sonnenhof&#8220;. Das Betreiberehepaar wollte das Haus aufgeben und verkaufen. Es gab offensichtlich mehrere Angebote. Als aber bekannt wurde, dass ein Gro\u00dfbetrieb ein Erholungshaus f\u00fcr seine Mitarbeiter einrichten wolle, sah Anneliese Debray ihre ganze Arbeit gef\u00e4hrdet. Noch lange Zeit bekamen die leitenden Beamten im Mainzer Sozialministerium Alptr\u00e4ume, wenn sie sich an das Bendorfer Feuerwerk von Pl\u00e4nen, Antr\u00e4gen und Finanzierungsmodellen erinnerten. Zun\u00e4chst sollte die ganze Jugendarbeit aus dem Komplex des HDH ausgegliedert werden, gedacht war vor allem an Bildung und Ausbildung von M\u00e4dchen aus sozial schwachen Familien, sp\u00e4ter an Ma\u00dfnahmen der Resozialisation. Zusch\u00fcsse werden beantragt, Darlehen besorgt, Bettelbriefe verschickt, denn Ideen sind da, aber kein Geld. Als die Finanzierung f\u00fcr den Kauf einigerma\u00dfen gesichert ist, wird die Katze aus dem Sack gelassen: es soll ein neues M\u00fcttergenesungsheim gebaut werden &#8211; modern mit Einzelzimmern, eigener Physiotherapie, unter Einbeziehung der sch\u00f6nen Bendorfer Umgebung, mit neuesten Therapieans\u00e4tzen, ein Beispiel weit \u00fcber die Grenzen von Rheinland &#8211; Pfalz hinaus. Anneliese Debray setzt ihre ganze Energie ein. F\u00fcr das neue Betten- und Therapiehaus hilft die Bundeswehr bei den Bagger- und Sprengarbeiten. Als Architekt wird wieder Alfons Leitl gewonnen. Eigentlich fast nebenbei und meist mit freiwilligen Helfern wird neben dem neuen Kurheim eine alte Garage abgerissen und eine gro\u00dfe Halle gebaut: als Gymnastikhalle &#8222;f\u00fcr Yoga, Zen und Entspannungs\u00fcbungen, aber auch f\u00fcr Konzerte, Feste aller Art und Gottesdienste (wenn die Kapelle zu klein ist)&#8230;.&#8220; (A. Debray). <p>no images were found<\/p>\n<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><a name=\"10\"><\/a>Offen f\u00fcr die Schwachen &#8211; Sozialarbeit im HDH<\/h3>\n<div id=\"attachment_274\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-274\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-274\" title=\"Charlotte Schiffler\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Charlotte-Schiffler-01-300x228.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"228\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Charlotte-Schiffler-01-300x228.png 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Charlotte-Schiffler-01.png 498w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-274\" class=\"wp-caption-text\">Links im Bild: Frau Dr. Charlotte Schiffler. Stadt\u00e4lteste im Frankfurter Magistrat. Sekret\u00e4rin von Anna Vogt, viele Jahre im Vorstand des HDH e.V., &#8222;die Gro\u00dfmutter des Hauses&#8220;, wie sie sich sp\u00e4ter selbst nannte, hier im Gespr\u00e4ch mit Frau Kerstin Weber- Fahr<\/p><\/div>\n<p>Dr. Charlotte Schiffler, langj\u00e4hrige Stadt\u00e4lteste von Frankfurt, und ehemals Sekret\u00e4rin von Anna Vogt, erz\u00e4hlte folgende Geschichte: &#8222;Ich fuhr in Manhattan mit dem Bus und setzte mich auf einen Platz f\u00fcr Farbige. Als der Kontrolleur kam, sagte er zu mir: &#8222;Only for Colours&#8220; (= nur f\u00fcr Farbige). Da antworte ich ihm: &#8222;Im Colour&#8220; (= Ich bin eine Farbige)&#8220;. Diese Geschichte beschreibt sehr gut die Sensibilit\u00e4t der Bendorfer Frauengeneration f\u00fcr &#8222;die auf der Schattenseite des Lebens&#8220;. Dies betraf Menschen mit k\u00f6rperlichen Leiden (z.B. K\u00f6rperbehinderte), aber auch Benachteiligte, Menschen nach Schicksalsschl\u00e4gen, Fl\u00fcchtlinge, psychisch oder seelisch Kranke, wie auch Menschen, die beruflich in Schwierigkeiten geraten waren. Manchmal st\u00f6hnten die Mitarbeiterinnen \u00fcber die offenen T\u00fcren, f\u00fchlten sich selbst hintangesetzt. Aber die T\u00fcren blieben offen. F\u00fcr den Stil des Hauses war es bezeichnend, dass es immer darum ging, die Beteiligung am normalen Leben zu erm\u00f6glichen. Integration war in Bendorf selbstverst\u00e4ndlich, als er noch in der Sozialarbeit ein Fremdwort war. Inneres Motiv der gro\u00dfen sozialen Verantwortung war eine ganz tiefe Spiritualit\u00e4t, der Glaube an einen uns alle liebenden Gott. Kurz vor ihrem Tod schrieb Anneliese Debray: &#8222;Im Hinblick auf den Tod kam mir pl\u00f6tzlich in den Sinn: wir gehen ja auf eine Begegnung zu. Er wartet &#8211; erwartet uns \u2014 und ich lebe, da\u00df ich das nicht vergesse. Weihnachten ist ein Vorgeschmack des Wiederkommens.&#8220;<\/p>\n<p>Die vielf\u00e4ltigen sozialen Initiativen des HDH k\u00f6nnen hier nur sehr knapp dargestellt werden. Zu erw\u00e4hnen ist zun\u00e4chst der &#8222;Soziale Werkdienst&#8220;, der an der b\u00fcndischen Idee des freiwilligen sozialen Dienstes ankn\u00fcpfte. 1947 wurde der erste Kurs durchgef\u00fchrt. 24 M\u00e4dchen, meist Abiturienten, absolvierten zur Vorbereitung auf Leben und Beruf ein soziales Jahr in Bendorf. In den verschiedenen Bereichen des HDH lernten die M\u00e4dchen Kochen, Backen, Raumpflege und &#8211; gestaltung, Weben, N\u00e4hen und Gartent\u00e4tigkeiten. In Kooperation mit dem Bendorfer Krankenhaus und den Kirchgemeinden wurde auch die Hauspflege einbezogen. Neben diesen praktischen Lernfeldern gab es eine umfassende Lebensbildung. Mitte der 50er Jahre wurde das &#8222;Bendorfer Lehr- und Dienstjahr&#8220; eingef\u00fchrt, das es auch j\u00fcngeren M\u00e4dchen nach Abschluss der Haupt- und Mittelschule erm\u00f6glichte, ein soziales Jahr zu absolvieren. .Ein Team von qualifizierten Frauen stellte sich als Lehrk\u00f6rper zur Verf\u00fcgung. In der Chronik werden Agnes Schweitzer, Emmy Schr\u00e4der, Margarete Kr\u00f6mer, Dr. Ruth Nick und David Gathen genannt. Durch die Genehmigung der Bezirksregierung Koblenz wird aus einem Modell eine &#8222;staatlich genehmigte Haushaltungsschule&#8220;. 1957 ist es Resi Bock, die f\u00fcr den sozialen Werkdienst ein neues Konzept erarbeitet.<\/p>\n<p>1958 kam es durch die Vermittlung von Regierungsrat David Gathen aus M\u00f6nchen &#8211; Gladbach zu einem bemerkenswerten Experiment. David Gathen erwirkte einen Forschungsauftrag des Kultusministeriums von Nordrhein &#8211; Westfalen, um f\u00fcr 30 P\u00e4dagogigstudierende ein vierw\u00f6chiges Sozialseminar durchzuf\u00fchren. Es ging um die Frage, worin der soziale Auftrag des Lehrers als Volksbildner bestehe. Das HDH erwies sich hierf\u00fcr als idealer Tagungsort. Insgesamt wurden bis 1961 vier solche Kurse durchgef\u00fchrt, die in der Fachliteratur gro\u00dfe Beachtung fanden.<\/p>\n<p>Ein anderes Beispiel f\u00fcr die zahlreichen sozialen Initiativen des HDH sind die therapeutischen Freizeiten f\u00fcr Patienten und Pflegepersonal aus psychiatrischen und forensischen Anstalten, die durch die franz\u00f6sische Sozialp\u00e4dagogin, Marie Terese Fachon, konzeptionell und modellhaft entwickelt, wurden. Sie hatten ein doppeltes Ziel: sowohl kranke und forensisch verwahrte Menschen auf die Entlassung in ein normales Leben vorzubereiten wie auch Weiterbildungsmodelle f\u00fcr die Zusammenarbeit von Pflegepersonal und \u00c4rzten zu entwickeln.. In Zusammenarbeit mit dem Kuratorium Deutsche Altershilfe, der Bundesarbeitsgemeinschaft f\u00fcr Seniorentanz und dem evangelischen Erwachsenenbildungswerk Rheinland &#8211; S\u00fcd wurden zahlreiche Ausbildungskurse f\u00fcr Mitarbeiterinnen in der Altenarbeit konzipiert und durchgef\u00fchrt. Im Rahmen der M\u00fcttergenesung und in Kooperation mit dem Bundesverband der St. Georgspfadfinder wurde die Zielgruppe der M\u00fctter von behinderten S\u00f6hnen und T\u00f6chtern eigens erfasst. Bemerkenswert waren auch die vielf\u00e4ltigen Angebote f\u00fcr die Kooperation von K\u00f6rperbehinderten im Rahmen des Deutsch &#8211; f ranz\u00f6sischen Jugendaustausches sowie die Freizeiten f\u00fcr geistig behinderte junge Erwachsene.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><a name=\"11\"><\/a>Bendorf- das offene Haus der \u00d6kumene<\/h3>\n<p>Als Anna Vogt das Sekretariat des Jugendbundes in das neue Haus in Bendorf verlegte, &#8222;begann sie, Ostern als das zentrale Fest der Christenheit, als die wichtigste Botschaft im Leben des Christen zum Mittelpunkt der Jugendarbeit und des Lebens im HDH zu gestalten. Ostern war das j\u00e4hrliche gro\u00dfe Treffen der F\u00fchrerschaft des Jugendbundes aus dem ungeteilten Deutschland, um die Kar- und Osterliturgie miteinander zu feiern und die Arbeit des Bundes zu bedenken&#8220;. (A. Debray).<\/p>\n<p>In enger Zusammenarbeit mit dem Kloster Maria Laach wurde die Liturgische Bewegung, also die Erneuerung der Liturgie in der Katholischen Kirche, die Wiederentdeckung von alten Gottesdienstformen und die Neuentwicklung von neuen Elementen, zu einem zentralen Anliegen des Lebens im Hedwig &#8211; Dransfeld &#8211; Haus. In der neuen Epoche kommt der \u00f6kumenische Gedanke dazu. Hier spielte sicherlich wie \u00fcberall in Deutschland eine gro\u00dfe Rolle, dass sich Christen und Christinnen der verschiedenen christlichen Kirchen in den Jahren des Terrors und des Kriegsschreckens direkt in ihrem Glauben erlebten. In den Bombenn\u00e4chten und im Sch\u00fctzengraben wurden die tief verwurzelten Konfessionsgrenzen relativiert. Anneliese Debray und ihre Freundinnen wollen das HDH zum offenen Haus der \u00d6kumene gestalten. 1968 erfolgen Verhandlungen mit dem Bistum Trier, eine Mittr\u00e4gerschaft beim HDH zu bejahen und so das Haus zu st\u00fctzen. Motiv ist aber nicht der &#8222;Blick nach den Geldt\u00f6pfen des Bistums&#8220; sondern der Gedanke, mit Hilfe des Bistums die Kontakte zur Rheinischen Landeskirche so zu festigen, dass sich beide Kirchen gewisserma\u00dfen in Bendorf \u00f6kumenisch verpflichten und engagieren. Eigentlich geht der Blick von Anneliese Debray noch weiter. Sie m\u00f6chte das Erzbistum K\u00f6ln, die Bist\u00fcmer Mainz und Limburg sowie die entsprechenden Evangelischen Landeskirchen in das Projekt einbinden. Manches gelingt, manches erweist sich als Illusion. Es wird ein \u00d6kumenischer Beirat gebildet, der sogar hochkar\u00e4tig besetzt ist. Neben dem Oberkirchenrat Schroer von der Evangelischen Kirchenleitung in D\u00fcsseldorf sitzt der Generalvikar von Trier. Am 1. Januar 1973 beginnt Hermann Denkers als evangelischer Pfarrer seine Arbeit im HDH als Studienleiter f\u00fcr die \u00f6kumenische Erwachsenenbildung, ein verheirateter ehemaliger Jesuit \u00fcbernimmt einige Zeit sp\u00e4ter den katholischen Part &#8211; beide Stellen von den beiden Kirchen finanziert. 1977 wird sogar der evangelische Pfarrer Horst Adams feierlich in der Kapelle des HDH in seinen Dienst eingef\u00fchrt. Aber mit der zeitlichen Entfernung vom II. Vatikanischen Konzil reduzieren sich auch die \u00f6kumenischen Visionen &#8211; allerdings nicht in der konkreten Arbeit, bei Seminaren und Kursen. Hier ist es besonders dem evangelischen Erwachsenenbildungswerk Rheinland &#8211; S\u00fcd zu verdanken, dass in Bendorf \u00d6kumene allt\u00e4glich praktiziert wird.<\/p>\n<div id=\"attachment_275\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-275\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-275\" title=\"Ortgies Stakemann\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Ortgies-Stakemann-01-300x210.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"210\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Ortgies-Stakemann-01-300x210.png 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Ortgies-Stakemann-01.png 500w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-275\" class=\"wp-caption-text\">Ortgies Stakemann, evangelischer Pfarrer aus Norddeutschland. Wenn den Berufstheologen die &#8222;vers\u00f6hnte Verschiedenheit&#8220; nicht gelang, half er aus dem Hintergrund. Unvergessen bleibt, wie er mit seinem Holzbein auf das Dach stieg und von hier aus Bachchor\u00e4le in das Tal blies.<\/p><\/div>\n<p>Es ist vielleicht typisch f\u00fcr den Geist im HDH, dass auch evangelische Mitarbeiterinnen mit Selbstverst\u00e4ndlichkeit in Schl\u00fcsselpositionen angestellt sind. Unvergessen bleibt auch der evangelische Pfarrer, Ortgies Stakemann (\u2020), der in seiner Bescheidenheit und Spiritualit\u00e4t oft die Wogen gl\u00e4ttete. Wenn nichts mehr lief, stieg er mit seinem Holzbein auf das Dach und blies auf seiner Trompete einen Bachchoral.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><a name=\"12\"><\/a>&#8222;Alles wirkliche Leben ist Begegnung&#8220; &#8211; der j\u00fcdisch &#8211; christliche Dialog im HDH<\/h3>\n<div id=\"attachment_278\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-278\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-278\" title=\"Rabbiner Lionel Blue \" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Rabbiner-Lionel-Blue-01-300x185.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"185\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Rabbiner-Lionel-Blue-01-300x185.png 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Rabbiner-Lionel-Blue-01.png 501w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-278\" class=\"wp-caption-text\">Rabbiner Lionel Blue, Direktor der j\u00fcdischen Hochschule &#8222;Leo Baeck School&#8220; in London spricht 1975 bei der 7. J\u00fcdisch &#8211; christlichen Bibelwoche im Hedwig -Dransfeld &#8211; Haus einen Toast aus.<\/p><\/div>\n<p>Das II. Vatikanische Konzil der Katholischen Kirche ver\u00e4nderte die theologische Sicht des Judentums und erm\u00f6glichte zahlreiche Korrekturen einer langen Unheilsgeschichte, in der die Juden f\u00fcr die Christen einzig die M\u00f6rder des Messias waren. Anneliese Debray erkannte in ihrer Weitsicht, dass es sehr konkrete Schritte der Ann\u00e4herung bedurfte und sie wollte unbedingt zu den Pionieren geh\u00f6ren. Aufgrund ihrer Kontakte zu f\u00fchrenden Vertretern des liberalen Judentums in England holte sie 1969 mit einer Bibelwoche den j\u00fcdisch -christlichen Dialog nach Bendorf. Die Idee war einfach und genial: Christen lassen sich von Juden f\u00fchren, um das Alte Testament besser und vielleicht auch ganz neu zu verstehen. Die Vision wurde Wirklichkeit. 1973 sagte Anneliese Debray zum Beginn der 5. J\u00fcdisch &#8211; Christlichen Bibelwoche: &#8222;Hier am Ort unseres Treffens ist eine Oase, von der aus dann jeder in die Vielfalt seiner Pflichten zur\u00fcckkehrt nach einer Woche gemeinsamen Betens und Meditierens, des Hinh\u00f6rens, was die Bibel uns wieder mit auf den Weg gibt, den wir fegen wollen, um die Wahrheit zu suchen und auszuteilen. Wir sind weiter bem\u00fcht, alle willkommen zu hei\u00dfen, von welcher Ecke der Welt oder der Religion oder Meinung sie kommen m\u00f6gen. Es herrscht ein offenes Klima, in dem jeder seine Meinung sagen kann.&#8220; Der heutige Direktor der j\u00fcdischen Hochschule &#8222;Leo Baeck&#8220; in London, Rabbiner Dr. Jonathan Magonet, der neben seinem Lehrer, Rabbiner Lionel Blue, einen ganz wichtigen Anteil an der Kontinuit\u00e4t und Weiterentwicklung der Bendorfer Bibelwoche hatte, wies des \u00f6fteren darauf hin, &#8220; da\u00df in der j\u00fcdischen Tradition der Exodus immer unter uns geschieht; jeder mu\u00df sich so betrachten, als ob er aus \u00c4gypten ausgezogen ist, ja da\u00df er selber aus \u00c4gypten auszog.&#8220; Und die altehrw\u00fcrdige Benediktinerin, Sr. Oda Hagemeyer, schrieb:&#8220; Dasselbe gilt ja auch f\u00fcr uns Christen; jeder Christ wei\u00df sich herausgef\u00fchrt, aus der Finsternis ins Licht, aus \u00e4gyptischer Gefangenschaft in die Freiheit der Kinder Gottes, Der Exodus ist und bleibt das zentrale Thema j\u00fcdischer und christlicher Tradition. Dies wurde von Anneliese Debray durchgehend mitvertreten, mitgetragen und aufrechterhalten.&#8220; Bezeichnend f\u00fcr die Bedeutung der Bendorfer Bibelwoche ist ein Satz von Jan Fuchs, ein nach Manchester emigrierter deutscher Jude: &#8220; Obwohl Bendorf doch nur eine Insel ist, hat mir diese Insel neues Vertrauen und neue Unbefangenheit gegeben. Gelobt seist Du Ewiger, uns Gott, K\u00f6nig der Welten.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_279\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-279\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-279\" title=\"Professor Dr. Zwi Weinberg\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Professor-Dr.-Zwi-Weinberg-01-300x213.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"213\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Professor-Dr.-Zwi-Weinberg-01-300x213.png 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Professor-Dr.-Zwi-Weinberg-01.png 501w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-279\" class=\"wp-caption-text\">Professor Dr. Zwi Weinberg aus Jerusalem<\/p><\/div>\n<p>Der j\u00fcdisch &#8211; christliche Dialog, der im Hedwig &#8211; Dransfeld &#8211; Haus immer fester Bestandteil seiner Zielstellung wurde, bekam aber in sp\u00e4terer Zeit noch einen Aspekt besonderer Art. Anneliese Debray hat fast ausschlie\u00dflich zum liberalen Judentum Kontakte, in Israel \u00fcber das Leo &#8211; Baeck &#8211; College in Haifa, in London \u00fcber die Leo &#8211; Baeck &#8211; School. Sie kannte auch einzelne orthodoxe Juden und hin und wieder kamen auch einzelne orthodoxe Christen nach Bendorf. 1979 kam im Rahmen des deutsch &#8211; israelischen Jugendaustausches eine Gruppe Studenten der Bar &#8211; Ilan &#8211; Universit\u00e4t in Jerusalem zu einem vierzehnt\u00e4gigen Seminarprogramm. Die Bar &#8211; Ilan &#8211; Universit\u00e4t ist die einzige j\u00fcdisch &#8211; orthodoxe Universit\u00e4t in Israel, deshalb waren die Studenten alle in die orthodox -j\u00fcdische Lebensweise eingebunden. Der israelische Gruppenbegleiter, Prof. Dr. Zwi Weinberg schreibt sp\u00e4ter: &#8220; Bei Beginn des Seminars stellte es sich heraus &#8211; f\u00fcr mich war es keine \u00dcberraschung -, da\u00df die orthodoxen Studenten an der Kl\u00e4rung theologischer Fragen in einem interkonfessionellen Gespr\u00e4ch nicht interessiert waren. So sah sich Anneliese Debray vor eine Aufgabe gestellt, die sie mit au\u00dferordentlicher Geschwindigkeit l\u00f6ste und damit den Erfolg des Seminars sicherstellte. Theologische Probleme wurden abgesetzt und durch andere Themen ersetzt. Die wechselseitigen Beziehungen zwischen Israel und der Bundesrepublik wurden in den Vordergrund ger\u00fcckt, bibelexegetische Themen &#8230;.fanden den gew\u00fcnschten Anklang.&#8220; Dies war der Anfang einer pers\u00f6nlichen freundschaftlichen Hochsch\u00e4tzung und der Beginn zahlreicher Kontakte mit dem orthodox &#8211; religi\u00f6sen Judentum.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><a name=\"13\"><\/a>&#8222;Suchet den Frieden und jaget ihm nach&#8220; &#8211; das HDH als Kernzelle f\u00fcr Dialoge und Verst\u00e4ndigung<\/h3>\n<div id=\"attachment_280\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-280\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-280\" title=\"Hedwig-Dransfeld Haus - Martinshaus\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Hedwig-Dransfeld-Haus-Martinshaus-01-300x187.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"187\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Hedwig-Dransfeld-Haus-Martinshaus-01-300x187.png 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Hedwig-Dransfeld-Haus-Martinshaus-01.png 502w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-280\" class=\"wp-caption-text\">Das neue Martinshaus<br \/>erbaut 1968 &#8211; 70; mit Schwimmbad im Keller.<br \/>Der Name war bewu\u00dft gew\u00e4hlt worden: Martin von Tours, Martin Luther, Martin Buber, Martin Luther King und Martin Niem\u00f6ller wurden f\u00fcr das neue Haus als Schutzheilige gew\u00e4hlt. Allein diese Idee ist immer noch grandios. Auf einem Stein vor dem Haus ist in 17 Sprachen das Wort &#8220; Frieden&#8220; eingemei\u00dfelt&#8220;.<\/p><\/div>\n<p>n einem Brief schrieb Anneliese Debray:&#8220; Friede ist t\u00e4glich, st\u00fcndlich zu tun. Im Sein &#8211; wollen statt Haben &#8211; wollen, in kleinen Schritten, im Mut zur Initiative und ohne Unterla\u00df. Wir brauchen die gegenseitige Ermutigung&#8220;. Dieser Satz spricht sehr gut die Vision aus, die sich durch Anneliese Debray und ihre vielen Freundinnen und Freunde in aller Welt in die Mauern des Hedwig &#8211; Dransfeld &#8211; Hauses einnistete. Es ging nicht um die &#8222;gro\u00dfe&#8220; Politik sondern um das Zusammenf\u00fchren von Menschen, auch wenn sie unterschiedlicher Meinung oder Lebensauffassung sind. Die jungen Frauen, die von den Kriegsjahren ganz tief gepr\u00e4gt waren, wollten bewu\u00dft durch ihr eigenes Leben einen Kontrapunkt gegen Gewalt, Hass und V\u00f6lkerfeindschaft setzen. Viele pers\u00f6nliche Freundschaften waren der Ausgangspunkt f\u00fcr den Aufbau eines Netzwerkes von internationalen Beziehungen. Die Arbeit im Hedwig &#8211; Dransfeld &#8211; Haus wurde von Jahr zu Jahr weltoffener: Abbau von Vorurteilen durch pers\u00f6nliche Begegnung, kritische Aufarbeitung der eigenen Geschichte mit den Augen des anderen, Neuentdeckung des Wertes der Gastfreundschaft. Dazu kam die Erkenntnis, dass wir Deutschen nach Auschwitz eine dienende Rolle \u00fcbernehmen m\u00fcssen. Das politische Schicksal, dass wir uns durch die nationalsozialistische Barbarei eingehandelt haben, verlangt nach Wiedergutmachung durch Offenheit, Dienst, Bescheidenheit, Verzicht, Ertragen von Vorw\u00fcrfen und Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Sorgen und N\u00f6te der anderen. Obwohl das Hedwig &#8211; Dransfeld &#8211; Haus nicht zu den Europah\u00e4usern geh\u00f6rte, war es durch und durch europ\u00e4isch. Es ist hier nicht der Raum, in das einzelne zu gehen. Aber erinnert werden soll an die vielen Begegnungen und Seminare mit Franzosen, an den intensiv gepflegten deutsch &#8211; israelischen Jugendaustausch, an die Zusammenarbeit mit niederl\u00e4ndischen und britischen Sozialeinrichtungen, an die Gastfreundschaft f\u00fcr Pax &#8211; Christi &#8211; Gruppen, an die fr\u00fchzeitigen Kontakte mit arabischen Christen und \u00e4gyptischen Studenten, an die internationalen Frauenseminare. Es war wohl auch kein Zufall, dass gerade im Hedwig &#8211; Dransfeld &#8211; Haus der deutsche F\u00f6rdererverein f\u00fcr das einzige j\u00fcdisch &#8211; christlich &#8211; muslimische Dorf in Israel, Neve Shalom, gegr\u00fcndet wurde.<\/p>\n<p>Aufgrund des internationalen Gedankens wurde 1968 bis 1970 ein neues Haus gebaut: das Martinshaus. Der Name war bewu\u00dft gew\u00e4hlt worden: Martin von Tours, Martin Luther, Martin Buber, Martin Luther King und Martin Niem\u00f6ller wurden f\u00fcr das neue Haus als Schutzheilige gew\u00e4hlt. Allein diese Idee ist immer noch grandios. Auf dem Stein vor dem Haus war in 17 Sprachen das Wort &#8222;Frieden&#8220; eingemei\u00dfelt&#8220;.<\/p>\n<p>So wie in der realen Welt dieses &#8222;Suchet den Frieden, jaget ihm nach&#8220; nicht immer nur Gl\u00fcck bringt, so ging es auch dem Hedwig &#8211; Dransfeld &#8211; Haus. Der Gegensatz von W\u00fcnschen und finanziellen M\u00f6glichkeiten standen von Anfang an im Widerspruch, wurden aber schlie\u00dflich explosiv und f\u00fchrten ab 1981 zu einer neuen Epoche, von der aber an anderer Stelle zu erz\u00e4hlen w\u00e4re. Doch es d\u00fcrfte legitim sein, die Zeit zwischen 1974 und 1981 etwas genauer anzuschauen.<\/p>\n<p>Jede Institution erlebt Krisen ihrer Identit\u00e4t. Das gilt sowohl f\u00fcr die gro\u00dfen Staaten wie f\u00fcr die kleinen Kegelvereine. Anneliese Debray sp\u00fcrte sehr deutlich, dass das HDH nie ein &#8222;normales&#8220; Bildungshaus o.\u00e4. sein konnte. F\u00fcr sie und ihre vielen Freundinnen und Freunde war die Frage nach &#8222;der inneren Mitte&#8220; ganz wichtig. Dr. Lotte Schiffler dr\u00fcckte es in ihrem letzten Interview vor ihrem Tod so aus: &#8222;Im HDH muss Gott geliebt werden&#8220;. Die Suche nach einer hauseigenen Spiritualit\u00e4t war keine Randfrage, sie bestimmte zentral die Zukunft. Frau Schiffler sagte mir einmal &#8211; und sie meinte das sehr ernst -: &#8222;Es ist f\u00fcr sie gut, dass sie kein Direktor sind; wie in der alten Kirche sind sie schlichthin &#8222;Leiter&#8220;. Aber die Verpflichtung f\u00fcr sie zum pers\u00f6nlichen Gebet in der Kapelle bleibt&#8220;. Ich h\u00f6re diese Worte noch heute in meinem Ohr.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><a name=\"14\"><\/a>Zu Anneliese Debray<\/h3>\n<div id=\"attachment_245\" style=\"width: 277px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"\/index.php\/in-erinnerung-an-anneliese-debray-ein-lebensbild\/\" target=\"_blank\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-245\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-245  \" title=\"Anneliese Debray\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Anneliese-Debray-01-267x300.png\" alt=\"\" width=\"267\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Anneliese-Debray-01-267x300.png 267w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Anneliese-Debray-01.png 360w\" sizes=\"(max-width: 267px) 100vw, 267px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-245\" class=\"wp-caption-text\">* 30. Mai 1911 in L\u00fcnen (Westf.)<br \/>+18. Februar 1985<\/p><\/div>\n<p>Anneliese Debray war irgendwo in der Welt, da traf sie einen franz\u00f6sischen Benediktinerabt und fragte ihn: &#8222;Haben Sie nicht f\u00fcr das HDH einen M\u00f6nch?&#8220; Der Abt war wie viele Kirchenm\u00e4nner von Anneliese Debray fasziniert und hatte eine Idee. Er schickte einen Laienbruder (also einen Benediktiner, der nicht zum katholischen Priester geweiht war), der schon lange in Deutschland als Eremit leben wollte. Frater Gerard Daguzan kam nach Bendorf in das HDH. Wie seine spirituellen Vorfahren begann er sich zun\u00e4chst eine Klause zu bauen: Oben auf dem Berg, auf der sog. Apfelwiese, neben dem alten j\u00fcdischen Friedhof. Es war eine irre Geschichte. Alles musste auf den Berg geschleppt werden, sogar die gro\u00dfen Betonr\u00f6hren f\u00fcr die Zisterne. Die franz\u00f6sische Sozialarbeiterin malte die Ikone \u00fcber der T\u00fcr. Ein riesiger Sch\u00e4ferhund wurde besorgt. Er hie\u00df bezeichnenderweise &#8222;Mephisto&#8220;. Bereits Antonius in der \u00e4gyptischen W\u00fcste wusste um die Realit\u00e4t von D\u00e4monen. Ane Maria Reif, die alte Dame der AOK Mayen, besorgte die Schafe, die wei\u00dfen Tauben und die H\u00fchner. Der Eremit Gerard sollte hoch oben auf dem Berg \u00fcber das HDH wachen. Abends um 19 Uhr warf er \u00fcber sich einen gro\u00dfen Mantel und betete Tag f\u00fcr Tag in der Kapelle des HDH die Vesper mit den in das innere Herz gehenden Melodien des franz\u00f6sischen Chorals. 1981 war diese spirituelle Episode zu Ende. Der Benediktiner Gerard hielt die Spannung zwischen der Einsamkeit in seiner Klause oben auf dem Berg und dem Trubel im HDH da unten im Tal nicht aus. Wie seine spirituellen Vorfahren zog er weiter. Ein Spaziergang auf die Apfelwiese lohnt sich noch heute.<\/p>\n<p>Es gibt noch eine Geschichte, die sehr viel \u00fcber die Bedeutung des HDH aussagt, auch wenn sie vielleicht nur eine Legende w\u00e4re: &#8222;Eine Gruppe Polen mussten durch den polnischen Zoll. Als sie nach ihrem Reiseziel gefragt wurden, gaben sie zur Antwort: Wir wollen an den Rhein in ein deutsches Bildungszentrum. Da winkte sie der polnische Z\u00f6llner mit den Worten durch: Da sie nach Bendorf in das Hedwig &#8211; Dransfeld &#8211; Haus wollen, wird wohl bei ihnen alles in Ordnung sein.&#8220; Das ganz Besondere an dieser Geschichte: der Austausch mit polnischen Familien geschah schon lange vor der politischen Neuordnung der Beziehungen durch die polnisch &#8211; deutschen Vertr\u00e4ge.<\/p>\n<p>Maria Madelaine Renand, Professorin am Institut Sainte Marie in Neuilly (Frankreich) schrieb in ihrem Nachruf auf Anneliese Debray: &#8222;Wir haben eine Menge Reisen miteinander gemacht. Ich habe Tagungen und Feste in Bendorf erlebt. Wir hatten viele gemeinsame Freunde in Deutschland und in Frankreich. Wir hatten denselben Wunsch, den Frieden zu verbreiten, jede auf ihre Weise, haupts\u00e4chlich unter jungen Menschen. Wir hatten eine Gemeinschaft, die f\u00fcr die ganze Welt offen war.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Verwendete Quellen:<br \/>\nPostkarten und Orginaldokumente im Besitz von Dieter Kittlau\u00df<br \/>\nErl\u00e4uterungen von Peter Siebenmorgen zum Hotel Villa Sayn<br \/>\nPeter Pius Ohlig, Heimat in vergangenen Tagen<br \/>\n50 Jahre Hedwig &#8211; Dransfeld &#8211; Haus Bendorf (Jubil\u00e4umsschrift)<br \/>\nPostkarten aus der Sammlung der GGH<br \/>\nHDH Kontakte 1987<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Ein Spaziergang durch 150 Jahre Bendorfer Geschichte (Erstver\u00f6ffentlichung auf www.Bendorf-Geschichte.de) Die Bendorfer Nervenheilanstalten Auf den Spuren von Dr. Brosius Die &#8222;Frauen mit Hut&#8220; um Hedwig Dransfeld Der Jugendbund &#8211; die 26er Generation des Frauenbundes In den Wirren der Kriegsjahre Der Neubeginn mit Anneliese Debray Die Gr\u00fcndung des Hedwig-Dransfeld-Haus e.V. 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