{"id":2077,"date":"2014-06-16T10:57:57","date_gmt":"2014-06-16T08:57:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/?p=2077"},"modified":"2014-07-16T14:14:36","modified_gmt":"2014-07-16T12:14:36","slug":"biblisch-theologische-studie-zum-auferstehungsglauben","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/biblisch-theologische-studie-zum-auferstehungsglauben\/","title":{"rendered":"Biblisch &#8211; theologische Studie zum Auferstehungsglauben"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_2079\" style=\"width: 296px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Die-Seelen-in-Gottes-Hand.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2079\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-2079\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Die-Seelen-in-Gottes-Hand-286x300.jpg\" alt=\"Die Seelen der Martyrer in Gottes Hand. Bild aus der serbo-orthodoxen Traiditon. Das Bild wurde \u00fcber TinEye \u00fcberpr\u00fcft. Autorenrechte wurden nicht festgestellt.\" width=\"286\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Die-Seelen-in-Gottes-Hand-286x300.jpg 286w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Die-Seelen-in-Gottes-Hand.jpg 336w\" sizes=\"(max-width: 286px) 100vw, 286px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2079\" class=\"wp-caption-text\">Die Seelen der Martyrer in Gottes Hand. Bild aus der serbo-orthodoxen Traiditon. Das Bild wurde \u00fcber TinEye \u00fcberpr\u00fcft. Autorenrechte wurden nicht festgestellt.<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Aspekte zur Entwicklung des christlichen Auferstehungsglaubens<\/strong><br \/>\nDer Glaube an die Auferstehung Jesu und an die Verhei\u00dfung der Auferstehung f\u00fcr alle Jesusj\u00fcnger wird mit unterschiedlichen Glaubensformeln und Geschichten bezeugt. Das Lukasevangelium nennt in der Apostelgeschichte Jerusalem , Samaria und Damaskus als erste Zentren christlicher Gemeinden. Der katholische Dogmatiker Walter Simonis sieht die Anf\u00e4nge des Auferstehungsglaubens in einem mehrj\u00e4hrigen Prozess innerhalb einer charismatischen Gruppe um Petrus, der aber von Lukas in Anlehnung an das Hoseabuch auf drei Tage verdichtet wurde. <!--more-->Auffallend ist, dass der Auferstehungsglaube nicht am volkst\u00fcmlichen Auferstehen der Toten aus den Gr\u00e4bern ansetzt (wie es z.B. in der Geschichte von der Auferweckung des Lazarus erz\u00e4hlt wird), sondern theologisch durchdacht ist. Auferstehung wird nicht als \u201eimmanenter Vorgang der menschlichen Geschichte\u201c verstanden (Hubertus Halbfas, , sondern streng transzendent. In dem \u201er\u00fchre mich nicht an\u201c gegen\u00fcber Maria Magdalena ist dies bildhaft im Johannesevangelium ausgedr\u00fcckt. In der Regel wird die Auferstehung metaphorisch \u2013 formelhaft ausgedr\u00fcckt:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Gott hat Jesus von den Toten auferweckt ,<br \/>\nJesus hat den Himmel durchschritten ,<br \/>\ner wurde aufgenommen in Herrlichkeit ,<br \/>\ner erscheint f\u00fcr uns, vor Gottes Herrlichkeit .<br \/>\nGott hat ihn erh\u00f6ht und ihm einen Namen gegeben, der gr\u00f6\u00dfer ist als alle Namen .<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auffallend ist auch in allen neutestamentlichen Schriften die Berufung auf die heiligen Schiften. F\u00fcr die fr\u00fche Jesusbewegung, die noch ganz in der j\u00fcdischen Tradition verhaftet war, war das \u201egem\u00e4\u00df der Schrift\u201c der Schl\u00fcssel zu ihrer Identit\u00e4t. Der Gottessohn Jesus war der von den Generationen vorher erwartete Retter. Viele Stellen der Biblischen Schriften deuten die Theologen der christlichen Bewegung als prophetische Voraussage. Sie lesen die alten Texte im Lichte ihrer Jesus-Sehnsucht. Selbst der Kreuzestod passt sich nahtlos in diese Deutung.<!--more--><br \/>\nDas fr\u00fchste Zeugnis f\u00fcr den Auferstehungsglauben finden wir in den Paulusbriefen. Nach seinem Selbstzeugnis hat Paulus in der hellenistischen Jesus-Gemeinde von Damaskus den Auferstehungsglauben kennengelernt und \u00fcbernommen: \u201eDenn vor allem habe ich euch \u00fcberliefert, was auch ich empfangen habe: Christus ist f\u00fcr unsere S\u00fcnden gestorben, gem\u00e4\u00df der Schrift, und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gem\u00e4\u00df der Schrift, und erschien dem Kephas, dann den Zw\u00f6lf. Danach erschien er mehr als 500 Br\u00fcdern, die meisten von ihn sind noch am Leben, einige sind entschlafen.\u201c Auffallend ist es, dass sich Paulus mit seiner Deutung und die Darstellungen der Evangelien widersprechen. Bei Paulus fehlen die Frauen, die in den Evangelien ausdr\u00fccklich als Zeugen der Auferstehung benannt sind? Die Tradition vom leeren Grab, die apologetisch ausgerichteten Ostergeschichten, die Integration des Auferstehungsglaubens in die Taufliturgie und die Deutung des Kreuzestodes Jesu sind weitere Bausteine eines neuen Glaubens, die wir alle in den (viel sp\u00e4ter geschriebenen) Evangelien wiederfinden.<br \/>\nPaulus als ausgebildeter Theologe ist nicht am Leben Jesu interessiert, sondern an der Ver\u00e4nderung des Lebens durch Gottes Geist: \u201eDenn Gott, der sprach: Aus Finsternis soll Licht aufleuchten, er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet, damit wir erleuchtet werden zur Erkenntnis des g\u00f6ttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi\u201c Der von ihm verk\u00fcndete Glaube ruht aber auch auf eigener (mystischer) Erfahrung: \u201eDas Evangelium, das ich verk\u00fcndigt habe, stammt nicht von Menschen. Ich habe es ja nicht von einem Menschen \u00fcbernommen oder gelernt, sondern durch die Offenbarung Jesu Christi empfangen.\u201c<br \/>\nBereits im 1. Korintherbrief entwickelt Paulus seine Auferstehungstheologie: \u201e Nun aber ist Christus (durch Gott) von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen. Da n\u00e4mlich durch einen Menschen (&gt;Adam) der Tod gekommen ist, kommt durch einen Menschen auch die Auferstehung der Toten. Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden\u201c . Paulus erkl\u00e4rt die Auferstehung als Neusch\u00f6pfung und w\u00e4hlt daf\u00fcr den Vergleich mit dem Samen: \u201eGes\u00e4t wird ein irdischer Leib, auferweckt ein \u00fcberirdischer Leib. \u2026.Der erste Mensch stammt von der Erde und ist Erde; der zweite Mensch stammt vom Himmel. Wie der von der Erde irdisch war, so sind es auch die Nachfahren. Und wie der vom Himmel himmlisch ist, so sind es auch seine Nachfahren. Wie wir nach dem Bild des Irdischen gestaltet wurden, so werden wir auch nach dem Bild des Himmlischen gestaltet werden.\u201c<\/p>\n<p><strong>Aspekte zum j\u00fcdischen Verst\u00e4ndnis von Leben und Tod<\/strong><br \/>\nDie Schriften des Ersten Testaments nennen zwei Menschen, die nicht gestorben sind: Henoch und Elias . \u201eHenoch war seinen Weg mit Gott gegangen, dann war er nicht mehr da, denn Gott hatte ihn aufgenommen\u201c ; Elias wurde im Wirbelsturm von Gott in den Himmel entr\u00fcckt Dagegen muss Mose als Folge seines Unglaubens in der W\u00fcste vor dem Einzug in das Gelobte Land sterben.<br \/>\n<span style=\"text-decoration: underline;\">Henoch<\/span> geh\u00f6rte zu den gerechten Menschen vor der gro\u00dfen Flut, deren hohes Lebensalter dem Leser (bzw. H\u00f6rer) die Langmut Gottes angesichts des moralischen Verfalls vermitteln sollte. Durch die Geburt seines Sohnes Metuschelach erh\u00e4lt Henoch eine tiefe Gotteserfahrung, so dass er nun \u201emit Gott wandelte\u201c. Henoch lebt 365 Jahre, eine symbolische Zahl, die die Vollendung des Jahreskreises aufnimmt. Die Gottesn\u00e4he seines Vaters strahlt auf Metuschelach \u00fcber; er wird mit einer Lebenszeit von 969 Jahren der \u00e4lteste Mensch der Bibel, vor allem aber die Br\u00fccke zu Noach, der vor der gro\u00dfen Flut die Menschheit rettet. Hinter der so genannten Urgeschichte des Genesisbuches steht die Frage nach dem B\u00f6sen in unserer Welt. Die Sch\u00f6pfung ist gut, auch der Mensch. Aber durch den Menschen kann in der Sch\u00f6pfung das B\u00f6se sich entfalten. Es sind die Gerechten, die die Welt retten. Henoch z\u00e4hlt zu Ihnen.. Er ist der erste neue Adam. In zwei neutestamentlichen Schriften wird an die Hennoch-Geschichte angekn\u00fcpft. Der Hebr\u00e4erbrief z\u00e4hlt Henoch zu den gro\u00dfen Zeugen des Glaubens.\u201c Aufgrund des Glaubens wurde Henoch entr\u00fcckt und musste nicht sterben; er wurde nicht mehr gefunden, weil Gott ihn entr\u00fcckt hatte; vor der Entr\u00fcckung erhielt er das Zeugnis, dass er Gott gefiel\u201c Die zweite Erw\u00e4hnung erfolgt im Brief des Judas, wo Henoch als apokalyptischer Prophet f\u00fcr das Gericht \u00fcber die Gottlosen zitiert wird .<br \/>\nIn Ankn\u00fcpfung an den biblischen Henoch entstehen vier (apokryphe) B\u00fccher, die mit \u201e 1., 2., 3.,4. Henoch\u201c oder nach den Sprachen bezeichnet werden, in denen sie geschrieben sind. Sie pr\u00e4gen den christlichen Glauben bis heute.<br \/>\nDas 1. Henochbuch ist vollst\u00e4ndig in \u00c4thiopisch \u00fcberliefert und wurde von der \u00e4thiopischen Kirche in ihren Schriftkanon aufgenommen. Teile sind in Aram\u00e4isch, Hebr\u00e4isch und Griechisch erhalten und k\u00f6nnen auf die Zeit zwischen 130 v. Chr. und 68 n. Chr. datiert werden.<br \/>\nDie anderen Henochb\u00fccher sind \u00dcbersetzungen bzw. auch Erweiterungen aus sp\u00e4terer Zeit.<br \/>\nIm 1. Henochbuch wird in der j\u00fcdischen Sp\u00e4tantike zum ersten Mal die Existenz einer \u201eH\u00f6lle\u201c beschrieben, in der s\u00fcndige Menschen und gefallene Engel gequ\u00e4lt werden. \u201eDie Schilderungen der verschiedenen Himmel und H\u00f6llen, mitsamt ihren Engeln (besonders den gefallenen), beeinflussten die Vorstellungen der fr\u00fchen Kirchenv\u00e4ter des 2. bis 4. Jahrhunderts. Historiker messen den B\u00fcchern daher eine bedeutende Rolle in der Entwicklung des christlichen Dogmas der H\u00f6llenlehre und bestimmter Aspekte der Apokalypse zu.\u201c<br \/>\nDas 2. Henochbuch wurde urspr\u00fcnglich in Griechisch geschrieben, ist in kirchenslawischer \u00dcbersetzung erhalten geblieben und stammt aus dem 1. Jahrhundert n.Chr. Die apokalyptische Schrift hat drei Teile: Bericht \u00fcber kosmische Reise des Henoch durch die sieben Himmel, Unterweisung des Henoch durch Gott, Mahnreden des Henoch an seine S\u00f6hne und die F\u00fcrsten des Volkes. Zwei Engel f\u00fchren Henoch durch die Himmelssph\u00e4ren. Im ersten Himmel wird ihm der himmlische Kosmos gezeigt, also unser Himmel, den wir erleben. Im zweiten Himmel warten die abgefallenen Engel auf das Gericht. Im dritten Himmel ist das Paradies mit den verstorbenen Gerechten und die H\u00f6lle mit den verstorbenen S\u00fcndern, die auf die Aburteilung warten. Im vierten Himmel befinden sich Sonne und Mond. Im Osten und Westen befinden sich je sechs Tore, Sechs Tore f\u00fcr die Sonne und sechs Tore f\u00fcr den Mond. Je nachdem welches Tor durchschritten wird, sind die Tage und die N\u00e4chte k\u00fcrzer oder l\u00e4nger. Der f\u00fcnfte Himmel wird von menschen\u00e4hnlichen Riesen bewacht. Im siebten Himmel sind die Engel, Erzengel und Cherubim um Gott versammelt. Gott weist den Erzengel Bretil an, Henoch Feder und Papier zu geben und ihm die Beschreibung der Welt und ihrer Erschaffung zu diktieren. Den Abschluss bildet der Ausblick auf die Sintflut als g\u00f6ttliches Strafgericht \u00fcber die s\u00fcndige Menschheit. Nach drei\u00dfig Tagen hat Henoch 360 B\u00fccher geschrieben. Er erh\u00e4lt den Auftrag zur Erde zur\u00fcck zu kehren. Hier berichtet Henoch zun\u00e4chst seinen S\u00f6hnen, warnt vor dem gro\u00dfen Strafgericht und ermahnt zu einem gottgef\u00e4lligen Leben. Danach kommt Henoch mit den \u00c4ltesten des Volkes zusammen. Das 2. Buch Henoch endet mit der Aufnahme Henochs in den obersten Himmel.<br \/>\nMit der Gliederung der Himmelssph\u00e4ren kn\u00fcpft das Henochbuch an die biblische Tradition der Zahl sieben an: \u201cAm siebten Tage vollendete Gott das Werk, das er geschaffen hatte, und er ruhte am siebten Tag, nachdem er sein ganzes Werk vollbracht hatte.\u201c<br \/>\n<span style=\"text-decoration: underline;\">Elija<\/span><br \/>\nDer Prophet Elija hat bis heute in der j\u00fcdischen Liturgie einen festen Platz. Im Tischgebet wird seiner gedacht. Bei jeder Beschneidung ist Elija als Pate genannt. Am Schabbat wird sein Name im dritten Segensspruch der Haftara nach der Toralesung genannt, am Schabbatausgang erklingt das Elija-Lied. Am Vorabend von Pessach steht der Elijabecher auf dem Tisch und bevor der Wein daraus getrunken wird, \u00f6ffnet man die T\u00fcr, damit der Prophet eintreten kann, falls er zur\u00fcckkehrt. Hintergrund ist der Hinweis im 2. Buch der K\u00f6nige \u201eAn dem Tag, da der Herr Elija im Wirbelsturm in den Himmel aufnehmen wollte \u2026\u201c und die Prophezeiung des Propheten Maleachi: \u201cBevor aber der Tag des Herrn kommt, der gro\u00dfe und furchtbare Tag, seht, da sende ich euch den Propheten Elija\u201c . An diese Erwartung kn\u00fcpfen auch die Evangelisten an, wenn sie die Leute fragen lassen, ob Jesus der wiedergekommene Elija sei? Und in der Erz\u00e4hlung von der Verkl\u00e4rung Jesu sehen die J\u00fcnger Moses und Elija neben ihrem Herrn.<br \/>\nElija (auch Elias, hebr. \u200f\u05d0\u05dc\u05d9\u05d4\u05d5\u200e Elijahu) lebte nach dem 2. Buch der K\u00f6nige im Nordreich Israel im zweiten Viertel des 9. Jahrhunderts v. Chr. Sein Name bedeutet \u201eMein Gott ist JHWH\u201d.<br \/>\nDas 1. Buch der K\u00f6nige erz\u00e4hlt von den Auseinandersetzungen des Propheten mit den K\u00f6nigen Ahab und Ahasja sowie mit den Priestern des einheimischen Fruchtbarkeitsgottes Baal und der kanaan\u00e4ischen Meeresg\u00f6ttin Aschera. Weil Elija eine mehrj\u00e4hrige D\u00fcrre als Strafe Gottes ank\u00fcndigt, wird er verfolgt und flieht in den (heutigen) Libanon. Hier steht er einer armen Witwe bei, indem er das Wunder der Vermehrung von Mehl und \u00d6l bewirkt und den verstorbenen Sohn aus dem Tod zur\u00fcckholt. Elias f\u00fcgt sich dem Wort des Herrn und stellt sich am Berge Carmel den heidnischen Priestern und Propheten. Durch ein Gottesurteil (Feuer vom Himmel) gewinnt Elija die Auseinandersetzung, Aber er zieht sich den Hass der K\u00f6nigin Isebel zu und muss in die W\u00fcste von Beerscheba fliehen. Hier erlebt er eine tiefe Glaubenskrise, die mit einer Gotteserfahrung beendet wird. In einer der tiefsten Geschichten der hebr\u00e4ischen Bibel wird erz\u00e4hlt, wie Elija von Angst von Todessehnsucht \u00fcberfallen wird. Er ging \u201eeine Tagreise weit in die die W\u00fcste hinein. Dort setzte er sich unter einen Ginsterstrauch und w\u00fcnschte sich den Tod. Er sagte: Nun ist es genug, Herr. Nimm mein Leben; denn ich bin nicht besser als meine V\u00e4ter.\u201c Im S\u00e4useln des Windes begegnet ihm dann Gott. \u201eAls Elija es h\u00f6rte, h\u00fcllte er sein Gesicht in den Mantel, trat hinaus und stellte sich an den Eingang der H\u00f6hle.\u201c Dann machte er sich erneut auf nach Damaskus. Vor seinem Tod berief Elija mit Elischa einen Sch\u00fcler, der die Erneuerung Israels fortsetzen sollte. Nach der letzten Anweisung an Elischa . \u201eerschien ein feuriger Wagen mit feurigen Pferden und trennte beide voneinander. Elija fuhr im Wirbelsturm zum Himmel empor.\u201c<br \/>\nElija ist der zweite Mensch der biblischen Tradition, der nicht sterben muss und lebend in den Himmel aufgenommen wird. Auf den griechischen Inseln wurde deshalb immer der H\u00f6chste Berg nach dem Propheten Elija benannt. Nahe Haifa gibt es eine H\u00f6hle, in der sich Elija auf seiner Flucht versteckt haben soll.<br \/>\n<span style=\"text-decoration: underline;\">Mose<\/span><br \/>\nHenoch und Elija werden aus der Todesverfallenheit der Menschheit herausgenommen. In ihnen erkennt der fromme Jude, dass Gott seine Sch\u00f6pfung nicht verlassen hat. Moses aber ereilt das Schicksal aller Menschen. Auf dem Berg Horeb schaut Mose \u00fcber den Jordan, aber er darf den Einzug in das verhei\u00dfene Land nicht erleben. Dies ist die Strafe f\u00fcr die Untreue w\u00e4hrend des W\u00fcstenzuges. Mose stirbt wie alle Menschen. \u201eMose war einhundert zwanzig Jahre alt, als er starb. Sein Auge war noch nicht getr\u00fcbt, seine Frische war noch nicht geschwunden. Die Israeliten beweinten Mose drei\u00dfig Tage lang in den Steppen von Moab. Danach war die Zeit des Weinens und der Klage um Mose beendet. Josua, der Sohn Nuns, war vom Geist der Weisheit erf\u00fcllt, denn Mose hatte ihm die H\u00e4nde aufgelegt.\u201c<br \/>\nNach der urspr\u00fcnglichen j\u00fcdischen \u00dcberlieferung geh\u00f6rt der Tod zum Leben. Wer die Gebote Gottes befolgt, kann mit einem langen Leben belohnt und wie Abraham \u201ebetagt und lebenssatt\u201c bei den Vorfahren beerdigt und so mit ihnen vereint werden. Das Leben in der Schattenwelt ist eine Vorstellung, die von der Umwelt in das j\u00fcdische Denken eindringt. J\u00fcdisch ist die Vorstellung, dass der Verstorbene zu Gott zur\u00fcckkehrt. F\u00fcr den gerechten Juden ist der Tod Heimkehr zu seinem Sch\u00f6pfer.<br \/>\nHenoch und Elija haben herausragende Bedeutung, denn sie sind Mittler f\u00fcr eine neue \u00c4ra: Henoch steht f\u00fcr die aus der Sintflut gerettete Menschheit und Elija f\u00fcr die Rettung des Jahve \u2013 Glaubens aus der Katastrophe der \u201eAmputation\u201c des Nordreiches. Mose bleibt der wichtigste Prophet und Mittler zu Gott, aber aufgrund des Unglaubens w\u00e4hrend des W\u00fcstenzuges gilt die Landverhei\u00dfung nur f\u00fcr seine Nachkommen. Mose war in die schicksalhafte Verstrickung seines Volkes eingebunden. Aber als Belohnung f\u00fcr die Befreiung aus \u00c4gypten wird ihm ein langes Leben und ein friedlicher Tod geschenkt.<br \/>\nZur Entwicklung des j\u00fcdischen (pharis\u00e4ischen) Auferstehungsglauben<br \/>\nDie gro\u00dfe Schnittstelle in der Geschichte Israels war das Babylonische Exil im 6. Jahrhundert v. Chr. Die ins Exil gef\u00fchrte geistige Oberschicht war hier in einer Bedr\u00e4ngnissituation zusammengedr\u00e4ngt. Die Frage \u201eWarum ist dieses Unheil \u00fcber uns gekommen?\u201c beherrschte alle Gespr\u00e4che. Um eine Antwort zu finden, wurde die Tradition \u201edurchforstet\u201c und die eigene Geschichte neu systematisiert. Ergebnis dieser langj\u00e4hrigen Entwicklung \u00fcber mehrere Generationen ist der Jahve-Glaube und seine Neuinterpretation in der hebr\u00e4ischen Bibel. Nach der R\u00fcckkehr und dem Wiederaufbau Jerusalems \u00fcberformte allerdings die Begegnung mit dem persischen und hellenistischen Denken zunehmend die j\u00fcdische Tradition. Gerade unter den vielf\u00e4ltigen neuen Bedr\u00e4ngnissen der syrischen Tyrannei wurde \u201eder Glaube der V\u00e4ter\u201c zum Lebensprinzip der j\u00fcdischen Menschen sowohl in Jud\u00e4a wie in der ganzen Diaspora. Die hebr\u00e4ischen heiligen Texte wurden durch griechische \u00dcbersetzungen (wie die Septuaginta LXX) den nicht mehr hebr\u00e4isch sprechenden j\u00fcdischen Gemeinden in der Diaspora vermittelt. Neue Texte in griechischer Sprache wurden in die biblischen Sammlungen eingef\u00fcgt, sp\u00e4ter als au\u00dferbiblische Traditionen tradiert. Im j\u00fcdischen Bewusstsein wird auch die Diaspora eine normale Situation. In dieser Umbruchszeit dringt der \u00e4gyptisch- persisch-hellenistische Auferstehungsglaube in das Judentum ein.<br \/>\nDie Makkab\u00e4erb\u00fccher bezeugen diese Entwicklung. Vor 200 v. Chr. geriet Israel unter die Fremdherrschaft der syrischen Seleukiden. Der Jerusalemer Tempel wurde gepl\u00fcndert und durch den Bau eines Zeusaltars gesch\u00e4ndet. In den beiden Makkab\u00e4erb\u00fcchern wird der j\u00fcdische Widerstand unter dem Hohen Priester Matatias und seinen S\u00f6hnen beschrieben. Nach dem Beinamen des \u00e4ltesten Sohnes Judas, der den Beinamen Makaba (&gt; der Hammer) trug, erhielt die Bewegung ihren Namen. In Erinnerung an die Einweihung des gereinigten Tempels erinnert das Chanukkafest.<br \/>\nIm siebten Kapitel des 2. Makkab\u00e4erbuches wird eine Geschichte von einer j\u00fcdischen Mutter und ihren sieben S\u00f6hnen erz\u00e4hlt, die der syrische K\u00f6nig Antiochus zwingen wollte, vom j\u00fcdischen Glauben abzufallen, indem sie Schweinefleisch essen sollten. Der Reihe nach wurden sie vor den K\u00f6nig vorgef\u00fchrt und well sie sich weigerten, wurde einer nach dem anderen gr\u00e4sslich gefoltert und get\u00f6tet. Die Geschichte schildert die Folterungen sehr anschaulich, aber auch den unersch\u00fctterlichen Glauben der S\u00f6hne und ihrer Mutter. Vor dem Tod bekennen die Gefolterten vor dem K\u00f6nig ihre Treue zu ihrem Glauben und ihre Hoffnung auf Gott.<br \/>\nDu Unmensch! Du nimmst uns dieses Leben, aber der K\u00f6nig der Welt wird uns zu einem neuen, ewigen Leben auferwecken, weil wir f\u00fcr seine Gesetze gestorben sind\u201c<br \/>\n\u201cGott hat uns die Hoffnung gegeben, dass er uns wieder auferweckt. Darauf warten wir gern, wenn wir von Menschenhand sterben. F\u00fcr Dich aber gibt es keine Auferstehung zum Leben.\u201c<br \/>\nIch wei\u00df nicht, wie ihr in meinem Leib entstanden seid, noch habe ich euch Atem und Leben geschenkt, auch habe ich keinen von euch aus den Grundstoffen zusammengef\u00fcgt. Nein der Sch\u00f6pfer der Welt, hat den werdenden Menschen geformt, als er entstand. Erkennt die Entstehung aller Dinge. Er gibt euch gn\u00e4dig Atem und Leben wieder, weil ihr jetzt um einer Gesetze willen nicht auf euch achtet.\u201c<br \/>\nZeugnisse f\u00fcr den gewachsenen Auferstehungsglauben gibt es auch an anderen Stellen der Bibel, ohne dass sich die zeitliche Bestimmung immer genau treffen l\u00e4sst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der Auferstehungsglaube der fr\u00fchen Kirche<\/strong><br \/>\nZurzeit Jesu sind es die pharis\u00e4ischen Theologen, die den Auferstehungsglauben in der Auseinandersetzung mit den einflussreichen Sadduz\u00e4ern lehren. Die Bibelwissenschaft vertritt heute weitgehend die Auffassung , dass Jesus mit seiner Reich-Gottes-Verk\u00fcndigung den Hauptakzent auf das konkrete (jetzige) Leben setzte. Immer ging es Jesus um das Jetzt und das Heute. Auch das Streitgespr\u00e4ch mit den Sadduz\u00e4ern endete mit dem Bekenntnis zu Gott, dem \u201eGott nicht von Toten sondern von Lebenden\u201c(Mk 12,18-27). Die fr\u00fche Jesusbewegung, die sich in den neutestamentlichen Schriften widerspiegelt, \u00fcbernahm jedoch fr\u00fchzeitig die Tradition des pharis\u00e4ischen Auferstehungsglaubens. Um die Spannung zwischen Annahme pharis\u00e4ischer Theologie und Ablehnung des rabbinischen Judentums aufzul\u00f6sen, wurde von den Evangelisten die Polemik zwischen Jesus und den Pharis\u00e4ern besonders betont.<\/p>\n<h4><strong>Hellenistische Einfl\u00fcsse auf den christlichen Auferstehungsglauben <\/strong><\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit der Zerst\u00f6rung Jerusalems verlagerte sich das Judentum ganz in die ( hellenistische) Diaspora. Durch die Konzentration auf die Thora und die hebr\u00e4ische Sprache wurde die pharis\u00e4ische Bewegung zum Sauerteig eines erneuerten Judentums. In seinem Schatten aber auch in Konkurrenz entwickelte sich die Jesusbewegung im R\u00f6mischen Reich zur christlichen Kirche. Sowohl j\u00fcdische wie christliche Gemeinden mussten sich mit einer Gesellschaft auseinandersetzen, die vom hellenistischen Denken gepr\u00e4gt war. Dies betraf auch die unterschiedlichen religi\u00f6sen Traditionen, Kulte und philosophischen Schulen. Die christliche Bewegung des Neuen Weges musste gegen\u00fcber dem Judentum mit seiner erneuerten rabbinischen Theologie und den oft einflussreichen j\u00fcdischen Gemeinden der hellenistischen Diaspora seine eigene Identit\u00e4t finden und sich gegen\u00fcber der hellenistischen Philosophie und den vielen Mysterienkulten behaupten. Der Isis- und Osiriskult war von den r\u00f6mischen Armeen bis nach Germanien verbreitet. Die g\u00f6ttliche Isis mit ihrem Kind Horus wurde erst durch die Gestalt der Muttergottes verdr\u00e4ngt und Osiris, der Herr des Totenreiches und der st\u00e4ndigen Wiederkehr, durch den auferstandenen Christus. Der Apiskult verehrte den alt\u00e4gyptischen Fruchtbarkeitsgott Pthah unter der Gestalt des heiligen Stieres. Im ganzen R\u00f6mischen Reich war der Kult um Appollon verbreitet, der Gott des sch\u00f6nen Lebens, der K\u00fcnste und der Heilkunst. Der g\u00f6ttliche Spielmann Orpheus, der g\u00f6ttliche Heiler Chiron, Dionysos, der Gott des sch\u00f6nen Lebens, Pallas Athene, die G\u00f6ttin der Weisheit und des Kampfes, sowie der M\u00e4nner\u2013Geheimbund des Gottes Mithras sind einige Beispiele. Besonders die Mysterienreligionen waren mit Geheimlehren und Initiationsriten verbunden und wollten das Gl\u00fcck im diesseitigen Leben wie den \u00dcbergang in die himmlische Welt vermitteln. Das R\u00f6mische Reich mit seiner weltanschaulichen Pluralit\u00e4t war die B\u00fchne, auf der sich die Jesusbewegung bew\u00e4hren musste. Dass bei diesem Prozess die j\u00fcdischen Wurzeln immer st\u00e4rker vergessen wurden, verstehen wir heute wieder besser.<br \/>\n<strong>Die Gestaltwerdung des christlichen Auferstehungsglaubens<\/strong><br \/>\nDer Auferstehungsglaube \u201ewar nicht das Ergebnis einer Nacht\u201c (Hubertus Halbfas), sondern wuchs als Prozess in den unterschiedlichen Gruppen der Jesusj\u00fcnger, wie es heute noch in den Schriften des Neuen Testamentes erkennbar ist. In den Glaubenssymbola und im kultischen Leben der Gemeinden erhielt dann der Auferstehungsglaube eine einheitliche Gestalt.<br \/>\nVon Gott aufgenommen:<br \/>\nIn den Auferstehungsgeschichten des Alten Testaments wurden die Menschen einfach von Gott aufgenommen. Es gab auch in der ganzen hellenistischen (also nichtj\u00fcdischen) Welt solche Geschichten von der Entr\u00fcckung ber\u00fchmter Menschen in den Himmel (z.B. Herakles und Menelaos). Bei diesem Vorstellungsmodell wird ein Mensch durch die Himmelsph\u00e4ren (durch die Luft) emporgezogen. In seiner Apostelgeschichte macht Lukas von diesem Mythos Gebrauch: \u201cAls er dies gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, und entzog ihn ihren Blicken.\u201c Auch bei Paulus finden wir diese Vorstellung: \u201c Dann werden wir, die Lebenden, die noch \u00fcbrig sind, zugleich mit ihnen (&gt;den schon Verstorbenen) auf den Wolken in die Luft entr\u00fcckt, dem Herrn entgegen.\u201c Dieses sehr konkrete Anschauungsmodell d\u00fcrfte besonders f\u00fcr einfach strukturierte Menschen (Bauern, Fischer, Tagel\u00f6hner) nachvollziehbar gewesen sein. Flankierend bot sich hier die Geschichte vom leeren Grab und den zusammengefalteten Leichent\u00fcchern an.<br \/>\n<span style=\"text-decoration: underline;\">Er war einfach da:<\/span><br \/>\nDie umgekehrte Metapher ist das pl\u00f6tzliche Erscheinen. Im Johannesevangelium wird erz\u00e4hlt, wie die J\u00fcnger \u00e4ngstlich bei verschlossenen T\u00fcren versammelt waren und dann Jesus auf einmal in ihrer Mitte war. Er kam und war einfach da. (Joh. 20,19).<br \/>\n<span style=\"text-decoration: underline;\">Wir haben ihn gesehen:<\/span><br \/>\nDies war die formelhafte Umschreibung des Auferstehungserlebnisses. Dem Evangelisten Johannes ist es offensichtlich wichtig, dass die J\u00fcnger nicht ein Gespenst sehen, sondern einen richtigen Menschen. In der Geschichte vom zweifelnden Thomas wird die Leiblichkeit des Auferstanden anschaulich geschildert.<br \/>\n<span style=\"text-decoration: underline;\">Es gibt viele Zeugen:<\/span><br \/>\nPaulus betont den Hinweis auf viele Zeugen, die den Auferstandenen erlebt haben und zwar mehrmals bei unterschiedlichen Situationen.<br \/>\n<span style=\"text-decoration: underline;\">Innere Offenbarung:<\/span><br \/>\nBei Paulus finden wir aber auch das Bild der inneren Erleuchtung: \u201eDenn Gott, der sprach: Aus Finsternis soll Licht aufleuchten, er ist ja in unseren Herzen aufgeleuchtet, damit wir erleuchtet werden zur Erkenntnis des g\u00f6ttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi.\u201c . Im Galaterbrief deutet Paulus diese Erleuchtung als Apokalypsis = Offenbarung: \u201e\u201cIch tue kund aber euch, Br\u00fcder, die Frohbotschaft, &#8211; verk\u00fcndet von mir, ist nicht nach Menschenart, denn auch ich habe sie nicht von einem Menschen empfangen, und nicht wurde ich belehrt, sondern durch eine Offenbarung Jesu Christi.\u201c<br \/>\n<span style=\"text-decoration: underline;\">Die Gr\u00e4ber \u00f6ffnen sich:<\/span><br \/>\nDass sich die Gr\u00e4ber \u00f6ffnen und die Toten heraussteigen k\u00f6nnen, ist eine Anschauung, die tiefe anthropologische Wurzeln hat. Bis ins sp\u00e4te Mittelalter gab es die Furcht vor der Wiederkehr der Toten. Hier ist wohl auch eine Wurzel f\u00fcr einen m\u00f6glichst schweren Stein auf dem Grab, gewisserma\u00dfen als Deckel zur Verhinderung, dass die Toten in unsere Welt zur\u00fcckkehren Der Prophet Ezechiel (6.-5. Jahrh.v. Chr.) gebraucht das Bild der vertrockneten Gebeine als Hoffnungsbild f\u00fcr Israel. Ganz anschaulich beschreibt er, wie die Ruach die toten Knochen mit Fleisch und Sehnen lebendig macht.<br \/>\n<span style=\"text-decoration: underline;\">Am J\u00fcngsten Tage<\/span><br \/>\nDie Androhung des Gerichts wegen Untreue kannten die Christen aus den hebr\u00e4ischen B\u00fcchern zur Gen\u00fcge. Auch Jesus lebte mit den Bildern der Apokalyptik, obwohl sich die Bibelwissenschaft nicht sicher ist, welches dieser Bilder aus dem Glauben der Gemeinden oder von Jesus stammt. Im Johannesevangelium sind Jesus-Logien zu einer gro\u00dfen Redenfolge zusammengef\u00fcgt. Hier spricht Jesus: \u201eDenn es ist der Wille meines Vaters, dass alle, die den Sohn sehen und an ihn glauben, das ewige Leben haben und dass ich sie auferwecke am Letzten Tag\u201c Im letzten Buch des Neuen Testaments, der Offenbarung des Johannes, wird der Gerichtsgedanke zu einem Drama ausgeweitet.<br \/>\n<span style=\"text-decoration: underline;\">Leib und Seele<\/span><br \/>\nDie Spaltung des Menschen in Leib und Seele (und Geist), die vor allem ihren Ursprung in der Anthropologie der \u00c4gypter und Griechen hatte, war in die Schriften des AltenTestamens eingeflossen. Auch Jesus gebrauchte im R\u00fcckgriff auf den Volksglauben dieses Bild vom geteilten Menschen : Im Tod trennt sich die Seele vom K\u00f6rper und der Leib geht zur\u00fcck in seinen Ursprung. \u00dcber das Schicksal der Seele gab es unterschiedliche Vorstellungen. Die Seelen der Gerechten werden durch Gott gerettet (=Erl\u00f6sung), die Seelen der S\u00fcnder fallen ins Nichts oder werden bestraft. \u00dcber die Zukunft des Leibes gibt es bis heute ganz unterschiedliche Vorstellungen. F\u00fcr die frommen Juden ist es eine besondere Begnadigung, vor den Toren Jerusalems begraben zu werden, weil sie dann am J\u00fcngsten Tag zu den Ersten geh\u00f6ren. In der christlichen Tradition gibt es viele hintergr\u00fcndige Praktiken. Menschen, die Suizid begangen haben, wurden au\u00dferhalb der geweihten Erde beerdigt. \u201eKetzer\u201c und \u201eHexen\u201c wurden verbrannt. Dahinter stand immer die Vorwegnahme der Verurteilung, auch wenn man die Seele der Barmherzigkeit Gottes anvertraute. Im Bistum Trier werden bis heute die Domkapitulare im Innenhof des Kreuzgangs des Domes mit hartgebrannten Ziegeln eingemauert. Bisch\u00f6fe werden im Zinksarg versiegelt und erhalten einen \u00e4u\u00dferen Sarg aus Hartholz. Auch die Sterbeliturgie der Katholischen Kirche ist bis heute vieldeutig, was den Leib betrifft. Auf der einen Seite wird die Verg\u00e4nglichkeit des Leibes betont (zu Staub werden), auf der anderen Seite wird gebetet: \u201cDer Herr wird dich auferwecken am J\u00fcngsten Tage\u201c. Das Dogma von der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel nahm den Volksglauben auf, dass auch bei Maria nach ihrer \u201eHimmelfahrt\u201c das Grab leer war. Die Unbestimmtheit des Auferstehungsglaubens (was-wann-wie passiert?) zeigt sich bei jeder Beerdigung. Die Texte der katholischen Beerdigungsliturgie lassen Schmerz und Trennung ebenso wie Hoffnung und Tr\u00f6stung einfach nebeneinander stehen. Auch das Nebeneinander von Jetzt und Weltenende wird nicht verwischt. Viele mythologische Bilder haben sich mit dem Auferstehungsglauben verbunden. Der hellenistische Hades und die j\u00fcdische Scheol finden sich in dem \u201ead inferos\u201c (zu den Toten) und in der \u201eH\u00f6llenfahrt Jesu\u201c im Volksglauben und in der Kunst wieder. Aber auch das persische H\u00f6llenfeuer und das christliche Fegefeuer (purgatorium) bilden den kontrastreichen Hintergrund zu dem Leben \u00fcber den Wolken in den Barockkirchen. Unter dem Sammelbegriff \u201eEwiges Leben\u201c verbirgt der christliche Auferstehungsglaube seine vielen mythologischen Bilder aus dem religi\u00f6sen Denken der fr\u00fcheren Generationen. \u201eDas Grab ist leer, der Held erwacht, der Heiland ist erstanden\u201c. Volksglaube und Kunst hatten nie Probleme, die Auferstehung Jesu und die Auferstehung der Toten realistisch darzustellen und zu besingen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Auferstehungsgeschehen<\/strong><br \/>\nDer katholische Dogmatiker Walter Simonis ist einer der wenigen Theologen, der den Versuch gewagt hat, das tats\u00e4chliches Geschehen des ersten Ostern zu rekonstruieren und zwar streng (so meint er) nach Quellenlage. Simonis geht davon aus, dass nach der schrecklichen Kreuzigung die Jesusgruppe keinerlei Perspektive hatte und sich deshalb zerstreute. Die Emmausgeschichte im Lukasevangelium hat die Situation sehr anschaulich beschrieben. Nach j\u00fcdischem Verst\u00e4ndnis konnte der Messias nicht am Kreuz hingerichtet werden, denn der Kreuzestod galt als Tod der Schande (Verbrecher).Doch dann gab es Ereignisse, die einige (viele, alle?) Jesusj\u00fcnger wieder zusammenf\u00fchrte. An dem nun stattfindenden spirituellen Prozess waren viele Faktoren beteiligt: Erinnerungen, Hoffnungen, \u00c4ngste, Gruppeneuphorien, psychische Prozesse, die allgemeine messianische Erwartung, die zunehmende Unzufriedenheit, der Druck der R\u00f6mer, die Spaltungen und Gruppenbildungen, die alten Traditionen der Schriften und schlie\u00dflich die Hoffnung, die in jedem Menschen lebt. Simonis beschreibt sehr einf\u00fchlsam wie in diesem Gebr\u00e4u von Entt\u00e4uschungen und Visionen der Auferstehungsglaube entstehen konnte. Von hier aus w\u00e4re es auch zu erkl\u00e4ren, dass es zun\u00e4chst zu einem \u201eAuferstehungsglauben light\u201c kam: Der Herr ist tot \u2013 Der Herr ist durch Gottes Geist bei uns. \u201eAls die Apostel in Jerusalem h\u00f6rten, dass Samarien das Wort Gottes angenommen hatte, schickten sie Petrus und Johannes dorthin. Diese zogen hinab und beteten f\u00fcr sie, sie m\u00f6chten den Heiligen empfangen.\u201c Erst durch die zunehmende Ber\u00fchrung mit dem hellenistisch gepr\u00e4gten Judentum (schon in Jerusalem) bekam der Auferstehungsglaube eine andere Qualit\u00e4t im Sinne einer individuellen Existenz \u00fcber den Tod hinaus.<br \/>\nSo k\u00f6nnte es gewesen sein \u2013 so oder ganz anders? Sicherheit \u00fcber die Anf\u00e4nge des Auferstehungsglaubens werden wir wohl nie erhalten. Doch dann geht Simonis noch einen Schritt weiter. Wenn der Auferstehungsglauben das Ergebnis eines Gruppenprozesses war, der sich immer mehr verdichtete und sich schlie\u00dflich wie das Bild einer Fata Morgana in den K\u00f6pfen und Herzen objektivierte, dann l\u00e4ge doch die Schlussfolgerung nahe, dass der christliche Glaube auf einem Irrtum entstanden ist und weiterhin besteht? Simonis scheut nicht, das vorbehaltlos zu bejahen, weil er im Auferstehungsglauben eine (im menschlichen Bewusstsein tief verwurzelte) Metapher f\u00fcr die Verhei\u00dfung des ewigen Lebens erkennt. Der biblische Auferstehungsglauben ist gewisserma\u00dfen wie eine Rakete, die der \u201eNeue Weg\u201c als Botschaft in unsere Welt bringt: die Hoffnung auf ein Leben nach unserem Tod. Erstaunlicherweise ist der Dogmatiker Simonis in der Katholischen Kirche nie verurteilt worden.<br \/>\n<strong>Die Abl\u00f6sung des Auferstehungsglaubens vom alten Weltbild<\/strong><br \/>\nWir stehen heute vor der gigantischen Aufgabe, den christlichen Auferstehungsglauben vom antiken Weltbild abzul\u00f6sen. Dies ist \u00e4hnlich riskant, wie bei der Rettung eines Frescos vom br\u00fcchigen Untergrund, denn Auferstehungsglauben und altes Weltbild sind in der biblischen \u00dcberlieferung unl\u00f6sbar miteinander verbunden. Am Namen und Inhalt des Festes \u201eChristi Himmelfahrt\u201c l\u00e4sst sich das leicht veranschaulichen. Das alte Weltbild war klar strukturiert und durch die Religionen gedeutet: \u00dcber der Erde die Himmelsph\u00e4ren als Welt Gottes, der Engel und der Auferstandenen \u2013 in der Erde die H\u00f6lle mit den Verdammten \u2013 auf der Erde die Lebenden in ihrer Bew\u00e4hrungsphase \u2013 Sonne und Sterne als Beleuchtung f\u00fcr das Leben auf der Erde. Das kopernikanische Weltbild f\u00fchrte zur Irritation, weil man den Widerspruch zwischen Katholischer Kirche und den Naturwissenschaften und weil die Theologen den Widerspruch zu den biblischen Texten nicht erkl\u00e4ren konnten. Als aber die Bibelwissenschaften entdeckten, welche eigentliche Botschaft die alten Texte \u00fcberlieferten, konnte das Leben auch mit dem \u201eHochgeschwindigkeitszug Erde\u201c f\u00fcr die Christen weitergehen. Denn die Sonne ging weiter auf und unter. Der Himmel ist weiterhin oben und der Sternenteppich glitzert weiterhin am Himmelgew\u00f6lbe. Doch durch moderne Astronomie und Raumfahrt ist unser christlicher Glaube \u201eheimatlos\u201c geworden. Mit unseren Augen sehen wir zwar den gestirnten Himmel \u00fcber uns, aber durch die Weltraumteleskope sehen wir durch unser Sonnensystem in die Milchstra\u00dfe hinein und dann weiter in den Kosmos mit seinen f\u00fcr uns unvorstellbaren Galaxien. Wir wissen auch, dass uns diese Bilder des Kosmos wegen der gro\u00dfen Entfernungen nur die Welt der Vergangenheit vermitteln. In diesen unendlichen R\u00e4umen ist es finster und dauerfrostig oder glei\u00dfend hell und superhei\u00df. Die unvorstellbaren K\u00f6rper und Massen bewegen sich mit unvorstellbarer Geschwindigkeit und Gr\u00f6\u00dfe und wir sind mittendrin in dieser kosmischen Suppe, ohne dass unser allt\u00e4gliches Leben davon ber\u00fchrt wird. Und das ist nur die H\u00e4lfte der Wahrheit, denn eine \u00e4hnliche Reise k\u00f6nnen wir nach innen machen, hinein in die Struktur der Materie, wo die Leerr\u00e4ume immer gr\u00f6\u00dfer werden, je tiefer wie in die Kleinheit eindringen; und wo sich Strukturen immer mehr aufl\u00f6sen, je genauer wir hinschauen k\u00f6nnen. In dieser unfassbar gro\u00dfen und unvorstellbar kleinen Welt leben wir, ma\u00dflos in unserer Sehnsucht und winzig in unserer Bedeutung.<br \/>\nZu der Abl\u00f6sung vom alten Weltbild geh\u00f6rt auch, dass wir Menschen uns von der Top-Position als Krone der Sch\u00f6pfung verabschieden. Trotz der permanent wachsenden Wissensexplosion verstehen wir von den Werdeprozessen der Sch\u00f6pfung sehr wenig. W\u00e4hrend fr\u00fcher fromme Menschen einen weisen und planenden Sch\u00f6pfer vor Augen hatten, sehen wir heute durch die riesigen Weltraumteleskope eine hei\u00dfe Weltsuppe aus plasmischen Gasen und chemisch \u2013 atomaren Prozessen in unbegreiflichen Massen, Geschwindigkeiten und Entfernungen. Wir wissen, dass der blaue Planet unser Schiff ist, mit dem wir in nicht nachvollziehbarer Geschwindigkeit durch unser Sonnensystem segeln und zwar ohne Kapit\u00e4n. Wir stammen von dieser Erde, wir leben von ihr, und wir kehren zu ihr zur\u00fcck. Dabei sind wir v\u00f6llig abh\u00e4ngig von den zuf\u00e4lligen Ver\u00e4nderungen. Sonnentuberanzen, Sonnenwinde und Meteore sind noch unberechenbarer als unsere irdisches Wetter. Wenn die Erdachse sich ver\u00e4ndert oder der Magnetismus sich umpolt, wenn ein Himmelsbrocken aus den Tiefen jenseits des Sonnensystems kommt und die Erde anpeilt, wenn vom Weltraum aggressiv lebensfeindliche Viren die Erde verschmutzen oder heimische Bakterien lebensfeindlich mutieren \u2013 immer sind wir wehrlos bedroht. Schon eine H\u00fchnergrippe oder ein schweres Erdbeben kann das Leben der Menschheit v\u00f6llig ver\u00e4ndern. Angesichts der kosmischen Dimensionen sind wir sechs Milliarden Erdlinge auf dem blauen Planeten bedeutungslos. Selbst wenn die bemannte Raumfahrt zum Mars gelingt &#8211; und es d\u00fcrfte nur eine Frage der Zeit sein &#8211; sind wir immer noch innerhalb unseres \u00fcberschaubaren Sonnensystems, nur ein St\u00fcck weiter als zum Mond. Wir werden auf dem Mars einen Friedhof bekommen; erleben werden es vielleicht unsere Kinder. Aber vielleicht verkommt auch die m\u00fchsam erbaute Marssiedlung, weil unsere Technologie unter den unbekannten Bedingungen des Roten Planeten verrottet \u2013 und die lebende Kolonie dazu.<br \/>\nAm tiefsten aber d\u00fcrfte uns das neue Verst\u00e4ndnis vom Leben und Sterben treffen. Wir wissen heute, dass das Ph\u00e4nomen Leben auf unserer Erde sp\u00e4testens durch den Kollaps unseres Sonnensystems begrenzt ist. Diese zeitliche Begrenzung gilt auch f\u00fcr jedes Individuum. Das Ende ist vorprogrammiert \u2013 f\u00fcr jeden einzelnen von uns. Auch wenn wir den mittelalterlichen Totentanz nicht zu lieben m\u00f6gen, geh\u00f6rt seine Botschaft heute zum gesicherten Wissensbestand. Der Mensch ist mit seiner Welt nicht f\u00fcr die Unsterblichkeit angelegt. Jedem von uns steht nur eine begrenzte Lebenszeit zur Verf\u00fcgung, die sich weithin unserem Einfluss entzieht. Die Evolution des Lebens auf der Erde l\u00e4sst ewiges Leben nicht erkennen. Unsere M\u00f6glichkeiten, das Leben zu verl\u00e4ngern sind begrenzt und beziehen sich immer nur auf eine Minderheit. Bis jetzt gibt es keinerlei M\u00f6glichkeit, \u00fcber die Todesgrenze hinauszusehen. Auch die Nahtodforschung erfasst nur die Wirklichkeit diesseits des Todes. Das Schweigen Gottes wird vom Schweigen der Toten begleitet. Wir leben alle wie auf einem Friedhof. und haben die Toten stofflich in unserem K\u00f6rper materialisiert. So ist die Frage nach Botschaft und Wert des Auferstehungsglaubens mehr als aktuell.<br \/>\n<strong>Verstehenszug\u00e4nge zum Auferstehungsglauben.<\/strong><br \/>\nF\u00fcr uns Christen bietet sich zun\u00e4chst die traditionelle christliche Erl\u00f6sungslehre an. Danach ist die S\u00fcnde von Anfang an im Herzen des Menschen und hat den Tod und vielerlei Leiden zur Folge. Doch der Gottmensch Jesus Christus hat die ganze Menschheit durch seinen Gehorsamstod am Kreuz erl\u00f6st. Das Blut des gekreuzigten Gottmenschen hat Gott vers\u00f6hnt und uns rein gewaschen. In den Liedern der Kar- und Osterwoche wird dies besungen. Das Christentum hat ein umfangreiches dogmatisches System entwickelt, wozu auch die Funktion der Kirche als Heilsmittlerin und die Aufspaltung der Wirklichkeit in Diesseits und Jenseits geh\u00f6rt. Bei genauerem Hinschauen des traditionellen Glaubens zeigt sich ein Gemenge von ganz unterschiedlichen Vorstellungen von der Unsterblichkeit der Seele bis zur Auferstehung der Toten am J\u00fcngsten Tag. Hinter dem individuellen Schicksal von Ewigem Leben oder Ewiger Verdammnis steht die Gemeinschaft der jeweiligen Schicksalsgruppe, die Gemeinschaft der Heiligen oder die auf ewig Verdammten, wobei die christliche Kirche immer offen gelassen hat, ob die H\u00f6lle voll oder leer ist.<br \/>\nDiese christliche Erl\u00f6sungslehre ist aber vielen Menschen fremd geworden. Der Tod ist nicht \u00fcberwunden, sondern durch die Medien und die reale tagt\u00e4gliche eigene Erfahrung allgegenw\u00e4rtig. Die lange Entwicklungsgeschichte der Menschheit hat keinen Platz f\u00fcr Adam und Eva. Und weil der Himmel f\u00fcr uns oben und auf der anderen Erdh\u00e4lfte unten ist, fehlt uns die Orientierung.<br \/>\nNur 31 % der Deutschen glaubt an die christliche Auferstehung, und nur die H\u00e4lfte glaubt an ein Jenseits, erkl\u00e4rt der Theologe Patrick Becher in der Wochenzeitung Die Zeit. Nach Paulus f\u00e4llt damit das Christentum in sich zusammen. Die Situation der christlichen Kirchen gleicht einem Haus, das nicht mehr regelm\u00e4\u00dfig bewohnt wird. Der Putz f\u00e4llt von den W\u00e4nden, das Dach wird undicht und die Bodenn\u00e4sse dringt in die Mauern. Reparaturen werden nur noch sporadisch gemacht Gravierender ist die Unf\u00e4higkeit, innezuhalten, nachzudenken und neue Konzepte zu finden. Dabei hat das Christentum eine reiche Geschichte von Umdenken und Neuorientierung. Angesichts des Zerfalls des Westr\u00f6mischen Reiches durch den Ansturm der Barbarenv\u00f6lker, war es Augustinus, der dem Christentum mit seiner Idee vom Gottesstaat ein neues Fundament gab. In der Schrecklichkeit der mittelalterlichen Zerst\u00f6rungswut verwurzelten die monastischen Theologen wie Anselm von Canterbury, Albertus Magnus, Don Scotus und Thomas von Aquin das Christentum im Denken der griechischen Philosophie. Und die Konziliare Bewegung um das II. Vatikanum entdeckte das Volk Gottes als urspr\u00fcngliche (j\u00fcdisch gepr\u00e4gte) Gestalt des Christentums. Anders gefragt: Ersch\u00f6pft sich (hier gemeint die katholische) Kirche in Restauration und Selbstbehauptung oder \u00f6ffnet sie sich f\u00fcr das Leben und Denken der Menschen heutiger Zeit?<br \/>\nAuch die altj\u00fcdische Theologie bietet sich an, nach der der Tod zum Leben geh\u00f6rt. Alle Menschen m\u00fcssen sterben. Grab oder Verbrennung sind irgendwann unser Schicksal. Die Dauer unseres Lebens und sein Verlauf k\u00f6nnen durch die Qualit\u00e4t unser Leben verk\u00fcrzt und verschlechtert werden, aber Sterben und Tod haben wir mit der ganzen Natur gemeinsam. Pflanzen, Tiere und Menschen sind alle sterblich \u2013 wie das Gras, das heute bl\u00fcht und morgen verwelkt. Dieser altj\u00fcdische Glaube ist jedoch ohne einen tiefen Gottesglauben ohne Fundament. Der sterbliche Mensch wei\u00df sich unter Seinen Fl\u00fcgeln geborgen und kann vertrauensvoll zu Gott zur\u00fcckkehren, von dem er einst gekommen ist. Ohne den Gottesglauben bedeutet der Tod ein absolutes Ende des Individuums. Nur \u00fcber die Spuren des Lebens gibt es dann ein Weiterleben: in seinen Kindern und seinen Werken kann der Mensch f\u00fcr die n\u00e4chsten Generationen bedeutsam bleiben. Das gilt aber nur f\u00fcr eine verschwindende Minderheit. Die gro\u00dfe Masse der Menschen verschwindet in der Vergessenheit.<br \/>\nEine dritte Variante \u2013 auch f\u00fcr das Christentum &#8211; bietet das panteistische Denken. Gott ist eine Chiffre f\u00fcr das Ganze (Leben, Natur, Erde, Kosmos u.\u00e4.), zu dem auch wir Menschen geh\u00f6ren. Sterben bedeutet Ende der individuellen Existenz und Tod die R\u00fcckkehr in das Ganze. Nicht das Leben sondern die individuelle Erscheinungsform des Lebens ist zeitlich begrenzt. Die meisten Humanisten wie die Naturwissenschaftler dachten und denken pantheistisch. Aber auch in den fern\u00f6stlichen Religionen finden wir Varianten des Pantheismus. Die christlichen Kirchen haben das pantheistische Denken immer abgelehnt und gnadenlos verfolgt. In unserer Zeit aber k\u00f6nnen wir beobachten, wie sich christliches Denken und humanistische Welterkl\u00e4rung ann\u00e4hern. Der katholische ZEN\u2013Theologe Willigis J\u00e4ger, der auch der christlichen Mystik nahe ist, vergleicht Gott mit dem Meer und die einzelnen Menschen mit den Wellen, die aus dem Meer kommen und dahin wieder zur\u00fcckgehen, um sich aufzul\u00f6sen. Die Sch\u00f6pfung ist die Selbstdarstellung des G\u00f6ttlichen. Als einzelner Mensch bin ich \u201edie Manifestation der Urwirklichkeit Gott. Meine wirkliche Aufgabe ist es, Mensch zu sein. Mensch zu sein mit allen Potenzen\u2026\u2026 Und das ist der eigentliche Auftrag, den ich habe: Gott zu leben in dieser Gestalt und mein Leben zu zelebrieren als Leben Gottes.\u201c F\u00fcr J\u00e4ger ist es Gott, der wiedergeboren wird. Sein atheistischer Pendant k\u00f6nnte Wilhelm Schmidt sein, ein s\u00e4kularer (nichtchristlicher) Philosoph. Er betrachtet das Leben als Ganzes und uns Menschen als inkarnierte Individuen, die das Leben in seinem Reichtum und seiner Sch\u00f6nheit entfalten, dann aber durch Altern und Sterben ihre Individualit\u00e4t verlieren und ihre \u201aEnergie zur\u00fcckgeben in den kosmischen Muttermund. Ich wage den Satz: Eine solche pantheistische Deutung entspricht passgenau unserem Menschen- und Weltenbild. Die Frage, ob wir nicht damit die N\u00e4he (&gt;Personalit\u00e4t) Gottes opfern, entsch\u00e4rft sich, wenn wir uns bewusst machen, dass das klassische wie das fr\u00fche Judentum die bildhafte Personalit\u00e4t Gottes ablehnte. Die Frommen beteten zu Gott, ohne sich von Gott ein Bild zu machen. Sie sprachen zu Gott wie zu einem anderen Menschen, waren sich aber bewusst, dass Gott der ganz Andere ist, unbegreiflich und unvorstellbar. Wenn wir auf diesem Hintergrund nach Jesus Christus fragen, sto\u00dfen wir auf einen Propheten, der eine so tiefe Gotteserfahrung hatte, dass sich in ihm Gott inkardinierte (Fleisch wurde). Er brachte die Erinnerung an das spirituelle Geheimnis unserer Welt (Abba)zur\u00fcck und erlitt mit seinem Kreuzestod das Prophetenschicksal.<br \/>\nNat\u00fcrlich kann hier nur angedeutet werden, in welche Richtung die ganze j\u00fcdisch \u2013 christliche Tradition in das Denken und Leben unserer Zeit zu transformiert werden muss. Den christlichen Kirchen f\u00e4llt das Umdenken schwer.<br \/>\nZum Schluss. Woran kann ich mich festhalten mit meinen fast 78 Lebensjahren? Vielleicht so: Ich bin ein Gesch\u00f6pf des G\u00f6ttlichen Mysteriums, das ich wie meine Vorfahren Gott nenne. Mit H\u00f6hen und Tiefen habe ich das mir geschenkte Leben gelebt. Es begann mit der Befruchtung einer Eizelle im Leib meiner Mutter durch einen Samenfaden aus den Hoden meines Vaters. Dann haben sich meine Erbanlagen im Schutzraum des Mutterleibes entfaltet. Ich wurde Mensch und trat ein in die Gemeinschaft des Menschengeschlechtes. Nach der Geburt begann meine lebenslange Lernzeit. Ich lerne Tag und Nacht. Ich lernte es auch, mein Leben in facie Dei (im Angesicht Gottes) zu f\u00fchren. Irgendwann war ich ein Mensch, der sein Leben in Eigenverantwortung f\u00fchren konnte \u2013 auch nach dem Tod der eigenen Eltern. Doch alles hat seine Zeit, auch meine Individualit\u00e4t. In absehbarer Zeit wird mein K\u00f6rper seine kosmische Energie verlieren. Im Sterben werde ich mich Schritt f\u00fcr Schritt verabschieden m\u00fcssen von diesem Leben. Ich werde mich aufl\u00f6sen wie die schmelzende Schneeflocke und meine Lebensenergie zur\u00fcckgeben an das Ganze. Vater. In Deine H\u00e4nde gebe ich meinen Geist. Ich werde zur\u00fcckkehren in das Ganze, aus dem ich gekommen bin. Meine materiellen Bausteine und meine Energie werden f\u00fcr andere Individuen zur Verf\u00fcgung stehen, denn das Leben sucht st\u00e4ndig neue Formen, um unterschiedliche Gestalt anzunehmen. Meine Individualit\u00e4t wird gewandelt.<br \/>\n1927 hat Bert Brecht eine Lied geschrieben: \u201eLasst euch nicht verf\u00fchren! Es gibt keine Wiederkehr. Der Tag steht in den T\u00fcren, ihr k\u00f6nnt schon Nachtwind sp\u00fcren, es kommt kein Morgen mehr.\u201c Die letzte Strophe ist noch deutlicher: \u201cUnd es kommt nichts nachher zu Frohn und Ausgezehr! Was kann euch Angst noch r\u00fchren! Ihr sterbt mit allen Tieren und es kommt nichts nachher.\u201c Brecht spricht von den 150.000 Menschen, die t\u00e4glich sterben. Dazu geh\u00f6ren die abgetriebenen F\u00f6ten, die Achtzehnj\u00e4hrigen, die bei einem Verkehrsunfall vor einen Baum fahren, die sechzigj\u00e4hrigen M\u00e4nner die durch Blitztod sterben, die verhungernden Kinder, die Krebstoten, die Opfer von Verbrechen, die sterbenden Menschen in den Slums, die Soldaten und Zivilopfer in den vielen schmutzigen Kriegen, die Gefolterten und Hingerichteten, die erl\u00f6st Gestorbenen nach langer Pflegezeit.<br \/>\nAls Christ aber wei\u00df ich all diese Menschen geborgen in dem gro\u00dfen Mysterium, das wir Gott nennen. Von ihm kommen wir und zu ihm kehren wir wieder zur\u00fcck.<\/p>\n<p>\u00a0Ostern 2014<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_2081\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Unbenannt.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2081\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-2081\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Unbenannt-300x204.jpg\" alt=\"Graphik &quot;Sch\u00f6pfung&quot;. Autor: Dieter Kittlau\u00df 2012\" width=\"300\" height=\"204\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Unbenannt-300x204.jpg 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Unbenannt.jpg 585w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2081\" class=\"wp-caption-text\">Graphik &#8222;Sch\u00f6pfung&#8220;. Autor: Dieter Kittlau\u00df 2012<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aspekte zur Entwicklung des christlichen Auferstehungsglaubens Der Glaube an die Auferstehung Jesu und an die Verhei\u00dfung der Auferstehung f\u00fcr alle Jesusj\u00fcnger wird mit unterschiedlichen Glaubensformeln und Geschichten bezeugt. Das Lukasevangelium nennt in der Apostelgeschichte Jerusalem , Samaria und Damaskus als erste Zentren christlicher Gemeinden. Der katholische Dogmatiker Walter Simonis sieht die Anf\u00e4nge des Auferstehungsglaubens in [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0},"categories":[4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2077"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2077"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2077\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2077"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2077"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2077"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}