{"id":2045,"date":"2014-06-02T19:30:28","date_gmt":"2014-06-02T17:30:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/?p=2045"},"modified":"2014-06-05T07:26:42","modified_gmt":"2014-06-05T05:26:42","slug":"rueckblende-auf-den-regensburger-katholikentag","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/rueckblende-auf-den-regensburger-katholikentag\/","title":{"rendered":"R\u00fcckblende auf den Regensburger Katholikentag"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter wp-image-2048 size-medium\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/csm_DKT2014_Plakate_A4-2_RGB-150dpi_971d86764f-212x300.jpg\" alt=\"csm_DKT2014_Plakate_A4-2_RGB-150dpi_971d86764f\" width=\"212\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/csm_DKT2014_Plakate_A4-2_RGB-150dpi_971d86764f-212x300.jpg 212w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/csm_DKT2014_Plakate_A4-2_RGB-150dpi_971d86764f-723x1024.jpg 723w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/csm_DKT2014_Plakate_A4-2_RGB-150dpi_971d86764f.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><br \/>\nBis zum Donnerstagabend hat es geregnet und bis zum Freitagnachmittag war es saukalt, auch waren f\u00fcr Gehbehinderte die Wege lang und beschwerlich. Das wird vom Regensburger Katholikentag 2014 in Erinnerung bleiben, aber am Samstag lie\u00df der blaue Himmel alles vergessen. Die Vielfalt des deutschen Katholizismus konnte sich doch noch zeigen, die vielen jungen Leute tanzten auf den Stra\u00dfen und alle waren heiter und gelassen. Am tiefsten hat mich die Rede des Bundespr\u00e4sidenten am Mittwochabend auf dem Domplatz beeindruckt. Gauck griff das Thema des Katholikentages auf und sprach vom Br\u00fcckenbau zwischen den Konfessionen und zwischen den Religionen wie auch zwischen dem religi\u00f6sen Glauben und der s\u00e4kularen Gesellschaft. Dabei kam er auf die Frage:\u201cWie viel Religion vertr\u00e4gt eine s\u00e4kulare Gesellschaft?\u201c. <!--more-->In dieser Fragestellung verstecke sich die These, dass die Religion \u2013 und das hei\u00dft: der Glaube an Gott \u2013 f\u00fcr die Gesellschaft auf jeden Fall eine Zumutung darstelle. Gauck lie\u00df sich hier vom Begriff der Zumutung leiten, aber in seiner urspr\u00fcnglichen Bedeutung. Denn der christliche Glaube mute nicht nur der s\u00e4kularen Gesellschaft sondern auch uns Christen zu, \u201eeinen anderen Ma\u00dfstab anzuerkennen, als den, den wir uns selber bequem zurechtlegen m\u00f6chten. Und er gibt uns den Mut und die Kraft, uns den Herausforderungen zu stellen, die unser Leben f\u00fcr uns bereith\u00e4lt.\u201c Dann wurde der Bundespr\u00e4sident so konkret, wie ich es schon lange nicht geh\u00f6rt habe: \u201eDass der Schwache gesch\u00fctzt wird, dass Teilen richtiger ist als Behalten, dass der geschlagene N\u00e4chste am Wegesrand, in welcher Gestalt auch immer er aktuell auftritt, Herausforderung f\u00fcr unsere N\u00e4chstenliebe ist, dass Friedfertigkeit so weit geht, dem Angreifer auch die andere Wange hinzuhalten, dass Gerechtigkeit wirkliches Teilen meint und nicht gelegentliche Almosen, dass die W\u00fcrde des Menschen nicht von seiner Herkunft, nicht von seinem Glauben, nicht von seinem Gesundheitszustand abh\u00e4ngt, dass diese W\u00fcrde zu achten ist von der Zeugung bis zum letzten Atemzug, dass man nicht alles darf, was man kann.\u201c<br \/>\nBeeindruckend war der Schlusssegen. Vier M\u00e4nner und eine Frau schlugen ein gro\u00dfes Kreuz. Doch bei den n\u00e4chsten Gottesdiensten war alles wieder brav klerikal. Wie bei einer Viruserkrankung ist der hierarchische Virus in der Katholischen Kirche offensichtlich unausrottbar. Die Selbstdarstellung der katholischen \u201eTheaterkirche\u201c war kaum st\u00e4rker zu betonen. Wer die Bisch\u00f6fe mit ihren hohen H\u00fcten hinter dem Altar sah, wusste sofort, wer in der Katholischen Kirche das Sagen hat. Das Kommen und Gehen der bisch\u00f6flichen Exzellenzen bestimmt eben nicht zuf\u00e4llig den Ablauf aller katholischen Pontifikal\u00e4mter und als klerikale Miniaturkopie jede katholische Messe.<br \/>\nDie \u201eVereinigung katholischer Priester und ihrer Frauen (VkPF)\u201c, bei der ich mich seit vielen Jahren engagiere, hatte wieder einen Stand in der Kirchenmeile und konnte einen Gottesdienst gestalten. Wie in den vergangenen Jahren gab es kaum negative Stimmen, meistens Anerkennung und Lob. Viele lie\u00dfen sich auf ein Gespr\u00e4ch oder schrieben sich in das G\u00e4stebuch ein. Wenn die deutschen katholischen Bisch\u00f6fe eine Umfrage machen w\u00fcrden, w\u00fcrden sie sehr schnell merken, dass die meisten Katholiken den Pflichtz\u00f6libat (und nur darum geht es) als st\u00f6rend und \u00fcberholt betrachten. Am Samstagnachmittag kam eine Gruppe junger Seminaristen der Legion\u00e4re Christi (LC) zu unserem Zelt. In schwarzer Hose, wei\u00dfem Seidenhemd, schwarzem G\u00fcrtel, Silberkreuz und mit ihren einheitlichen Rucks\u00e4cken waren sie sofort zu erkennen. Wie bei den Zeugen Jehovas war eine inhaltliche Auseinandersetzung jedoch nicht m\u00f6glich. Sie waren alle bereits unverr\u00fcckbar fixiert. Deshalb hielt ich mich beim Gespr\u00e4ch zur\u00fcck und sagte lediglich: \u201eSo wir ihr seid, waren wir auch einmal\u201c.<br \/>\nDie Tradition des Katholikentages l\u00e4sst eine gewisse Toleranz zu. Die Vereinigung \u201eHomosexuelle und Kirche (HUK\u201c, die \u201eVereinigung der Lesben\u201c, \u201eWir sind Kirche\u201c und \u201eDonum Vitae\u201c hatten jeweils einen Stand in unserer N\u00e4he. Doch diese \u201eSchmuddelecke\u201c wirkte eher als verlegenes Alibi. Das Thema des Katholikentages \u201eMit Christus Br\u00fccken bauen\u201c ist schillernd. Als J\u00fcnger Jesu \u201eBr\u00fccken bauen\u201c w\u00e4re eindeutiger gewesen. Als ich bei den Frauen von \u201eDonum Vitae\u201c vorbei sprach, fragte ich sie, ob sich die Bisch\u00f6fe bei ihnen entschuldigt h\u00e4tten. \u201eNein\u201c, erhielt ich zu Antwort, aber zwei Bisch\u00f6fe w\u00e4ren immerhin vorbeigekommen. \u00dcbrigens spielte der sechshundertste Jahrestag der Er\u00f6ffnung des Konstanzer Konzils, das die Herrschaft der drei P\u00e4pste beendete, keine merkliche Rolle auf dem ganzen Kirchentag, so war jedenfalls mein Eindruck..<br \/>\nBei unserem Gottesdienst lief eigentlich alles schief. Wir hatten nur 25 Texte in schlechter Druckqualit\u00e4t und ohne Lieder, die Musikanten hatten abgesagt und vor der Kirche trommelte eine Jugendgruppe. Wir sind keine Profis mehr, das wurde deutlich. Aber vielleicht war die Tatsache, dass die VkPF im Rahmen des offiziellen Programms und diesmal sogar mitten in der Altstadt ihren Gottesdienst feiern konnte, das Wichtigste. Der Ort, die evangelische Neue Pfarrkirche, war jedoch von historischer Bedeutung. Als 1519 Kaiser Maximilian, der Schutzherr der Juden, gestorben war, holen die Regensburger Ratsherrn die vorbereiteten Pl\u00e4ne aus der Schublade und vertrieben innerhalb von drei Tagen alle j\u00fcdischen B\u00fcrger, zerst\u00f6rten Synagoge und Schulhaus und auch den Friedhof der j\u00fcdischen Gemeinde. Die Grabsteine wurden anschlie\u00dfend in den H\u00e4usern verbaut und auf dem Gel\u00e4nde des j\u00fcdischen Viertel wurde begonnen, eine christliche Kirche zu bauen. Durch die Reformation wurde das Geld knapp, so dass nur der Chor fertig wurde, die heute neue Pfarrkirche. Im Rahmen des Katholikentages w\u00e4re ein Bu\u00dfgottesdienst angebracht gewesen.<br \/>\nWenn man fragt, was von diesem Katholikentag bleiben wird, ist es vielleicht das Thema. Aber ob die deutsche Kirche dem Br\u00fcckenbauer (Pontifex) Franziskus folgen wird bzw. ob dieser mehr als eine kurzfristige Episode sein wird, ist ungewiss. Sicher ist aber eins: Je mehr in Europa der christliche Geist abstirbt, umso st\u00e4rker wird das Vakuum. Der n\u00e4chste Katholikentag wird in zwei Jahren in Leipzig sein, einer Stadt mit 4 % Katholiken und einer \u00fcberwiegenden Mehrheit von Nichtchristen.<br \/>\nDieter Kittlau\u00df<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Bis zum Donnerstagabend hat es geregnet und bis zum Freitagnachmittag war es saukalt, auch waren f\u00fcr Gehbehinderte die Wege lang und beschwerlich. 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