{"id":1802,"date":"2013-07-04T11:06:14","date_gmt":"2013-07-04T09:06:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/?p=1802"},"modified":"2013-07-21T17:34:51","modified_gmt":"2013-07-21T15:34:51","slug":"warum-ich-mein-goldenes-priesterjubilaum-nicht-gefeiert-habe","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/warum-ich-mein-goldenes-priesterjubilaum-nicht-gefeiert-habe\/","title":{"rendered":"Warum ich mein Goldenes Priesterjubil\u00e4um nicht gefeiert habe?"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_1829\" style=\"width: 149px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/1962-mit-Oratorianerkragen-97-KB.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1829\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1829 \" alt=\"Dieter Kittlau\u00df im Jahre 1962 als r\u00f6mischer Kleriker im Oratorianerkragen\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/1962-mit-Oratorianerkragen-97-KB-208x300.jpg\" width=\"139\" height=\"201\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/1962-mit-Oratorianerkragen-97-KB-208x300.jpg 208w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/1962-mit-Oratorianerkragen-97-KB.jpg 399w\" sizes=\"(max-width: 139px) 100vw, 139px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1829\" class=\"wp-caption-text\">Dieter Kittlau\u00df im Jahre 1962 als r\u00f6mischer Kleriker im Oratorianerkragen<\/p><\/div>\n<p>Fakt ist, dass ich am 29. Juni 1963 im Erfurter Mariendom durch den damaligen Erfurter Weihbischof Joseph Freusberg zum katholischen Priester geweiht wurde, und dies war am vorigen Samstag vor f\u00fcnfzig Jahren. Fakt ist auch, dass ich nach dem allgemeinen Recht der Katholischen Kirche bis zu meinem Tod Priester bleibe und deshalb die Pflicht habe, Menschen in extremer Lebenslage priesterlich beizustehen. Durch diese Verpflichtung ist deshalb die so genannte Laisierung nicht mit der Entehrung eines Offiziers zu vergleichen, dem man die Epauletten abriss und ihn damit zu einem gemeinen Soldaten degradierte; eher k\u00f6nnte man von einem teilweisen Berufsverbot sprechen. Die Frage ist aber zu stellen, ob durch die Laisierung das priesterliche Leben und Tun unterbrochen wurde, so wie bei jemandem, der einmal freier Bauer war und dann in die Stadt zog, um als Angestellter beim Veterin\u00e4ramt des Landkreises in der Lebensmittel\u00fcberwachung zu arbeiten?<\/p>\n<p><!--more-->Nein, das kann ich nicht so sehen. 3 Jahre Kaplan in Jena, 5 Jahre Di\u00f6zesanjugendseelsorger in Erfurt, 21 Jahre Leitung des Bendorfer Hedwig-Dransfeld-Hauses &#8211; nebenbei auch Rector Ecclesiae (verantwortlich f\u00fcr die Kapelle) &#8211; und 13 Jahre Seelsorger im Seniorenzentrum Bendorf. Selbst in den schwierigen 4 Jahren beim Zoo, bei der DDR\u2013Versicherung und im Papiergro\u00dfhandel ging es mir eher wie den Untergrundpriestern in der ehemaligen Tschechoslowakei, die einem zivilen Beruf nachgehen mussten oder gar im Gef\u00e4ngnis sa\u00dfen, und sich dennoch dem seelsorglichen Dienst verpflichtet f\u00fchlten. Dass ich bis heute Theologe geblieben bin, flei\u00dfig studiere und publiziere, soll nicht \u00fcbersehen werden.<\/p>\n<p>Nein, einen wirklichen Bruch in meinem Leben im Sinne von Aufgabe, Verrat oder Abfall kann ich \u00fcberhaupt nicht erkennen, auch wenn es in meiner Kirche immer wieder Versuche gibt, mich so einzustufen. Mit Sicherheit war bei mir das priesterliche Leben mehr sichtbar, als bei einem Kurienkardinal im Vatikan, der nur am Schreibtisch sitzt, oder bei einem geistlichen Ordinariatsrat, der f\u00fcr die Finanzen des Bistums zust\u00e4ndig ist. Weil es in meinem Leben eine so deutliche und durchgehende Identit\u00e4t als Theologe, Seelsorger, Leiter, Lehrer und Glaubenszeuge gibt, ist die Frage nach dem Goldenen Priesterjubil\u00e4um sinnvoll und berechtigt.<\/p>\n<p>Deshalb muss die Fragestellung weiter gefasst werden, also etwa, was das Goldene Priesterjubil\u00e4um fr\u00fcher bedeutete und wie es sich heute in unserem Leben darstellt. Zuf\u00e4llig fiel mir der Totenzettel meines langj\u00e4hrigen Heimatpfarrers, Karl Schneider, in die Hand. Wie da zu lesen ist, wurde Karl Schneider am 21.12.1938 in Fulda zum Priester geweiht und konnte am 21.12.1988 sein Goldenes Priesterjubil\u00e4um feiern. Da mir damals von den DDR \u2013 Schergen die Einreise noch verwehrt war, war ich nicht dabei und wurde auch nicht eingeladen. Aber das ist hier auch nicht wichtig, denn aufgefallen ist mir das liturgische Gebet unter Bild und Lebensdaten: \u201e Gott, du hast zur Verbesserung Deiner Liebe und zum Heil des Menschengeschlechts Deinen Diener Karl Schneider zum Priester berufen und damit zum Verwalter deiner Geheimnisse bestellt. La\u00df ihn im ewigen Leben in der Erf\u00fcllung des \u00fcbermenschlichen Amtes treu befunden werden. Wir bitten weihe ihn f\u00fcr die Wahrheit im ewigen Leben. Amen.\u201c Konzentriert, aber klar und deutlich, spiegelt dieses Gebet das traditionelle katholische Priesterbild wieder: Der Priester wird von Gott berufen. Wie beim brennenden Dornbusch in der Mosesgeschichte ist die Bestellung (Weihe) durch den Bischof nur das \u00e4u\u00dfere Zeichen. Die eigentliche Wirklichkeit ist Gott, der Sch\u00f6pfer Himmels und der Erde, der diesen Menschen in seinen Dienst nimmt. Jeder Priester steht so auf heiligem Boden und verb\u00fcrgt die Gegenwart Gottes, denn Gott beruft ihn \u201ezum Verwalter seiner Geheimnisse\u201c. Mit dieser theologischen Geheimsprache ist das Erl\u00f6sungswerk Jesu Christi gemeint. Gott hat seinen Sohn f\u00fcr uns geopfert, das ist das Geheimnis seiner Liebe. Die Kirche wurde erschaffen, die Fr\u00fcchte dieser Erl\u00f6sung zu wahren und zu vermitteln. Der Priester aber ist Werkzeug f\u00fcr unsere Rettung. Mit seinen H\u00e4nden und seiner Stimme holt er gewisserma\u00dfen Gott auf den<\/p>\n<div id=\"attachment_1832\" style=\"width: 180px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/2007-06-10-Dieter-im-Garten-159-KB.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1832\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1832 \" alt=\"50 Jahre sp\u00e4ter\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/2007-06-10-Dieter-im-Garten-159-KB-300x225.jpg\" width=\"170\" height=\"127\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/2007-06-10-Dieter-im-Garten-159-KB-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/2007-06-10-Dieter-im-Garten-159-KB.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 170px) 100vw, 170px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1832\" class=\"wp-caption-text\">50 Jahre sp\u00e4ter<\/p><\/div>\n<p>Altar und damit in unser Leben. Weil er ein schwacher Mensch ist, vollzieht er dieses \u201e\u00fcbermenschliche Amt\u201c und bedarf deshalb der besonderen Gnade Gottes \u2013 sogar in der Ewigkeit. Dieses hier beschriebene Priesterbild hat die Lateinische Liturgie verinnerlicht. Aber auch die Volksfr\u00f6mmigkeit r\u00fcckt den Priester in himmlische Sph\u00e4ren und bekleidet ihn mit \u00fcbermenschlicher Aura. Auf dem Totenzettel steht auf der rechten Seite ein weit verbreitetes Gedicht, das in der Sprache des Volkes das unaussprechliche Wesen des Priesters so umschreibt:<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\" style=\"text-align: center;\" align=\"center\">\u201eEin Priester muss sein ganz gro\u00df und ganz klein.<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\" style=\"text-align: center;\" align=\"center\">Vornehmen Sinns, wie aus K\u00f6nigsgeschlecht.<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\" style=\"text-align: center;\" align=\"center\">Einfach und schlicht, wie ein Bauernknecht.<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\" style=\"text-align: center;\" align=\"center\">Ein Held, der sich selbst bezwungen.<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\" style=\"text-align: center;\" align=\"center\">Ein Mensch der mit Gott gerungen.<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\" style=\"text-align: center;\" align=\"center\">Ein Quell von heiligem Leben.<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\" style=\"text-align: center;\" align=\"center\">Ein S\u00fcnder, dem Gott vergeben.<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\" style=\"text-align: center;\" align=\"center\">Ein Herr dem eignen Verlangen.<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\" style=\"text-align: center;\" align=\"center\">Ein Diener der Schwachen und Bangen.<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\" style=\"text-align: center;\" align=\"center\">Vor keinem Gro\u00dfen sich beugend.<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\" style=\"text-align: center;\" align=\"center\">Zu dem geringsten sich neigend.<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\" style=\"text-align: center;\" align=\"center\">Ein Sch\u00fcler von seinem Meister.<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\" style=\"text-align: center;\" align=\"center\">Ein F\u00fchrer im Kampf der Geister.<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\" style=\"text-align: center;\" align=\"center\">Ein Bettler mit flehenden H\u00e4nden.<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\" style=\"text-align: center;\" align=\"center\">Ein Greis im Schauen, ein Kind im Trauen.<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\" style=\"text-align: center;\" align=\"center\">Nach h\u00f6chstem trachtend.<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\" style=\"text-align: center;\" align=\"center\">Das Kleinste achtend.<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\" style=\"text-align: center;\" align=\"center\">Bestimmt zur Freude, Vertraut dem Leide.<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\" style=\"text-align: center;\" align=\"center\">Weitab vom Neide.<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\" style=\"text-align: center;\" align=\"center\">Im Denken klar, im Reden wahr.<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\" style=\"text-align: center;\" align=\"center\">Des Friedens Freund, der Tr\u00e4gheit Feind.<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\" style=\"text-align: center;\" align=\"center\">Feststehend in sich,<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\" style=\"text-align: center;\" align=\"center\">ganz anders als ich.<\/p>\n<p>Die Verse machen deutlich, wie sehr die Volksfr\u00f6mmigkeit das Priesterbild grenzenlos \u00fcberh\u00f6ht hat. Deshalb wird bereits der Neupriester mit Glanz und quasi mystischen Qualit\u00e4ten umgeben, obwohl er mit seinem Berufsleben nun erst beginnt. F\u00fcr einen Primizsegen soll man sich ein Paar Schuhe ablaufen. Hinter der sp\u00f6ttischen Rede vom \u201ePriesteranbetungsverein\u201c oder abgek\u00fcrzt \u201ePAV\u201c steckt die Aufwertung des Priesters zu himmlischer Gr\u00f6\u00dfe &#8211; vor allem durch Frauen, die den jungfr\u00e4ulichen Hochw\u00fcrden verehren und auf H\u00e4nden tragen. Die Katholische Kirche hat dieses Priesterbild kultiviert und \u00fcbertr\u00e4gt den himmlischen Glanz von Priesterweihe und Primiz auf das Silberne, Goldene und Diamantene Priesterjubil\u00e4um. Durch einen Festgottesdienst wird die Gemeinde eingeladen, ihre Dankbarkeit f\u00fcr den Geweihten als Gottesgeschenk f\u00fcr sie zu feiern. Auch das II. Vatikanische Konzil hat an diesem Priesterkult, der bei den Bischofsjubil\u00e4en ins Ma\u00dflose gesteigert wird, nichts ge\u00e4ndert. Durch die Einf\u00fchrung der Konzelebration wurde die B\u00fchne f\u00fcr die klerikale Selbstdarstellung sogar enorm vergr\u00f6\u00dfert. War fr\u00fcher das Levitenamt mit drei Priestern die normale Form des festlichen Gottesdienstes, besteht nun die M\u00f6glichkeit, alle anwesenden Priester f\u00fcr alle sichtbar und festlich gewandet um den Jubilar am Altar zu versammeln. Diese Art der klerikalen Selbstdarstellung, wobei einer von den anwesenden Priestern auch noch die Predigt h\u00e4lt, ist ein einzigartiges Ph\u00e4nomen in unserer s\u00e4kularen Gesellschaft. In Erinnerung an die Meisterpr\u00fcfung vor 50 Jahren, bekommt der altgewordene Handwerker den Goldenen Meisterbrief durch eine kleine Delegation der Handwerkskammer \u00fcberreicht. Eheleute feiern nach 50 Jahren mit ihrer Familie die Goldene Hochzeit und lassen sich bei einem Gottesdienst den Segen geben. Auch beim katholischen Priester w\u00fcrde niemand Ansto\u00df nehmen, wenn er mit seinen Verwandten und Freunden den Tag seiner Priesterweihe vor 50 Jahren festlich begeht. Es ist auch etwas ganz anderes, wenn eine Gemeinde von ihrem Pfarrer nach vielen Jahren aufmerksamer Seelsorge Abschied nimmt und ihn in sein Alter mit ihren Segensw\u00fcnschen begleitet. Doch die Feier des Goldenen Priesterjubil\u00e4ums durch einen Festgottesdienst mit lauten Dankesgebeten und Liedern, bei einem Bischof sogar zum feierlichen Pontifikalamt mit m\u00f6glichst vielen kirchlichen rot, violett oder gar purpurnen W\u00fcrdentr\u00e4gern erh\u00f6ht, das ist die Wiederbelebung der klerikalen Kirche, von der ich mich schon lange verabschiedet habe.<\/p>\n<p>Etwas ganz anderes ist die tiefe Dankbarkeit f\u00fcr die f\u00fcnfzig Jahre meines Weges seit meiner Priesterweihe. Wie viele Menschen durfte ich begleiten, tr\u00f6sten und ihnen den eigenen Weg weisen. Mit den Sakramenten der katholischen Tradition durfte ich ihre Seele st\u00e4rken auf dem Weg durch die Gefahren unserer Welt. Heute geht es mir so, wie jedem Menschen, wenn er sich dem letzten Tor seines Lebens n\u00e4hert. Die Aufgabenf\u00fclle reduziert sich und die R\u00fcckbesinnung auf sich selbst nimmt zu. Mit anderen Worten: Meine Verantwortung f\u00fcr andere nimmt ab, die f\u00fcr mich selbst nimmt jeden Tag zu. Die priesterliche Orientierung richtet sich nun auf das eigene Herz, um sich vorzubereiten auf die R\u00fcckf\u00fchrung in die G\u00f6ttliche Mitte unserer Welt. In diesem Sinn stellte sich f\u00fcr mich die Frage, wie ich es mit meinem Goldenen Priesterjubil\u00e4um halten sollte? Denkbar w\u00e4re eine Feier mit Freunden und Freundinnen im kleineren oder gr\u00f6\u00dferen Kreis gewesen. Ich habe mich anders entschieden: ein Wochenende mit meiner Lebensgef\u00e4hrtin Anne in einer ganz entspannten Atmosph\u00e4re, mit Zeit f\u00fcr uns. Ein Hotel in Bad Bergzabern wurde unser Domizil im \u201esch\u00f6nen Garten der Pfalz\u201c, wie der Volksmund die s\u00fcdliche Weinstra\u00dfe nennt. Die erst Begegnung erlebten wir in der evangelischen Marktkirche. Eine pensionierte katholische Religionslehrerin hielt Wache in der offenen Kirche. Wir kamen ins Gespr\u00e4ch, angeregt durch die Frage, warum es in einer reformierten Kirche trotz der n\u00fcchternen Tradition Zwinglis so eine warme Atmosph\u00e4re geben k\u00f6nne. Die Antwort war einfach: Der Einfluss des katholischen franz\u00f6sischen K\u00f6nigs Ludwig XIV. und die zeitweilige Landesherrschaft durch das lutherische K\u00f6nigshaus Schweden, haben Zwinglis Strenge und N\u00fcchternheit verwandelt. Dann entdeckten wir die Fenster in der Apsis als Werk von Eugen Keller, des begnadeten K\u00fcnstlers aus H\u00f6hr-Grenzhausen, der mir sein letztes gemaltes Bild geschenkt hatte. Weil uns ein Hinweis gegeben wurde, dass in der katholischen St. Martin -Kirche Edith Stein getauft worden ist, machten wir uns auf den Weg. Die begnadete Sch\u00fclerin von Edmund Husserl hatte ihre Condoktorantin und Freundin Hedwig \u2013 Conrad Martius in Bad Bergzabern besucht und dabei ihr Bekehrungserlebnis geschenkt bekommen. Es hat uns tief anger\u00fchrt, dieser gro\u00dfartigen Frau zu begegnen. Ihr Tod war ein prophetisches Zeichen: Die christliche Karmeliterin wurde ermordet, weil sie J\u00fcdin war; es war wie eine Morgenr\u00f6te f\u00fcr die Geschwisterlichkeit von Juden und Christen. Dann gab es noch ein zus\u00e4tzliches Geschenk. Wir besuchten die alte Wehrkirche in D\u00f6rrenbach, ein simultan genutztes Gotteshaus. Hier haben sich die Evangelische und die Katholische Kirche bei der Sanierung geeinigt, die beiden Alt\u00e4re durch einen Altar zu ersetzen. Das Gebet Jesu f\u00fcr seine J\u00fcnger, sie m\u00f6gen in Eintracht leben, wurde hier ernst genommen. So war es ein Wochenende mit dichter Spiritualit\u00e4t, eine w\u00fcrdige Form des Dankes f\u00fcr 50 Jahre meines priesterlichen Weges auf den Stra\u00dfen dieser Welt. Bei blauem Himmel fuhren wir auf der Bundesstra\u00dfe 48 \u00fcber den Pf\u00e4lzer Wald und den Hunsr\u00fcck zur\u00fcck nach Bendorf.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fakt ist, dass ich am 29. Juni 1963 im Erfurter Mariendom durch den damaligen Erfurter Weihbischof Joseph Freusberg zum katholischen Priester geweiht wurde, und dies war am vorigen Samstag vor f\u00fcnfzig Jahren. 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