{"id":1723,"date":"2013-02-26T09:52:26","date_gmt":"2013-02-26T08:52:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/?p=1723"},"modified":"2013-03-15T07:00:00","modified_gmt":"2013-03-15T06:00:00","slug":"theologische-betrachtung-zu-markus-115","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/theologische-betrachtung-zu-markus-115\/","title":{"rendered":"Theologische Betrachtung zu Markus 1,15"},"content":{"rendered":"<p align=\"center\"><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p align=\"center\"><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p align=\"center\"><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p align=\"center\"><b>\u00a0\u201e<\/b><b>Erf\u00fcllt ist die Zeit und das Reich Gottes ist nahe;<\/b><\/p>\n<p align=\"center\"><b>kehrt um und glaubt an die Frohbotschaft\u201c<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_1724\" style=\"width: 297px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Unsere-Welt-3-.IMG_170-5.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1724\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1724\" alt=\"In Anlehnung an Thomas Sarazeno habe ich Weihnachten 2012 eine Weihnachtskugel gefertigt, die an unseren Kosmos erinnern kann.\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Unsere-Welt-3-.IMG_170-5-287x300.jpg\" width=\"287\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Unsere-Welt-3-.IMG_170-5-287x300.jpg 287w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Unsere-Welt-3-.IMG_170-5.jpg 442w\" sizes=\"(max-width: 287px) 100vw, 287px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1724\" class=\"wp-caption-text\">In Anlehnung an Thomas Sarazeno habe ich Weihnachten 2012 eine Weihnachtskugel gefertigt, die an unseren Kosmos erinnern kann.<\/p><\/div>\n<p>Der Evangelist Markus wollte mit seinem Evangelium die Gestalt des Jesus von Nazareth nahebringen und zur Nachfolge motivieren. Deshalb schrieb er \u00fcber \u201eseinen Helden\u201c einen Roman<a title=\"\" href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> und benutzte alle Quellen, die ihm zug\u00e4nglich waren. Markus begann seine Jesusgeschichte sehr programmatisch: \u201e.Anfang der Frohbotschaft (&gt; Evangelium) von Jesus Christus, dem Sohn Gottes.\u201c Der j\u00fcdisch-hebr\u00e4ische Titel \u201eMaschiach\u201c (&gt; Messias) war in seiner griechischen .\u00dcbersetzung (&gt; Christos) \u00a0f\u00fcr Markus bereits Teil des Namens. F\u00fcr die Ohren seiner Leser klang \u201eChristos\u201c wie ein Familienname. Das Jesusgeschehen lag ja auch schon 50 Jahre zur\u00fcck.<!--more--><\/p>\n<p>Markus, ein sehr gebildeter hellenistischer Jude, \u00a0kannte aus dem 2.Buch der K\u00f6nige die Geschichte des Propheten Elischa. Dieser war ein Sch\u00fcler des gro\u00dfen Propheten Elija, weckte Tote auf, vermehrte Brot und Getreide und heilte Kranke. F\u00fcr Markus ist Jesus der neue Elischa, deshalb erz\u00e4hlt er die Berufungsgeschichte \u00a0Jesu. Wie Elischa wird Jesus durch seinen Lehrer Johannes berufen und von Gott legitimiert. Er wird in die W\u00fcste gef\u00fchrt, die Schule Israels und aller Propheten. Der Gottessohn durchl\u00e4uft den H\u00e4rtetest der Berufung und besteht ihn. Der Lohn bleibt nicht aus: Wie im Paradies lebt er f\u00fcr eine Zeit unter den wilden Tieren und die Engel dienen ihm. Diese Schilderung ist wie ein gro\u00dfartiges Bild von Chagall oder Emil Nolde. Markus will unsere Seele ansprechen.<\/p>\n<p>Nun beginnt die eigentliche Geschichte. Nach seiner Berufung macht sich Jesus auf und zieht durch die D\u00f6rfer. Seine Botschaft: \u201eDie Zeit ist erf\u00fcllt und das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium.\u201c(Mk 1,15). Wir kennen diesen Satz aus der Einheits\u00fcbersetzung. Aber es lohnt sich, auf den griechischen (&gt; den urspr\u00fcnglichen) Text zur\u00fcckzuschauen. \u00dcbersetzt hei\u00dft es: Erf\u00fcllt ist der Kair\u00f3s und nahegekommen ist das Reich Gottes, denkt um und glaubt an die Frohbotschaft.\u201c (&gt; Linear\u00fcbersetzung von Dietzfelbinger).<\/p>\n<p>Der Kair\u00f3skult war in der ganzen hellenistischen Welt verbreitet. Der griechische Dichter Poseidippos (&gt; 3. Jahrhundert v.Chr.) beschreibt den Gott Kair\u00f3s wie einen Leisetreter, den man nur kurz an der Stirnlocke fassen kann, bevor er wieder verschwindet und einem seine Glatze am Hinterkopf zeigt (&gt; von daher kommt das Sprichwort: Das Gl\u00fcck beim Schopfe fassen). In der hellenistischen Philosophie bezeichnete Kair\u00f3s den schicksalhaften Augenblick \u2013 im Gegensatz zu Chronos, der gleichm\u00e4\u00dfig dahinflie\u00dfenden Zeit.<a title=\"\" href=\"#_ftn2\">[2]<\/a> Als theologische Deutung wird Kair\u00f3s vom Buch \u201eKohelet\u201c (&gt; Der Prediger) aufgenommen und innerhalb seiner Weisheitslehre gedeutet: Alles hat seine bestimmte Zeit, nur <b>jetzt<\/b> ist Gott erfahrbar, nur <b>jetzt<\/b> \u00f6ffnet sich ein Zeitfenster. Markus kennt sich in dieser Theologie aus. \u00a0Auch das Wort \u201emetanoiein\u201c (&gt; umdenken) hat einen Hintersinn. Das Verb hat seinen Urspung in dem griechischen Wort \u201en\u00f3os\u201c (&gt;Verstand, Sinn, Gedanke, Gem\u00fct). Gemeint ist die F\u00e4higkeit, seine ganze innere Kraft auf etwas Wichtiges zu konzentrieren (&gt; es geht nicht nur um das physikalische Sehen). Metanoiein meint deshalb die Ver\u00e4nderung und Intensivierung \u00a0seiner inneren Blickrichtung.<\/p>\n<p>Die Frage stellt sich nun: \u201eWarum \u00f6ffnet sich das Zeitfenster?\u201c Ist es die Begegnung mit Jesus, seine N\u00e4he, sein Wort? Um eine Antwort zu finden. M\u00fcssen wir auf den Urtext, also die Sprache Jesu, zur\u00fcckgreifen. Das griechische Wort Basileia (&gt; K\u00f6nigtum, K\u00f6nigreich) ist eine \u00dcbersetzung des aram\u00e4ischen Wortes \u201emalkut\u201c (&gt; Reich, Wirkung, Herrschaft). Wie viele aram\u00e4ischen W\u00f6rter ist auch malkut vieldeutig und hat in seiner Grundbedeutung Ereignischarakter. Wenn wir den inneren Sinngehalt \u00fcbersetzen, m\u00fcssen wir ganze S\u00e4tze verwenden: Gott wirkt unter uns, das g\u00f6ttliche Wirken erfasst uns.<\/p>\n<p>Nun erschlie\u00dft sich uns der zun\u00e4chst einfach-klare Satz, wie es der indische Theologe Sebastina Painadath erkl\u00e4rt.<a title=\"\" href=\"#_ftn3\">[3]<\/a> Wenn Du mit deiner ganzen Aufmerksamkeit (&gt; das dritte Auge, deine Seele, dein Herz) nach innen schaust und dich \u00f6ffnest f\u00fcr Gott, dann kannst Du den Kairos, das Vor\u00fcbergehen Gottes erfahren, dann \u00f6ffnen sich f\u00fcr Dich Raum und Zeit, dann erfasst Dich die Zeit der Gnade.<\/p>\n<p>Der j\u00fcdische Weisheitslehrer Jesus sprach nicht von einer fernen Zeit, von Irgendwann und Irgendwo in der Zukunft, sondern von der M\u00f6glichkeit, die jeder Mensch hat, sich f\u00fcr die Erfahrung Gottes zu \u00f6ffnen. Es ist eine Anleitung zum spirituellen Lernen. Darum geht es dem Evangelisten Markus. Er will seine Gemeinde motivieren, durch seine Jesusgeschichte zur eigenen Gotteserfahrung zu kommen.<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr uns, nach fast 2000 Jahren, kann so die Jesusgeschichte zur weisheitlichen Lebensschule (&gt; zu einem geistlichen Lehrhaus) werden. Es geht um das \u201eCarpe di\u00e9m\u201c ( &gt; Horaz) als Anstrengung des Geistes und des Herzens im Rhythmus unserer lauten und hektischen Zeit.<\/p>\n<p>Die Anleitung zur Tranzendenz, also das Sich-\u00d6ffnen f\u00fcr das innere Geheimnis des Kosmos und damit auch unseres eigenen Leben, geh\u00f6rt zum j\u00fcdisch-christlichen Verm\u00e4chtnis.<a title=\"\" href=\"#_ftn4\">[4]<\/a> Der Evangelist Markus ist einer unserer wichtigen Lehrer.<a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Selbsttranzendenz.png\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-1725\" alt=\"Selbsttranzendenz\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Selbsttranzendenz-300x202.png\" width=\"300\" height=\"202\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Selbsttranzendenz-300x202.png 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Selbsttranzendenz-1024x691.png 1024w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Selbsttranzendenz.png 1065w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dieter Kittlau\u00df<\/p>\n<p>Bendorf \/ Rhein<\/p>\n<p>25. Februar 2013<\/p>\n<p>d<a href=\"mailto:ieter.kittlauss@online.de\">ieter.kittlauss@online.de<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\">www.bendorfer-lehrhaus.de<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div><br clear=\"all\" \/><\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> MARTIN Ebner; Das Markusevangelium, Katholisches Bibelwerk Stuttgart 2008<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Andreas Preussner, Artikel \u201eKairos\u201c, Internet 25.02.2013<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> Christ in der Gegenwart 8\/2013<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref4\">[4]<\/a> Hans Joas, Braucht der Mensch Religion? \u00dcber Erfahrungen der Selbsttranszendenz. Herderverlag Freiburg 2004,<\/p>\n<\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0\u201eErf\u00fcllt ist die Zeit und das Reich Gottes ist nahe; kehrt um und glaubt an die Frohbotschaft\u201c &nbsp; Der Evangelist Markus wollte mit seinem Evangelium die Gestalt des Jesus von Nazareth nahebringen und zur Nachfolge motivieren. Deshalb schrieb er \u00fcber \u201eseinen Helden\u201c einen Roman[1] und benutzte alle Quellen, die ihm zug\u00e4nglich waren. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0},"categories":[23,83,72],"tags":[66],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1723"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1723"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1723\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1723"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1723"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1723"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}