{"id":1654,"date":"2012-12-25T18:57:11","date_gmt":"2012-12-25T17:57:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/?p=1654"},"modified":"2012-12-27T13:30:22","modified_gmt":"2012-12-27T12:30:22","slug":"wir-haben-seinen-stern-gesehen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wir-haben-seinen-stern-gesehen\/","title":{"rendered":"Wir haben seinen Stern  gesehen"},"content":{"rendered":"<h1 align=\"center\"><strong><em><br \/>\n<\/em><\/strong><\/h1>\n<p align=\"center\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<h2 align=\"center\">Bibel-theologische Studie<\/h2>\n<h2 align=\"center\">zum Weihnachtsevangelium des Matth\u00e4us<\/h2>\n<h2 align=\"center\"><\/h2>\n<h2 align=\"center\">Von<\/h2>\n<h2 align=\"center\">Dieter Kittlau\u00df<\/h2>\n<div id=\"attachment_1655\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wir-haben-seinen-stern-gesehene\/drei-konige\/\" rel=\"attachment wp-att-1655\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1655\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1655\" title=\"Drei K\u00f6nige\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Drei-K\u00f6nige-300x266.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"266\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Drei-K\u00f6nige-300x266.jpg 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Drei-K\u00f6nige.jpg 378w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1655\" class=\"wp-caption-text\">Die Anbetung der heiligen drei K\u00f6nige in der Kathedrale von Autun. Das Bild ist Eigentum des Autors. Rechte Dritter wurden bei TinEye \u00fcberr\u00fcft und nicht festgestellt..<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 align=\"center\"><strong>Inhalt<\/strong><\/h3>\n<h3 align=\"center\"><strong>\u00a0<\/strong><\/h3>\n<h3 align=\"center\">Hinf\u00fchrung<\/h3>\n<h3 align=\"center\">Sohn Davids<\/h3>\n<h3 align=\"center\">Gezeugt in der Kraft des Gottesgeistes<\/h3>\n<h3 align=\"center\">Wir haben seinen Stern gesehen<\/h3>\n<h3 align=\"center\">Hoffnung f\u00fcr die V\u00f6lker<\/h3>\n<h3 align=\"center\">Der neue Moses<\/h3>\n<h3 align=\"center\">Aus \u00c4gypten habe ich meinen Sohn gerufen<\/h3>\n<h3 align=\"center\">Der starke Josef<\/h3>\n<h3 align=\"center\">Deutungen<\/h3>\n<h3><\/h3>\n<h3 style=\"text-align: left;\" align=\"center\"><\/h3>\n<p>(Erstver\u00f6ffentlichung 2007)<\/p>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><strong>Hinf\u00fchrungen<\/strong><\/span><\/p>\n<p>In diesem Jahr suchte ich einen Zugang zur Weihnachtsgeschichte des Matth\u00e4usevangeliums. Diese Studie ist\u00a0 ein erster Niederschlag einer monatelangen Auseinandersetzung mit diesem fast zweitausend Jahre alten Text. Wenn ich sie aus der Hand gebe, dann geschieht das mit der Intention, anderen vielleicht helfen zu k\u00f6nnen, Verstehensbarrieren abzubauen und \u00a0einen pers\u00f6nlichen Zugang zu finden.<\/p>\n<p>Unter den vier kanonischen Evangelisten haben nur Matth\u00e4us und Lukas ihrem Evangelium eine Kindheitsgeschichte vorangestellt, gewisserma\u00dfen wie eine \u00a0Ouvert\u00fcre, in der das Thema anklingt. Fr\u00fcher wurde diese Kindheitsgeschichte so wie die ganzen Evangelien selbst vorrangig als historische Berichte gelesen. Wir ersparen uns eine ganze Menge unl\u00f6sbarer Probleme, wenn wir mit der heutigen wissenschaftlichen Bibelforschung davon ausgehen, dass wir diese Texte immer zun\u00e4chst mit den Augen und Ohren der damaligen Zeit verstehen m\u00fcssen, also mit der Frage, was die Evangelisten gemeint und gewollt haben. Eigentlich kennen \u00a0diese Methode alle Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler aus dem Deutsch-Unterricht. Bei alten Texten fragt man zun\u00e4chst nach dem urspr\u00fcnglichen Sinn und dann nach der Bedeutung f\u00fcr uns heute.<!--more--><\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen davon ausgehen, dass der Evangelist Matth\u00e4us\u00a0 ein fr\u00fchchristlicher Lehrer gewesen ist, der im Judentum gro\u00df geworden ist. Man kann dies z.B. an seiner Sprache erkennen. So ist der Ausdruck &#8222;Reich der Himmel&#8220;<a title=\"\" href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> eine typisch j\u00fcdische Umschreibung f\u00fcr Gott, ohne diesen direkt zu nennen, und das Bildwort &#8222;binden und l\u00f6sen&#8220; <a title=\"\" href=\"#_ftn2\">[2]<\/a> steht f\u00fcr &#8222;erlauben und verbieten&#8220;. Matth\u00e4us kannte die biblischen Schriften (&gt;Altes Testament) sehr genau, sowohl die hebr\u00e4ischen Texte wie die griechischen \u00dcbersetzungen<a title=\"\" href=\"#_ftn3\">[3]<\/a>. Matth\u00e4us kannte das Markusevangelium, die verschiedenen Sammlungen von Jesusworten (&gt;Logienquelle) und andere \u00dcberlieferungen von den Taten und Worten Jesu. Zu seiner Methode geh\u00f6rte die Belegung mit alttestamentlichen Zitaten. Matth\u00e4us lebte in der hellenistischen Diaspora. Seine Gemeinde bestand mehrheitlich aus Jesusj\u00fcngern mit j\u00fcdischer Pr\u00e4gung. Er schrieb sein Evangelium zwischen 8o und 90 n.Chr. in griechischer Sprache. Schon sehr fr\u00fchzeitig z\u00e4hlte sein Evangelium nicht nur zu den anerkannten (&gt;kanonischen) Schriften, sondern galt auch als <strong>das<\/strong> Evangelium der fr\u00fchen Kirche. <strong>Mit der Kindheitsgeschichte will Matth\u00e4us die zentrale Botschaft \u00a0seines Evangeliums anklingen lassen:<\/strong> <strong>Jesus war und ist\u00a0 der von Israel erwartete und nun f\u00fcr alle V\u00f6lker bedeutsame Messias<\/strong>. \u00a0Matth\u00e4us arbeitet nicht wie ein Historiker sondern wie ein K\u00fcnstler. Wie Franz Marc der die Farben mischt und dir Formen der Natur ver\u00e4ndert, so dass wir auf seinen Bildern blaue Pferde und rosagesichtige Engel sehen, so mischt Matth\u00e4us Fakten, Geschichten und \u00dcberlieferungen mit st\u00e4ndigem Bezug auf die alten Texte. \u00a0Matth\u00e4us ist ein Dichter, der uns durch eine kunstvoll komponierte Geschichte einen Zugang zu diesem Jesus von Nazareth bringen will, den er als den erwarteten Messias seines Volkes\u00a0 und als Hoffnung f\u00fcr die V\u00f6lker der Welt<a title=\"\" href=\"#_ftn4\">[4]<\/a> vorstellt. Matth\u00e4us argumentiert nicht abstrakt und theologisch reflektiert, sondern mit Stilelementen, die seinen Lesern offensichtlich vertraut waren. Die Gestalten, die er erschafft, sind in das Weltkulturerbe der Menschheit eingegangen: Der starke Josef, der in den St\u00fcrmen des Lebens seine kleine Familie f\u00fchrt und dabei immer auf die Stimme Gottes h\u00f6rt. Das junge M\u00e4dchen Miriam, das durch Schwangerschaft und Geburt ihre menschliche W\u00fcrde nicht verliert. Die Magier aus dem Orient, die in einem Kind die Erf\u00fcllung ihrer Sehnsucht verstehen. Der gewissenlose Machthaber Herodes mit seinen funktionierenden Hofbeamten. Auch die unschuldigen Opfer. Alle diese Gestalten haben archetypische Bedeutung gewonnen.<\/p>\n<p>In dieser Studie geht es mir im wesentlichen darum, den Text der Matth\u00e4ischen Kindheitsgeschichte zu erschlie\u00dfen. Die Aneignung dieses Textes, seine spirituell-existentielle Auslotung, bleibt Aufgabe f\u00fcr jeden selbst. Dies sagte bereits im 17 Jahrhundert der schlesische Mystiker Johannes Scheffler (&gt;Angelus Silenius):\u201c Wird Jesus tausendmal zu Bethlehem geborn und nicht in dir: Du bleibst noch ewiglich verlorn.\u201c<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #003366;\">Sohn Davids<\/span> <\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_1656\" style=\"width: 219px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wir-haben-seinen-stern-gesehene\/klemm-rabbiner\/\" rel=\"attachment wp-att-1656\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1656\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1656\" title=\"Klemm, Rabbiner\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Klemm-Rabbiner-209x300.jpg\" alt=\"\" width=\"209\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Klemm-Rabbiner-209x300.jpg 209w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Klemm-Rabbiner.jpg 403w\" sizes=\"(max-width: 209px) 100vw, 209px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1656\" class=\"wp-caption-text\">Rabbiner. Maler: Klemm. Das Bild wurde \u00fcber TinEye \u00fcberpr\u00fcft und ist dort f\u00fcr den nonkommerziellen Gebrauch freigegeben.<\/p><\/div>\n<p>Matth\u00e4us beginnt seine Kindheitsgeschichte mit einem \u201eStammbaum Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams.\u201c<a title=\"\" href=\"#_ftn5\">[5]<\/a> Er beginnt mit Abraham und gliedert die Abstammungsliste in 3 x 14 Generationen<a title=\"\" href=\"#_ftn6\">[6]<\/a> :<\/p>\n<p align=\"center\">Abraham bis David,<\/p>\n<p align=\"center\">David\u00a0 bis zur Babylonischen Gefangenschaft<\/p>\n<p align=\"center\">Babylonischen Gefangenschaft bis zu Jesus.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"center\">Indem Matth\u00e4us das Stilmittel des Stammbaums w\u00e4hlt, folgt er biblischer Tradition.<a title=\"\" href=\"#_ftn7\">[7]<\/a><\/p>\n<p><strong>Die erste Liste<\/strong> hat offensichtlich das Ziel, Jesus in die Generationenabfolge von Abraham, dem Stammvater aller V\u00f6lker<a title=\"\" href=\"#_ftn8\">[8]<\/a>, und dem K\u00f6nig David, dem Begr\u00fcnder des j\u00fcdischen K\u00f6nigtums, einzuf\u00fcgen und ihn so durch seine Abstammung zu legitimieren.<a title=\"\" href=\"#_ftn9\">[9]<\/a><\/p>\n<p>Nach den alten \u00a0j\u00fcdischen \u00dcberlieferungen sollte der Messias aus dem Geschlecht des K\u00f6nigs Davids kommen. So hei\u00dft es beim Propheten Sacharia:\u201c An jenem Tag beschirmt der Herr die Einwohner Jerusalems, und dann wird selbst der von ihnen, der strauchelt, wie David sein, und das Haus David an ihrer Spitze wie Gott. An jenem Tag werde ich danach trachten, alle V\u00f6lker zu vernichten, die gegen Jerusalem anr\u00fccken. Doch \u00fcber das Haus David und \u00fcber die Einwohner Jerusalems werde ich den Geist des Mitleids und des Gebets ausgie\u00dfen. Und sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben.\u201c<a title=\"\" href=\"#_ftn10\">[10]<\/a> Noch deutlicher ist der Psalm 132: \u201e Der Herr hat David geschworen einen Eid, den er niemals brechen wird: Einen Spross aus deinem Geschlecht will ich setzen auf deinen Thron.\u201c<a title=\"\" href=\"#_ftn11\">[11]<\/a><\/p>\n<p>Matth\u00e4us macht noch eine zweite, f\u00fcr ihn offensichtlich wichtige Aussage. In die Abfolge \u00fcber die M\u00e4nner, f\u00fcgt er vier Frauen ein: Tamar, Rahab, Rut und (&gt;Bathseba) die Frau des Urija. Was die vier Frauen verbindet, ist ihr Bezug zum Nichtjudentum, denn entweder sie oder ihr Mann stammen aus einem fremden Geschlecht. Auffallend ist auch, dass drei Frauen trotz ihres ehelichen Makels, als bedeutsame M\u00fctter des Volkes Israel \u00fcberliefert wurden: Tamar verf\u00fchrte als verkleidete Prostituierte ihren Schwiegervater, Rahab war eine berufsm\u00e4\u00dfige Prostituierte, Bathseba beging mit David Ehebruch. Math\u00e4us gibt selbst keine Erkl\u00e4rung, warum er diese vier Frauen in seinen Stammbaum Jesu einf\u00fcgte.\u00a0 Naheliegend ist die Deutung, dass Jesus als \u201eSohn\u201c Abrahams und Davids zwar ein Jude war, aber eben \u00fcber die weibliche Linie auch zu den Nichtjuden geh\u00f6rte. Dies entspr\u00e4che der Matth\u00e4ischen Verk\u00fcndigung, dass der Jude Jesus der Messias f\u00fcr alle V\u00f6lker ist.<\/p>\n<p><strong>In der zweiten Liste<\/strong> h\u00e4lt sich Matth\u00e4us im Gro\u00dfen und Ganzen an die B\u00fccher der K\u00f6nige. Man kann den Eindruck haben, dass sie nur Br\u00fcckenfunktion zwischen der alten Zeit und der Zeit Jesu hat.<\/p>\n<p>In der <strong>dritten Liste, <\/strong>deren Quelle uns nicht n\u00e4her bekannt ist, ist der Vers 16, wo Josef und Mirjam (&gt;Maria)\u00a0 erreicht werden, das Ziel: \u201eJakob zeugte Josef, den Mann der Maria, aus der gezeugt wurde, Jesus, genannt Christos (&gt;Gesalbter).\u201c Auffallend ist, dass Matth\u00e4us in diesem Satz den bisherigen Ausdrucksstil ver\u00e4ndert. Statt des bisherigen aktiven Ausdrucks \u201eA zeugte B\u201c gebraucht hier Matth\u00e4us die Passivform \u201eaus der gezeugt wurde\u201c. Es gibt allerdings auch \u00dcberlieferungen, die im Vers 16 die Aktivform wiedergeben. Hier ist besonders der Text des Codex Syriacus Sinaiticus<a title=\"\" href=\"#_ftn12\">[12]<\/a> auffallend. Da hei\u00dft es \u201eJosef, mit dem verlobt war Maria, die Jungfrau, zeugte Jesus.\u201c Ein wenig sp\u00e4ter sagte der Engel zu Josef: \u201eSie (&gt;Maria) wird <strong>Dir <\/strong>einen Sohn geb\u00e4ren.\u201c An diese Textvariante (&gt;zeugte) hielten sich auch mehrere griechische Handschriften, die alte lateinische \u00dcbersetzung des Matth\u00e4usevangeliums und der \u201eDialog zwischen Timotheus und Aquila\u201c, einer griechischen Schrift aus dem 5. Jahrhundert. Diese unterschiedliche Text\u00fcberlieferung k\u00f6nnte ein Hinweis sein, dass es in der fr\u00fchen Kirche zwei Versionen der Zeugung Jesu gab, die das Eingreifen des Gottesgeistes unterschiedlich erkl\u00e4rten. Matth\u00e4us betont eigens, dass Josef der Mann Marias war und weist damit Jesus rein rechtlich als Sohn des Josef nach.<\/p>\n<p>Maria ist\u00a0 die leibliche Mutter Jesu, Aber ob Josef auch der leibliche Vater ist, bleibt durch die Passivform \u201ewurde gezeugt\u201c verschleiert. Dass sich damit Matth\u00e4us der Tradition der au\u00dfergew\u00f6hnlichen Zeugung anschlie\u00dft, zeigt der weitere Verlauf der Geschichte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gezeugt in der Kraft des Gottesgeistes<\/strong><\/p>\n<p>In den Patriarchengeschichten des Buches Genesis spielen Frauen, die trotz Unfruchtbarkeit schwanger werden und ein Kind geb\u00e4ren, eine besondere Rolle. Von Sarah, der Frau Abrahams wird ausdr\u00fccklich erz\u00e4hlt, dass sie die Menopause schon lange hinter sich hatte, als ihr von Gott mit Isaak ein Sohn geschenkt wurde.<a title=\"\" href=\"#_ftn13\">[13]<\/a> Auch Rebekka, die Frau Isaaks war unfruchtbar. Auf das Gebet Isaaks hin, wird sie schwanger und bekommt mit Jakob und Esau Zwillinge.<a title=\"\" href=\"#_ftn14\">[14]<\/a> Rahel, die Frau Jakobs, blieb zun\u00e4chst kinderlos. Doch Gott \u201e\u00f6ffnete ihren Mutterscho\u00df\u201c<a title=\"\" href=\"#_ftn15\">[15]<\/a> In der Samuelgeschichte schenkt Gott der unfruchtbaren Hannah in Samuel einen Sohn.<a title=\"\" href=\"#_ftn16\">[16]<\/a> F\u00fcr das traditionelle j\u00fcdische Denken ist der Geschlechtsverkehr zwischen Mann und Frau nur die Voraussetzung f\u00fcr Nachfolge, gewisserma\u00dfen wie der Ackerboden f\u00fcr die Saat. Nur Gott hat die Macht, den Mutterleib zu \u00f6ffnen. Jedes Kind ist ein Geschenk Gottes. In dem archaisch-altorientalischen Traditionsgut der Bibel gibt es noch eine andere Variante von wunderbaren Geburten in der Liaison von Gottess\u00f6hnen und Menschent\u00f6chtern.<a title=\"\" href=\"#_ftn17\">[17]<\/a> Im sp\u00e4tantiken Judentum m\u00fcssen solche Geschichten \u00fcber wunderbare Geburten weit verbreitet gewesen sein. In einem aram\u00e4ischen Qumrantext<a title=\"\" href=\"#_ftn18\">[18]<\/a> fragt sich der Patriarch Lamech, ob der von goldenem Licht umgebene Sohn Noah nicht in Wirklichkeit der Sohn eines Engels sei. Dass es solche Vorstellungen auch zurzeit Jesu gab, kann man\u00a0 sogar im 1. Korintherbrief erkennen: \u201eWegen der Engel\u201c sollen sich die Frauen verh\u00fcllen, hei\u00dft es im Text. Im apokryphen Protoevangelium des Jakobus, das nach den kanonischen Evangelien etwa um 150 entstanden ist und das bis heute viele unserer Weihnachtsbilder pr\u00e4gt, wird die Geburtsgeschichte Jesu sogar auf die Zeugung und Kindheit Marias ausgeweitet. <a title=\"\" href=\"#_ftn19\">[19]<\/a><\/p>\n<p>Auch in der hellenistisch-nichtj\u00fcdisch-nichtchristlichen \u00a0Welt gab es viele Geschichten um wunderbare Geburten. Platon galt als Sohn des Apollon, Alexander der Gro\u00dfe als Sohn des Zeus, Augustus als g\u00f6ttlich gezeugt, um drei Beispiele zu nennen.<\/p>\n<p>Wichtig ist hier: In diesem j\u00fcdisch-hellenistischen Umfeld, wo Geburten und wunderbare Zeugungen zum normalen Erz\u00e4hlgut geh\u00f6rten, \u00a0gestaltet Matth\u00e4us seine Geburtsgeschichte Jesu und stellt sie als Einf\u00fchrung seinem Evangelium voraus.<\/p>\n<p>Eine Eigent\u00fcmlichkeit im Text hilft uns, Matth\u00e4us noch besser zu verstehen. Im Vers 22 bezieht sich Matth\u00e4us auf das Jesajabuch: \u201eSeht, die Jungfrau wird im Mutterleib haben und geb\u00e4ren einen Sohn, und sie werden seinen Namen Immanuel nennen, das \u00fcbersetzt hei\u00dft: Mit uns ist Gott.\u201c Im klassischen j\u00fcdischen\u00a0 Verst\u00e4ndnis war eine Jungfrau eine Frau vor ihrer ersten Menstruation und danach, wenn sie noch keinen Geschlechtsverkehr hatte. Das Jesaja-Zitat bezieht sich also auf eine junge Frau (&gt;hebr\u00e4isch: almah), die schwanger wird.\u00a0 Matth\u00e4us nimmt aber das Jesaja-Zitat aus dem griechischen Text der Septuaginta und hier ist das hebr\u00e4ische \u201ealmah\u201c, mit \u201eparthenos\u201c \u00fcbersetzt. W\u00e4hrend das hebr\u00e4ische \u201ealmah\u201c eine junge Frau meint, unabh\u00e4ngig ob sie verheiratet ist oder nicht, bezieht sich das griechische \u201eparthenos\u201c dagegen eindeutig auf eine unverheiratete Frau. Matth\u00e4us \u00fcbernimmt das Jesajazitat aus der griechischen Septuaginta, weil seine Gemeinde kein Hebr\u00e4isch mehr beherrschte. Deshalb muss er auch den hebr\u00e4ischen Titel \u201eImmanuel\u201c ins Griechische \u00fcbersetzen. F\u00fcr Matth\u00e4us wird nun offensichtlich das griechische Jesaja-Zitat zum Schriftbeweis. Wenn sich die Jesaja-Prophezeiung auf Maria bezieht und von Parthenos, also einer Jungfrau spricht, dann war Josef nicht der leibliche Vater. So entscheidet er sich wohl f\u00fcr die \u201epassive Zeugung\u201c: Von Maria wurde Jesus geboren durch den Geist Gottes. Inwieweit diese Darstellung des Matth\u00e4us, dass Gott bei Jesus einen besonderen Weg seiner Menschwerdung w\u00e4hlte, normative Glaubensbedeutung hat, ist eine andere Frage. Auffallend ist es, dass die direkte Gotteszeugung im ganzen Evangelium keine Rolle mehr spielt.<\/p>\n<p>\u00dcber die n\u00e4heren Umst\u00e4nde der Schwangerschaft Marias und der Geburt Jesu macht Matth\u00e4us keinerlei Aussage. Im Unterschied zur Kindheitsgeschichte des Lukas bzw. des Protoevangeliums\u00a0 erfolgt die Geburt nicht in \u00e4rmlichen Verh\u00e4ltnissen, sondern in einem Haus.<a title=\"\" href=\"#_ftn20\">[20]<\/a><\/p>\n<p>Auffallend ist noch, dass Maria nicht wie die anderen Frauen im Stammbaum als alte Frau geschildert wird. Das damalige Verlobungsalter, das bereits eherechtlich abgesichert war, lag bei den Frauen in der Regel vor der Menstruation. Wir k\u00f6nnen deshalb davon ausgehen, dass Maria ein M\u00e4dchen von 10 \u2013 12 Jahren war. Auffallend ist auch, dass es im Unterschied zu den bisher genannten Frauen keine Zweifel oder Widerst\u00e4nde bei den handelnden Personen gibt. Maria erscheint in der Matth\u00e4ischen Kindheitsgeschichte wie die neue Eva, die dem \u00a0Menschengeschlecht einen neuen Abel schenkt und so alle in das Paradies zur\u00fcckf\u00fchrt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>In Bethlehem in Jud\u00e4a geboren<\/strong><\/p>\n<p>Der Ort der Geburt ist f\u00fcr Matth\u00e4us Bethlehem, weil dies die alte Weissagung des Propheten Micha\u00a0 verlangt. Matth\u00e4us ver\u00e4ndert allerdings den Septuaginta-Text stark ab.<\/p>\n<table border=\"1\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"307\">Septuaginta<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>\u201eAber du, Bethlehem, Haus von Efrata, so klein unter den Gauen Judas; aus dir wird einer hervorgehen, der \u00fcber herrschen soll.<a title=\"\" href=\"#_ftn21\">[21]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Matth\u00e4us<\/p>\n<p>\u201eDu Bethlehem von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den f\u00fchrenden St\u00e4dten von Juda, denn aus dir wird ein F\u00fcrst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel.\u201c<a title=\"\" href=\"#_ftn22\">[22]<\/a><\/p>\n<p>Jerusalem ist bereits zerst\u00f6rt, das Land des auserw\u00e4hlten Volkes ist zur r\u00f6mischen<\/p>\n<p>Provinz geworden. Auch Bethlehem ist aus der Geschichte verschwunden. So hat Matth\u00e4us keine Bedenken,\u00a0 Bethlehem zu einer Gro\u00dfstadt machen. Wahrscheinlich nahm er an, dass es seine Gemeinde leichter akzeptieren kann, wenn der Messias nicht aus einem Zwergdorf aus einer ehemals bedeutenden Stadt kam. Der Einfluss der hellenistischen Stadtkultur ist hier deutlich zu sp\u00fcren.<\/p>\n<p>Matth\u00e4us ver\u00e4ndert den Micha-Text noch weiter und l\u00e4sst damit ein weiteres Micha-Zitat anklingen: \u201eDarum gibt der Herr sie preis, bis die Geb\u00e4rende einen Sohn geboren hat. Dann wird der Rest seiner Br\u00fcder heimkehren zu den S\u00f6hnen Israels. Er wird auftreten und ihr Hirt sein in der Kraft des Herrn, im hohen Namen Jahves, seines Gottes.\u201c<a title=\"\" href=\"#_ftn23\">[23]<\/a> An dieser Stelle wird besonders deutlich, wie wichtig es f\u00fcr Matth\u00e4us ist, dass die ganze Jesus-Geschichte, die er in seinem Evangelium erz\u00e4hlen will,\u00a0 die Erf\u00fcllung der alten Weissagungen ist. F\u00fcr ihn geht die Geschichte des auserw\u00e4hlten Volkes Israel nahtlos in die Geschichte der V\u00f6lker \u00fcber. Im Kommen Jesu hat Gott der Sehnsucht Israels und der ganzen Menschheit eine Antwort gegeben. Matth\u00e4us denkt als Jude und lebt doch mitten in der hellenistischen Welt. Im weiteren Text wird deutlich, dass auch Matth\u00e4us die Frage, \u00a0warum sich die Geschichte durch das Kommen des Messias so wenig ge\u00e4ndert hat, nicht verdr\u00e4ngen konnte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wir haben seinen Stern beim Aufgehen gesehen <\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_1661\" style=\"width: 301px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wir-haben-seinen-stern-gesehene\/tizian-drei-konige\/\" rel=\"attachment wp-att-1661\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1661\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1661\" title=\"Tizian Drei K\u00f6nige\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Tizian-Drei-K\u00f6nige-291x300.jpg\" alt=\"\" width=\"291\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Tizian-Drei-K\u00f6nige-291x300.jpg 291w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Tizian-Drei-K\u00f6nige.jpg 446w\" sizes=\"(max-width: 291px) 100vw, 291px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1661\" class=\"wp-caption-text\">Die drei K\u00f6nige. Maler Tizian.Quelle: Bei TinEye wird das Bild f\u00fcr den nonkommerziellen Gebrauch freigegeben.<\/p><\/div>\n<p>Die Geschichte von den Weisen aus dem Morgenland, die durch einen Stern bis nach Bethlehem gef\u00fchrt werden, geh\u00f6rt zur Tiefenschicht aller vom Christentum gepr\u00e4gten Kultur. Sie ber\u00fchrt unsere Seele. Bis in die Gegenwart glaubten Einf\u00e4ltige und Intellektuelle, dass der Stern wirklich aufgegangen und dann vom Himmel wieder verschwunden ist. Auch im Protoevangelium des Jakobus zieht der Stern vor den Weisen her und bleibt dann oberhalb der Geburtsgrotte stehen. Der ber\u00fchmte Astronom Johannes Keppler suchte nach astronomischen Hinweisen f\u00fcr den Stern von Bethlehem. Ernsthafte Wissenschaftler sahen in einem Kometen, in einer Planetenkonjunktion oder gar in einer Supernova eine Erkl\u00e4rung. Die kritische Bibelwissenschaft ist sich heute einig, das der Evangelist Matth\u00e4us mit der Geschichte von den Weisen und dem Stern an die \u00dcberlieferungen des Alten Testaments ankn\u00fcpfen wollte, und wir k\u00f6nnen davon ausgehen, dass seine Gemeinde verstanden hat, was er mit dieser Geschichte sagen wollte. \u00a0Matth\u00e4us schaut auf das Buch Numeri zur\u00fcck. Hier wird die Geschichte vom Propheten Bileam erz\u00e4hlt, den Balak, der K\u00f6nig von Moab, \u00a0an seinen Hof holte, um die heranr\u00fcckenden Israeliten zu verfluchen und so nichtmilit\u00e4risch zu besiegen. Doch Bileam wird zum Werkzeug Gottes.\u00a0 In der bis heute weltbekannten Geschichte von Bileam und seinem Esel wird geschildert, wie Bileam seinen Widerstand aufgibt und prophetisch in die Zukunft schaut: \u201e\u201cSpruch dessen, der Gottesworte h\u00f6rt, der die Gedanken des H\u00f6chsten kennt, der eine Vision des Allm\u00e4chtigen sieht, der daliegt mit entschleierten Augen: Ich sehe ihn, aber nicht jetzt, ich erblicke ihn, aber nicht in der N\u00e4he: Ein Stern geht in Jakob auf, ein Zepter erhebt sich in Israel. Er zerschl\u00e4gt Moab die Schl\u00e4fen und allen S\u00f6hnen Sets den Sch\u00e4del. Edom wird sein Eigentum, Seir, sein Feind, wird sein Besitz. Israel aber wird m\u00e4chtig und stark.\u201c <a title=\"\" href=\"#_ftn24\">[24]<\/a><\/p>\n<p>Im 2. Petrusbrief wird an diese Weissagung angekn\u00fcpft: \u201eDadurch ist das Wort der Propheten f\u00fcr uns noch sicherer geworden, und ihr tut gut daran, es zu beachten; denn es ist ein Licht, das an einem finsteren Ort scheint, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht.\u201c<a title=\"\" href=\"#_ftn25\">[25]<\/a> In der Geheimen Offenbarung bezeichnet sich Jesus selbst als der \u201estrahlende Morgenstern\u201c.<a title=\"\" href=\"#_ftn26\">[26]<\/a> In den Schriftrollen von Qumran ist der Stern das Sinnbild f\u00fcr den priesterlichen Messias.<\/p>\n<p>Auch in der zeitgen\u00f6ssischen hellenistischen Literatur finden sich viele Beispiele, dass Sterne bedeutende Ereignisse ank\u00fcndigen. So schreibt Gaius Suetonius Tranquillus, der r\u00f6mische Biograph des Julius C\u00e4sar: \u201eEin Komet erschien ungef\u00e4hr eine Stunde vor Sonnenuntergang und leuchtete sieben Tage lang. Man in ihm Caesars Seele, die in den Himmel erhoben war, daher der Stern, der jetzt \u00fcber der Stirn seines g\u00f6ttlichen Bildnisses angebracht ist.\u201c In Vergils Aeneis werden die Reisenden von einem Stern gef\u00fchrt.<a title=\"\" href=\"#_ftn27\">[27]<\/a><\/p>\n<p>\u201eWir haben seinen Stern gesehen\u201c, dieser Kernsatz aus der Kindheitsgeschichte kann unsere Seele ber\u00fchren, Bild f\u00fcr unsere tiefe Gewissheit sein, dass unsere Welt und wir mit ihr von Gottes Liebe getragen werden. Auch die Generationen vor uns haben das Evangelium in seinen Tiefenschichten verstanden. Ein Beispiel ist der fr\u00fchchristliche Theologe Eusebius: \u201eWir wissen, dass im Falle von bemerkenswerten und ber\u00fchmten M\u00e4nnern seltsame Sterne erschienen sind, die einige Kometen, Meteoriten oder Feuerschweife nennen, oder dass \u00e4hnliche Erscheinungen in Verbindung mit gro\u00dfen, ungew\u00f6hnlichen Ereignissen gesehen wurden. Doch welches Ereignis konnte f\u00fcr das ganze Universum gr\u00f6\u00dfer oder bedeutender gewesen sein als das spirituelle Licht, das durch die Ankunft des Heilands zu allen Menschen gelangte und dabei den menschlichen Seelen das Geschenk der Heiligkeit und des wahren Wissens um Gott brachte.\u201c<a title=\"\" href=\"#_ftn28\">[28]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Hoffnung f\u00fcr die V\u00f6lker<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_1657\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wir-haben-seinen-stern-gesehene\/heilige-drei-koenige-fuer-onlinekatalog\/\" rel=\"attachment wp-att-1657\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1657\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1657\" title=\"Heilige Drei K\u00f6nige\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Heilige-Drei-Koenige-fuer-Onlinekatalog-300x266.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"266\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Heilige-Drei-Koenige-fuer-Onlinekatalog-300x266.jpg 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Heilige-Drei-Koenige-fuer-Onlinekatalog.jpg 378w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1657\" class=\"wp-caption-text\">Die heiligen drei K\u00f6nige in naiver Malerei. Das Bild wurde bei TinEye \u00fcberpr\u00fcft. Rechte Dritter wurden nicht festgestellt.<\/p><\/div>\n<p>Der Volksmund spricht von den \u201eWeisen aus dem Morgenland\u201c oder wie in K\u00f6ln von den \u201eHeiligen Drei K\u00f6nigen\u201c und nennt sie \u201eCaspar, Melchior und Balthasar\u201c. Im\u00a0 Matth\u00e4us-Evangelium hei\u00dft es: \u201e Siehe, es kamen Magier vom Aufgang nach Jerusalem.\u201c<a title=\"\" href=\"#_ftn29\">[29]<\/a>\u00a0 Mit Aufgang ist der Sonnenaufgang gemeint, gemeint ist \u201evon Osten\u201c bzw. \u201evom Orient\u201c. \u00a0Da griechische Wort \u201emagoi\u201c hat im allgemeinen einen negativen Klang. Die Apostelgeschichte erz\u00e4hlt an zwei Stellen von solchen Zauberern.<a title=\"\" href=\"#_ftn30\">[30]<\/a> Als Nachfolger des Bileam bekamen aber die Magier des Matth\u00e4us-Evangeliums einen positiven Klang. Dies erkl\u00e4rte bereits der fr\u00fchchristliche Theologe Origines (185-254): \u201eWenn n\u00e4mlich von Moses die Prophezeiungen Balaam in die Heiligen Schriften aufgenommen worden sind, um wie vielmehr wurden sie dann von den damaligen Bewohnern Mesopotamiens niedergeschrieben, bei denen Balaam hoch angesehen war und die bekanntlich Sch\u00fcler seiner Kunst waren! Von ihm soll sich ja das Geschlecht der Magier und ihre Lehre im Osten herleiten. Da diese also die Niederschrift aller Prophezeiungen Balaams hatten, besa\u00dfen sie auch die: \u201eEin Stern wird aufgehen aus Jakob und ein Mann erstehen aus Israel.\u201c Diese Schriften hatten die Magier bei sich, und deshalb erkannten sie, als Jesus geboren wurde, den Stern und begriffen die Erf\u00fcllung der Prophezeiung, begriffen sie sie besser als das Volk Israel, das es verschm\u00e4hte, die Worte der heiligen Propheten zu h\u00f6ren.\u201c <a title=\"\" href=\"#_ftn31\">[31]<\/a> Der Theologe Tertullian hatte Anfang des 3. Jahrhunderts von den Weisen der Matth\u00e4ischen Kindheitsgeschichte gesagt, sie seien fast wie K\u00f6nige aufgetreten. Die Dreizahl wurde zuerst von Origines \u00fcberliefert, aber auf den alten Wandgem\u00e4lden variiert die Zahl zwischen zwei und acht. In der St.-Domitilla-Katakombe sind vier.\u00a0 K\u00f6nige dargestellt. Hintergrund f\u00fcr die Dreizahl sind wohl die im Text genannten drei Geschenke. .\u201c<a title=\"\" href=\"#_ftn32\">[32]<\/a> In der Lateinischen Kirche des Westens tauchen ab 6. Jahrhundert die Namen \u201cCaspar, Melchior und Balthasar\u201c auf. Im 14. Jahrhundert glaubte man im christlichen Abendland, die Welt bestehe aus drei Kontinenten, n\u00e4mlich Europa, Asien und Afrika. Daher verbreitete sich die Anschauung, die drei K\u00f6nige symbolisierten die drei Kontinente. Da man Afrika zu dieser Zeit in der Regel mit dem von den Griechen als schwarzes Land bezeichneten Nordostafrika identifizierte, wurde der Vertreter Afrikas in der k\u00fcnstlerischen Darstellung zum Mohren.<a title=\"\" href=\"#_ftn33\">[33]<\/a><\/p>\n<p>Die Liturgie sah in der Geschichte von den Weisen die Erf\u00fcllung der alttestamentlichen Prophetie des 72. Psalms: \u201eDie K\u00f6nige von Tarschisch und von den Inseln bringen Geschenke, die K\u00f6nige von Saba und Seba kommen mit Gaben.\u201c Vor allem aber d\u00fcrfte Matth\u00e4us neben der Bileamgeschichte das 60. Kapitel des Jesajabuches vor Augen gehabt haben, wo von der Wallfahrt der V\u00f6lker nach Jerusalem gesprochen wird: \u201eAuf werde licht, denn es kommt dein Licht, und die Herrlichkeit des Herrn geht leuchtend auf \u00fcber dir. Denn siehe Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die V\u00f6lker, doch \u00fcber dir geht leuchtend der Herr\u00a0 auf, seine Herrlichkeit erscheint \u00fcber dir. V\u00f6lker wandern zu deinem Licht und K\u00f6nige zu deinem strahlenden Glanz\u2026\u2026Denn der Reichtum des Meeres str\u00f6mt dir zu, die Sch\u00e4tze der V\u00f6lker kommen zu dir. \u2026.Alle kommen von Saba, bringen Weihrauch und Gold und verk\u00fcnden die ruhmreichen Taten des Herr.\u201c<a title=\"\" href=\"#_ftn34\">[34]<\/a> Am Ende seines Evangeliums schlie\u00dft Matth\u00e4us den Kreis:\u201c Geht, macht zu J\u00fcngern alle V\u00f6lker\u201c.<a title=\"\" href=\"#_ftn35\">[35]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der neue Moses<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_1658\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wir-haben-seinen-stern-gesehene\/oskar-laske-1945-flucht-nach-agypten\/\" rel=\"attachment wp-att-1658\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1658\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1658\" title=\"Oskar Laske 1945 Flucht nach \u00c4gypten\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Oskar-Laske-1945-Flucht-nach-\u00c4gypten-300x221.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"221\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Oskar-Laske-1945-Flucht-nach-\u00c4gypten-300x221.jpg 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Oskar-Laske-1945-Flucht-nach-\u00c4gypten.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1658\" class=\"wp-caption-text\">Flucht nach \u00c4gypten, genalt von Oskar Laske. Bei TinEye wurde das Bild f\u00fcr den nichtkommerziellen Gebrauch freigegeben.<\/p><\/div>\n<p>Matth\u00e4us zeigt in seiner Kindheitsgeschichte Jesus als Erf\u00fcllung der Verhei\u00dfungen an Abraham, den Stammvater des auserw\u00e4hlten Volkes und der ganzen Menschheit. Er stellt ihn in die Generationenfolge des K\u00f6nigs David und legitimiert ihn als den von Gott auserw\u00e4hlten Messias f\u00fcr die V\u00f6lker. Er beschreibt Jesus als Geschenk des Gottesgeistes und sieht in den Magiern aus dem Orient, wie den V\u00f6lkern der Welt die Augen ge\u00f6ffnet werden. Dann geht Matth\u00e4us noch einen Schritt weiter und stellt Jesus seiner Gemeinde als den neuen Moses vor, denn dies ist zweifellos der tiefste Sinn der Verfolgungsgeschichte. Ganz in der biblischen Tradition malt Matth\u00e4us ein Bild, das die oft so dunkle Seite der Menschheitsgeschichte nicht drau\u00dfen vor der T\u00fcr l\u00e4sst. Die Genesis beschreibt die gute Sch\u00f6pfung und die liebevolle Sorge Gottes f\u00fcr die Menschen. Doch dann kommt gleich die Erz\u00e4hlung vom Brudermord, und schlie\u00dflich sogar vom \u201ePlan\u201c Gottes, seine Sch\u00f6pfung zu annullieren.<\/p>\n<p>Matth\u00e4us greift auf Herodes den Gro\u00dfen zur\u00fcck, den \u201eK\u00f6nig von r\u00f6mischen Gnaden\u201c, der sich wegen seiner Baut\u00e4tigkeiten einen Namen gemacht hatte. F\u00fcr Herodes war die Ermordung von Widersachern ein allt\u00e4gliches Mittel seiner Politik. Zu den Opfern geh\u00f6rten seine Frau Mariamme und deren Gro\u00dfvater, der Hohepriester Hyrkanos und zahlreiche andere Verwandte. Ambrosius Theodosius Macrobius, sp\u00e4tantiker r\u00f6mischer Grammatiker und Philosoph (395\u2013423), \u00a0\u00fcberlieferte einen Satz des Kaisers Augustus, der in die Geschichte eingegangen ist: \u201e Es ist besser, des Herodes Schwein zu sein als des Herodes Sohn\u201c.<a title=\"\" href=\"#_ftn36\">[36]<\/a> Angesichts der Brutalit\u00e4t von Herodes gab es zahlreiche Legenden, dass Herodes auch Kinder massenweise ermorden lie\u00df. Matth\u00e4us greift auf diese \u00dcberlieferungen zur\u00fcck. <strong>Aber Herodes ist nur Nebenschauplatz. Matth\u00e4us geht es vor allem und haupts\u00e4chlich um die Rettung des Kindes, denn bei dieser Geschichte dachte jeder, der sich in den alten \u00dcberlieferungen auskannte, sofort an die Moses-Geschichte. <\/strong>Im Judentum der Sp\u00e4tantike gab es sogar viele Geschichten, die die biblische Erz\u00e4hlung weiterf\u00fchrten und ausmalten. So wird von Mirjam, der Schwester des Moses erz\u00e4hlt, dass sie ihren Eltern von einem Traum berichtete: \u201eIch sah diese Nacht, und siehe, ein Mann in einem leinenen Gewand (&gt; ein Engel) stand da und sagte zu mir: Geh und sage deinen Eltern: Siehe, der von euch geboren wird, wird im Wasserausgesetzt, denn durch ihn wird das Wasser trocknen und durch ihn werde ich Zeichen geben und ich werde mein Volk retten, und er wird immer sein Anf\u00fchrer sein.\u201c<a title=\"\" href=\"#_ftn37\">[37]<\/a> Moses, der k\u00fcnftige Befreier aus der \u00e4gyptischen Sklaverei und auch der gro\u00dfe Gesetzgeber am Berg Sinai, wird wunderbar durch Gott aus der Gewalt des grausamen Pharaos gerettet. Jesus, der Messias f\u00fcr die Menschheit und auch der Verk\u00fcnder der Bergpredigt als neues Gesetz, wird wunderbar durch Gott aus der Gewalt des grausamen Herodes gerettet. In beiden Geschichten ist die Vielzahl der ermordeten Kinder kein historischer Bericht sondern ein Bild, das mit dunkler Farbe die Grausamkeit der Tyrannen und ihrer Schergen ausmalt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Aus \u00c4gypten habe ich meinen Sohn gerufen <\/strong><\/p>\n<p>Matth\u00e4us hat zwei Probleme bei der Gestaltung seiner Kindheitsgeschichte. Wenn er die Prophezeiungen der alten Schriften auf Jesus deutet, dann st\u00f6\u00dft er auch auf Texte, die Probleme machten. Ein Beispiel ist das 11. Kapitel im Buch des Propheten Hosea. Da wird dreimal \u00c4gypten genannt. Vers 1,1: \u201eAls Israel jung war, gewann ich ihn lieb, ich rief meinen Sohn aus \u00c4gypten.\u201c Vers 1,5: \u201cDoch er muss wieder zur\u00fcck nach \u00c4gypten\u201c. Vers 1,11:\u201c Wie V\u00f6gel kommen sie zitternd herbei aus \u00c4gypten.\u201c<\/p>\n<p>Besonders der Vers 1 macht Matth\u00e4us zu schaffen, er erw\u00e4hnt ihn eigens.<a title=\"\" href=\"#_ftn38\">[38]<\/a> Doch Matth\u00e4us ist ein gro\u00dfer K\u00fcnstler. Er gestaltet die Kindheitsgeschichte zu einem Drama, f\u00fcgt die Flucht nach \u00c4gypten nahtlos ein und begr\u00fcndet sie mit dem Hosea-Zitat als Erf\u00fcllung der biblischen Prophezeiung. Gleichzeit kann er nun ein anderes Problem l\u00f6sen: er kann Jesus nach Nazareth bringen. Dass Jesus aus Nazareth stammte, einem nach heutigem Wissenstand v\u00f6llig unbedeutendem Dorf im traditionell gallil\u00e4ischen Land, abseits der Stra\u00dfen und der hellenistisch gepr\u00e4gten St\u00e4dte<a title=\"\" href=\"#_ftn39\">[39]<\/a>, ist f\u00fcr Matth\u00e4us umfassend bezeugt. So findet er geradezu genial einen Abschluss seiner Kindheitsgeschichte. Er f\u00fcgt mit dem Hinweis auf Archelaus eine historische Verortung dazu und schlie\u00dft mit einem (wohl frei erfundenen) Schriftwort, das eine Erkl\u00e4rung gibt, warum hier in dieser Geschichte gerade Nazareth von Gott bestimmt wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der starke Josef<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_1659\" style=\"width: 267px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wir-haben-seinen-stern-gesehene\/josef-traumt\/\" rel=\"attachment wp-att-1659\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1659\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1659\" title=\"Josef tr\u00e4umt\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Josef-tr\u00e4umt-257x300.jpg\" alt=\"\" width=\"257\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Josef-tr\u00e4umt-257x300.jpg 257w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Josef-tr\u00e4umt.jpg 515w\" sizes=\"(max-width: 257px) 100vw, 257px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1659\" class=\"wp-caption-text\">Josef tr\u00e4umt. Quelle: Wikipedia.<\/p><\/div>\n<p>Im Mittelpunkt der Matth\u00e4ischen Geburtsgeschichte steht zweifellos Josef. Matth\u00e4us schildert ihn als den Mann Marias, der seine kleine Familie nach dem Willen Gottes durch die Gefahren dieser Welt f\u00fchrt. Josef ist wie Abraham, Jakob und Isaak das Werkzeug, durch das Gott seine Verhei\u00dfungen erf\u00fcllt. Gleich wie man die Geburtsgeschichte deutet, ob im Sinne der alten j\u00fcdischen \u00dcberlieferung, dass Gott den Muttermund Marias ge\u00f6ffnet hat, oder nach der anderen\u00a0 \u00dcberlieferung, dass der Gottesgeist das Wunder der Zeugung direkt erm\u00f6glicht hat, Josef ist der Gerechte. Die alte Gottesformel \u201eF\u00fcrchte dich nicht\u201c wird ihm zugesagt. Josef geht mit der schwangeren Maria z\u00e4rtlich und sorgsam um; Matth\u00e4us erw\u00e4hnt dies eigens :\u201cEr (&gt;Josef) erkannte sie aber nicht, bis sie ihren Sohn gebar.\u201c<a title=\"\" href=\"#_ftn40\">[40]<\/a> Josef gibt dem neugeborenen Kind den Namen Jesus, wie es Aufgabe eines jeden j\u00fcdischen Vaters ist. Er steht mitten in der Nacht auf<a title=\"\" href=\"#_ftn41\">[41]<\/a>, flieht\u00a0 in der Geschichte mit der Mutter und ihrem neugeborenen Kind in das Ausland und erkennt den Zeitpunkt der R\u00fcckkehr. Josef ist es, der sich f\u00fcr Nazareth entscheidet. Matth\u00e4us schildert einen starken Josef. Er beschreibt ihn als den ersten Menschen, der nach den Regeln der neuen Zeit lebt.<\/p>\n<p>Die sp\u00e4teren \u00dcberlieferungen haben das Bild des Josef noch mehr \u00fcbermalt: Je wichtiger die Jungfr\u00e4ulichkeit der Gottesmutter wird, umso st\u00e4rker wird Josef sexuell bereinigt und zum alten Mann gemacht. Josef wird zu einem geschlechtslosen Wesen und erh\u00e4lt die Lilie, das Zeichen der sexuellen Unber\u00fchrtheit, in die Hand gedr\u00fcckt. Das Wort \u201eJosefsehe\u201c wird zum Terminus technicus f\u00fcr asexuelle Beziehung. Josef wird zum Tischlermeister<a title=\"\" href=\"#_ftn42\">[42]<\/a>, der mit dem Jesusknaben im Hof Holz s\u00e4gt, w\u00e4hrend die Gottesmutter liebevoll zuschaut. Das Jakobusevangelium aus dem 2. Jahrhundert berichtet von der Brautwerbung Josephs. Demnach war Maria Tempeljungfrau in Jerusalem und sollte einem Mann verheiratet werden, der sie unber\u00fchrt lassen w\u00fcrde. Jeder Bewerber &#8211; allesamt waren Witwer &#8211; sollte einen Stab auf dem Altar des Tempels niederlegen; Josephs Stab gr\u00fcnte und bl\u00fchte, zudem lie\u00df sich eine Taube als Zeichen der g\u00f6ttlichen Best\u00e4tigung auf seinem Kopf nieder. Als Maria trotz des Keuschheitsgebotes schwanger wurde, bezweifelten die Hohen Priester die Enthaltsamkeit der Eheleute. Um ihre Unschuld zu beweisen, mussten beide das giftige Fruchtwasser trinken, blieben aber gesund: dieses Gottesurteil sprach sie von allen Vorw\u00fcrfen frei.<\/p>\n<p>Sowohl die orthodoxe als auch die katholische Kirche verehren Joseph als Heiligen. In der Ostkirche begann der Kult um Joseph schon fr\u00fch, die erste Erw\u00e4hnung in einem Martyrologium des Westens stammt dagegen erst aus der Zeit um 850. Der 19. M\u00e4rz ist aber erst seit 1621 Fest im r\u00f6mischen Kalender, nachdem sein Kult seit dem 14. Jahrhundert besonders von Bettelorden gef\u00f6rdert wurde. 1729 schrieb Papst Clemens XI. den Festtag f\u00fcr die ganze katholische Kirche fest, Papst Pius IX. ernannte Joseph 1870 zum &#8222;Patron der ganzen katholischen Kirche&#8220;.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Deutungen\u00a0 <\/strong><\/p>\n<p>Mit seiner Kindheitsgeschichte hat Matth\u00e4us den Messias f\u00fcr die V\u00f6lker vorgestellt. Nun stand er vor der entscheidenden Frage, was dies bedeutet. Es war die Frage der rabbinischen Juden: Wenn Jesus der Messias war, was hat sich dann in der Welt ver\u00e4ndert? Mit seinem Evangelium gab Matth\u00e4us seine Antwort.<\/p>\n<p>Matth\u00e4us deutet Jesus als Lehrer: &#8222;Als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich und seine J\u00fcnger traten zu ihm. Dann begann er zu reden und lehrte sie&#8220; (Mt 5,1f), \u00a0und &#8222;er lehrte wie einer, der Vollmacht hat&#8220; (Mt7, 28) Aber Matth\u00e4us geht es nicht nur um die R\u00fcckschau. Er will mit den Worten und Gleichnissen Jesu\u00a0 seiner Gemeinde Wegweisung geben und sie warnen vor den Folgen des eigenen Versagens. \u00a0Wie die alten Propheten- und man kann f\u00f6rmlich sehen, wie er dabei beschw\u00f6rend die H\u00e4nde zum Himmel erhebt &#8211; l\u00e4sst er alle, die Jesus ablehnen, egal ob es Juden oder Heiden sind, aber eben auch die Juden &#8211; in die Finsternis werfen und &#8222;dort werden sie heulen und mit den Z\u00e4hnen knirschen&#8220; (Mt 8, 12). Matth\u00e4us will seine Gemeinde erziehen und ermutigen, \u00a0aber auch warnen und schockieren. Doch all das hat ein sicheres Fundament: Jesus ist der Herr seiner ecclesia \u00a0(&gt;Kirche), die aus allen vier Winden von ihm zusammengerufen wurde und er ist bei ihr &#8222;alle Tage bis ans Ende der Welt&#8220; (Mt 28, 20).<\/p>\n<div id=\"attachment_1660\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wir-haben-seinen-stern-gesehene\/hoch-hinaus\/\" rel=\"attachment wp-att-1660\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1660\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1660\" title=\"hoch-hinaus\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/hoch-hinaus-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/hoch-hinaus-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/hoch-hinaus-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/hoch-hinaus.jpg 340w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1660\" class=\"wp-caption-text\">Hoch hinaus. Quelle: Internet. Das Bild wurde \u00fcber TinEye \u00fcberpr\u00fcft. Rechte Dritter wurden nicht festgestellt.<\/p><\/div>\n<p>Damit schlie\u00dft sich der Kreis. Waren es am Anfang &#8222;die Sterndeuter aus dem Osten&#8220; (Mt 2,1), die zu dem Christuskind kamen und diesem die Kynesis (Kniefall) gew\u00e4hrten und mit k\u00f6niglich &#8211; priesterlichen Geschenken bedachten, so sind es nun die Jesusj\u00fcnger und nach ihnen die kommenden Generationen der Kyriake (&gt; Gemeinde des Herrn), die hinaus gehen in die Welt.<\/p>\n<p>Man kann bei Matth\u00e4us den Eindruck haben, dass er bereits das neue Jahrhundert ank\u00fcndigt. Die Jesusgemeinden haben bereits sehr stark ekklesiale Z\u00fcge, d.h. die Abgrenzung vom traditionellen Judentum schreitet rasant voran. Christliche Kirche hat schon Z\u00fcge des &#8222;wahren Israels&#8220;. Noch m\u00f6gen die j\u00fcdischen Diasporagemeinden einflussreich und trotz allem r\u00f6mischen Antisemitismus Zentren der Kultur und des religi\u00f6sen Wissens sein, aber Matth\u00e4us scheint zu ahnen, dass sich das \u00e4ndern wird. Vielleicht gerade deshalb legt er den Akzent auf ein ethisch hochwertiges Leben der Christen und sieht in seinen Strafandrohungen eine Art &#8222;Rute zu Z\u00fcchtigung und Anstrengung&#8220;. Aber der Trennungsschritt zwischen Juden und Christen ist noch nicht vollzogen. Deshalb finden wir bei Matth\u00e4us sowohl Attacken gegen das Judentum (Mt 15,1ff) wie dessen leidenschaftliche Verteidigung (Mt 15,22ff). Matth\u00e4us steht mit einem Bein im Judentum und mit dem anderen au\u00dferhalb. Aber mit dieser schrittweisen Abgrenzung vom Judentum werden auch die antij\u00fcdischen T\u00f6ne laut, die sp\u00e4ter zweitausend Jahre lang die Feindschaft zwischen Christen und Juden begleiten. Sehr nachdenklich m\u00fcssen wir werden, wenn Matth\u00e4us in der Passionsgeschichte formuliert: &#8220; Da schrien sie alle: Ans Kreuz mit ihm. Er (=Pilatus) erwiderte: Was f\u00fcr ein Verbrechen hat er denn begangen? Da schrien sie noch lauter: Ans Kreuz mit ihm&#8220; (Mt 27,23). In den Evangelien begegnen wir dem Christusglauben der ersten Generationen nach Jesu Tod. Aber wir d\u00fcrfen auch dar\u00fcber nachdenken, was damals alles falsch gelaufen ist und woran wir noch heute kranken. Matth\u00e4us kann auch ein Lehrer im kritischen Umgang mit der Tradition sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div><\/div>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Mt 13,24<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Mt 16,19<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> Die bekannteste griechische \u00dcbersetzung wurde die Septuaginta (LXX), die nach der Legende von 70 \u00dcbersetzern gleichzeitig \u00fcbersetzt wurde.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref4\">[4]<\/a> Gut lesbar ist die Studie von Geza Vermes: \u201eDie Geburt Jesu \u2013 Geschichte und Legende\u201c, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 2007. Wesentliche Anregungen und Gedanken dieser Studie gehen auf sein Buch zur\u00fcck.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref5\">[5]<\/a>Mt 1,1<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref6\">[6]<\/a>Am Schluss der Liste in Vers 17 wiederholt Matth\u00e4us die dreifache Gliederung. \u00a0F\u00fcr die dahinter liegende Zahlenmystik gibt es keine eindeutige Erkl\u00e4rung. In der letzten Generationfolge stehen eigenartigerweise nur 13 Namen. M\u00f6glicherweise ist die auf einen schon sehr fr\u00fchzeitigen Kopierfehler zur\u00fcckzuf\u00fchren<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref7\">[7]<\/a> Bereits im Buch Genesis, dem 1. Buch des Pentateuch, \u00a0wird die Geschlechterabfolge von Adam bis Noach dargestellt.\u00a0 Das Buch Numeri, das 4. Buch des Pentateuch, belegt durch lange Geschlechterlisten die erblichen \u00c4mter der Leviten und Priester.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref8\">[8]<\/a> Gen 22,18<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref9\">[9]<\/a> Im Hochadel finden wir noch heute dieses Denken, dass Abstammung besonders legitimiert.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref10\">[10]<\/a> Sach 12, 8f<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref11\">[11]<\/a> Ps 132, 11<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref12\">[12]<\/a> Bibelhandschrift in syrischer Sprache aus dem Jahre 380.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref13\">[13]<\/a> Gen 18,1 f: Gen 21,1 ff<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref14\">[14]<\/a> Gen 25,19 ff<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref15\">[15]<\/a> Gen 30,22<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref16\">[16]<\/a> 1 Sam 1,1 ff<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref17\">[17]<\/a> Im Buch Genesis wird diese Sch\u00f6pfungswidrigkeit allerdings ausdr\u00fccklich verworfen.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref18\">[18]<\/a> Die Versuchungen des Patriarchen Lamech, eine aram\u00e4ische Umarbeitung der Genesis aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. (s. Geza Vermes S. 43)<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref19\">[19]<\/a> Erich Weidinger, Die Apokryphen, Pattloch Verlag 1990<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref20\">[20]<\/a> Mt 2,11: Die Magier \u201egingen in das Haus\u201c.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref21\">[21]<\/a> Micha 5,1<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref22\">[22]<\/a> Mt 2,6<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref23\">[23]<\/a> Micha 5,2f<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref24\">[24]<\/a> Num 24, 17 f<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref25\">[25]<\/a> 2. Petr 1,19<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref26\">[26]<\/a> Apk 22,16<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref27\">[27]<\/a> Sueton, Divus Julius 88; zit. nach Geza Vermes<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref28\">[28]<\/a> Eusebius, Demonstratio evangelica 9,1; zit. nach Geza Vermes<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref29\">[29]<\/a> Mt 2,1<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref30\">[30]<\/a> Apg 8,9-13; 13,6<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref31\">[31]<\/a> Zit. nach Wikipedia, Heilige Drei K\u00f6nige<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref32\">[32]<\/a> Ps 72, 10<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref33\">[33]<\/a>\u00a0 Wikipedia, Heilige Drei K\u00f6nige<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref34\">[34]<\/a> Jes 60, 1 ff<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref35\">[35]<\/a> Mt 28, 18<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref36\">[36]<\/a> Wikepedia; Geza Vermes<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref37\">[37]<\/a> Pseudo-Philon, Liber Antiquitatum Biblicarum, 1. Jahrhundert n.Chr.; zit. nach Geza Vermes<!--more--><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref38\">[38]<\/a> Mt 2,15b<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref39\">[39]<\/a> Die israelische Arch\u00e4ologie hat z.B. Sepphoris ausgegraben, eine moderne hellenistische Gro\u00dfstadt etwa 10 Km von Nazareth entfernt.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref40\">[40]<\/a> Mt 1,25<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref41\">[41]<\/a> Mt 2,14; die Nacht ist eine theologische Aussage. Nacht ist eine Chiffre f\u00fcr die Abwesenheit Gottes.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref42\">[42]<\/a> Heutige Forschung deutet das griechische Wort teknon im Sinne von Bauhandwerker.<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 Bibel-theologische Studie zum Weihnachtsevangelium des Matth\u00e4us Von Dieter Kittlau\u00df &nbsp; Inhalt \u00a0 Hinf\u00fchrung Sohn Davids Gezeugt in der Kraft des Gottesgeistes Wir haben seinen Stern gesehen Hoffnung f\u00fcr die V\u00f6lker Der neue Moses Aus \u00c4gypten habe ich meinen Sohn gerufen Der starke Josef Deutungen (Erstver\u00f6ffentlichung 2007) Hinf\u00fchrungen In diesem Jahr suchte ich einen Zugang [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0},"categories":[1,23],"tags":[102],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1654"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1654"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1654\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1654"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1654"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1654"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}