{"id":1442,"date":"2012-08-14T00:15:20","date_gmt":"2012-08-13T22:15:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/?p=1442"},"modified":"2012-09-07T08:38:14","modified_gmt":"2012-09-07T06:38:14","slug":"andere-bilder-von-der-fruhen-kirche","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/andere-bilder-von-der-fruhen-kirche\/","title":{"rendered":"Andere Bilder von der fr\u00fchen Kirche: Entwicklungen und Tendenzen"},"content":{"rendered":"<h1 align=\"center\"><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"color: #333300;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<h4 align=\"center\"><span style=\"color: #333300;\"><strong>Theologische Studie<\/strong><\/span><\/h4>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_1445\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/Medallion-Petrus-und-Paulus-img100139.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1445\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1445  \" title=\"Medallion Petrus und Paulus img100139\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/Medallion-Petrus-und-Paulus-img100139-300x288.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"288\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/Medallion-Petrus-und-Paulus-img100139-300x288.jpg 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/Medallion-Petrus-und-Paulus-img100139.jpg 750w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1445\" class=\"wp-caption-text\">Medallion Petrus und Paulus. Quelle Wikimedia.<\/p><\/div>\n<p><strong>&#8222;Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, Der uns besch\u00fctzt und der uns hilft, zu leben&#8220;, schrieb Hermann Hesse. Das gilt auch f\u00fcr die Anf\u00e4nge der Jesusbewegung. Nicht zuf\u00e4llig sind die vier kanonischen Evangelien in das religi\u00f6se Erbe der Menschheit eingegangen und auch f\u00fcr uns st\u00e4ndige Quelle unserer Christlichkeit. \u00a0Aber je intensiver sich der &#8211;zun\u00e4chst ganz j\u00fcdische&#8211; neue Weg \u00a0zur Kirche entwickelte, umso deutlicher kam die menschliche Handschrift zum Tragen. \u00a0Es verhilft der Wahrheit, den Hintergrund bestimmter Entwicklungen anzuleuchten und dies mit einfachen Worten auf jeweils einer Seite. So werden auch Entwicklungen und Konflikte unserer kirchlich-christlichen Gegenwart deutlicher. Die hier gew\u00e4hlte Auswahl ist zuf\u00e4llig und k\u00f6nnte beliebig fortgesetzt werden.<\/strong><a title=\"\" href=\"#_ftn1\"><strong><strong><!--more-->[1]<\/strong><\/strong><\/a><strong><\/strong><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"color: #333300;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"color: #888888;\"><strong>Tu es Petrus<\/strong><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"color: #888888;\"><strong>Babel zwei<\/strong><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"color: #888888;\"><strong>Aus der Liste gestrichen<\/strong><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"color: #888888;\"><strong>Der Lieblingsj\u00fcnger<\/strong><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"color: #888888;\"><strong>Abgeschnitten<\/strong><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"color: #888888;\"><strong>Machtspiele<\/strong><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"color: #888888;\"><strong>Infiziert<\/strong><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"color: #888888;\"><strong>Thron und Altar<\/strong><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"color: #888888;\"><strong>M\u00e4nnerwelten<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><span style=\"color: #888888;\">Aufwerten<\/span><\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h3><span style=\"color: #333300;\"><strong>\u201eTu es Petrus\u201c: Das Machtstreben der R\u00f6mischen Bisch\u00f6fe<\/strong><\/span><\/h3>\n<div id=\"attachment_1429\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/800px-Petrus_et_Paulus_4th_century_etching.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1429\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1429 \" title=\"800px-Petrus_et_Paulus_4th_century_etching\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/800px-Petrus_et_Paulus_4th_century_etching-300x149.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"149\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/800px-Petrus_et_Paulus_4th_century_etching-300x149.jpg 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/800px-Petrus_et_Paulus_4th_century_etching.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1429\" class=\"wp-caption-text\">Petrus und Paulus aus dem 4. Jahrhundert. Quelle: Wikimedia.<\/p><\/div>\n<p>\u201eUnd ich sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen\u00a0 Felsen werde ich bauen meine Gemeinde, und die Tore des Totenreiches\u00a0 werden nicht den Sieg davon tragen \u00fcber sie. Ich werde dir geben die Schl\u00fcssel des Reiches der Himmel, und was du bindest auf der Erde, wird gebunden sein in den Himmeln, und was du l\u00f6st auf der Erde, wird sein gel\u00f6st in den Himmeln\u201c\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 ( Mt.16,17f). TU ES PETRUS \u2026 in gro\u00dfen lateinischen Lettern der Vulgata steht dieser Text aus dem Matth\u00e4usevangelium in der Kuppel des Petersdomes und verk\u00fcndet die Macht der P\u00e4pste \u00fcber die Kirche\u00a0 als Wille Jesu f\u00fcr alle <strong>Zeiten. Die (von der Katholischen Kirche) unabh\u00e4ngige exegetische<\/strong> Wissenschaft ist sich allerdings sicher, dass dieses Wort &#8211; so wie hier \u00fcberliefert &#8211; nicht ein Wort Jesu sondern eine theologische Einf\u00fcgung des Evangelisten Matth\u00e4us ist. Wenn das so ist \u2013 wovon wir ausgehen k\u00f6nnen -, m\u00fcssen wir fragen, was der Evangelist damit gemeint hat? Petrus hatte wie seine Br\u00fcder und Schwestern einen biblischen Namen, n\u00e4mlich Schimon (&gt;Simon, Symeon). Nach den Evangelien sprach ihn Jesus mit \u201eBar Jona\u201c (&gt; Sohn des Johannes\u201c) an. Paulus spricht immer nur von Kefas (&gt; Fels, Stein) oder von Simon Kefas; einmal (Gal 2,7) w\u00e4hlt er die griechische Form\u00a0 Petros (&gt; \u03c0\u03b5\u03c4\u03c1\u03bf\u03c2); in der lateinischen Vulgata wird daraus Petrus. Es spricht alles daf\u00fcr, dass Simon Bar Jona den Beinamen \u201eKefas\u201c\u00a0 wegen seiner besonderen Rolle in der J\u00fcngergemeinde (von Jesus oder sp\u00e4ter) bekommen hat, denn auch der Evangelist Matth\u00e4us gebraucht Petros als Eigennamen. Aus der Theologie des Matth\u00e4us l\u00e4sst sich erkl\u00e4ren, warum Petrus so hervorgehoben wird. Matth\u00e4us sieht das Volk Israel wieder einmal (wie so oft in der Geschichte) gespalten, diesmal in das rabbinische und das jesuanische Judentum. Matth\u00e4us sieht und erlebt, wie die beiden Zweige auseinanderdriften, sich entfremden und verfeinden. Aber um wieder zusammenzufinden, gibt es f\u00fcr Matth\u00e4us einen Schl\u00fcssel: die Schrift, also den Tanach. Matth\u00e4us ist \u00fcberzeugt, dass die Propheten bereits das Kommen Jesu bezeugt haben. Aber Matth\u00e4us denkt j\u00fcdisch, so bringt er neben vielen Zitaten (aus der griechischen Septuaginta) einen Menschen als Zeugen: und das ist f\u00fcr ihn Simon Petrus. Petrus ist f\u00fcr ihn der gute und sichere Zeuge f\u00fcr die Messianit\u00e4t Jesu. Es gibt eine Theorie, dass Petrus durch den neuen Namen (Kefas) schon in der J\u00fcngergruppe\u00a0 zum Gegenspieler des Hohen Priesters Kaifarus aufgebaut wurde. Auch sp\u00e4ter nach dem Tod Jesu spielte Petrus sowohl innerhalb der suchenden J\u00fcngergruppe wie in der \u00d6ffentlichkeit des Tempels bei den ersten Missionsauftritten offensichtlich eine zentrale Rolle.<a title=\"\" href=\"#_ftn2\">[2]<\/a> Als sich in Jerusalem eine jesuanische Gemeinde bildete, \u00fcbernahm der Herrenbruder Jakobus deren Leitung. Es gibt Indizien, dass Petrus zusammen mit seiner Frau in Samaria missionierte. Sp\u00e4ter ging er nach C\u00e4sarea und geriet in den Konflikt zwischen juden- und heidenchristlichen Jesusj\u00fcngern, der schlie\u00dflich durch das sogenannte\u00a0 Apostelkonzil entsch\u00e4rft wurde. Dann verliert sich sein Leben im Nebel. Nach (allerdings viel) sp\u00e4teren \u00dcberlieferungen ist Petrus in Rom den Martyrertod gestorben und hier (irgendwo) begraben worden. Durch diese \u00dcberlieferung erhielt die Gemeinde der r\u00f6mischen Kaiserstadt bis ins vierte Jahrhundert eine besondere Autorit\u00e4t und erhob schon fr\u00fchzeitig mit dem Hinweis auf Petrus (gelebt, gestorben, begraben) F\u00fchrungsanspr\u00fcche. Auch als Kaiser Konstantin die Zentrale seines Reiches nach Osten verlegte, lie\u00df er dem R\u00f6mischen Bischof seinen besonderen Rang und benutzte dessen Autorit\u00e4t, um die zerstrittenen christlichen Kirchen zu einen. Als das westr\u00f6mische Reich 476-480 zerfiel, erwiesen sich im politischen Vakuum die R\u00f6mischen Bisch\u00f6fe als Ordnungsmacht. Durch das B\u00fcndnis mit den Franken\u00a0 und die Entfremdung zu den ostr\u00f6mischen Kirchen verst\u00e4rkte sich\u00a0 der Machtanspruch der R\u00f6mischen Bisch\u00f6fe. Selbst in Krisenzeiten erwies sich nun der Mythos der Petrusnachfolge als tragend. Mit dem I. Vatikanum erreichte die Vorherrschaft des Papstes in der Katholischen Kirche ihren H\u00f6hepunkt. Im II. Vatikanum gelang es dem \u201eCollegium Papale\u201c alle p\u00e4pstlichen Anspr\u00fcche zu sichern. Johannes Paul II. und Benedikt XVI. verankerten in der nachkonziliaren Zeit den p\u00e4pstlichen Absolutismus durch das neue Kirchenrecht.<\/p>\n<h3>Babel zwei &#8211; die Sprachenvielfalt der heiligen Schriften<\/h3>\n<div id=\"attachment_1430\" style=\"width: 282px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/150560_962_1145525612142-septuaginta2.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1430\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-1430 \" title=\"150560_962_1145525612142-septuaginta2\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/150560_962_1145525612142-septuaginta2.jpg\" alt=\"\" width=\"272\" height=\"249\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1430\" class=\"wp-caption-text\">Textseite aus der Septuaginta. Quelle: Wikimedia<\/p><\/div>\n<p>Clemens von Alexandrien wurde um 150 geboren, konvertierte zum Christentum und wurde\u00a0 Lehrer an der christlichen Katechetenschule in Alexandrien. Es war sein Anliegen, das junge Christentum f\u00fcr hellenistische Ohren verst\u00e4ndlich zu machen. Hellenistische Begriffe wie Logos, Seele, Erkenntnis, Sein und Geist verband er mit der Christusbotschaft. Judentum und hellenistische Kultur\/Philosophie waren ihm vorbereitende Wege\u00a0 der g\u00f6ttlichen Offenbarung, Christus aber der gro\u00dfe Lehrer und Erzieher des Menschengeschlechtes auf Gott hin. Diese heilsgeschichtliche Sicht der Geschichte als Erziehung auf Christus hin, wird sp\u00e4ter in der Neuzeit in die Aufkl\u00e4rung (z.B. Lessing) einflie\u00dfen. In der Gnosis, einer charismatischen Str\u00f6mung der Sp\u00e4tantike, sah Klemens allerding eine t\u00f6dliche Gefahr f\u00fcr das Christentum. Klemens von Alexandrien starb vor 216. W\u00e4hrend er in den \u00f6stlichen Kirchen ein gro\u00dfes Ansehen genoss, wurde er von der Kirche des Westens (Rom) gemieden. Deshalb wurden seine\u00a0 Schriften auch nicht ins Lateinische \u00fcbersetzt. 1748 lie\u00df ihn Papst Benedikt XIV. aus dem r\u00f6mischen Heiligenkalender und als Kirchenvater streichen, da seine Lehre zweifelhaft w\u00e4re. Die Feindschaft zwischen der Lateinischen und der Orthodoxen Kirche d\u00fcrfte aber ma\u00dfgeblicher gewesen sein. Von Klemens sind drei zusammenh\u00e4ngende philosophisch-theologische Werke und eine Predigt erhalten. Doch da gibt es noch eine aufregende Story. 1958 entdeckte der britische Sprachwissenschaftler Morton Smith im Kloster Mar Saba in der N\u00e4he von Jerusalem auf der letzten Seite und der Einbandinnenseite eines gedruckten Buches einen griechisch geschriebenen Text, der allerdings auf der dritten Seite abbricht.<a title=\"\" href=\"#_ftn3\">[3]<\/a> Die Untersuchungen\u00a0 ergaben, dass der Text im 18. Jahrhundert von einem M\u00f6nch geschrieben wurde und die Abschrift eines Briefes von Klemens von Alexandrien ist. Es gab eine langwierige Diskussion unter den Gelehrten, bei der Morthon Smith nicht immer eine gute Figur machte. Mittlerweile wird aber allgemein die Autorenschaft anerkannt. In diesem Brief, der an einen Karpokrates gerichtet ist, bek\u00e4mpft Klemens ein \u201eGeheimes Evangelium\u201c, weil dieses das Markusevangelium verf\u00e4lscht habe. In dem erhaltenen Text zitiert \u00a0Klemens die Erweiterung des Markustextes zwischen Mk. 10,34 \/35 und bezeichnet sie als als F\u00e4lschung:\u00a0 \u00a0<strong><em>&#8222;Und sie kamen nach Bethanien, und eine gewisse Frau, deren Bruder gestorben war, war dort. Und herzu kommend, warf sie sich vor Jesus nieder und sagte zu ihm: &#8218;Sohn Davids, habe Erbarmen mit mir.&#8216; Aber die J\u00fcnger wiesen sie zur\u00fcck. Und Jesus, der in Wut geriet, ging mit ihr in den Garten, wo das Grab war, und sogleich wurde ein lauter Schrei aus dem Grab geh\u00f6rt. Und n\u00e4her tretend, rollte Jesus den Stein vom Eingang des Grabes weg. Und sogleich ging er hinein, wo der J\u00fcngling war, streckte seine Hand aus und zog ihn hoch, indem er dessen Hand ergriff. Aber der J\u00fcngling, als er ihn ansah, liebte ihn und fing an, ihn anzuflehen, dass er bei ihm sein m\u00f6ge. Und sie gingen aus dem Grab heraus und kamen in das Haus des J\u00fcnglings, denn er war reich. Und nach sechs Tagen sagte ihm Jesus, was er tun solle, und am Abend kommt der J\u00fcngling zu ihm, ein leinenes Tuch \u00fcber [seinem] nackten [K\u00f6rper] tragend. Und er blieb diese Nacht bei ihm, denn Jesus lehrte ihn das Geheimnis des Reiches Gottes. Und von da erhob er sich und ging auf die andere Seite des Jordans zur\u00fcck.&#8220;<\/em><\/strong> Nach der Quellenlage wissen wir nicht, ob sich der (gnostische) Autor des Geheimen Evangeliums auf eine uns unbekannte Fassung des Markusevangeliums berufen kann, oder ob es sich hier um eine einschiebende F\u00e4lschung handelte, wie Klemens argumentierte. Die schwule Andeutung (Jesus und der J\u00fcngling nackt eine Nacht zusammen) passt zur hellenistischen Offenheit in sexuellen Dingen, k\u00f6nnte also eine Ausmalung von Mk.14, 51 sein. In jedem Fall gibt der Brief einen guten Einblick in die Auseinandersetzungen im fr\u00fchen Christentum. Die sp\u00e4tantike Welt, in die die Jesusbewegung hineinwuchs, war ein Gebr\u00e4u von Ideen, Philosophien, Kulten, charismatischen Bewegungen und uralten Traditionen. Die Auseinandersetzungen waren oft k\u00e4mpferisch bis aufs Blut. Die christlichen Theologen mussten sich damit auseinandersetzen \u2013 zus\u00e4tzlich zu der wachsenden Feindschaft mit den oft einflussreichen j\u00fcdischen Gemeinden.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #333300;\">Der Lieblingsj\u00fcnger: Hintergr\u00fcndiges in den Evangelien<\/span><\/h3>\n<div id=\"attachment_1435\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/untencols1.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1435\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1435 \" title=\"untencols1\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/untencols1-300x138.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"138\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/untencols1-300x138.jpg 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/untencols1.jpg 651w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1435\" class=\"wp-caption-text\">Quelle Wikimedia<\/p><\/div>\n<p>Im Johannesevangelium gibt es eine Geistergestalt: der Lieblingsj\u00fcnger Jesu. Der Evangelist nennt nie seinen Namen, stellt ihn aber oft neben Petrus und dokumentiert\u00a0 ihn als Zeugen der Auferstehung. Als Maria Magdalena, f\u00fcr den Evangelisten die Erstzeugin der Auferstehung, am Tag nach dem Sabbat fr\u00fchmorgens zum Grab eilte und dieses trotz der Dunkelheit leer fand, \u201elief sie schnell zu Simon Petrus und dem J\u00fcnger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: \u2018Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen, und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat.\u2018 Da gingen Petrus und der andere J\u00fcnger hinaus und kamen zum Grab; sie liefen beide zusammen, aber weil der andere J\u00fcnger schneller war als Petrus, kam er als erster zum Grab. Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging aber nicht hinein. Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war und ging in das Grab hinein\u201c (Joh. 20,1ff). \u00dcber den Lieblingsj\u00fcnger im Johannesevangelium und insbesondere \u00fcber diese Stelle, gibt es ganze Bibliotheken. Dies soll hier nicht weiter verfolgt werden. Nur so viel \u00a0sei gesagt: F\u00fcr die Johannesgemeinde gab es einen J\u00fcnger, der zu Jesus eine besonders enge Beziehung hatte und der f\u00fcr die Fr\u00fche Kirche genauso wichtig war wie Petrus, Andreas, Philippus oder Paulus. Aus uns nicht bekannten Gr\u00fcnden wurde der Name verschleiert. Auch die anderen Evangelien \u00fcbergehen ihn geflissentlich. Die einfachste Erkl\u00e4rung w\u00e4re \u00fcbrigens der Hintergrund einer erotischen Beziehung. Dies w\u00fcrde auch erkl\u00e4ren, warum Jesus so anziehend f\u00fcr Frauen wirkte. Wir k\u00f6nnen davon ausgehen, dass die Jesusgruppe aus Verwandten, Verheirateten, geschiedenen und verwitweten\u00a0 Frauen , schwulen M\u00e4nnern und lesbischen Frauen, alleinlebenden Frauen, ehemaligen Prostituierten, Soldaten und Singles bestand, also existenziell sehr gemischt war und auch von unterschiedlicher Bindung (dauernd \u2013 sporadisch). In einer solchen Gruppe wirkte m\u00f6glicherweise ein schwuler Jesus gar nicht so fremd, zumal wenn man bedenkt, dass es sich um eine Gruppe handelte, die sich \u00a0im Angesicht der gro\u00dfen Weltver\u00e4nderung wusste. Das Johannesevangelium ist vor der Jahrhundertwende geschrieben worden. Der zeitliche Abstand zu Jesu Leben und Sterben betrug etwa 60 Jahre, f\u00fcr die damalige Zeit waren das zwei Generationen. Wenn in der Johannesgemeinde der inzwischen altgewordene \u201eJ\u00fcnger, den Jesus besonders liebte\u201c lebte und man f\u00fcrchten musste, dass er sowohl f\u00fcr kirchliche wie staatliche Stellen eine Gefahr darstellte, \u00a0ist\u00a0 die Vorsicht des Johannesevangeliums durchaus zu verstehen.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #333300;\">Abgeschnitten: Als sich Origines selbst kastrierte\u00a0<\/span><\/h3>\n<div id=\"attachment_1434\" style=\"width: 291px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/secmark-3.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1434\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1434 \" title=\"secmark-3\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/secmark-3-281x300.jpg\" alt=\"\" width=\"281\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/secmark-3-281x300.jpg 281w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/secmark-3-960x1024.jpg 960w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/secmark-3.jpg 1350w\" sizes=\"(max-width: 281px) 100vw, 281px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1434\" class=\"wp-caption-text\">Dritte Seite des Briefes an Theodoros. Quelle: Uni Bremen.<\/p><\/div>\n<p>Origines von Alexandrien war wohl der ber\u00fchmteste Theologe des zweiten Jahrhunderts. In der\u00a0 Kirchengeschichte (griechisch geschrieben)\u00a0 des Eusebius von C\u00e4sarea (\u2020 430) sind uns vom Leben des Origines vieles Details erhalten. So schildert Eusebius, dass der Vater Leonides seinen Sohn Origines geradezu als Gottesgeschenk verehrte, denn er trat\u00a0 oft an den schlafenden Knaben heran, entbl\u00f6\u00dfte ihm die Brust und k\u00fcsste sie ehrfurchtsvoll. Durch den Vater erhielt Origines schon fr\u00fchzeitig eine umfassende Bildung und erweiterte seine Sprachenkenntnisse durch systematisches Lernen und Reisen. W\u00e4hrend einer Verfolgungswelle starb der Vater Leonides als Martyrer. Die Mutter konnte die Selbstbezichtigung des Jungen nur verhindern, indem sie dessen Kleidung versteckte, Origines aber nicht nackt auf die Stra\u00dfe laufen wollte. Wie stark Origines in der Nachfolge Jesu leben wollte, zeigt sein bewusst aszetisches Leben und seine w\u00f6rtliche Befolgung des Jesuswortes (Mt.19, 12), als er sich kastrieren lie\u00df, um sexuell ohne Begierden leben zu k\u00f6nnen. Origines trug lange Zeit keine Schuhe, verzichtete auf Wein (der damals Nahrungsmittel und Medizin war) und a\u00df so wenig, dass er \u00f6fters sehr geschw\u00e4cht war. Wichtiger: Origines gilt als Vater der Textforschung. Er lernte Hebr\u00e4isch, besorgte sich die Hebr\u00e4ische Bibel von j\u00fcdischen H\u00e4ndlern, stellte einen Schriftkanon zusammen und untersuchte biblische Texte bez\u00fcglich ihrer Echtheit. In der sogenannten Hexapla stellte der dem hebr\u00e4ischen Text dessen griechische Umschrift und vier griechische \u00dcbersetzungen gegen\u00fcber. Er richtete ein Schreibb\u00fcro mit mehreren Schreibern ein, um von wichtigen Handschriften Abschriften zu erhalten, und diktierte seine Predigten Stenografen. Origines geh\u00f6rte zu den wenigen christlichen Theologen, die das Gespr\u00e4ch mit Rabbinern suchten. Zwischen der klassischen griechischen Philosophie und dem Christentum versuchte er Br\u00fccken zu bauen, was ihm viel Feindschaft einbrachte. Zu seiner Theologie geh\u00f6rt auch die Verwerfung der H\u00f6lle. \u00a0Mit Berufung auf das Schriftwort aus 1 Kor 15,28: \u201ewenn ihm dann alles unterworfen ist, wird auch er, der Sohn, sich dem unterwerfen, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott herrscht \u00fcber alles und in allem\u201c,\u00a0 war er der \u00dcberzeugung, dass selbst D\u00e4monen und der Teufel am Ende erl\u00f6st werden (Apokatastasis panton &gt; Wiederherstellung der ganzen Sch\u00f6pfung). Doch damit stie\u00df er auf erbitterten Widerstand. Die H\u00f6lle war bereits fest im christlichen Denken verankert. Auf dem (f\u00fcnften \u00f6kumenischen) Konzil 553 wurde die Lehre von der Apokatastasis verworfen. Origines gilt in den orthodoxen Kirchen als einer der gro\u00dfen Kirchenlehrer. Aber die R\u00f6mische Kirche ist ihm immer mit Misstrauen und Ablehnung begegnet und hat ihn auch nicht als Kirchenlehrer anerkannt. Eusebius schwankt bei der Beurteilung der Kastration, aber spricht doch von einer \u201ek\u00fchnen Tat\u201c. Die christliche Kirche hat die Selbstverst\u00fcmmlung nicht \u00fcbernommen, vielleicht in Abgrenzung zur j\u00fcdischen Beschneidung. Stattdessen wurde Verzicht auf Sexualverkehr (incl. Masturbation und Ber\u00fchren der Geschlechtsteile) und Ehe immer st\u00e4rker zum Erweis eines spirituellen Lebens.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #333300;\">Machtspiele: Der Streit um den ersten Platz<\/span><\/h3>\n<div id=\"attachment_1437\" style=\"width: 134px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/Victor_I.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1437\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-1437 \" title=\"Victor_I\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/Victor_I-124x300.jpg\" alt=\"\" width=\"124\" height=\"300\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1437\" class=\"wp-caption-text\">Viktor I, Bischof von Rom. Renaissance Vatikanische Museen..<\/p><\/div>\n<p>155 wurde der Syrer Anicetus Bischof von Rom. Er suchte das Gespr\u00e4ch mit den Kirchen in Asien (&gt;T\u00fcrkei, Irak), um die unterschiedlichen Ostertermine zu kl\u00e4ren. In den asiatischen Kirchen feierte man Ostern nach dem j\u00fcdischen Kalender am 14. Nisan (14. Tag des Fr\u00fchlingsmondes), in den Westkirchen dagegen am folgenden Sonntag.\u00a0 Anicetus lud deshalb Polykarp, den Bischof von Smyrna, einen der prominentesten Bisch\u00f6fe des Ostens, nach Rom zum Gespr\u00e4ch ein. Aber es erfolgte keine Einigung. Im Hinblick auf den Frieden unter den Kirchen verzichtete man auf eine Kl\u00e4rung und feierte als Zeichen der Verbundenheit die Eucharistie. 167 wurde in Laodicea erneut erfolglos verhandelt. 189 wurde (der Afrikaner) Viktor Bischof von Rom. Mit Berufung auf die Tradition des Petrusgrabes begr\u00fcndete er f\u00fcr die R\u00f6mische Kirche besondere Vorrechte und verlangte, dass sich die \u00f6stlichen Kirchen dem westlichen Ostertermin anpassten. Er drohte mit der Exkommunikation, regte aber an, dass \u00fcberall Synoden zur Kl\u00e4rung stattf\u00e4nden. Der vorsitzende Bischof der Kirchen Asiens hie\u00df Polykrates. \u00dcber seine Argumentation berichtet Eusebius in seiner Kirchengeschichte. Polykrates verwies auf die Aposteltraditionen Asiens hin und erw\u00e4hnte besonders eigens Philippus und Johannes. Er betont, dass die Fastenzeit seit alters her am 14. Nisan beendet wurde. <strong>\u201eIch nun, Br\u00fcder, der 65 Jahre im Herrn z\u00e4hlt und mit den Br\u00fcdern der ganzen Welt verkehrt hat und die ganze heilige Schrift gelesen hat, ich lass mich durch Drohungen <\/strong>(&gt;durch Bischof Viktor u.a) <strong>nicht in Schrecken setzen. Denn Gr\u00f6\u00dfere als ich haben gesagt: \u201cMan muss Gott mehr gehorchen als den Menschen\u201c (&gt; Apg, 5,29).<\/strong> Polykrates weist auch auf die vielen Bisch\u00f6fe hin, die seine Meinung teilen. Da versucht der allseits geachtete Iren\u00e4us, Bischof von Lyon, einer Tochterkirche von Rom, zu vermitteln. F\u00fcr ihn ist das theologische Argument, die Kirche d\u00fcrfe nur am Sonntag das Auferstehungfest feiern, entscheidend. Aber <strong>\u201eer mahnt auch Viktor w\u00fcrdig und eindringlich, er solle nicht ganze Kirchen Gottes, die an alten, \u00fcberlieferten Br\u00e4uchen festhalten, ausschlie\u00dfen. So wie es unterschiedliche Fastenregeln g\u00e4be, so w\u00fcrden auch unterschiedliche Ostertermine den Frieden unter den Kirchen nicht st\u00f6ren.\u201c<\/strong> Iren\u00e4us weist auf die Praxis der fr\u00fcheren r\u00f6mischen Bisch\u00f6fe hin: \u201c Niemals wurden aus solchem Grunde (&gt; unterschiedliche Traditionen) Leute ausgeschlossen, vielmehr schickten die, welche vor dir Presbyter (&gt;Bisch\u00f6fe)\u00a0 waren, obwohl sie die Praxis (&gt;des j\u00fcdischen Termins)\u00a0 nicht hatten, an die, welche sie hatten und aus solchen Gemeinden kamen, die Eucharistie\u2026. In solcher Weise mahnte Iren\u00e4us, der seinen Namen verdiente und tats\u00e4chlich ein Friedensmann war, zum Frieden der Kirchen und trat f\u00fcr ihn ein. Nicht nur mit Viktor, sondern auch mit sehr vielen anderen Kirchenf\u00fcrsten verhandelte Iren\u00e4us brieflich in \u00e4hnlicher Weise \u00fcber die entstandene Streitfrage.\u201c \u00a0Viktor gab nach und durch seinen Tod 199 l\u00f6ste sich der Streit von selbst. Die unterschiedlichen Termine blieben bis heute ein Unterschied zwischen der Katholischen und der Orthodoxen Kirche. Dass die katholischen Fundamentaltheologen die Haltung Viktors als Beweis f\u00fcr den Primatsanspruch des Papstes heranziehen, bedarf schon besonderer Hartleibigkeit. Bischof Viktor exkommunizierte radikal Abweichler, f\u00fchrte das Latein als Kirchensprache in Rom ein und wurde als Papst Viktor I. sp\u00e4ter heiliggesprochen.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #333300;\">Infiziert: Mit der Freiheit kam die Intoleranz<\/span><\/h3>\n<div id=\"attachment_1438\" style=\"width: 134px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/220px-Musei_Capitolini-statua_di_Costantino-testa-antmoose.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1438\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-1438 \" title=\"220px-Musei_Capitolini-statua_di_Costantino-testa-antmoose\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/220px-Musei_Capitolini-statua_di_Costantino-testa-antmoose-197x300.jpg\" alt=\"\" width=\"124\" height=\"189\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/220px-Musei_Capitolini-statua_di_Costantino-testa-antmoose-197x300.jpg 197w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/220px-Musei_Capitolini-statua_di_Costantino-testa-antmoose.jpg 220w\" sizes=\"(max-width: 124px) 100vw, 124px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1438\" class=\"wp-caption-text\">Konstantin, Kolossalkopf, Vatikanische museen, Wikimedia.<\/p><\/div>\n<p>Bereits 312 beginnt Kaiser Konstantin mit seiner neuen Religionspolitik, indem er Zug f\u00fcr Zug die christlichen Kirchen privilegiert. F\u00fcr den Kaiser wird das Christentum vor allem zum Instrument, das gef\u00e4hrdete Reich zu einen. Deshalb greift er auch in die (vielen) innerchristlichen Streitigkeiten ein. In seiner Kirchengeschichte beschreibt Bischof Eusebius von C\u00e4sarea (\u2020 339) das kaiserliche Eingreifen in Nordafrika. Hier ist die bl\u00fchende Kirche tief gespalten durch die donatistische Bewegung. Benannt nach Donatus, Bischof von Karthago, verweigerten die Donatisten die Wiederaufnahme der Abgefallenen (lapsi) und deren Sakramentenspendung. Als es wegen einer Bischofsernennung zum offenen Streit kommt, greift Konstantin ein. Er beauftragt den Bischof von Rom mit der Kl\u00e4rung, da ihm als Patriarchen von Westrom die nordafrikanischen Kirchen unterstehen. Obwohl sich Rom auf einer Synode gegen die Donatisten durchsetzt, werden die innerkirchlichen K\u00e4mpfe st\u00e4rker. Da greift Konstantin selbst ein. In einem kaiserlichen Befehl an Milthiades, den Bischof von Rom, ordnete er an, auf einer Synode die Praxis der Reichskirche f\u00fcr alle festzulegen. 314 fand die Synode in Arles in der r\u00f6mischen Provinz Gallien statt. Silvester, der Bischof von Rom, lie\u00df sich durch zwei Priester und zwei Diakone vertreten. Da sich die donatistischen Bisch\u00f6fe erneut widersetzen, befiehlt Konstantin die Verbannung der beiden leitenden donatistischen Bisch\u00f6fe Caecilian und Donatus. Dennoch ist der innerkirchliche Streit noch nicht beendet. Erst 411 setzt sich Augustinus, Bischof von Karthago, mit kaiserlicher Hilfe durch.<\/p>\n<p>Aber die christliche Kirche wird den Virus \u201eIrrlehre und Ketzerverfolgung\u201c nicht mehr los. Auch der Einfluss der Politik bleibt eine st\u00e4ndige Gefahr. Verbannung, Unterdr\u00fcckung, Enteignung, B\u00fccherverbrennung und Zerst\u00f6rung von Geb\u00e4uden werden normale Methoden;\u00a0 der Verlust des toleranten Nebeneinanders unterschiedlicher Meinungen und Praktiken ist der Preis f\u00fcr den Sieg. Die Sonne, die Gott nach dem Wort Jesu \u00fcber S\u00fcnder und Gerechte scheinen l\u00e4sst, verfinsterte sich.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #333300;\">Thron und Altar: Die \u00dcbernahme der Macht durch den monarchischen Episkopat<\/span><\/h3>\n<div id=\"attachment_1439\" style=\"width: 247px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/1878689.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1439\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-1439 \" title=\"1878689\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/1878689-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"237\" height=\"237\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/1878689-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/1878689-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/1878689.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 237px) 100vw, 237px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1439\" class=\"wp-caption-text\">Reinhard Kardinal Marx, Erzbischof von M\u00fcnchen Freising. Quelle: Internet.<\/p><\/div>\n<p>In ihren Jerusalemer Anf\u00e4ngen war die Jesusbewegung ein Teil des Judentums und deshalb auch an diesem orientiert. Dies beschreibt Lukas sehr anschaulich in seiner Apostelgeschichte. Als Ersatz f\u00fcr Judas wird nach dem gemeinsamen Gebet Mathias durch das Los ausgew\u00e4hlt. Die junge Gemeinschaft nimmt einm\u00fctig am Tempelgottesdienst teil, Petrus und Johannes sind deren erste Sprecher vor den j\u00fcdischen Beh\u00f6rden. Sieben M\u00e4nner werden ausgew\u00e4hlt, sich um die verarmten Witwen zu k\u00fcmmern. Als sich die Jerusalemer Gemeinde stabilisiert, \u00fcbernimmt der Herrenbruder Jakobus die Rolle eines Synagogenvorstehers. Als sich die christlichen Gruppen in die hellenistische Welt hinein ausbreiten, kommen charismatische und gesellschaftliche Einfl\u00fcsse dazu. Es entstehen die verschiedensten Dienste, es bilden sich Hauskirchen und Versammlungen. Als gr\u00f6\u00dfere Gemeinden entstehen, bilden sich Leitungsgremien (Presbyterien) und F\u00fchrungsgruppen. Bereits im 1. Timotheusbrief hat sich mit dem Episkopen (&gt;Aufseher) ein besonderes Lehr- und Leitungsamt herausgebildet, an das deshalb besondere Anforderungen gestellt werden. Im zweiten Jahrhundert setzt sich diese Entwicklung fort. Es bildet sich mit dem monarchischen Bischof ein Amt heraus, das eine besondere Herrschaftsstellung f\u00fcr sich beansprucht: Leitung von Gemeinden und Gemeindegruppen, Repr\u00e4sentanz gegen\u00fcber den staatlichen Beh\u00f6rden, \u00dcbertragung von Vollmachten durch eine spezielle Weihe, Regeln f\u00fcr Glaubensabfall, Bu\u00dfe und Wiederaufnahme sowie Abstimmung des Festkalenders. Die monarchischen Bisch\u00f6fe stehen untereinander sowohl in Kooperation wie auch in Konkurrenz. Auf Synoden werden Kompromisse und L\u00f6sungen gesucht. Ende des zweiten Jahrhunderts gibt es in Alexandrien einen Metropoliten, dem die ganze \u00e4gyptische Kirche untersteht. Im Osterfeststreit beansprucht Viktor, der Bischof von Rom, normatives Recht f\u00fcr alle christlichen Gemeinden im Reich. Durch die Konstantinische Religionspolitik stabilisiert sich diese Entwicklung zum monarchischen Episkopat. Der mittlerweile hierarchisch gegliederte Klerus (Eusebius berichtet in seiner Kirchengeschichte von sieben Weihestufen) wird den r\u00f6mischen Beamten gleichgestellt. Privilegien, Kleidung und staatliche Gewalt (&gt;Gerichtswesen) lassen aus der Jesusgemeinschaft eine Organisation werden. Schon in den Anf\u00e4ngen wird diese Entwicklung als apostolische Sukzession sakralisiert. Damit wird der Machtanspruch \u00fcber Praxis und Lehre in der Kirche \u00fcber die Apostel direkt auf Jesus von Nazareth zur\u00fcckgef\u00fchrt. Ihren H\u00f6hepunkt wird diese Entwicklung sp\u00e4ter in der Reichskirche finden, wo geistliche und politische Macht im gef\u00fcrsteten Pr\u00e4laten geb\u00fcndelt werden und diese Entwicklung sogar auch die Orden erfasst.<\/p>\n<h3>\u00a0 M\u00e4nnerwelten \u00a0und wie das Miteinander der Geschlechter verloren ging.<\/h3>\n<div id=\"attachment_1440\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/Melanie-W\u00fcbbelmann-Gemaelde-nonnen-300x199.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1440\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1440 \" title=\"Melanie W\u00fcbbelmann Gemaelde-nonnen-150x90\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/Melanie-W\u00fcbbelmann-Gemaelde-nonnen-150x90-300x199.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/Melanie-W\u00fcbbelmann-Gemaelde-nonnen-150x90-300x199.jpg 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/Melanie-W\u00fcbbelmann-Gemaelde-nonnen-150x90-1024x679.jpg 1024w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/Melanie-W\u00fcbbelmann-Gemaelde-nonnen-150x90.jpg 1388w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1440\" class=\"wp-caption-text\">Nonnen. Bild von Melanie W\u00fcbbelmann. Autorenrechte wurden nicht festgestellt.<\/p><\/div>\n<p>Auch Paulus sprach mit gespaltener Zunge. Der Theologe streitet leidenschaftlich f\u00fcr Gleichheit und Freiheit. \u201e Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau, denn ihr seid alle einer in Christus\u201c, schreibt er den Gemeinden in Galicien.\u00a0 Aber als Mann hat Paulus Angst, dass die Frauen diese Freiheit benutzen, um ihre gesellschaftliche Unterdr\u00fcckung in der christlichen Gemeinde \u00a0zu \u00fcberwinden. Ein ganzes Kapitel widmet er im 1.Korintherbrief dem Verhalten der Frau im Gottesdienst,\u00a0 und die Kleiderordnung ist ihm so wichtig, dass er sie sogar theologisch untermauert. Doch Paulus\u00a0 passt sich der Situation an.\u00a0 Im 2. Korintherbrief erstreitet er sich das Recht, wie die Apostel um Petrus eine Frau an seiner Seite zu haben. Am Schluss des R\u00f6merbriefes wimmelt es geradezu von Frauen, die ihm offensichtlich wichtig und vertraut sind und in der R\u00f6mischen Kirche eine wichtige Rolle spielen. Auch in sexuellen Dingen ist Paulus gespalten.\u00a0 Wenn M\u00e4nner Frauen lieben ist das prinzipiell in Ordnung, lieber Sex als st\u00e4ndig \u201ezu brennen\u201c. Aber besser ist es sexuell abstinent zu leben, so wie er selbst, damit ganz frei f\u00fcr die missionarische T\u00e4tigkeit und auch gewappnet f\u00fcr das erwartete Weltenende. Diese Widerspr\u00fcchlichkeit des V\u00f6lkerapostels pr\u00e4gt die fr\u00fche Kirche. Vor der Wirklichkeit der sp\u00e4tantiken Frauenwelt (&gt;Ungleichheit vor dem Gesetz, Zwangsheirat, Abtreibung, Kindst\u00f6tung, Scheidung, Geburtssterblichkeit) entwickelt das Christentum ein hohes Ideal von Ehe und Familie und wird f\u00fcr viele junge Frauen aus der Oberschicht ein Weg zur Selbstverwirklichung. Gleichzeitig gibt es eine Zunahme der Askese mit Ablehnung von Ehe und Sexualit\u00e4t. Vor allem wird die Frau mit der Herausbildung von kirchlichen Ordnungsstrukturen Schritt f\u00fcr Schritt aus der \u00d6ffentlichkeit und den \u00c4mtern verbannt. Verschleierung und Haartracht werden zu wichtigen Themen der Theologen. Verheerend wirkt die Theologie, als sie ein ganzes System der S\u00fcnde entwickelt, in dem immer die Frau zur Ursache wird.\u00a0 Aber in den Zeiten der staatlichen Verfolgung zeigen die Frauen besonderen Bekennermut, denn in den Martyrerakten \u00fcberwiegt die Zahl der Frauen. Zusammenfassend: \u00a0Insgesamt misslingt\u00a0 es dem Christentum, eine neue und bessere Gesellschaft zu schaffen. Die innerkirchliche Frauenfeindlichkeit geht mit der frauenfeindlichen Gesellschaft eine wechselseitige Symbiose ein. Bei den sp\u00e4teren Hexenverfolgungen \u00fcbernehmen die Kirche die Verurteilung und die gesellschaftlichen Organe die Vollstreckung. \u00a0In den Frauenorden werden die Frauen lebensl\u00e4nglich hinter hohe Mauern eingesperrt \u00a0und als Individuen entpers\u00f6nlicht. Die Theologie stuft die Frauen als minderwertig ein und begr\u00fcndet dies mit dem Sch\u00f6pfungswillen Gottes. Im vierten Jahrhundert bestreitet der sogenannte Ambrosiaster, ein weit verbreiteter theologischer Autor, dass die Frau ein Abbild Gottes sei. Diese Sicht ging in das westliche Kirchenrecht ein und diente dazu, Frauen von allen kirchlichen \u00c4mtern auszuschlie\u00dfen.<a title=\"\" href=\"#_ftn4\">[4]<\/a><\/p>\n<h3>Aufwerten \u2013 Umdeuten \u2013 F\u00e4lschen<\/h3>\n<div id=\"attachment_1441\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/800px-Sylvester_I_and_Constantine.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1441\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1441 \" title=\"800px-Sylvester_I_and_Constantine\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/800px-Sylvester_I_and_Constantine-300x192.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"192\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/800px-Sylvester_I_and_Constantine-300x192.jpg 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/800px-Sylvester_I_and_Constantine.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1441\" class=\"wp-caption-text\">Mittelalterliches Fresco. Autorenrechte wurden nichz festgestellt.<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf diesem Fresko aus dem 13. Jahrhundert wird die Schenkung des westr\u00f6mischen Reichs durch Kaiser Konstantin an den Papst Silvester dargestellt. Im 15. Jahrhundert wurde die Schenkungsurkunde als fr\u00e4nkische F\u00e4lschung nachgewiesen. Dies ist nur eines der vielen Beispiele f\u00fcr den sehr freiz\u00fcgigen Umgang mit Texten durch die fr\u00fche Kirche. Ein anschauliches Beispiel sind auch die Grabesgeschichten der Evangelien. Im Markusevangelium sehen die Frauen im Grab einen jungen Mann sitzen, der mit einem wei\u00dfen Gewand bekleidet ist. Im Matth\u00e4usevangelium kommt ein Engel des Herrn vom Himmel, seine Gestalt leuchtet wie ein Blitz und sein Gewand ist wei\u00df wie Schnee. Im Lukasevangelium traten zwei M\u00e4nner in leuchtenden Gew\u00e4ndern zu den erschrockenen Frauen und kl\u00e4ren diese dar\u00fcber auf, was geschehen ist und was tun sei. Im Johannesevangelium l\u00e4sst der Evangelist in einer gesonderten Geschichte zwei Engel in wei\u00dfen Gew\u00e4ndern Maria Magdalena erscheinen. Wenn man genauer hinschaut, sieht man, dass jeder Evangelist mit seiner Darstellung seine theologische Aussage macht, und offensichtlich darf er \u2013 wie beim Erz\u00e4hlen einer Geschichte \u2013 den ihm vorliegenden Text mit orientalischer Freiz\u00fcgigkeit ver\u00e4ndern. Auch die Gestalt Jesu und seiner Gruppe wird in allen Schriften des Neuen Testamentes umgedeutet und im Zeitverlauf aufgewertet. Aus dem (j\u00fcdisch gemeinten) Gottessohn des Markusevangeliums wird im Johannesevangelium der fleischgewordene Logos hellenistischer Philosophie und fr\u00fchj\u00fcdischer Mystik. Mit dem Konzil von Chalcedon 451 fand die Verg\u00f6ttlichung Jesu seinen ersten Abschluss. Bereits zwanzig Jahre fr\u00fcher wurde Maria, die Mutter Jesu, auf dem Konzil von Ephesus so dicht an die Seite Gottes ger\u00fcckt, dass nun in dem gro\u00dfen Schatten der Theotokos (Gottesmutter) sowohl die au\u00dferchristlichen G\u00f6ttinnen Astarte und Isis\u00a0 wie auch so gro\u00dfe christlichen Frauen wie Thekla, Martha und Maria Magdalena verschwanden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben der Textver\u00e4nderung und Umdeutung finden wir in der ganzen Bibel die (in der sp\u00e4tantiken Literatur nicht un\u00fcbliche) Pseudoepigrafie, die Vort\u00e4uschung eines anderen Autors. Seit dem Babylonischen Exil wird Moses als Autor der ersten f\u00fcnf B\u00fccher dargestellt. In den Schriften des Neuen Testaments ist die apostolische Autorenschaft die wichtigste Legitimation f\u00fcr kanonische (allgemein anerkannte) Echtheit. So legitimiert der Evangelist Lukas in seiner Apostelgeschichte seine theologische Deutung der Jerusalemer Anfangssituation durch fiktive Ansprachen der Apostel Petrus. Der 1. Petrusbrief will von Rom aus geschrieben sein und zwar von \u201ePetrus, dem Knecht und Apostel Jesu Christi\u201c, obwohl er mit hoher Sicherheit erst vor der Jahrhundertwende geschrieben wurde. Der zweite Petrusbrief gibt sich als zweiter Brief des Apostels Petrus aus, ist aber fr\u00fchestens im ersten Quartal des zweiten Jahrhunderts geschrieben. Die apostolische Pseudoepigrafie wurde auch im Kolosserbrief und in den Pastoralbriefen angewandt, hier wird Paulus als Autor \u201eentliehen\u201c. Da das Markusevangelium zun\u00e4chst auf Ablehnung stie\u00df, wurde die Geschichte erfunden, dass Petrus seinem Dolmetscher Markus diktiert habe. Jahrhunderte sp\u00e4ter betont Eusebius in seiner Kirchengeschichte, dass aber Markus manches falsch verstanden habe und deshalb die Differenzen zum Matth\u00e4usevangelium zu erkl\u00e4ren seien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Apostolizit\u00e4t wird auch zur Legitimation f\u00fcr Machtanspr\u00fcche. Schon sehr fr\u00fchzeitig bezeichnen sich die r\u00f6mischen Bisch\u00f6fe als die legitimen Nachfolger von Petrus und Paulus und steigern von Jahrhundert zu Jahrhundert ihren Geltungsdrang \u00fcber die ganze christliche Kirche. Bis heute begr\u00fcndet die Katholische Kirche mit der apostolischen Sukzession ihre Autorit\u00e4t und betrachtet das Petrusgrab unter dem Petersdom als wichtiges Indiz f\u00fcr ihre Einzigartigkeit. Wichtige p\u00e4pstliche Titel sind \u201eEpiscopus Romanus (Bischof von Rom)\u201c und \u201eSuccessor Principis Apostolorum (Nachfolger des Apostelf\u00fcrsten)\u201c. Weil die P\u00e4pste schlie\u00dflich mit dem Kirchenstaat ihre letzte politische Macht verloren, wurde der p\u00e4pstliche Machtanspruch ideologisch durch das Dogma von der Unfehlbarkeit untermauert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der biblische Satz \u201eDie Wahrheit wird euch freimachen\u201c hat aber auch hier seine G\u00fcltigkeit. In allen christlichen Kirchen muss es wieder eine Leidenschaft f\u00fcr die Wahrheit geben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div><\/div>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div>\n<p><a title=\"\" name=\"_ftn1\"><\/a>[1] Das obige Medaillon mit Petrus und Paulus stammt aus der zweiten H\u00e4lfte des 4. Jahrhunderts. Quelle: Vatikanisches Museum Rom, Inventarnummer 60978; Bild aus: E. Dinkler, die ersten Petrusdarstellungen, Marburger Jahrbuch f\u00fcr Kunstwissenschaften 11, 1938. Alle Autorenrechte bei Dieter Kittlau\u00df; E-Mail: <a href=\"mailto:dieter.kittlauss@online.de\">dieter.kittlauss@online.de<\/a>; Webseite: <a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\">www.bendorfer-lehrhaus.de<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" name=\"_ftn2\"><\/a>[2] Die Petrusreden in der Apostelgeschichte sind allerdings keine Protokolle der Ansprachen des Petrus sondern eine theologische Konstruktion des Evangelisten Lukas.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" name=\"_ftn3\"><\/a>[3] <a href=\"http:\/\/www-user.uni-bremen.de\/%7Ewie\/Secret\/secmark.html\">http:\/\/www-user.uni-bremen.de\/~wie\/Secret\/secmark.html<\/a> (28.7.2012).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" name=\"_ftn4\"><\/a>[4] Anne Jensen, Frauen im fr\u00fchen Christentum, Bern 2002.<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; \u00a0 Theologische Studie &nbsp; &#8222;Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, Der uns besch\u00fctzt und der uns hilft, zu leben&#8220;, schrieb Hermann Hesse. Das gilt auch f\u00fcr die Anf\u00e4nge der Jesusbewegung. Nicht zuf\u00e4llig sind die vier kanonischen Evangelien in das religi\u00f6se Erbe der Menschheit eingegangen und auch f\u00fcr uns st\u00e4ndige Quelle unserer Christlichkeit. \u00a0Aber [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0},"categories":[23,25],"tags":[29,34],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1442"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1442"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1442\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1442"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1442"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1442"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}