{"id":1267,"date":"2012-08-02T16:40:10","date_gmt":"2012-08-02T14:40:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/?p=1267"},"modified":"2012-08-03T07:53:22","modified_gmt":"2012-08-03T05:53:22","slug":"zur-ordination-von-frauen-in-der-katholischen-kirche-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/zur-ordination-von-frauen-in-der-katholischen-kirche-2\/","title":{"rendered":"Zur Ordination von Frauen in der Katholischen Kirche"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 29. Juni 2002 lie\u00dfen sich sieben Frauen auf einem Schiff durch einen katholischen Bischof die Priesterweihe erteilen, ein Jahr sp\u00e4ter Gisela Forster und Christine Mayr-Lumetzberger sogar die Bischofsweihe. <!--more-->Die Antwort der Katholischen Kirche war die sofortige Exkommunikation. Da sich aber auch in Teilen der Anglikanischen Kirche durch Synodalbeschl\u00fcsse die Bischofsweihe f\u00fcr Frauen durchsetzte, f\u00fchlte sich der Vatikan offensichtlich in die Enge getrieben. Deshalb wollte Papst Johannes Paul II. in seinem Apostolisches Schreiben \u201eOrdination Sacerdotalis\u201c (&gt; Priesterweihe)vom 22. Mai 1994 unter die Auseinandersetzung um die Frauenordination in der Katholischen Kirche einen endg\u00fcltigen Schlusspunkt setzen: <em>\u201eDie Priesterweihe, durch welche das von Christus seinen Aposteln anvertraute Amt \u00fcbertragen wird, die Gl\u00e4ubigen zu lehren, zu heiligen und zu leiten, war in der katholischen Kirche von Anfang an ausschlie\u00dflich M\u00e4nnern vorbehalten. An dieser Tradition haben auch die Ostkirchen getreu festgehalten\u201c \u2026.. \u201eDamit also jeder Zweifel bez\u00fcglich der bedeutenden Angelegenheit, die die g\u00f6ttliche Verfassung der Kirche selbst betrifft, beseitigt wird, erkl\u00e4rte ich kraft meines Amtes, die Br\u00fcder zu st\u00e4rken (vgl. Lk22,32), dass die Kirche keine Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und dass sich alle Gl\u00e4ubigen der Kirche endg\u00fcltig an diese Entscheidung zu haben.\u201c<\/em> \u00a0Deutlicher geht es nicht mehr: Roma locuta, causa finita (&gt; Rom hat gesprochen, die Sache ist erledigt), in Anlehnung an Augustinus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Papst nennt zwei Gr\u00fcnde f\u00fcr die Ablehnung der Frauenordination. Einmal die <strong>\u201eTradition von Anfang an\u201c<\/strong>, zum anderen weil \u201e<strong>die Apostel nur M\u00e4nner\u201c<\/strong> waren. Diese Entscheidung und ihre Begr\u00fcndung wurden zwischenzeitlich mehrmals von unterschiedlichen Vatikanischen Stellen wiederholt, j\u00fcngst durch den neuen Pr\u00e4fekten der Glaubenskongregation. Aber hier beginnt auch das Problem. Es geh\u00f6rt zwar zur bew\u00e4hrten Methode des Vatikans,\u00a0 Verteidigungspositionen stereotyp zu wiederholen, aber irgendwann hat sich immer diese Verweigerung gegen\u00fcber der Realit\u00e4t totgelaufen. Sklaverei, Altr\u00f6misches Recht, Kindst\u00f6tung, Leibeigenschaft, St\u00e4ndegesellschaft, Lehenswesen, \u201eMonarchie aus Gottes Gnaden\u201c, Gewissenfreiheit, B\u00fccherverbot, Leichenverbrennung und Ablehnung der Religionsfreiheit sind nur einige Beispiele. Bei der j\u00fcngsten \u00dcbernahme von anglikanischen Gemeinden, Pfarren und Bisch\u00f6fen wurde ohne Diskussion in den neuen Teilkirchen (&gt;Jurisdiktionsbezirke) der Z\u00f6libat geopfert, um (auch) verheirateten anglikanischen Priestern und Bisch\u00f6fen den Anschluss an die Katholische Kirche zu erm\u00f6glichen. <a title=\"\" href=\"#_ftn1\">[1]<\/a><\/p>\n<div id=\"attachment_1268\" style=\"width: 194px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/zur-ordination-von-frauen-in-der-katholischen-kirche-2\/339px-saint_martha\/\" rel=\"attachment wp-att-1268\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1268\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-1268\" title=\"339px-Saint_martha\" src=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/339px-Saint_martha-170x300.jpg\" alt=\"\" width=\"184\" height=\"324\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/339px-Saint_martha-170x300.jpg 170w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/339px-Saint_martha.jpg 339w\" sizes=\"(max-width: 184px) 100vw, 184px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1268\" class=\"wp-caption-text\">Dir hl. Martha von Bethanien wurde in der Fr\u00fchen Kirche sehr verehrt. Nach der legende ist sie mit einer Frauengruppe um Maria Magdalena bis S\u00fcdfrankeich geflohen. Bis ins 5. Jahrhundert gab es gro\u00df Martha-Heiligt\u00fcmer. Dieses Bild stammt aus dem Isabella &#8211; Stundenbuch. Quelle: Wikipeda. i<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Frage ist also, wie lange der Vatikan das Verbot der Frauenordination durchhalten kann? Denn die gelieferten Begr\u00fcndungen sind nicht stimmig. Wir haben heute ein ziemlich genaues \u00a0Wissen um die Fr\u00fche Kirche. Bereits 1988 schrieb der weltweit anerkannte katholische Exeget Anton V\u00f6gtle (\u2020)\u00a0 in seinem Buch \u201eDie Dynamik des Anfangs \u2013 Leben und Fragen der jungen Kirche\u201c: \u201eEs bedarf nicht vieler Einzelbelege, dass Frauen und Ehepaare eine betr\u00e4chtliche Rolle\u00a0 im Dienst missionarischer\u00a0 Verk\u00fcndigung, die ja Evangeliumsverk\u00fcndigung bedeutet, gespielt haben.\u201c und\u00a0 \u201eVon der apostolischen Generation, vor allem von Paulus her gesehen, ist die Frau eindeutig zu missionarischer Verk\u00fcndigung der Christusbotschaft wie zu verk\u00fcndigendem Reden im Gottesdienst befugt.\u201c Also nicht nur die Gruppe um Jesus bestand aus M\u00e4nnern und Frauen, sondern auch in der Kirche des Anfangs. Noch im vierten Jahrhundert schrieb Eusebius, Bischof von C\u00e4sarea, in seiner Kirchengeschichte von den <strong>verheirateten Aposteln<\/strong>. In der seri\u00f6s &#8211; katholischen Zeitschrift \u201eWelt und Umwelt der Bibel\u201c (Herderverlag) \u00a0wurde bereits vor Jahren mit Selbstverst\u00e4ndlichkeit von Maria Magdalena als der bedeutendsten J\u00fcngerin innerhalb der Jesusbewegung gesprochen. In einem anderen Beitrag hei\u00dft es da: \u201eAuch wenn es (gemeint ist \u201ein den Evangelien\u201c ), \u00fcber Frauen keine Berufungserz\u00e4hlungen wie \u00fcber m\u00e4nnliche J\u00fcnger gibt, wird insgesamt deutlich, dass Frauen von allem Anfang an zur Jesusbewegung\u00a0 geh\u00f6rten und das Leben Jesu teilten\u2026. Zum Faszinierendsten der Jesusbewegung geh\u00f6rt es aber, dass Jesus die Frauen und M\u00e4nner, die sich ihm angeschlossen haben, an seiner Sendung und an seinen Charismen beteiligten.\u201c (Heft 2\/2002). Weil es keine biblisch \u2013 theologische Begr\u00fcndung gibt, ist f\u00fcr die Katholische Kirche das Verbot der Frauenordination wie ein HIV-Virus, sie wird ihn nicht mehr los. Der Papst kann festlegen, dass in der Katholischen Kirche wegen der Tradition nur M\u00e4nner und Frauen Zugang zu den Geistlichen \u00c4mtern haben. Aber wenn er diese Position auf den Stifterwillen Jesu oder auf die Apostel zur\u00fcckf\u00fchrt, sagt er die Unwahrheit gegen besseres Wissen. Manche sprechen deshalb mit Recht von einer strukturellen S\u00fcnde der P\u00e4pste, weil sie ihre Machtposition gegen die \u00a0Gesamtkirche missbrauchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist aber noch eine andere Frage, ob sich die Katholische Kirche auf Dauer der s\u00e4kularen Emanzipationsbewegung mit ihren fundamentalen Ver\u00e4nderungen im Selbst- und Rollenverst\u00e4ndnis der Geschlechter entziehen kann? Es sind die die weltlichen <a title=\"\" href=\"#_ftn2\">[2]<\/a> Strukturen au\u00dferhalb des traditionellen kirchlichen Amtes, die auch in der Katholischen Kirche immer mehr Raum einnehmen und deshalb den R\u00f6mern Kopfschmerzen bereiten. Denken wir nur an die M\u00e4dchen am Altar, an die vielen Pastoral- und Gemeindereferentinnen, die Theologieprofessorinnen, Ordinariatsr\u00e4tinnen, Caritasdirektorinnen und die Vorstandsfrauen in den unterschiedlichen Pastoralr\u00e4ten \u2013 alles noch vor weniger Zeit undenkbar. Nicht zu untersch\u00e4tzen ist auch die Entwicklung in den jungen Kirchen, wo Frauen als Katechetinnen oder Gemeindeleiterinnen wie in den fr\u00fchen christlichen Gemeinden oft de facto das R\u00fcckgrat katholischen Lebens sind. Nicht zu \u00fcbersehen ist die Bewusstseinsver\u00e4nderung, wenn\u00a0 in Deutschland katholische Bisch\u00f6fe neben Bisch\u00f6finnen anderer Kirchen Hand in Hand sitzen, sich ernsthaft und in Solidarit\u00e4t austauschen, ihren Willen zu \u00f6kumenischer Gemeinsamkeit beteuern und sich auch mit offensichtlicher Freude von den Medien fotografieren lassen. Bei \u00f6kumenischen Gottesdiensten stehen katholische Pfarrer neben evangelischen Pastorinnen \u2013 beide \u00f6fters vereint durch eine farbenpr\u00e4chtige Stola. Ganz wesentlich f\u00fcr diesen Paradigmenwechsel in der Katholischen Kirche ist die wissenschaftliche T\u00e4tigkeit von Frauen in der Theologie, die in allen christlichen Kirchen zur Normalit\u00e4t geh\u00f6rt. Seit Frauen auf breiter Ebene theologisch forschen, akademisch lehren und aus der theologischen Literatur nicht mehr wegzudenken sind, \u00e4ndern sich Blickwinkel und Fragestellungen in der gesamten Theologie. Gerade Frauen haben offensichtlich die Gabe, verdr\u00e4ngte Fragen und vergessene Antworten zur\u00fcckzuholen und verst\u00e4ndlich darzulegen. Der um sich greifende Paradigmenwechel in der Katholischen Kirche l\u00e4sst sich \u00fcbrigens auch in der amtskirchlichen Besorgnis erkennen, wie dem wachsenden Widerstand von Frauen begegnet werden kann, ohne dass es zu einem Einbruch kirchlichen Lebens kommt. Als ger\u00fcchteweise bekannt wurde, dass es im Vatikan Kreise g\u00e4be, die die Ministrantinnen wieder abschaffen wollten, ging durch die katholische Kirche in Deutschland ein Aufschrei der Entr\u00fcstung, dem sich sogar viele Bisch\u00f6fe anschlie\u00dfen bzw. das Ger\u00fccht kleinreden mussten. In Kirchenzeitungen durften Ministranten\u2013Girlies ihre Entr\u00fcstung und Trauer \u00e4u\u00dfern. Auch das Thema \u201eFrauen am Altar\u201c hat die Katholische Kirche in vielen L\u00e4ndern an der Basis erfasst und es schwindet im Kirchenvolk die Bereitschaft, die Macht der klerikalen M\u00e4nnerkirche weiterhin kritiklos hinzunehmen. Es ist sogar vorstellbar, dass die Rechtsdiskussion um die Frauenordination eine wesentlich schlagkr\u00e4ftigere Qualit\u00e4t bekommt. Wie heutzutage in der Z\u00f6libatsdiskussion selbstbewusst vom \u201eapostolischen Recht der Heirat von Amtstr\u00e4gern\u201c gesprochen wird, so k\u00f6nnte die Frauenordination durch die Forderung nach den Menschenrechten, die Selbstverst\u00e4ndlichkeit der Geschlechtergleichwertung und das moderne Verfassungsverst\u00e4ndnis die Katholische Kirche zu Umkehr zwingen. Nicht wenige Menschen &#8211; besonders die modernen Frauen &#8211; lehnen die katholische M\u00e4nnerkirche ab, empfinden sie als \u00c4rgernis. Diese M\u00e4nnerkirche mit ihrem Kleiderkult, ihren Umz\u00fcgen und Personenkult\u00a0 wird immer mehr zur Theaterkirche die man liebt und\u00a0 braucht, aber gleichzeitig das Leben nicht mehr bestimmt. Und das w\u00e4re bereits mittelfristig eine Sackgasse. Es gibt aber dar\u00fcber hinaus auch Anlass zur Sorge. Gerade die R\u00f6mische Kirche ist nicht nur durch imperialistisches Gehabe gekennzeichnet, sondern hat auch einen Hang zur Selbstzerst\u00f6rung. \u00a0Der Niedergang der Katholischen Kirche in den Niederlanden und in Holland ist das j\u00fcngste Beispiel, wie lieber die Existenz von bl\u00fchenden Kirchen aufs Spiel gesetzt wird als eigene Positionen aufzugeben. In ganz Europa stellt sich mittlerweile die Frage, was in das Vakuum einstr\u00f6mt, wenn die Katholische Kirche weiterhin und vielleicht noch st\u00e4rker als bisher an Bedeutung verliert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a title=\"\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Zwar wurde die Bischofsweihe f\u00fcr Verheiratete ausgeschlossen, aber die \u00dcbertragung von Ordinationsrechten (kirchenrechtliche Leitungsfunktion wie ein Bischof) mit Stab und Mitra war kein Problem.<\/p>\n<p><a title=\"\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Der Papst sprach in Freiburg in seiner letzten Rede nicht zuf\u00e4llig von Entweltlichung.<\/br><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 29. Juni 2002 lie\u00dfen sich sieben Frauen auf einem Schiff durch einen katholischen Bischof die Priesterweihe erteilen, ein Jahr sp\u00e4ter Gisela Forster und Christine Mayr-Lumetzberger sogar die Bischofsweihe.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0},"categories":[25],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1267"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1267"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1267\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1267"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1267"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1267"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}