{"id":1120,"date":"2012-07-23T17:10:18","date_gmt":"2012-07-23T15:10:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/?p=1120"},"modified":"2012-08-02T20:49:45","modified_gmt":"2012-08-02T18:49:45","slug":"clemens-wenzeslaus-letzter-trierer-kurfurst","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/index.php\/clemens-wenzeslaus-letzter-trierer-kurfurst\/","title":{"rendered":"Clemens Wenzeslaus &#8211; letzter Trierer Kurf\u00fcrst"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\">Erstver\u00f6ffentlichung auf der Webseite der Gesellschaft f\u00fcr Geschichte und Heimatkunde von Bendorf und Umgebung GGH\u00a0 www.bendorf-geschichte.de; Verk\u00fcrzte Fassung im Heimatbuch des Landkreises Mayen-Koblenz 2013<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Biografisches Portrait<br \/>\ndes letzten Trierer Kurf\u00fcrsten<br \/>\nClemens Wenzeslaus<br \/>\nunter dem besonderen Aspekt seiner Rolle als katholischer Bischof in der Fr\u00fchen Neuzeit<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-001-a1.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-1158\" title=\"clemw-001-a\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-001-a1-191x300.jpg\" alt=\"\" width=\"191\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-001-a1-191x300.jpg 191w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-001-a1.jpg 472w\" sizes=\"(max-width: 191px) 100vw, 191px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>I. Einf\u00fchrung<\/strong><br \/>\n<strong>II. Auf dem Weg<\/strong><br \/>\nGeboren im Scho\u00df der S\u00e4chsischen Herrlichkeit<br \/>\nStarke Frauen im R\u00fccken<br \/>\nDer Prinz aus dem Sachsenland<br \/>\nKriegskind und Offizier<br \/>\nDer steinige Weg zum Bischofsamt<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>III. Seine Eminenz<\/strong><br \/>\nErzbistum und Erzstift Trier<br \/>\nDie Vorg\u00e4nger auf dem Trierer Kurf\u00fcrstenstuhl<br \/>\nSeine Eminenz: Erzbischof und Kurf\u00fcrst von Trier<br \/>\nZwischen den Fronten: Die Auseinandersetzung um Febronius.<br \/>\nClemens Wenzeslaus und die Aufkl\u00e4rung<br \/>\nProtestanten und Juden in Erzstift und Erzbistum<br \/>\nK\u00f6nigliche Hoheit, Kurf\u00fcrstliche Gnaden, F\u00fcrstbisch\u00f6fliche Eminenz<br \/>\nAuf der Flucht, Machtverlust und S\u00e4kularisation<br \/>\nHeimgang<br \/>\nLiteratur<br \/>\nRes\u00fcmee<\/p>\n<h3><strong>I. Einf\u00fchrung<\/strong><\/h3>\n<p>Am 27. Juli 1812 starb Clemens Wenzeslaus (Anm.:1), der letzte Kurf\u00fcrst und Erzbischof von Trier, in Oberdorf (Anm.:2), seinem Augsburger Sommersitz im Allg\u00e4u. Er wurde 73 Jahre alt und an der \u00f6stlichen Chorwand der Pfarrkirche begraben.<!--more--><br \/>\n<img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright  wp-image-1155\" title=\"clemw-002-a\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-002-a1-300x297.jpg\" alt=\"\" width=\"206\" height=\"204\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-002-a1-300x297.jpg 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-002-a1-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-002-a1.jpg 500w\" sizes=\"(max-width: 206px) 100vw, 206px\" \/>1979 hat die Sparkasse Koblenz eine Sonderpr\u00e4gung des halben Konventionsstalers aus dem Jahr 1770 mit dem Brustbild des Kurf\u00fcrsten pr\u00e4gen lassen. Anl\u00e4sslich seines 200. Todestages will diese Studie einen Beitrag leisten, dem Kurf\u00fcrsten Clemens Wenzeslaus als katholischen Menschen und Bischof der Katholischen Kirche n\u00e4her zu kommen. Dies erscheint auch deshalb angebracht, da das Bild der geistlichen Staaten und ihrer F\u00fcrsten bis in unsere Zeit verzeichnet ist; sie erscheinen oft als Relikte, die aus dem finsteren Mittelalter in die Aufkl\u00e4rung hineinragen und dann zu Beginn des 19. Jahrhunderts radikal beseitigt wurden. (Anm.:3 )Dahinter stand tief im allgemeinen Bewusstsein, selbst in der Vorstellung des gebildeten, von Aufkl\u00e4rung und Liberalismus gepr\u00e4gten deutschen B\u00fcrgertums, die Vorstellung, &#8222;da\u00df der Katholizismus notwendig in der Dummheit, Absurdit\u00e4t, Einfalt befangen, abgeschmacktem Aberglauben hingegeben, ein Kind des Pharis\u00e4ismus, der Werkheiligkeit und der Finsternis sei.&#8220; (Anm.:4) Dieses ausschlie\u00dflich negative Bild der katholischen Reichskirche im 19. Jahrhundert ist inzwischen wissenschaftlich revidiert, (Anm.:5 )aber immer noch in vielen K\u00f6pfen. Clemens Wenzeslaus, &#8222;der dem Ideal eines frommen, um Reformen bem\u00fchten, romtreuen, geistlichen F\u00fcrsten der katholischen Aufkl\u00e4rung nahe kommt &#8211; nach dem Zeugnis selbst seiner Feinde ein &#8218;gar frommer und bescheidener Herr&#8220; (Anm.:6 ), lebte im Barock an der Schnittstelle zur Fr\u00fchen Neuzeit. <!--more-->Er erlebte sowohl das traditionelle System der feudalistischen katholischen Kirche wie die neue Zeit, die durch Aufkl\u00e4rung (Aufwertung des Individuums) und S\u00e4kularisation (Trennung von Kirche und Staat) gekennzeichnet war. Er genoss mit Selbstverst\u00e4ndlichkeit die Privilegien seines Standes, war aber auch bereit, Verantwortung f\u00fcr das Sozialwesen zu \u00fcbernehmen, das ihm mit der kurf\u00fcrstlichen W\u00fcrde anvertraut war. Clemens Wenzeslaus lebte mit Selbstverst\u00e4ndlichkeit in der damaligen katholischen Welt, war aber durchaus offen f\u00fcr die Reform von Gesellschaft und Katholischer Kirche. Aus dem Geist des Humanismus war er tolerant, soweit dies ihm m\u00f6glich war, und doch traf ihn der Sturm der Franz\u00f6sischen Revolution mit Wucht. Trotz der nicht unbedeutenden sozialen Absicherung durch den Reichsdeputationshauptschluss vom 15. Februar 1803 vollzogen sich seine letzten Lebensjahre jenseits seiner bisherigen Machtposition.<br \/>\nClemens Wenzeslaus war ein Spross der albertinischen Wettiner. Die Wettiner stammten aus dem Gebiet der Saale und hatten um die Jahrtausendwende in Wettin ihre Stammburg. Im Zusammenhang mit der Ostland-Bewegung erweiterten die Wettiner ihr Herrschaftsgebiet durch die Markgrafschaft Mei\u00dfen und die Landgrafschaft Th\u00fcringen. 1423 erhielt das Herzogtum Sachsen die Kurw\u00fcrde. Aber bereits nach einem Lebensalter &#8211; n\u00e4mlich 1485 &#8211; ereilte die zwei Wettiner Br\u00fcder Ernst und Albrecht die &#8222;deutsche Krankheit&#8220;: Sie trennten sich als Ernestiner und Albertiner. Durch ihr Engagement in der Reformation verloren die Ernestiner die Kurw\u00fcrde und wurden bis in das s\u00fcdliche Th\u00fcringen gedr\u00e4ngt. Im Gegensatz dazu z\u00e4hlten die Albertiner bereits im 16. Jahrhundert zu den m\u00e4chtigsten F\u00fcrstenh\u00e4usern in Deutschland, immer eng liiert mit dem Kaiserhaus. Als der s\u00e4chsische Kurf\u00fcrst August der Starke die polnische Wahlkrone errang, wurden die Albertiner zu K\u00f6niglichen Hoheiten. Der siebenj\u00e4hrige Krieg hat in Europa die Gewichte verschoben, denn Brandenburg \/ Preu\u00dfen wurde zur europ\u00e4ischen Gro\u00dfmacht. Blutige Kriege waren der Preis und alle europ\u00e4ischen Gro\u00dfm\u00e4chte spielten dieses Spiel um Macht und Einfluss mit, bis die Franz\u00f6sische Revolution nicht nur Frankreich sondern ganz Europa ver\u00e4nderte. In dieser Zeit lebte Clemens Wenzeslaus mit allen Privilegien seiner Klasse, aus der er geboren und in der er gro\u00df geworden ist.<br \/>\nAnmerkungen<br \/>\n1.) Vgl. Raab, Bischof und F\u00fcrst (1989); Wikipedia, Clemens Wenzeslaus von Sachsen (24.10.2011); Bautz, Biographisch &#8211; Bibliographisches Lexikon, Artikel &#8222;Clemens Wenceslaus von Sachsen&#8220; (24.10.2011); Wikipedia, August der Starke und Friedrich August II. (24.10.2011); Marx, Geschichte des Erzstifts Trier (1864).<br \/>\n2.) Heutige Gemeinde Markoberdorf.<br \/>\n3.) Vgl. Raab, Bischof und F\u00fcrst (1989),322: Clemens Wenzeslaus von Sachsen und seine Zeit,(1962).<br \/>\n4.) Raab, Clemens Wenzeslaus und seine Zeit (1962), 20.<br \/>\n5.) In seiner Studie &#8222;Clemens Wenzeslaus von Sachsen und seine Zeit&#8220; (1962) hat der katholischen Historiker Heribert Raab (\u2020) die Quellenlage ausf\u00fchrlich dargestellt.<br \/>\n6.) Raab, Bischof und F\u00fcrst (1989), 329.<\/p>\n<h3>II. Auf dem Weg<\/h3>\n<h3>1. Geboren im Scho\u00df der S\u00e4chsischen Herrlichkeit.<\/h3>\n<p>Als Clemens Wenzeslaus am 28. September 1739 auf dem s\u00e4chsischen Schloss Hubertusburg geboren wurde, war der Krieg der russisch &#8211; \u00f6sterreichischen Allianz gegen die T\u00fcrken gerade 10 Tage vorbei. Vier Jahre hatten auch die s\u00e4chsischen Truppen im Balkan gek\u00e4mpft und begannen nun ihre Heimkehr vorzubereiten. Mit sechs Jahren, erlebte Clemens Wenzeslaus den Tod seines Gro\u00dfvaters: August der Starke, Kurf\u00fcrst von Sachsen und Wahlk\u00f6nig von Polen war am 1. Februar 1733 in Warschau im Alter von 62 Jahren am Diabetes mellitus gestorben. Die tagelangen Bestattungsfeierlichkeiten in Krakau und in Dresden entsprachen ganz dem extravaganten Lebensstil des &#8222;Starken August&#8220;. Der Leichnam wurde in der K\u00f6nigskrypta des Krakauer Wawel beigesetzt, die separierten Eingeweide in der Warschauer Kapuzinerkirche und das Herz in Dresden aufbewahrt. Seine Ehefrau Christiane, eine Prinzessin von Brandenburg-Bayreuth, war schon 1727 gestorben. Die Ehe der v\u00e4terlichen Gro\u00dfeltern war nicht gl\u00fccklich gewesen. Die Historiker z\u00e4hlen bei August dem Starken 10 M\u00e4tressen, zu denen er ein \u00f6ffentliches Verh\u00e4ltnis hatte, und von diesen 8 illegitime Kinder. Aus der ungl\u00fccklichen Ehe mit Christiane kam nur 1 Kind: Am 17. Oktober 1696 wurde mit Friedrich August ein Sohn geboren. Die Konversion August des Starken zum Katholizismus im Jahre 1697, die dieser zur Erlangung der polnischen Wahlk\u00f6nigsw\u00fcrde vollzog, hatte Christiane tief verletzt. Sie verlie\u00df den Hof und zog sich auf das Schloss Pretzsch zur\u00fcck, wo sie bis zu ihrem Tode blieb und auch nicht zum Katholizismus konvertierte.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-007-a1.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright  wp-image-1156\" title=\"clemw-007-a\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-007-a1-236x300.jpg\" alt=\"\" width=\"185\" height=\"236\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-007-a1-236x300.jpg 236w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-007-a1.jpg 473w\" sizes=\"(max-width: 185px) 100vw, 185px\" \/><\/a>Die Konversion des Starken August zum Katholizismus erm\u00f6glichte nicht nur die polnische K\u00f6nigsw\u00fcrde, sondern \u00f6ffnete auch den S\u00e4chsischen Hof f\u00fcr die italienische und franz\u00f6sische Lebensart, f\u00fcr die \u00fcbersch\u00e4umende Lebensfreude des S\u00fcdens. Der Satz &#8222;Die F\u00fcrsten schaffen sich Unsterblichkeit durch ihre Bauten&#8220; wird nicht zuf\u00e4llig K\u00f6nig August zugeschrieben. Die tagelangen Feste und Feiern am S\u00e4chsischen Hof gaben der Minderheit des Adels einen Vorgeschmack auf die himmlischen Freuden. Der Starke August war als zweitgeborener Sohn des Kurf\u00fcrsten Georg Friedrich August f\u00fcr die Erbfolge nur zweite Wahl und hatte so gro\u00dfe Freiheiten f\u00fcr Reisen und Privatleben. Bereits jetzt zeigte sich seine Pers\u00f6nlichkeitsst\u00e4rke, als er sich \u00fcber das ungeschriebene Gesetz, protestantische Prinzen reisen in protestantische L\u00e4nder, einfach hinwegsetzte und seine Reiseziele vor allem im S\u00fcden w\u00e4hlte, wobei ihm seine Sprachbegabung sehr f\u00f6rderlich war. Der starke August war hoch gebildet und sprach mehrere Sprachen. Als sein Bruder, Kurf\u00fcrst Johann Georg, im April 1694 an den Pocken erkrankte und starb, hinterlie\u00df dieser nur eine uneheliche Tochter. So wurde der Starke August mit 24 Jahren unerwartet Kurf\u00fcrst von Sachsen. In wenigen Jahren gestaltete er Sachsen zu einem der bedeutendsten L\u00e4nder Europas. Er holte die Sch\u00f6nheit und Pracht des S\u00fcdens nach Dresden, indem er italienische und franz\u00f6sische K\u00fcnstler und Baumeister scharenweise nach Dresden holte. Durch den Ankauf der Sammlungen des F\u00fcrsten Agostino Chigi und des Kardinals Albani legte August den Grund zur gro\u00dfen Antikensammlung. 1710 wird die erste europ\u00e4ische Porzellanmanufaktur in Dresden er\u00f6ffnet. (Anm.:7)<br \/>\nDie Kehrseite der Medaille waren hohe Steuern und eine r\u00fccksichtslose absolutistischen Politik. In Ungnade gefallene Mitarbeiter wurden sofort ins Gef\u00e4ngnis geworfen. Durch seinen eigenen ungez\u00fcgelten Lebensstil wurde das M\u00e4tressenwesen in Dresden zu einem Krebsgeschw\u00fcr. Als sich seine langj\u00e4hrige Geliebte, die Gr\u00e4fin Constantia von Cosel, nicht von ihm zur\u00fcckziehen wollte, lie\u00df er sie lebenslang einsperren.<br \/>\nAugust der Starke hatte fr\u00fchzeitig die Karriere seines Sohnes Friedrich August im Blick. Bereits 1704 kn\u00fcpfte er erste Kontakte mit dem Habsburger Kaiserhof in Wien f\u00fcr eine eheliche Verbindung seines Sohnes mit der kaiserlichen Prinzessin Maria Josepha.<\/p>\n<div id=\"attachment_1129\" style=\"width: 200px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-009-a.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1129\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-1129 \" title=\"clemw-009-a\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-009-a-230x300.jpg\" alt=\"\" width=\"190\" height=\"247\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-009-a-230x300.jpg 230w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-009-a.jpg 460w\" sizes=\"(max-width: 190px) 100vw, 190px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1129\" class=\"wp-caption-text\">Ihre Kaiserliche Hoheit, Prinzessin Maria Josepha. Quelle: Wikimedia.<\/p><\/div>\n<p>(Anm.: 8) Ganz in Nachahmung der Habsburger Familienpolitik (Anm.:9 ) wollte er gegen\u00fcber dem aufstrebenden Preu\u00dfen die Bindungen zwischen Sachsen und \u00d6sterreich-Ungarn verst\u00e4rken und vorsorglich f\u00fcr Sachsen die Kaiserkrone sichern, falls das Haus Habsburg aussterbe. Die Kaisertochter Maria Josepha war streng katholisch erzogen worden, die Ehe mit einem protestantischen Prinzen war undenkbar. Doch f\u00fcr den Starken August war die Konversion zum Katholizismus ein legitimes Mittel der Politik und f\u00fcr seinen Sohn ebenfalls kein Problem. Geschickt wurde alles hinter dem R\u00fccken der s\u00e4chsischen lutherischen \u00d6ffentlichkeit arrangiert.<br \/>\nDa Kaiser Joseph I. am 17. April 1711 verstorben war, musste zur Neuwahl der kurf\u00fcrstliche Wahlconvent nach Frankfurt einberufen werden. Hier gelang es, den vierzehnj\u00e4hrigen Kronprinzen Friedrich August von den Hofbegleitern zu trennen, um ihn mit einer Gruppe Jesuiten zu einer Kunstreise nach Italien zu schicken. In Bologna war die Konversion zum Katholizismus bereits vorbereitet und wurde in aller Stille 1712 vollzogen. Dann setzte der junge Sachsenprinz seine Bildungsreise (Anm.:10) mit der \u00fcblichen Begleitung fort. Auf der R\u00fcckreise im Jahre 1717 wurde am Wiener Kaiserhof die Konversion \u00f6ffentlich bekanntgegeben und gefeiert. Nun stand der Hochzeit mit der Kaisertochter Maria Josepha nichts mehr im Wege. Zun\u00e4chst erfolgte am 20. August 1719 in Wien die offizielle Hochzeit mit allem Pomp, den der Kaiserhof zu bieten hatte. Im September wurde die Hochzeitsfeier in Dresden fortgesetzt. Mehr als zwei Wochen dauerten die Feierlichkeiten mit Umz\u00fcgen, Konzerten und Treibjagden mit vielen ausl\u00e4ndischen G\u00e4sten.<\/p>\n<div id=\"attachment_1130\" style=\"width: 175px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-010-a.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1130\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-1130 \" title=\"clemw-010-a\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-010-a-224x300.jpg\" alt=\"\" width=\"165\" height=\"221\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-010-a-224x300.jpg 224w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-010-a.jpg 405w\" sizes=\"(max-width: 165px) 100vw, 165px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1130\" class=\"wp-caption-text\">Friedrich August, der Vater von Clemens Wenzeslaus, als junger Prinz. Quelle: Wikimedia.<\/p><\/div>\n<p>Nach dem Tod des Starken August 1733 trat Friedrich August in die Erbfolge der Landesherrschaft und der Kurf\u00fcrstenw\u00fcrde. Als Friedrich August II. setzte er zun\u00e4chst die liberale Innenpolitik seines Vaters fort. Er erneuerte 1734 das Revisionsversicherungsdekret, das allen B\u00fcrgern, auch den j\u00fcdischen, Religionsfreiheit unabh\u00e4ngig von der Konfession des Landesherrn zugestand, im Zeitalter des &#8222;Cuius regio, eius religio&#8220; (Anm.:11) ein Vorgriff auf die Josephinische Aufkl\u00e4rungspolitik und die Franz\u00f6sische Revolution. Das neue Kurf\u00fcrstenpaar wohnte oft auf der Hubertusburg, einem barocken Jagdschloss, dessen Bau schon der Starke August begonnen hatte. W\u00e4hrend der Hofjagden reiste der ganze Hof mit allen Beamten und Dienern von Dresden dorthin.<br \/>\nIm Gegensatz zu seinem Vater war Friedrich August familienorientiert, er liebte seine Frau Maria Josepha und blieb ihr zeitlebens treu, auch wenn der intrigante Einfluss des Kanzlers Br\u00fchl auf den Kurf\u00fcrsten zunehmend die Ehe belastete. Friedrich August war kunstliebend, liebte die gro\u00dfen Treibjagden, sammelte Maler, Bildhauer, Philosophen und Dichter um sich. Aber der K\u00f6nigsthron in Krakau reizte ihn ebenso wie seinen Vater. Nach dem Tod des Starken August war die polnische K\u00f6nigskrone vakant geworden, so dass sich Friedrich August darum bewerben konnte. Mit viel Geld und der Unterst\u00fctzung durch \u00d6sterreich und Russland konnte sich Friedrich August gegen den Kandidaten von Schweden und Frankreich durchsetzen. Als August III. wurde Friedrich August am 17. Januar 1734 zum polnischen K\u00f6nig gekr\u00f6nt und konnte auch im folgenden polnischen Erbfolgekrieg die K\u00f6nigskrone behaupten. Doch trotz gro\u00dfem pers\u00f6nlichem Einsatz scheiterte der neue K\u00f6nig August III sowohl an der Macht des Adels (Magnaten) wie an den Interessen der Nachbarstaaten. So resignierte schlie\u00dflich Friedrich August vor den Widrigkeiten der Politik und \u00fcberlie\u00df ab 1738 die politischen Alltagsgesch\u00e4fte ganz dem neuen Kanzler Heinrich von Br\u00fchl.<br \/>\nNun konnte er sich wieder seinen eigentlichen Interessen widmen: dem Familienleben, der Jagd, den K\u00fcnsten, den rauschenden Festen, dem Sammeln von Porzellan und Gem\u00e4lden, dem Bauen und Gestalten im Stil des Barock. Der Kanzler Br\u00fchl verstand es sehr geschickt, den Kurf\u00fcrsten bei dessen k\u00fcnstlerischen Sammelleidenschaften zu unterst\u00fctzen. Rubens, Tizian, Veronese &#8211; alles schaffte Br\u00fchl herbei. Das &#8222;Augusteiische Zeitalter&#8220;, das mit dem Starken August begann, fand unter Friedrich August seine Vollendung. Beide waren durch ihre Reisen nach Paris und Italien enorm gepr\u00e4gt. Wie sein Vater war auch Friedrich August fasziniert vom Herrschaftsstil des franz\u00f6sischen Sonnenk\u00f6nigs Ludwig XIV. und holte sich hier die Inspiration f\u00fcr die Prachtentfaltung des s\u00e4chsischen Hofes; Bau und Gartenkunst, h\u00f6fische Feste und Spiele, internationale Musikpflege, Theater, Jagdwesen und insgesamt ein franz\u00f6sischer Kunstgeschmack. Es gab geradezu einen Kulturtransfer von Paris nach Dresden. Zahlreiche Pariser K\u00fcnstler und Gelehrte kamen an den Dresdner Hof und wurden zu einer tragenden S\u00e4ule s\u00e4chsischen Hoflebens. Neben dem absolutistischen Frankreich war es vor allem die italienische Kunst, die Einfluss auf das Kurf\u00fcrstentum bekam und die s\u00e4chsische Residenzstadt zum n\u00f6rdlichsten Vorposten der italienischen Kunst in Europa machte. Rings um die Baustelle der katholischen Hofkirche des Architekten Chiaveri wuchs das &#8222;Italienische D\u00f6rfchen&#8220;, in dem die jenseits der Alpen angeheuerten K\u00fcnstler und Bauleute wohnten. In dieser Welt der &#8222;S\u00e4chsischen Barockherrlichkeit&#8220; wuchs Clemens Wenzeslaus auf .<br \/>\nAnmerkungen.)<\/p>\n<p>Vgl. Raab, Clemens Wenzeslaus (1962), 62ff<br \/>\n8.) Wikipedia, Josepha von \u00d6sterreich (24.10.2011).<br \/>\n9.) Alii pugnant, tu autem felix austria nube = Die Anderen f\u00fchren Kriege, du aber gl\u00fcckliches \u00d6sterreich heirate.<br \/>\n10.) In ihrer Studie &#8222;Die Prinzenreise&#8220; hat Eva Bender nachgewiesen, dass die Bildungsreisen des deutschen Prinzen eine feste Institution im Deutschen Reich waren. In den Prinzenreisen wurden die S\u00f6hne des deutschen Hochadels nach einer Grundausbildung am heimischen Hof auf Reisen geschickt. F\u00fcr die katholischen Prinzen kamen in der Regel die katholischen Herrschaftsh\u00e4user infrage, also vor allem Frankreich, Italien und Spanien sowie das antike Griechenland. Die Prinzen reisten jeweils mit einem stattlichen Gefolge und hatten sich meist einem streng organisierten Ausbildungsprogramm zu unterwerfen<br \/>\n11.) Die Kompromissformel des Augsburger Religionsfriedens 1555 sah in der ausschlie\u00dflichen Religion der Landesherrn die beste Garantie f\u00fcr Frieden und Sicherheit.<\/p>\n<h3>2. Starke Frauen im R\u00fccken.<\/h3>\n<p>Von seinem Vater bekam Clemens Wenzeslaus den barockenen Lebensstil, allerdings modifiziert, denn die tagelangen rauschenden Feste waren nicht seine Art. Er liebte stattdessen sch\u00f6ne R\u00e4ume und M\u00f6bel, Literatur, Kunst und Musik. Die Frauengeschichten seines v\u00e4terlichen Gro\u00dfvaters waren ihm ein Gr\u00e4uel, so wie die grausamen Jagden seines Vaters. Dass sich Clemens Wenzeslaus in wesentlichen Eigenschaften von seinem Gro\u00dfvater und seinem Vater unterschied, hat er der m\u00fctterlichen Linie zu verdanken. Seine musisch &#8211; spirituellen Eigenschaften sowie seine selbstverst\u00e4ndliche Verankerung im Katholizismus gehen auf vier starke Frauen zur\u00fcck: die Kaiserin Eleonore (Urgro\u00dfmutter), die Kaiserin Wilhelmine Amalia (Gro\u00dfmutter), die Kaisertochter, Kurf\u00fcrstin und K\u00f6nigin Maria Josepha (Mutter) und die Kurprinzessin Maria Antonia (Schw\u00e4gerin).<\/p>\n<div id=\"attachment_1132\" style=\"width: 245px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-014-a.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1132\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-1132 \" title=\"clemw-014-a\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-014-a-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"235\" height=\"177\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-014-a-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-014-a.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 235px) 100vw, 235px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1132\" class=\"wp-caption-text\">Die Hochzeit von Kaiser Ferdinand. Quelle: Wikimedia.<\/p><\/div>\n<p>Das Bild zeigt die Hochzeit von Kaiser Leopold mit der Prinzessin Eleonore von der Pfalz am 14. Dezember 1676 in Passau. Der Maler ist nicht benannt. Quelle: Wikimedia Commons. Die Bilddatei ist gemeinfrei, da die urheberische Schutzfrist abgelaufen. Eleonore Magdalene, (Anm.:12) eine Pf\u00e4lzer Prinzessin, hatte als junges M\u00e4dchen starke Ambitionen zu einem kl\u00f6sterlich &#8211; spirituellen Leben. Doch sie musste sich dem Willen der Familie beugen. Als Kaiser Leopold I. nach dem Tod seiner zweiten Gemahlin um sie warb, weil der Hof gerade von einer jungen Pf\u00e4lzerin Nachwuchs erwartete, musste sie sich f\u00fcgen und wurde im Dezember 1676 in Passau mit dem 36j\u00e4hrigen Kaiser verm\u00e4hlt. Eleonore bekam gro\u00dfen Einfluss am Hof, weil sie von Leopold abg\u00f6ttisch geliebt wurde und ihm zehn Kinder schenkte. Der frommen und sittenstrengen Eleonore war es rasch gelungen, die Zuneigung ihres ebenso bigotten Gemahls zu gewinnen. Die Kaiserin lebte am Wiener Hof ein fast kl\u00f6sterlich &#8211; einfaches Lebens und war tief im Katholizismus verwurzelt. Aber sie war auch sehr lebenst\u00fcchtig. F\u00fcr ihre zahlreichen Verwandten und G\u00fcnstlinge besorgte sie ungeniert gut dotierte Stellen. Da der Kaiser nichts auf Franz\u00f6sisch lesen wollte, diente sie ihm auch als \u00dcbersetzerin und war so bei allen wichtigen Staatsgesch\u00e4ften direkt beteiligt. Eleonore war ihrem Gemahl treu ergeben und pflegte ihn hingebungsvoll in seiner letzten Krankheit bis zum Tod 1705.<br \/>\nDie Nachfolge im Kaiseramt \u00fcbernahm der \u00e4lteste Sohn Joseph, der als intelligent, sexs\u00fcchtig und wenig religi\u00f6s beschrieben wurde. Doch nun konnte sich die Kaiserinmutter ganz ihrer Schwiegertochter, der neuen Kaiserin Wilhelmine Amalie,(Anm.:13) und deren beiden T\u00f6chtern, Maria Josefa und Maria Amalia widmen. Die beiden Frauen waren sehr religi\u00f6s und katholisch, sie sprachen mehrere Sprachen, pflegten eine reiches Musikleben und waren in der europ\u00e4ischen Literatur bewandert. Sie engagierten sich in der Armen- und Krankenf\u00fcrsorge und waren schwarz gekleidet. Zielstrebig wurden die beiden M\u00e4dchen Maria Josepha und Maria Amalia von Gro\u00dfmutter und Mutter in das Leben eingef\u00fchrt. Allgemeinbildung, Sprachkenntnisse, katholische Religion, Musik, Familiengeschichte, h\u00f6fisches Verhalten und Literatur geh\u00f6rten zum straffen Ausbildungsprogramm der jungen Prinzessinnen. (Anm.:14) Nachdem die beiden T\u00f6chter verheiratet waren und bereits 1720 die Altkaiserin Eleonore verstorben war, entschloss sich Wilhelmine Amalie in das Kloster der Wiener Salesianerinnen zu gehen und vollzog 1722 diesen Schritt.<br \/>\nMaria Josepha, (Anm.:15) am 8. Dezember 1699 in Wien geboren, kaiserliche Prinzessin und damit Erzherzogin von \u00d6sterreich, war ein Ebenbild ihrer Mutter und ihrer Gro\u00dfmutter: intelligent, polyglott, musisch-k\u00fcnstlerisch, spirituell und vor allem durch und durch katholisch. Durch die eheliche Verbindung mit dem s\u00e4chsischen Kronprinzen Friedrich August kam sie an den S\u00e4chsischen Hof und wurde durch die Thronfolge ihres Gatten Kurf\u00fcrstin von Sachsen. Als Hochzeitsgeschenk bekam sie von ihrem Schwiegervater, dem Starken August, das neue Opernhaus, ein neuer Bau P\u00f6ppelmanns, mit 2000 Pl\u00e4tzen damals das gr\u00f6\u00dfte deutsche Theater, zusammen mit der Auff\u00fchrung der Oper &#8222;Giove in Argo&#8220; von Lotti geschenkt. Sp\u00e4ter wurde Maria Josepha Direktorin der Oper. Der Starke August organisierte in Dresden \u00fcber 4 Wochen &#8222;minuti\u00f6s geplante Feiern, die sich \u00fcber den gesamten September erstrecken. Er kaufte das Holl\u00e4ndische Palais von Flemming und baut das T\u00fcrkische Palais um. Den beeindruckenden Auftakt der Festlichkeiten bildete Maria Josephas Ankunft in Dresden. Ein eigens gebautes Lustschiff brachte sie von Pirna in Begleitung von 15 holl\u00e4ndischen Yachten in ihre neue Heimat.&#8220; (Anm.:16) Die so genannten Planetenfeste fanden ganzt\u00e4gig statt: das Apollofest im Zwinger, das Marsfest auf dem Altmarkt und das Venusfest im Gro\u00dfen Garten. Als Maria Josepha bei dem Damenringrennen, wo Herren kutschierten und die Damen mit einer langen Lanze 2 aufgeh\u00e4ngte Ringe treffen mussten, Siegerin wurde, erhielt sie als Preis eine kostbare Haarnadel. (Anm.:17) Abends nach einem volumin\u00f6sen Bankett im neu gestalteten Riesensaal des Schlosses feierte die Hochzeitsgesellschaft mit Feuerwerk und vielen k\u00fcnstlerischen Darbietungen bis zum fr\u00fchen Morgen. (Anm.:18) Im Hochzeitszug zeigten sich \u00fcbrigens die s\u00e4chsischen Bergleute zum ersten Mal in ihrer neuen Bergmannstracht, die sp\u00e4ter in den Schnitzereien von Seiffen verewigt wurden. Was sp\u00e4ter von den Chronisten oft verschwiegen wurde, war die Not unter der einfachen Bev\u00f6lkerung, denn das Jahr 1719 war durch eine Missernte ein Hungerjahr. Verschwiegen wurde auch, dass die Uniformen der Bergleute und die Festkleidung der beorderten Statisten an den Stra\u00dfen und Pl\u00e4tzen sp\u00e4ter von diesen selbst in langen Raten abgezahlt werden mussten. (Anm.:19)<br \/>\nDem Starken August gefiel seine neue Schwiegertochter, besonders dass sie sich leidenschaftlich an den Hetzjagden beteiligte. Deshalb arrangierte er im Oktober eine nochmalige Festwoche auf der Moritzburg. Da er den Kronprinzen von allen Regierungsgesch\u00e4ften fernhielt, hatte das junge Paar bis zur Regierungs\u00fcbernahme gen\u00fcgend Zeit f\u00fcr eine gl\u00fcckliches Ehe- und Familienleben. Maria Josepha trennte sich kaum von ihrem Mann und begleitete ihn auch auf seinen Reisen, sie sprach lateinisch, italienisch, franz\u00f6sisch und lernte nach der K\u00f6nigswahl auch perfekt polnisch. Sie liebte ihre Kinder und hatte diese immer um sich, soweit das nur ging. Zur Kr\u00f6nungsfeier am 17. Januar 1734 in Krak\u00f3w nahm sie ihren dreij\u00e4hrigen Sohn Xaver mit. Im Herbst 1735 reiste sie hochschwanger mit ihrem Gatten nach Warschau, wo sie 21 Monate blieb und in dieser Zeit zwei Kinder gebar.<br \/>\nViel Zeit widmete Maria Josepha der Ausbildung ihrer Kinder, plante diese sehr sorgf\u00e4ltig und \u00fcberpr\u00fcfte sie bis ins Detail; &#8222;Sie schrieb selbst mit eigener Hand eine Tagesordnung und lie\u00df sie in den Kammern aufh\u00e4ngen, und kam zu unvermuteter Zein Zeiten nachzusehen, ob alles flei\u00dfig beobachtet werde&#8220;, schrieb ihr Beichtvater Hermann. (Anm.:20)<br \/>\nIn der protestantischen \u00d6ffentlichkeit von Preu\u00dfen und Sachsen wurde Maria Josepha allerdings negativ eingesch\u00e4tzt. Man verspottete sie als h\u00e4ssliche Prinzessin, nannte sie die Fee Carabosse (Anm.:21), die nichts anderes tue als Rosenkr\u00e4nze beten und ihre l\u00e4sslichen S\u00fcnden bereuen. Insgesamt 15 Kinder (Anm.:22) hat Maria Josepha geboren, von denen 12 das Kindesalter \u00fcberlebten . Als Verehrerin des hl. Xaver, Mitbegr\u00fcnder des Jesuitenordens, gab sie allen S\u00f6hnen den Beinamen Xaver; als Marienverehrerin nannte sie alle M\u00e4dchen Maria. Fr\u00fchzeitig begann Maria Josepha mit der Heiratsplanung. Die Prinzessin Maria Anna wurde mit dem Bayerischen Kurf\u00fcrsten Maximilian verheiratet und Prinzessin Maria Josepha wurde die Mutter von drei franz\u00f6sischen K\u00f6nigen. Die j\u00fcngsten Kinder waren Clemens Wenzeslaus und Maria Kunigunde. F\u00fcr die fromme Maria Josepha war es ein tiefer Wunsch, dass sich einige ihrer Kinder f\u00fcr den geistlichen Stand entschieden, dies bezog sich auch auf Clemens Wenzeslaus.<br \/>\nAus Wien hatte Maria Josepha ihren Hofstaat mitgebracht. Der Kanzler Br\u00fchl sorgte daf\u00fcr, dass sie durch zus\u00e4tzliche s\u00e4chsische Oberhofmeisterinnen vom politischen Geschehen isoliert wurde. &#8222;Nur durch Zuf\u00e4lle erfuhr sie hie und da etwas \u00fcber die Verh\u00e4ltnisse im Kurf\u00fcrstentum. Ihr Wirkungskreis war ganz auf die Familie, auf die Erziehung ihrer Kinder beschr\u00e4nkt.(Anm.:23 Allerdings war es ihrem Einfluss zu verdanken, dass die M\u00e4tressenwirtschaft, die unter dem Starken August wie ein Krebsgeschw\u00fcr die Hofgesellschaft \u00fcberwuchert hatte, radikal abgebaut wurde. (Anm.:24) Im Unterschied zum Starken August, der seinen Konfessionswechsel als eine rein pers\u00f6nliche Sache betrachtet hatte, war es f\u00fcr Maria Josepha unbedingt wichtig, f\u00fcr sich und ihre Familie die Voraussetzungen f\u00fcr katholisches Leben zu schaffen. So war in ihrem Ehevertrag f\u00fcr sie pers\u00f6nlich, ihre Familie und ihren Hofstaat das Recht auf einen katholischen Friedhof verb\u00fcrgt worden. August der Starke bestimmte dazu den Friedhof der katholischen Klosterenclave Marienstern. Im Februar 1724 erfolgte hier unter Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit die erste katholische Beerdigung. Ein zweites Problem war die Beseitigung der lutherischen Kapelle auf dem Schloss. Dies gelang 1737 und auch hier unbemerkt von der \u00d6ffentlichkeit. Ab Pfingsten 1737 fand der lutherische Hofgottesdienst in der Sophienkirche (Anm.:25) statt. Um den offenen Streit mit dem lutherischen Stadtrat zu vermeiden, fanden jedoch katholische Gottesdienste zun\u00e4chst nur in der kurf\u00fcrstlichen Hauskapelle und in der Privatkapelle des \u00d6sterreichischen Gesandten statt. Durch die konservativ katholische Kurf\u00fcrstin Maria Josepha versch\u00e4rfte sich der Gegensatz zwischen dem katholischen Dresdener Hof und dem lutherischen Sachsen. Da sich der Rat der Landeshauptstadt Dresden als Verteidiger der lutherischen Identit\u00e4t verstand, hatte er schon 1726 den Baumeister George B\u00e4hr mit dem Bau einer neuen lutherischen Stadtkirche (Frauenkirche) beauftragt. (Anm.:26) 1743 erfolgte die Einweihung durch den lutherischen Superintendenten. Um das konfessionelle Gleichgewicht zwischen dem Hof und der Stadt auszugleichen und dem katholischen F\u00fcrstenhof ein repr\u00e4sentatives Gotteshaus zu bieten, erreichte Maria Josepha 1739, dass als Pendant zur evangelischen Frauenkirche der Bau einer katholischen Hofkirche erfolgte. Durch die zahlreichen italienischen Bauleute wuchs die katholische Gemeinde, so dass bis zur Fertigstellung der Hofkirche die katholischen Messen in dem neu erbauten katholischen Waisenhaus f\u00fcr Soldatenkinder \u00f6ffentlich gefeiert wurden.1755 erstand ein barockes Repr\u00e4sentativgeb\u00e4ude unter der Leitung des italienischen Architekten Gaetano Chiaveri. Die Einweihung der neuen Hofkirche erfolgte am 29. Juni 1751 durch den Apostolischen Nuntius in Polen. Bereits vier Tage nach der Kirchweihe der Hofkirche lie\u00df Maria Josepha die S\u00e4rge der drei verstorbenen Kinder der kurf\u00fcrstlichen Familie in die Grabgew\u00f6lbe \u00fcberf\u00fchrt.<\/p>\n<p>Bei aller leidenschaftlichen Katholizit\u00e4t hat Maria Josepha ihre Kinder im toleranten Geist der Aufkl\u00e4rung und des Humanismus erzogen. N\u00e4chstenliebe und Achtung der Meinung des Anderen waren ihr immer hohe Werte sowohl f\u00fcr sie pers\u00f6nlich wie in der Erziehung ihrer Kinder. (Anm.:27) Maria Josepha war ber\u00fchmt f\u00fcr ihre Freigebigkeit und ihr soziales Engagement. 1746 gr\u00fcndete sie das &#8222;Josephinenstift&#8220; f\u00fcr arme katholische M\u00e4dchen in der Seevorstadt. Vorbild waren das evangelische Ehrlichsche Stift zur &#8222;F\u00fcrsorge f\u00fcr geistig und verwaiste und arme Kinder ev.-luth. Bekenntnisses&#8220;. (Anm.:28) Pers\u00f6nlicher Hintergrund waren die Erlebnisse bei der Flucht mit den Kindern nach dem Einmarsch der preu\u00dfischen Truppen. Die Finanzierung erfolgte aus einer pers\u00f6nlichen Erbschaft nach dem Aussterben der Wettiner Nebenlinie Sachsen-Wei\u00dfenfels.<br \/>\n1756 brachte der siebenj\u00e4hrige Krieg mit Preu\u00dfen eine v\u00f6llige Ver\u00e4nderung der Lebenssituation der kurf\u00fcrstlichen Familie. Als die kleine s\u00e4chsische Armee am Lilienstein kampflos kapitulierte, konnte sich Friedrich August mit seinem ganzen Hof nach Warschau retten, weil die Polen Druck auf Friedrich II. aus\u00fcbten und mit Krieg drohten, wenn er dem K\u00f6nig von Polen und seiner Familie die Ausreise verweigere. Doch die kuragierte Kurf\u00fcrstin Maria Josepha blieb mit dem Kurprinzenpaar Friedrich Christian und Maria Antonia sowie den kleinen Kindern in Dresden. (Anm.:29) Die \u00dcberlieferung berichtet, dass sich Maria Josepha vor das Staatsarchiv stellte, als es die Preu\u00dfen \u00f6ffnen wollten, und sich mit H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen wehrte, als man sie mit Gewalt fortzerrte. (Anm.:30) Vergeblich versuchten die Preu\u00dfen die Kurf\u00fcrstin durch Schikanen zur Flucht zu bewegen. Am 17. November 1757 starb die Kurf\u00fcrstin Maria Josepha. Sechs Jahre sp\u00e4ter kehrte der Kurf\u00fcrst nach Dresden zur\u00fcck und starb am 5. Oktober 1763. Er wurde bei seiner Frau in der Hofkirche beigesetzt. Mit ihnen starb die &#8222;Herrlichkeit Sachsens &#8222;.<\/p>\n<div id=\"attachment_1133\" style=\"width: 185px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-018-a.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1133\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1133 \" title=\"clemw-018-a\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-018-a-175x300.jpg\" alt=\"\" width=\"175\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-018-a-175x300.jpg 175w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-018-a.jpg 381w\" sizes=\"(max-width: 175px) 100vw, 175px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1133\" class=\"wp-caption-text\">Kurprinzessin Maria Antonia. Quelle Wikimedia.<\/p><\/div>\n<p>Die vierte der starken Frauen, die den jungen Clemens Wenzeslaus pr\u00e4gten, war seine Schw\u00e4gerin, die Kurprinzessin Maria Antonia. Die bayerische Prinzessin Maria Antonia malte mit unterschiedlichen Techniken und organisierte Literaturkreise f\u00fcr die ganze Familie. Nachdem sie Kompositionsunterricht bei mehreren italienischen Maestros erfolgreich genommen hatte, begann sie zu komponieren und pflegte vor allem das musikalische Leben in der Familie. Am Karsamstag 1750 wurde ihr erstes Werk &#8222;Die Bekehrung des heiligen Augustinus&#8220; aufgef\u00fchrt, vier Jahre sp\u00e4ter folgte &#8222;Triumpf der Treue&#8220;, bei der die Kurprinzessin die Rolle des Nice selbst sang. 1757 wurde sie unter dem K\u00fcnstlernamen Ermelinda Tales Mitglied der Arcadia in Rom. Maria Antonia weckte in dem jungen Wenzeslaus die Liebe zur Musik und zum Theater, motivierte ihn Fl\u00f6te und Viola intensiver zu \u00fcben und sch\u00e4rften seine Sinne f\u00fcr das Sch\u00f6ne. Gerade in der Besatzungszeit, als die kurf\u00fcrstliche Familie ohne den Kurf\u00fcrsten im Schloss auf eingeschr\u00e4nktem Raum zusammenleben musste und den Schikanen des Preu\u00dfenk\u00f6nigs hilflos ausgeliefert war (Anm.:31), als das kulturelle Leben in der \u00d6ffentlichkeit unter den Stiefeln der preu\u00dfischen Soldaten zusammengebrochen war, da war Maria Antonia so etwas wie die lebendige Mitte der Familie. (Anm.:32)<br \/>\nAnmerkung<br \/>\n12.) Wikipedia, Eleonore Magdalene von der Pfalz (24.10.2011)<br \/>\n13.) Die Schwiegertochter Anna Amalia, die neue Kaiserin, war von ihrem Mann mit einer Geschlechtskrankheit infiziert worden und litt unter Unterleibsgeschw\u00fcren.<br \/>\n14.) Vgl. Palomino, Erziehung im mittelalterlichen Adel (1999), Auszug Online (24.10.2011)<br \/>\n15.) Wikipedia, Maria Josepha (24.10.2011); Fellmann Walter, Prinzessinnen (1996)<br \/>\n16.) http:\/\/terra-x.zdf.de\/ZDFde\/inhalt\/12\/0,1872,7527916,00.html<br \/>\n17.) Diese ist noch heute im Gr\u00fcnen Gew\u00f6lbe ausgestellt.<br \/>\n18.) Vgl. http:\/\/www.visit-dresden.de\/dstsepal.html<br \/>\n19.) Vgl. http:\/\/www.klaus-merten.de\/sites\/merten-produkte-05-1.htm (24.10.2011; Fellmann Walter, Prinzessinnen (1996).<br \/>\n20.) Richter, Erziehungswesen, (1913), 319.<br \/>\n21.) Die Fee Carabosse ist die b\u00f6se Hexe aus dem Dornr\u00f6schen &#8211; Ballett.<br \/>\n22.) Richter erw\u00e4hnt nur 14 Kinder.<br \/>\n23.) Raab, Clemens Wenzeslaus (1962), 44.<br \/>\n24.) Vgl. ebd.<br \/>\n25.) 1945 zerst\u00f6rt.<br \/>\n26.) Vgl. Wikipedia, Artikel Frauenkirche (24.101.2011). Anlass f\u00fcr den Ratsbeschluss 1722 war der geplante Zuzug einer gr\u00f6\u00dferen Gruppe ausgewiesener Salzburger Protestanten nach Dresden. Da die Salzburger aber die Angebote des preu\u00dfischen K\u00f6nigs akzeptabler fanden und lieber nach Brandenburg zogen, konnten die betr\u00e4chtlichen Spendengelder f\u00fcr die Ansiedlung der Salzburger die Finanzierung der neuen Stadtkirche sichern, die als Dresdener Frauenkirche in die Geschichte einging.<br \/>\n27.) Raab, Clemens Wenzeslaus (1962), 44;101.<br \/>\n28.) Fellmann Walter, Prinzessinnen (1996), 129<br \/>\n29.) Der &#8222;junge Hof&#8220; genannt.<br \/>\n30.) Vgl. FrauenWiki-Dresden, Maria-Josepha (24.10.2011).<br \/>\n31.) Raab weist daraufhin, dass Friedrich II. die Hoffamilie als eine Art menschliches Schutzschild betrachtete.<br \/>\n32.) Vgl. Raab, Clemens Wenzeslaus (1962), 67ff.<\/p>\n<address>3. Der Prinz aus dem Sachsenland (Anm.:33).<\/address>\n<div id=\"attachment_1145\" style=\"width: 248px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-052-a.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1145\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1145 \" title=\"clemw-052-a\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-052-a-238x300.jpg\" alt=\"\" width=\"238\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-052-a-238x300.jpg 238w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-052-a.jpg 429w\" sizes=\"(max-width: 238px) 100vw, 238px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1145\" class=\"wp-caption-text\">Clemens Wenzeslaus als kleiner Prinz. Quelle: Uni Leipzig. Erlaubnis erteilt.<\/p><\/div>\n<p>Am 28. September 1739 wurde Clemens Wenzeslaus als elftes \u00fcberlebendes Kind auf Schloss Hubertusburg geboren. Die Taufe geschah gleich nach der Geburt durch den P\u00e4pstlichen Nuntius Fabricius Serbelloni. Als sich die Kurf\u00fcrstin von der Geburt erholt hatte, wurden die feierlichen Zeremonien am 1. November 1739 in der Schlosskapelle wiederholt. Der neugeborene Prinz Clemens Wenzeslaus August Hubertus Franz Xaver erhielt den ersten Namen zu Ehren des blinden Papstes Clemens XII, um die enge Bindung zwischen dem Papsttum und den S\u00e4chsischen Wettinern als katholische Pfeilspitze in Deutschland deutlich zu machen. Der zweite Name Wenzeslaus, ein slawischer Name mit der Bedeutung &#8222;der Ruhmreiche&#8220; erinnerte an die Bindungen mit Polen &#8211; Litauen. Der dritte Name August schloss an Vater und Gro\u00dfvater an. Der vierte Name Hubertus erinnerte an den Geburtsort, der f\u00fcnfte und sechste Name bezog sich auf den hl. Franz Xaver, einen spanischen Jesuitenmissionar. Maria Josepha hatte ihn f\u00fcr alle Jungen ausgesucht, da der hl. Franz Xaver ihr Lieblingsheiliger war. (Anm.:34)<br \/>\nAn den Wettiner (Anm.:35) F\u00fcrstenh\u00f6fen erhielt jedes Kind nach der Geburt eine Aja (Anm.:36), die in Vertretung der Mutter die Verantwortung f\u00fcr das Kind \u00fcbernahm. Sie hatte eine Amme zur Seite, die f\u00fcr Ern\u00e4hrung und Pflege zust\u00e4ndig war. Nach den S\u00e4chsischen Hofkalendern, die alles Personal am Hof f\u00fcr jedes Jahr auflisteten, gab es von 1728 bis 1732 eine Gesamt-Aja f\u00fcr alle kleinen Kinder. Das Dienstpersonal des Kinderhofes war bewusst international ausgew\u00e4hlt, um die Kinder schon fr\u00fchzeitig in die lebendigen Sprachen einzuf\u00fchren. Die Verkehrssprache innerhalb der kurf\u00fcrstlichen Familie war in der Regel franz\u00f6sisch oder &#8211; allerdings in geringerem Ma\u00dfe &#8211; deutsch; die deutsche Sprache hatte damals f\u00fcr katholische Ohren immer noch einen &#8222;stark lutherischen Klang&#8220;; durch das italienische, tschechische und polnische niedere Hofpersonal (Dienerinnen und Diener, Pagen, Ausbilder) bekamen die Kinder fr\u00fchzeitig Zugang zu deren Sprachen. Erhalten ist eine kleine Festschrift der Prinzessin Margarete zum Namenstag (Anm.:37) des Kurprinzen Friedrich Christian, in dem Gedichte der anderen Prinzessinnen, die im Alter zwischen 8 und 2 Jahren waren, in franz\u00f6sischer Sprache enthalten sind. (Anm.:38) Sehr fr\u00fchzeitig wurden Lehrer f\u00fcr Grundkenntnisse im Schreiben, Lesen und Rechnen der Kindergruppe beigef\u00fcgt. Aber auch die musische Bildung wurde gepflegt. 1737 reiste die kurf\u00fcrstliche Familie mit gro\u00dfem Gefolge zu einem Treffen mit der Kaiserinwitwe Amalia im Schloss Neuhaus, bei dem die Kinder das Singspiel &#8222;Timandra&#8220; auff\u00fchrten. In einem Bild hat der zu seiner Zeit ber\u00fchmte Maler Louis de Silvestre die kurf\u00fcrstlichen Eltern und den Kindern Friedrich Christian (15), Maria Amalia (13), Maria Anna (9), Xaver (7), Maria Josepha (6) und Karl (4) gemalt. (Anm.:39) An erster Stelle aber stand immer die religi\u00f6se Formung durch Unterricht, t\u00e4gliches Gebet (zum Teil kniend zu verrichten), gemeinsame Andachten und Besuch der Hl. Messe. Im Alter von 5 bis 7 Jahren erhielt jedes Kind einen eigenen Hofstaat, der von einem Hofmeister geleitet wurde. (Anm.:40) Ihm stand ein &#8222;Pr\u00e4zeptor&#8220; f\u00fcr die Bildungsvermittlung zur Seite. Ausgew\u00e4hlte junge Edelknaben bzw. Edeldamen lebten Tag und Nacht mit &#8222;der jungen Durchlaucht&#8220; zusammen. Eine gro\u00dfe Anzahl von Kammerjunker und Zofen, ein eigner Etat, eigene R\u00e4ume mit einer Bibliothek und diversen Salons, ein vorgegebener Ausbildungs- und Lebensplan und die W\u00fcnsche der kurf\u00fcrstlichen Eltern bestimmten das Lebens eines solchen Hofstaates im Hof.<br \/>\nF\u00fcr die Prinzen wurde ein milit\u00e4rischer Hofmeister ernannt, der die sportliche und milit\u00e4rische Erziehung \u00fcberwachte. In der Regel wurden die Prinzen fr\u00fchzeitig einem Regiment zugewiesen und trugen dessen Uniformen. (Anm.:41) K\u00f6rperliche Z\u00fcchtigung bedurfte der vorherigen Genehmigung der kurf\u00fcrstlichen Eltern. Wegen des Erhalts der Erbdynastie wurde der jeweilige Kurprinz (Kronprinz) besonders gro\u00dfz\u00fcgig mit Mitteln und Personal ausgestattet. Die Ausbildungsphase wurde bei den Prinzen in der Regel mit einer Kavaliersreise abgeschlossen. (Anm.:42) Deshalb erhielt auch Clemens Wenzeslaus mit f\u00fcnf Jahren einen eigenen Hofstaat, der j\u00e4hrlich mit achttausend Talern ausgestattet war. Nach der spielerischen Kleinkindphase begann nun f\u00fcr ihn das harte Leben eines K\u00f6niglichen Prinzen. (Anm.:43) Um Polnisch zu lernen, erhielt Clemens Wenzeslaus erst einen und sp\u00e4ter zwei polnische Pagen. (Anm.:44) Da der Unterricht zusammen mit dem ein Jahr \u00e4lteren Bruder Albert Kasimir erfolgte, wurde eine eigene Oberhofmeisterstelle geschaffen und der Geheime Konferenzminister Rupert Florian von Wessenberg (sp\u00e4ter dessen Sohn) dazu berufen. Zwei Jesuiten wurden die Beichtv\u00e4ter der Prinzen, mit Pater Ferdinand S\u00f6hr war Clemens Wenzeslaus lebenslang verbunden. (Anm.:45) Weil man sich am kurf\u00fcrstlichen Hof auch um die Pflege der deutschen Sprache bem\u00fchte (Anm.:46), lernte Clemens Wenzeslaus neben Franz\u00f6sisch, Italienisch und Polnisch auch deutsch zu sprechen. Seine Kenntnisse der deutschen Muttersprache waren nicht schlechter, als die vieler F\u00fcrsten seiner Zeit. Die Sprache seiner deutschen Hirtenbriefe und der ihm zugeschriebenen, offenbar aber von Joh. Michael Sailer verfa\u00dften Schriften, h\u00e4lt den Vergleich mit anderen zeitgen\u00f6ssischen deutschen Prosaerzeugnissen aus, wie Raab bezeugt. Da\u00df sich in seinem Leben &#8211; abgesehen von Sophie La Roche, Sailer und Bronner &#8211; kaum Spuren von Beziehungen zur deutschen Literatur der Zeit nachweisen lassen, kann nicht \u00fcberraschen. Erst im ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhundert l\u00e4sst sich bei den deutschen Bisch\u00f6fen ein gr\u00f6\u00dferes pers\u00f6nliches Interesse und ein aktiveres Verh\u00e4ltnis zu deutschen Literatur nachweisen. (Anm.:47)<br \/>\nClemens Wenzeslaus lernte nat\u00fcrlich auch Lateinisch und Griechisch. (Anm.:48) Mathematik, Hof- und Kriegsgeschichte sowie Zeichnen standen ebenfalls auf dem Lehrplan. Clemens Wenzeslaus lernte au\u00dferdem das handschriftliche Schreiben, wie es sonst nur bei Gelehrten, Beamten und Schreibern zu finden war. Der Besuch der t\u00e4glichen Hl. Messe, die pers\u00f6nlichen Gebete zu den Tagzeiten, Lekt\u00fcre von Heiligenlegenden und die gemeinsamen Andachten des ganzen Hofes sowie die Auff\u00fchrungen des Hoforchesters und des Kreuzchores lie\u00dfen wenig Zeit f\u00fcr Privates. Clemens Wenzeslaus war ein ausgezeichneter Reiter, spielte vorz\u00fcglich Fl\u00f6te und Geige (Viola), war ein versierter Fechter mit S\u00e4bel und Degen und liebte die Bildenden K\u00fcnste und die Poesie. Von Clemens Wenzeslaus sind zwei mathematische Aufgabenhefte erhalten, die im zeit\u00fcblichen Deutsch (&gt;Fremdw\u00f6rter kursiv ) beschrieben sind. Dies l\u00e4sst den Schluss zu, dass Clemens Wenzeslaus fr\u00fchzeitig Deutsch geschrieben hat.<br \/>\nEnde November 1753 erkrankte Clemens Wenzeslaus an den Pocken und musste zwei Monate das Bett h\u00fcten. (Anm.:49) Doch er \u00fcberstand die Krankheit und konnte seine Ausbildung fortsetzen. Durch das parallele Leben am Warschauer und am Dresdener Hof reduzierten sich die Begegnungen der beiden Prinzen mit ihren Eltern. Auch wirkten sich die politischen Spannungen direkt auf das Leben der Familie aus. Seit 1748 speisten die beiden Prinzen separat mit ihren Erziehern und begegneten der Mutter nur bei gemeinsamen Spielabenden und bei Gottesdiensten. (Anm.:50)<br \/>\nAls Clemens Wenzeslaus 1739 geboren wurde, waren bereits 3 Geschwister verstorben Aber auch die n\u00e4chst \u00e4ltere Schwester Maria Amalia kannte Clemens Wenzeslaus nur vom Gem\u00e4lde eines Hofmalers, da sie mit 14 Jahren mit dem Bourbonen Don Carlos, dem sp\u00e4teren K\u00f6nig von Spanien verheiratet worden war. Als der gerade einj\u00e4hrige Clemens Wenzeslaus seinen \u00e4ltesten Bruder, den Kurprinzen Friedrich Christian, zum ersten Mal erlebte, kam dieser von seiner zweij\u00e4hrigen Prinzenreise durch Italien nach Dresden zur\u00fcck. Der Kurprinz litt unter L\u00e4hmungserscheinungen in den F\u00fc\u00dfen und hatte deshalb den Italienaufenthalt auch zum Kuren benutzt. Der \u00fcberaus gebildete Kurprinz hatte auf die weitere Entwicklung von Clemens Wenzeslaus gro\u00dfen Einfluss.<br \/>\nClemens Wenzeslaus war acht Jahre alt, als er das Jahr der Hochzeiten erlebte, die die Wettiner unter dem Motto &#8222;Fortius ex gremio nexu&#8220; (Anm.:51) noch st\u00e4rker untereinander und mit dem europ\u00e4ischen Hochadel verbanden. Im Februar 1747 heiratete die Schwester Maria Josepha, die der kleine Clemens Wenzeslaus mit dem Kosenamen &#8222;Pepa&#8220; rief, den franz\u00f6sischen Dauphin Ludwig. Im Juli 1747 heiratete die Schwester Maria Anna, in der Familie Maritza gerufen, den bayerischen Kurf\u00fcrsten Max. Zu gleicher Zeit wurde der Kurprinz Friedrich Christian mit der Schwester des bayerischen Kurf\u00fcrsten, Maria Antonia, verheiratet. Eigentlich sollte es eine Doppelhochzeit in Dresden geben, die aber beim M\u00fcnchener Hof auf Widerstand stie\u00df. (Anm.:52) Zu den beiden \u00e4lteren Br\u00fcdern Franz Xaver und Karl Christian hatte Clemens Wenzeslaus keine enge Bindung. Herzlich war aber seine Beziehung zu den beiden \u00e4lteren Schwestern Marie Christine und Maria Elisabeth. Zu der j\u00fcngeren Schwester Kunigunde Dorothea, in der Familie &#8222;Cucu&#8220; gerufen, entstand bereits im Kinderhof eine enge geschwisterliche Bindung. Clemens Wenzeslaus wird sp\u00e4ter mit ihr viele Jahre eng zusammenleben. Mit seinem ein Jahr \u00e4lteren Bruder Albert Kasimir verbrachte Clemens Wenzeslaus seine Kindheit und Jugend. &#8222;Aufs Ganze gesehen war das Verh\u00e4ltnis der Geschwister am Dresdener Hof herzlich und ausgeglichen. Von Spannungen und Differenzen, die gew\u00f6hnlich unter Geschwistern nicht gerade selten sind, ist kaum etwas festzustellen. Ein ausgepr\u00e4gter Familiensinn lie\u00df sie in guten wie in b\u00f6sen Tagen zusammenhalten. Trotz der gro\u00dfen Altersunterschiede, trotz der verschiedenen Berufe und Stellungen, die sie einnahmen, f\u00fchlten sie sich stets als Familie. Nur aus dieser gegenseitigen Unterst\u00fctzung und dem ausgepr\u00e4gten Familiensinn, nur aus der Beihilfe der Schwestern zu M\u00fcnchen, Versailles und der Schw\u00e4gerin, der \u201achere Alte&#8216; Maria Antonia, ist der Aufstieg Clemens Wenzeslaus zum gr\u00f6\u00dften Teil zu erkl\u00e4ren. Familiensinn musste ersetzen, was Sachsen seit der Kapitulation am Lilienstein, seit den Zerst\u00f6rungen durch die preu\u00dfische Armee an milit\u00e4rischem und politischem Potential verloren hatte.&#8220; (Anm.:53)<br \/>\nAnmerkungen<br \/>\n33 Vgl. ebd. 55ff; W\u00e4chter , Degen und Krummstaat ( 1978)<br \/>\n34 Franz Xaver ( 1506 &#8211; 1552) missionierte in Indien, Indonesien und Japan. Er wurde auf Goa begraben. Ein Arm befindet sich als Reliquie in der Jesuitenkirche Roms.<br \/>\n35 Ernestiner (Sachsen-Weimar), Albertiner (Sachsen-Dresden), Wittelsbacher (Bayern).<br \/>\n36 Vgl. Richter, Erziehungswesen (1913).<br \/>\n37 Als katholische Familie wurde statt des Geburtstages der Namenstag gefeiert.<br \/>\n38 Vgl. Richter Erziehungswesen (1913), 322ff.<br \/>\n39 Ebd. 327.<br \/>\n40 Vgl. Reimann Ernst, Prinzenerziehung (1904); Palomino, Erziehung im mittelalterlichen Adel (1999), Auszug Online (24.10.2011)<br \/>\n41 Bei den Hohenzollern wurden die Prinzen bereits mit sieben Jahren in das Garde-Landwehr-Regiment aufgenommen. Ein h\u00f6herer Offizier \u00fcbernahm dann die milit\u00e4rische Erziehung, die einen gro\u00dfen Teil des straffen Stundenplans einnahm. Vgl. Feuerstein-Pra\u00dfer Karin, Augusta, Kaiserin und Preu\u00dfin (2011)<br \/>\n42 Vgl. Bender Eva, Die Prinzenreise (2011).<br \/>\n43 Vgl. W\u00e4chter Dorothea , Degen und Krummstaat ( 1978)<br \/>\n44 Richter Erziehungswesen (1913). 368: &#8222;Es waren demnach bis auf geringe Ausnahmen lauter polnische J\u00fcnglinge zur Gesellschaft der j\u00fcngeren Prinzen berufen.&#8220;<br \/>\n45 Vgl. Raab, Bischof und F\u00fcrst (1989).<br \/>\n46 Die Gr\u00fcndung einer Deutschen Akademie wurde durch den siebenj\u00e4hrigen Krieg unterbunden.<br \/>\n47 Raab, Clemens Wenzeslaus (1962), 58.<br \/>\n48 Weder Albert Kasimir noch Klemens Wenceslaus aber lernen es, akkurat Lateinisch zu sprechen.<br \/>\n49 Obwohl die Katholische Kirche Vorbehalte gegen\u00fcber den Impfungen hatte, f\u00fchrte das katholische Bayern als erster Land 1807 die Pockenimpfung ein. Vgl. Wikipedia, Artikel Pocken (23.01.2012).<br \/>\n50 Vgl. Richter Julius, Erziehungswesen (1913) 369ff.<br \/>\n51 Unter diesem Motto, st\u00e4rker durch verwandtschaftliche Beziehung, wurde in M\u00fcnchen wochenlang die Hochzeit des Kurf\u00fcrsten gefeiert. Vgl. Raab, Clemens Wenzeslaus (1962), 43 und Schmidt Alois, Max III. Joseph, gfd. Books.google.de, Stichwort &#8222;fortius gremio nexu&#8220; (07.11.2011)<br \/>\n52 Raab, Clemens Wenzeslaus (1962) 46ff.<br \/>\n53 Vgl. Raab, Clemens Wenzeslaus (1962) 53f.<\/p>\n<h3>4. Kriegskind und Offizier.\u00a0 \u00a0(Anm.:54)<\/h3>\n<div id=\"attachment_1139\" style=\"width: 203px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-026-a.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1139\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-1139 \" title=\"clemw-026-a\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-026-a-236x300.jpg\" alt=\"\" width=\"193\" height=\"246\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-026-a-236x300.jpg 236w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-026-a.jpg 472w\" sizes=\"(max-width: 193px) 100vw, 193px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1139\" class=\"wp-caption-text\">Clemens Wenzeslaus als kaiserlicher Offizier. Quelle: Wikimedia.<\/p><\/div>\n<p>Ab 1740 wurde das milit\u00e4risch bedeutungslose Kursachsen in die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen \u00d6sterreich, Frankreich und dem aufstrebenden Preu\u00dfen hineingezogen. Der Preu\u00dfenk\u00f6nig Friedrich II. wollte durch die Eroberung Schlesiens seinen Staat aufbauen. Frankreich f\u00fchrte seine Machtpolitik gegen England und Mitteleuropa. Das Habsburger \u00d6sterreich musste sich verteidigen und nicht nur sein Stammland. In den drei schlesischen Kriegen, von denen sich einer \u00fcber sieben Jahre hinzog, wurde der s\u00e4chsische Kurstaat auch direkt betroffen. 1744 wurden Leipzig und Mei\u00dfen erobert, die s\u00e4chsische Armee bei Kesselsdorf geschlagen, Dresden wurde bombardiert. Weihnachten 1745 marschierte Friedrich II. mit den preu\u00dfischen Truppen in Dresden ein. Im Friedensabkommen von Dresden musste sich Sachsen verpflichten, eine Million Reichstaler als Kriegsentsch\u00e4digung zu zahlen, Preu\u00dfen behielt Schlesien und stimmte als Gegenleistung zu, dass der Gatte von Maria Theresia als Franz I. zum Deutschen Kaiser gew\u00e4hlt wurde. Am 29. August 1756 \u00fcberrollte die preu\u00dfische Milit\u00e4rmaschine das Sachsenland zum zweiten Mal. Als Dresden von den preu\u00dfischen Truppen besetzt wurde, war Clemens Wenzeslaus 17 Jahre alt. Die beiden Prinzen Albert Kasimir und Clemens Wenzeslaus, die ihren gemeinsamen Hof im Pirnaischen Palais hatten, mussten in die Quarant\u00e4ne des Schlosses, das von den Preu\u00dfen \u00fcberwacht wurde, und erlebten wie die ganze kurf\u00fcrstliche Familie die auferzwungene Armut, denn Friedrich II. hatte die s\u00e4chsischen Eink\u00fcnfte des Hofes sperren lassen. Da die Zuwendungen aus dem Familieneinkommen bald ausgingen, verkaufte die Kurprinzessin Maria Antonia ihre Juwelen und ihr Porzellan und musste dann doch den Canossagang gehen, um Friedrich II. um ein Darlehen zu bitten. Die beiden Prinzen Albert Kasimir und Clemens Wenzeslaus erlebten den Geldmangel hautnah, da sie von der preu\u00dfischen Verwaltung lediglich ein monatliches Taschengeld von 30 Talern bekamen. (Anm.:55) Das Leben auf engem Raum schwei\u00dfte jedoch die Familie enger zusammen. Nach der Flucht des Kurf\u00fcrsten nach Warschau widmet sich Maria Josepha wieder ganz der Familie und nach ihrem Tod 1757 \u00fcbernahm der Kurprinz Friedrich Christian mit seiner Gattin Maria Antonia die Rolle des Familienoberhauptes. Weil es aber dem Kurprinzen gesundheitlich schlecht ging, wurde die k\u00fcnstlerisch begabte Maria Antonia immer mehr zum Mittelpunkt. Im Sp\u00e4tsommer zogen sich die kaiserlichen Truppen zur\u00fcck. 1759 vereinigten sich die \u00f6sterreichischen und russischen Heere und brachten den preu\u00dfischen Truppen bei Kunersdorf am 12. August 1759 eine vernichtende Niederlage bei. Mit nur 3000 Soldaten floh Friedrich II. Doch weil sich Russen und \u00d6sterreich \u00fcber den weiteren Verlauf des Krieges nicht einigten, zogen sich die kaiserlichen Truppen nach Sachsen zur\u00fcck. Auch Dresden wurde so befreit. In der Neustadt auf den Elbwiesen hatte die Reichsarmee ihr Hauptquartier aufgeschlagen. Das war f\u00fcr die beiden Prinzen eine Gelegenheit, sich zur Musterung zu melden. Da sie aber eine Genehmigung des s\u00e4chsischen Hofes nicht vorweisen konnten, wurden sie abgewiesen. Wenige Tage sp\u00e4ter wendete sich die Situation, denn die preu\u00dfischen Truppen hatten sich neu formiert und marschierten unter General Wunsch auf Dresden zu. Hastig floh der kurprinzliche Hof mit einigen Wagen in Richtung Pirna, um \u00fcber die dortige Schiffsbr\u00fccke die Elbe zu \u00fcberqueren und nach B\u00f6hmen zu gelangen. Die beiden Prinzen Albert Kasimir und Clemens Wenzeslaus ritten voraus, um in Pirna die \u00dcbersetzung vorzubereiten. Da sich die preu\u00dfischen Truppen pl\u00f6tzlich zur\u00fcckzogen, befahl ihnen der Kurprinz die R\u00fcckkehr. In einem Brief an ihn beschrieb Clemens Wenzeslaus, wie er in der Neustadt von Dresden die F\u00fchrung durch die aufgestellten \u00f6sterreichischen schweren Kanonen erlebte. Er erw\u00e4hnte auch das Spalier der kaiserlichen Truppen, durch das 1000 preu\u00dfische Deserteure marschieren mussten. (Anm.:56) Drei Tage sp\u00e4ter war die kurf\u00fcrstliche Familie in Dresden wieder zusammen. Doch nach dem Dankgottesdienst kam die Nachricht von der erneuten R\u00fcckkehr der Preu\u00dfen. Auf Anraten der Kaiserin Maria Theresia lie\u00df der Kurprinz wieder die Wagen anspannen, um mit der ganzen Familie nach Prag zu fliehen. In einem Brief an ihren Bruder Franz Xaver beschrieb die Prinzessin Maria Elisabeth die bedr\u00fcckende Situation der Fl\u00fcchtlinge in Prag: &#8222;Der Wind wird mich mit n\u00e4chsten zum Beth heraustragen; keine forh\u00e4ng, kein Tisch, keine Kasten, nichts haben wir; heunt hab ich erst ein Beth bekommen, die andere N\u00e4cht hab ich m\u00fcssen auf Stroh schlaffen&#8230;.&#8220;.(Anm.:57) Da kamen die beiden Prinzen Albert Kasimir und Clemens Wenzeslaus auf die Idee, sich als Freiwillige bei der kaiserlichen Armee zu bewerben. Offensichtlich hofften sie, vom kommandierenden General Daun die Erlaubnis zum Milit\u00e4rdienst auch ohne die vorherige Zustimmung des Hofes zu erhalten. Daun willigte grunds\u00e4tzlich ein und lud sie zu sich ein, um ihnen die Vertreibung der letzten preu\u00dfischen Truppen vorzuf\u00fchren. In Begleitung von drei kaiserlichen Offizieren kamen die beiden Prinzen in der Morgenfr\u00fche des 1. Oktober 1759 im Hauptquartier der kaiserlichen Armee in Rothsch\u00f6nberg an. Doch es kam nicht zum Kampf, da die Preu\u00dfen \u00fcber Nacht geflohen waren. Wieder bewarben sich die beiden Prinzen zum Eintritt in die \u00f6sterreichische Armee. Diesmal werden sie angenommen und mit R\u00fccksicht auf ihre k\u00f6nigliche Herkunft im Generalsrang in die Armee des Prinzen Karl von Lothringen eingegliedert. Da die Truppen Winterquartier bezogen haben, nutzten die beiden neuen Gener\u00e4le die Zeit zu einer Reise, gewisserma\u00dfen als Ersatz f\u00fcr die nicht stattgefundene Kavalierstour und folgten einer Einladung der Kaiserin Maria Theresia nach Wien. Um nicht die Familie bei sp\u00e4teren preu\u00dfischen Attacken zu gef\u00e4hrden, mussten sie allerdings inkognito als Grafen von Mei\u00dfen und Th\u00fcringen auftreten. Hier in Wien erlebten sie den trotz Krieg tanzenden kaiserlichen Hof mit seinen Festen, Konzerten und Schlittenfahrten. Prinz Albert Kasimir verliebte sich in Maria Christine, die Lieblingstochter der Kaiserin, w\u00e4hrend Clemens Wenzeslaus unter starkem Rheuma litt. Als die beiden Prinzen Ende Januar 1760 nach Warschau weiterfuhren, waren sie zwei Monate unterwegs, da Clemens Wenzeslaus wegen seiner Rheumaanf\u00e4lle st\u00e4ndig Pausen einlegen musste. Der Besuch bei dem Vater dauerte ein viertel Jahr, dann fuhren die Prinzen nach Wien zur\u00fcck. Hier wurden sie von Maria Theresia in deren Familienleben in der kaiserlichen Residenz Laxenburg integriert. Nach zwei v\u00f6llig unbeschwerten Wochen meldeten sich die Prinzen bei ihrer Armeeeinheit.<br \/>\nKaiserin Maria Theresia im Schloss Sch\u00f6nbrunn im Kreise ihrer Familie. Ihr Mann Franz Ferdinand von Lothringen sitzt links im Bild. Gem\u00e4lde um 1754 von Martin van Meytens (1695-1770). Die Bilddatei ist gemeinfrei, da die urheberische Schutzfrist abgelaufen ist. Clemens Wenzeslaus erlebte nun den Krieg mit allen seinen Schrecken. Als Friedrich II. am 19. Juli 1760 Dresden beschie\u00dfen l\u00e4sst, musste Clemens Wenzeslaus ohnm\u00e4chtig zusehen, wie die &#8222;S\u00e4chsische Herrlichkeit&#8220; durch ein Gro\u00dffeuer zerst\u00f6rt wurde. In der Winterpause 1961 fuhren die beiden Prinzen wieder nach Wien. Clemens Wenzeslaus erlitt jedoch neue rheumatische Sch\u00fcbe, bekam au\u00dferdem Scharlach und kam durch hohes Fieber in Lebensgefahr. Wenige Tage nach dem Tod des 16j\u00e4hrigen Prinzen Karl, Lieblingssohn der Kaiserin, erhielt Clemens Wenzeslaus durch den Abt des Wiener Schottenklosters die Sterbesakramente. Aber im Februar begann er sich erstaunlich gut und schnell zu erholen. W\u00e4hrend der langen Krankheit reifte in ihm der Entschluss, &#8222;sein k\u00fcnftiges Leben in den Dienst der Kirche zu stellen.&#8220; (Anm.:58) Nuntius Visconti schrieb dem p\u00e4pstlichen Kardinalsstaatssekret\u00e4r, &#8222;da\u00df alles, was er von dem Prinzen wisse und erfahren habe, zu den besten Hoffnungen berechtige, und da\u00df er \u201aun degnissimo ecclesiastico&#8216; abgeben werde.&#8220; (Anm.:59) Der K\u00f6lner Nuntius Lucini erw\u00e4hnte sp\u00e4ter, dass Clemens Wenzeslaus &#8222;w\u00e4hrend seiner Krankheit in Wien erkannt habe, Gott habe ihn zu seinem Dienst berufen&#8220;. (Anm.:60) Heribert Raab war der festen \u00dcberzeugung, dass auf Clemens Wenzeslaus bei seiner Entscheidung zum kirchlichen Amt kein Druck von au\u00dfen ausge\u00fcbt wurde, da die Mitglieder seiner Familie, die Druck aus\u00fcben gekonnt h\u00e4tten, alle nicht in Wien waren, als Clemens Wenzeslaus auf seinem Sterbelager lag. (Anm.:61) Es ist eindeutig bezeugt, dass der Vater, Friedrich August, seinen S\u00f6hnen v\u00f6llige Freiheit bei der Berufswahl gelassen hatte. Als Clemens Wenzeslaus 1761 bei seinem Besuch in Warschau, mit seinem Vater \u00fcber die eigenen Pl\u00e4ne lange sprach, gab es keinerlei Differenzen. Ohne Zweifel war Clemens Wenzeslaus kein geborener Soldat. &#8222;Die Notwendigkeit des Krieges und des Kr\u00e4ftemessens, die von den meisten seiner Zeitgenossen bejaht wurde, hat er nie anerkannt. Rohe Gewalt und jene H\u00e4rte, die nun einmal zum Kriegshandwerk geh\u00f6rt, waren ihm verhasst. Sein Bestreben war vielmehr immer darauf gerichtet, Differenzen auf g\u00fctlichem Weg beizulegen. Seine ganze Natur, seine k\u00f6rperliche Konstitution, Charakter und Erziehung wiesen ihn nicht in eine milit\u00e4rische Laufbahn.&#8220; (Anm.:62) Durch seine Eltern und seine jesuitischen Lehrer, die auch seine Beichtv\u00e4ter waren, war Clemens Wenzeslaus in einer intensiven Atmosph\u00e4re katholischer Fr\u00f6mmigkeit gro\u00df geworden. Zur Katholischen Kirche, ihrer Liturgie, ihrer hierarchischen Ordnung und ihrer Bindung an den Papst, ihrem volksnahen Brauchtum und ihrer emotionalen Marienverehrung, vor allem ihrer N\u00e4he zu Barock und Lebensfreude hatte er eine ganz nat\u00fcrliche Beziehung. Er war nie in der Versuchung, sich von der Katholischen Kirche zu entfernen. Aus seiner humanistischen Erziehung konnte er die Meinung der Anderen respektieren, soweit ihm dies m\u00f6glich war. Sp\u00e4ter &#8211; nach der Priesterweihe &#8211; las er fast t\u00e4glich &#8222;die Heilige Messe und widmete mehrere Stunden des Tages dem Gebet, der Betrachtung und geistlichen Lesungen. Nat\u00fcrliche Fr\u00f6mmigkeit und Herzensg\u00fcte zeichneten ihn aus; auch nach dem Urteil zahlreicher Zeitgenossen &#8211; selbst seiner Feinde &#8211; war er ein \u201agar frommer und bescheidener Herr&#8216;, ein Bischof von \u201afast unerh\u00f6rter Gottesfurcht&#8216;, aber zugleich von \u201aunglaublicher Majest\u00e4t&#8216;, wenn er ein feierliches Hochamt sang, Kirchen und Alt\u00e4re konsekrierte oder bei der Fronleichnamsprozession in Koblenz oder Augsburg das Allerheiligste trug.&#8220; (Anm.:63) Die Kriegserfahrung als Jugendlicher und Offizier hatte aber auf Clemens Wenzeslaus noch eine andere Wirkung. Den Preu\u00dfenk\u00f6nig erlebte er nicht nur als feindlichen Usurpator sondern auch als Besch\u00fctzer des evangelischen Glaubens. Vor dem ersten schlesischen Krieg verpflichtete dieser zum Gebet f\u00fcr ein gl\u00fcckliches Ende des &#8222;zur Erhaltung der Wohlfahrt des Deutschen Reiches und zum Besten der bedr\u00e4ngten evangelischen Kirche unternommenen Feldzugs.&#8220; (Anm.:64) In dieser Rolle betrieb der eigentlich freidenkerische Friedrich II. sehr konkrete Politik, als er sich f\u00fcr die Aufl\u00f6sung der geistlichen Landesherrschaften von Kurk\u00f6ln und Kurmainz einsetzte und deren Eingliederung in protestantischen Landesherrschaften vorschlug. Zu dieser evangelisch orientierten Machtpolitik geh\u00f6rte auch der Versuch, das Bistum Mainz zu entmachten und so war es nicht verwunderlich, dass es Clemens Wenzeslaus innerlich reizte, sich nun mit &#8222;geistlichen Waffen&#8220; in die Verteidigungsallianz der katholischen Welt einzusetzen. (Anm.:65)<br \/>\nAnmerkungen<br \/>\n54 Ebd. 75ff; s.a. W\u00e4chter, Degen &amp; Krummstab (1978).<br \/>\n55 Raab, Clemens Wenzeslaus (1962), 75ff<br \/>\n56 Raab, Clemens Wenzeslaus (1962), 81f<br \/>\n57 Ebd. 82<br \/>\n58 Ebd. 96. &#8211; Albert Kasimir heiratete nach dem Tod des widerstrebenden Kaisers seine geliebte Maria Christina (genannt Mimi), die einzige Liebeshochzeit, die Maria Theresia ihren Kindern gestattete. Nach dem Tod des ersten Kindes blieb das paar kinderlos. Albert Casimir war l\u00e4ngere Zeit Kaiserlicher Statthalter in den Niederlanden.<br \/>\n59 Ebd. 93<br \/>\n60 Ebd. 94<br \/>\n61 Ebd. 95f.<br \/>\n62 Ebd. 97<br \/>\n63 Ebd. 98f<br \/>\n64 Ebd. 115ff<br \/>\n65 Ebd.123<\/p>\n<h3>5. Der steinige Weg zum Bischofsamt.<\/h3>\n<p>Um den weiteren Lebensweg von Clemens Wenzeslaus zu verstehen, bedarf es zun\u00e4chst eines kurzen Blickes auf die damalige Ordnung der katholischen Kirche in Deutschland. &#8222;Die politische und kirchlich folgenschwerste Eigent\u00fcmlichkeit der aus einer Notsituation geborenen Reichskirche ist darin zu sehen, da\u00df ihre Bisch\u00f6fe durch Jahrhunderte hindurch W\u00fcrdentr\u00e4ger der Hierarchie und zugleich Reichsf\u00fcrsten gewesen sind, da\u00df sie geistlich-kirchliche und weltlich staatliche Gewalt in ihrer Hand vereinigt haben&#8220;, so beschreibt der Historiker Heribert Raab das Geistliche F\u00fcrstentum. (Anm.:66) Nach der Reformation war dieses System der geistlichen Landesherren f\u00fcr die Erz- und Hochstifte in der katholisch gebliebenen Reichskirche beibehalten worden. Aber die personale Besetzung der h\u00f6heren \u00c4mter wurde ge\u00e4ndert. Dem Vatikan blieb zwar das Recht der Pr\u00fcfung und Anerkennung, aber f\u00fcr die Neubesetzung waren (von Ausnahmen abgesehen) die Kapitel zust\u00e4ndig; f\u00fcr das Bischofsamt war es das jeweilige Domkapitel, das in geheimer Wahl (bei mehreren Kandidaten) oder durch Proklamation (bei vorheriger Einigung) den neuen Bischof k\u00fcrte (Anm.:67). Als Kandidaten kamen in der Regel nur Mitglieder des Adels infrage, da auch die Kapitel fest in der Hand des Adels lagen. Oft war es eine sehr grunds\u00e4tzliche Entscheidung, ob Kandidaten &#8222;ex gremio&#8220;, also aus den eigenen Reihen, oder &#8222;extra gremium&#8220;, also von au\u00dferhalb, zugelassen wurden. Die Einwilligung des Vatikans wurde durch ein p\u00e4pstliches Breve, vor der Wahl ausgesprochen oder zugesagt, eingeholt. Die r\u00f6misch &#8211; katholische Kirche war innerkirchlich durch das Trienter Konzil (Anm.:68) [DK29] reformiert worden. Vorgeschrieben war f\u00fcr Bisch\u00f6fe ein Mindestalter von 27 Jahren, wenigstens die Subdiakonatsweihe und ein theologischer Grad (Doktor oder Magister). Die Kumulation (mehrere \u00c4mter in einer Hand) war verboten, der Z\u00f6libat wurde verlangt, ebenso die Residenzpflicht und in der Regel auch die vorherige Mitgliedschaft in einem Domkapitel. Aber die Beschl\u00fcsse des Konzils wurden bis zur S\u00e4kularisation durch die M\u00f6glichkeit einer P\u00e4pstlichen Ausnahmegenehmigung (Breve eligibilitatis) unterlaufen. F\u00fcr den Vatikan waren diese Breven ein wichtiges Finanzierungsinstrument und keinesfalls eine Ausnahme und durch die Kumulationen konnte die eigentlich verlangte Residenzpflicht oft gar nicht wahrgenommen werden. Auch war es m\u00f6glich, aus subjektiven Gr\u00fcnden (z.B. Verantwortung f\u00fcr die eigene Familie) im Laienstand zu bleiben bzw. nur die so genannten Niederen Weihen anzustreben, denn in diesem Fall war auch der Z\u00f6libat nicht verpflichtend. Ein System von Vertretern (Weihbisch\u00f6fe und Koadjutoren f\u00fcr die sakral-kirchlichen Aufgaben, Generalvikare und Offiziale f\u00fcr das Staatswesen) garantierte den reibungslosen Ablauf auch bei Abwesenheit des Amtsinhabers. Nach der Wahl durch das Kapitel \u00fcbergab ein kaiserlicher Kommissar mit den so genannten Regalien die Vollmacht zur Aus\u00fcbung der politischen Macht (Landesherrschaft), durch die P\u00e4pstliche Konfirmation (Anm.:69) wurde der Gew\u00e4hlte zu den geistlichen Vollmachten bef\u00e4higt, die durch die Weihe oder Inthronisation dann lebenslang \u00fcbertragen wurden. Falls der Gew\u00e4hlte nicht zum Klerus geh\u00f6rte bzw. nicht geh\u00f6ren wollte, erhielt er gleichzeitig einen geistlichen Koadjutor f\u00fcr die kultisch-sakralen Aufgaben an seine Seite. F\u00fcr die gew\u00e4hlten oder vorgeschlagenen minderj\u00e4hrigen Kandidaten wurde oft ein Administrator in spiritualibus et temporalibus (Anm.:70) eingesetzt. Als Mitglied des Hochadels hatte Clemens Wenzeslaus das verb\u00fcrgte Vorrecht, in diesem hierarchischen System Karriere zu machen. Die Familie sah es als eine wesentliche Aufgabe, die berufliche Integration und damit auch die materielle Versorgung des jungen Prinzen zu f\u00f6rdern. Dazu wurden alle Beziehungen, materielle Mittel und die politischen Situationen ausgenutzt. Clemens Wenzeslaus hatte so die Unterst\u00fctzung des franz\u00f6sischen Hofes, des Wiener Kaiserhauses, des bayerischen (Wittelsbacher) und nat\u00fcrlich des S\u00e4chsischen Kurf\u00fcrsten hinter sich. Pers\u00f6nlich hatte er aufgrund seiner k\u00f6niglichen Abstammung die gesellschaftliche Voraussetzung f\u00fcr alle h\u00f6heren kirchlichen \u00c4mter; durch seine Ausbildung waren alle rechtlichen Voraussetzungen hinreichend erf\u00fcllt bzw. konnten durch p\u00e4pstliche Dispensen erg\u00e4nzt werden. (Anm.:71) Nach seiner grunds\u00e4tzlichen Entscheidung f\u00fcr ein kirchliches Amt, entschloss sich Clemens Wenzeslaus von Anfang an, die Priesterweihe anzustreben und ein priesterliches Leben zu f\u00fchren. Dies bedeutete f\u00fcr ihn das Halten des lebenslangen Z\u00f6libates, das regelm\u00e4\u00dfige Breviergebet, die t\u00e4gliche Messe, ein klerikales Leben, die Unterstellung unter den Papst und die Einhaltung des gesamten katholischen Regelwerkes. Damit stellte er sich an die Spitze der katholischen Kirche im Deutschen Reich, die durch die Kunst des Barock und die Pflege der Volksfr\u00f6mmigkeit das irdische Leben in diesem &#8222;Jammertal&#8220; erleichtern wollte. Anfang Mai 1761 reiste Clemens Wenzeslaus nach Warschau, um sich auf den Empfang der Tonsur und die Niederen Weihen vorzubereiten. Am 26. Mai 1761 empfing er durch den p\u00e4pstlichen Nuntius Visconti in der k\u00f6niglichen Hauskapelle zu Warschau die Tonsur und wurde damit in den Klerikerstand aufgenommen. (Anm.:72) Anfang 1761 war Clemens August, der Kurf\u00fcrst von K\u00f6ln (Anm.:73), bei einer Reise nach M\u00fcnchen unverhofft im kurtrierischen Schloss zu Ehrenbreitstein gestorben. Seit 1583 waren nur bayerische Wittelsbacher Prinzen vom Domkapitel zum K\u00f6lner Kurf\u00fcrsten gew\u00e4hlt worden. Mit Ernst von Bayern war es den Wittelsbachern gelungen, die Gefahr eines protestantischen K\u00f6lner Kurstaates endg\u00fcltig zu bannen. Der Vatikan unterst\u00fctzte diese &#8222;Katholisierung des Norden&#8220; durch Einrichtung einer Nuntiatur in K\u00f6ln. Da es der gegenw\u00e4rtigen Wittelsbacher Politik entsprach, den Einfluss auf wenigstens eines der drei geistlichen Kurw\u00fcrden zu behalten, war es nicht verwunderlich, dass Clemens Wenzeslaus als Kandidat f\u00fcr den K\u00f6lner Kurf\u00fcrstenstuhl ins Gespr\u00e4ch kam. Doch das K\u00f6lner Domkapitel entschied sich nicht f\u00fcr ihn, sondern f\u00fcr den amtierenden Domdechanten, also &#8222;ex gremio&#8220;, vielleicht auch, weil man in K\u00f6ln einer Verwicklung in den Siebenj\u00e4hrigen Krieg entgehen wollte.<br \/>\nAuch der n\u00e4chste Versuch auf den altehrw\u00fcrdigen Bischofssitz M\u00fcnster misslang. Als n\u00e4chste Chance boten sich die vakanten und von der S\u00e4kularisation bedrohten F\u00fcrstbist\u00fcmer Paderborn und Hildesheim an. (Anm.:74) In diesem Zusammenhang kam es auch zu einem ersten Kontakt zum Kurf\u00fcrstentum Trier, da sich der Trierer Kurf\u00fcrst von Walderhoff ebenfalls um das F\u00fcrstbistum Hildesheim beworben hatte. (Anm.:75) In dem geheimen Vertrag von Engers verzichtete Walderhoff auf seine Kandidatur in Hildesheim und sagte Clemens Wenzeslaus seine Unterst\u00fctzung zu. Durch hohe Geldsummen von Sachsen sah Walderhoff eine Chance, die finanzielle Notsituation in Trier zu verbessern. Doch wie in den anderen vakanten Bist\u00fcmern fiel auch hier die Entscheidung f\u00fcr einen Kandidaten &#8222;ex gremio&#8220;, und zwar aus dem famili\u00e4ren Umfeld des westf\u00e4lischen Kapitels.<br \/>\nF\u00fcr Clemens Wenzeslaus waren diese vergeblichen Bem\u00fchungen sehr entmutigend. Dazu kam sein schlechter Gesundheitszustand, denn er hatte st\u00e4ndig erhebliche rheumatische Schmerzen. Deshalb reiste er im Juli 1761 zu einer Kur nach Aachen, begleitet von zwei s\u00e4chsischen Offizieren, seinem Leibarzt und seinem Beichtvater. Unterwegs besuchte er den F\u00fcrstbischof von W\u00fcrzburg und den K\u00f6lner Nuntius Archinto, um sie f\u00fcr seine beruflichen Bem\u00fchungen zu gewinnen. Das vom Krieg heimgesuchte Aachen bot wenig Abwechslung. Clemens Wenzeslaus nutzte deshalb die Zeit f\u00fcr intensive Kontakte. Aber als ihm der L\u00fctticher F\u00fcrstbischof Karl Theodor die Audienz verweigerte, erlebte er die Widerst\u00e4nde gegen seine Bem\u00fchungen hautnah. Anfang Oktober folgte Clemens Wenzeslaus einer Einladung seiner Schwester Maria Josepha, die er als Siebenj\u00e4hriger das letzte Mal gesehen hatte, nach Versailles. Weil Maria Josepha Sorge hatte, ihr junger Bruder k\u00f6nne in der Eleganz des franz\u00f6sischen Hofes negativ auffallen, musste Clemens Wenzeslaus unter dem Pseudonym eines Grafen von Mei\u00dfen in klerikaler Kleidung auftreten und durfte nicht an der k\u00f6niglichen Tafel Platz nehmen. Aber die Bef\u00fcrchtungen waren unbegr\u00fcndet, Clemens Wenzeslaus lebte sich ganz schnell in das h\u00f6fische Leben ein und erwarb sich profunde Kenntnisse \u00fcber die Sehensw\u00fcrdigkeiten und Kunstsch\u00e4tze der franz\u00f6sischen Metropole. Er gewann sogar die Freundschaft des Dauphins und die Sympathie des franz\u00f6sischen K\u00f6nigs Ludwig XV. Diese Erfahrungen in Versailles waren f\u00fcr Clemens Wenzeslaus ein wichtiger Wendepunkt in seinem Leben. In seinem Inneren f\u00fchlte er sich getragen durch seine Familie und wurde in seinem Selbstwertgef\u00fchl gest\u00e4rkt. Er sp\u00fcrte aber auch, dass die Bindung an die (katholische) Kirche f\u00fcr ihn seine Berufung sei, und er diesen Weg auch unter Schwierigkeiten unbedingt weitergehen m\u00fcsse.<br \/>\nBereits Anfang 1763 unternahm Clemens Wenzeslaus einen neuen Versuch und kandidierte f\u00fcr den vakant gewordenen L\u00fctticher Bischofsstuhl. Das F\u00fcrstbistum L\u00fcttich war durch die Gegenreformation rekatholisiert worden. Allerdings hatte der verstorbene L\u00fctticher Kardinalf\u00fcrstbischof Karl Theodor (Anm.:76), der letzte Sohn des Bayerischen Kurf\u00fcrsten Max Emanuel, durch seinen unsoliden Lebenswandel die Wittelsbacher und die ganze Katholische Kirche in Deutschland in Verruf gebracht. Aber wegen Stimmengleichheit bei der Wahl durch das L\u00fctticher Domkapitel fiel das Besetzungsrecht an den Papst Clemens XIII. und dieser entschied sich f\u00fcr den Gegenkandidaten. Doch bevor die Entscheidung des P\u00e4pstlichen Breve eintraf, \u00f6ffnete sich bereits eine andere T\u00fcr, da die F\u00fcrstbist\u00fcmer Freising und Regensburg ebenfalls vakant wurden. &#8222;Freising z\u00e4hlte zu den kleinsten und unbedeutendsten deutschen F\u00fcrstbist\u00fcmern obwohl der kirchliche Herrschaftsbereich des Bischofs fast dem Umfang der heutigen Di\u00f6zese M\u00fcnchen entsprach.&#8220; (Anm.:77) 180 Jahre hatten die bayerischen Wittelsbacher, die das Hochstift nur &#8222;unsere Pfarr&#8220; nannten, in Freising regiert und waren dem bayerischen Kurf\u00fcrsten voll ergeben. Der Kurf\u00fcrst Max Joseph zog alle Register seiner Beziehungen, um seinen Schwager Clemens Wenzeslaus als Kandidaten zu empfehlen. Die Domherren des Freisinger Hochstiftes stimmten auch der Kandidatur von Clemens Wenzeslaus zu, empfahlen aber diesem, sich parallel um das Bistum Regensburg zu bewerben, da die Eink\u00fcnfte des Freisinger Hochstiftes kaum ausreichten, um den Hof eines K\u00f6niglichen Prinzen zu finanzieren. (Anm.:78) Auch bei den Domherren des Regensburger Kapitels zeigte sich Bereitschaft, ihre Stimmen f\u00fcr Clemens Wenzeslaus zu geben. Der Einfluss des k\u00f6niglichen Vaters, der Kaiserin und der Geschwister in M\u00fcnchen und Paris zeigte Wirkung und die positive Beurteilung durch die Nuntien in M\u00fcnchen und Wien sicherte die P\u00e4pstliche Zustimmung. Der Warschauer Nuntius Visconti hatte Clemens Wenzeslaus ein gl\u00e4nzendes Zeugnis \u00fcber seine &#8222;Fr\u00f6mmigkeit und seine echt priesterliche Gesinnung&#8220; ausgestellt und ihm schon vor einiger Zeit bescheinigt, er wollte &#8222;im Unterschied zu der Praxis geistlicher F\u00fcrsten die Tonsur und die Niederen Weihen empfangen.&#8220; (Anm.:79) In Freising wurden nun ganz schnell Fakten geschaffen. Mitte Februar 1763 teilte Clemens Wenzeslaus vom Krankenlager in M\u00fcnchen dem Freisinger Domkapitel mit, dass er die Kandidatur annehme und ein P\u00e4pstliches Breve \u00fcber seine W\u00e4hlbarkeit f\u00fcr Freising und L\u00fcttich vorl\u00e4ge. So w\u00e4hlte das Freisinger Domkapitel am 18. April 1763 einstimmig mit allen 14 Stimmen Clemens Wenzeslaus zum F\u00fcrstbischof von Freising. Bereits um sieben Uhr morgens waren die Stadttore geschlossen und die B\u00fcrger aufgerufen worden, sich auf dem Domplatz zu versammeln. Nach dem Hochamt fand die geheime Wahl im Kapitelsaal statt, anschlie\u00dfend verk\u00fcndete der Notar Indobler, begleitet von den \u00c4bten von Ettal und Weihensstephan, im Dom das Wahlergebnis und alle sangen das Tedeum. (Anm.:80) Doch wie unsicher und schwankend Clemens Wenzeslaus in seinen Entscheidungen war, zeigte sich nun bei seiner erneuten Bewerbung und zwar diesmal um Augsburg. Zu dem Augsburger F\u00fcrstbischof Joseph hatte Clemens Wenzeslaus eine pers\u00f6nliche Beziehung. So lag dem ziemlich kranken F\u00fcrstbischof nahe, Clemens Wenzeslaus zu seinem Nachfolger aufzubauen. Der Weg dazu war die Ernennung zum Koadjutor mit Nachfolgerecht. Obwohl die W\u00fcrfel f\u00fcr die Kombination Freising \/ Regensburg gefallen waren und die Bewerbung f\u00fcr das Bistum L\u00fcttich keinesfalls aussichtslos war, lie\u00df sich Clemens Wenzeslaus durch den Augsburger F\u00fcrstbischof Joseph beeinflussen, dessen Nachfolge anzustreben und dann eventuell auf Regensburg zu verzichten. (Anm.:81 Obwohl der bayerische Kurf\u00fcrst Max Joseph erhebliche Bedenken hatte, ob der Clemens Wenzeslaus mit seinen 24 Jahren dieser Aufgabenbreite gewachsen sei, setzte sich Clemens Wenzeslaus durch. Zum Bistum Augsburg geh\u00f6rte als Landesherrschaft das Hochstift Augsburg, das sich wie ein Schlauch s\u00fcdlich von der Freien Reichsstadt Augsburg bis zur Tiroler Grenze erstreckte und etwa 100.000 &#8222;Landeskinder&#8220; hatte. Bereits im 15. Jahrhundert war die Hauptresidenz des Hochstiftes nach Dillingen verlegt und hier 1549 eine Universit\u00e4t gegr\u00fcndet worden, die unter Leitung der Jesuiten zum Zentrum der Gegenreformation wurde. Das wesentlich gr\u00f6\u00dfere Bistum umfasste neben dem Hochstift zus\u00e4tzlich bayerisches, \u00f6sterreichisches und w\u00fcrttembergisches Gebiet, weshalb der Augsburger Bischof sein Amt nur in vertrauensvoller Zusammenarbeit mit den Wittelsbachern (M\u00fcnchen) und den Habsburgern (Wien) aus\u00fcben konnte. In f\u00fcnf St\u00e4dten standen dem Augsburger Bischof attraktive Bischofsh\u00f6fe zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Noch vor der Wahl in Freising ging Anfang April 1763 ein P\u00e4pstliches Breve ein, in dem Papst Clemens XIII grunds\u00e4tzlich zustimmte, dass Clemens Wenzeslaus sich als Koadjutor des Augsburger F\u00fcrstbischofs bewerbe. Das Breve machte aber den Vorbehalt, dass Clemens Wenzeslaus langfristig neben Augsburg nur ein weiteres Bistum besetzen d\u00fcrfe. In dieser ziemlich verworrenen Situation zeigte sich Clemens Wenzeslaus weiterhin unsicher und unentschlossen. Da in L\u00fcttich die Bischofswahl noch nicht entschieden war, wollte er Zeit gewinnen und bat den Papst um Verl\u00e4ngerung der dreimonatigen Entscheidungsfrist. (Anm.:82) Die p\u00e4pstliche Sondergenehmigung wurde gegeben, doch die Regensburger Domherren \u00fcbten Druck aus und w\u00e4hlten am 24. April 1963 mit Stimmenmehrheit Clemens Wenzeslaus zum F\u00fcrstbischof von Regensburg.<br \/>\nClemens Wenzeslaus war unterdessen in finanzielle Schwierigkeiten gekommen, denn das Leben in L\u00fcttich war teuer und seit Februar hatte er vom S\u00e4chsischen Hof keine Zahlung mehr erhalten. Die beiden Schwestern, die Kurf\u00fcrstin in M\u00fcnchen und die Dauphine in Paris, sahen sich nicht imstande, ihren Bruder weiter zu unterst\u00fctzen. Auch von dem Freisinger Domherrn Franz von Hornstein, den das Domkapitel als Berater nach L\u00fcttich geschickt hatte, war keine finanzielle Hilfe zu erwarten, zumal Clemens Wenzeslaus zu diesem ein gespanntes Verh\u00e4ltnis hatte, da er die Reise nach Freising st\u00e4ndig hinausschob. Nach einer eindringlichen Ermahnung des Bayerischen Kurf\u00fcrsten Max Joseph verlie\u00df Clemens Wenzeslaus &#8211; \u00fcberst\u00fcrzt und ohne Gep\u00e4ck &#8211; L\u00fcttich in der Morgenfr\u00fche des 28. August und fuhr nach Freising, um von dem F\u00fcrstbistum Besitz zu ergreifen. (Anm.:83) In Freising bekam Clemens Wenzeslaus wegen seiner Jugend einen Koadministrator an die Seite und wurde am 12. September 1763 inthronisiert. Nun strebte Clemens Wenzeslaus als erstes die Priesterweihe an. Am 21. September 1763 empfing er in Freising durch den Weihbischof Werdenstein die Niederen Weihen und die Subdiakonatsweihe. Am 5. Oktober 1763 starb sein Vater und zwei Monate sp\u00e4ter sein Bruder Friedrich Christian. Clemens Wenzeslaus nahm sich jetzt Zeit f\u00fcr theologische Studien und f\u00fchrte ein ziemlich zur\u00fcckgezogenes Leben. Mitte April 1764 unterzog er sich den achtt\u00e4gigen Exerzitien. Da Kaiser Franz in Straubing weilte, unterbrach er die Vorbereitungen auf die Priesterweihe und reiste mit dem bayerischen Kurf\u00fcrsten nach Straubing, um ihn um Unterst\u00fctzung der Augsburger Pl\u00e4ne zu gewinnen. Sowohl die hartn\u00e4ckigen Bem\u00fchungen um den Bischofssitz von L\u00fcttich wie jetzt um die der Augsburger Koadjutorie (die ja sp\u00e4ter zum Bistumsbesitz gef\u00fchrt h\u00e4tte) hatten den Hintergrund, f\u00fcr Clemens Wenzeslaus und seinen Hof ein gesichertes Einkommen zu gewinnen. Fr\u00f6mmigkeit und irdische Ziele waren keineswegs ein Gegensatz.\u00a0 Anschlie\u00dfend wurde Clemens Wenzeslaus in M\u00fcnchen durch den Augsburger F\u00fcrstbischof Franz Joseph zum Priester geweiht und feierte am 1. Mai 1764 in der M\u00fcnchener Jesuitenkirche seine Primiz. Der ganze kurf\u00fcrstliche Hof war anwesend und viele Menschen hatten sich au\u00dferhalb der Kirche versammelt. (Anm.:84).<\/p>\n<div id=\"attachment_1138\" style=\"width: 193px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-025-a.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1138\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1138 \" title=\"clemw-025-a\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-025-a-183x300.jpg\" alt=\"\" width=\"183\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-025-a-183x300.jpg 183w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-025-a.jpg 366w\" sizes=\"(max-width: 183px) 100vw, 183px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1138\" class=\"wp-caption-text\">Primizbild von Clemens Wenzeslaus. Quelle: Wikimedia.<\/p><\/div>\n<p>Im Juni 1764 erfolgte die Amtseinf\u00fchrung als Bischof von Regensburg. Dies motivierte die 40 Herren des Augsburger Domkapitels die Wahl von Clemens Wenzeslaus zum Koadjutor des F\u00fcrstbischofs von Augsburg am 5. November 1764 durchzuziehen. Die feierlich gestaltete Wahl wurde wie eine Bischofsweihe gestaltet. Um 7 Uhr begann der Wahlakt mit der Messe De Spiritu Sancto und dem Hymnus Veni Creator. Anschlie\u00dfend erfolgte der eigentliche Wahlakt im Kapitelsaal. In Abwesenheit wurde Clemens Wenzeslaus zum Koadjutor des F\u00fcrstbistums Augsburg gew\u00e4hlt. Erst nach vier Jahren &#8211; nach dem Tode des Bischofs Joseph und bereits zum Kurf\u00fcrsten von Trier gew\u00e4hlt &#8211; \u00fcbernahm Clemens Wenzeslaus allerdings die geistliche und weltliche Leitung des Hochstiftes Augsburg.<\/p>\n<p>Die ersten gr\u00f6\u00dferen Amtshandlungen von Clemens Wenzeslaus wurden die Hochzeiten von Kaiser Joseph II. mit Marie Josepha von Bayern und des Kronprinzen Leopold mit der spanischen Infantin Marie Luise. Bei den Gespr\u00e4chen nach der Trauung sagten Kaiser und Kaiserin Clemens Wenzeslaus zu, ihn bei seinen Bewerbungen zu unterst\u00fctzen. Clemens Wenzeslaus war in dieser Zeit st\u00e4ndig unterwegs. Kraus bemerkt zu Recht: &#8222;Man sieht nicht, wie der Prinz Zeit gefunden habe, sich auf seine geistlichen Obliegenheiten vorzubereiten: er ist um jene Zeit fortw\u00e4hrend auf Reisen und Besuchen an den verwandten H\u00f6fen zu Wien, Paris, M\u00fcnchen, Dresden.&#8220; (Anm.:85) Dies d\u00fcrfte auch der Grund sein, warum Clemens Wenzeslaus keinen akademischen Grad erringen konnte und deshalb vor seiner Ernennung f\u00fcr den Bischofsstuhl Freising eine Dispens &#8222;super defectu gradus doctoratus ac Presbyteratus&#8220; (Anm.:86) vom Wiener Nuntius einholen musste. Allerdings bescheinigten ihm sp\u00e4ter seine Mitarbeiter &#8222;gr\u00fcndliche Kenntnisse in der Moraltheologie und im Kanonischen Recht.&#8220; (Anm.:87) Am 10. August 1766 erfolgte die Bischofsweihe in Freising. Damit war die klerikale Integration in die katholische Hierarchie vollzogen. \u00dcber die Bischofsweihe in Freising gibt es einen Augenzeugenbericht des Freisinger Hofkavaliers Ferdinand Wilhelm Freiherr von Bugniet des Croisettes vom 10. August 1766. (Anm.:88) Der Bericht beginnt mit Lobpreisungen auf das Ereignis mit blumenreichen Worten: &#8222;Hat Freysing nicht Ursach genug, mit seinem gn\u00e4digsten Lands-Herrn Gro\u00df zuthun, die Empfindungen seiner ausserordentlichen Freude zu \u00e4usseren, und sich vor vielen anderen L\u00e4nderns vollkommen gl\u00fcckseelig zu sch\u00e4tzen. Ein sicheres Zeugni\u00df seiner z\u00e4rtlichsten Freude legte Freysing den 10.ten August-Monat ab; ein seltener Jubel, und Frohlocken hat die ganze Stadt belebet, da selber das Beneydensw\u00fcrdige Gl\u00fccke wiederfahren, so viele h\u00f6chste G\u00e4ste in ihren Mauren zu bew\u00fcrden, welche der feyerlichsten Weyhung St. K\u00f6nigl. Hoheit unsers gn\u00e4digsten Herrn beyzuwohnen, und diese heilige und h\u00f6chst ansehnliche Handlung mit der h\u00f6chsten Gegenwart noch ansehnlicher zu machen gn\u00e4digst ruheten.&#8220; Der Freiherr berichtet dann, dass Clemens Wenceslaus bereits am 2. August in Alt\u00f6tting &#8222;das Heil. Me\u00df-Opfer verrichtet&#8220; habe und am n\u00e4chsten Tag in Freysing eintraf. Am 8. August versammelte sich das Freisinger Domkapitel, um den neuen Domdechanten zu w\u00e4hlen. Anschlie\u00dfend informierten die beiden Domherren Baron Egher und Graf Trauner &#8222;Ihro K\u00f6nigl. Hoheit&#8220; \u00fcber die Wahl und erfuhren dero &#8222;gn\u00e4digste Zufriedenheit&#8220; und &#8222;darzu Dero H\u00f6chste Begnehmigung&#8220;. Zu gleicher Zeit wurden zwei Regensburger Domherren zu Clemens Wenzeslaus begleitet, um die Gl\u00fcckw\u00fcnsche des Regensburger Domkapitels zu \u00fcberbringen. Durch den Stadtpfleger wurde die &#8222;gesammte Burgerschaft zu Pferdt; und zu Fu\u00df aufgezogen, und wurde die Cavallerie au\u00dferhalb dem Zollhaus auf denen Aengerns vor dem M\u00fcnchner-Thor postiret&#8220;, um den Augsburger Bischof Joseph zu begr\u00fc\u00dfen. &#8222;Die auf dem Platz mit fliegenden Fahnen und klingendem Spiel paradirende Infanterie machte drey Salve.&#8220; Nach einem Essen begaben sich Bischof Joseph und Clemens Wenzeslaus in die Hochf\u00fcrstliche Residenz, die eigens neu m\u00f6bliert worden war. Dann begaben &#8222;sich beed gn\u00e4digsten Herren zu Ruhe.&#8220; Am Morgen des 9. August 1766, es war ein Samstag, empfing Clemens Wenzeslaus die Abordnungen der Domkapitel von Freising und Regensburg. Danach holte er Bischof Joseph ab, zeigte diesem Dom und Domschatzkammer, und speiste mit ihm zu Mittag. F\u00fcr Nachmittag sollte f\u00fcr Freising nochmals &#8222;eine Gl\u00fccks-Sonne aufgehen&#8220;, denn &#8222;das Durchlauchtigste Chur-Haus Bayrn&#8220; war angek\u00fcndigt. Zur w\u00fcrdigen Begr\u00fc\u00dfung wurde diesmal die gesamte B\u00fcrgerschaft durch ein &#8222;Cavallerie-Corps mit Trompeten, Paucken und Estandardt von einem Rittmeister gef\u00fchret&#8220;. &#8222;Bis zu der Ankunft der Chur-Bayrischen h\u00f6chsten Herrschaften wurde in den Zimmeren Ihro Hochf\u00fcrstl. Durchlaucht Bischoffen von Augspurg gespielet.&#8220; Gegen 7 Uhr abends wird der Bayerische Kurf\u00fcrst mit seiner Begleitung von einer Abordnung an der Grenze begr\u00fc\u00dft, in die Stadt gef\u00fchrt und mit 50 Kanonensch\u00fcssen der aufgestellten Kavallerie und drei Salven der B\u00fcrgerwehr empfangen. Nach einer ersten Begegnung mit allen angereisten G\u00e4sten war die Abendtafel hergerichtet.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag, es war Sonntag, der 10. August 1766, zog Clemens Wenzeslaus um 9 Uhr mit den Konsekratoren, Bischof Joseph und zwei Weihbisch\u00f6fen, in feierlicher Prozession durch ein langes Spalier zum Dom. Hier standen die Domkapitel von Freising und Augsburg zum Empfang bereit. Clemens Wenzeslaus wurde Weihwasser zur Bekreuzigung gereicht und mit einem Tragekreuz wurde die Weiheprozession zum Tabernakel gef\u00fchrt und von hier aus zum Altar. Nun verlas der Notar Erdmann die P\u00e4pstlichen Dokumente: In einer Bulle hatte Papst Clemens XIII. die Wahl des neu gew\u00e4hlten Bischofs Clemens Wenzeslaus best\u00e4tigt und in der &#8222;Dispensatione aetatis&#8220; vom eigentlich erforderlichen Mindestalter dispensiert. Dann begann das Hochamt. Die Kurf\u00fcrstlichen Durchlauchten aus M\u00fcnchen hatten auf den beiden F\u00fcrstenemporen Platz genommen und wohnten der dreist\u00fcndigen Zeremonie bei. &#8222;Was vor Freuden-volle Thr\u00e4nen bey dieser Handlung vergossen worden, ist nicht zu beschreiben, besonders da Beed diese Hohe Priester das Heil. Abendmahl samt dem Heil. Blut getheilet, der neu Consecrierte Bischof nach vollendten Hoch-Amt den Bisch\u00f6flichen Segen allen anwesenden in Herabtretung von dem Hoch-Altar in der ganzen Kirchen herumgehend, und auf der Evangelii-Seiten zur\u00fcckkomend auf mildseeligste Weis ertheilet. Unter angestimt-Ambrosianischen Lob-Gesang wurden von der Burgerlichen Infanterie drey Salve mehrmalen gegeben, nach jed-welchen 20. Kanonen-Sch\u00fc\u00dfe abgel\u00f6set wurden.&#8220; Nach den Gl\u00fcckw\u00fcnschen im Bisch\u00f6flichen Apartment begann um 2 Uhr das Mittagmahl &#8222;mit Paucken und Trompeten&#8220;. Die Chronik benennt eine gro\u00dfe Tafel in Form eines Hufeisens mit 120 Pl\u00e4tzen, einen Speisesaal mit 35 Pl\u00e4tzen und au\u00dferdem 6 andere Tafeln f\u00fcr &#8222;die \u00fcbrige G\u00e4ste und Hofstaat&#8220;. Nach einem Coff\u00e9e zog die ganze Festgesellschaft in den Hofgarten zur Auff\u00fchrung der Kantate &#8222;Frohlockende Religion&#8220; des S\u00e4chsischen Kapellmeisters Andreas von Camerlocher. Nach der Auff\u00fchrung zog eine ausgew\u00e4hlte Festgesellschaft durch die illuminierte Stadt in die Hochf\u00fcrstliche Residenz zum Dinner. Am n\u00e4chsten Tag gab es eine Kammermusik. Nach dem Mittagessen f\u00fcr 85 G\u00e4ste zog die Festgesellschaft \u00fcber die Isar zu einer Hetzjagd. Von dem zweist\u00f6ckigen Jagdstand aus wurden 68 Hirsche und 31 St\u00fcck anderes Wild erlegt. Anschlie\u00dfend konnten sich die G\u00e4ste bis zum Dinner an Spieltischen am\u00fcsieren. Anschlie\u00dfend erlebte man von den Fenstern aus ein Serenadenkonzert auf dem Vorplatz. Die Festlichkeit wurde am Dienstag mit der Auff\u00fchrung der Lateinischen Oper MAGNUM AARONIS SACERDOTIUM im Hof des Lyzeums der Benediktiner beendet. &#8222;Nachdeme hierauf das Mittagmahl eingenohmen worden, so reiseten die H\u00f6chste Herrschaften unter Abfeurung der Kanonen nach z\u00e4rtlichst genohmenden Abschied, und bezeigt vollkommenster Zufriedenheit \u00fcber Dero Aufenthalt allhier, dann die Ausnehmende Sorgfalt Sr. K\u00f6nigl. Hoheit Dieselbe auf das Beste zu bew\u00fcrthen, nachher Nymphenburg ab.&#8220; Den Abend nutzten Clemens Wenzeslaus und Bischof Joseph zu einem Spiel. Am Mittwoch fr\u00fch las Bischof Joseph in seinem Zimmer die Heilige Messe, wie er es auch sonst immer hielt, und reiste gegen 14 Uhr mit seinem Gefolge ab. Die n\u00e4chsten beiden Tage waren gef\u00fcllt mit Begegnungen mit den unterschiedlichen Organen des Bistums. Der Bericht schlie\u00dft: &#8222;Allein wer sollte einen Lieb-vollist-Gn\u00e4digsten F\u00fcrsten und Herrn zu Verherrlichung einer solchen Beg\u00e4ngnu\u00df nicht alle Kr\u00e4fte wiedmen, deme der Himmel selbst mit denen sch\u00f6nsten T\u00e4gen zu seinen Vergn\u00fcgen beygestanden, damit alles erreichen konnte einen in unsern Herzen niemals verge\u00dflichen Anfang, und in best und sch\u00f6nster Ordnung, mit getr\u00f6ster Zufriedenheit erhaltenes Ende.&#8220; Der Augenzeugenbericht des Freisinger Hofcavaliers \u00fcber die Bischofsweihe von Clemens Wenzeslaus zeigt sehr anschaulich, wie sehr dieser st\u00e4ndig mit der &#8222;strukturellen Schizophrenie&#8220; von pers\u00f6nlicher Fr\u00f6mmigkeit und gesellschaftlich garantierter Privilegienexistenz zu k\u00e4mpfen hatte. Auf der einen Seite wollte er ein frommer Mann der katholischen Kirche sein und bescheiden priesterlich leben, auf der anderen Seite war er als K\u00f6nigliche Hoheit in das Netz von politischen Machtinteressen und Privilegien unausl\u00f6sbar eingebunden.<br \/>\nUnterdessen hatte sich der Gesundheitszustand des Trierer Kurf\u00fcrsten Johann Philipp von Walderdorff radikal verschlechtert. Deshalb beschleunigte sich im Kurf\u00fcrstentum Trier die Suche um einen Koadjutor mit Nachfolgerecht, um beim Tod des Kurf\u00fcrsten einen reibungslosen \u00dcbergang zu erm\u00f6glichen. Es gab drei aussichtsreiche Kandidaten. (Anm.:89) An der ersten Stelle stand der Domdechant Franz Karl Boos, G\u00fcnstling des Kurf\u00fcrsten und wohl der m\u00e4chtigste Mann im Kurf\u00fcrstentum. Aber Boos hatte einen &#8222;Flecken am Kleid&#8220;: er lebte in der Ehrenbreitsteiner Dechanei mit einer Konkubine zusammen und hatte mit dieser 7 Kinder. Boos war gef\u00fcrchtet und geldgierig. Im Vatikan und am Wiener Hof sprach man vom &#8222;Ungeheuer in Ehrenbreitstein&#8220;.<br \/>\nDer zweite Kandidat war der Trierer Dompropst Karl Ernst von Breidbach &#8211; B\u00fcrresheim. Er hatte die Unterst\u00fctzung seines Bruders, des Mainzer Kurf\u00fcrsten, und war in den vatikanischen Kreisen beliebt. Aber seine herrische Art und seine Ablehnung des Kaiserhauses sprachen auch gegen ihn.<br \/>\nDer dritte Kandidat war Clemens Wenzeslaus als einer &#8222;extra gremium&#8220; &#8211; also von au\u00dferhalb. Da verzichtete Boos &#8211; wohl aus taktischen Gr\u00fcnden &#8211; auf seine Kandidatur und stellte sich hinter die Bewerbung von Clemens Wenzeslaus. Er will f\u00fcr ihn die Mehrheit der Stimmen im Domkapitel sichern, verlangte aber als Preis seine eigene Absicherung. Boos gelang es tats\u00e4chlich von dem zeitweilig im Koma liegenden Kurf\u00fcrsten Walderdorff die Zustimmung zu seinem Plan zu erhalten. Dann reiste er sofort nach Freising, um mit Clemens Wenzeslaus die Wahlkapitulation, d.h. den Vertrag zwischen dem Domkapitel und dem Kandidaten, abzustimmen. Danach sollte Clemens Wenzeslaus die Privatschulden des Kurf\u00fcrsten in H\u00f6he von 100.000 Gulden \u00fcbernehmen, sich beim franz\u00f6sischen K\u00f6nig Ludwig XV. f\u00fcr die Zahlung der ausstehenden Kriegsentsch\u00e4digungen einsetzen, jedem Domkapitular 12.000 Gulden zahlen, der Familie und Hofhaltung des Kurf\u00fcrsten Straffreiheit zusichern und die Personalentscheidungen des Domkapitels w\u00e4hrend der Vakanz nachtr\u00e4glich billigen. Au\u00dferdem musste Clemens Wenzeslaus zusichern, erst nach dem Tod des Kurf\u00fcrsten oder wenn dieser ihn (wider Erwarten) zur Mitarbeit rufe, in das Kurf\u00fcrstentum zu kommen. Als Gegenleistung sicherte Boos die einstimmige Wahl zum Koadjutor mit Nachfolgerecht durch das gesamte Domkapitel zu.<br \/>\nAufgrund der politischen Gro\u00dfwetterlage (Seeblockade Englands) und der b\u00fcrgerkriegs\u00e4hnlichen Unruhen im Kurf\u00fcrstentum (Studentenrevolte), gab es zwar noch erhebliche Widerst\u00e4nde gegen Clemens Wenzeslaus, doch nach Eingang eines p\u00e4pstlichen Breve, galt seine Wahl durch das Trierer Domkapitel als gesichert und sollte am 19. Januar 1768 stattfinden. Doch am 10. Januar starb der Kurf\u00fcrst Johann Philipp von Walderdorff und wurde im Trierer Dom beigesetzt. Statt der Wahl eines Koadjutors stand nun die Wahl des neuen Kurf\u00fcrsten an. Die Empfehlung der Kaiserin Maria Theresia und neue Zusicherungen an das Domkapitel gab den Ausschlag f\u00fcr Clemens Wenzeslaus als neuer Kurf\u00fcrst von Trier. Durch p\u00e4pstliches Breve wurde au\u00dferdem gesichert, dass dieser Freising und Regensburg bis zur \u00dcbernahme des Bistums Augsburg beibehalten durfte. Am 10. Februar 1768 wurde Clemens Wenzeslaus nach einer Messe mit Weihbischof Hontheim vom Trierer Domkapitel einstimmig per Akklamation gew\u00e4hlt. Der Domdekan nahm in seinem Namen die Wahl an. Als Kurf\u00fcrst von Trier schloss Clemens Wenzeslaus seine Karriere durch einen weiteren erfolgreichen Pfr\u00fcndenhandel ab: Der F\u00fcrstpropst von Ellwangen, Anton Ignaz von Fugger, vermittelte dem 13j\u00e4hrigen kaiserlichen Prinzen Maximilian Anton, Sohn von Kaiser Franz und seiner Gemahlin Maria Theresia, die Mitgliedschaft im K\u00f6lner Domkapitel und damit die Voraussetzung f\u00fcr seine sp\u00e4tere Wahl zum K\u00f6lner Kurf\u00fcrsten. Daf\u00fcr setzte sich Clemens Wenzeslaus daf\u00fcr ein, dass der F\u00fcrstpropst seine Nachfolge als Bischof von Regensburg antreten konnte. Als Abschluss dieses &#8222;Wettiner Kuhhandels&#8220; wurde Clemens Wenzeslaus Koadjutor von Ellwangen und sp\u00e4ter dessen F\u00fcrstpropst. (Anm.:90) Damit war er einer der einflussreichsten Hierarchen der Katholischen Reichskirche.<\/p>\n<div id=\"attachment_1141\" style=\"width: 292px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-038-a.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1141\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1141 \" title=\"clemw-038-a\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-038-a-282x300.jpg\" alt=\"\" width=\"282\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-038-a-282x300.jpg 282w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-038-a.jpg 471w\" sizes=\"(max-width: 282px) 100vw, 282px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1141\" class=\"wp-caption-text\">Das Wappen von Clemens Wenzeslaus. Quelle: wikimedia.<\/p><\/div>\n<p>Anmerkungen<br \/>\n66 Raab, Bischof und F\u00fcrst (1989) 319; vgl. ders. Art. Geistlichkeit, in: Lexikon zum aufgekl\u00e4rten Absolutismus in Europa (2005).<br \/>\n67 Das P\u00e4pstliche Besetzungsrecht war durch den Westf\u00e4lischen Frieden au\u00dfer Kraft gesetzt worden; ebd. 325.<br \/>\n68 Die vier Sitzungen des Konzils fanden zwischen 1545 und 1564 statt.<br \/>\n69 In der Regel durch einen Nuntius bzw. dessen Delegaten ausgesprochn.<br \/>\n70 Aministrator f\u00fcr die staatlichen und kirchlichen Belange. Vgl. Raab Bischof und F\u00fcrst (1989), 329.<br \/>\n71 So sein Alter, das Fehlen der theologischen Ausbildung und der h\u00f6heren Weihen.<br \/>\n72 Marx gibt den 17. Mai als Datum an.<br \/>\n73 Gleichzeitig F\u00fcrstbischof von M\u00fcnster, Hildesheim, Paderborn und Osnabr\u00fcck. Vgl. Raab, Clemens Wenzeslaus (1962), 129.<br \/>\n74 \u20141758 hatten die Landst\u00e4nde des Herzogtums Kurland den Bruder von Clemens Wenzeslaus, den Sachsenprinzen Karl, zum Herzog gew\u00e4hlt. Als Entsch\u00e4digung f\u00fcr annektierte Gebiete wollte Russland dem gew\u00e4hlten Herzog die s\u00e4kularisierten Hochstifte Paderborn und Hildesheim anbieten. Dieser L\u00e4nderschacher wurde aber vom S\u00e4chsischen Kurf\u00fcrsten Friedrich August II. in seiner Eigenschaft als polnischer K\u00f6nig vereitelt. So zerschlugen sich alle Hoffnungen f\u00fcr Clemens Wenzeslaus.<br \/>\n75 Im Abkommen von Engers verzichtete der Trierer Kurf\u00fcrst gegen betr\u00e4chtliche Geldzahlungen und Rechte auf seine Kandidatur. Vgl. Raab, Clemens Wenzeslaus (1962), 174.<br \/>\n76 Der gleichzeitig Bischof von Regensburg und Freising war.<br \/>\n77 Raab, Clemens Wenzeslaus (1962), 184.<br \/>\n78 So beschreibt es Clemens Wenzeslaus in einem Brief an seinen Bruder Friedrich Christian; vgl. Raab, Clemens Wenzeslaus (1762), 190.<br \/>\n79 Ebd. 158.<br \/>\n80 Vgl.ebd. 194<br \/>\n81 Die p\u00e4pstlichen Dispensen erlaubten mittlerweile in der Regel nur die Besitznahme von 2 Bist\u00fcmern.<br \/>\n82 Wenn die im Breve genannte Besetzungsfrist nicht eingehalten wurde, konnte die Entscheidung an den Papst zur\u00fcckfallen.<br \/>\n83 Vgl. ebd. 239f.<br \/>\n84 Vgl. W\u00e4chter, Degen und Krummstab (1978),128ff.<br \/>\n85 Vgl. Kraus, ADB (1876),<br \/>\n86 Raab, Bischof und F\u00fcrst (1989); &gt;Dispens wegen fehlendem Doktorgrad und fehlender Priesterweihe.<br \/>\n87 Ebd. 329<br \/>\n88 Heim Manfred, Die Bischofsweihe (2003). Der Bericht ist in der Sprache der barockenen Hofsprache verfasst. Deshalb wird hier der Originalbuchtitel wieder gegeben. &#8222;Beschreibung derer Bey vorgewest- unterm 10.ten August des Ein Tausend Siebenhundert Sechs- und Sechzigsten Jahrs Vollzogene Consecration Des Hochw\u00fcrdigst-Durchlauchtigen F\u00fcrsten und Herrn Clementis Wenceslai Bischoffen zu Freysing und Regenspurg, Dann Koadjutoris zu Augspurg, K\u00f6nigl. Prinzen in Pohlen, und Lithauen, Herzogen zu Sachsen, J\u00fclich, Cleve, Bergen, Engern und Westphalen, Landgrafen in Th\u00fcringen, Marggrafen zu Mei\u00dfen, dann der Ober- und Niedern-Lau\u00dfniz, des Heil.R\u00f6m. Reichs F\u00fcrsten, gef\u00fcrsteten Grafen zu Henneberg, Grafen zu der Mark, Ravensperg, Barby und Hanau, Herrn zu Rabenstein etc.etc. Vorangegangenen Feyerlichkeiten. Verfa\u00dft Von einem in tieffster Ehrforcht treu gehorsamsten Diener, Zu Freysing, Im offentlichen Druck gegeben bey Philipp Ludwig B\u00f6ck, Hochf\u00fcrstlich Bisch\u00f6flichen Hof- und Lyceischen Buchdrucker.&#8220;<br \/>\n89 Vgl. Raab, Clemens Wenzeslaus (1962), 263ff<br \/>\n90 Raab, Bischof und F\u00fcrst (1989); 326.<\/p>\n<h2>III. Seine Eminenz<\/h2>\n<h3>1. Erzstift und Erzbistum Trier<br \/>\nBischof und Landesherr<br \/>\nErzbistum und Kurf\u00fcrstentum Trier um 1600.<\/h3>\n<div id=\"attachment_1143\" style=\"width: 217px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-047-a.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1143\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1143 \" title=\"clemw-047-a\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-047-a-207x300.jpg\" alt=\"\" width=\"207\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-047-a-207x300.jpg 207w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-047-a.jpg 414w\" sizes=\"(max-width: 207px) 100vw, 207px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1143\" class=\"wp-caption-text\">Clemens Wenzeslaus als Kurf\u00fcrst. Quelle: Wikimedia.<\/p><\/div>\n<p>Als geistlicher Kurf\u00fcrst kam Clemens Wenzeslaus in eine doppelte Funktion: als Kurf\u00fcrst wurde er Landesherr des Erzstiftes Trier und als Erzbischof oberster Geistlicher des Bistums. Au\u00dferdem waren mit dieser Doppelfunktion andere Aufgaben verbunden; als einer der sieben deutschen Kurf\u00fcrsten hatte er das Wahlrecht f\u00fcr den deutschen K\u00f6nig, als Erzbischof war er zust\u00e4ndig f\u00fcr die Suffraganbist\u00fcmer Metz, Toul und Verdun. Die beiden Gewalten Kurf\u00fcrst und Erzbischof waren nicht deckungsgleich, denn das Erzstift war wesentlich kleiner als das Erzbistum und in den protestantischen Gebieten sowie in den vielen Kleinherrschaften hatte der Kurf\u00fcrst keine Macht oder nur sehr eingeschr\u00e4nkt, oft war auch der Grenzverlauf unregelm\u00e4\u00dfig und unklar. Das Erzbistum Trier umfasste auch die franz\u00f6sischen und einige Landesherrschaften auf der rechten Rheinseite. Die kirchliche Leitung der Erzdi\u00f6zese lag deshalb weitgehend in der Hand der Weihbisch\u00f6fe.<br \/>\nNach einer Z\u00e4hlung von 1789 umfasste das Kurf\u00fcrstentum Trier 217 762 Einwohner und sein Territorium 5404 Quadratkilometer, dies entsprach einer Bev\u00f6lkerungsdichte von 40,3 Einwohner pro Quadratkilometer. (Anm.:91) Die Verwaltung des Kurf\u00fcrstentums war zweigeteilt in das Oberstift (Trier) und das Niederstift (Koblenz). 1672 hatte Kurf\u00fcrst Johann Hugo von Orsbeck die gesamte kurf\u00fcrstliche Verwaltung nach Ehrenbreitstein verlegt, die unter Kurf\u00fcrst Franz Georg Sch\u00f6nborn mit Dikasterialgeb\u00e4ude, Marstall und Hafen repr\u00e4sentative Geb\u00e4ude erhielt. Das Domkapitel des Kurf\u00fcrstentums bestand aus 40 Domherren, die ausschlie\u00dflich adliger Herkunft waren.<br \/>\nAuch das Trierer Domkapitel war eine autonome K\u00f6rperschaft eigenen Rechts, von Steuern und Abgaben befreit und hatte das Recht der freien Zuwahl neuer Mitglieder. An der Spitze standen der Dompropst und der Domdechant. Der Domdechant war gleichzeitig der Vertreter des Kurf\u00fcrsten in der Kommunalverwaltung der Stadt Trier. F\u00fcr die Bewilligung von Steuern des Kurf\u00fcrstentums waren seit 1501 die Landst\u00e4nde zust\u00e4ndig, die in die geistliche Kurie (Klerus) und weltliche Kurie (St\u00e4dte) gegliedert waren. Als Landesherr hatte der Kurf\u00fcrst den Hofrat an seiner Seite, der f\u00fcr die Vorbereitung von Gesetzen und Erlassen, f\u00fcr Justiz, Polizei und Sozialwesen zust\u00e4ndig war, und die Aussicht \u00fcber alle Verwaltungen im Kurf\u00fcrstentum f\u00fchrte. 1768 schuf Clemens Wenzeslaus eine \u00fcbergeordnete Beh\u00f6rde, die Geheime Staatskonferenz, die in vier Departements gegliedert war und als Regierungskabinett unter dem Vorsitz des Kurf\u00fcrsten die gesamte Verwaltung des Kurf\u00fcrstentums koordinierte. (Anm.:92)<\/p>\n<div id=\"attachment_1147\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-056-a.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1147\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1147 \" title=\"clemw-056-a\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-056-a-300x202.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"202\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-056-a-300x202.jpg 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-056-a.jpg 900w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1147\" class=\"wp-caption-text\">Erzstift und Kurf\u00fcrstentum.<\/p><\/div>\n<p>Der Erzbischof war oberster Geistlicher des Trierer Bistums : Nach einer Statistik von 1788 &#8211; 93 hatte das Bistum Trier 540 Pfarreien mit 340.112 Katholiken und 1667 Geistlichen. Da der Andrang auf Klerikerstellen sehr gro\u00df war, wurde seit dem Trienter Konzil nur geweiht, der \u00fcber einen so genannten &#8222;Weihetitel&#8220; &#8211; also eine materiell abgesicherte Pfr\u00fcnde verf\u00fcgte. Weil in den Archiven nur die Namen der adligen Kleriker festgehalten wurden, ist ein \u00dcberblick \u00fcber die tats\u00e4chliche Zusammensetzung des Klerus nicht m\u00f6glich. Es gab zwei unterschiedliche Wege zur Priesterweihe.<br \/>\na) F\u00fcr Mitglieder des Adels gab es zur Vorbereitung den Besuch eines tridentinischen Seminars und dann die Absolvierung eines Universit\u00e4tsstudiums. F\u00fcr den Hohen Adel gab es au\u00dferdem die M\u00f6glichkeit des Studiums in Rom (Germanicum).<br \/>\nb) F\u00fcr die Masse der Kleriker f\u00fchrte der Weg \u00fcber ein langj\u00e4hriges Praktikum bei einem amtierenden Geistlichen.<br \/>\nDie Priesterweihe erfolgte durch einen Bischof in den Hofkapellen oder in einer anderen gr\u00f6\u00dferen Kirche. In der Regel folgte dann die Primiz, das &#8222;erste Lesen der heiligen Messe&#8220;, je nach sozialer Stellung mit unterschiedlichem Aufwand. In der Regel konnten nur Mitglieder des Adels die gut dotierten Pfarreien besetzen. Die anderen Priester hatten entweder eine finanziell abgesicherte Kaplansstelle oder dienten als &#8222;Magister in spiritualibus&#8220; f\u00fcr Kost und Logis bei einem Pfarrer. Um \u00fcberleben zu k\u00f6nnen, arbeiteten diese Hilfspriester oft als Schulmeister oder K\u00fcster &#8211; manche lebenslang. Im Alter verarmten diese Priester oft, besonders wenn sie nicht mehr lesen konnten und so die Messstipendien wegfielen. (Anm.:93) Die Einf\u00fchrung eines Pfarrers war regional durch die Tradition geregelt. Allgemein erfolgte sie aber in Form einer Besitzergreifung: der neue Pfarrer wurde in die Kirche geleitet, leistete hier vor einem Notar und vor Zeugen den Treueeid, ber\u00fchrte nacheinander Altar, Taufstein, Beichtstuhl und die Hostien im Tabernakel, zum Abschluss setzte er sich das Birett auf und erhielt die Schl\u00fcssel des Pfarrhauses. Dann las er die erste Messe als Pfarrer.<br \/>\nSeit dem drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg waren viele Pfarrh\u00e4user zerst\u00f6rt oder im desolaten Zustand. In diesem Fall mussten die Geistlichen irgendwo zur Miete wohnen. Dies \u00e4nderte sich erst im 18. Jahrhundert, nun wurden auch in den St\u00e4dten z.T. luxuri\u00f6se Pfarrh\u00e4user gebaut. Die Eink\u00fcnfte des Pfarrers kamen aus dem kleinen Zehnt (Naturalabgaben), dem Wittum (pfarreigene Felder) und den Stolgeb\u00fchren (Abgaben bei Kulthandlungen). Noch im 16. Jahrhundert gab es unter den Geistlichen viele Konkubinarier. Dies \u00e4nderte sich erst unter dem Kurf\u00fcrsten Hugo von Orsbeck, der am 24. April 1690 allen Geistlichen verbot, &#8222;in ihren Haushaltungen Frauenzimmer, welche im Verdacht eines unz\u00fcchtigen Lebens stehen, aufzunehmen.&#8220; (Anm.:94) Aber die Einhaltung des Z\u00f6libats blieb ein Dauerthema. Geldstrafen, Priestergef\u00e4ngnis oder sogar die Suspension (Amtsenthebung) wurden angedroht bzw. auferlegt. Die Gl\u00e4ubigen wurden regelm\u00e4\u00dfig zur Denunziation ermahnt. 1759 beschwerte sich Papst Clemens XIII. bei Kurf\u00fcrsten von Walderdorff, dass nicht wenige Kanoniker mit Frauen leben w\u00fcrden und sie sogar aus dieser Beziehung Kinder h\u00e4tten. Der Kurf\u00fcrst lie\u00df dieses Schreiben vor dem Domkapitel verlesen, wies aber den Vorwurf als Verleumdung zur\u00fcck. (Anm.:95)<br \/>\nDas Trienter Konzil hatte f\u00fcr Geistliche eine eigene Kleidung vorgeschrieben. In der Regel war dies die schwarze Soutane, die in der katholischen Kirche den schwarzen Gelehrtenrock verdr\u00e4ngte, und ein wei\u00dfer Kragen. 1678 erlie\u00df der Kurf\u00fcrst von Orsbeck ein Dekret, in dem er unter Androhung schwerer Strafen vorschrieb, dass Geistliche Klerikalkleidung von schwarzer Farbe, kurzes Haar und eine anst\u00e4ndige Tonsur tragen m\u00fcssten. Auch auf Reisen m\u00fcsse sich der Geistliche so kleiden, dass er von einem Laien deutlich zu unterscheiden sei. Aber auch hier gab es die M\u00f6glichkeit einer Dispens bis hin zum Tragen einer Per\u00fccke. (Anm.:96)<br \/>\nZu der Vielschichtigkeit des Pfarrklerus kamen die Kollegiatsstifte (Anm.:97), die sich seit dem Mittelalter gebildet hatten. Die feste Zahl der Kanoniker war materiell gut ausgestattet und zum gemeinsamen Chorgebet verpflichtet. Im Bistum Trier gab es zu Beginn des 18. Jahrhunderts 18 Kollegiatsstifte, darunter St. Severus in Boppard, St. Marien in Kyllburg und St. Florin in Koblenz. Durch die Einbindung in die Seelsorge hatte das jeweilige Stiftskapitel eine F\u00fclle von Aufgaben zu organisieren.<br \/>\nZu den bisch\u00f6flichen Aufgaben geh\u00f6rte auch die Aufsicht \u00fcber die Kl\u00f6ster, soweit sie nicht in den reformatorischen Gebieten bereits aufgel\u00f6st waren. Wegen der genossenschaftlich und die L\u00e4ndergrenzen \u00fcberschreitenden Organisation der traditionellen Kl\u00f6ster und den vielen p\u00e4pstlichen Privilegien war es schon immer zu Spannungen zu den Bisch\u00f6fen gekommen. Im 18. Jahrhundert bezog sich die Einflussnahme der Bisch\u00f6fe besonders auf Anhebung des Bildungsstandes der Ordenspostulanten, Einbeziehung der Priesterm\u00f6nche in die Seelsorge und die Abschaffung von Missbr\u00e4uchen wie Aufnahmegelder, k\u00f6rperlicher Z\u00fcchtigung und Z\u00f6libatsverst\u00f6\u00dfen. (Anm.:98)<br \/>\nEin besonders schwieriges Problem wurde die Wahl eines neuen Abtes. F\u00fcr die Pr\u00e4monstratenserabtei Sayn war der Pater Abbas des Mutterklosters Steinfeld zust\u00e4ndig. Dieser nominierte einen Kandidaten, moderierte selbst oder durch einen Delegaten die Wahl und gab dem Neugew\u00e4hlten die Best\u00e4tigung. Danach wurde der Gew\u00e4hlte dem Erzbischof pr\u00e4sentiert und von diesem im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes geweiht (Benediktion). Der Geweihte war verpflichtet, seinem Erzbischof Ehrfurcht und Gehorsam zu versprechen und dieses Gel\u00f6bnis durch Unterschrift und Siegel zu bekr\u00e4ftigen.<br \/>\nBereits der Sayner Graf Heinrich IV., der f\u00fcr die ganze Grafschaft den lutherischen Glauben einf\u00fchrte, versuchte 1592 die Abtswahl zu beeinflussen, um f\u00fcr die katholisch gebliebene Abtei wenigstens einen ihm genehmen Kandidaten durchzusetzen. Doch dem Kurf\u00fcrsten Johann gelang es mit Hermann Kray einen ihm genehmen Kandidaten \u00fcberst\u00fcrzt w\u00e4hlen zu lassen, obwohl der Pater Abbas von Steinfeld seine Zustimmung zu Kandidat und Verfahren verweigerte. Da 1604, nach dem Tod von Graf Heinrich IV. von Sayn Kurtrier das diesem verliehene Lehen zur\u00fccknahm und Sayn damit wieder Teil des Trierer Erzstiftes wurde, gingen die Anspr\u00fcche der Kurf\u00fcrsten auf die Abtswahl weiter. 1698 kam es zum offenen Konflikt, als Erzbischof Johann Hugo darauf bestand, zur Abtswahl einen bisch\u00f6flichen Kommissar zu schicken und durch diesen die Wahl moderieren und die Best\u00e4tigung des Gew\u00e4hlten geben zu lassen. Dem gew\u00e4hlten Abt Colendal gelang es aber, die alten Rechte durchzusetzen. Die Abtswahl 1777 vollzog sich nach der alten Ordnung unter der Leitung der \u00c4bte von Steinfeld und Rommersdorf. Nach der Wahl wurde der neue Abt Adolph Hirsch am 1. September 1777 um 12 Uhr dem Kurf\u00fcrsten Clemens Wenzeslaus in K\u00e4rlich vorgestellt. Dieser zeigte sich von seiner besten Seite, best\u00e4tigte ohne Vorbehalt die Wahl und lud den neuen Abt zum Mittagessen ein. Am 20. September 1777 erfolgte in der Hofkapelle die Abtsweihe durch den Kurf\u00fcrsten mit Assistenz der \u00c4bte von Maria Laach und Rommersdorf die Abtsweihe.<br \/>\n&#8222;Nach der Feier suchte Abt Hirsch mit den beiden anderen \u00c4bten das Antichambre Sr. Durchlaucht auf und baten um Audienz, die ihnen durch Vermittlung des Obristk\u00e4mmerers auch gew\u00e4hrt wurde. Diese Gelegenheit benutzte der Geweihte zu einer sehr verbindlichen Dankansprache an den Kurf\u00fcrsten, worauf dieser dem Abt Gl\u00fcck w\u00fcnschte und sich in die Gebete des Sayner Konventes empfahl. Sodann folgte man einer Einladung zur kurf\u00fcrstlichen Tafel und nahm beim Festmahl die Pl\u00e4tze nach Anweisung des Hofmarschalls ein, Abt Hirsch neben der bei Hofe weilenden Prinzessin Cunigunde. Nachdem die Tafel aufgehoben war, wurden die drei Pr\u00e4laten mit der Hofkutsche zu ihren Quartieren geleitet. Hiermit nahm ein festlicher und f\u00fcr den Sayner Abt bedeutender Tag sein Ende.&#8220; (Anm.:99) Aber bereits bei der n\u00e4chsten Abtswahl 1789 war die alte innerkl\u00f6sterliche Ordnung aufgegeben. Der &#8222;Geist des Febronius&#8220; hatte sich auch in der Sayner Abtei durchgesetzt. Ohne Widerstand der Mutterabtei wurde Kurf\u00fcrst Clemens Wenzeslaus vom Konvent gebeten, die Wahl durch einen Bisch\u00f6flichen Wahlkommissar zu moderieren. Damit war eine zweihundertj\u00e4hrige Auseinandersetzung zwischen der Mutterabtei Steinfeld und dem Trierer Kurf\u00fcrsten zu dessen Gunsten beendet.<br \/>\nDas liturgische Leben der Trierischen Kirche (Anm.:100):<br \/>\nDie Antwort der katholischen Kirche auf die Reformation war ein vielstimmig. Neben der dogmatischen Bekr\u00e4ftigung der r\u00f6mischen Glaubenslehre kamen auch viele Erneuerungen der kirchlichen Praxis. Zwar wurde die lateinische Sprache beibehalten, da das Deutsche mittlerweile zu einem Kennzeichen der evangelischen Gottesdienste geworden war. Aber die aktivere Einbeziehung des Kirchenvolkes in die katholische Messe war ein deutliches Anliegen. Deshalb wurden die Priester zu Katechese und Predigt neu verpflichtet. Da das Konzil die Herausgabe neuer liturgischer B\u00fccher nicht mehr leisten konnte, wurde diese Aufgabe an den Papst delegiert. Damit entstand eine Spannung zur traditionellen bisch\u00f6flichen Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr die Gottesdienste. In rascher Folge erschienen in Rom eine Reihe p\u00e4pstlich approbierter liturgischer B\u00fccher: Das R\u00f6mische Brevier, das Tridentinische Messbuch, das R\u00f6mische Martyrologium, das Bisch\u00f6fliche Zeremoniarbuch und als letztes das R\u00f6mische Sakramentenbuch (Rituale Romanum). Die katholische Liturgie wurde nun zunehmend eine Kopie der R\u00f6mischen Praxis. Alle Versuche, die alten regionalen Bistumstraditionen wieder zu beleben, scheiterten letztlich bis auf tolerierte Einzelst\u00fccke wie die Festtage f\u00fcr Ortsheilige. Die 1588 durch Papst Sixtus V. neu eingerichtete Ritenkongregation der r\u00f6mischen Kurie sollte diesen Prozess koordinieren und korrigieren.<br \/>\nDas gottesdienstliche Leben ist uns \u00fcber das Trierer Provinzialkonzil von 1549, das f\u00fcr das Bistum Trier das Trienter Konzil beenden sollte, \u00fcberliefert. Die Reform der katholischen Kirche wurde mittlerweile auch durch den Kaiser vorangetrieben. Das Provinzialkonzil hatte vor allem die gro\u00dfen Kirchen als Vorbilder im Blick. Stundengebet und Konventmesse wurden neu verpflichtet. Auch in den Zeiten von Ernte und Lese durften die Gottesdienste nicht unterbrochen werden. Die Privatmessen an den Nebenalt\u00e4ren wurden eingeschr\u00e4nkt. Die Priester sollten nicht w\u00e4hrend der Konventamtes in der Kirche herumlaufen und dabei ihr Brevier (im Gehen) beten. Ein fast unl\u00f6sbares Problem war die gebannte Fixierung der Gl\u00e4ubigen auf die Elevation der Hostie bei der Wandlung. Hier gab es viele Missbr\u00e4uche wie das Hostienlaufen (von Kirche zu Kirche laufen und immer bei der Wandlung dabei sein) oder das sofortige Verlassen der Kirche nach der Wandlung. Auf Schwierigkeiten stie\u00dfen die Ermahnungen zur \u00f6fteren Kommunion. Die angemahnte viermalige Kommunion zu den Hochfesten b\u00fcrgerten sich nur in wenigen Gemeinden ein. Dies hing auch mit der geforderten Beichte zusammen.<br \/>\nDie Sonntagsmesse wurde grunds\u00e4tzlich als lateinisches Choralamt gefeiert. In den kleineren Gemeinden musste man sich behelfen, da eine Schola oder ein Chor nicht zur Verf\u00fcgung stand. Hier musste oft der K\u00fcster einspringen oder die Texte wurden nur angesungen. \u2014 &#8222;F\u00fcr die Mehrzahl der Anwesenden bestand die Teilnahme an der Messe im Schauen und H\u00f6ren dessen, was der Priester am Altare tat und im Wechsel mit dem K\u00fcster bzw. den Ministranten und Chorals\u00e4ngern betete und sang. Den Gl\u00e4ubigen wurde gesagt, sie sollten w\u00e4hrend der Messe still f\u00fcr sich beten und das Leiden Christi betrachten&#8230;..Im Gang des Priesters zum Altar sah man den Gang Jesus zum \u00d6lberg abgebildet. Die Erhebung der Hostie bei der Wandlung bedeutete Christi Erh\u00f6hung am Kreuz. Wenn der Priester gegen Ende des Kanons sich an die Brust schlug, f\u00fchlte man sich an den Hauptmann unter dem Kreuz erinnert. Der Abschlusssegen erinnerte an den Segen des Auferstandenen bei der Himmelfahrt.&#8220; (Anm.:101)<\/p>\n<p>Das Volk betete laut oder leise den Rosenkranz. Die Teilnahme des Volkes an der Messe bestand im Schauen und H\u00f6ren, was der Priester am Altare tat.<br \/>\nIm Mittelpunkt der katholischen Eucharistiefr\u00f6mmigkeit stand die Anbetung der Hostie. W\u00e4hrend der Priesterkommunion wurde den Gl\u00e4ubigen empfohlen, \u2014 &#8222;geistlich sich mit Jesus zu vereinen&#8220;. Hier war der Grenzgraben auch zu den Lutheranern ganz scharf gezogen. Die verpflichtende Osterkommunion &#8211; verbunden mit der Beichte &#8211; wurde durch bisch\u00f6fliches Dekret angeordnet und kontrolliert (Beichtzettel). Da das einfache Volk nicht lesen konnte, brauchte es auch keine Gebetb\u00fccher. Rosenkranz, Litaneien und Mariengebete waren der Grundstock f\u00fcr die pers\u00f6nliche Gottesdienstteilnahme. Das Trienter Konzil machte auch die Predigt in der Volkssprache verpflichtend. Nach der Predigt wurden oft die Erweckung von Glaube, Hoffnung und Liebe verlangt.<br \/>\nDa die katholische Kirche die Kindertaufe sofort nach der Geburt eines Kindes beibehielt, bezogen sich die nachtridentinischen Reformen auf die Beseitigung von Missst\u00e4nden. (Anm.:102) W\u00e4hrend es den Herrscherh\u00e4usern erlaubt war, die Taufe in ihrer jeweiligen Privatkapelle vollziehen zu lassen, wurde den &#8222;normalen&#8220; Gl\u00e4ubigen die Taufe in der zust\u00e4ndigen Pfarrkirche vorgeschrieben. Da es offensichtlich viele Versuche gab, dieses Gebot zu unterlaufen, drohte 1719 der Kurf\u00fcrst Franz Ludwig von Pfalz- Neuburg den ungehorsamen Priestern mit der sofortigen Suspension. Im Mittelalter hatte der Missbrauch, die Zahl der Paten inflation\u00e4r zu steigern, zugenommen. Dagegen anzugehen, sahen sich auch die reformatorischen Landesherrn in der Pflicht. Im Bistum Trier wurde die Begrenzung des Trienter Konzils auf h\u00f6chstens zwei Paten \u00fcbernommen. Relativ erfolglos waren die Bem\u00fchungen der Kurf\u00fcrsten, auf den D\u00f6rfern die Zahl der begleitenden Nachbarsfrauen einzuschr\u00e4nken. 1784 erlie\u00df sogar der Kurf\u00fcrst Clemens Wenzeslaus ein Dekret, das nur vier &#8222;Nachbarsweiber&#8220; bei der Taufe in der Kirche und der anschlie\u00dfenden Feier zu Hause zulie\u00df. Um die Heiligenverehrung bei der Tauffeier zu integrieren, musste dem getauften Kinde der Name eines Heiligen gegeben werden. Namenspatron und Namenstag wurden so zu einem typischen katholischen Unterscheidungsmerkmal gegen\u00fcber der Reformation. Unnachgiebig blieb die katholische Kirche im Verbot, ungetaufte totgeborene Kindern in geweihter Erde zu bestatten. Noch 1599 z\u00e4hlte der Kurf\u00fcrst Lothar von Metternich einen Versto\u00df zu den schweren Strafdelikten.<br \/>\nIn der katholischen Kirche blieb die Privatbeichte in einem Beichtstuhl bei einem geweihten Priester vorgeschrieben. Wenn die vorgeschriebene Osterbeichte au\u00dferhalb der eigenen Pfarrei geleistet wurde, war in der Regel der Nachweis durch einen Beichtzettel gefordert. Im Bistum Trier gab es noch bis zur S\u00e4kularisation den Brauch, dass die \u00f6ffentliche Kirchenbu\u00dfe verh\u00e4ngt wurde. An drei Sonntagen musste der P\u00f6nitent mit einer brennenden Kerze in der Hand vor dem Allerheiligsten knien oder an einem Marienwallfahrtsort beichten. (Anm.:103) Brautleute mussten vor der Hochzeit beichten und bei der Trauungsmesse zu Kommunion gehen.<br \/>\nDie Firmung wurde in der Regel durch die Weihbisch\u00f6fe vollzogen, wenn sie zu einer beliebigen Gelegenheit anwesend waren. Das gl\u00e4ubige Volk hatte kaum Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den sakramentalen Sinn der Handlung. Dazu kamen magische Vorstellungen. Die gesalbte Stirn musste durch eine Binde vor unw\u00fcrdigem Ber\u00fchren gesch\u00fctzt werden. Erst durch die Aufkl\u00e4rung setzte sich die Firmvorbereitung durch. Es war ein Novum, als der Kurf\u00fcrst Clemens Wenzeslaus am 14. April 1782 in Koblenz Liebfrauen selbst die Firmung spendete. F\u00fcr die katechetische Vorbereitung der Firmlinge aus Koblenz und Umgebung hatte er vorher eine genaue Anweisung gegeben. Clemens Wenzeslaus schafft auch die Firmbinde ab und l\u00e4sst statt dessen nach der Salbung, die Stirn des Firmlings durch einen Priester mit einem Wattebausch reinigen. (Anm.:104)<br \/>\nEigentlich alle Trierer Kurf\u00fcrsten mussten gegen die vielen \u00dcbertreibungen und Missbr\u00e4uche im Bestattungswesen ank\u00e4mpfen. 1777 erlie\u00df Clemens Wenzeslaus eine Ordnung gegen &#8222;eitele Ceremonien, Ueppigkeiten und verderbliche Verschwendungen bei Sterbef\u00e4llen&#8220; (Anm.:105) Allerdings wurden die vielen Beschr\u00e4nkungen vom Adel unter Berufung auf Traditionsregeln unterlaufen. Durchgesetzt haben sich aber u.a. das Verbot der Bestattung in Kirchen, die Anlage von Reihengr\u00e4bern und die Durchf\u00fchrung von Familienfesten auf dem Friedhof. Unter Berufung auf die Volksgesundheit wurden neue Friedh\u00f6fe in der Regel au\u00dferhalb der Stadt angelegt und die Ossuarien (Beinh\u00e4user) verboten.<\/p>\n<p>Anmerkungen<br \/>\n91 Vgl. Laufner Richard, Die Aufkl\u00e4rung (1989).<br \/>\n92 Ebd.<br \/>\n93 Vgl. Persch Martin, Der Klerus des Erzbistums; in: Geschichte des Bistums Trier Bd. III, Kirchenreform und Konfessionsstaat, hg. Von Bernhard Schneider, Trier 2010.<br \/>\n94 Vgl. Persch Martin, Der Klerus des Erzbistums (2010), 220.<br \/>\n95 Vgl. Persch Martin, Der Klerus des Erzbistums (2010), 220. Ob sich die R\u00fcge des papstes nur auf die Kapitulare des Domkapitels bezog oder aber auch die der Stiftskapitel, konnte nicht gekl\u00e4rt werden.<br \/>\n96 Vgl. Persch Martin, Der Klerus des Erzbistums (2010), 223.<br \/>\n97 Vgl. Persch Martin, Der Klerus des Erzbistums (2010), 233 ff.<br \/>\n98 Vgl. Kemp, Abtswahl<br \/>\n99 Kemp, Sayner Abtswahl<br \/>\n100 Vgl. Heinz Andreas, Das liturgische Leben der Trierischen Kirche zwischen Reformation und S\u00e4kularisation; in:Geschichte des Bistums Trier, Bd. III Kirchenreform und Konfessionsstaat, hg. Von Bernhard Schneider, Trier 2010, S. 267 ff.<br \/>\n101 Vgl. Heinz Andreas, Das liturgische Leben der Trierischen Kirche zwischen Reformation und S\u00e4kularisation; in:Geschichte des Bistums Trier, Bd. III Kirchenreform und Konfessionsstaat, hg. Von Bernhard Schneider, Trier 2010, S. 291 ff.<br \/>\n102 Vgl. Heinz Andreas, Das liturgische Leben, 297 (2010). Im Laufe der Aufkl\u00e4rung kam es aber zu einer vor\u00fcbergehenden Zulassung der Privattaufe. Der Trierer Bischof Josef von Hommer empfahl sie sogar, wenn es die Eltern w\u00fcnschten.<br \/>\n103 Vgl. Heinz Andreas, Das liturgische Leben, 305ff, (2010)<br \/>\n104 Vgl. Heinz Andreas, Das liturgische Leben, 304ff, (2010)<br \/>\n105 Vgl. Heinz Andreas, Das liturgische Leben, 311ff, (2010)<\/p>\n<h3>2. Die Vorg\u00e4nger auf dem Trierer Kurf\u00fcrstenstuhl. (Anm.:106)<\/h3>\n<p>&#8222;Nicht ohne h\u00f6chliche Mi\u00dfbilligung mu\u00df der Kirchenhistoriker die Beobachtung machen, da\u00df w\u00e4hrend des siebenzehnten und achtzehnten Jahrhunderts die von \u00e4lteren und neuern Canones so streng verbotene Cumulation von Benefizien an den deutschen Erz- und Hochstiften zu einem h\u00e4\u00dflichen Ueberma\u00df angewachsen ist&#8220;, r\u00fcgte Marx in seiner Trierer Kirchengeschichte 100 Jahre sp\u00e4ter. (Anm.:107) Die Kumulation, die sich zun\u00e4chst nur auf das Benefizium (Verm\u00f6gen) bezog, unterlief auch die Residenzpflicht, und das p\u00e4pstliche Dispenswesen unterh\u00f6hlte die geistliche Aufgabe.<br \/>\nLothar von Metternich (1599-1623), Domkapitular in Minden, M\u00fcnster und Trier, erhielt die Priester- und Bischofsweihe nach Wahl durch das Domkapitel und der P\u00e4pstlichen Best\u00e4tigung.<br \/>\nPhilipp Christoph von S\u00f6tern (1623-1652), ein qualifizierter Kirchenbeamter und erfolgreicher Pfr\u00fcndenj\u00e4ger, wurde 1610 Bischof von Speyer und lie\u00df sich zwei Jahre sp\u00e4ter die Bischofsweihe erteilen. Unter Beibehaltung all seiner bisherigen \u00c4mter wurde er 1723 Kurf\u00fcrst von Trier.<br \/>\nKarl Kaspar von der Leyen (1652-1676) wurde als Trierer Koadjutor 1652 Kurf\u00fcrst von Trier und empfing im Trierer Karth\u00e4userkloster im gleichen Jahr die Bischofsweihe.<br \/>\nJohann Hugo von Orsbeck (1676 . 1711) wurde auf Vorschlag seines kurf\u00fcrstlichen Onkels zum Trierer Koadjutor gew\u00e4hlt, wurde dann Bischof von Speyer und unter Beibehaltung seiner \u00c4mter Kurf\u00fcrst von Trier. 1674 erhielt er die Priesterweihe und ein Jahr nach seiner Ernennung zum Kurf\u00fcrsten lie\u00df er sich durch seinen Weihbischof die Bischofsweihe erteilen.<br \/>\nKarl Josef von Lothringen (1711-1715) war ein barocker F\u00fcrst durch und durch. Als Jugendlicher hatte er die Bist\u00fcmer Olm\u00fctz und Osnabr\u00fcck als Pfr\u00fcnden erhalten und lie\u00df sich dann noch zum Kurf\u00fcrsten von Trier w\u00e4hlen. Er hatte weder die Priester- noch die Bischofsweihe.<br \/>\nFranz Ludwig von Pfalz-Neuburg (1716-1729) wurde F\u00fcrstbischof von Breslau und Worms, Hochmeister des Deutschen Ordens und F\u00fcrstpropst von Ellwangen. Unter Beibehaltung der bisherigen \u00c4mter wurde er Trierer Kurf\u00fcrst. Priester- und Bischofsweihe lie\u00df er sich nicht erteilen, wohl aber das Koadjutorrecht des Mainzer Kurf\u00fcrstentums. 1729 tauschte er die Kurw\u00fcrde von Trier gegen Mainz.<br \/>\nFranz Georg von Sch\u00f6nborn ( 1729 &#8211; 1756), Inhaber vieler Domherrenpfr\u00fcnden, wurde als Trierer Dompropst zum Kurf\u00fcrsten von Trier gew\u00e4hlt. Marx schrieb \u00fcber ihn: &#8220; Als Franz Georg (von Sch\u00f6nborn 1729 &#8211; 1756) sich sogleich nach seiner Erw\u00e4hlung die bisch\u00f6flichen Weihen hatte geben lassen und im Dom das Hochamt celbrirte, die Gesta dieses als etwas Au\u00dferordentliches aufzeichneten, mit dem bemerken, da\u00df solches in beil\u00e4ufig 140 Jahren nicht mehr im Dome gesehen worden sei.&#8220; (Anm.:108) Franz Georg Sch\u00f6nborn war eine der positivsten Gestalten unter den Trierer Kurf\u00fcrsten. Obwohl er in seinem Umgang mit den Menschen als unbeherrscht beschrieben wurde, war er Landesherr und Bischof in g\u00fcltiger Weise.<\/p>\n<p>Aufgrund des franz\u00f6sischen Einflusses wurde Johann Philip von Walderdorff (1756-1786), der bereits die Trierer Laufbahn durchlaufen hatte, sein Nachfolger im Kurf\u00fcrstenamt. Bei ihm waren die geistlichen Formalien richtig gelaufen: Domherr, Generalvikar, Domdechant, Koadjutor, Erzbischof. Er lie\u00df sich sowohl die Priester- wie die Bischofsweihe erteilen. Marx bescheinigte ihm &#8222;Herzensg\u00fcte&#8220;, &#8222;leutselig und freundlich ging er mit seinen Unterthanen wie ein Vater mit seinen Kindern um&#8220;. Aber &#8222;war er auch fromm, so schlug doch der ganze Ton an seinem Hofe stark ins Weltliche, Prunkende; die Liebhabereien an Uhren Tabatieren, Kleiderpracht, Schmucksachen, kostbaren Meubeln, an der Jagd und kleinen Hunden lassen, bei allen sonstigen liebensw\u00fcrdigen Eigenschaften, den n\u00f6thigen Ernst des Mannes und die W\u00fcrde des Bischofs vermissen.&#8220; (Anm.:109) W\u00e4hrend seiner Regierungszeit wurde erlebte das Kurf\u00fcrstentum ziemlich friedliche Zeiten, da es lediglich als Durchmarschgebiet der franz\u00f6sischen Truppen im Siebenj\u00e4hrigen Krieg ber\u00fchrt wurde. Jedoch hatten die Verschwendungssucht und Baulust des Kurf\u00fcrsten die Kassen blank gefegt und den Kurstaat \u00fcberschuldet.<br \/>\nAnmerkungen<br \/>\n106 Vgl. Pauly Ferdinand, Aus der Geschichte des Bistums Trier, Trier 1973;<br \/>\nSchmid Wolfgang, Die Erzbisch\u00f6fe-Biographische Skizzen; in: Kirchenreform und Konfessionsstaat, hg. Von Schneider Bernhard, Trier 2010.<br \/>\n107 Marx J. Dr., Geschichte des Erzstifts Trier, III. Abteilung, 5. Band; S. 9, Trier 1864<br \/>\n108 Marx J. Dr., Geschichte des Erzstiftes Trier, III. Abteilung, 5. Band. S. 14, Trier 1864<br \/>\n109 Marx J.Dr. Geschichte des Erzstiftes Trier, III. Abteilung, 5. Band. S. 27, Trier 1864<\/p>\n<h3>3. Seine Eminenz: Erzbischof und Kurf\u00fcrst von Trier. (Anm.:110)<\/h3>\n<div id=\"attachment_1146\" style=\"width: 230px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-053-a.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1146\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1146 \" title=\"clemw-053-a\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-053-a-220x300.jpg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-053-a-220x300.jpg 220w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-053-a.jpg 396w\" sizes=\"(max-width: 220px) 100vw, 220px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1146\" class=\"wp-caption-text\">Clemens Wenzeslaus als Kurf\u00fcrst. Quelle: Uni Leipzig. Erlaubnis erteilt.<\/p><\/div>\n<p>Die Inthronisation des neuen Kurf\u00fcrsten Clemens Wenzeslaus wurde auf den 21. Februar 1768 festgesetzt. Mit R\u00fccksicht auf die hohe Verschuldung des Kurf\u00fcrstentums und vielleicht auch, weil er der exzessiven Feierlichkeiten aus S\u00fcddeutschland \u00fcberdr\u00fcssig war, ordnete Clemens Wenzeslaus eine Huldigungsfeierlichkeit ohne kostspieligen Aufwand an. Mittags um 12 Uhr wurde der neue Kurf\u00fcrst mit Glockengel\u00e4ut, B\u00f6llersch\u00fcssen und Trommelwirbel in Trier empfangen. Der Weihbischof von Hontheim hielt eine lateinische Begr\u00fc\u00dfungsrede. Am folgenden Tag, dem Fest der Stuhlfeier des hl. Petrus, erfolgte die Inthronisation im Dom und die Huldigung durch die Stadtv\u00e4ter auf dem Markt.<br \/>\nErstaunlich schnell setzte Clemens Wenzeslaus die Reorganisation der kurf\u00fcrstlichen Verwaltung durch: Protokollpflicht f\u00fcr alle Regierungsstellen, Quartalsberichte durch die Dechanten, regelm\u00e4\u00dfige Visitation der Kl\u00f6ster. Als Kind der Aufkl\u00e4rung konzentrierte sich Clemens Wenzeslaus zun\u00e4chst auf das Schulwesen. Bereits im ersten Jahr seiner Regierungst\u00e4tigkeit konzentrierte er sich auf die Reform der Universit\u00e4t. Da die Professoren der Juristischen Fakult\u00e4t durch Nebenjobs ihre Lehrt\u00e4tigkeit vernachl\u00e4ssigt und dadurch viele Studenten Trier verlassen hatten, verbot der den kurf\u00fcrstlichen Beh\u00f6rden die Besch\u00e4ftigung von Professoren und machte das juristische Examen zur Voraussetzung f\u00fcr eine Anstellung im kurf\u00fcrstlichen Dienst. In der theologischen Fakult\u00e4t schritt er ma\u00dfregelnd gegen die scholastischen Streitereien ein und unterband durch vorgeschriebene Handb\u00fccher das stundenlange blo\u00dfe Diktieren von Texten. An den Mittelschulen erh\u00f6hte er zur Bek\u00e4mpfung der Korruption die Aufnahme- und Pr\u00fcfungskriterien.<br \/>\nAls 1773 Papst Clemens XIV. mit der Bulle &#8222;Dominus ac Redemptor&#8220; den Jesuitenorden aufl\u00f6ste, gelang es Clemens Wenzeslaus erstaunlich gut, den Schaden f\u00fcr das Kurf\u00fcrstentum zu begrenzen. Die Vorschrift der Bulle, alle jesuitischen Einrichtungen zu schlie\u00dfen und den gesamten Besitz der Jesuiten f\u00fcr &#8222;fromme Zwecke&#8220; zu verwenden, legte er zugunsten der Bildungseinrichtungen des Kurf\u00fcrstentums aus. Er gr\u00fcndete ein Priesterseminar und stattete dieses mit R\u00e4umlichkeiten und Verm\u00f6gen der Jesuiten aus. Die Jesuiten wurden in den kurf\u00fcrstlichen Dienst \u00fcbernommen. Er lie\u00df die baulichen Voraussetzungen des h\u00f6heren Bildungswesens gro\u00dfz\u00fcgig verbessern und reorganisierte den Zugang zu diesem: Elementarunterricht auf einer Mittelschule bzw. einem Gymnasium, Vorbereitungslehrgang zur Verbesserung des sprachlichen Wissens, 5 Jahre Gymnasium, Universit\u00e4t. Das Volksschulwesen war traditionell in kirchlicher Hand, der jeweilige Dechant hatte die Dienstaufsicht \u00fcber Unterricht und Lehrer und musste auch die Finanzierung organisieren. Bereits Kurf\u00fcrst Johann Hugo hatte 1685 f\u00fcr alle Kinder zwischen dem 7. Und 11. Lebensjahr die Schulpflicht eingef\u00fchrt. Clemens Wenzeslaus lie\u00df ab 1779 die bauliche Ausstattung der Schulen sowie die Qualifizierung der Lehrer durch eine eigene Kommission untersuchen. Doch die Qualit\u00e4t der Lehrerschaft lie\u00df \u00fcberall zu w\u00fcnschen \u00fcbrig. Deshalb gr\u00fcndete der Kurf\u00fcrst 1784 im Erzbisch\u00f6flichen Collegium in Koblenz eine Normalschule zur Ausbildung von Volksschullehrern und machte den erfolgreichen Abschluss zur Anstellungsvoraussetzung. Unter gro\u00dfen Widerst\u00e4nden verpflichtete er die reichen Abteien und Stifte zur Mitfinanzierung eines Schulfonds.<br \/>\nAnmerkung<br \/>\n110 Vgl. Marx J. Dr., Geschichte des Erzstifts Trier, III. Abteilung, 5. Band; Trier 1864<\/p>\n<h3>4. Die Auseinandersetzung um die Thesen des Febronius. (Anm.:111)<\/h3>\n<div id=\"attachment_1142\" style=\"width: 217px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-039-a.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1142\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1142 \" title=\"clemw-039-a\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-039-a-207x300.jpg\" alt=\"\" width=\"207\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-039-a-207x300.jpg 207w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-039-a.jpg 415w\" sizes=\"(max-width: 207px) 100vw, 207px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1142\" class=\"wp-caption-text\">Weihbischof von Hontheim. Quelle: Wikimedia.<\/p><\/div>\n<p>Zwischen den Fronten: Im deutschen Reich waren auch zu Beginn der Neuzeit viele Bereiche des \u00f6ffentlichen und privaten Lebens p\u00e4pstlich-bisch\u00f6flich geregelt. Durch die Reformation wurden diese katholischen Ordnungskr\u00e4fte abgel\u00f6st. Um das Vakuum aufzuf\u00fcllen, mussten die protestantischen Landesherrn auch die Verantwortung f\u00fcr die Kirche in ihrer Landesherrschaft \u00fcbernehmen. In den katholisch gebliebenen Gebieten des Reiches blieb es bei der bisherigen Ordnung. Kaiser, Papst, Landesherr, Bischof und Gebietsk\u00f6rperschaften (z.B. Reichsfreie St\u00e4dte und Stifte) teilten sich nach oft sehr komplizierten Regeln die Zust\u00e4ndigkeit. Durch seinen Weihbischof Johann Nikolaus von Hontheim wurde Clemens Wenzeslaus in eine sehr tief gehende Auseinandersetzung \u00fcber die Kompetenzen des Papstes und der Bisch\u00f6fe hineingezogen.<br \/>\nNikolaus von Hontheim stammte aus Trierer Beamtenadel. Sein Vater war in Trier Hofgerichts- und Ratssch\u00f6ffe, also Richter f\u00fcr kirchliche und weltliche Sachen. Durch Beziehungen der Mutter wurde der zw\u00f6lfj\u00e4hrige Nikolaus Mitglied des Trierer Kollegiatstiftes St. Simeon (Anm.:112) und empfing die Tonsur. An der Trierer Universit\u00e4t, an der die Jesuiten das Sagen hatten, studierte er Rechtswissenschaften und Theologie. Ab 1722 wurde dem jungen Kanoniker Hontheim das Studium in L\u00f6wen und in Leiden erlaubt. Die Universit\u00e4t in Leiden, von Wilhelm von Oranien gegr\u00fcndet, stand der Reformation nahe. Hier lernte Hontheim die in der katholischen Kirche verp\u00f6nte Bibelwissenschaft. An der Universit\u00e4t L\u00f6wen wurde er mit der jansenistisch-gallikalen Theologie Frankreichs vertraut gemacht, die sich u.a. f\u00fcr den Abbau der p\u00e4pstlichen Zentralgewalt einsetzte und in st\u00e4ndiger Auseinandersetzung mit dem Jesuitenorden stand. In dieser Zeit wurde Hontheim das \u00c4rgernis der Kirchenspaltung immer deutlicher. 1724 promovierte Hontheim zum Doktor der Theologie und wurde anschlie\u00dfend vom Simeonsstift nach Rom geschickt, um hier in einem beim Vatikan anh\u00e4ngigen Prozess als Verteidiger des Stiftes zu wirken. Welchen Eindruck auf ihn der Gegensatz zwischen dem aszetischen Papst Benedikt XIII. und der geldgierigen vatikanischen Kurie machte, ist nicht bekannt. 1730 kehrte er nach Trier zur\u00fcck und empfing die h\u00f6heren Weihen. Bald wurde er zum Professor an die Trierer Universit\u00e4t berufen. Um sich f\u00fcr die St\u00e4rkung der bisch\u00f6flichen Zust\u00e4ndigkeit einzusetzen, gab er zwei wichtige liturgische B\u00fccher heraus, das Trierische Brevier und das Trierische Missale. Als ihn Kurf\u00fcrst Georg von Sch\u00f6nborn zum Offizial des Niederen Erzstiftes (Koblenz) ernannte, wurde er in das quirlige Leben des kurtrierischen Hofes hinein gezogen. 1748 wurde Hontheim Nachfolger des verstorbenen Weihbischofs Nalbach und wirkte nun 30 Jahre lang als Weihbischof des Bistums Trier und als kurf\u00fcrstlicher Generalvikar (f\u00fcr den kirchlichen Bereich) und Offizial (f\u00fcr den weltlichen Bereich) des Obererzstiftes Trier. Dieser Teil des Trierer Bistums umfasste auch weite Gebiete in Luxemburg, Lothringen und Frankreich die Hontheim weitgehend selbstst\u00e4ndig leitete. Zu den Aufgaben geh\u00f6rte auch die Vertretung des Erzbischofs in den Suffraganbist\u00fcmern Metz, Toul und Verdun. Hontheim musste sich deshalb mit den unterschiedlichsten Rechtsauffassungen von Kirche und Staat auseinandersetzen. Pers\u00f6nlich lebte er (bis auf das gute Essen) sehr aszetisch, nahm morgens und abends am Stundengebet des Stiftes teil und blieb trotz seiner vielen Aufgaben weiterhin Gelehrter. Bei aller Liebe und Treue zum Papst war Hontheim davon \u00fcberzeugt, dass als unabdingbare Voraussetzung f\u00fcr die Wiedervereinigung der getrennten Kirchen im Reich der \u00fcberall sp\u00fcrbare Einfluss der P\u00e4pstlichen Kurie zur\u00fcckged\u00e4mmt werden m\u00fcsse. 1763 erschien in G\u00f6ttingen das Buch &#8222;Justini Febronii Juris Consulti De statu ecclesiae et legitima potestate Romani Pontificis liber singularis, ad reuniendos dissidentes in religione christianos compositus&#8220; (Einzelschrift des Rechtsgelehrten Justinus Febronius \u00fcber den Zustand der Kirche und die legitime Gewalt des R\u00f6mischen Papstes, zusammengestellt zur relig\u00f6sen Wiedervereinigung der christlichen Dissidenten). Das Buch erschien unter dem Pseudonym Justinus Febronius und dem Phantasiedruckort Bouillon. Es l\u00f6ste eine Diskussionswelle aus und stie\u00df sofort auf heftigsten Widerstand des Vatikans, zumal kolportiert wurde, der Verfasser sei &#8222;ein sehr vornehmes Mitglied der r\u00f6mischen katholischen Kirche in Deutschland&#8220; und das Buch in Wirklichkeit bei dem Verlag Johann Georg Esslinger in Frankfurt, der sich zum Sprachrohr der franz\u00f6sischen Aufkl\u00e4rung gemacht hatte, gedruckt. Anliegen des ganzen Buches ist es, in Anlehnung an den Kirchenvater Cyprian und an das allgemeine Konzil von Konstanz (1514-1522) die p\u00e4pstliche Gewalt auf den Stifterwillen Jesu Christi zur\u00fcckzuf\u00fchren, die Aufgabe der Bisch\u00f6fe und das Allgemeine Konzil als letzte Entscheidungsinstanz zu verdeutlichen. Der wirkliche Autor, Nikolaus von Hontheim, blieb ein Jahr lang unentdeckt, bis die Autorenschaft durch eine gezielte Indiskretion des Frankfurter Kanonikers Damian Friedrich Dumeiz, der zum Kreis um den kurtrierischen Kanzler La Roche geh\u00f6rte und ein Freund Goethes war. Dumeiz hatte Hontheim die Aufsicht \u00fcber den Druck des Buches erteilt und nun wollte dieser die weitere Verbreitung dieses bahnbrechenden Werkes beg\u00fcnstigen und ver\u00f6ffentlichte die wahre Autorenschaft. Doch Hontheim leugnete die Autorenschaft des Buches, das zwischenzeitlich vom Papst auf den Index der verbotenen B\u00fccher gesetzt worden und deshalb auch im Trierer Bistum verboten war. Aber er bot dem Kurf\u00fcrsten Johann Philipp Walderdorff seinen R\u00fccktritt an. Doch dieser, nicht nur ein leidenschaftlicher J\u00e4ger sondern auch ein Freund der Aufkl\u00e4rung, stellte sich hinter seinen Weihbischof.<\/p>\n<p>Da sich zwischenzeitlich die Diskussion \u00fcber die Thesen des &#8222;Febronius&#8220; in ganz Deutschland verselbstst\u00e4ndigt hatte, \u00fcbernahm Clemens Wenzeslaus als neuer Kurf\u00fcrst ein schwieriges Erbe. Clemens Wenzeslaus hatte zu seinem Weihbischof ein gutes Verh\u00e4ltnis und sch\u00e4tzte sowohl seine praktische Arbeit wie sein wissenschaftliches Profil. Inwieweit der Kurf\u00fcrst die ganze Breite der Diskussion \u00fcberschaute, muss offen bleiben, aber als Freund der Aufkl\u00e4rung stand er bei aller Papsttreue dem Anliegen der Febronianischen Reformen grunds\u00e4tzlich offen. Doch als der Druck aus Rom immer st\u00e4rker wurde und das Beraterumfeld des Kurf\u00fcrsten aufkl\u00e4rungsfeindlicher und klerikaler wurde, verlor Clemens Wenzeslaus den Mut. Anlass f\u00fcr sein Umschwenken war ein theologischer Streit in Mainz \u00fcber die Bedeutung des Jesaja &#8211; Zitates &#8222;Ecce virgo concipiet&#8220; im Matth\u00e4usevangelium. Der Mainzer Orientalist Isenbiel vertrat die Auffassung, dass der hebr\u00e4ische Jesaja-Text in seinem urspr\u00fcnglichen Sinn nur von einer jungen Frau spr\u00e4che und mit diesem Vergleich das Volk Israel gemeint sei. Als Weihbischof Hontheim die Thesen von Isenbiel \u00f6ffentlich unterst\u00fctzte, zog Clemens Wenzeslaus die Rei\u00dfleine. In seinem Brief vom 4. April 1778 warf er seinem Weihbischof Hontheim Unwissenheit, Unbesonnenheit und unvers\u00f6hnlichen Groll gegen die Kirche vor und forderte ihn zum Widerruf des &#8222;Febronius&#8220; auf. Am 1. November 1778 musste sich der Weihbischof Nikolaus von Hontheim als Verfasser des &#8222;Febronius&#8220; offenbaren, seine Thesen widerrufen und alle Rechte des Papstes ohne Vorbehalt anerkennen. Nach einigem Hin und Her zog sich Hontheim aus der \u00d6ffentlichkeit ganz zur\u00fcck und starb am 2. November 1790 auf seinem Schloss Montquintin.<\/p>\n<p>Anmerkung<br \/>\n111 Vgl. Raab Heribert, Johann Nikolaus von Hontheim; in: Reich und Kirche in der Fr\u00fchen Neuzeit, Freiburg , (1989);<br \/>\nSeibrich Wolfgang, Das Erzbistum in theologischen und kirchenpolitischen Kontroversen des 17. Und 18. Jahrhunderts; in: Schneider Bernhard (hrg.), Kirchenreform und Konfessionsstaat, Trier (2010).<br \/>\n112 In der Porta Nigra.<\/p>\n<h3>5. Clemens Wenzeslaus und die Aufkl\u00e4rung. (Anm.:113)<\/h3>\n<p>Die Aufkl\u00e4rung war ein geistiger Prozess, der seit dem 16. Jahrhundert Europa erfasste: L\u00f6sung von Traditionen und sich leiten lassen von der Vernunft, Befreiung von der ideologischen und politischen Macht der Kirche, Beseitigung der Standesgesellschaft mit den Vorrechten des Adels und Anerkennung der B\u00fcrgerrechte f\u00fcr alle, waren wichtige Leitideen. &#8222;Die Entwicklung der Technik und der Naturwissenschaften f\u00fchrten zu einem rationalen Denken, das weite Teile des B\u00fcrgertums und des Adels erfa\u00dft hatte. B\u00fccher, Zeitschriften, Korrespondenzen und Besuche verbreiteten das philosophische, naturwissenschaftliche und technische Wissen. Bildungshunger setzte ein und f\u00fchrte zum Aufbau und zur Erweiterung von Schulen und Akademien. Das B\u00fcrgertum erfuhr in seiner gesellschaftlichen Stellung und wirtschaftlichen Bedeutung einen gro\u00dfen Aufschwung.&#8220; (Anm.:114)<br \/>\nClemens Wenzeslaus war im Geist der Aufkl\u00e4rung erzogen worden. Dies bedeutete vor allem Aufgeschlossenheit f\u00fcr Kunst, Kultur und Bildung, aber auch Respekt vor der W\u00fcrde eines jeden Menschen. Doch nie ging er so weit, die Katholische Kirche als &#8222;wahre und eigentliche Kirche&#8220; infrage zu stellen. Alle Toleranz gegen\u00fcber Protestanten und Juden entsprang dem N\u00fctzlichkeitsdenken oder der Einsicht in die Notwendigkeit. Darin unterschied sich aber Clemens Wenzeslaus nicht von den protestantischen Landesherrn. &#8222;Dort, wo der Kurf\u00fcrst-Erzbischof von Trier geistliche und zugleich weltliche Herrschaft aus\u00fcben konnte, hatte die neue Lehre \u00fcberhaupt keinen Eingang gefunden oder war, wie in der Stadt Trier der Reformationsversuch des Caspar Olevian, als Rebell schnell unterdr\u00fcckt worden.&#8220; (Anm.:115)<br \/>\nDass Clemens Wenzeslaus aber in der Toleranzfrage elastisch reagieren musste, ergab sich auch aus der besonderen Situation des Niederen Erzstiftes (Koblenz), das bis nach Wetzlar reichte und durch ein Neben- und Ineinander der Konfessionen gekennzeichnet war. Der katholische Historiker Heribert Raab berichtete von einer Merkw\u00fcrdigkeit in Wetzlar: Der Dom geh\u00f6rte einem katholischen Stiftskapitel, aber seit 1542 durften die Protestanten das Kirchenschiff als Pfarrkirche nutzen. Als 1592 das Reichskammergericht nach Wetzlar verlegt wurde, beschloss der Rat der Stadt Wetzlar, den Katholiken das Nutzungsrecht f\u00fcr das Kirchenschiff w\u00e4hrend der Tagung des Gerichtes zu \u00fcberlassen. Bei der Wahl des evangelischen Pfarrers hatte das Domkapitel Mitwirkungsrecht. Deshalb oblag dem katholischen Stiftsdechanten &#8211; in Chormantel und Stola &#8211; die Amtseinf\u00fchrung des evangelischen Pfarrers. (Anm.:116) \u00c4hnlich komplizierte Verwicklungen gab es auf den rechtsrheinischen Gebieten.<br \/>\nReserviert blieb Clemens Wenzeslaus wohl zeitlebens gegen\u00fcber der deutschen Sprache und der deutschen Klassik, weil beide f\u00fcr ihn einen &#8222;protestantischen Geschmack&#8220; hatten. V\u00f6llig ablehnend stand er jedoch zur kritischen Haltung der Aufkl\u00e4rung gegen\u00fcber der Katholischen Kirche und dem Papsttum; hier war Clemens Wenzeslaus nur f\u00fcr interne Reformen offen, die das &#8222;System Katholische Kirche&#8220; unber\u00fchrt lie\u00dfen. Diese Haltung zeigte sich besonders deutlich bei seinen Auseinandersetzungen mit der Kirchenpolitik des Kaisers Joseph II.<br \/>\n1765 hatte Clemens Wenzeslaus seine Schwester Maria-Josepha mit dem \u00f6sterreichisch-kaiserlichen Prinzen Joseph verheiratet. Der \u00f6sterreichische Erbherzog Joseph, das vierte Kind von Kaiserin Maria-Theresia, war 1764 in Frankfurt zum deutschen K\u00f6nig gew\u00e4hlt worden. Ein Jahr sp\u00e4ter trat er als r\u00f6misch &#8211; deutscher Kaiser Joseph II. die Nachfolge seines Vaters an. Joseph II. war ein Kind der absolutistischen Aufkl\u00e4rung; &#8222;Alles f\u00fcr das Volk und nichts durch das Volk&#8220; war sein Motto; Handeln nach der Vernunft, Staatsraison und Einordnung der Kirche in den Staat waren die Ideen, die ihn pr\u00e4gten. Nach dem Tod seiner Mutter 1780, als er f\u00fcr die habsburgischen Kernlande die alleinige Verantwortung erhielt, setzte er sofort durch eine Reihe von Dekreten seine Ideen politisch durch: Er hob die Leibeigenschaft auf, reorganisiert den ganzen Staat, f\u00f6rdert Gesundheitspflege und nationale Kunst, f\u00fchrt ein allgemeines Gesetzbuch ein und humanisierte das Strafrecht. Durch seine Kirchenpolitik versuchte er, die Kirche unter die Kontrolle des Staates zu kommen. In einer F\u00fclle von kaiserlichen Dekreten gew\u00e4hrte er grunds\u00e4tzliche Religionsfreiheit, l\u00f6ste die rein kontemplativen Orden (die nicht sozial t\u00e4tig waren) auf und unterwarf die katholische Kirche der staatlichen Ordnung. F\u00fcr alle p\u00e4pstlichen Erlasse verlangte er das vorherige kaiserliche Placet.<br \/>\nClemens Wenzeslaus wurde durch die Josephinische Kirchenpolitik als Erzbischof von Trier und als Bischof von Augsburg ber\u00fchrt, da das Herzogtum Luxemburg und das \u00f6sterreichische Oberland zum Habsburger Reich geh\u00f6rten. Der erhaltene Briefwechsel zwischen dem Kaiser und dem Kurf\u00fcrsten l\u00e4sst erkennen, dass Clemens Wenzeslaus die Eingriffe des Kaisers in kirchliche und p\u00e4pstliche Rechte grunds\u00e4tzlich ablehnte. Am 1. Juni 1781 schrieb er einen ersten Brief an den Kaiser und appellierte an diesen als Schirmherr der Kirche. Der Kaiser antwortete ihm jedes Mal, einmal sogar aus dem Feldlager, aber wich keinen Schritt zur\u00fcck. Ganz gegen seine sonstige Art zeigte Clemens Wenzeslaus Mut und Standhaftigkeit: &#8222;Ja, Sire, ich sage es mit der Freim\u00fcthigkeit meines Amtes, das mir anvertraut ist: Wie immer es gegenw\u00e4rtig mit der Festigkeit bestellt sein mag, mit der Sie entschlossen zu sein scheinen, auf dem betretenen Wege fortzuschreiten, es wird der Tag kommen, wo Sie dar\u00fcber untr\u00f6stlich sein werden. M\u00f6ge dieser Tag nur nicht jener der Ewigkeit sein.&#8220;<br \/>\nAber Clemens Wenzeslaus hatte nicht nur den Kaiser gegen sich, er stand auch unter den betroffenen Bisch\u00f6fen an einsamer Front. Aber sein Einsatz f\u00fcr die Rechte der P\u00e4pstlich &#8211; katholischen Kirche wird belohnt. Am 2. Mai 1782 machte Papst Pius VI. bei seiner Reise nach Wien einen Umweg und blieb mehrere Tage in Augsburg. Mit kleinem Gefolge traf Papst Pius VI. am 22. M\u00e4rz 1782 in Wien ein und verhandelte mit dem Kaiser Joseph II. Da sich nach einem Monat keinerlei Ann\u00e4herung zeigte, verlie\u00df der Papst Wien und traf sich in M\u00fcnchen mit dem bayerischen Kurf\u00fcrsten Karl Theodor. Um Clemens Wenzeslaus f\u00fcr seinen Einsatz f\u00fcr Papst und Kirche zu ehren, machte der Papst bei seiner R\u00fcckreise einen Umweg und blieb mehrere Tage in Augsburg. Am 2. Mai 1782 gegen Abend empfing Clemens Wenzeslaus mit Domkapitel, allen Geistlichen des Bistums und den katholischen Mitgliedern des Magistrates den Papst am &#8222;Roten Tor&#8220; und brachte ihn mit einer achtsp\u00e4nnigen Kutsche in die Hofburg. \u00dcber den Sinn seines Besuches (Anm.:117) nach der freien Reichsstadt Augsburg lie\u00df der Papst keinen Zweifel: &#8222;Da\u00df wir hierher nach Augsburg gekommen sind, ist den wiederholten Dienstleistungen des trefflichen Churf\u00fcrsten von Trier, Eures Bischofs, zuzuschreiben, der uns wegen seiner hohen Tugenden und seiner ausgezeichneten Verdienste um den r\u00f6mischen Stuhl und unsere Person Uns, wie es nicht anders sein kann, sehr theuer ist&#8230;&#8220;.(Anm.:118)<br \/>\nDie Anerkennung durch den Papst vor aller \u00d6ffentlichkeit hat Clemens Wenzeslaus motiviert, die anstehenden Aufgaben im Kurf\u00fcrstentum Trier neu anzugehen. \u00c4u\u00dferer Anlass war das Ausscheiden des konservativ &#8211; klerikalen Generalvikars Beck. Bereits zu Beginn seiner Regierungszeit hatte der neue Kurf\u00fcrst durch zahlreiche Reformen die auswuchernde Volksfr\u00f6mmigkeit eingegrenzt, wozu die Reduzierung der Feiertage geh\u00f6rte. Diesen Kurs setzte er ab 1784 fort, um die katholische Kirche im Sinne der Aufkl\u00e4rung zu modernisieren. Die theater\u00e4hnlichen Br\u00e4uche w\u00e4hrend der Flurprozessionen und Gottesdienste wurden abgeschafft; ebenso das \u00f6ffentliche Mittragen einer Monstranz mit der geweihten Hostie und l\u00e4ngere Wegstrecken als eine Stunde. Durch die Beschr\u00e4nkung mussten z.B. die Wallfahrten zum Gnadenbild in der Marienkapelle Hausenborn eingestellt werden (Anm.:119) Verboten wurde das abergl\u00e4ubische Wetterl\u00e4uten bei Gewittern und das Hexenl\u00e4uten im Mai, das Erz\u00e4hlen von Geschichten und Witzen w\u00e4hrend der Predigt, der lebende Palmesel und die gespenstischen Nachtandachten.(Anm.:120)<br \/>\nZu den Reformen geh\u00f6rten auch soziale Dekrete, wie die \u00dcberpr\u00fcfung der Gef\u00e4ngnisse, die Institutionalisierung der Lehrerausbildung durch die Gr\u00fcndung der Koblenzer Normalschule und die allgemein verpflichtende Brandversicherung in der Stadt Trier. Der Kurf\u00fcrst lie\u00df die Riesling-Rebe importieren und an der Mosel anpflanzen. Durch ein Toleranzedikt erm\u00f6glichte er Juden und Protestanten die begrenzte Ansiedlung im Kurstaat. 1784 wurden die Kl\u00f6ster angewiesen, neue Ordensmitglieder vorher durch die kirchliche Beh\u00f6rde \u00fcberpr\u00fcfen zu lassen. Aber im Unterschied zu vielen anderen Landesherrschaften unterlie\u00df Clemens Wenzeslaus die Kontrolle des Privatlebens seiner B\u00fcrger.(Anm.:121) 1786 erlie\u00df er die Verordnung &#8222;zur Aufmunterung des Landmannes, besonders wegen Urbarmachung \u00f6der L\u00e4ndereien und Gr\u00fcnde&#8220;, um die Landwirschaft zu f\u00f6rdern. Bei den sozialen Unruhen zwischen 1787 und 1789, wo sich schon der Einfluss des revolution\u00e4ren Frankreich ank\u00fcndigte, benahm sich der Kurf\u00fcrst &#8222;ebenso fest als human&#8220;.(Anm.:122)<br \/>\nDoch der Reformeifer wurde f\u00fcr Clemens Wenzeslaus zur Falle. Im Unterschied zum Trierer Kurstaat waren in Mainz, K\u00f6ln und Salzburg die Ideen des Febronius lebendig. Als es dem bayerischen Kurf\u00fcrsten Karl Theodor gelang, bei Papst Pius VI. die Zustimmung zu einer Nuntiatur in M\u00fcnchen zu erreichen, mussten die Einzugsgebiete der drei bisherigen Nuntiaturen Wien, Luzern und K\u00f6ln verkleinert werden. Da die deutschen Erzbisch\u00f6fe einen Eingriff in ihre Kompetenzen bef\u00fcrchteten, kam es 1786 zu einem Kongress in Ems (heute Bad-Ems an der Lahn), um ihre Rechte gegen\u00fcber dem Papst neu zu formulieren. Die drei Kurf\u00fcrsten, der Erzbischof von Salzburg und der Bischof von Freising entsandten Bevollm\u00e4chtigte nach Ems, um mit Unterst\u00fctzung eines Kaiserlichen Reskriptes die Rechtsbefugnisse der Nuntien einzuschr\u00e4nken; allerdings nicht im Sinne des kaiserlichen Josephinismus zugunsten des Kaisers sondern zugunsten der Bisch\u00f6fe selbst. Das so genannte Emser Konkordat, das vereinbart wurde, hatte aber kaum eine Auswirkung, da die Franz\u00f6sische Revolution die Gesamtsituation in Europa ver\u00e4nderte. Clemens Wenzeslaus wurde aber seitdem von Rom sehr kritisch eingesch\u00e4tzt.<\/p>\n<p>Anmerkungen<br \/>\n113 Vgl. Marx, Geschichte des Erzstift Trier, (1864) 129 ff., Wachter Dorothea, Degen und Krummstab (1978), S. 213ff, Raab Heribert, Toleranz im Kur- und Erzstift Trier (1989).<br \/>\n114 Wachter Dorothea, Degen und Krummstab (1976), S. 213.<br \/>\n115 Raab Heribert, Toleranz (1989),441.<br \/>\n116 Raab Heribert, Toleranz (1989), 442f.<br \/>\n117 Der Papst kam nicht nur in das Geistliche Erzstift und das katholische Bistum Augsburg, sondern zwangl\u00e4ufig auch in die freie Reichsstadt Augsburg, in der die Konfessionen nebeneinander lebten.<br \/>\n118 Marx Geschichte (1864), 149.<br \/>\n119 www.st-martin-engers.de\/html\/hausenborn.html;<br \/>\nwww.baybach.de\/muchlenm\/Kapelle\/kreuz_backes_text.htm<br \/>\n120 Das st\u00e4ndige Schie\u00dfen bei Flurprozessionen war bereits 1751 verboten worden.<br \/>\n121 So lie\u00df der Gro\u00dfherzog von Baden das Kaffeetrinken verbieten, um den Zuckerimport einzuschr\u00e4nken.<br \/>\n122 Wikisource \/ ADB, Art, Clemens Wenzeslaus (10.01.2012)<\/p>\n<h3>6. Protestanten und Juden im Erzstift und im Erzbistum. (Anm.:123)<\/h3>\n<p>Clemens Wenzeslaus zeigte zwar keinerlei Toleranz gegen\u00fcber protestantischen Ideen, konnte sich aber als Erzbischof au\u00dferhalb des Erzstiftes kaum durchsetzen. Im Erzstift aber, also im Bereich seiner Landesherrschaft, setzte er die Glaubenspolitik seiner Vorg\u00e4nger lange Zeit fort. Im Oberen Erzstift (Trier) waren die Versuche der Eheleute Olevian durch Kurf\u00fcrst und Stadtrat erfolgreich mit Ausweisung und Wegzug vereitelt worden. 1608 wurde die Marianische B\u00fcrgersolidit\u00e4t gegr\u00fcndet, deren Mitglieder sich verpflichteten, &#8222;ihr Hab und Gut, ihr Blut und Leben f\u00fcr die Verteidigung des r\u00f6misch &#8211; katholischen Glaubens einzusetzen.&#8220; (Anm.:124) Die j\u00e4hrliche Dankprozession f\u00fcr den Sieg \u00fcber die T\u00fcrken und die Bewahrung der Einheit der Kirche wurde bis in die 60ger Jahre des vorigen Jahrhunderts gehalten. Im Unteren Erzstift (Koblenz) war die Situation zwar schwieriger durch die st\u00e4ndigen protestantischen Infiltrationen aus den benachbarten Landesherrschaften, aber Kurf\u00fcrst und Stadtrat waren sich in der Ausgrenzung der Nichtkatholiken einig. Abweichungen gab es nur &#8211; bedingt durch die politische Gemengelage &#8211; in einzelnen F\u00e4llen. 1753 legte der Industrielle Wilhelm Remy, aus Bendorf; der Kurf\u00fcrstlichen Regierung in Ehrenbreitstein ein Gutachten vor, nach dem sich durch die vorhandene Wasserkraft, die reiche Waldung und die g\u00fcnstige Verkehrslage die Eisenverh\u00fcttung anb\u00f6te. Die geplante Eisenh\u00fctte in Sayn, das zum Kurstaat geh\u00f6rte, sollte unter Leitung des Katholiken Carl Caspar Seitz stehen. Wilhelm Remy bat um die Erlaubnis, dass ben\u00f6tigte evangelische Fachkr\u00e4fte den evangelischen Gottesdienst in Bendorf besuchen d\u00fcrften. Als Clemens Wenzeslaus 1670 in Sayn eine eigene H\u00fctte baute, genehmigte er die Leitung durch den Bendorfer evangelischen H\u00fcttenverwalter Johann Konrad Ziller. (Anm.:125)<br \/>\nEin gutes Beispiel f\u00fcr die interkonfessionelle Einstellung von Clemens Wenzeslaus war seine Beziehung zur Familie La Roche. Georg Michael Frank La Roche, Ziehkind eines Grafen von Stadion, war 1771 in den kurf\u00fcrstlichen Dienst getreten. Seine Frau Sophie La Roche, eine pietistisch erzogene Augsburger Arzttochter, hatte sogleich in Ehrenbreitstein einen literarischen Salon er\u00f6ffnet, der international, unter anderem durch Wieland, Goethe, Basedow und Lavater bekannt wurde. Von Goethe stammte sein ber\u00fchmtes Gedicht &#8222;Diner in Coblenz&#8220;, das er 1774 nach einem Gespr\u00e4ch mit den reformierten Theologen Lavater und Basedow schrieb, und das mit den Versen endete: &#8222;Und, wie nach Emmaus, weiter ging&#8217;s mit Geist- und Feuerschritten, Prophete rechts, Prophete links, das Weltkind in der Mitten.&#8220; Michael Frank La Roche selbst war kritisch katholisch und gegen alle p\u00e4pstliche Vorherrschaft. Aber es war ihm dennoch wichtig, durch Einhaltung aller Br\u00e4uche die Zugeh\u00f6rigkeit zum Katholizismus zu praktizieren. (Anm.:126) Bereits 1771 hatte er aber ganz im Geist der Aufkl\u00e4rung eine anonyme Kampfschrift gegen das M\u00f6nchwesen geschrieben. Aus der katholisch geschlossenen Mischehe mit Sophie kamen acht Kinder, die alle katholisch getauft wurden. Clemens Wenzeslaus hatte zu La Roche (aber wohl weniger zu seiner Frau) ein vertrauensvolles Verh\u00e4ltnis, so dass La Roche schlie\u00dflich Mitglied der Regierung wurde. La Roche bekam gro\u00dfen Einfluss auf die Schul- und Bildungspolitik des Kurf\u00fcrsten im Sinne der Aufkl\u00e4rung. Er setzte die p\u00e4dagogische Methode &#8222;Felbinger&#8220; durch, die durch kindgerechtes Lernen einen lebenst\u00fcchtigen und aufgekl\u00e4rten Menschen zum Ziel hatte und gr\u00fcndete in Koblenz eine \u00f6ffentliche Bibliothek.<\/p>\n<p>Als 1780 eine Fortsetzung der M\u00f6nchbriefe durch einen anderen Autor erschien, kam die erste Auflage und damit auch sein zwischenzeitlich bekannt gewordener Autor La Roche erneut ins Gerede. Dies benutzte der neue geistliche Berater Beck, der das Vertrauen des Kurf\u00fcrsten gewonnen hatte, zu einer Intrige gegen La Roche. Als sich der P\u00e4pstliche K\u00f6lner Nuntius in die Auseinandersetzung einmischte, r\u00e4chte es sich, dass La Roche in Trier ein Einzelk\u00e4mpfer geblieben war. Der Kurf\u00fcrst gab schlie\u00dflich dem Druck nach und entlie\u00df La Roche am 26.9.1780. Durch den Wegzug der Familie erledigte sich auch das unangenehm gewordene Problem des &#8222;ketzerischen Salons&#8220; seiner Frau. (Anm.:127) La Roche schrieb dem Kurf\u00fcrsten am 6. Oktober 1780 einen Brief, in dem die ganze Tragik des Konfliktes deutlich wird: &#8222;Ich w\u00fcnsche dem Kurf\u00fcrsten Gl\u00fcck und ein nestorianisches Alter, aber auch er ist ein Mensch. Um mich mit meinem Schicksal besser abfinden zu k\u00f6nnen und mein Leben vor weiteren k\u00fcnftigen Umw\u00e4lzungen zu sichern, habe ich, wie euer Exzellenz wohl wei\u00df, dass hohe Domkapitel gebeten, mir die Pension nach der Bestimmung seiner Hoheit und den Inhalt meiner Bittschrift zu best\u00e4tigen. Ich rechne auf Ihre Unterst\u00fctzung und die Energie, die sie f\u00fcr mich aufwenden werden, um meine Gegner im Zauber zu halten und eine ehrenvolle Familie zu beruhigen, welche durch Kabale und den &#8211; &#8211; &#8211; zu Boden gedr\u00fcckt ist. Wenigstens hoffe ich, dass sie mir auch in Speyer wie fr\u00fcher in Augsburg und Koblenz ihr Wohlwollen und ihre Freundschaft bewahren werden. Wenn ich Ihnen meinerseits jetzt schon irgendwie dienlich sein kann, erwarte ich gern Ihrer Auftr\u00e4ge.&#8220; (Anm.:128)<br \/>\nDurch das Toleranzpatent des Kaisers Joseph II. erhielten die Nichtkatholiken ab 1781 ein begrenztes B\u00fcrgerrecht, das sich auch auf die Niederlande und Luxemburg (damals beide habsburgisch) bezog. Auch Clemens Wenzeslaus musste sich der neuen Situation anpassen, wobei auch wirtschaftliche Aspekte eine Rolle spielten. Als 1783 der protestantische Kaufmann Adolf B\u00f6cking in Ehrenbreitstein einen Kohlen- und Salzhandelsbetrieb errichten wollte, stimmte Clemens Wenzeslaus zu: &#8222;er sei nach dem Beispiel mehrerer katholischer Landesf\u00fcrsten entschlossen, dass die durch die Reichsgesetze geduldeten Lutheraner und Calvinisten sich im Kurstaat h\u00e4uslich niederlassen und ihr Gewerbe und ihre Handlung zum allgemeinen Nutzen des Staates ungest\u00f6rt aus\u00fcben k\u00f6nnen.&#8220; (Anm.:129)<br \/>\nGegen den Widerstand seiner eigenen Beh\u00f6rden setzte sich Clemens Wenzeslaus mit einem Erlass vom 3. Dezember 1784 durch. Auch gegen den Widerstand des K\u00f6lner Nuntius blieb er bei seiner Entscheidung, selbst ein mahnendes Breve von Papst Pius VI. konnte ihn nicht abbringen. Bemerkenswert war es, dass der Kurf\u00fcrst seine Entscheidung vor allem mit dem Hinweis auf die Liebe gegen\u00fcber den Irrenden theologisch begr\u00fcndete. Allerdings zeigte Clemens Wenzeslaus bei der praktischen Durchf\u00fchrung sofort wieder seinen Wankelmut. Nichtkatholische Gottesdienste blieben in der \u00d6ffentlichkeit untersagt, ebenfalls Schulen und Kirchh\u00f6fe, evangelische Geistliche durften auf der Stra\u00dfe nur Zivil tragen, Konversionen wurden als Abfall gewertet und in Mischehen war die katholische Erziehung der Kinder angeordnet. Positiv zu werten war dagegen, dass er den Orden die \u00f6ffentliche Agitation gegen protestantische B\u00fcrger untersagte.<br \/>\nRein wirtschaftliche Gr\u00fcnde waren auch die Gr\u00fcnde f\u00fcr die Zulassung von einzelnen Juden im Kurstaat der Fr\u00fchen Neuzeit. In der Goldenen Bulle hatte Kaiser Karl IV. die kaiserliche Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr die Judengesetzgebung an die Landesherren abgegeben (Judenregal). Vorangegangen waren die massenweisen Verfolgungen der vielen j\u00fcdischen Gemeinden im Rheinland seit dem Pestjahr 1349. Kurf\u00fcrst Werner von Falkenstein setzte 1418 einen Schlusspunkt, indem die restlichen Juden aus dem Kurstaat ausgewiesen wurden.<\/p>\n<p>Nach zwei Generationen wurde durch die Praxis des landesherrschaftlichen Schutzjudentums einzelnen, normalerweise wohlhabenden Juden der Zuzug gestattet. Der j\u00fcdischen Haushaltung wurde ein Schutzbrief f\u00fcr einen konkreten Ort und f\u00fcr eine bestimmte Zeit ausgestellt, f\u00fcr den bestimmte finanzielle bzw. wirtschaftliche Leistungen zu erbringen waren. Im 18. Jahrhundert &#8222;diente die Befristung der Geleite allein fiskalischen Zwecken. Die Erneuerung der Aufenthaltsrechte, verbunden mit der Ausfertigung neuer Schutzbriefe durch die kurf\u00fcrstliche Kanzlei bildete den Anlass f\u00fcr die Erhebung einer zus\u00e4tzlichen Abgabe an die Landesherrschaft sowie die Zahlung von Geb\u00fchren an die Verwaltungsbeamten.&#8220; (Anm.:130)<br \/>\nEine gr\u00f6\u00dfere j\u00fcdische Gemeinde konnte sich allerdings erst 1518 in Koblenz bilden, als f\u00fcnf j\u00fcdischen Haushalten durch ein kurf\u00fcrstliches Privileg das Aufenthaltsrecht gegeben wurde. 1723 gab es im Erzstift 160 j\u00fcdische Familien an 49 Orten. Die j\u00fcdischen Schutzjuden durften sich in den beiden Teilen des Kurstaates in Landjudenschaften organisieren, um ihre internen Dinge zu regeln und als Ansprechpartner f\u00fcr die kurf\u00fcrstliche Verwaltung. Die Judenverordnung von 1723 legte allerdings die H\u00f6chstzahl der Schutzjuden im Kurstaat auf 165 Haushalte fest. Die Landjudenschaften waren auch f\u00fcr die Besoldung der beiden Rabbiner in Koblenz und Trier zust\u00e4ndig, ebenfalls f\u00fcr die Anmietung der &#8222;Judenstuben&#8220; und die Anstellung der &#8222;Judenschreiber&#8220;.<br \/>\nDas j\u00fcdische Leben zeigte ein hohes Ma\u00df an sozialer Verantwortung f\u00fcreinander und pflegte ganz nach j\u00fcdischer Tradition Bildung und Wissensvermittlung. Aufgrund der Zunftordnung waren Juden von den meisten Berufen ausgeschlossen und mussten sich in der Regel auf Geldsch\u00e4fte und Warenhandel beschr\u00e4nken. Als der Kurf\u00fcrst Lothar von Metternich 1622 minderwertige M\u00fcnzen pr\u00e4gen lie\u00df, waren Schutzjuden ma\u00dfgeblich an der Durchf\u00fchrung beteiligt. Im 18. Jahrhundert waren j\u00fcdische Hoflieferanten ma\u00dfgeblich an der Versorgung der kurf\u00fcrstlichen Hofhaltung beteiligt. F\u00fcr das konkrete Zusammenleben von Juden und Christen waren meist die St\u00e4dte und Gemeinden verantwortlich; dies bezog sich z.B. auf das Tragen eines Judenzeichens, auf Einschr\u00e4nkung christlichen Personals oder auf konkrete Wohnrechte.<br \/>\nDen letzten Gewaltakt gegen Juden gab es im Kurstaat Ende des 17. Jahrhunderts in Trier nach der Schlacht an der Konzer Br\u00fccke. F\u00fcr den Sieg des Reichsheers wurden Sabotageakte der Juden verantwortlich gemacht und daraufhin die Synagoge gesch\u00e4ndet und mehrere Juden ermordet. Dass j\u00fcdische Mitb\u00fcrger lediglich geduldet wurden, zeigt die Judenordnung von 1723, in der zwischen j\u00fcdischen H\u00e4usern und christlichen Kirchen ein Mindestabstand von vier H\u00e4usern gefordert wurde. (Anm.:131) Das Toleranzrescript von 1784 setzte die bisherige Politik gegen\u00fcber den Juden fort, aber erm\u00f6glichte ein neues Miteinander von Christen und Juden im Kurstaat.<\/p>\n<p>Anmerkungen<br \/>\n123 Franz Gunther, Von der Konfrontation zur \u201aToleranz&#8216;: Protestanten im Kurf\u00fcrstentum Trier;<br \/>\nG\u00f6ller Andreas, Juden im Erzbistum Trier; beides in: Geschichte des Bistums Trier, Bd.3. hg.Manfred Schneider, Trier 2010;<br \/>\nSchabow Dietrich, Zur Geschichte der Juden in Bendorf, hg. Hedwig-Dransfeld-Haus e.V. Bendorf, 1979<br \/>\n124 Franz Gunther, Von der Toleranz (2010), 469.<br \/>\n125 Vgl. Franz Gunther, Von der Toleranz (2010), 476;<br \/>\nSchabow Dietrich, Wilhelm Remy ist auch der Vater der Concordiah\u00fctte, www.bendorf-geschichte.de\/bdf-0050.htm;<br \/>\nWikipedia, Art. Bendorfer H\u00fctten<br \/>\n126 Man w\u00fcrde heute von einem Reformkatholiken sprechen.<br \/>\n127 http:\/\/www.reocities.com, Artikel : Georg Michael Frank La Roche (5.1.2012)<br \/>\n128 www.bendorf-geschichte.de<br \/>\n129 Franz Gunther, Von der Toleranz (2010), 478,<br \/>\n130 G\u00f6ller Andreas, Juden im Erzbistum Trier, (2010),484.<br \/>\n131 G\u00f6ller Andreas, Juden im Erzbistum Trier, (2010),490f.<\/p>\n<h3>7. K\u00f6nigliche Hoheit, Kurf\u00fcrstliche Gnaden, F\u00fcrstbisch\u00f6fliche Eminenz.<\/h3>\n<p>Das g\u00e4ngige Klischee unter den Historikern ist die Darstellung, dass Clemens Wenzeslaus f\u00fcr seine \u00f6ffentlichen Auftritte den Luxus liebte und im Privatleben bescheiden und einfach gelebt hat. Diese private Einfachheit mag f\u00fcr die Kriegsjahre in Dresden gelten, die Clemens Wenzeslaus in seiner Jugend durchlebte, aber kaum f\u00fcr die Zeit als Bischof und Erzbischof. Denn Ihre K\u00f6nigliche Hoheit hatte als Eminenz und Kurf\u00fcrstliche Gnaden praktisch kein Privatleben. Sein Leben wurde durch und durch von seinen Aufgaben bestimmt. Bereits als Kleinkind war er von einer eigenen Hofhaltung umgeben, die Tag und Nacht f\u00fcr ihn sorgte, f\u00fcr sein Wohlergehen, f\u00fcr seine Bildung und f\u00fcr seine k\u00f6rperliche Ert\u00fcchtigung. Als Bischof genoss er alle Vorrechte der adligen Oberschicht.<br \/>\nDer Kurf\u00fcrst von Trier verf\u00fcgte \u00fcber das Bisch\u00f6fliche Palais in Trier, die (allerdings ungem\u00fctliche) Philippsburg in Ehrenbreitstein und sp\u00e4ter das neue Schloss in Koblenz, dazu kamen u.a. die Jagdschl\u00f6sser in Engers, Daun, Pr\u00fcmm und Montabaur. Als F\u00fcrstbischof von Augsburg unterhielt er in der Freien Reichsstadt Augsburg eine pr\u00e4chtige Hofburg und hatte neben Oberdorf noch mehrere andere Sommersitze. Als F\u00fcrstpropst von Ellwangen stand ihm eine luxuri\u00f6s ausgestattete Sommerresidenz zur Verf\u00fcgung, die seine Vorg\u00e4nger im barocken Stil ausgebaut hatten. Auch nach der S\u00e4kularisation musste Clemens Wenzeslaus seine Hofhaltung in Oberdorf kaum einschr\u00e4nken. Neben den Restitutionsleistungen durch den Bayerischen Kurf\u00fcrsten, die Stadt Augsburg und den Reichsdeputationshauptausschuss zahlte W\u00fcrttemberg neben einer einmaligen Abfindung j\u00e4hrlich 20.000 Gulden f\u00fcr die F\u00fcrstpropstei Ellwangen. Als Wettiner Prinz bezog Clemens Wenzeslaus eine lebenslange Apanage des Dresdner Hofes. \u00dcber seinen Schwager Karl III. von Spanien kamen Leibrenten aus spanischen und spanisch-amerikanischen Bist\u00fcmern. Dass Clemens Wenzeslaus nicht nur seinen teuren Hofstaat weiter finanzieren konnte sondern auch 350.000 Gulden als Barverm\u00f6gen neben vielen Kostbarkeiten und Wertsachen nach seinem Tod hinterlie\u00df, ist ein Beweis f\u00fcr seine gut gef\u00fchrte Haushaltung. (Anm.:132)<br \/>\nAu\u00dferhalb der \u00f6ffentlichen Auftritte trug Clemens Wenzeslaus die Kleidung des Adels, immer eine gepuderte Per\u00fccke und liebte die Volksn\u00e4he. Dies gilt besonders f\u00fcr die letzten Jahre in Oberdorf. Wenn er im Schlossgarten mit seiner Schwester Kunigunde fr\u00fchst\u00fcckte, durften sich die Kinder ihm n\u00e4hern. Er liebte Ausfl\u00fcge, Theaterspiele und eine offene Tafel an warmen Abenden. Nach den Chronisten geht auch das Getr\u00e4nk &#8222;Kalte Ente&#8220; auf den Kurf\u00fcrsten zur\u00fcck. 1771 habe er Sekt und Wein mit Wasser verd\u00fcnnt und mit Zitrone abgeschmeckt, dann zum Abschluss der Feier als &#8222;Kaltes Ende&#8220; servieren lassen. Das Rezept \u00e4nderte bald den Namen auf &#8222;Kalte Ente&#8220; und wurde international bekannt. (Anm.:133) Aber auch privat wusste Clemens Wenzeslaus die Vorteile seiner gehobenen Existenz zu leben. In Oberdorf machte er seine Ausfl\u00fcge mit einer sechssp\u00e4nnigen Kutsche, wobei die Pferde einheitlich Schimmel oder Rappen waren. 1773 lie\u00df er sich und seinen Hofstaat auf den Gr\u00fcnten (1738 m bei Sonthofen) tragen. F\u00fcr den flacheren Anstieg standen 51 Pferde zur Verf\u00fcgung, im Hang mussten 56 Bauern die Tragsessel schleppen. (Anm.:134). Doch das einfache Volk liebte ihn und schm\u00fcckte oft seinen seinen Weg zur Pfarrkirche in Oberdorf mit Girlanden. Bei seinen offiziellen Auftritten als Kurf\u00fcrst und Erzbischof entfaltete er mit viel Geschmack und Kunstsinn den Pomp, den das Volk liebte. Dies war wohl auch der Hintergrund, dass er 1782 in Koblenz selbst die Firmung spendete. (Anm.:135)<\/p>\n<div id=\"attachment_1134\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-020-a.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1134\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1134 \" title=\"clemw-020-a\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-020-a-300x265.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"265\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-020-a-300x265.jpg 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-020-a.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1134\" class=\"wp-caption-text\">Die Kurf\u00fcrstliche Yacht. Quelle: Bundesarchiv.<\/p><\/div>\n<p>Bereits nach 1770 hatte Clemens Wenzeslaus den Auftrag f\u00fcr den Bau einer Rheinflotte erteilt. Neben dem Ausbau des Rheinhafens in Ehrenbreitstein (&#8222;im Dal&#8220;) war ihm der Bau einer kurf\u00fcrstlichen Jacht besonders wichtig. Nach den wenigen vorhandenen Unterlagen war im Vordersteven das kurf\u00fcrstliche Wappen mit den beiden L\u00f6wen in strahlender Vergoldung angebracht. Im Vorderteil der Jacht befanden sich die R\u00e4ume f\u00fcr Kapit\u00e4n und Mannschaft sowie die Vorratslager. Im Hauptteil waren vier R\u00e4ume, die zu einem gro\u00dfen Saal verbunden werden konnten. Im Heck befand sich die Kaj\u00fcte des Kurf\u00fcrsten. Die Jacht hatte reiches Schnitzwerk, einen Mast zum Segeln, Pferdegeschirr f\u00fcr 14 Heuerpferde und war im Inneren sehr kostbar ausgestattet. Nach den Aufzeichungen des Reisemarschalls Waldeck von Boos im Rheinischen Antiquarius lagen die Herstellungskosten allein f\u00fcr die Jacht bei \u00fcber 40.000 Gulden.<br \/>\nZur Kaiserkr\u00f6nung von Joseph II. 1790 fuhr Clemens Wenzeslaus zusammen mit seiner Schwester Kunigunde mit seiner Jacht nach Frankfurt. Der kurf\u00fcrstlichen Jacht fuhr ein Polizeiboot mit zwei kleinen Kanonen voraus; dann folgten eine zweite kleinere Jacht, in der bei Bedarf das Mittagessen eingenommen werden konnte; es folgten zwei Schiffe f\u00fcr Personal und K\u00fcche. Clemens Wenzeslaus blieb \u00fcber 4 Wochen und gab auf seiner Yacht viele kostspielige Empf\u00e4nge und Veranstaltungen. Am 6. Und 12. Oktober speiste hier die kaiserliche Familie. Die Jacht war bis in die sp\u00e4te Nacht illuminiert. (Anm.:136) F\u00fcr Clemens Wenzeslaus war es ein Anliegen, die Bindungen an das katholische Reich zu festigen, auch wenn die Kosten die M\u00f6glichkeiten des Kurstaates ma\u00dflos \u00fcberstiegen. Ende Oktober kehrte der Kurf\u00fcrst mit seiner Schwester Kunigunde nach Ehrenbreitstein zur\u00fcck. Den Abschluss bildete ein gro\u00dfes Volksfest.<br \/>\nAuch in den folgenden Krisenjahren gestaltete Clemens Wenzeslaus sein Leben standesgem\u00e4\u00df. Als der Kurf\u00fcrst Ende 1792 das erste Mal aus Koblenz fl\u00fcchten musste, lehnte er die Asylangebote des K\u00f6lner Kurf\u00fcrsten ab und zog sich lieber nach Augsburg zur\u00fcck. Im Sommer 1793 zog Clemens Wenzeslaus mit gro\u00dfem Gefolge in das Jagdschloss Oberdorf und blieb hier sechs Wochen.Der Schulmeister Christoph Bonaventura schrieb \u00fcber diese Zeit eine Chronik: An der Grenze des Amtsbereiches wurde der F\u00fcrstbischof durch eine gro\u00dfe Abordnung empfangen und zum Schloss geleitet. Eine B\u00fcrgerwehr von 32 Mann in gr\u00fcnen Uniformen versah den Wachdienst. Am 3. August eine &#8222;geschlossene Lustjagd in den H\u00f6llenwaldungen&#8220;. Am 4. August feierliche Firmung in der Pfarrkirche unter Teilnahme aller Geistlichen des Dekanats. Am 8. August Empfang des F\u00fcrstabtes von Kempten. Da dieser vor seiner R\u00fcckreise an einem Schlaganfall starb, erfolgte am Folgetag die Beerdigung mit einem feierlichen Requiem. 13. August Klopfjagd, am 17. August Kesseljagd von Rotwild, am 5. August gro\u00dfe Jagd am Kuhsteinweiher. Nach mehreren Ausfl\u00fcgen eine Reise nach der &#8222;Grenzstadt F\u00fcssen&#8220;. Hier spendete Clemens Wenzeslaus in der Klosterkirche Sankt Mang die Firmung. Die n\u00e4chsten Tage Gemsjagd, Firmung, Sch\u00fctzenfest und \u00fcppige Festessen. &#8222;Die hohen Herrschaften \u00e4u\u00dferten mehrmals ihre h\u00f6chste Befriedigung \u00fcber den hiesigen Aufenthalt; sie zeigten sich \u00fcberaus gn\u00e4dig gegen die Untertanen, nahmen eigenh\u00e4ndig die zahlreichen Bittschriften entgegen und waren bestrebt, jedem Bedr\u00e4ngten nach Tunlichkeit zu helfen.&#8220; (Anm.:137) Es kann schon nachdenklich machen, wenn man sich vergegenw\u00e4rtigt, wie sorglos hier das Leben verlief, w\u00e4hrend anderswo die Lunten brannten.<br \/>\nDer kurf\u00fcrstliche Hof in Ehrenbreitstein entfaltete unter den letzten beiden Kurf\u00fcrsten seine ganze barocke Pracht. (Anm.:138) Die Liebe von Clemens Wenzeslaus zu Musik und Theater beg\u00fcnstigte die Errichtung des Koblenzer Theaters und die Unterhaltung einer Hofkapelle, eines der besten Orchester der barockenen Klassik. 1787 baute der Architekt Peter Krahe innerhalb von sieben Monaten ein Theater mit einer klassizistischen Fassade und einer Innengestaltung, in die Mozart&#8217;s &#8222;Entf\u00fchrung aus dem Serail&#8220; zur Einweihung genau passte. Die Theatergruppe unter Johannes B\u00f6hm wurde vom Kurf\u00fcrsten gesch\u00e4tzt und geachtet. Bereits 1783 gab es am Hof die erste Mozartauff\u00fchrung, mit dem neuen Theater war eine die stimmungsvolle Kulisse geschaffen. (Anm.:139) Durch die Kunstf\u00f6rderung des Kurf\u00fcrsten, der Stifte, Kl\u00f6ster und St\u00e4dte gab es gute Voraussetzungen f\u00fcr zahlreiche Kunstwerkst\u00e4tten, K\u00fcnstler und Bauleute. Clemens Wenzeslaus ist es hoch anzurechnen, dass er die ihm zur Verf\u00fcgung stehenden M\u00f6glichkeiten auch f\u00fcr Kunst und Kultur einsetzte. Allerdings zeigte sich gerade bei seinem letzten gro\u00dfen Werk, dem neuen Schloss in Koblenz, die ganze Zwiesp\u00e4ltigkeit. Weil die Philippsburg in Ehrenbreitstein den Anspr\u00fcchen des barocken Landesherrn Clemens Wenzeslaus nicht gen\u00fcgte, zog er bereits 1777 in das schloss\u00e4hnliche Dikasterialgeb\u00e4ude und brachte die kurf\u00fcrstliche Verwaltung im so genannten Palais Coenen in der Hofstra\u00dfe unter. Dadurch blieb er in der N\u00e4he seines Yachthafens und konnte die andere Rheinseite leicht \u00fcber die leichte Flussbr\u00fccke erreichen. Doch bereits 1776 hatte der Kurf\u00fcrst mit der Planung eines neuen Schlosses in Koblenz begonnen. Zwar gab es in Trier massenhafte Proteste gegen die endg\u00fcltige Verlegung der Residenz und auch wegen der hohen Kosten erhebliche Bedenken bei den Landst\u00e4nden, die die Finanzierung genehmigen mussten, doch der Kurf\u00fcrst setzte sich durch. Dabei spielte wohl eine gro\u00dfe Rolle, dass er gleich durch einen neuen Stadtteil die Erweiterung von Koblenz vorsah und f\u00fcr Handel und Gewerbe gute Chancen in Aussicht stellte. Das Schloss wurde im neoklassizistischen Stil gebaut. Dazu wurde rheinseitig die Stadtbefestigung aufgebrochen. In der geplanten Neustadt sollte sich die geistige Oberschicht des Kurstaates ansiedeln. In rascher Folge entstanden der Trierer Hof, das Kom\u00f6dienhaus (jetzt Stadttheater), die Neustadt, das Schlo\u00dfrondell und die Schlo\u00dfstra\u00dfe. Auf dem Clemensplatz lie\u00df der Kurf\u00fcrst den Clemensbrunnen mit der Inschrift &#8218;Vicinis suis&#8216; errichten, wie der Magistrat geziemend sich ausdr\u00fcckte, &#8222;als ein unverge\u00dfliches Denkmal kurf\u00fcrstlicher Milde zum allgemeinen n\u00fctzlichen Gebrauch der Stadtbewohner&#8220; (1791).<br \/>\nDazu kamen manche Verbesserungen im Innern der Stadt. Der bisher mit Weinst\u00f6cken bepflanzte Jesuitenplatz und der Kirchhof bei der Liebfrauenkirche wurden geebnet und in freie Pl\u00e4tze verwandelt. Statt der qualmenden Pech- und Feuerpfannen, mit denen man sonst die Stra\u00dfen beleuchtet hatte, wurden gro\u00dfe, mit Reflexspiegeln versehene Laternen verwendet. Eine noch vorhandene gusseiserne Wasserleitung f\u00fchrte vom Kimmelberge bei Metternich frisches Quellwasser in die Stadt. Die Bev\u00f6lkerung vermehrte sich rasch; gegen Ende der kurf\u00fcrstlichen Zeit z\u00e4hlte man fast 10.000 Einwohner. An fremden Besuchern war kein Mangel. Sie erhielten von der energisch aufstrebenden Stadt den vorteilhaftesten Eindruck und fanden das alte Wort best\u00e4tigt, da\u00df unter dem Krummstabe gut wohnen sei. (Anm.:140)<br \/>\n1786 konnte der Kurf\u00fcrst zusammen mit seiner Schwester Kunigunde das Schloss beziehen. F\u00fcr Kunigunde war die neue Hofhaltung eine gro\u00dfe Herausforderung, die sie mit Bravour bestand. F\u00fcr die junge Prinzessin Kunigunde waren einstmals alle Heiratspl\u00e4ne der Dresdner Familie gescheitert. Die Pl\u00e4ne, sie dem russischen Zaren, mit dem Kaisersohn Joseph oder dem Erbprinzen von Orleans zu verheiraten, lie\u00dfen sich nicht verwirklichen. Aus dieser Zeit stammte der Wiener Hofklatsch, sie sei h\u00e4sslich und ungebildet. Dem Wiener Kaiserhof gelang es dann doch &#8211; mittels Bestechung &#8211; , die Pfr\u00fcnde einer F\u00fcrst\u00e4btissin von Essen f\u00fcr Kunigunde zu gelangen. Damit war sie eine souver\u00e4ne Regentin ohne Residenzpflicht. 1777 nutzte sie den Umzug, um selbst zu ihrem Bruder zu ziehen und bis zu seinem Tod mit ihm zu leben. Im Kurstaat wurde sie die heimliche Kurf\u00fcrstin. Bekannt wurde sie durch ihre Tanzleidenschaft und ihren m\u00e4nnlichen Reitstil. F\u00fcr ihren Bruder Clemens Wenzeslaus war sie zeitlebens die wichtigste Ratgeberin.<br \/>\nDer Kurf\u00fcrst nahm die Vorz\u00fcge seines Standes mit Selbstverst\u00e4ndlichkeit, aber er bewahrte sich auch den Blick f\u00fcr Not und Elend um ihn herum. Als im letzten Quartal des 18. Jahrhunderts die Leineweber durch die Baumwollspinnmaschinen ersetzt wurden, war auch Augsburg besonders betroffen. Dazu kamen ostindische Billigtextilien, die \u00fcber die Niederlande importiert waren. Clemens Wenzeslaus konnte die Situation nicht ver\u00e4ndern, aber er lie\u00df eine Armenf\u00fcrsorge entwickeln, die vielen Notleidenden das \u00dcberleben erm\u00f6glichte. Und dass er in seinem Testament seine Mitarbeiter zu Haupterben machte, ehrte ihn \u00fcber seinen Tod hinaus. Die Geschichte, dass er in Oberdorf bei seinen Ausfl\u00fcgen in den herumliegenden Sachen der arbeitenden Menschen Geldst\u00fccke versteckte, zeigt zumindest, dass er diese Menschen im Blick hatte.<br \/>\nBedr\u00fcckend ist die Not seines Hofmalers Heinrich Foelix, von dem wir die vielen Bilder der letzten beiden Kurf\u00fcrsten haben. In einem Geheimen Konferenzprotokoll vom 7. Juni 1790 (wurde) festgehalten, dass Foelix der Witwe von Coenen, in deren Palais in Ehrenbreitstein die Familie des Hofmalers lebte, &#8222;zeit langen Jahren 31 Rthler (Reichstaler) f\u00fcr Hauszins schuldig seyn&#8220;. Als die Familie zwei Jahre sp\u00e4ter mit der Flucht des Kurf\u00fcrsten Dienstherr und Auftraggeber verloren hatten, wurde die Situation noch bedr\u00fcckender. (Anm.:141) Um diese Diskrepanz zu verstehen, muss man das letzte Bild, das Heinrich Foelix 1789 vom Kurf\u00fcrsten malte, aufmerksam anschauen. Foelix malte den F\u00fcrsten als Personifikation des Landes, aufrecht stehend, im purpurroten Mantel mit Hermelinpelz, die Hand fest auf dem Kurhut. Auf dem Tisch sind die Mitren, die ihm als Erzbischof von Trier, F\u00fcrstbischof von Augsburg und F\u00fcrstpropst von Ellwangen zustehen, dazu das vom Papst verliehene Pallium und das Band des Gro\u00dfen S\u00e4chsischen Adlerordens. Der Kurf\u00fcrst schaut in die ferne Zukunft, ruhig heiter und doch seltsam unber\u00fchrt.(Anm.:142)<br \/>\nZu guter Letzt; muss die gl\u00fcckliche Hand des Kurf\u00fcrsten, dem Kurstaat viele Jahre den Frieden zu bewahren, erw\u00e4hnt werden. Bei dem Pf\u00e4lzer Erbfolgekrieg (1688-97) waren die franz\u00f6sischen Truppen unter Marschall Bouffier bis Koblenz gekommen. Von der Kartause und der L\u00fctzelh\u00f6he wurde die Stadt mit Brandkugeln (Karkassen) beschossen und zum gr\u00f6\u00dften Teil zerst\u00f6rt. Nach dem Abzug der Franzosen brach eine hundertj\u00e4hrige Friedenszeit an, in der &#8222;das Leben aus den Ruinen&#8220; neu erbl\u00fchte. Die Kurf\u00fcrsten verstanden es, den Kurstaat aus den gro\u00dfen Kriegen herauszuhalten. Auch w\u00e4hrend des siebenj\u00e4hrigen Krieges blieb der Kurstaat von K\u00e4mpfen verschont. Die franz\u00f6sischen Truppen auf dem Ehrenbreitstein und auf der Karthause k\u00e4mpften auf kaiserlicher Seite und waren keine Gefahr, und in den sp\u00e4teren Jahren wurde Koblenz lediglich vom Durchmarsch befreundeter Truppen ber\u00fchrt. (Anm.:143) In der Festschrift des Kaiserin &#8211; Augusta &#8211; Gymnasium aus dem Jahre 1913 wird nicht zu Unrecht eine zeitgen\u00f6ssische Lobeshymne auf die Politik des letzten Kurf\u00fcrsten Clemens Wenzeslaus erw\u00e4hnt: &#8222;Die letzten zehn Jahre, schrieb 1789 ein genauer Kenner unserer Stadt, haben hier in Gebr\u00e4uchen, Sitten, Ton, Denk- und Lebensart einen so merkbaren Unterschied gemacht, als ihn sonst ein Jahrhundert nicht machte. Ja, er ist so gro\u00df, so wichtig und auffallend, da\u00df ein Reisender, der vor dieser Zeit hier gewesen ist, an einen nie gesehenen Ort zu kommen glaubt.&#8220; Auch ein zitiertes Goethewort ist mehr als eine sch\u00f6ne Landschaftsbeschreibung: &#8222;Wie sch\u00f6n ist die n\u00e4here und weitere Umgebung, wie angebaut und gartenreich der Raum zwischen Schlo\u00df und Stadt! Die herrliche Lage des Ortes, die sch\u00f6nen Stra\u00dfen und Geb\u00e4ude, die g\u00fcnstigen Wohnr\u00e4ume sind f\u00fcr den Einheimischen erfreulich, f\u00fcr den Fremden einladend.&#8220; (Anm.:144)<\/p>\n<p>Anmerkungen<br \/>\n132 Vgl. Wachter Dorothea, Degen und Krummstab, (1978). 281f.<br \/>\n133 Wikipedia Art. &#8222;Kalte Ente&#8220; (10.01.2012)<br \/>\n134 Webseite &#8222;Lochstein&#8220;.<br \/>\n135 Vgl. Heinz Andreas, Das liturgische Leben (2010), 304.<br \/>\n136 Vgl. Wagner J. Jac., Die gro\u00dfe Leibjacht des letzten trierischen Kurf\u00fcrsten Clemens Wenzeslaus.<br \/>\n137 Wachter Dorothea, Degen und Krummstab (1978), 227.<br \/>\n138 Vgl. Schmid Wolfgang, Kirche, Kunst und Kultur (2010), Ein letzter Glanz (2003).<br \/>\n139 Ludwig Gera druckte ein &#8222;Historisches Taschenbuch f\u00fcr Liebhaber der Trierischen Geschichte auf das Jahr 1797&#8220; mit Illustrationen des N\u00fcrnberger Kupferstechers K\u00fcffner, das sehr anschaulich die Mozart-Euporie der damaligen Zeit wieder gibt. Das B\u00fcchlein enthielt ein Brustbild von Clemens Wenzeslaus, der beretis Koblenz verlassen hatte. http:\/\/ubttest.opus.hbz-nrw.de\/volltexte\/2006\/369\/pdf\/Tamino.pdf (10.1.2012)<br \/>\n140 Schr\u00f6der Prof .Dr., Coblenz in vergangenen Tagen; in: Heimatkunde von Coblenz Teil I, Beilage zum Osterbericht Ostern 1913, hg. Vom K\u00f6niglichen Kaiserin-Augusta-Gymnasium Koblenz<br \/>\n141 Ein letzter Glanz (2003), S. 15.<br \/>\n142 Ein letzter Glanz (2003), S. 47<br \/>\n143 So zogen auch die Truppen des ber\u00fchmten Prinz Eugen durch Koblenz.<br \/>\n144 Schr\u00f6der Prof .Dr., Coblenz in vergangenen Tagen; in: Heimatkunde von Coblenz Teil I, Beilage zum Osterbericht Ostern 1913, hg. Vom K\u00f6niglichen Kaiserin-Augusta-Gymnasium Koblenz<\/p>\n<h3>8. Auf der Flucht, Machtverlust und S\u00e4kularisation.<\/h3>\n<p>Wie durch einen Tsunami ver\u00e4nderte sich zum Ende des 18. Jahrhunderts die Situation in Europa. (Anm.:145) Angesichts der drohenden Franz\u00f6sischen Revolution hatte Clemens Wenzeslaus die Z\u00fcgel angezogen und viele Freiheiten wieder eingeschr\u00e4nkt. 1789 wurden die Grenzen des Erzstiftes nach Frankreich geschlossen, um das Eindringen von Freisch\u00e4rlern zu verhindern. Der milit\u00e4risch schwache Kurstaat begann zus\u00e4tzliche Soldaten zu rekrutieren und Kanonen an allen St\u00fctzpunkten in Stellung zu bringen. Ungl\u00fccklicherweise hatte der Kurf\u00fcrst schon 1787 seine gesamten Pulvervorr\u00e4te an die Franzosen verkauft. Trotz der unsicheren Zeiten nahm der Kurf\u00fcrst seinen Urlaub in Oberdorf, auch um die wichtigsten Dinge in Augsburg zu regeln, denn \u00fcber F\u00fcssen kamen die ersten Fl\u00fcchtlinge aus Frankreich. Bei dieser Gelegenheit konsekrierte er am 12. Juli 1789 die aufwendig sanierte Pfarrkirche St. Stephanus in Pfaffenhausen. (Anm.:146) Aufgrund seiner verwandtschaftlichen Beziehungen zum franz\u00f6sischen K\u00f6nigshof musste der Kurf\u00fcrst Tausende von franz\u00f6sischen Emigranten aufnehmen. Koblenz wurde zum Zentrum der Gegenrevolution. Die milit\u00e4rische Koalition gegen Frankreich bildete sich aber nur sehr langsam. M\u00e4rz 1792 war der Kaiser Leopold II. pl\u00f6tzlich gestorben, sein Sohn trat als Franz II. die Nachfolge an. Weil die Schulden der letzten Kr\u00f6nung noch nicht bezahlt waren und vor allem weil sich die Truppen der Anti-Napoleon-Koalition schon bewegten, erfolgte die Kr\u00f6nung in Frankfurt ohne jeglichen Prunk. Nach dem Reichsf\u00fcrstenkongress in Mainz fuhr Clemens Wenzeslaus im Eiltempo nach Koblenz, um hier den preu\u00dfischen K\u00f6nig Friedrich Wilhelm II. zu empfangen, der seinen Truppen voraus geeilt war.<br \/>\nEnde 1792 erreichten die franz\u00f6sischen Revolutionstruppen das Rheinland. Clemens Wenzeslaus hatte bereits die Koffer gepackt und floh mit seinem engsten Hofstaat am 21. Oktober 1792 \u00fcber Bonn und D\u00fcsseldorf nach M\u00fcnster, wo ihm der K\u00f6lner Kurf\u00fcrst Asyl angeboten hatte. Unterwegs und in M\u00fcnster war der Kurf\u00fcrst krampfhaft bem\u00fcht, realistische Anweisungen an seine Landesregierung zu schicken. Dann entschloss er sich aber nach Augsburg zu fahren. Am vierzehnten November 1792 traf er in Augsburg ein. Am 21. Januar 1793 wurde der franz\u00f6sische K\u00f6nig, Ludwig XVI. in Paris hingerichtet. Zu der neuen antifranz\u00f6sischen Koalition geh\u00f6rte nun auch Russland. Am 9. August 1793 fiel Trier in die Hand der franz\u00f6sischen Truppen, wurde gepl\u00fcndert und verw\u00fcstet.<br \/>\nWeil sich jedoch die Reichstruppen durchsetzten, kehrte der Kurf\u00fcrst am 31. Oktober 1793 nach Koblenz zur\u00fcck. Marx beschreibt die Begr\u00fc\u00dfung durch den Stadtmagistrat als sehr herzlich. Als der Kurf\u00fcrst &#8222;in der Liebfrauenkirche seine Danksagung gehalten hatte, fand er beim Austreten aus der Kirche seinen Wagen von den B\u00fcrgern aus der Fuhrzunft bespannt und vorgef\u00fchrt. Auf dem Bock sa\u00df des Poststallmeisters Barth zehnj\u00e4hriges S\u00f6hnchen und hatte ein gelbseidenes Leitseil in den H\u00e4nden. Der Churf\u00fcrst dankte und sagte: &#8218;Ich habe meine Unterthanen viel zu lieb und sch\u00e4tze sie zu werth, als da\u00df ich mich von ihnen statt der Pferde ziehen lassen sollte; ich will in euren Herzen getragen, aber nicht von euch gezogen sein.&#8216; Und hierauf ging er zu Fu\u00df unter Begleitung des Volkes nach der Residenz. \u201aNoch fufzig Johr!&#8216; riefen die Einen, \u00fcberlauf Vivat! Riefen die Andern abwechselnd.&#8220; (Anm.:147) Der Kurf\u00fcrst setzte sich nun an die Spitze der B\u00fcrgerbewegung, Koblenz eine sichere Verteidigungsstruktur neu zu geben. Selbst die Kl\u00f6ster stifteten von ihrem Kirchensilber. Doch die franz\u00f6sischen Revolutionstruppen waren nicht aufzuhalten; ihre hohe Motivation machte die \u00e4rmliche Ausr\u00fcstung wett. Durch die Aufgabe der klassischen Kolonnenformation hatten die franz\u00f6sischen Freisch\u00e4rler eine gro\u00dfe Beweglichkeit. Bereits im April 1792 war der Trierer Domschatz und das Archiv von Trier nach Ehrenbreitstein gebracht worden. Als sich die milit\u00e4rische Lage zuspitzte wurde das ganze Archiv des Kurf\u00fcrstentums auf Schiffe verladen und \u00fcber D\u00fcsseldorf nach Niederwesel gebracht und hier im Karmeliterkloster eingelagert. Da sich die Lage entspannte, wurde das ganze Archiv wieder nach Koblenz zur\u00fcckgeholt. Doch die Atempause war nur kurz. Nun musste man damit rechnen, dass die Franzosen die ganze linke Rheinseite erobern und besetzen w\u00fcrden. Am 14. Januar 1794 richtete Clemens Wenzeslaus das Amt des Fl\u00fcchtlingskommissars&#8220; ein, um die Verlagerung der kurf\u00fcrstlichen Verwaltung vorzunehmen. Das Hauptarchiv wurde per Schiff in das F\u00fcrstbistum Augsburg nach Dillingen gebracht und sp\u00e4ter in Dresden eingelagert. Die \u00fcbrigen Akten kamen nach mehreren Zwischenstationen bis nach Hanau. (Anm.:148) Auch die kostbarsten M\u00f6bel aus dem Schloss wurden auf Schiffe verladen und in die Hofburg nach Augsburg gebracht.<br \/>\nAngesichts der drohenden Eroberung von Koblenz floh der Kurf\u00fcrst zum zweiten Mal &#8211; diesmal mit seiner Yacht &#8211; von Koblenz. Am 5. Oktober 1794 verlie\u00dfen die Schiffe den Hafen von Ehrenbreitstein. Unter der Bev\u00f6lkerung war die Stimmung umgeschlagen, weil sie erlebten, dass sie der Kurf\u00fcrst nicht mehr sch\u00fctzen werde; Koblenzer B\u00fcrger sollen bei der Abfahrt der Schiffe am Ufer applaudiert haben. Der Prinz aus dem Sachsenland hatte die Partie verloren. Achtzehn Tage nach seiner Flucht besetzten die franz\u00f6sischen Truppen Koblenz und setzten vor der kurf\u00fcrstlichen Residenz den Freiheitsbaum mit der roten Jakobinerm\u00fctze.Aber auch in Augsburg wurde Clemens Wenzeslaus mit den revolution\u00e4ren Unruhen konfrontiert. Der Kurf\u00fcrst war von der sich umgreifenden Revolution so verschreckt, dass er auch im Augsburger F\u00fcrstbistum (Landesherrschaft) alle Reformen zur\u00fccknahm. Da Preu\u00dfen 1795 wegen seiner Polenpl\u00e4ne die Reichskoalition verlie\u00df und mit Frankreich einen Separatfrieden schloss, konnten sich die franz\u00f6sischen Revolutionsstruppen konzentrieren und neu angreifen. Ende Juni 1796 \u00fcberquerten sie den Rhein und stie\u00dfen nach S\u00fcddeutschland vor.<br \/>\nClemens Wenzeslaus konnte vor dem Einmarsch der Franzosen fliehen und suchte mit seinem Hofstaat in Dresden Zuflucht. Nach dem erfolgreichen Vorsto\u00df der Reichstruppen kam er nach Augsburg sofort zur\u00fcck, aber er kam in ein Land, das voller sozialer und politischer Unruhen war. Im Sommer 1800 floh der Kurf\u00fcrst erneut nach Dresden. Durch den Frieden von Luneville am 9. Februar 1801 wurde der Kurf\u00fcrst endg\u00fcltig ein F\u00fcrst ohne Land. Das linksrheinische Erzstift Trier fiel an Frankreich, das F\u00fcrststift Augsburg an die Reichsstadt Augsburg bzw. sp\u00e4ter an Bayern, die F\u00fcrstpropstei Ellwangen an W\u00fcrttemberg und die rechtsrheinischen Gebiete des Erzstiftes Trier an Nassau. Die S\u00e4kularisierung durch den Reichsdeputationshauptschluss regelte auch f\u00fcr Clemens Wenzeslaus Abfindungen und Pensionen.<\/p>\n<p>Anmerkungen<br \/>\n145 Vgl. Wachter Dorothea, Degen und Krummstab (1978), 213ff<br \/>\n146 Vgl. Webseite Bistum Augsburg, Art. St. Stephanus<br \/>\n147 Marx, Geschichte (1864), 287.<br \/>\n148 Vgl. www.landeshauptarchiv.de\/index.php?id=453<\/p>\n<h3>9. Heimgang (Anm.:149)<\/h3>\n<div id=\"attachment_1144\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-051-a.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1144\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1144  \" title=\"clemw-051-a\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-051-a-300x237.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"237\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-051-a-300x237.jpg 300w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-051-a.jpg 599w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1144\" class=\"wp-caption-text\">Der Trauerzug zur Beerdigung. Quelle. Wikimedia.<\/p><\/div>\n<p>In seiner Augsburger Zeit verbachte Clemens Wenzeslaus die Sommermonate im Oberdorfer Schloss, erteilte in der Pfarrkirche das Sakrament der Firmung und hielt einen intensiven Kontakt zur Bev\u00f6lkerung. Ende Juni 1812 erkrankte er schwer. Die Menschen waren anger\u00fchrt, als die Glocken \u00fcberall l\u00e4uteten und den nahenden Tod ank\u00fcndigten. Schwester Kundigunde wich nicht von seinem Bett. Nach dem Empfang der Sterbesakramente starb Clemens Wenzeslaus in der Nacht vom Sonntag zum Montag um 0,30 Uhr am 27. Juli 1812 im Alter von 73 Jahren. Vierundvierzig Jahre hatte er Regierungsverantwortung getragen.Der tote Leib wurde im Chor der Oberdorfer Pfarrkirche drei Tage lang aufgebahrt. Dann erfolgte die Einbalsamierung durch den Hofarzt Ahorner. Das Herz wurde in einer Silberkapsel im Augsburger M\u00fcnster beigesetzt, die Bestattung des Leichnams erfolgte am 4. August 1812. Um 16 Uhr zog der Trauerzug von der Pfarrkirche zum Friedhof. Die Trauerfeier leitete der Augsburger Weihbischof von Hohenlohe-Schillingsf\u00fcrst. Einschlie\u00dflich des Augsburger Domkapitels nahmen der ganze Klerus, Generalkommissar von Reisach, der gesamte Hof und die Augsburger B\u00fcrgerwehr an der Trauerfeier teil. Ein langer Trauerzug der Bev\u00f6lkerung gab dem toten Churf\u00fcrsten das Geleit. In seinem Testament hatte Clemens Wenzeslaus seine Dienerschaft zum Universalerben bestimmt, f\u00fcr die Oberdorfer und Augsburger Armenkasse hatte er ein Verm\u00e4chtnis eingesetzt, ebenfalls f\u00fcr die Oberdorfer Lehrgeldstiftung, eine Ausbildungsst\u00e4tte f\u00fcr Jungen aus unteren sozialen Verh\u00e4ltnissen. Seine Schwester Kunigunde erhielt lediglich einige pers\u00f6nliche Erinnerungsst\u00fccke und zog sich an den Dresdener Hof zur\u00fcck. Die kurf\u00fcrstlichen Mobilien wurden \u00f6ffentlich versteigert. Einen Teil der M\u00f6bel kaufte der Bayerische Staat und verteilte sie auf verschiedene Schl\u00f6sser. Das Oberdorfer Schloss wurde zu Verwaltungszecken umgewidmet.<\/p>\n<div id=\"attachment_1148\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-057-a.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1148\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1148 \" title=\"clemw-057-a\" src=\"http:\/\/wordpress.p130205.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-057-a-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-057-a-200x300.jpg 200w, http:\/\/www.bendorfer-lehrhaus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/clemw-057-a.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1148\" class=\"wp-caption-text\">Die Grabkapelle in Oberdorf. Quelle: Wikimedia.<\/p><\/div>\n<p>1823 lie\u00df Kunigunde eine Grabkapelle im klassizistischen Stil an die Pfarrkirche anbauen und hierin Clemens Wenzeslaus umbetten. Eine wei\u00dfe Marmortafel tr\u00e4gt die goldene Inschrift:<br \/>\nHic requiescit in Domino\/reverendissimus ac celsissimus\/Princeps Elector\/Archi-Episcopus Trevirensis\/Et Episcopus Augustanus\/Praepositus Ellwacensis\/Regius Princeps Poloniae\/Dux Saxoniae etc. etc.\/ Clemens Wenceslaus\/ natus Die 23. Nov. 1739 (Anm.:150)\/ denatus in sua residentia aestivali Oberdorfii Die 27. Juli 1812 &#8211; Amantissmimus Domini habitabit con-\/fidenter in eo, quasi in thalamo inter\/ humerus ejus requiescit\/ Deuteronome C. 33,v.12<br \/>\nHier ruht im Herrn \/der Hochw\u00fcrdigste und Erhabenste Kurf\u00fcrst\/ und Erzbischof von Trier, \/(und) der Bischof von Augsburg, \/der Abt von Ellwangen, der k\u00f6nigliche Prinz Polens,\/ der F\u00fcrst Sachsens etc. etc.\/ Clemens Wenceslaus \/ geboren am &#8230;&#8230;&#8230;.\/ verstorben in seiner Sommeresidenz Oberdorf am 27. Juli 1812 &#8211; Der Liebling des Herrn wohnte im Vertrauen auf ihn, er ruht wie in einer Kammer zwischen seinen Schultern. Deuteronomium 33,12.<\/p>\n<p>Anmerkungen<br \/>\n149 Wachter, Dorothea, Degen &amp; Krummstab,(1978), 278 ff<br \/>\n150 Das Geburtsdatum ist ein Fehler, denn Clemens Wenzeslaus wurde am 28. September 1739 geboren.<\/p>\n<p>10. Res\u00fcmee<br \/>\nClemens Wenzeslaus war zweifelsohne ein frommer katholischer Priester und ein papsttreuer Pr\u00e4lat der R\u00f6mischen Kirche. Als Reichsf\u00fcrst war er ein treuer Freund der deutschen Kaiser und f\u00fchlte sich f\u00fcr die deutschen Lande verantwortlich. Als Landesherr behielt er das Wohl der Menschen im Auge und bem\u00fchte sich nach besten Kr\u00e4ften die Verh\u00e4ltnisse zu verbessern oder wenigstens ertr\u00e4glicher zu machen. Mit Selbstverst\u00e4ndlichkeit lebte er nach den Regeln und M\u00f6glichkeiten seiner hohen sozialen Stellung. Er war \u00fcberaus gebildet und ein gro\u00dfer Musikliebhaber. Den Idealen der Aufkl\u00e4rung war er aufgeschlossen, solange sie nicht seine katholische Identit\u00e4t ber\u00fchrten. Seine Beziehung zum Protestantismus und zum Judentum wurde pragmatisch durch seine Erziehung zur Toleranz und durch wirtschaftliche Gesichtspunkte bestimmt. Sein gro\u00dfes Pflichtgef\u00fchl bewahrte ihn davor, die ihm anvertrauten Landesherrschaften zum Vorteil f\u00fcr sich und seine Familie auszusaugen, wie es viele Landesherren mit Selbstverst\u00e4ndlichkeit taten. Er litt unter den Kriegen und f\u00fchlte sich ihnen oft hilflos ausgeliefert. Trotz guten Willens konnte er die Zeitenwende nicht aufhalten. Die Einsch\u00e4tzung des Koblenzer Historikers Domenicos d\u00fcrfte zutreffend sein: &#8222;seine Regierung hat \u00fcber die letzte Zeit des Trierischen Kurf\u00fcrstenthums dennoch reichen Segen verbreitet; sie bildet das milde Abendroth vor dem Einbrechen einer dunkeln Periode der Zerst\u00f6rung und fremder Gewalt, die erst nach mehr als einem halben Menschenalter einer neuen Morgenr\u00f6the weichen sollte.&#8220;<br \/>\nZum Schluss sei noch einmal der Hinweis erlaubt, dass wir auch Clemens Wenzeslaus im Kontext seiner Zeit sehen und beurteilen m\u00fcssen. Es war die Zeit des Barock, wo sich der Adel mit Selbstverst\u00e4ndlichkeit als F\u00fchrungsschicht verstand, der auch zun\u00e4chst und vor allen die materiellen Ressourcen, die von allen erarbeitet wurden, f\u00fcr sich beanspruchte. Dies galt nicht nur f\u00fcr den katholischen Adel. Die protestantischen Landesherren lebten in derselben Gesinnung. Da die geistlichen F\u00fcrsten zum hohen Adel geh\u00f6rten, nahmen sie auch dessen Privilegien in Anspruch. Die Ideale der Franz\u00f6sischen Revolution &#8222;Freiheit, Gleichheit, Br\u00fcderlichkeit&#8220; haben langfristig gesehen Europa ver\u00e4ndert. Dass sie aber nur sehr m\u00fchsam und bruchst\u00fcckhaft verwirklicht wurden, sieht man an den Gewalttaten der Revolution\u00e4re, an den imperialistischen Kriegen Napoleons und an der Wiederkehr der hierarchischen Monarchie. In diesem Licht seiner Zeit muss Clemens Wenzeslaus gesehen und beurteilt werden.<\/p>\n<h2>Eingesehene und eingearbeitete Literatur:<\/h2>\n<p>Bautz: Biographisch &#8211; Bibliographisches Lexikon, Artikel &#8222;Clemens Wenceslaus von Sachsen&#8220;, 67<br \/>\nBender Eva, Die Prinzenreise, Schriften zur Residenzkultur Bd. 6, Lukas Verlag 2011. Digitaler Portr\u00e4tindex, Universit\u00e4tsbibliothek Leipzig, Bereich Sondersammlungen und Digitalisierung; Portr\u00e4ts Clemens Wenzeslaus Inv. Nr. 9\/258 und 9\/259<br \/>\nDominicus AL., Coblenz unter dem letzten Kurf\u00fcrsten von Trier, Clemens Wenceslaus, 1768-1794. Coblenz 1869.<br \/>\nEin letzter Glanz, hg. Vom Mittelrhein-Museum Koblenz, Koblenz 2003<br \/>\nFellmann Walter, Prinzessinnen: Glanz, Einsamkeit und Skandale am S\u00e4chsischen Hof, Leipzig 1996.<br \/>\nFeuerstein-Pra\u00dfer Karin, Augusta, Kaiserin und Preu\u00dfin, TB Piper M\u00fcnchen 2011<br \/>\nKraus Franz Xaver, Artikel &#8222;Clemens Wenceslaus&#8220; in: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB), Bd,4., Leipzig<br \/>\nFranz Gunther, Reformatorische Bestrebungen, Reformation und Rekatholisierung des Kurf\u00fcrstentums und im Erzbistum Trier; in: Kirchenreform und Konfessionsstaat 1500 &#8211; 1801, hg. von Bernhard Schneider, Trier 2010<br \/>\nFranz Gunther, Von der Konfrontation zur \u201aToleranz&#8216;: Protestanten im Kurf\u00fcrstentum Trier; in: Geschichte des Bistums Trier, Bd.3. hg. Manfred Schneider, Trier 2010.<br \/>\nG\u00f6ller Andreas, Juden im Erzbistum Trier; in: Geschichte des Bistums Trier, Bd.3. hg. Manfred Schneider, Trier 2010.<br \/>\nHeim Manfred, &#8222;Freudenvolle Tr\u00e4nen&#8220;: die Bischofsweihe von Clemens Wenzeslaus von Sachsen; in Staat und Verwaltung, Festschrift f\u00fcr Wilhelm Volkert, Hg. Alois Schmid und Konrad Ackermann, Beck Verlag M\u00fcnchen 2003.<br \/>\nKemp Franz Hermann, Die Sayner Abtswahl im Laufe der Jahrhunderte, Heimatkalender f\u00fcr den Kreis Koblenz 1953, bearbeitet von Werner Kutsche, www.bendorf-geschichte.de<br \/>\nLaufner Richard, Die Aufkl\u00e4rung in Kurtrier; in G\u00fcnther Franz (Hrsg.): &#8222;Aufkl\u00e4rung und Tradition&#8220;, Trier 1989).<br \/>\nL\u00f6wenstein Dr. ,Zwei bedeutsame Briefe des Kanzlers La Roche nach seinem Sturze; in: Koblenzer Heimatblatt 1928 Heft 15; bearbeitet von Werner Kutsche; www.bendorf-geschichte.de<br \/>\nMarx Jakob, Geschichte des Erzstifts Trier, Abt.3 Bd. 5, Die Geschichte des Trierischen Landes seit dem Regierungsantritt des letzten Kurf\u00fcrsten Klemens Wenzeslaus, Trier 1864<br \/>\nPalomino Erziehung im mittelalterlichen Adel, Z\u00fcrich 1999 http:\/\/www.geschichteinchronologie.ch\/MA\/Palomino_erziehung-im-mittelalterlichen-adel.htm#3.1.<br \/>\nPauly Ferdinand, Aus der Geschichte des Bistums Trier, III. Teil, Trier 1973<br \/>\nPersch Martin, Kirchliches Leben und religi\u00f6se Praxis; in: Kirchenreform und Konfessionsstaat 1500 &#8211; 1801, hg. von Bernhard Schneider, Trier 2010<br \/>\nRaab Heribert, Bischof und F\u00fcrst der Germania Sacra zwischen Westf\u00e4lischem Frieden und S\u00e4kularisation (1650-1803); Bd. 28 der Freiburger Ver\u00f6ffentlichungen aus dem Gebiet von Kirche und Staat, Universit\u00e4tsverlag Freiburg Schweiz, 1989.<br \/>\nRaab Heribert, Clemens Wenzeslaus von Sachsen und seine Zeit, Bd.I Dynastie, Kirche und Reich im 18. Jahrhundert, Freiburg 1962<br \/>\nRaab Heribert, Toleranz im Kur- und Erzstift Trier; Bd. 28 der Freiburger Ver\u00f6ffentlichungen aus dem Gebiet von Kirche und Staat, Universit\u00e4tsverlag Freiburg Schweiz, 1989.<br \/>\nReimann Ernst, Prinzenerziehung in Sachsen am Ausgang des 16. Und im Anfang des 17. Jahrhunderts, Dresden Verlag von Wilhelm Baensch, 1904, Fotomechanischer Nachdruck USA.<br \/>\nReinalter Helmut (Hg.), Lexikon zum aufgekl\u00e4rten Absolutismus, B\u00f6hlau 2005 Rheinische Geschichte, Richter Julius, Das Erziehungswesen am Hofe der Wettiner Albertinischer (Haupt)-Linie, Weidmannsche Buchhandlung Berlin 1913; Bd. LII der Monumenta Germaniae Paedagogica. S\u00e4chsische Biografie, Maria Antonia Walburga, Online http:\/\/saebi.isgv.de\/biografie\/Maria_Antonia_Walburga,_Kurf%C3%BCrstin_von_Sachsen_%281724-1780%29 (24.10.2011)<br \/>\nSchabow Dietrich, Wilhelm Remy ist auch der Vater der Concordiah\u00fctte, www.bendorf-geschichte.de\/bdf-0050.htm.<br \/>\nSch\u00e4fer Gudrun, Die f\u00fchrenden Mitarbeiter der Trierer Kurf\u00fcrsten, Online:<br \/>\nhttp:\/\/www.oocities.org\/gudrun_bn\/Kurtrier1.html (24.10.2011)<br \/>\nSchmidt Wolfgang, Kirche, Kunst und Kultur; in: Kirchenreform und Konfessionsstaat 1500 &#8211; 1801; hg. Von Bernhard Schneider, Trier 2010.<br \/>\nWachter Dorothea, Degen &amp; Krummstab, Allg\u00e4uer Zeitungsverlag Kempten, 1978.<br \/>\nWagner J. Jac., Die gro\u00dfe Leibjacht des letzten trierischen Kurf\u00fcrsten Clemens Wenzeslaus; in: Rhein. Heimatbl\u00e4tter Heft 2, 1. Jahrg. Koblenz 1926<br \/>\nWikepedia, Artikel &#8222;Bendorfer H\u00fctten&#8220; (6.1.2012) Wikipedia: Artikel &#8222;August der Starke&#8220; (2.11.2011) Wikipedia: Artikel &#8222;Clemens Wenzeslaus&#8220; (2.11.2011) Wikipedia: Artikel &#8222;August III. (Polen)&#8220;, (2.11.2011) Wikipedia: Artikel &#8222;Maria Josepha von \u00d6sterreich&#8220; (2.11.2011)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erstver\u00f6ffentlichung auf der Webseite der Gesellschaft f\u00fcr Geschichte und Heimatkunde von Bendorf und Umgebung GGH\u00a0 www.bendorf-geschichte.de; Verk\u00fcrzte Fassung im Heimatbuch des Landkreises Mayen-Koblenz 2013 Biografisches Portrait des letzten Trierer Kurf\u00fcrsten Clemens Wenzeslaus unter dem besonderen Aspekt seiner Rolle als katholischer Bischof in der Fr\u00fchen Neuzeit I. Einf\u00fchrung II. 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